F Fragen zur Pilgerfahrt

Hadsch für einen Verstorbenen, der den Hadsch bereits verrichtet hat

Frage
Ist es erlaubt, den Hadsch für einen Verstorbenen zu verrichten, der den Hadsch vor seinem Tod vollzogen hat?





Antwort

Die Gelehrten sind unterschiedlicher Meinung, ob die einem Verstorbenen gewidmete Belohnung einer frommen Tat diesem etwas nützt oder nicht. Sie sind sich jedoch einig, dass dem Verstorbenen Bittgebete, die Bitte um Vergebung und das freiwillige Almosen nutzen, und deshalb sind die Meisten von ihnen auch dafür, dass der Verstorbene aus dem Verrichten des ihm vorgeschriebenen, aber versäumten Hadsch Nutzen zieht; sie sind jedoch hinsichtlich des freiwilligen Hadsch uneins. Aus der Beweislage geht jedoch hervor, dass dem Verstorbenen der Hadsch nutzt, selbst wenn es es sich um einen freiwilligen Hadsch handelt.

Der Beleg hierfür ist der von Abû Dâwûd und Ibn Mâdscha überlieferte Hadîth, den Al-Albânî als authentisch einstufte: Von Ibn Abbâs wird berichtet, dass der Prophet   Möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken einen Mann hörte, der sagte: „Hier bin ich! Ich verrichte ihn für Schubruma!“ Da fragte er Möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken: „Wer ist Schubruma?“ Der Mann antwortete: „Er ist einer meiner Brüder“ oder „einer meiner Verwandten“, worauf der Prophet Möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken entgegnete: „Hast du deinen Pflicht-Hadsch verrichtet?“, was dieser verneinte, woraufhin er Möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken sagte: „Verrichte zuerst die Pligerfahrt für dich und dann für Schubruma!“

Der Prophet erwähnte jedoch nichts darüber, ob es sich bei dem Hadsch für Schubruma um den Pflicht-Hadsch oder einen freiwilligen handelte, weshalb der Hadîth die Allgemeinheit dieser Angelegenheit belegt. Der Prophet Möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken sagte übrigens zu Amr ibn Al-Âs: „Deinem Vater würde dein Fasten und Almosen für ihn nützen, wenn er das Einzig-Sein Allâhs anerkannt hätte“ Dieser Hadîth wurde von Ahmad überliefert und von Al-Albânî für authentisch befunden.

Er setzte also voraus, dass Amrs Vater zu den Allâh Ergebenen gehören muss, damit die Belohnung der ihm gewidmeten guten Tat ihm etwas nutzt. Ibn Al-Qayyim erörterte die Frage, ob man dem Verstorbenen die Belohnung frommer Taten zukommen lassen kann, im Werk Ar-Rûh (der Geist). Er schrieb lange und ausführlich darüber und kam zu dem Schluss die Rechtsschule des Imam Ahmad und vieler anderer Gelehrter zu bevorzugen, die besagt, dass die Verstorbenen Nutzen aus den ihnen gewidmeten guten Taten ziehen, egal ob es sich dabei um einen Hadsch oder etwas Anderes handelt. Viele spätere Gelehrte der Schâfi’iten wie An-Nawawî und Andere bevorzugten diese Meinung, sowie Al-Qurtubî von den Mâlikiten in seiner Qurân-Exegese und seinem Werk At-Tadhkira. Ibn Abû Al-Izz Al-Hanafî unterstützte diese Meinung in seinem Kommentar zum Aqîda-Werk At- Tahâwiyya. Dies ist auch die Meinung des „Gelehrten des Islâm“ Ibn Taimiya.

Und Allâh weiß es am besten.


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