F Frauen des Propheten

Umm Habiba – Die zehnte Ehefrau des Propheten

Bewertung: 0 / 5

Stern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktiv
 

 



Vorgeschichte

Nach dem ende der Schlacht von Chaibar im Jahre 7 n.H. kehrten die Muslime voller Siegesfreude nach Madina zurück. Zur gleichen Zeit trafen auch etwa 16 muslimische Emigranten aus Abessinien ein. Sie waren damals vor der Verfolgung der Mekkaner ausgewandert.[1] Diese Emigranten wurden durch einen Botschafter des Gesandten, Allahs Segen und Friede auf ihm, nach Madina gerufen.[2] Außerdem befand sich unter den Emigranten auch Umm Habiba, Allahs Wohlgefallen auf ihr, eine Ehefrau des Gesandten. Der Ehevertrag zwischen ihr und Muhammad war während ihres Aufenthaltes in Abessinien abgeschlossen worden. Die Entstehung dieser Ehe soll nun dargestellt werden. Umm Habiba mit dem Eigennamen Ramla war die Tochter des Abu Sufyan, des berühmten mekkanischen Führers vom Stamme Kunana. Sie war zuvor mit ‘Ubaidallah ibn Dschahsch, dem Cousin Muhammads verheiratet gewesen.[3] ‘Ubaidallah und Ramla zählten zu den ersten Muslimen, die von ihren Stämmen sehr schlecht behandelt und verfolgt wurden, so dass sie gezwungen waren, an der ersten Emigration nach Abessinien teilzunehmen. Dort gebar sie ihre Tochter Habiba und konnte ihre Religion in Sicherheit praktizieren.


Traum

Eines Tages hatte Umm Habiba einen schrecklichen Traum ihren Mann betreffend. Am nächsten Morgen erfuhr sie, dass ihr Mann ‘Ubaidallah seine Religion, für die er seine frühere Religion, seinen Stamm und nicht zuletzt seine Heimat geopfert hatte, verlassen hatte. Ern ahm die Religion der Abessinier an und wurde Christ.[4] ‘Ubaidallah versuchte seine Ehefrau Umm Habiba vom Islam abzuwenden, was sie jedoch ablehnte.[5]

Unter diesen Umständen verlor Umm Habiba neben ihrem Vater, ihrem Stamme und ihrer Heimat auch noch ihren Ehemann, den Vater ihrer Tochter. Sie fühlte sich einsam und verlassen und schämte sich vor den anderen Muslimen; infolgedessen lebte sie völlig allein mit ihrer Tochter.[6] eines Tages kam eine Botschafterin des Königs von Abessinien, mit der frohen Nachricht zu ihr, dass der Gesandte sich um sie beworben habe. Sie solle jemanden bevollmächtigen, den Ehevertrag für sie abzuschließen, d.h. sie mit dem Gesandten zu verheiraten. Ramla ließ sich diese Botschaft mehrmals wiederholen bis sie begriff. Überrascht und voller Freude zog sie zwei ihrer silbernen Armbänder aus und schenkte sie der Überbringen dieser Nachricht.[7] Dann gab Ramla Khalid ibn Said ibn al-’Aas ibn ‘Abd Schams, dem ältesten Emigranten, ihre Vollmacht. Noch am selben Tag lud der König, an-Nadschaschi, alle im Lande befindlichen Muslime ein, um diese Eheschließung zu feiern. Unter den Anwesenden befand sich auch Dscha’far ibn Abi Talib, der Cousin Muhammads.

Der König in Vertretung Muhammads und Khalid in Vertretung Ramlas hielten gegenseitige Ansprachen. Der König bot Ramla im Namen des Gesandten die Morgengabe in Höhe von 500 Dirham an. Anschließen gab er ein Festessen. Ramla wurde von allen Seiten beglückwünscht und erhielt viele Geschenke aus Abessinien, die sie später mit in das Haus des Gesandten brachte.[8]

In Madina feierten deshalb die Muslime mehrere Ereignisse, den Sieg von Chaibar, die Ankunft der Emigranten und die Hochzeit des Gesandten mit Umm Habiba. ‘Usman ibn ‘Affan lud alle zu einer großen Feier mit Festessen ein.[9] Die Mekkaner waren durch die Nachricht über den Sieg der Muslime in Chaibar und die Ankunft der Emigranten, insbesondere der Tochter Abu Sufyans, äußerst erregt.[10] Das Verhältnis zwischen den Muslimen und den Mekkanern war zu dieser Zeit sehr getrübt, da die Mekkaner ihre mit den Muslimen abgeschlossene Vereinbarung, das sogenannte „Versöhnungsabkommen von al-Hudaibiya“, gebrochen hatten und den Muslimen nicht erlaubten, Mekka zu betreten.[11] Dadurch entstand eine schwierige Situation für Umm Habiba, da sie noch nicht lange im Hause des Gesandten weilte. Gerade jetzt sollten die Muslime sich für einen großen Auszug gegen die Mekkaner vorbereiten. Diese Umstände beeinflussten die Beziehung Umm Habibas zu den anderen Ehefrauen des Gesandten. Sie war wegen ihres Vaters, des Führers der Mekkaner, befangenDa , war aber nicht bereit mit ihrem Vater zusammenzuarbeiten. sie jedoch erheblich älter und erfahrener war als die anderen Ehefrauen des Gesandten – sie war schon über 40 Jahre alt-[12] konnte sie sich ihr Leben mit dem Gesandten und seinen Ehefrauen relativ gut einrichten. Es gab auch keine Eifersucht zwischen ihr und ‘Aischa oder den anderen Ehefrauen des Gesandten.

Da sie, wie die anderen auch aus Mekka stammte und sich schon früh für den Islam eingesetzt hatte, sahen die Frauen nichts Nachteiliges an ihr. Außerdem hatten sie großes Verhältnis für den Anlass der Heirat mit dem Gesandten. Umm Habiba selbst war eine große Persönlichkeit, fromm und eine gute Überzeugte, was auch aus ihrer Vergangenheit ersichtlich ist.


Vorbildfunktion

Umm Habiba ist ein Vorbild in Standhaftigkeit und Wahrhaftigkeit, die sich nicht von Familienbanden, sondern nur von ihrer Überzeugung (Iman) leiten ließ. Die Ehe zwischen Muhammed und Umm Habiba hat große Bedeutung für die Muslime:
1. Sie hat eine große friedenspolitische Bedeutung, wobei die Ehe nicht unter diesen Bedingungen geschlossen oder erzwungen oder je dazu benutzt wurde.
2. Sie zeigt auch, dass eine Ehe auch über große Distanzen hinweg in Stellvertretung geschlossen werden kann.

________________________________________________________

[1]Geschichte des at-Tabariy, Band 3, S. 89, in: Bint asch-Schati‘, S. 177.



[2]Ibn Hischaam, as-Sirah, Band 4, S. 3.

[3]Ubaidallah war zugleich der Bruder der siebenten Mutter der Überzeugten Saynab bint Dschahsch.

[4]at-Tabariy, as-Samt ath-Thamin, S. 95.

[5]Ibn Hischaam, Band 3, S. 6 und Geschichte des at-Tabariy, Band 3, S. 117 in: Bint asch-Schati‘, S. 177 f.

[6]Bint asch-Schati‘, S. 181.

[7]at-Tabariy, as-Samt ath-Thamin, S. 97.

[8]Geschichte des at-Tabariy, Band 3, S. 89.

[9]Bint asch-Schati‘, S. 181 f.

[10]Geschichte des at-Tabariy, Band 3, S. 90, in: Bint asch-Schati‘, S. 184.

[11]Bint asch-Schati‘, ebenda.

[12]Bint asch-Schati‘, S. 184.

Verwandte Artikel