Beste Zeit für Pflichtgebet

Die beste Zeit für das Pflichtgebet und Ausnahmen diesbezüglich

Das rituelle Gebet (arab. as-salah)

عن ابن مسعود رضي الله عنه قال قال رسول الله صلى الله عليه وسلم (أفضل الأعمال الصلاة فى أول وقتها ) رواه الترمذي والحاكم وصححاه وأصله فى الصحيحين.أخرجه البخاري عن ابن مسعود رضي الله عنه بلفظ : سألت النبي صلى الله عليه وسلم أي العمل أحب إلى الله ؟ قال (الصلاة على وقتها). (1)



Ibn Masud (r.) berichtet, dass der Gesandte Allahs (s.a.s.) gesagt hat: „Die vorzüglichste Tat ist die Verrichtung des Gebets (arab. salah) am Anfang der Gebetszeit.“ Dies berichteten Tirmidhi und al-Hakim. Beide sagten, dass dies ein gesunder (arab. sahih) Hadith ist. Die Kernaussage des Hadithes wird auch von Buchari und Muslim überliefert.Bukhari berichtet, dass Ibn Mas'ud (r.) gesagt hat: „Ich fragte den Propheten (s.a.s.): 'Welche Tat ist Allah am liebsten?' Er antwortete: 'Das Gebet zu seiner Zeit.' “.

Abzuleitende Bestimmungen und Lehrinhalte in diesem Zusammenhang:

1. Der Hadith weist vom äußeren Wortlaut darauf hin, dass die beste Tat das Gebet zu Anfang der Gebetszeit ist. Somit steht der Hadith von Ibn Masud im scheinbaren Widerspruch zum Hadith von Abu Huraira „Die beste Tat ist der Iman an Allah den Erhabenen.“

 Ibn Daqiq al-'Id sagt, dass mit der „besten Tat“ im Hadith von Ibn Masud „die beste Tat für die kِrperlichen Glieder“ gemeint ist. Der Hadith spricht nicht über die Taten des Herzens. Damit steht er nicht im Widerspruch zum Hadith von Abu Huraira. Somit sagt der Hadith, dass die beste kِrperliche Tat für die Muslime, d.h. für diejenigen, die bereits Iman“ haben, das Gebetam Anfang der Gebetszeit ist.Es gibt jedoch andere Hadithe, die andere rechtschaffene Taten als vorzüglichste Tat bezeichnen.

Diese Hadithe scheinen auf den ersten Blick dem Hadith von Ibn Masud zu widersprechen. In Wirklichkeit widersprechen sie ihm jedoch nicht, denn es wurde darauf geantwortet, dass der Prophet (s.a.s.) verschiedene Personen ansprach, und bei jedem dasals vorzüglichste Tat bezeichnete, was zu demjenigen am besten passt, am besten für ihn ist, wo er sich am meisten hingezogen fühlt und wodurch er so am nützlichsten ist. So ist für einen Mutigen die beste Tat der Dschihad, und es ist besser für ihn, als sich für den freiwilligen Gottesdienst zurückzuziehen; für einen Reichen ist die beste Tat, wenn er spendet, usw. (2) 

2. Der Prophet (s.a.s.) hat über das 'ischa'-Gebet (Nachtgebet) gesagt:„Wenn ich es meiner Gemeinde nicht dadurch schwer machen würde, würde ich den Zeitpunkt des Gebetes verschieben (bis zur Hälfte der Nacht bzw. kurz davor)“ Der scheinbare Widerspruch in diesem Hadith gegenüber dem Hadith von Ibn Masud ist kein Widerspruch, denn im Hadith von Ibn Masud ist vom allgemeinen Fall die Rede, und in demeben erwähnten Hadith ist der spezielle Fall des Nachtgebetes gemeint. Und zwischen dem allgemeinen Fall (arab. 'am) und einem Spezialfall (arab. khas) besteht kein Widerspruch. Dies kommt oft im islamischen Recht (arab. fiqh) vor. Z.B. forderte Fatima (r.), die Tochter des Propheten (s.a.s.), nach seinem Tod einen Teil des Erbes ihres Vaters vom Kalifen Abu Bakr (r.), weil Allah im Koran, Sure

4, Vers 11 (sog. Erbschaftsvers) sagt: „Allah verordnet euch in Bezug auf eure Kinder: ein männliches Kind hat so viel als Anteil wie zwei weibliche Kinder...“ Da sagte er, dass er den Propheten (s.a.s.) sagen hِrte: „Wir, die Propheten, werden nicht beerbt. Das, was wir (an materiellen Gütern) hinterlassen, ist als Spende (arab. sadaqa) zu verwenden.“ So ist also in [4:11] vom allgemeinen Fall die Rede, wobei der Hadith „Wir, die Propheten, werden nicht beerbt...“ eine Ausnahme zu dem allgemeinen Fall ist.(3)

3. Zusammenlegung des Abend- und Nachtgebetes und des Mittagsund des Nachmittagsgebetes in friedlichen Zeiten unter bestimmten Bedingungen (4):

Die Vereinigung (d.h. das European Council for FATWA and Research) kam zum Schluss, dass die Zusammenlegung des Abend (maghrib)- und des Nacht (ischa')-Gebetes erlaubt ist in Europa im Sommer, wenn die eigentliche Zeit für das Nachtgebet etwa um Mitternacht heranbricht bzw. wenn das Anzeichen für den Hereinbruch der Zeit des Nachtgebetes(d.h. das Verschwinden der Abenddämmerung) überhaupt nicht erscheint. Der Beschluss wird folgendermaßen begründet: Zum einen steht im Koran, dass Allah den Muslimen keine Bedrängnis (arab. haradsch) auferlegt hat und zum anderen besagt ein Hadith, den Muslim



in seinem Sahih-Werk von Ibn Abbas (r.) überliefert, dass der Prophet (Allas Segen und Heil auf ihm) das Mittags- und das Nachmittagsgebet und das Abend- und das Nachtgebet zusammenlegte ohne im Krieg (wِrtl. Angst) zu sein oder dass es regnete.
 
Ibn Abbas wurde danach gefragt, was der Prophet damit beabsichtigte, worauf Ibn Abbas antwortete: „Er wollte die Bedrängnis von seiner Gemeinde (arab. umma) nehmen. Die Vereinigung kam ebenfalls zum Schluss, dass es in Europa im Winter ebenfalls erlaubt ist, das Mittags- und das Nachmittagsgebet zusammenzulegen, weil der Tag sehr kurz ist, und es für die Arbeiter und Angestellten sehr schwierig (arab. maschaqqa wa haradsch) ist, am Arbeitsplatz jedes Gebet zur eigentlichen Zeit zu verrichten. Jedoch weist die Vereinigung darauf hin, dass der Muslim es nicht zur Gewohnheit werden lassen soll, die Gebete zusammenzulegen, wenn keine Notwendigkeit (arab. hadscha) dafür besteht.
 


Quellen:
Entnommen aus Ibn Hadschar al-´Asqalani, “Fath al-Bari - Erläuterung zu Sahih al-Buchari” ( فتح الباري شرح صحيح البخاري ), Hadith Nr. 527
Siehe Subul as-Salam, Band 1, S.164, Hadith Nr.158 und Jaballah, „Ahadith al- Ahkam“, S.29f.
Siehe Manna' al-Qattan, „Mabahith fi 'ulum al-quran“ („Forschungsarbeiten auf dem Gebiet der Koranwissenschaften“), S.228. Die Begebenheit mit Fatima (r.) berichteten Buchari (6726) und Muslim.
Aus: „Al-Europija“, Juli 1999: Aktuelle Fatwas für in Europa auftretende Fragestellungen – The European Council for FATWA and Research, 3. Reguläre Konferenz vom 19.-22. Mai in Kِln. An dem Treffen nahmen unter dem Vorsitz von Jusuf al-Qaradawi die meisten Mitglieder des Councils teil.

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