Mittwoch, 26. Juli 2017

11- Die Auswanderung des Gesandten

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Befehl zur Auswanderung



Muhammad erfuhr von den Mordplänen der Quraisch, die seine Auswanderung nach Medina sowie seine damit verbundene Stärkung fürchteten und was dies für Mekka und für seinen Handel mit Asch Scham an Schaden und Einbußen mit sich brächte. Niemand zweifelte daran, dass Muhammad die Gelegenheit ergreifen und auswandern werde. Dadurch, dass er Stillschweigen bewahrte, konnte jedoch niemand seine Pläne erfahren.

Selbst Abu Bakr nicht, der, nachdem er den Propheten um Erlaubnis zur Auswanderung gebeten und dieser ihn gebeten hatte, abzuwarten, zwei Kamelstuten bereithielt, ohne Genaues zu wissen. Muhammad blieb in Mekka, bis er vom Plan der Quraisch Kenntnis erhielt und nur noch wenige der Muslime dort zurückgeblieben waren.



Er wartete nun auf den Befehl seines Herrn, und siehe da, ER offenbarte ihm, auszuwandern. Da ging er zum Haus Abu Bakrs und unterrichtete ihn, dass Allah ihn aufgefordert habe, auszuwandern. As Siddik bat ihn, ihn dabei begleiten zu dürfen, und er willigte in seinen Wunsch ein.

Hier beginnt hinsichtlich Aussagekraft und Erlesenheit eine der größten Abenteuergeschichten für die Sache der Wahrheit, der Überzeugung und des Glaubens. Abu Bakr hatte seine beiden Kamelstuten bereitgehalten und Abdullah Ibn Uraikit auf Abruf zum Weiden übergeben. Als die beiden Männer beschlossen, Mekka zu verlassen, hatten sie nicht den geringsten Zweifel, dass die Quraisch sie verfolgen wurden. Deshalb beschloss Muhammad, nicht die üblichen Wege einzuschlagen und seine Reise auch zu ungewöhnlicher Zeit anzutreten.

Jene Jugendlichen, die von den Quraisch auf seine Ermordung vorbereitet worden waren, belagerten sein Haus in der Nacht aus Angst, er könnte fliehen.

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Ali im Bett des Propheten



In der Nacht der Auswanderung flüsterte Muhammad dem Ali Ibn Abu Talib zu, er solle sich mit seinem grünen Gewand aus Hadramaut bedecken und in seinem Bett schlafen. Er wies ihn an, in Mekka zurückzubleiben, um die ihm anvertrauten Dinge den Leuten von ihm zu überbringen.

Jene Jugendlichen der Quraisch begannen, hin und wieder durch einen Spalt einen Blick auf die Schlafstelle des Propheten zu werfen. Als sie einen Mann im Bett liegen sahen, waren sie sicher, dass er noch nicht geflohen war.

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In der Höhle Sawr

Im letzten Drittel der Nacht ging Muhammad, ohne dass sie es bemerkt hatten, zu Abu Bakrs Haus, und die beiden Männer gingen durch eine Luke seiner Rückseite hinaus und entfernten sich gen Süden zur Höhle Sawr. Dass sie in Richtung Jemen zogen, würde niemand vermuten.

Niemand wusste von ihrem Versteck in der Höhle außer Abdullah Ibn Abu Bakr, dessen beide Schwestern Aischa und Asma und ihr Schutzbefohlener Amir Ibn Fuhaira. Abdullah verbrachte den Tag unter den Quraisch und lauschte, was sie gegen Muhammad planten, um es in der Nacht dem Propheten und seinem Vater zu erzählen. Amir weidete die Schafe Abu Bakrs und ruhte sich abends bei den beiden aus, währenddessen sie sie molken und schlachteten. Und wenn Abdullah Ibn Abu Bakr von ihnen zurückkehrte, folgte ihm Amir mit den Schafen und verwischte seine Spur.

Sie blieben drei Tage in der Höhle, während derer die Quraisch unermüdlich ihre Suche betrieben. Sie mussten dies auch tun; sahen sie doch die ihnen drohende Gefahr für den Fall, dass sie Muhammad nicht fassten und er nach Jathrib gelangte! Die beiden Männer ihrerseits blieben in der Höhle, und Muhammad gedachte ununterbrochen Allahs.

IHM stellte er seine Sache anheim denn zu IHM gelangen alle Dinge. Und Abu Bakr achtete auf jedes Geräusch, um zu erfahren, ob diejenigen, die ihren Spuren folgten, vielleicht erfolgreich sein würden. Die Jugendlichen der Quraisch näherten sich, aus jedem Stammesteil einer, mit ihren Schwertern, Stöcken und Prügeln und suchten die ganze Gegend ab. Sie trafen einen Hirten in der Nähe der Höhle Sawr, den sie fragten. Seine Antwort war: “Sie könnten in der Höhle sein, wenngleich ich niemanden dorthin gehen sah.“

Abu Bakr kam ins Schwitzen, als er die Antwort des Hirten hörte, und fürchtete, die Suchenden würden zu ihnen in die Höhle eindringen. Er hielt den Atem an und verharrte bewegungslos, sein Geschick Allah anvertrauend.

Einige der Quraisch näherten sich und kletterten zur Höhle hinauf. Sodann kehrte einer von ihnen wieder um, und seine Gefährten fragten ihn: Warum hast du denn nicht in die Höhle hineingeschaut?“ Da sagte er: “Da die Spinne dort bestimmt schon vor Muhammads Geburt da war und ich auch noch zwei wilde Tauben am Eingang der Höhle sah, war mir klar, dass niemand darinnen sein konnte.“ Muhammad betete mit verstärkter Hingabe; Abu Bakrs Furcht wuchs, und er näherte sich seinem Gefährten und schmiegte sich dicht an ihn an; da flüsterte ihm Muhammad ins Ohr: “Gräme dich nicht! Allah ist gewiss mit uns!“

In einem Bericht der Hadith-Bücher heißt es, Abu Bakr habe, als er das Nahen der Verfolger bemerkte, flüsternd gesagt: “Wenn einer von ihnen nach unten blickt, sieht er uns.“ Da habe ihm der Prophet geantwortet: “O Abu Bakr! Was soll man von zweien halten, deren dritter Allah ist!“

Die Überzeugung der Quraisch, dass niemand in der Höhle sei, verstärkte sich, als sie einen Baum sahen, dessen Zweige auf ihren Eingang wiesen, und Es keinen Weg gab, sie zu betreten, außer durch Entfernung dieser Zweige. Somit wandten sie sich ab, und die beiden sich Verbergenden hörten sie zur Rückkehr rufen.

Da nahm Abu Bakrs Glaube an Allah und SEINEN Gesandten noch mehr zu. Muhammad aber rief aus: “Preis sei Allah, Allah ist der Größte!“

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Das Wunder der Höhle

Die Spinnwebe, die beiden Tauben und der Baum, dies sind die Wunder, von denen die biographischen Bücher über das Verbergen in der Höhle Sawr erzählen. Das Wunder besteht darin, dass nichts davon vorhanden war, als der Prophet und sein Gefährte in der Höhle Zuflucht suchten; doch dann beeilte sich die Spinne sogleich, ihr Netz zu weben, um die in der Höhle Befindlichen vor Blicken zu schützen; die beiden Tauben kamen und legten an ihrem Eingang Eier, und der Baum wuchs, wo zuvor nichts gewachsen war.

Zu diesem Wunder meint der Orientalist Dermenghem:

„Diese drei Dinge allein sind das Wunder, von dem die authentische Geschichtsschreibung des Islam berichtet: ein Spinnennetz, die Liebe einer Taube und das Wachsen eines Baumes; es sind drei Wunder, von denen es jeden Tag auf Gottes Erde desgleichen gibt.“

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Einige Biographen übergehen diese Geschichte

Dennoch wird dieses Wunder in Ibn Hischams Biographie nicht erwähnt. Das folgende ist vielmehr alles, was dieser Geschichtsschreiber zur Geschichte der Höhle erwähnt:

„Die beiden gingen zu einer Höhle bei Sawr - einem Berg unterhalb Mekkas - und betraten sie. Abu Bakr wies seinen Sohn Abdullah an, für sie tagsüber zu horchen, was die Leute über sie sagten, und ihnen dann am Abend die Neuigkeiten dieses Tages zu bringen. Ferner beauftragte er Amir Ibn Fuhaira, seinen Schutzbefohlenen, tagsüber seine Schafe zu weiden und sie dann am Abend bei ihnen in der Höhle ausruhen zu lassen. Asma, Abu Bakrs Tochter, brachte ihnen abends zu essen, damit sie wieder zu Kräften kamen.

Allahs Gesandter blieb drei Tage in der Höhle. Als die Quraisch ihn vermissten, hatten sie einhundert Kamelstuten als Belohnung ausgesetzt für den, der ihn zurückbringe. Abdullah Ibn Abu Bakr hielt sich tagsüber unter den Quraisch auf und hörte, was sie konspirierten und was sie über Allahs Gesandten und Abu Bakr sagten.

Abends kam er dann zu ihnen, um zu berichten. Amir Ibn Fuhaira, der Schutzbefohlene Abu Bakrs, weidete auf den Weiden der Mekkaner dessen Schafe und ließ sie abends bei ihnen ausruhen. Sie molken und schlachteten dann. Wenn Abdullah Ibn Abu Bakr von ihnen nach Mekka ging, folgte Amir Ibn Fuhaira mit den Schafen seinen Fußspuren, um sie zu verwischen.

Als der dritte Tag schließlich verstrichen war und die Leute nicht mehr so intensiv nach ihnen suchten, kam ihr Gefährte zu ihnen, den sie mit ihren beiden und seinem Kamel angedingt hatten...“ Das ist es, was Ibn Hischam von der Geschichte der Höhle erwähnt. Bis dahin zitiert, wo Muhammad und sein Gefährte sie verließen.

Über die Verfolgung und beabsichtigte Tötung Muhammads durch die Quraisch und diese Geschichte der Höhle wurde folgendes Wort des Erhabenen geoffenbart:

„Und als die Ungläubigen nach einer List wider dich suchten, um dich festzunehmen oder zu töten oder zu vertreiben; und sie schmiedeten Listen, und Allah schmiedete Listen, und Allah ist der Listigste.“ (8:30)

Und das Wort des Allmächtigen, Allgewaltigen:

„Wenn ihr ihm nicht helft. so half ihm Allah bereits, als die Ungläubigen ihn als einen von zweien vertrieben, als beide in der Höhle waren, als er zu seinem Gefährten sagte: “Sorge dich nicht, denn Allah ist mit uns.“Da sandte Allah SEINE Beruhigung über ihn und half ihm mit Soldaten, die ihr nicht seht. und machte das Wort der Ungläubigen zum niedrigsten, und Allahs Wort ist das höchste, und Allah ist allmächtig, allweise.“ (9:40)

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Aufbruch nach Jathrib

Am dritten Tag, als sie wussten, dass die Leute von ihnen abgelassen hatten, kam ihr Gefährte mit ihren beiden Kamelen und seinem eigenen zu ihnen und Asma Bint Abu Bakr mit Verpflegung für sie. Als sie sich aufmachten, fand sie nichts, um Essen und Wasser an ihren Kamelsätteln festzumachen. Da zertrennte sie ihren Gürtel und befestigte die Lebensmittel mit der einen Hälfte und gürtete sich mit der anderen, weshalb sie „die mit den zwei Gürteln“ genannt wurde. Jeder bestieg sein Kamel und führte seine Verpflegung mit sich; Abu Bakr hatte auch sein gesamtes Vermögen von fünftausend Dirham bei sich.

Ihr Verstecken in der Höhle und ihr Wissen um ihre Verfolgung durch die Quraisch veranlasste sie zu mehr Sorgfalt und Vorsicht; deshalb nahmen sie einen anderen Weg nach Jathrib als den, den die Leute gewohnt waren. Ihr Führer Abdullah Ibn Uraikit (einer vom Stamm der Ad Duil) zog mit ihnen gen Süden unterhalb Mekkas, dann in Richtung Tihama nahe der Küste des Roten Meeres. Als sie auf einem wenig bekannten Weg waren, wandte er sich mit ihnen nordwärts, parallel in einiger Entfernung zur Küste.

Er schlug Wege ein, die kaum jemand zuvor benutzt hatte. Die beiden Männer und ihr Führer zogen die Nacht hindurch und den Beginn des Tages auf ihren Reittieren voran. Ohne dass sie sich um die Beschwerlichkeit kümmerten oder dass sie Müdigkeit überkam. Nichts fürchteten sie mehr als dass die Quraisch sie von ihrem Ziel abbringen würden, dessen Erreichung sie um Allahs und der Wahrheit willen erstrebten!

Es stimmt zwar, dass Muhammad nie an Allahs Hilfe zweifelte, aber man soll sich nie dem Verderben ausliefern. Allah kommt dem Menschen zu Hilfe, solange er sich selbst und seinem Bruder hilft. Sie hatten die Tage in der Höhle bereits in Sicherheit hinter sich gebracht, aber das von den Quraisch ausgesetzte Kopfgeld für den, der sie beide zurückbrachte oder einen Hinweis auf sie geben konnte, genügte, um die nach materiellem Gewinn gierigen Leute dazu zu verleiten, sie zu fangen, selbst wenn dies durch ein Verbrechen zustande käme.

Wie sollte es auch anders sein, da diese Araber der Quraisch Muhammad ja als ihren Feind betrachteten! In ihren Seelen war eine angeborene Eigenart, die vor Meuchelmord des Unbewaffneten und Überfall der Wehrlosen nicht zurückschreckte. Deshalb mussten sie äußerst vorsichtig sein und Augen und Ohren offen halten.

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Die Geschichte von Sūreka

Ihre Vermutung täuschte sie nicht. Ein Mann war zu den Quraisch gekommen, der sie unterrichtete, dass er drei Reiter habe an sich vorbeiziehen sehen, die er für Muhammad und seine Gefährten hielt.

Sūreka Ibn Malik Ibn Dschuschum war zugegen und sagte: “Das sind die Soundso“, um den Mann irrezuführen und die Belohnung von hundert Kamelstuten zu erlangen. Er verweilte ein wenig bei den Leuten, dann kehrte er in sein Haus zurück und bewaffnete sich von Kopf bis Fuß. Er befahl, sein Pferd ins Innere des Tals zu bringen, damit ihn niemand zur Stunde seines Aufbruchs sehe; dann stieg er auf und trieb es in die Richtung, die jener Mann erwähnt hatte.

Muhammad und seine Gefährten verweilten gerade im Schatten eines Felsens, um zu rasten und sich von den Härten, die sie bedrückten, zu erholen, und um zu essen und zu trinken, was ihnen Kraft und Ausdauer zurückgeben sollte. Die Sonne begann zu sinken, und Muhammad und Abu Bakr dachten gerade daran, ihre Kamele zu besteigen, als sie Sūreka zu sehen bekamen.

Sūrekas Pferd war aufgrund seiner großen Anstrengung bereits zweimal mit ihm gestürzt. Als der Reiter sah, dass er dem Erfolg nahe war und die beiden Männer einholen und nach Mekka zurückbringen oder sie töten könnte, wenn sie sich zu verteidigen versuchten, vergaß er die beiden Stürze seines Pferdes und trieb es vorwärts, auf dass seine Hand die Stunde des Sieges zu fassen bekomme.

Das Pferd jedoch strauchelte heftig und warf den Reiter von seinem Rücken, worauf sich dieser in seinen Waffen wälzte. Sūreka sah darin ein schlechtes Vorzeichen. Er redete sich ein, die Götter hielten ihn von seinem Vorhaben ab und er setze sich unerwarteter Gefahr aus, sollte er es zum vierten Mal versuchen, sein Vorhaben auszuführen.

Er hielt inne und rief zu den Leuten: “Ich bin Sūreka Ibn Dschuschum, wartet auf mich, damit ich mit euch reden kann, denn ich werde euch bei Allah nicht beunruhigen, noch wird euch meinerseits etwas treffen, was euch missfällt.“ Als sie innehielten, um auf ihn zu warten, bat er Muhammad, ihm ein Schreiben zu fertigen, das ein Zeichen zwischen ihnen beiden sei. Abu Bakr verfertigte auf Befehl des Propheten ein Schreiben auf einem Knochen oder einer Scherbe und gab es Sūreka.

Dieser nahm es, und kehrte auf dem gleichen Weg, auf dem er gekommen war, wieder zurück. Darauf bemühte er sich, alle irrezuführen, die Muhammad nach ihm verfolgen wollten.

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Die Mühen des Weges

Muhammad und sein Gefährte zogen weiter, durchquerten Tihama in der brennenden Hitze, in der der Sand der Wüste erglühte. Sie überquerten Hügel und Niederungen und fanden meist nichts, sich vor dem Feuer der Mittagssonne zu schützen. Fanden keine Zuflucht vor der sie umgebenden Unbill und keine Sicherheit vor Unerwartetem außer in ihrer Geduld, in ihrem tiefen Vertrauen auf Allah und ihrem starken Glauben an die Wahrheit, die ER SEINEM Gesandten geoffenbart hatte.

Auf diese Weise hielten sie sich sieben aufeinanderfolgende Tage in der Glut und Hitze auf und reisten die ganze Nacht auf dem Wüstenschiff. In der Stille der Wüste und im Glanz der leuchtenden Sterne in ihrer Dunkelheit fanden sie, was ihre Herzen beruhigte und ihre Seelen befreite.

Als sie den Ort des Stammes Banū Sahm erreichten und ihr Oberhaupt Buraida zu ihrer Begrüßung kam, schwand ihre Furcht, und ihre Herzen waren sich der Hilfe Allahs sicher. Sie waren bis auf zwei Bogenschusslängen oder weniger an Jathrib herangelangt.

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Die Muslime Jathribs in der Erwartung des Gesandten

Im Verlauf dieser ihrer erschöpfenden Reise war die Nachricht von der Auswanderung des Propheten und seines Gefährten, und dass sie sich ihren Gefährten in Jathrib anschließen wollten, dort bereits angelangt, und man wusste schon von der Bedrängnis und Verfolgung durch die Quraisch.

Deshalb blieben die Muslime allesamt dort und warteten auf die Ankunft des Übermittlers der göttlichen Botschaft, erfüllt von der Sehnsucht, ihn zu sehen und ihm zuzuhören. Viele von ihnen hatten ihn noch nie gesehen, jedoch bereits von seiner Sache, der Überzeugungskraft seiner Rede und seiner Entschlusskraft gehört. Dies erfüllte sie mit äußerst heftigem Verlangen, mit ihm zusammenzutreffen, und mit stark ausgeprägter Neugier, ihn zu sehen.

Man kann sich in etwa vorstellen, was diese Menschen bewegte, wenn man weiß, dass es in der Oberschicht Jathribs solche gab, die Muhammad nie zuvor gesehen hatten, ihm aber dennoch nachfolgten, nachdem sie seinen Gefährten zugehört hatten, die hinsichtlich des Rufes zur Religion Allahs und der Liebe für Allahs Gesandten die stärksten Muslime waren.

Sad Ibn Zurara und Mus’ab Ibn Umair saßen einst in einem der Gärten der Banū Zafar und versammelten Männer um sich, die Muslime geworden waren. Die Kunde erreichte Sad Ibn Muadh und Usaid Ibn Hudair, damals beide Anführer ihres Stammes. Sad sagte zu Usaid: “Geh zu diesen beiden Männern, die in unser Land gekommen sind, um die Schwachen unter uns zu verdummen; weise sie zurecht und gebiete ihnen Einhalt.

Denn Sad Ibn Zurara ist mein Vetter, und ich kann schlecht etwas gegen ihn unternehmen.“ Usaid ging also zu ihnen, um sie zurechtzuweisen. Mus’ab sagte: “Willst du dich nicht erst setzen und zuhören; und womit du zufrieden bist, das nimmst du an, und was du ablehnst, von dem siehst du ab?“

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Die Verbreitung des Islam in Jathrib

Usaid sagte: “Das ist gerecht von dir“, steckte seinen Speer in den Boden und setzte sich zu ihnen. Er hörte Mus’ab zu, erhob sich als Muslim und kehrte mit verändertem Gesicht zu Sad zurück. Dies ärgerte Sad, und er begab sich mit demselben Anliegen wie sein Gefährte zu diesen beiden Männern. Die Folge war, dass Sad zu seinen Leuten ging und sagte: “O Banū Abd al-Aschhai, wer bin ich für euch?“ Sie sagten: “Unser Herr, unser Vertrauter, der mit der besten Ansicht unter uns und unser Auserlesenster.“ Er sagte: “So will ich nicht zu euren Frauen und euren Männern reden, bis ihr an Allah und SEINEN Gesandten glaubt.“ So wurden die Männer und Frauen der Banū Aschhai allesamt Muslime.

Die Verbreitung des Islam in Jathrib und die Stärke der Muslime erreichten dort vor der Auswanderung des Propheten ein Ausmaß, von dem die Muslime in Mekka niemals träumten. Aufgrund dessen erlaubten sich einige junge Muslime, die Götzen der Polytheisten unter ihren Leuten zu verspotten.

Amr Ibn Al Dschamuh hatte einen Götzen aus Holz, den er Manat nannte und in sein Haus genommen hatte, wie es die Edlen zu tun pflegten. Amr war einer der Oberen und Edelleute der Banū Salama. Als die Jugendlichen seines Stammes Muslime geworden waren, gingen sie des Nachts zu seinem Götzen, nahmen ihn mit sich und stellten ihn kopfüber in einen der Gräben, zu denen die Bewohner Jathribs zur Verrichtung ihrer Notdurft hinauszogen.

Als Amr am Morgen seinen Götzen nicht mehr sah, suchte er ihn, bis er ihn fand. Dann wusch und reinigte er ihn und brachte ihn an seinen Platz zurück, während er tobte und Drohungen und Verwünschungen aussprach. Die Jugendlichen wiederholten ihren Spott mit Manat Ibn AI Dschamuh, und er wusch und reinigte ihn täglich. Als er es leid war mit ihnen, befestigte er sein Schwert am Götzen und sagte zu ihm: “Wenn etwas Gutes an dir ist, dann verteidige dich, dieses Schwert ist mit dir.“

Am Morgen suchte er ihn und fand ihn in einem Brunnen zusammen mit einem toten Hund, ohne dass das Schwert bei ihm war. Nachdem ihn die Männer seines Stammes angesprochen hatten, wurde er Muslim, nachdem er mit eigenen Augen gesehen hatte, welcher Irrtum im Götzendienst und Heidentum liegt, die die Seele ihrer Angehörigen in eine Tiefe stürzen, die eines Menschen unwürdig ist.

Man kann sich im Zusammenhang mit der hohen Bedeutung, die der Islam in Jathrib erreicht hatte, leicht vorstellen, wie seine Einwohner vor Sehnsucht nach der Ankunft Muhammads entbrannten, nachdem sie von seiner Auswanderung aus Mekka gehört hatten. Sie zogen jeden Tag nach ihrem Morgengebet in die Außenbezirke Medinas, um nach ihm Ausschau zu halten, bis die Sonne sie an diesen heißen Julitagen in den Schatten zwang. Er erreichte Kuba - zwei Meilen von Medina entfernt - und blieb dort vier Tage zusammen mit Abu Bakr. In diesen vier Tagen gründete er die dortige Moschee.

Während sie dort waren, stieß Ali Ibn Abu Talib zu ihnen, der die anvertrauten Dinge, die bei Muhammad gewesen waren, ihren Besitzern unter den Mekkanern zurückgegeben und Mekka dann verlassen hatte, den Weg nach Jathrib zu Fuß zurücklegend, des Nachts reisend und sich des Tages versteckend. Diese aufreibende Anstrengung hatte er zwei volle Wochen ertragen, um sich seinen Religionsbrüdern anzuschließen.

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Muhammads Einzug in Medina

Als die Muslime Jathribs eines Tages wie gewohnt warteten, rief ihnen ein Jude zu, der sie beobachtet hatte: “O Banū Kaila, dieser euer Gefährte ist gerade gekommen.“ Dieser Tag war ein Freitag, und Muhammad betete das Freitagsgebet in Medina. Dorthin, in die Moschee, die im Innern des Tals von Ranuna lag, kamen die Muslime Jahtribs zu ihm, und jeder versuchte, ihn zu sehen und ihm nahe zu kommen und seine Augen mit dem Anblick dieses Mannes zu füllen, den er nie zuvor gesehen hatte. Für den sich jedoch sein Inneres mit Liebe und Glaube an seine Botschaft ausgefüllt hatte und dessen er täglich mehrfach in seinem Gebet gedachte.

Einige der Führer Medinas schlugen ihm vor, bei ihnen in Anspruchnahme ihrer Fürsorge, Bereitschaft und Sicherheit zu bleiben, doch er entschuldigte sich bei ihnen, bestieg seine Kamelstute, ließ ihre Zügel los, und eilte auf den Wegen Jathribs dahin. Die Muslime um ihn herum bahnten ihr einen Weg durch die gewaltige Menschenmasse.

Die übrigen Bewohner Jathribs von den Juden und Polytheisten schauten auf dieses neue Leben, das in ihrer Stadt Raum gewann, und auf diesen bedeutenden Ankömmling, der ihre bisherigen Todfeinde von AI Aus und AI Hazradsch um sich versammelte. Niemanden von ihnen kam in diesem Moment, in dem die Waagschale der Geschichte sich in eine neue Richtung neigte, in den Sinn, welche Erhabenheit und Größe der göttliche Ratschluss ihrer Stadt verliehen hatte, die Bestand haben sollten bis ans Ende der Zeit.

Die Kamelstute lief weiter, bis sie beim Kamellagerplatz zweier Waisenknaben der Banū An Naddschar ankam. Sie kniete nieder, und der Gesandte stieg ab und fragte: “Wem gehört dieser Platz?“ Muadh Ibn Afra antwortete ihm: “Er gehört Sahl und Suhail, den Söhnen des Amr.“ Sie seien zwei Waisen unter seiner Obhut, und er werde sie zufrieden stellen. Er bat Muhammad, den Platz für eine Moschee zu nehmen. Muhammad willigte ein und befahl, an diesem Ort seine Moschee und seine Wohnstätte zu bauen.

 

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