G Gefährten des Propheten

Abu Bakr

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Abu Bakr Assidiq„Niemand ist ein besserer Gefährte für mich gewesen, als Abu Bakr“, sage der Prophet Muhammad, Allahs Segen und Friede mit ihm, in seiner letzten Predigt.
Wirklich ein großes Lob! Abu Bakr ( r ) hatte es verdient. Sein ganzes Leben lang stand er auf der Seite des Propheten, Allahs Segen und Friede auf Ihm. Er sorgte sich weder um sein eigenes Leben noch um seinen eigenen Besitz. Es kümmerte ihn nicht, was andere über ihn sagten. Sein einziges Anliegen war, dem Gesandten Allahs mehr als sonst jemandem beizustehen. Dieses Ziel erreichte er. Abu Bakr wurde dafür voll belohnt. Allahs Gesandter war mit ihm sehr zufrieden. Er räumte ihm den ersten Platz unter seinen Sahaba (Gefährten) ein. Abu Bakr ( r ) sollte der erste Mann sein, nach dem Tode des Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm, dessen Botschaft zu erfüllen. Er sollte auch in ewiger Ruhe an seiner Seite liegen.

Abu Bakrs Jugend

Abu Bakr war zwei Jahre jünger als der Prophet, Allahs Segen und Friede auf ihm.
Seine Eltern nannten ihn „Abdul Al-Ka`ba“, was „Diener der Al-Ka’ba“ bedeutet. Als er Muslim wurde, änderte der Prophet diesen heidnischen Namen in „’Abdullah“(=Diener Allahs) um. Da er sich bereits in früher Jugend zum Islam bekannte, bekam er den Beinamen „Abu Bakr“, der eine solche Bedeutung wiedergibt. Unter diesem Namen ist er bekannt geworden; und auch heute noch kennt ihn die Welt als „Abu Bakr“.
Der Name seines Vaters war ‚Uthman; er war jedoch bekannt als „Abu Quhafa“. Abu Bakrs Mutter war Salma; sie war auch unter dem Namen „Ummu-l-Hair“ (=Mutter der guten Dinge) bekannt. Abu Bakr gehörte einem Zweig des Stammes der Quraiš an.
Von früher Jugend an galt Abu Bakr als gutmütig und aufrichtig. Er war ehrlich und wahrheitsliebend und kam aus einer edlen Familie. Diese Eigenschaften verschafften ihm großes Ansehen. Durch seine guten Charaktereigenschaften gewann er auch die Freundschaft des jungen Muhammad. Beide wurden schon in früher Jugend treue Freunde. Diese Freundschaft hielt ein Leben lang und machte Geschichte.
Nachdem Abu Bakr herangewachsen war, wurde er ein reicher Kaufmann. Doch benutzte er seinen Reichtum, um den Armen zu helfen. Er war sehr gutherzig. Wenn er jemanden in Schwierigkeiten sah, wurde sein Herz weich, und er half ihm nach Kräften. Wenn sein Geld Leid abschaffen konnte, sah er nicht darauf, wie viel er ausgab. Einmal gab er von seinem Gesamtvermögen von 40.000 Dirham 35.000 ab.
In seinen Geschäften war er so ehrlich, dass die Leute ihm ihr Geld zur Aufbewahrung überließen. Vor allem hatte Abu Bakr ein aufrichtiges Herz und einen festen Willen. Nichts konnte ihn davon abhalten, etwas zu tun, was er für richtig hielt.
Diese wertvollen Eigenschaften sollten bald dem höchsten Ziel dienen, das die Welt kennt. Abu Bakr ( r ) sollte die stärkste Stütze des Retters der Menschheit werden.
Er sollte Arabien und dadurch die Welt nach dem Tod des Gesandten Allahs für den Islam sichern.

Dem Propheten nahe

Abu Bakr war dem Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm, immer sehr nahe. Er kannte ihn besser als jeder andere und wusste, wie ehrlich und aufrecht sein Freund immer gewesen war. Er war der erste Mann, der den Islam annahm. Nach der ersten Offenbarung teilte ihm der Prophet mit, was in der Höhle des Berges Hira geschehen war. Er sagte ich, dass Allah (t) ihn zu Seinem Gesandten gemacht habe. Abu Bakr dachte nicht lange nach und wurde sofort Muslim. Der Prophet, Allahs Segen und Friede auf ihm, sagte einmal selbst:

„ICH RIEF DIE MENSCHEN ZUM ISLAM AUF. JEDER DACHTE DARÜBER NACH, MINDESTENS EINE WEILE. BEI ABU BAKR WAR DIES JEDOCH NICHT DER FALL. ER NAHM DEN ISLAM OHNE JEDES ZÖGERN IM GLEICHEN AUGENBLICK AN, ALS ICH IHM ERÖFFNETE.“



Abu Bakr tat noch mehr. Sobald er Muslim geworden war, begann er, anderen den Islam zu predigen. Er hatte viele Freunde. Sie wussten, dass Abu Bakr aufrichtig und wahrheitsliebend war und niemals eine schlechte Sache unterstützen würde. Er rief sie zum Islam auf, und sie wurden Muslime. Unter ihnen waren Männer wie ‚Uthman, Zubair, Talh, ‚Abdurrahman Ibn ‚Auf und Sa’d ibn Abi Waqqas. Diese Männer wurden später bedeutende Kräfte für den Islam. Der Prophet, Allahs Segen und Friede auf ihm, suchte Abu Bakrs Haus täglich auf. Dann saßen die beiden zusammen und besprachen Möglichkeiten, den Islam zu verbreiten. Miteinander gingen sie zu den Treffpunkten der Menschen und verkündeten die Botschaft Allahs. Abu Bakr begleitete den Propheten dabei auf Schritt und Tritt.


Abu Bakr riskiert sein Leben

Die Botschaft des Islam verärgerte die Makkaner über alle Massen; denn sie
verehrten Götzenbilder. Der Prophet (s), kritisierte öffentlich diese Abbilder. Er erklärte, dass sie weder Gutes noch Böses bewirken können.
Unter den Anführern von Makka war einer, Abu Gahl, der der größte Feind des Propheten (s) wurde. Er trachtete immer danach, ihm zu verletzen oder zu töten. Abu Bakr behielt diesen Mann im Auge, da er dem Islam großen Schaden zufügen könnte. Eines Tages betete der Prophet (s), in der Al-Kaba. Er war völlig versunken im Gedanken an Allah (t). Abu Gahl und einige andere Anführer von Makka saßen im Vorhof der Al-Kaba.
"Heute muss ich Muhammad erledigen", sagte Abu Gahl. Er nahm einen langen Stoffstreifen und legte ihn um den Hals des Propheten, dann zog er ihn zusammen.
Er war im Begriff, den Gesandten Allahs zu erdrosseln. Die anderen Anführer sahen im zu und lachten. Abu Bakr sah dies zufällig aus einiger Entfernung. Er sprang dem Propheten (s), sofort zu Hilfe. Er stieß Abu Gahl zur Seite und riss das Tuch vom Hals des Propheten. Darauf stürzten sich Abu Gahl und die anderen nun auf Abu Bakr. Sie schlugen ihn so arg, dass er bewusstlos niederfiel. Man trug ihn heim, und erst nach einigen Stunden erlangte er das Bewusstsein wieder. Als er wieder zu sich kam, war seine erste Frage: "Ist der Gesandte Allahs unverletzt?"

Seine eigenen Schmerzen beachtete er nicht. Er war froh darüber, dass es ihm gelungen war, das Leben des Propheten zu retten. Abu Bakr war sich darüber im Klaren, dass die einzige Hoffnung der Menschheit dahin sein würde, wenn demPropheten (s), ein Leid zustoßen würde. Dieser Gedanke ließ ihn alles für dieSicherheit des Propheten und die Ausbreitung seiner Botschaft tun.

Sklavenbefreiung

Von Jahr zu Jahr setzten die Makkaner den Muslimen mehr und mehr zu und machten ihnen das Leben schwer. Muslimische Sklaven, die keinen muslimischen Herrn hatten, mussten am meisten leiden. Sie konnten weder ihren grausamen Herren davonlaufen, noch wollten sie ihren Glauben aufgeben. Die herzlosen Herren versuchten alle Arten von Foltern, damit sie den Islam verleugneten. Sie legten sie nacht auf brennendheißen Sand und beschwerten ihnen dann die Brust mit großen Steinen. Die armen Sklaven ertrugen das alles ruhig. Für sie gab kein Entkommen; der Tod war der letzte Ausweg.
Abu Bakrs Reichtum war für viele muslimische Sklaven die Rettung. Er kaufte sie ihren unmenschlichen Herren ab und gab ihnen die Freiheit. Bilal, der Neger, war einer dieser Sklaven. Er war Sklave von Umayya ibn Halaf. Umayya war ein herzloser Mann. Er ließ Bilal entkleiden, zur Mittagszeit auf den heißen Sand legen und gnadenlos auspeitschen. Trotz dieser Tortur hörte Bilal nicht auf zu rufen:
"Ahadun ahad, Ahadun ahad! (Allah ist der Einzige, Allah ist der Einzige!)"
Als Abu Bakr eines Tages vorbeikam und dies sah, war er von diesem Anblick heftig bewegt.
"Warum bist du so grausam gegen diesen hilflosen Menschen?" fragte er Umayya. "Warum kaufst du ihn nicht, wenn du Mitleid mit ihm hast?" erwiderte Umayya. Da kaufte Abu Bakr Bilal zu einem hohen Preis und gab ihm die Freiheit.
Später wurde Bilal (r) der bekannte Gebetsrufer der Propheten-Moschee in Al-Madina. Seinen Namen trägt heute die Moschee des Islamischen Zentrums in Aachen.


Auswanderung nach Abessinien

Als das Leben für die Muslime in Makka zu schwer wurde, dachten sie daran, in ein anderes Land zu gehen. Mit der Genehmigung des Propheten (s), wanderte ein Teil von ihnen nach Abessinien aus. Dort lebten sie in Frieden, und viele Muslime folgten ihnen. Als einer der ersten Anhänger des Islam zog sich Abu Bakr den besonderen Zorn und Hass der Oberen von Makka zu. Unter dem starken Druck, dem er sich bald ausgesetzt fühlte, bat er den Propheten (s), um die Erlaubnis, nach Abessinien gehen zu dürfen. Der Prophet erteilte ihm die Genehmigung, und er trat seine Reise an. Unterwegs traf er Ibnu-d-Dagna, das Oberhaupt des Stammes der Qara.
"Wohin geht die Reise?" fragte er. Das Volk von Makka hat mich vertrieben", antwortete Abu Bakr, "ich gehe nach Abessinien. Dort werde ich in der Lage sein dem Allmächtigen Gott auf die Weise zu dienen, wie ich es möchte."
"Ein Mann wie dich sollte man nicht vertreiben", sagte Ibnu-d-Dagna, "du hilfst den Armen, du bist gütig zu denen, die in Nöten sind, du bist liebenswürdig zu deinen Gästen. Ich will dich auf meine eigene Verantwortung nach Makka zurückbringen."



So kam Abu Bakr nach Makka zurück. Ibnu-d-Dagna erklärte dem Volk, dass Abu Bakr unter seinem Schutz stehe und niemand ihm ein Leid zufügen dürfe. Die
Makkaner sagte, sie würden Abu Bakr in Ruhe lassen, wenn er seinen Glauben nicht öffentlich predigte.
Abu Bakr (r) konnte jedoch dieser Bedingung nicht lange Folge leisten. Bald predigte er den Islam so öffentlich wie zuvor. Die Makkaner beklagten sich bei Ibnu-d-Dagna.
Dieser bat Abu Bakr, seine Lage nicht zu erschweren. Darauf antwortete Abu Bakr (r): "Ich brauche deinen Schutz nicht. Allah schützt mich."


Der Titel "As-Siddiq"

Im zehnten Jahr seiner Botschaft erlebte der Prophet (s), das wunderbare Ereignis des "Isra und Mi'rag". Der Engel Gabriel (a.s.) kam eines Nachts mit der Aufforderung Allahs des Allmächtigen, der Prophet solle in den Himmel auffahren.
Der Prophet unternahm zunächst die Reise von Makka nach Jerusalem in einer einzigen Nacht; dann stieg er von dort mit Gabriel in den Himmel empor.
Am nächsten Morgen berichtete der Prophet (s), dem Volk nur über seinen Besuch in Jerusalem. Das zog ihm den Hohn seiner Feinde zu.
"Hört nur", schrieen sie, "was für einen Unsinn er schwatz! Jetzt werden wohl auch seine Anhänger über ihn lachen. Wer glaubt schon an einen solchen Mittsommernachttraum?" Das Gerede hielt noch an, als Abu Bakr (r) erschien.
"Weißt du auch, Abu Bakr, welche Neuigkeiten dein Freund heute morgen für dich hat?" fragte einer der Männer. "Er sagte, er sei lezte Nach in Jerusalem gewesen.
Glaubst du das?".“Ich glaube alles, was der Gesandte Allahs sagt", entgegnete Abu Bakr. Als der Prophet (s), Allahs Segen und Friede auf ihm, dies erfuhr, sagte er gleich: "Abu Bakr ist ein Siddiq" Ein "Siddiq" ist ein Mann so aufrichtigen Herzens, dass niemals ein Zweifel seine Lieb beeinträchtigen kann. Abu Bakr (r) bekam diesen Titel, weil sein Glaube zu fest war, um durch irgendetwas erschüttert zu werden.


Auswanderung nach Al-Madina

Da die Makkaner die Absicht zeigten, das Licht des Islam ein für allemal auszulöschen, befahl Allah (t) dem Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm, nach Al-Madina zu ziehen.
In der brennenden Hitze der Mittagssonne klopfte es an Abu Bakrs Tür. Als er öffnete, stand draußen der Gesandte Allahs. "Ich muß heute Nacht nach AI-Madina reisen", sagte er. "Erlaubst du, daß ich mit dir gehe?" fragte Abu Bakr begierig.
"Natürlich", war die Antwort, "mache alles fertig für die Reise."
Abu Bakr (r) war außer sich vor Freude. "Schon seit Monaten habe ich auf diesen Tag gewartet", rief er aus.
"Ich habe zwei Kamele bereitgestellt, die uns nach Al- Madina bringen sollen."
Alle Vorbereitungen für diese historische Reise wurden von Abu Bakr (r) getroffen.

Drei Tage lang lagen er und der Prophet. Allahs Segen und Friede auf ihm. versteckt in der Höhle des Berges Taur.
Abu Bakrs Diener kümmerte sich täglich um die Ziegenherden in der Nähe der Höhle und versorgte die beiden Männer mit frischer Milch.
Abu Bakrs Sohn ' Abdullah brachte Neuigkeiten über die Makkaner; denn diese suchten den Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm, wie versessene Jagdhunde.
Einmal kamen sie vor den Eingang der Höhle. Abu Bakr wurde bleich vor Schreck. Er fürchtete nicht für sich, sondern für den Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm.
Dieser blieb jedoch vollkommen ruhig. "Fürchte dich nicht", sagte er zu Abu Bakr, "Allah ist gewiß mit uns."
Abu Bakr hatte die Ehre, die schwierigsten Tage im Leben des Propheten mit ihm zu teilen. Er war sich sehr wohl bewußt, was diese Ehre bedeutete. Und er rechtfertigte das in ihn gesetzte Vertrauen voll und ganz.


Beteiligung an Kämpfen

Abu Bakr (r) nahm an allen Kämpfen teil, die der Prophet, Allahs Segen und Friede auf ihm, zu bestehen hatte. Sein Leben lang schlug er sich tapfer unter dem Banner des Islam. Bei Uhud und Hunain zeigten einige Männer Schwäche. Sie vergaßen, ihre Pflicht zu tun. Aber Abu Bakrs Glauben schwankte niemals. Er stand immer wie ein Fels an der Seite des Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm.
In Badr kämpfte einer von Abu Bakrs Söhnen, der den Islam noch nicht angenommen hatte, auf der Seite der Makkaner. Als er später Muslim geworden war, sagte er eines Tages: "Vater, bei Badr war dein Leben zweimal in meiner Hand. Aber meine Liebe zu dir hielt mein Schwert zurück."
"Mein Sohn", bemerkte Abu Bakr, "wenn ich eine solche Gelegenheit auch nur einmal gehabt hätte, wärst du nicht mehr."
Bei den Friedensgesprächen in Al-Hudaibiya saß Abu Bakr an der Seite des Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm. Während der Verhandlung zupfte der Sprecher der Qurais - wie es in Arabien üblich war, wenn man jemanden ärgern wollte - immer wieder den Bart des Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm. Das war für Abu Bakr schließlich zuviel. Er zog sein Schwert und sah den Mann zornig an. "Wenn diese Hand den Bart des Propheten noch einmal berührt", warnte er, "werde ich verhindern, daß du sie zurückziehst!" Dies setzte die Unterhändler von Makka in Erstaunen.
"Was für ein Wandel in Abu Bakr!" flüsterten sie sich zu. "Er ist als weichherzig bekannt. Wie hart und fest ist er jetzt geworden! Er ist nicht mehr derselbe Abu Bakr."

Der Feldzug nach Tabuk war die letzte Unternehmung des Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm. Sie sollte ein großer Erfolg werden. Er bat die Leute, dabei zu helfen, so gut sie konnten. Diesmal übertraf Abu Bakr (r) alles bisher Geleistete: Er nahm all sein Hab und Gut und häufte es vor die Füße des Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm. "Hast du auch etwas für deine Frau und deine Kinder zurückbehalten?“ fragte der Prophet.
"Allah und Sein Gesandter genügen ihnen", entgegnete Abu Bakr ruhig.
Die Umstehenden waren verblüfft. Es war unmöglich, Abu Bakr im Dienst für den Islam zu übertreffen. Dem Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm, gefiel diese Antwort, und er machte Abu Bakr zum Bannerträger des Feldzuges. Abu Bakrs Anhänglichkeit an den Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm, und seine grenzenlose Ergebenheit in den Willen Allahs verschafften ihm allgemeine Achtung.
Er war nicht nur der erste Mann, der den Islam angenommen hatte, sondern auch die beste Stütze des Islam unter den Muslimen.


Abu Bakr vertritt den Propheten

Makka fiel im 8. Jahre n.H. Die Al-Kaba befand sich jetzt erstmals in den Händen der Muslime; sie mußte von allen Spuren des Götzendienstes und alberner Übungen heidnischer Tage gereinigt werden. Denn bis dahin hatten heidnische Araber in der Zeit der Pilgerfahrt (Hagg) absurde Dinge getan. Sie gingen nackt um das Haus Allahs und taten viele andere närrische und unreine Dinge. All dies mußte aufhören.
Der erste Hagg der Muslime fiel in das 9. Jahr n.H. Der Prophet, Allahs Segen und Friede auf ihm, war in Al-Madina sehr beschäftigt, um den Hagg selbst zu leiten. So sandte er Abu Bakr als seinen Stellvertreter, der alles für ihn erledigen sollte. Mit ihm wurde auch ' Alyy gesandt. Abu Bakr las die Predigt (Hutba) des Hagg.Dann stand 'Alyy auf und las der Gemeinde die Befehle Allahs vor, die die Götzenanbeter betrafen; von diesem Jahr an war es ihnen verboten, die AI-Ka'ba zu betreten.
Der Prophet, Allahs Segen und Friede auf ihm, leitete gewöhnlich selbst die
gemeinsamen Gebete in seiner Moschee in Al-Madina. Es waren ungewöhnlich
schöne Gebete. Während seiner letzten Krankheit konnte der Prophet, Allahs Segen und Friede auf ihm, aber die Gebete nicht mehr selbst leiten. Er war zu schwach geworden, um in die Moschee zu gehen. Er mußte jemanden ernennen, der seinen Platz einnahm. Diese Ehre fiel Abu Bakr zu. 'A'ischa (r), die Tochter Abu Bakrs und eine Frau des Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm, meinte, daß diese Bürde für ihren weichherzigen Vater zu schwer sei. Sie bat den Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm, ihren Vater von dieser Pflicht zu entbinden. Aber der Prophet blieb bei seiner Entscheidung.
So kam Abu Bakr (r) zu Lebzeiten des Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm, zur höchsten Würde des Islam. Als Abu Bakr eines Tages geschäftlich unterwegs war, leitete 'Umar (r) in seiner Abwesenheit das gemeinsame Gebet. "Das ist nicht Abu Bakrs Stimme", sagte der leidende Gesandte Allahs, "Niemand außer ihm sollte die Gebete vorsprechen." Denn Abu Bakr war die am meisten geeignete Person für dieses hohe Amt.

Am letzten Tage seines Lebens besserte sich der Zustand des Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm, für kurze Zeit. Es war früh am Morgen. Abu Bakr leitete das Gebet in der Moschee. Der Prophet, Allahs Segen und Friede auf ihm, hob den Vorhang vor seiner Tür und richtete den Blick auf die Betenden. Sie waren unter Abu Bakrs Leitung im Gebet vertieft. Ein Lächeln erleuchtete das blasse Gesicht des Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm. Er ließ den Vorhang fallen, als seine schwache Hand ihn nicht mehr halten konnte. Aber er war glücklich bei dem Gedanken, daß er den besten Mann zu seinem Stellvertreter bestimmt hatte.


Abu Bakr wird Kalif

 

Ein kritischer Augenblick


Der Prophet, Allahs Segen und Friede auf ihm, nahm einen einmaligen Platz in den Herzen der Menschen ein. Er bedeutete ihnen alles. Aus sich bekämpfenden, unwissenden Heiden hatte er ein friedvolles, gottesfürchtiges Volk gemacht. Sie waren "tot", wie es im Qur'an heißt, und der Prophet, Allahs Segen und Friede auf ihm, hatte sie "zum Leben erweckt". So sahen sie mit Recht in diesem Sinne auf ihn als den Spender des Lebens. Das Leben ohne ihn erschien ihnen leer.
Die Nachricht vom Tode des Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm, war ein niederschmetternder Schock für jeden. Wie konnte das sein? Alle wußten, daß er einige Tage krank gewesen war. Aber sein Tod war unvorstellbar. Das durfte einfach nicht wahr sein! Eine riesige Menge versammelte sich in der Moschee. Niemand wußte, was man tun sollte. Es herrschte äußerste Verwirrung. 'Umar (r) war so übermannt von seinem Schmerz, daß er sein Schwert zog und erklärte:
"Wenn jemand sagt, der Gesandte Allahs sei tot, werde ich ihm den Kopf
abschlagen!"
In diesem Augenblick betrat Abu Bakr (r) die Moschee. Am frühen Morgen hatte er sich einige Meilen von AI-Madina entfernt, weil es dem Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm, besser gegangen war. Aber als er zurückkam, hörte er die traurige Nachricht. Er stellte sich in einer Ecke des Hofes auf und rief die Menschen zu sich.
Alle Augen waren auf ihn gerichtet. Da begann er seine berühmte Ansprache:
"O ihr Menschen! Falls einer von euch Muhammad verehrt hat, so soll er wissen, daß Muhammad tot ist; aber wer Allah angebetet hat, der soll wissen, daß Allah lebt und unsterblich ist. Laßt uns alle die Worte des Qur'an ins Gedächtnis zurückrufen, die heißen: »Und Muhammad ist nur ein Gesandter; schon vor ihm gingen die Gesandten dahin. Und ob er stirbt oder getötet wird, werdet ihr auf euren Fersen umkehren? Und wer auf seinen Fersen umkehrt - nimmer schadet er Allah etwas; aber Allah wird wahrlich die Dankbaren belohnen.«" (Sura 3:144).
Diese Worte Abu Bakrs wirkten Wunder. Im Nu war die Verwirrung verschwunden.
Die Worte des Qur'an fegten alle Zweifel aus den Gedanken der Menschen hinweg.
Sie waren bereit, den Tatsachen ins Auge zu sehen.

Abu Bakrs Wahl


Die erste Aufgabe war die Wahl eines neuen Führers. Der Staat mußte ein
Oberhaupt haben, sonst konnte es nicht weitergehen. Die Sache war zu dringend, um aufgeschoben zu werden. Ein Aufschub hätte Unordnung bedeutet und alles zunichte gemacht, was der Gesandte Allahs geschaffen hatte. Allahs Prophet, Allahs Segen und Friede auf ihm, war gestorben, aber der Islam und sein Staat mußten weiterleben. Die beiden großen Gruppen der Muslime waren die Muhagirun und die Ansar. Die Ansar sammelten sich in Taqifat Bani Sa'ida, ihrem Treffpunkt nahe beim Hause des Sa'd Ibn 'Ubada. Das Gespräch drehte sich natürlich um die Wahl des Kalifen. Sa'd, der Führer der Ansar, stand auf und sagte, daß der Kalif aus ihren Reihen stammen müsse. Viele Stimmen pflichteten ihm bei. Ein Mann jedoch stand auf und fragte:
"Aber was ist mit den Muhagirun? Sie haben vielleicht einen größeren Anspruch."
"Dann sollen es eben zwei Kalifen sein", schlug einer vor, "einer von den Ansar und einer von den Muhagirun." Jemand erzählte Abu Bakr (r), was bei dieser Zusammenkunft gesprochen worden war. Er erkannte die Notwendigkeit, schnell zu handeln, um eine neue Verwirrung zu verhindern. Daher ging er mit einer Gruppe von Muslimen nach Taqifat Bani Sa'ida. Er wandte sich mit folgenden Worten an die Versammelten:
"Beide, Muhagirun und Ansar, haben große Verdienste um den Islam erworben. Aber die Muhagirun waren als erste zum Islam gekommen. Sie waren immer sehr eng mit dem Gesandten Allahs verbunden. Daher, Leute der Ansar, laßt den Kalifen aus ihrer Reihe sein!" Darauf erwiderte ein Mann aus dem Stamm Al-Hazrag: "Wenn du keinen Kalifen aus unserer Mitte willst, dann laß es doch zwei Kalifen geben, einen Ansaryy, und einen Muhagir."
"So geht es nicht", sagte Abu 'Ubaida Ibn Al-Garrah, "Ansar, ihr seid diejenigen, die den Islam stark gemacht haben. Jetzt tut nichts, was eure Arbeit zunichte machen könnte!" Als er das hörte, stand ein anderer Mann aus dem Stamm Al-Hazrag auf und sagte:
"O Ansar! Was wir auch für den Islam getan haben, geschah zu Ehren Allahs und Seines Gesandten. Wir taten es nicht, um damit irgend jemand zu verpflichten. Es sollte kein Vorwand sein, um ein Amt zu erlangen. Hört, der Prophet gehörte zum Stamm der Qurais. Die Qurais haben ein größeres Recht, seinen Platz einzunehmen.
Bei Allah, ich halte es nicht für richtig, mit ihnen darüber zu streiten. Fürchtet Allah und widersprecht ihnen nicht!"
Diese Rede eines Mannes aus ihrer Mitte brachte die Ansar zum Schweigen. Sie stimmten zu, daß ein Muhagir Kalif werden sollte.
Abu Bakr sagte:
"Freunde, ich denke, entweder 'Umar oder Abu 'Ubaida sollte Kalif werden. Wählt einen von den beiden! "
Als sie das hörten, sprangen 'Umar und Abu 'Ubaida auf und riefen:

"O Siddiq, wie kann das sein? Wie kann ein anderer dieses Amt ausüben, solange du unter uns bist? Du bist der erste Anwärter unter den Muhagirun. Du warst der Gefährte des Propheten in der Höhle des Berges Taur. Du leitetest die gemeinsamen Gebete an seiner Stelle während seiner letzten Krankheit. Das Gebet steht an erster Stelle im Islam. Mit all diesen hervorragenden Voraussetzungen bist du die am besten geeignete Person als Nachfolger des Propheten. Strecke deine Hand aus, daß wir dir die Bai'a geloben können."
Aber Abu Bakr streckte seine Hand nicht aus. 'Umar sah, daß dieses Zögern alle Fragen erneut aufrollen würde. Das hätte leicht neue Schwierigkeiten schaffen können. So ergriff er selbst Abu Bakrs Hand und gelobte ihm seine Bai'a. Andere folgten seinem Beispiel, und dann strömten von allen Seiten die Männer herbei, um dem Nachfolger des Propheten ihre Bai'a zu bekunden. So wurde Abu Bakr (r) Kalif mit allgemeiner Zustimmung der islamischen Gemeinde.

Die erste Ansprache

Am folgenden Tag ging Abu Bakr (r) in die Propheten-Moschee. Hier legte das Volk die Bai'a ab. Danach bestieg Abu Bakr das Podest als Kalif des Islam und sprach zur versammelten Menge:
"O ihr Menschen! Ich bin zu eurem Führer gewählt worden, obgleich ich nicht besser bin als irgendeiner von euch. Wenn ich etwas Gutes tue, gebt mir eure Unterstützung! Tue ich etwas Falsches, dann macht mich darauf aufmerksam! Hört, Wahrheit ist Ehrlichkeit, und Unwahrheit ist Unehrlichkeit. Die Schwachen unter euch sind in meinen Augen so lange mächtig, bis ich ihnen das gegeben habe, was ihnen zusteht, wie Allah es will. Die Mächtigen unter euch dagegen sind so lange schwach in meinen Augen, bis ich ihnen das genommen habe, was den anderen zusteht, wie Allah es will. Ich sage euch, wenn die Menschen aufhören, den Willen Allahs zu erfüllen, läßt Allah sie in Ungnade fallen. Wenn die Menschen zu Übeltätern werden, schickt Allah Unglück über sie. Merkt euch, ihr müßt mir so lange gehorchen, wie ich Allah und Seinem Gesandten, Allahs Segen und Friede auf ihm, gehorche. Wenn ich Allah und Seinem Gesandten nicht gehorche, braucht ihr mir auch nicht zu gehorchen!"


Alyy verzögert seinen Treueschwur


'Alyy und einige seiner Verwandten hatten wegen einer Meinungsverschiedenheit mit dem Kalifen die Bai'a sechs Monate hinausgezögert. Der Prophet, Allahs Segen und Friede auf ihm, hatte nämlich einige Ländereien in AI-Madina und Haibar, worauf seine Tochter Fatima (r) und sein Onkel Al-'Abbas Anspruch erhoben. Aber Abu Bakr wies diesen Anspruch zurück im Hinblick darauf, was der Prophet, Allahs Segen und
Friede auf ihm, selbst gesagt hatte: "Wir Propheten können nicht beerbt werden.
Alles, was wir hinterlassen, ist öffentliches Eigentum."
Fatima (r) wußte nichts von diesem Ausspruch ihres Vaters. Sie war der Meinung, daß ihr Anspruch völlig zu Recht bestand. Sie und ihr Gatte 'Alyy waren deshalb etwas verbittert. Heuchler waren schnell bereit, das Mißverständnis aufzubauschen.

Abu Bakr und 'Alyy waren beide uneigennützig. Fatima war krank, und Abu Bakr ging zu ihr und klärte das Mißverständnis persönlich auf. Nachdem Fatima kurz darauf gestorben war, suchte 'Alyy Abu Bakr auf und sagte:
“O Siddiq, wir erkennen deine Überlegenheit an. Wir neiden dir nicht die Stellung, die dir Allah gegeben hat. Aber als Verwandte des Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm, waren wir doch der Meinung, daß das Kalifat uns zustehe.
Wir glaubten, du hättest uns dieses Recht genommen“
Diese Worte rührten Abu Bakr zu Tränen und er sagte: "Bei Allah! Die Verwandten des Propheten sind mir teurer als meine eigenen Verwandten." 'Alyy war mit dieser Versicherung zufrieden. Er ging in die Moschee und legte öffentlich die Treueschwur ab.


Usamas Feldzug nach Syrien

Einige Wochen vor seinem Tod hatte der Prophet, Allahs Segen und Friede auf ihm, Usama zum Führer eines Feldzuges gegen Syrien ernannt. Usama sollte den Tod seines Vaters Zaid, des freigelassenen Dieners des Propheten, rächen. Zaid (r) war von den Syrern in der Schlacht von Mu'ta getötet worden. Während der Vorbereitung des Feldzuges wurde der Prophet, Allahs Segen und Friede auf ihm, ernstlich krank und starb. Dadurch verzögerte sich Usamas Aufbruch um einige Wochen. Sobald nachdem Abu Bakr Kalif geworden war, dachte er daran, den Feldzug durchzuführen.
Der Tod des Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm, brachte einige Leute auf den Gedanken, daß mit seinem Ende auch das Ende des Islam gekommen sei. Viele Stämme waren erst vor kurzer Zeit in die Gemeinde des Islam aufgenommen worden. Doch waren sie keinesfalls fest im neuen Glauben.
Bei vielen von ihnen wurden Anzeichen bemerkt, daß sie aus der Gemeinschaft des Islam ausbrechen wollten. Abu Bakr sah sich in einer schwierigen Lage. Er mußte die Befehle des Propheten um jeden Preis ausführen und den vom Gesandten Allahs geplanten Feldzug unternehmen. Einige der Sahaba meinten jedoch, daß es besser sei, diesen Gedanken in dieser Lage fallen zu lassen.
"Überall braut sich Unruhe zusammen", sagten sie. "Es sei unklug, Truppen in ein fremdes Land zu senden, wenn sie dringend im eigenen Land gebraucht würden."
Aber Abu Bakr wollte nicht auf sie hören.
"Wie kann ich die Flagge einziehen, die der Gesandte Allahs selbst entfaltet hat?" fragte er. "Es ist einfach undenkbar!" Dann wandten einige ein, daß Usama noch zu unerfahren sei -er war noch keine 20 Jahre alt -, um den Feldzug zu führen. Es sei klüger, einem erfahreneren Mann das Kommando zu übertragen. Diese Bedenken erregten Abu Bakrs Zorn. "Welches Recht habe ich", fragte er, "einen Mann abzusetzen, der vom Gesandten Allahs ernannt worden ist?"
So brach die Expedition unter Usama ungefähr drei Wochen nach dem Tod des Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm, auf. Abu Bakr begleitete Usama ein Stück des Weges. Der jugendliche Befehlshaber war zu Pferde, während der Kalif neben ihm zu Fuß ging. Usama sagte: "O Nachfolger des Gesandten Allahs, nimm doch auch ein Pferd oder erlaube mir, abzusitzen!"
"Bei Allah ", entgegnete Abu Bakr, "ich stimme keinem der beiden Vorschläge zu.
Was macht es schon, wenn meine Füße staubig werden, während ich einige Schritte auf Allahs Wegen schreite? Jeder Schritt auf Allahs Wegen wiegt so viel wie 700 gute Taten."
Auch 'Umar war unter Usamas Kommando. Aber Abu Bakr brauchte ihn in AI-Madina als Berater. Deshalb bat er Usama um die Einwilligung, daß 'Umar in AI-Madina bliebe. Usama war einverstanden.
Ehe der Kalif sich von Usama trennte, gab er ihm viele wertvolle Ratschläge, unter anderem:
"Sei nicht unehrlich! Täusche niemanden! Verstecke deine Kriegsbeute nicht!
Verstümmele niemanden! Töte nicht Frauen, Alte und Kinder! Verbrenne keine Dattelpalmen! Schlage keine Obstbäume um! Schlachte eine Ziege, eine Kuh oder ein Kamel nur als Nahrung! Du wirst Menschen antreffen, die der Welt entsagt und sich in ein Kloster zurückgezogen haben; laß sie in Frieden!"
Usamas Feldzug war sehr erfolgreich. Er fiel in die Grenzbezirke Syriens ein und kehrte nach 40 Tagen nach Al-Madina zurück. Das Unternehmen brachte noch einen weiteren Erfolg. Es öffnete denen die Augen, die glaubten, daß der Islam am Ende sei. Sie erhielten den klaren Beweis dafür, daß der Islam es mit den größten Mächten der damaligen Welt aufnehmen konnte. Dies beeindruckte die schwankenden Stämme. Einige von ihnen, die erst kürzlich vom Islam abgefallen waren, kehrten in seine Gemeinschaft zurück.

Kampf gegen Schwindler und Abtrünnige

Die Schwindler


Bald geriet das Land in einen Bürgerkrieg. Die entlegenen Provinzen, wie Nagd, waren die ersten, in denen Schwierigkeiten entstanden. Sie hatten den Islam angenommen, als ihnen der Anschluß an die Muslime die größte Sicherheit bot. Sie wußten nichts vom wahren Geist des Islam. Jahrhundertelang waren sie von keiner fremden Macht beherrscht worden. Sie waren es gewohnt, so frei zu sein wie der Wind, der über die Wüste weht. Der Islam legte ihnen Disziplin auf» und sie mußten nach seinen moralischen Gesetzen leben. Alkohol und Glücksspiel wie in den Tagen der "Gahiliya" gab es nicht mehr. Der freie Geist der Wüste lehnte sich gegen diesen moralischen Zwang auf. Der Tod des Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm, schien ihnen eine günstige Gelegenheit zu sein: Jetzt war die Zeit gekommen, das vermeintliche Joch des Islam abzuschütteln. Besonders lästig war den Oberhäuptern dieser Stämme die Zakah. Die Regierung von Al-Madina nahm ihnen jedes Jahr 2,5% ihres gesamten Besitzes. Gewiß wurde dieses Geld für die Armen ihres eigenen Stammes verwendet. Aber es wurde trotzdem als Belastung empfunden. Sie wollten Muslime bleiben, falls AI-Madina die Zakah abschaffen würde. Viele Stammesoberhäupter ließen den Kalifen diese Entscheidung wissen.

Gleichzeitig tauchte eine noch ernstere Schwierigkeit auf. Menschen, die den Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm, weder persönlich gekannt noch genau über ihn Bescheid wußten, sahen in ihm nichts anderes als einen Herrscher.
DieSchlaueren unter ihnen begannen, von einem ähnlichen "Aufstieg" zu träumen.
"Alles, was wir tun müssen", dachten sie bei sich, "ist, Prophet zu werden und ein Gefolge zu haben."
Auf diese Weise hofften sie, zu Macht und Ruhm zu gelangen. Mancher tüchtige Mann fiel diesem Wunschtraum zum Opfer, und schließlich tauchte eine Unmenge von Schwindlern in verschiedenen Teilen Arabiens auf. Alle behaupteten von sich, Propheten zu sein.


Entschlossene Tat

Die Lage war ernst, und deshalb war äußerste Umsicht notwendig. Abu Bakr (r) rief seine Ratgeber zusammen, um ihre Ansichten zu hören. Viele befürworteten behutsames Vorgehen.
"Es ist nicht klug“, sagten sie, "den Kampf an allen Fronten zur gleichen Zeit aufzunehmen. Gehe im Augenblick nicht gegen die vor, die sich weigern, die Zakah zu zahlen. Wir können uns mit ihnen noch befassen, wenn wir mit den Schwindlern fertig sind."
Aber Abu Bakr wollte nicht auf diesen Rat hören. "Bei Allah ", erklärte er, "selbst wenn einer nur ein Zicklein schuldig ist, muß er es hergeben, auch wenn er sich weigert.
Ich werde ihn deshalb bekämpfen Wenn andere mich dabei nicht unterstützen,
werde ich es allein tun. Niemand ist befugt, ein Gebot Allahs abzuwandeln."
Die Lage war wirklich äußerst schwierig. Zu den Verweigerern der Zakah gehörten die Nachbarstämme der 'Abs und Dubyan, der Asad und Tay'. Sie wollten ein Zugeständnis des Kalifen erzwingen, ehe Usamas Streitmacht nach Al-Madina zurückkäme. Sie sandten deshalb eine Abordnung zum Kalifen mit dem
Angebot, in der Gemeinschaft des Islam zu bleiben, wenn ihnen die Zakah erlassen würde.
Wie zu erwarten war, wies Abu Bakr den Vorschlag entschieden zurück. Gleichzeitig veranlaßte er die Verstärkung der Verteidigung AI-Madinas; denn er erwartete einen hinterhältigen Angriff der aufrührerischen Stämme.
In der dritten Nacht kam der tückische Schlag. Aber Abu Bakr war darauf vorbereitet.
Er schlug so heftig zurück, daß die Feinde Hals über Kopf flohen.
Einige Tage später kehrte Usama nach AI-Madina zurück. Der Kalif entschied nun, persönlich gegen die verräterischen Stämme in den Kampf zu ziehen. Das Volk bat ihn, sein Leben nicht aufs Spiel zu setzen. Aber Abu Bakr hörte nicht darauf. Er ließ Usama als seinen Stellvertreter in AI-Madina zurück, führte ein Heer gegen Abs und Dubyän und besiegte diese Stämme endgültig. Ihre Weiden wurden dem Heer zur Nutzung überlassen.

Diese entschlossene Tat überzeugte manchen Schwankenden davon, daß es unmöglich ist, einen Teil des Islam anzunehmen und den anderen abzulehnen. Sie bestätigte, daß der Islam das ganze Leben als Einheit durchdringt. Und so wurden durch den unbesiegbaren Glauben Abu Bakrs die Grundlagen des Islam gesichert.


Krieg gegen die Schwindler

Nun war die Zeit gekommen, gegen die Schwindler vorzugehen. Usamas Heer war
ausgeruht und bereit zu neuen Taten. Abu Bakr (r) ließ es etwa 12 Meilen auf den Weg zum Nagd marschieren. Hier teilte er es in 11 Bataillone. Jede dieser Abteilungen wurde unter den Befehl eines erfahrenen Anführers gestellt und sollte gegen einzelne Schwindler vorgehen.
Vor Aufbruch dieser Streitmacht wurden die Schwindler und ihr Anhang gewarnt.
Ihnen wurde Vergebung zugesichert, wenn sie zum Islam zurückkehrten. Der Kalif gab folgende Anweisung an seine Befehlshaber:
"Ich verlange von den Soldaten des Islam, unter allen Umständen Allah zu fürchten und Seine Gebote einzuhalten. Sie sollen gegen diejenigen kämpfen, die vom Islam abgefallen und in die Fänge Satans geraten sind. Aber ehe sie ihr Schwert ergreifen, müssen sie die Botschaft des Islam verkünden. Wenn die Abtrünnigen sie annehmen, sollen die Soldaten sofort einhalten und die Waffen senken. Aber wenn die Botschaft zurückgewiesen wird, müssen sie angreifen und solange kämpfen, bis die Gegner ihren Unglauben ablegen. Wenn die Abtrünnigen zum Islam zurückfinden, muß der Befehlshaber des muslimischen Heeres ihnen die Rechte und Pflichten im Islam erklären, man soll ihnen dann ihre Rechte geben und sie veranlassen, ihre Pflicht zu tun. Der Befehlshaber soll seine Männer von übereilten Handlungen und Untaten zurückhalten. Er soll vermeiden, daß sie blindlings in feindliche Siedlungen einfallen. Sie sollen mit der gebotenen Vorsicht eindringen, damit die Muslime keinen Verlust erleiden. Sowohl auf dem Marsch als auch im Lager soll der Kommandierende gütig und rücksichtsvoll zu seinen Männern sein.

Er soll darauf achten, daß sie mit allem Nötigen versorgt sind, und freundlich mit ihnen sprechen." Der Kalif erläuterte den Hauptleuten diese Anweisungen; dann führten sie ihre Bataillone gegen die verschiedenen Schwindler.
Abu Bakr (r) kehrte nach Al-Madina zurück. Er hatte bereits die Schwankenden unter den Muslimen gezwungen, Zakah zu zahlen. Jetzt unternahm er einen umfassenden Angriff gegen die Schwindler und ihre Anhänger.


Tulaiha

Einer der Schwindler war Tulaiha. Er gehörte zum Stamme Banu Asad. Nach seiner letzten Pilgerreise erhob er Anspruch darauf, ein Prophet zu sein, und alle seine Stammesgenossen wurden seine Anhänger. Die Stämme Tay' und Gatafan, die Verbündeten der Banu Asad, schlössen sich auch dem Schwindler an. Mit dieser großen Anhängerschaft lagerte Tulaiha bei der Quelle Bazaha im Nagd. Halid Ibn Al-Walid besiegt ihn, und Tulaiha floh nach Syrien. Später wurde er wieder Muslim. Er diente in der muslimischen Armee während des irakischen Feldzuges und versuchte, für seine vergangenen Sünden Buße zu tun.

Malik Ibn Nuwaira

Halid (r) marschierte dann gegen Malik Ibn Nuwaira, das Stammesoberhaupt der Banu Tamim. Dieser hatte die Zahlung der Zakah eingestellt und die Muslime seines Stammes bekämpft. Als er von Halids Anmarsch hörte, löste er seine Truppen auf.
Halid stellte ihn und seine Männer unter Arrest. Nun war es in dieser Nacht ungewöhnlich kalt, und die Gefangenen begannen zu frieren. Halid ordnete daher an, daß sie gewärmt werden sollten. Aber das arabische Wort für "wärmen" bedeutet auch "erschlagen" Da die Wachen den Befehl mißverstanden, töteten sie Malik und seine Männer mit dem Schwert.
Als Halid am nächsten Morgen von Maliks Schicksal erfuhr, wurde er sehr traurig. Aber er konnte die Tat nicht ungeschehen machen.
"Was Allah fügt, geschieht", sagte er. Den Kalifen erreichten Klagen darüber, daß Halid in diesem besonderen Fall nicht nach dessen Anweisungen gehandelt habe.
Man verlangte, daß Halid für diese übereilte Handlung bestraft werden solle. Aber Abu Bakr zahlte selbst das Blutgeld für Malik Ibn Nuwaira.
Er sagte:
"Halid ist das Schwert Allahs. Dieses Schwert hat Ungläubige wie ein Blitz getroffen.
Wie kann ich dies ungeschehen machen?"


Musailima, der Lügner

Musailima war der listigste aller Schwindler. Er gehörte zu den Yamama. Als er von der schweren Krankheit des Propheten Muhammad, Allahs Segen und Friede auf ihm, erfuhr, schrieb er ihm einen Brief:
"Allah hat mich zum Teilhaber an deinem Prophetentum gemacht. Laßt uns die Erde unter uns beiden aufteilen! "
Darauf entgegnete der Prophet, Allahs Segen und Friede auf ihm:
"An Musailima, den Lügner! Gewiß ist, daß die Erde Allah gehört. Er gibt sie denen Seiner Diener zum Besitz, die Er liebt."
Beim Tode des Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm, sah Musailima seine Gelegenheit gekommen. Er sammelte ein großes Heer.
Diese Armee mußte er zuerst mit einer Betrügerin namens Sagah, einer Christin teilen. Nach dem Tode des Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm, wollte sie auch als Prophetin gelten.
"Warum sollen alle Propheten Männer sein?" fragte sie. "In mir hat Allah nun eine Frau als Prophetin gesandt." Sie stellte eine große Armee auf und marschierte in Richtung Al-Madina. Unterwegs stieß sie auf Musailimas Streitkräfte. Der gerissene Betrüger erkannte sofort, daß Sagah eine ernstzunehmende Rivalin war und daß er sie auf dem Schlachtfeld nicht besiegen konnte. So fing er eine Liebesgeschichte mit ihr an. Sagah ging ihm leicht in die Falle und heiratete ihn. Nun hatte Musailima ein großes Heer von 4000 Mann unter seinem Kommando.
Das Bataillon unter Ikrima Ibn Abu Gahl sollte Musailima angreifen, das Bataillon unter Surahbil war als Verstärkung gedacht. 'Ikrima hatte den Befehl, auf die Verstärkung zu warten. Aber in der Hoffnung, den Ruhm für sich allein zu gewinnen, wartete 'Ikrima nicht ab. Er griff Musailima an und wurde geschlagen. Diese Nachricht stimmte Abu Bakr traurig. Er beauftragte sofort Halid Ibn Al-Walid, Musailima anzugreifen. Die vereinigten Bataillone von Halid und Surahbil fielen nun über den Schwindler her. Musailima kämpfte verzweifelt. Einer seiner Leute erreichte sogar Halids Zelt. Aber Halid behielt die Nerven. Er sammelte seine Leute erneut und führte selbst einen letzten Angriff. Verblüfft über den plötzlichen Ansturm ergriffen Musailimas Männer die Flucht. Der Schwindler und einige seiner Begleiter verbargen sich in einem befestigten Garten. Aber die Krieger des Islam rannten seine Tore ein, und der niederträchtige Schwindler und seine Freunde fielen dem Schwert zum Opfer.
Unter denen, die Musailima niedermachten, befand sich auch Wahsyy, der Negerdiener, der Hamza, den Onkel des Propheten, bei Uhud getötet hatte. Er hatte dies getan, um seine Freiheit zu erlangen. Hind, die Frau Abu Sufyans, hatte ihm versprochen, ihn freizukaufen, wenn er Hamza (r) erschlüge. Nach dem Fall von Makka wurde Wahsyy Muslim. Der Prophet, Allahs Segen und Friede auf ihm, vergab ihm, sagte aber:
"Wahsyy, geh bitte aus meinen Augen. Du erinnerst mich an meinen lieben Onkel"
Wahsyy war immer traurig wegen seiner Sünde und wollte sich davon reinwaschen.
Die Schlacht gegen Musailima gab ihm hierzu Gelegenheit: Mit seinem Wurfspeer
versuchte er, ihn zu treffen. Geschickt stieß er die vergiftete Spitze in seinen Körper, und der Schurke fiel mit einem Aufschrei zu Boden. Im nächsten Augenblick wurde ihm der Kopf abgetrennt.
"Alles Lob gebührt Allah!" rief Wahsyy aus. "Ich habe damit meine Sünde wieder gutgemacht!"
Musailima gehörte zum Stamm der Banu Hanifa. Der Kalif ordnete an, daß alle Männer des Stammes, die die Waffen gegen den Islam erhoben hatten, getötet
werden sollten. Aber Halid (r) hatte bereits versprochen, ihr Leben zu schonen. Deshalb galt sein Wort, und der ganze Stamm nahm den Islam wieder an.


Al-Aswad Al-'Ansyy

Kurze Zeit vor dem Tod des Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm, tauchte auch im Yemen ein Schwindler auf.
Er hieß Al-Aswad und gehörte zum Stamme 'Ans. Er gewann eine beträchtliche Zahl von Anhängern.

Dann griff er die Hauptstadt des Yemen, San'a', an, tötete den Gouverneur und heiratete dessen Witwe.
Er war im ganzen Yemen gefürchet.
Der Prophet, Allahs Segen und Friede auf ihm, schrieb an die Führer der muslimischen Streitkräfte im Yemen, sie sollten das Land von dem Schwindler befreien. Daraufhin nahmen sie mit seiner Frau, die ihn von ganzem Herzen haßte, heimlich Verbindung auf, und eines Nachts gelang es ihnen, Al-Aswad zu toten.
So kam der Yemen wieder unter muslimische Herrschaft. Diese Nachricht erreichte AI-Madina einen Tag nach dem Tode des Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm. aber im Yemen brachen wieder neue Unruhen aus, als der Tod des Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm, bekannt wurde.
Ein früherer General Al-Aswads namens Qais bemühte sich, an die Macht zu kommen. Er gab den Islam auf und versammelte die Anhänger seines getöteten
Herrn um sich. Er hatte auch die Unterstützung einiger Oberhäupter der Yemeniten, die den Islam zwar nach außen zur Schau stellten, innerlich aber gegen ihn waren.
Er scharte genügend Männer um sich, um San'a' einzunehmen, und wurde der Beherrscher des Yemen. Aber das Heer der Muslime stand bereit. In der Zwischenzeit erreichten auch die beiden von Abu Bakr ausgesandten Bataillone den Yemen, und San4 ä' wurde zurückerobert. Qais und sein Hauptverbündeter 'Amr Ibn Ma'di Karib Zubairyy wurden nach AI-Madina geschickt.
Sie bereuten beide ihre Sünden, und es wurde ihnen vergeben.


Al-Bahrain

Das Volk von Al-Bahrain nahm den Islam zu Lebzeiten des Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm, an. Nach seinem Tod warf der mächtige Stamm der Banu Bakr den von ihnen als Joch empfundenen Islam jedoch ab und begann, gegen die Muslime zu kämpfen. Abu Bakr sandte ein Bataillon unter 'Ala Ibn Al-Hadramyy, um den aufrührerischen Stamm zu unterwerfen. Die Banu Bakr wurden besiegt und ihr Anführer Hatim getötet - Al-Bahrain war wieder fest unter muslimischer Herrschaft.
Auch einige Stämme von 'Uman fielen vom Islam ab, Abu Bakrs Heeresführer brachten sie aber alle in die Gemeinschaft des Islam zurück.
So gelang es Abu Bakr in wenigen Monaten, den Aufruhr zu unterdrücken, den die Schwindler im ganzen Land verursacht hatten. Halid Ibn Al-Walid (r) trug hierzu mehr bei als jeder andere.


Krieg mit Persien:

Das Zeitalter der Eroberungen beginnt

Die Kaiser Persiens hatten alles, was sie konnten, getan, um den Islam zu vernichten. Der schändliche Khusro Pravez hatte sogar befohlen, den Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm, einzusperren. Aber einige Tage darauf wurde er von seinem Sohn Scharuya getötet. Von diesem Tag an kannte Persien keinen Frieden mehr, und Abu Bakr mußte mit einer ständigen Gefahr an den östlichen Grenzen rechnen.
Im ersten Monat des Jahres 12 n.H. wurde Halid Ibn Al-Walid ausgesandt, um die persischen Streitkräfte anzugreifen. Ein anderes Heer unter Al-Qa'qa' Ibn 'Amr sollte ihn unterstützen. Halid sollte Ramla, den südlichen Vorposten des persischen Reiches, angreifen, ein zweites Heer unter 'Ayaz Ihn Gannam sollte an der Nordgrenze des Irak kämpfen. Nach islamischer Gepflogenheit richtete Halid folgenden Brief an Hurmuz, den persischen Befehlshaber:
"Nimm den Islam an, und du bist sicher. Tust du es nicht, dann stimme zu, die Gizya zu bezahlen, oder du wirst es zu bereuen haben! Ich führe gegen euch ein Volk, das den Tod so liebt wie ihr das Leben."
Der stolze persische Befehlshaber beachtete diese Warnung jedoch nicht. Er fiel in der darauffolgenden Schlacht, und das persische Heer wurde vernichtend geschlagen. Danach kämpften noch einige bekannte persische Generäle gegen Halid. Zwei von ihnen waren Bahman und Dschahan. Aber sie wurden alle besiegt, und die persischen Verluste waren schwer.
Die Stadt Al-Hira an der persischen Grenze war die Hochburg der christlichen Araber. Halid eroberte diese, woraufhin sich auch die anderen Oberhäupter der Grenzregionen unterwarfen.
Nach Al-Hira eroberte Halid die beiden wichtigen Außenposten des persischen Reiches Al-Anbar und 'Ainu-t- Tamr. Da erhielt er einen Brief von Ayaz, der ihn in den Norden des Irak um Hilfe rief: In Daumatu-1-Gandal war er in harter Bedrängnis.
Halid kam ihm eilends zu Hilfe und sandte ihm folgende Botschaft:
"Halte noch eine Weile aus! Kamele mit löwenhaften Kämpfern sind bald bei dir; wie Wellen nähern sich unsere Truppen." Akidar, einer der feindlichen Generäle, wußte aus eigener Erfahrung, daß es sicher unmöglich war, einen Angriff Halids aufzuhalten. Er schlug den anderen Generälen deshalb vor, den Kampf gegen die Muslime einzustellen. Als sie seinen Vorschlag nicht beachteten, ließ er sie ruhig gewähren, aber seine Freunde sahen die Richtigkeit seines Vorschlags ein, als sie eine demütigende Niederlage durch Halids Hand erlitten. Ein anderes wichtiges Ereignis fand in Faraz statt. Eine starke
Streitmacht aus Persern und Arabern überquerte den Euphrat.
Am 15. des Monats Du-1-Qa'da im Jahre 12 n.H. vertrieb Halid dieses Heer. Von hier kehrte er nach Al-Hira zurück.


Halid Ibn Al-Walid

Halids Heldentaten

Als er Kalif wurde, hatte Abu Bakr (r) nicht mehr als 10.000 Mann. Mit dieser Heeresstärke mußte er einen landesweiten Aufstand niederwerfen. Diese Aufgabe schien hoffnungslos, aber Abu Bakr meisterte sie mit erstaunlichem Erfolg. Er verdankte dies hauptsächlich seinem unerschütterlichen Glauben an Allah (t).
"Islam ist der Weg der Wahrheit, offenbart durch Allah ", sagte er. "Daher verteidigt Allah ihn gegen alle Feinde." Abu Bakr wußte, daß er nicht so sehr von der Stärke seiner Truppen als von Allahs Hilfe abhängig war. Die Ergebnisse bewiesen, daß sein Glaube richtig war.
Eine wichtige Hilfe war ihm auch Halid Ibn Al-Walid (r), der größte Feldherr des Islam. Sein militärisches Geschick und sein Mut ließen mit Allahs Macht die geringen Streitkräfte des Islam zehnmal stärker erscheinen. Die Ergebnisse waren überwältigend: Halid war mit einer Handvoll Truppen in der Lage, nicht nur mit allen inneren Feinden fertig zu werden, sondern auch Arabien für den Islam zu sichern. Er konnte auch den Irak in Kürze für den Islam gewinnen. Vom Irak aus marschierte er gegen die byzantinischen Streitkräfte und vertrieb sie. Dies geschah alles im Zeitraum von zwei Jahren. Während dieser Feldzüge erlitt Halid keine einzige Niederlage. Er überraschte den Feind durch Gewaltmärsche und gab sich erst mit dessen vollständiger Niederwerfung zufrieden. Dies machte Halid zum Schrecken für seine Feinde. Die Wahrheit ist, daß Halids Heldentaten die Siege Alexanders des Großen oder Napoleons weit in den Schatten stellen.


Allahs Schwert

Halid Ibn Al-Walid war der geborene Feldherr. Bei Uhud kämpfte er auf der Seite der Qurais". Er war es, der den Gang der Schlacht entschied: Der Sieg der Muslime war schon in naher Sicht, die Führer der Qurais wichen schon zurück. Plötzlich sah Halid den Engpaß im Rücken der muslimischen Armee unverteidigt - an der Spitze eines Stoßtrupps stürmte er über den Paß und griff die islamische Armee überraschend an.
Nach dem Frieden von Al-Hudaibiya nahm Halid den Islam an. Sein militärisches Talent überstrahlte bald die anderen. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede auf ihm, erkannte sofort seinen Wert und gab ihm den Titel "Saifullah" (Schwert Allahs). Aber die übrige Welt bemerkte seine unerreichte Begabung für die Kriegskunst erst, als der Islam über die Grenzen Arabiens hinausdrang.
Auch Abu Bakr erkannte gleich Halids Fähigkeiten. Er übertrug ihm den Oberbefehl für den irakischen Feldzug. Halids Heldentaten in diesem Unternehmen haben in der Geschichte wenig ihresgleichen. In etwa elf Monaten überrannte er den ganzen Irak und brachte ihn unter das Banner des Islam, obwohl er nicht mehr als 10.000 Mann hatte. Mit dieser kleinen Streitmacht besiegte er Massen, die zwanzigmal größer
waren. Ihre Waffen und ihre Ausrüstung waren den seinigen überlegen, aber mit seinem Glauben an Allah (t) wußte Halid, wie man mit einer kleineren Streitmacht und weniger guten Waffen gewinnt.
Im Irak schlug Halid insgesamt 15 Schlachten. In allen war sein Sieg vollständig, und die Fahne des Islam durfte das Schlachtfeld niemals verlassen, ehe der Feind endgültig geschlagen war. So wurde Halid gegen Ende des Feldzuges zum Schrecken des Feindes: Schon allein die Tatsache, daß Halid ein Heer befehligte, ließ den Feind erzittern.


Ein guter Verwalter


Halid war aber nicht nur ein großer Eroberer, sondern auch ein erstklassiger Verwalter, Er achtete darauf, daß in den von ihm eroberten Städten und Gebieten alles wohl geordnet wurde. Er zog nie weiter, ehe dies erledigt war. Er ließ einen Stellvertreter zurück, der auf alles aufpassen mußte. Auch ernannte er einen Richter, der die Streitigkeiten der Bevölkerung schlichtete.
Halid (r) war äußerst gutherzig und gerecht. Sein Heer hatte strikte Anweisung, Bauern und Bürgern kein Leid zuzufügen. "Sie sind die Stärke der Gesellschaft", sagte er. "Sie sollen immer mit Güte und Achtung behandelt werden."
Dies war etwas Neues für das eroberte Land. Die persischen und byzantinischen Hauptleute waren sehr hart zum Volk gewesen. Halids Behandlung gewann die Herzen der Bevölkerung in dem Maße, wie sie ihre früheren Herren haßte.


Liebe zu Allah

Halids Liebe zu Allah (t) war so groß wie sein Haß gegen Allahs Feinde.
Im Monat Du-l-Qa`da des Jahres 12 n.H. war sein Feldzug im Irak zu Ende. In der Mitte dieses Monats errang er den letzten Sieg. Halid gönnte seinem Heer eine Ruhepause von zehn Tagen. Dann befahl er den Rückmarsch zu seinem Hauptquartier in Al-Hira. Aber da war noch die Pilgerreise, auf die Halid nicht
verzichten wollte. Er gab bekannt, daß er die Nachhut bilden wolle. Und mit einigen Männern hetzte er dann auf einer Abkürzung durch die leblose Wüste nach Makka.
Unmittelbar nach seinen Siegen war er nun in der heiligen Stadt und erklärte:
"Labbaika-llahumma labbaik (Hier bin ich, o Herr, hier bin ich zu Deinem Dienst!)"
Selbst auf dem höchsten Gipfel seines Ruhmes vergaß Halid nicht, daß er im Dienste Allahs stand.
Sobald der Hagg vorüber war, eilte Halid zurück an seinen Posten. Er traf seine Männer vor Al-Hira. Die ganzen Tage über hatte die Truppe geglaubt, daß der Befehlshaber die Nachhut führe. Aber als die Krieger jetzt seinen geschorenen Kopf sahen, wußten sie, daß er als Pilger in Makka gewesen war.
Abu Bakr (r) war erstaunt, als er von dem gewagten Abstecher Halids zum Hause Allahs hörte. Er verbot ihm jedoch, in Zukunft das Heer allein zu lassen. Solch ein Schritt, führte er aus, könne leicht eine schwierige Lage heraufbeschwören.


Härte gegen den Feind

Halid war sehr hart gegen die Menschen, die die Waffen gegen den Islam erhoben.
Er meinte, daß man solchen Leuten nur zwei Möglichkeiten lassen sollte: Sie sollten entweder nachgeben oder bis zum Tode kämpfen. Wenn sie vom Schlachtfeld flohen, verfolgte er sie überall hin, bis sie um Gnade baten oder getötet wurden. Diese Strategie Halids erwies sich als nützlich. Er wurde mit dem geschlagenen Feind ein für allemal fertig. Er ließ nicht zu, daß er die Waffen ein zweites Mal erhob; denn die Streitkräfte der Muslime waren zu klein, um wiederholte Aufstände niederschlagen zu können.
Es gibt in der Geschichte kaum einen Feldherrn, der so viele hervorragende Eigenschaften in sich vereinigte wie Halid (r). Er ist nach dem Propheten Muhammad, Allahs Segen und Friede auf ihm, unbestreitbar der größte Heeresführer des Islam.


Krieg gegen Byzanz


Schon zu Lebzeiten des Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm, ergab sich die Notwendigkeit zu kriegerischen Handlungen gegen Byzanz. So war Abu Bakr (r) gezwungen, etwas gegen diese Gefahr zu tun.
Im Jahre 13 n.H. rüstete er eine große Streitmacht aus und teilte sie in vier Abteilungen, die jeweils einem Befehlshaber unterstellt wurden. Jede von ihnen sollte an einem anderen Abschnitt der syrischen Grenze losschlagen. Abu 'Ubaida Ibn Al- Garrah hatte den Befehl, nach Hims zu marschieren,' Amr Ibn AI-'As nach Palästina, Yaild Ibn Abu Sufyan nach Damaskus und Surahbil Ibn Hasna an den Jordan.
Diese Bataillone sollten den Feind gleichzeitig angreifen. Das Ziel war, ihn daran zu hindern, eines der Bataillone mit voller Stärke anzugreifen.


Goldene Regeln für die Kriegsführung

Vor dem Aufbruch der Heere gab Abu Bakr (r) die folgenden Anweisungen an ihre Befehlshaber: "Fürchtet stets Allah! Er sieht in die Herzen der Menschen.
Seid freundlich zu den Männern, die euch unterstellt sind, und behandelt sie gut!

Gebt kurze Anordnungen; denn wenn sie zu lang sind, werden sie vergessen!

Geht anderen mit gutem Beispiel voran! Sie werden sich nach euch richten.

Achtet die Vertreter des Feindes!

Haltet eure Pläne geheim!

Seid immer wahrhaftig, dann werdet ihr gute Ratschläge bekommen!

Sitzt abends, wenn ihr frei seid, unter euren Männern!

Das hält euch in Verbindung mit ihnen.
Teilt den Wachdienst zum Schutz des Heeres gut ein!

Meidet unaufrichtige Menschen und haltet euch an ehrliche und gläubige Sahaba!

Seid offen zu allen, mit denen ihr zu tun habt!

Hütet euch vor Feigheit und Ehrlosigkeit!

Ihr werdet Menschen begegnen, die der Welt entsagt und sich in die Einsamkeit zum Gebet zurückgezogen haben. Laßt sie in Frieden!"


Vereinignung der vier Heeresabteilungen


Die Nachricht vom Einmarsch der Muslime brachte Kaiser Heraklios aus der Fassung. Er hielt sich zu dieser Zeit gerade in Jerusalem auf. Er fragte seine Fürsten um Rat. Da er selbst sich gern mit den Muslimen geeinigt hätte, sagte er:
"Es ist besser, halb Syrien aufzugeben, als das ganze Reich zu verlieren." Seine Ratgeber waren damit aber nicht einverstanden. Es wurden also vier mächtige Armeen gegen die Muslime ausgesandt. Eine davon wurde vom Bruder des Kaisers befehligt. Jede Armee war siebenmal so stark wie die muslimische, die sie zu bekämpfen hatte. Darüber machten sich die muslimischen Heeresführer Sorgen und trafen sichdeshalb zur Beratung. Einer wies darauf hin, daß es töricht sei, getrennt zu kämpfen.
"Wir werden vom Übergewicht zerschmettert werden, wenn wir getrennt kämpfen", sagte er.
Die anderen Befehlshaber sahen das ein, und sie beschlossen, die vier Abteilungen zu einer einzigen Armee zu vereinigen. So würde das Heer auch den muslimischen Soldaten selbst größer erscheinen. Sie teilten dem Kalifen ihren Entschluß mit.
Dieser billigte ihn und sandte ihnen folgende schriftliche Botschaft:
"Muslime können nie deshalb besiegt werden, weil sie zu gering an Zahl sind; aber wenn ihre eigenen Sünden sie überwältigen, werden sie eine Niederlage erleiden.
Deshalb haltet euch fern von Sünden aller Art!"


Die Schlacht am Al-Yarmuk


Als Heraklios erfuhr, daß die vier islamischen Armeen zu einer vereinigt worden waren, befahl auch er eine ähnliche Zusammenfassung, und die vier byzantinischen Armeen schlössen sich zu einer gigantischen Masse von Menschen zusammen. Im Tal des Al-Yarmuk hoben sie Schützengräben aus. Nach dem Befehl des Kalifen bezogen die Muslime Stellungen auf der gegenüberliegenden Seite. Wochenlang lagen sich die beiden Heere gegenüber, und keines der beiden wagte es, den Kampf zu eröffnen.
Die byzantinischen Streitkräfte hatten jeden Vorteil auf ihrer Seite. Zu der zahlenmäßigen Überlegenheit kam, daß sie den Fluß vor und Berge hinter sich hatten. Die muslimischen Heerführer forderten daher vom Kalifen Verstärkung an, und daraufhin ließ Abu Bakr Halid sofort nach Syrien eilen.
Halid legte den Oberbefehl im Irak in die Hände von Al-Mutanna Ibn Harita. An der Spitze von 10.000 Mann begab er sich nach Syrien, so schnell er konnte. Trotz aller Eile eroberte Halid auf dem Weg dorthin viele Befestigungen und Städte. Er erreichte schließlich den Al-Yarmuk fast zur gleichen Zeit, als die byzantinische Armee ebenfalls Verstärkung erhielt. Ihre Gesamtstärke erreichte damit 240.000 Mann, die muslimische Streitmacht umfaßte nur 36.000.


Neuordnung des Heeres


Halid erkannte sogleich, daß er das Heer den besonderen Verhältnissen entsprechend neu gliedern müsse, um zu siegen. Das bedeutete vor allem ein einheitliches Oberkommando. Daher berief er die anderen Kommandeure zu sich und sagte:
"Wir kämpfen alle für die Sache des Glaubens. Keiner darf an sich denken. Wir können uns eine Zersplitterung der Befehlsgewalt nicht leisten. Das würde dem Feind nur nützen. Laßt uns deshalb den Oberbefehl auf einen einzigen Mann übertragen, meinetwegen im Wechsel. Wenn ihr damit einverstanden seid, überlaßt mir den Oberbefehl für den ersten Tag der Schlacht!"
Dieser Plan gefiel allen, und Halid übernahm die oberste Befehlsgewalt. Er teilte das Heer in verschiedene Abschnitte. Jeder erhielt einen Kommandeur, und jeder Abschnitt war in Unterabschnitte aufgeteilt, von denen jeder einen Anführer hatte.
Abu Sufyan war zum anfeuernden Herold ernannt worden.
Er sprach Worte der Ermunterung zu allen Kämpfern. Als sich die beiden Armeen gegenüberstanden, bemerkte ein muslimischer Soldat:
"Wie zahlreich der Feind ist!"
Halid hörte das und sagte:
"Die Zahl macht es nicht! Wichtig ist der Ausgang der Schlacht!"
Als die Schlacht schließlich begann, stieß Halid mit einem ausgewählten Trupp in das Zentrum der feindlichen Kräfte. Es gelang ihm, einen Keil zwischen das feindliche Fußvolk und die Reitertruppe zu treiben und sie voneinander abzuschneiden.


Kampf bis zum Tod


Auch 'Ikrima Ibn Abu Gahl kämpfte am Al-Yarmuk mit. Gleich nach der Eröffnung der Schlacht begannen die islamischen Truppen unter dem zahlenmäßigen Übergewicht des Feindes zu wanken. Als 'Ikrima das sah, rief er aus: "Früher kämpfte ich in allen Schlachten gegen den Gesandten Allahs, jetzt aber streite ich für die Sache Allahs. Auf gar keinen Fall werde ich fliehen! Wer von euch ist bereit, mit mir bis zum Tode zu kämpfen?"
Als er dies sagte, streckte er seine Hand aus, daß sie einschlagen sollten. Sein Sohn 'Amr legte als erster den Schwur ab, vierhundert Mann folgten ihm. Dann schlugen die Männer wie Wildkatzen auf die feindlichen Horden ein. Sie teilten so wirkungsvolle Schläge aus, daß die Menschenwoge sich vor ihnen teilte. Ihr verzweifelter Angriff brachte Verwirrung in die feindlichen Reihen.


Niederlage des Feindes

Bald befand sich die feindliche Reitertruppe eingekeilt zwischen Halids Stoßtrupp und der islamischen Hauptarmee. Verwirrung entstand, und die Feinde flohen. Die islamische Armee machte ihnen Platz zur Flucht.
Nun konnte Halid (r) sich auf die feindliche Fußtruppe werfen. Diese wurde völlig überrascht, da plötzlich der Schutz der Reiter fehlte. In äußerster Verwirrung zog sie sich zurück, aber der Berg versperrte ihr den Weg. Verzweifelt rannten die Männer zum Fluß zurück. Hier erwartete sie der Tod in den Fluten. Die meisten waren aneinandergekettet, um eine Flucht unmöglich zu machen, und die Ketten erwiesen sich nun als Todesfallen: Denn als einige Männer in den Fluß fielen, rissen sie ihre Kampfgenossen mit in das nasse Grab. Nach einer Schätzung ertranken 120.000 Mann im Fluß. Die Byzantiner erlitten eine vollständige Niederlage. Dreitausend Muslime waren als Märtyrer gefallen.

Mut der Frauen


Die muslimischen Frauen spielten eine wesentliche Rolle in dieser Schlacht. Sie bildeten eine Abteilung hinter der Kampftruppe und versorgten die Männer mit Wasser, sie behandelten auch ihre Wunden und sprachen ihnen Mut zu, wenn sie Zeichen der Schwäche zeigten. Diese Worte der Ermunterung richteten die Männer wieder auf; wie der Blitz stürmten sie von neuem nach vorn und säten Tod in die feindlichen Linien. Zuerst zwang die byzantinische Armee die Muslime zum Rückzug. Da kam Halid zu den Frauen, die auf einem Bergkamm standen, und sagte zu ihnen:
"Ihr Töchter des Islam, wenn auch nur einer dem Schlachtfeld den Rücken kehrt, tötet ihn sofort!"
Die Frauen taten, worum Halid sie gebeten hatte; sie standen auf ihrem Posten und erfüllten ihre Pflicht:
Mit Steinen in den Händen beobachteten sie das Schlachtfeld, und wenn einer um sein Leben lief, empfing ihn ein Steinhagel. Er lief dann zurück und kämpfte bis zum Letzten.
Viele Muslime hatten ihre Familien bei sich. Die Frauen lebten in Zelten hinter dem Lager der Truppe. Ihre Worte der Ermunterung an die Tapferen und die Schmähung der Feiglinge hatten großen Einfluß auf das Tempo und den Ausgang der Schlacht.
Der Sieg am Al-Yarmuk war also in nicht geringem Maße dem Mut der muslimischen Frauen zu verdanken.


Zwei große Märtyrer


Am folgenden Morgen verschaffte sich Halid einen Überblick über die Verluste der islamischen Armee. 'Ikrima und sein Sohn Amr wurden zu ihm gebracht. Sie waren schwer verwundet, und ihr Zustand war ernst. Halid barg ihre Köpfe in seinem Schoß - einige Minuten später verstarben sie.
Ikrima war der Sohn Abu Gahls, eines Erzfeindes des Islam. Als Makka fiel, floh 'Ikrima, weil er um sein Leben bangte. Aber er kehrte nach Makka zurück, als er hörte, daß der Gesandte Allahs allen Feinden vergeben habe. Der Prophet, Allahs Segen und Friede auf ihm, kam ihm zu seiner Überraschung entgegen, um ihn zu begrüßen. Von da an war 'Irkima (r) ein treuer Sohn des Islam; er gab sein Leben für dessen Ruhm.

Selbstlosigkeit Halids


Die Schlacht am Al-Yarmuk war noch nicht zu Ende, als ein Brief aus Al-Madina eintraf und Halid ausgehändigt wurde. Darin stand, daß Abu Bakr (r) gestorben und 'Umar (r) sein Nachfolger geworden sei. Der Brief enthielt auch die Nachricht, daß der neue Kalif Halid von seinem Kommando abgelöst und ihn durch Abu 'Ubaida ersetzt habe. Halid las den Brief. Dann setzte er Abu `Ubaida Ibn Al-Garrah davon in Kenntnis, daß der Oberbefehl auf ihn übergegangen sei. Aber die Nachricht wurde nicht öffentlich bekanntgemacht, weil die Armee nicht den Mut verlieren sollte.
Der Brief änderte Halids Verhalten in keiner Weise. Er fuhr fort, so verwegen zu kämpfen wie zuvor.
Als nach dem Ende der Schlacht Halids Absetzung bekannt wurde, sagte jemand zu ihm:
"Warum hat die Nachricht deinen Kampfgeist nicht gedämpft?"
"Ich habe nicht für 'Umar, sondern für Allah gekämpft", entgegnete Halid (r)


Abu Bakrs letzte Krankheit


Am 7. des Monats Gumada-1-Ahira im Jahre 13 n.H. wurde Abu Bakr krank.
Er hatte hohes Fieber; es wurde alles getan, um das Fieber zu senken, doch vergebens. Dem betagten Kalifen wurde klar, daß sein Ende gekommen war.
Selbst in diesen letzten Tagen beschäftigte ihn der Gedanke an die Zukunft des Islam. Er wollte ihn sichern, auch für die Zeit nach seinem Tod.
Er hatte all seine Energie darauf verwendet, die heftigen Stürme der Unruhe niederzuhalten, die nach dem Tod des Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm, losgebrochen waren, und Abu Bakr wollte nicht, daß nach seinem eigenen Tod solche Stürme erneut losbrächen.


Umars Ernennung


Das Wohlergehen der Muslime war immer Abu Bakrs erste Sorge gewesen. Er wollte nichts zulassen, was den Islam hätte schwächen können. Was er jedoch am meisten fürchtete, war eine Spaltung unter den Muslimen. Er erinnerte sich daran, was nach dem Tod des Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm, geschehen war. Daher wollte er verhindern, daß Uneinigkeit die Muslime entzweien könnte, wenn er nicht mehr sei. Einigkeit war das Geheimnis der Stärke und um jeden Preis notwendig.
Als er kränker wurde, beschäftigte sich Abu Bakr immer mehr mit dieser Frage. Wer würde nach ihm Kalif sein? Sollte er selbst den Namen des besten Mannes nennen? Oder sollte er die Entscheidung dem Volk überlassen? Im letzteren Fall würden Streitigkeiten entstehen. Sie würden die Grundlagen des Islam erschüttern. Das Risiko war zu groß, Abu Bakr wollte es nicht auf sich nehmen.
Nach sorgfältiger Überlegung entschied er sich, 'Umar zu ernennen. Er unterbreitete seinen Vorschlag den führenden Männern seiner Umgebung. Den meisten gefiel der Vorschlag, nur einer sagte; "'Umar ist ohne Zweifel der beste Mann, aber er ist zu streng!"

Darauf erwiderte Abu Bakr:

"Wenn er die Bürde des Kalifats tragen muß, wird er milder."
Nachdem alle Sahaba einverstanden waren, wurde 'Utman gerufen. Abu Bakr diktierte ihm 'Umars Ernennung, die dem Volk verkündet wurde. Sie lautete:
"Dies ist der Wille Abu Bakrs, des Kalifen des Gesandten Allahs. Er tut seinen Willen kund, ehe er diese Welt verläßt. Zu diesem Zeitpunkt wird sogar ein Ungläubiger gläubig, und selbst ein Sünder vertraut auf Allah. Ich ernenne 'Umar Ibn Al-Hattab zu eurem Herrscher. Dabei habe ich nur das Beste für euch im Sinn gehabt. Ich hoffe, daß er gerecht und wahrhaftig sein wird. Aber ich kann nicht voraussehen, was geschehen wird, wenn er den Pfad der Gerechtigkeit verläßt. Mir liegt einzig das

Wohlergehen der Muslime am Herzen. Jeder ist für sein Tun verantwortlich."
Nachdem dieser letzte Wille dem Volk verkündet worden war, bestieg Abu Bakr (r), gestützt von zwei Männern, das Dach seines Hauses. Er richtete folgende Worte an das Volk: "Meine Brüder im Islam, ich habe keinen meiner eigenen Brüder oder Verwandten zu eurem Kalifen ernannt. Ich habe einen Mann aus eurer Mitte erwählt, der mir am meisten geeignet erscheint. Seid ihr mit ihm einverstanden?" "Natürlich
sind wir das!" ertönte ein Ruf aus Hunderten von Kehlen.
Dann rief Abu Bakr 'Umar an sein Bett und sprach zu ihm: "'Umar! Ich habe dich zu meinem Nachfolger ernannt. Mein letzter Rat ist, daß du Allah fürchten und für das Wohl der Muslime arbeiten sollst. Bedenke, 'Umar, daß du die Pflichten, die du Allah schuldest, zur rechten Zeit erfüllst, sei es bei Tag oder Nacht. Das Wichtigste muß zuerst erledigt werden. Am Tage des Gerichts werden nur die erfolgreich sein, deren gute Taten ins Gewicht fallen.
Die Menschen, deren böse Taten schwerer wiegen als die guten, werden eine schreckliche Zeit haben. Der Qur'an und die Wahrheit sollen deine Führer zu Erfolg und Wohlergehen sein. Du weißt, 'Umar, daß die Verse des Qur'an sowohl von Belohnungen als auch von Bestrafungen sprechen. Deshalb muß man die Furcht vor Allah in die Herzen der Gläubigen senken, damit sie um Vergebung beten. 'Umar, wenn du im Qur'an über die Verdammten in der Hölle liest, dann bete zu Allah, daß er dich nicht zu einem von ihnen macht. Aber wenn du über die Bewohner des Paradieses liest, dann bete, daß auch du zu ihnen gehören wirst. Wenn du den Weg gehst, den ich dir vorgezeichnet habe, wirst du mich an deiner Seite finden!"
Als 'Umar gegangen war, hob der sterbende Kalif seine Hände zum Bittgebet und sagte:

"O Herr! Ich habe diesen Schritt zum größten Nutzen der Muslime getan, weil ich Uneinigkeit zwischen ihnen befürchtete. Ihre Folgen sind Dir wohl bekannt. Nach sorgfältigem Überlegen habe ich einen Mann ernannt, der sich am aufrichtigsten und tatkräftigsten für das Wohl des Volkes einsetzt. Ich bin jetzt an der Schwelle des Todes, so hilf Du, o Herr, den Muslimen, wenn ich nicht mehr bin. Sie sind Deine
Diener. Ihre Zukunft liegt in Deiner Hand. O Herr, laß sie nach Deinen Gesetzen auf dem richtigen Weg wandeln. Mache 'Umar zu einem der edelsten Kalifen und hilf den Muslimen, ihn zu unterstützen."


Abu Bakrs Tod


Nach einer Krankheit von zwei Wochen starb Abu Bakr (r) im Alter von 63 Jahren. Er wurde an der Seite des Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm, beigesetzt. Vor seinem Tod sagte er noch:
"Nehmt keine neuen Tücher, um meinen Leib zu bedecken. Das Stück Tuch, auf dem ich liege, genügt. Wascht es!" "Aber es ist zu alt und abgenutzt, Vater", sagte seine Tochter A'ischa(r).
"Dieses alte, abgetragene Tuch genügt für mich", antwortete er.
Dieser letzte Wunsch wurde befolgt.
Der zweite Wunsch des sterbenden Kalifen war:
"Verkauft mein Land und zahlt alles Geld zurück, welches ich als Gehalt erhalten habe!"
Auch dies wurde befolgt.
Abu Bakr war ein wohlhabender Kaufmann, als er Kalif wurde. Die Aufgaben des Kalifats ließen ihm keine Zeit, sich um seine eigenen Geschäfte zu kümmern. Deshalb genehmigten ihm die Sahaba ein Gehalt von 6000 Dirham jährlich. Das ganze Geld wurde nach dem Tod des Kalifen an Baitu-1-Mal zurückgezahlt.
So gab Abu Bakr, der erste Kalif, ein edles Beispiel selbstlosen Dienens. Er lebte und wirkte für den Islam bis zum letzten Atemzug, und für seine unermüdliche Arbeit suchte er keine weltliche Belohnung.

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