F Frauen des Propheten

Safiyya bint Huyaiy ibn Ahtab – Die neunte Ehefrau des Propheten

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„Als Safiyya dem Gesandten ihre Beschwerde gegen ‘Aischa und Hafsa vorbrachte, schlug er ihr vor, sich mit folgenden Worten zu verteidigen: ‚Wie sollt ihr besser als ich sein! Ist doch mein Mann Muhammad, mein Vater Harun (Aaron) und mein Onkel Musa (Moses)!‘“ [1]


Vorgeschichte

Das sechste Jahr n.H. verging mit großen Geschehnissen, wie dem Versöhnungsabkommen von al-Hudaibiya, der Heirat Muhammad, Allahs Segen und Friede auf ihm, mit Dschuwairiya bint al-Harith, Allahs Wohlgefallen auf ihr, und der Tragödie Mihnat al-Ifk gegen ‘Aischa, Allahs Wohlgefallen auf ihr. Am Anfang des siebenten Jahres, im Monat al-Muharram,[111] bereitete sich der Gesandte auf den großen Kampf gegen die Juden vor. Bereits in den Kämpfen von „Al-Chandaq“ oder „al-Ahsab“[112] hatten sie sehr hart gegen den Gesandten gekämpft und ihre feindliche Haltung gegen die islamische Gemeinschaft gezeigt. (ebenda) In der Mitte dieses Monats griff Muhammad die Juden in Chaibar[4] an und besiegte sie nach einem harten Kampf. Unter den Gefangenen befand sich auch Safiyya bint Huyaiy ibn Ahtab, aus dem jüdischen Stamme „Banu an-Nadir“, deren Abstammung auf den Propheten Harun (Aaron), den Bruder Musas (Moses) zurückgeführt wurde.

Safiyya bint Huyaiy ibn Ahtab war erst 17 Jahre alt und bereits zweimal vorher verheiratet gewesen. Ihr erster Mann war der jüdische Dichter und Reiter Salam ibn Mischkam.[5] Ihr zweiter Mann war Kunana ibn ar-Rabi‘, der von den Muslimen wegen seiner Lüge und der Weigerung, das Vermögen der Banu an-Nadir dem Gesandten auszuhändigen, getötet worden war.[6]


Heirat

Bei der Übergabe der Gefangenen erblickte der Gesandte Safiyya bint Huyaiy ibn Ahtab, die unter den sich laut gebärdenden Frauen tief besorgt, aber sehr ruhig erschien. Der Gesandte umhüllte sie mit seinem Umhang, ein Zeichen, dass er sie für sich ausgesucht hatte. Als der Gesandte ihr anbot, sie zu heiraten, antwortete sie ihm: „Ich habe mir dies in der Zeit des Unglaubens gewünscht, wie wird es sein, nachdem mich Allah jetzt zum Islam führte!“[7] Ihre Morgengabe war die Befreiung aus der Gefangenschaft. (ebanda) Als das Heer der Muslime sich nicht weit von Chaibar ausruhte, wollte der Gesandte die Ehe mit Safiyya bint Huyaiy ibn Ahtab eingehen. Sie lehnte jedoch ab. Nachdem das Heer der Muslime weitergereist war, ruhte es sich kurz vor Madina nochmals aus. Hier erklärte sich Safiyya bint Huyaiy ibn Ahtab zur Hochzeit mit dem Gesandten bereit. Zuvor wollte Muhammad allerding erfahren, warum Safiyya bint Huyaiy ibn Ahtab dies beim ersten Male abgelehnt hatte.


Traum

Safiyya bint Huyaiy ibn Ahtab sprach zu dem Gesandten: „Ich fürchtete, die Juden hinter dir!“ Und sie erzählte ihm von einem früheren Traum: „Am Tage meiner Hochzeit mit meinem zweiten Manne Kunana träumte ich vom Mond. Ich träumte, der Mond sei in meinen Schoß gefallen. Nachdem ich Kunana davon erzählte, sprach er zu mir: „Das ist nichts anderes, als dass du dir den König von al-Hdischaas,[8] d.h. Muhammad, zu heiraten wünschst.“ Daraufhin schlug Kunana Safiyya bint Huyaiy ibn Ahtab so sehr, dass eine sichtbare Narbe zurückblieb.[9]


Ehe

An dem Tag als der Gesandte die Ehe mit Safiyya bint Huyaiy ibn Ahtab einging, hielt ein Muslim als Wächter, bewaffnet mit seinem Schwert, die ganze Nacht hindurch Wache vor dem Zelt des Gesandten. Als der Gesandte dies hörte, fragte er ihn am Morgen: „O du Vater Ayyubs, was ist mit dir?“ Er erwiderte: „Bei Allah, du Gesandter Allahs, ich hatte Angst wegen dieser Frau (Safiyya bint Huyaiy ibn Ahtab), denn du hast ihren Vater, ihren Mann und ihren Stamm getötet. Auch war sie vor kurzem Jüdin, deshalb fürchtete ich um dich.“[10]

Als der Gesandte dies hörte, betete er für ihn: „O Allah, schütze Abu Ayyub, wie er mich die Nacht hindurch geschützt hat.“[11] Als Muhammad in Madina ankam, brachte er Safiyya bint Huyaiy ibn Ahtab zunächst in das Haus seines Gefährten Haritha ibn an-Nu’man, bis für sie eine Wohnung vorbereitet war. Als ‘Aischa von dieser neuen Heirat erfuhr, eilte sie zum Haus von an-Nu’man, um Safiyya bint Huyaiy ibn Ahtab zu sehen. Der Gesandte beobachtete sie, zeigte sich ihr jedoch nicht. Als ‘Aischa das Haus an-Nu’mans verließ, begegnete ihr der Gesandte und fragte sie: „Was hast du (da) gesehen?“ ‘Aischa erwiderte: „Ich habe eine Jüdin gesehen.“ Der Gesandte antwortete daraufhin: „Dies sollst du nicht sagen, denn sie nahm den Islam an und ist sogar eine gute Muslima.“[12]


Stellung Safiyya bint Huyaiy ibn Ahtabs zu den anderen Ehefrauen

Safiyya bint Huyaiy ibn Ahtab kam relativ spät in das Haus des Gesandten und nahm ihren Platz neben ‘Aischa, Hafsa und den anderen Ehefrauen des Gesandten ein. Sie bemerkte sofort, dass es unter den Frauen zwei Parteien gab. Sie bemühte sich, mit allen gut zurechtzukommen, auch mit der Tochter des Gesandten, Fatima. ‘Aischa fand Safiyya bint Huyaiy ibn Ahtab zauberhaft und schön und war deshalb eifersüchtig auf sie. Außerdem vermochte ‘Aischa keine andere Ehefrau neben sich zu ertragen. Trotz der Annäherungsversuche Safiyya bint Huyaiy ibn Ahtabs an die anderen Ehefrauen kam es immer wieder zu Demütigungen. ‘Aischa und Hafsa bezeichneten sie des Öfteren als „Jüdin“ oder „Fremde“, da sie nicht aus dem Stamme Quraisch oder von einem anderen arabischen Stamm stammte.


Stellung Safiyya bint Huyaiy ibn Ahtabs zu Muhammad

Als Safiyya bint Huyaiy ibn Ahtab dem Gesandten ihre Beschwerde gegen ‘Aischa und Hafsa vorbrachte, beruhigte sie der Gesandte und gab ihr den Rat, ihnen mit diesen Worten zu antworten: „Wie sollt ihr besser als ich sein! Ist doch mein Mann Muhammad, mein Vater Harun (Aaron) und mein Onkel Musa (Moses).“



Der Gesandte verteidigte sie immer und schützte sie vor den anderen Frauen. Sie blieb unter seinem Schutze bis er starb. Am Sterbebett des Gesandten sprach Safiyya bint Huyaiy ibn Ahtab zum Gesandten, als dieser unter starken Schmerzen litt: „Bei Allah, o du Gesandter Allahs, ich wünsche dass das, was bei dir ist, bei mir ist.“ Als die anderen Ehefrauen daraufhin anfingen, untereinander über diese Bemerkung Safiyya bint Huyaiy ibn Ahtabs zu flüstern, brachte sie der Gesandte mit der Bemerkung, sie sollten nicht untereinander flüstern, denn Safiyya bint Huyaiy ibn Ahtab sei wahrhaftig, zum Schweigen.[13] Nach dem Tod Muhammad führte Safiyya bint Huyaiy ibn Ahtab ihr Leben fromm und zurückhaltend. Jedoch musste sie sich an dem politischen Kampf zwischen dem dritten Kalifen ‘Usman und ‘Ali ibn Abi Talib beteiligen. Sie stand an der Seite des dritten Kalifen und versorgte ihn während seiner Belagerung. [14]

In der Regierungszeit von Mu’awiya im Jahre 50 n.H. starb Safiyya bint Huyaiy ibn Ahtab und wurde ebenfalls in al-Baqi’ begraben.


Vorbildfunktion

Die Ehe zwischen Muhammad und Safiyya bint Huyaiy ibn Ahtab hat große Vorbildfunktionen, die unter heutigen Muslimen oftmals im traditionellen Denken vergessen werden u.a.:
1. dass ein Muslim nicht zwingend aus einem arabischen Stamm kommen muss, um ein gleichwertiger Muslim zu sein,
2. es keine Diskriminierung unter Muslimen aufgrund ihrer Abstammung geben darf,
3. nur die wahrhaftige Überzeugung einen Menschen von den anderen unterscheidet,
4. Muhammad, trotz all der Intrigen der Juden gegen ihn, eine Jüdin heiratete, die von sich aus Muslima wurde.

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[1] Ibn Haadschar, al-Isabah, Band 8, S. 127, und at-Tabariy, as-Samt ath-Thamin, S. 12, in: Bint asch-Schati’, S. 174.

[2] Bint asch-Schati‘, s. 165 ff.

[3] Al-Ahsab (=die Parteien). Die Schlacht von al-Chandaq wird auch die Schlacht al-Ahsab genannt. Die Bezeichnung al-Chandaq (=der Graben) erwarb diese Schlacht, da der Gesandte mit den Muslimen einen Graben um die Madina herum gegraben hatte, um sich vor den Gegnern zu schützen. Die Bezeichnung al-Ahsab jedoch kommt daher, dass die Gegner dieses Mal aus den verschiedenen Parteien stammten. Sie waren u.a. Mekkaner aus dem Stämmen Quraisch, Kinana, Tuhama, Ghatafan und Juden. Vgl. Ibn Hischaam, as-Sirah, Band 3, S. 230.

[4] Bint asch-Schati‘, S. 166 ff.

[5] at-Tabariy, as-Samt ath-Thamin, S. 9, in: Bint asch-Schati’, S. 166.

[6] at-Tabairy, Geschichte Band 3, S. 95.

[7] Ibn Sa’d at-Tabaqat, Band 2, S. 85, in: Bint asch-Schati’, S. 166.

[8] Al-Hidschaas ist der arabische Name für die Halbinsel Arabien, heute Saudi-Arabien.

[9] Ibn Hischaam, as-Sirah, Band 3, S. 358.

[10] Ibn Hischaam, as-Sirah, Band 3, S. 354.

[11] Ebenda, S. 355.

[12] at-Tabariy, as-Samt ath-Thamin. S. 80, in: Bint asch-Schati’, S. 172.

[13] at-Tabariy, as-Samt ath-Thamin. S. 80, in: Bint asch-Schati’, S. 172.

[14] Ibn Haadschar, al-Isabah, Band 8, S. 127, in: Bint asch-Schati‘, S. 174.

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