F Frauen des Propheten

Gowairya

Dschuwairiya bint al-Harith - die achte Ehefrau des Propheten

 


„…Als Dschuwairiya Zuflucht bei dem Gesandten suchte, und ich sie an meiner Wohnungstür als hübsche und schöne Frau sah, habe ich sie gehasst. Und ich wusste, dass der Gesandte Allahs sie finden würde, wie ich sie gefunden habe.“ – ‘Aischa [1]


Vorgeschichte

Nach der Heirat Muhammads, Allahs Segen und Friede auf ihm, mit Saynab bint Dschahsch, Allahs Wohlgefallen auf ihr, im Jahre 5 n.H. kam eine Zeit voller Ereignisse, die von großer Bedeutung für ihn und den Islam war. In der zweiten Hälfte dieses Jahres kam es zu den Schlachten von „al-Chandaq“, „Quraisa“ und „Banu al-Mustaliq“.


Schlacht mit dem Banu al-Mustaliq

Im Jahre 6 n.H. folgten weitere Kämpfe gegen die Polytheisten (vgl. Geschehnisse des Jahres bei at-Tabariy). Dazu zählt auch die Schlacht gegen die Banu al-Mustaliq aus dem Stamme Chus’ah, die sich zuerst für den Kampf gegen die Muslime rüsteten. Der Gesandte selbst führte die Muslime gegen die Banu al-Mustaliq an. Nach einem schweren Kampf waren die Muslime siegreich. Die Frauen dieses Stammes wurden nach dem Sieg von den Muslimen als Gefangene genommen. Unter ihnen war Burah bint al-Harith, die Tochter des Führers dieses Stammes. Bei der Rückkehr des muslimischen Heeres von diesem Kampf nach Madina kam es zu den Ereignissen, die zu dem sog. „Lügenskandal“ (Mihnat al-Ifk) führten. Nachdem der Gesandte die Beute von dieser Schlacht verteilt hatte und während er sich im Hause ‘Aischas aufhielt, kam eine Frau zu ihm mit einer Beschwerde. Sie sprach zu ihm: „O du Gesandter Allahs, ich bin die Tochter des al-Harith, Sohnes des Abu Diraar, des Oberhauptes des Stammes. Mich traf, was dir nicht unbekannt ist. Jetzt bin ich in die Hände von Thabit ibn Qais gefallen und ich nehme Zuflucht bei dir.“

Es tat dem Gesandten leid, dass Burah, eine vornehme Frau und Tochter eines Führers, sich in Gefangenschaft befand und unterdrückt fühlte. Da sie ihn um Hilfe gebeten hatte, fühlte sich der Gesandte verpflichtet, sie zu beruhigen und ihr in ihrer Niedergeschlagenheit Hoffnung zu geben.


Heirat

Als Burah dem Gesandten weiterhin mitteilte, sie wünsche, von Thabit ibn Qais befreit zu werden, sprach der Gesandte zu ihr: „Wünschst du dir besseres als dies?“ Darauf fragte sie ihn hoffnungsvoll: „Und was soll dies sein, o du Gesandter Allahs?“ Der Gesandte erwiderte: „Ich befreie dich und nehme dich als Ehefrau zu mir.“ [2] Burah, die später von dem Gesandten Dschuwairiya genannt wurde, nahm das Angebot des Gesandten mit großer Freude an, da dies für sie die Wiederherstellung ihrer Ehre und weiteren Ruhm bedeutete.


Segen

Die Nachricht dieser Heirat verbreitete sich sehr schnell unter den Muslimen. Viele von ihnen ahmten den Gesandten nach und befreiten die von ihnen festgenommenen Frauen, teilweise durch Heirat mit ihnen oder auch durch die Freilassung selbst. Dies war ein großer Segen für die Banu al-Mustaliq. Nach einem anderen Bericht hatte der Gesandte selbst, als Morgengabe dieser Heirat, die Freilassung aller gefangenen Frauen veranlasst. (ebenda)

Im Gegensatz zu dem oftmals bis heute üblichen Verhalten von Siegern nach einem Krieg wurden die Verlierer, die Banu al-Mustaliq, nicht von den muslimischen Soldaten unterdrückt oder gar die Frauen vergewaltigt bzw. misshandelt. Durch die Heirat einiger Frauen der Banu al-Mustaliq mit den muslimischen Siegern bzw. durch die Freilassung der anderen Frauen wurden die Banu al-Mustaliq vielmehr den Muslimen gleichgestellt.

Auch die Tatsache, dass der Gesandte, der Anführer der Muslime, eine Frau ihres Stammes heiratete (und nicht etwa, wie damals durchaus üblich, sie als Konkubine o.ä. zu sich nahm), beeindruckte die Banu al-Mustaliq sehr, so dass infolge dessen viele ihrer Angehörigen des Islam annahmen. In kurzer Zeit über, die vermeintliche Niederlage verwandelte sich dadurch in einen Sieg.


Ehe

Dschuwairiya führte ihr Leben im Hause des Gesandten glücklich und zufrieden. Sie war eine gute Überzeugte, da sie den Islam bereits nach ihrer Befreiung angenommen hatte. Auch ihr Vater al-Harith nahm aus diesem Grunde den Islam an. ‘Aischa mochte Dschuwairiya von Anfang an nicht besonders gern. Die Tatsache, dass sie eine auffallend hübsche Frau war, steigerte ‘Aischas Eifersucht zusätzlich. Zu dieser Zeit war ‘Aischa aber mit ihrem Skandal, Mihnat al-Ifk, beschäftigt, bis sie ihren „Freispruch“ von Allah erhielt. Als ‘Aischa danach stolz in ihr Haus zurückkam, war ihre Stellung gegenüber den anderen Ehefrauen des Gesandten weiter erhöht.



Einst sagte ‘Aischa, um ihre Stellung hervorzuheben, folgendes zu Dschuwairiya, Saynab bint Dschahsch, Umm Salam und Hafsa: „Der Gesandte Allahs hat keine Jungfrau außer mir geheiratet.“[3]

Dschuwairiya, die den Gesandten im Alter von 20 Jahren heiratete, lebte nach seinem Tod noch bis zur Hälfte des ersten Jahrhunderts n.H. Sie starb in der Zeit von Mu’awiya und galt als die Mutter der Überzeugten, die, wie keine andere Frau, ihrem Stamm großen Segen gebracht hatte. Sie wurde ebenfalls mit den anderen Müttern der Überzeugten auf dem Friedhof al-Baqi‘ begraben.


Vorbildfunktion

Die Ehe zwischen Muhammad und Dschuwairiya steht für eine Vielzahl von Werten:
1. Politische Ehen, die dem Frieden und der islamischen Gemeinschaft dienen, sind erlaubt, wenn beide Partner damit einverstanden sind
2. Der Gesandte bot einer Nicht-Muslimin die Ehe an, die dann später zum Islam konvertierte
3. Auch als Kriegsgefangene konnte sich Dschuwairiya frei bewegen und über ihr Schicksal entscheiden

______________________________________________________

[1]Bint asch-Schati‘, s. 157 ff.

[2]Bint asch-Schati‘, S. 157 ff.

[3]Bint asch-Schati‘, S. 157 ff.

Auch interessant


 

Suche