Die Ka'ba: Das erste Haus der Anbetung

Die Ka'ba: Das erste Haus der Anbetung

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Jedes Jahr vollziehen mehr als 2,5 Millionen muslimische Pilger aus der ganzen Welt die Rituale des Haddsch in Makka, wo sich die Ka'ba befindet. Eigentlich ist die Ka'ba (was wörtlich "Würfel" bedeutet) weit mehr als ein würfelförmiger schwarzumhüllter Bau. Sie ist das Symbol islâmischer Einigkeit im Herzen des Islâm und insbesondere der Grundsatz des Monotheismus, für den sie gebaut wurde. Im Qurân als Al-Bait Al-Harâm (das unantastbare Haus) und Al-Bait Al-Atîq (das “altehrwürdige“ oder "unabhängige" Haus) bezeichnet, hat die Ka'ba eine einzigartige Stellung im Leben jedes Muslims.


Das erste Haus der Anbetung

Über die Ka'ba berichtet uns Allâh Der Allmächtige im Qurân: "Das erste Haus, das für die Menschen gegründet wurde, ist wahrhaftig dasjenige in Bakka - als ein gesegnetes - und eine Rechtleitung für die Geschöpfe." (Sûra 3:96). Bakka ist ein älterer Name für die Stadt Makka und bedeutet unter anderem "weinen". Gemäß dieser Auslegung wurde Makka so benannt, weil die Tyrannen und die Hochmütigen im Umkreis dieses gesegneten Gebietes weinen und demütig werden. Andere haben den Namen Bakka und "weinen" mit der Geschichte von Hâdschar verbunden, die Sorge und Not verspürte, als sie in dem dürren Land, im Umkreis der Ka'ba, in dem sie vom Propheten Ibrâhîm - Frieden sei auf ihm - zurückgelassen wurde um ihren Sohn Ismâ'îl - Frieden sei auf ihm -, der noch ein Kind war, aufzuziehen, händeringend nach Wasser suchte.


Es gibt allerdings noch weitere Auslegungen für diesen Namen. Zu dieser Zeit war das Fundament der Ka'ba von Ibrâhîm - Frieden sei auf ihm - noch nicht gelegt, der später auf Anordnung Allâhs die Ka'ba mit seinem Sohn Ismâ'îl - Frieden sei auf ihm - baute: "Und als Wir Ibrâhîm die Stelle des Hauses zuwiesen: »Geselle Mir nichts bei und reinige Mein Haus für die den Umlauf Vollziehenden, die aufrecht Stehenden, sich Verbeugenden und die sich Niederwerfenden.« (Sûra 22:26)

Hieran erkennen wir, dass der Zweck dieses Hauses die alleinige Anbetung Allâhs ohne Partner war. Ibrâhîm - Frieden sei auf ihm - verbrachte sein ganzes Leben in Ablehnung der Vielgötterei und ging dabei gegen den Glauben und die Sitten seiner ganzen Gemeinde und deren Führer und sogar gegen die seines Vaters vor, der Götzen mit seinen eigenen Händen anfertigte. Aller Verfolgung und Beleidigung zum Trotz lehrte er - Frieden sei auf ihm - die Botschaft des Islâm – die Unterwerfung unter den Einen und Einzigen Gott - und er wurde nie müde, die Sinnlosigkeit falsche Götzen zu nehmen zu erklären. Allâh sagt: "Sprich: Allâh hat die Wahrheit gesprochen. So folgt dem Glaubensbekenntnis Ibrâhîms als Anhänger des rechten Glaubens, und er gehörte nicht zu den Götzendienern." (Sûra 3:95)


Die Geschichte von Hâdschar und Ismâ'îl

Als er den Grund des Baus der Ka'ba beschrieb, sagte Ibn 'Abbâs -möge Allah mit ihm zufrieden sein-: "In jenen Tagen war Makka unbewohnt und es gab dort keine Wasserquelle. Ibrâhîm - Frieden sei auf ihm - ließ Hâdschar und Ismâ'îl dort mit einer Tasche zurück, in der einige Datteln und ein mit Wasser gefüllten Ziegenschlauch waren. Als Ibrâhîm - Frieden sei auf ihm - aufbrach, ging ihm Ismâ'îls Mutter nach und fragte: »O Ibrâhîm, wem überlässt du uns in diesem dürren Tal, das nicht bewohnt ist?«

Sie wiederholte die Frage mehrere Male, doch Ibrâhîm - Frieden sei auf ihm - antwortete nicht. Sie fragte »Hat Allâh dich angewiesen dies zu tun?«
Er - Frieden sei auf ihm - sagte: »Ja!« Sie sagte: »Dann bin ich mir sicher, dass Allâh uns nicht im Stich lassen wird.« Ibrâhîm - Frieden sei auf ihm - ging und als er weit genug entfernt war, so dass sie ihn nicht mehr sehen konnten, richtete er sein Angesicht zum Haus, hob seine Hände und sprach folgendes Bittgebet : »Unser Herr, ich habe einige aus meiner Nachkommenschaft in einem Tal ohne Pflanzungen bei Deinem geschützten Haus wohnen lassen, unser Herr, auf dass sie das Gebet verrichten! So lasse die Herzen einiger Menschen sich ihnen zuneigen und versorge sie mit Früchten, damit sie dankbar sein mögen!« (Sûra 14:37)


Ismâ'îls Mutter ging dann zurück zu ihrem Säugling und begann ihn zu stillen. Nachdem sie das Wasser aufgebraucht hatte, waren sie und ihr Säugling durstig. Sie sah ihn an, wie er unter dem Durst litt und konnte es nicht ertragen, sein Gesicht in diesem Zustand zu sehen. Sie bestieg den nächstgelegenen Hügel As-Safâ in der Hoffnung jemanden zu sehen, doch sie schaute vergebens. Als sie zurück ins Tal kam, hob sie den Zipfel ihres Gewandes und rannte, so wie eine müde, besorgte Person dies tut. Dann bestieg sie den Hügel Al-Marwa auf der anderen Seite, noch immer suchend, ob es jemanden gab, der ihr helfen konnte. Sie eilte zwischen den zwei Hügeln sieben Mal hin und her."


Er (Ibn 'Abbâs) -möge Allah mit ihm zufrieden sein- fuhr fort: "Als sie Al-Marwa erreichte, hörte sie eine Stimme und sagte sich: »Horch!« Sie wartete um die Stimme nochmals zu hören und als sie verstummte, sagte sie: »Ich habe dich gehört. Bringst du Hilfe?« Sie sah einen Engel (Gabriel) mit seiner Ferse (oder seinem Flügel) graben, wo jetzt Zamzam ist, und das Wasser strömte hervor: Ismâ'îls Mutter war erstaunt und begann zu graben, wobei sie ihre Hände benutzte um Wasser in die Ziegenhaut zu füllen."


Ibn 'Abbâs -möge Allah mit ihm zufrieden sein- sagte, dass der Prophet möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken sagte: "Möge Allâh der Mutter Ismâ'îls Seine Barmherzigkeit gewähren! Hätte sie das Wasser natürlich fließen lassen ohne einzugreifen, hätte es sich über die ganze Erdoberfläche ergossen."


"Ismâ'îls Mutter begann das Wasser zu trinken und ihre Milch für ihr Kind wurde mehr. Der Engel sagte zu ihr: »Fürchte dich nicht vor Einsamkeit! Hier wird ein Haus für Allâh gebaut, von diesem Jungen und seinem Vater. Allâh verlässt Seine Menschen nicht.« In dieser Zeit wurde das Gebiet des Hauses über dem Grund aufgeschüttet und das flutende Wasser erreichte dessen rechte und linke Seite.


Später schlugen einige Leute vom Stamm der Dschurhum, die am Ort Kuda vorbeizogen, am Fuße des Tals ein Lager auf. Sie sahen einige Vögel über sich und waren erstaunt: »Vögel sind nur an einem Ort zu finden, an dem es Wasser gibt. Wir wussten nie, dass dieses Tal Wasser führt.« Sie schickten einen Boten oder zwei, die das Gebiet absuchten, das Wasser fanden und zurückkehrten, um sie darüber zu informieren.

Dann gingen sie alle zu Ismâ'îls Mutter an der Wasserquelle und sagten: »O Mutter Ismâ'îls, erlaubst du uns bei dir zu verweilen?« Sie sagte: »Ja, ihr werdet jedoch kein alleiniges Recht auf das Wasser hier haben.« Sie stimmten zu."


Ibn 'Abbâs -möge Allah mit ihm zufrieden sein- berichtete, dass der Prophet möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken sagte: "Zu dieser Zeit mochte es die Mutter Ismâ'îls, menschliche Gesellschaft zu haben."

"Demnach blieben sie dort und riefen ihre Verwandten herbei, sich ihnen anzuschließen. Als ihr Sohn heranwuchs heiratete er eine ihrer Frauen, zumal er - Frieden sei auf ihm - Arabisch von ihnen lernte und ihnen die Art seiner Erziehung gefiel. Nach einiger Zeit starb die Mutter Ismâ'îls.

Ibrâhîm - Frieden sei auf ihm - kam zurück und sah Ismâ'îl - Frieden sei auf ihm - hinter dem Zamzam-Brunnen, neben einem Baum seine Pfeile richten. Als Ismâ'îl - Frieden sei auf ihm - Ibrâhîm - Frieden sei auf ihm - sah, stand er auf und sie begrüßten sich, so wie ein Vater und ein Sohn sich begrüßen. Ibrâhîm - Frieden sei auf ihm - sagte: »Gehorche deinem Herrn!« Er - Frieden sei auf ihm - fragte Ismâ'îl: »Wirst du mir helfen?« Ismâ'îl - Frieden sei auf ihm - antwortete: »Ja, Ich werde dir helfen.« Ibrâhîm - Frieden sei auf ihm - sagte: »Allâh hat mich angewiesen dort ein Haus für Ihn zu bauen.« Dabei zeigte er auf ein Gebiet, das über der Talhöhe lag.

Also standen beide auf und begannen damit, das Fundament des Hauses zu errichten. Ibrâhîm - Frieden sei auf ihm - begann damit die Ka'ba zu bauen, während Ismâ'îl - Frieden sei auf ihm - ihm ständig Steine reichte. Beide sagten: „...»Unser Herr, nimm von uns an! Du bist ja der Allhörende, der Allwissende.«" (Sûra 2:127)" (Al-Buchârî)


So bauten Ibrâhîm und Ismâ'îl Frieden sei auf ihnen das Haus, Stein für Stein, und umrundeten es dieselben Worte sagend. Man glaubt, dass der Schwarze Stein, der sich auf der Südostseite der heutigen Ka'ba befindet und von einem silbernen Rahmen umgeben ist, einer der ursprünglichen Steine ist, die von Ibrâhîm und Ismâ'îl Frieden sei auf ihnen beim Bau des Gebäudes verwendet wurden.


Ibn 'Umar -möge Allah mit ihm zufrieden sein- sagte: "Der Gesandte Allâhs möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken wandte sich dem Schwarzen Stein zu, berührte ihn und legte dann seine Lippen auf ihn und weinte lange Zeit. 'Umar -möge Allah mit ihm zufrieden sein- weinte auch lange Zeit. Der Prophet möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken sagte: »O 'Umar, dies ist der Ort, an dem man Tränen vergießen sollte!«" (Al-Hâkim)


 

Verkündung des Haddsch

Nachdem die Ka’ba gebaut worden war, wurden die Haddsch-Riten etabliert. Allâh der Allmächtige sagte zu Abraham - Frieden sei auf ihm -: „Und rufe unter den Menschen zum Haddsch auf, dass sie zu dir kommen zu Fuß und auf jedwedem schlanken Reittier aus jedweder fernster Gegend …“ (Sûra 22:27)

In den Versen, in denen erklärt wird, wie der Haddsch verrichtet werden muss, sagt uns Allâh: „Jenes! Und wer die sakrosankten Dinge Allâhs hoch ehrt, für den ist es besser bei seinem Herrn. Erlaubt ist euch das Vieh, außer dem, was euch verlesen wird. So meidet den Gräuel der Götzenbilder, und meidet die falsche Aussage, als Anhänger des rechten Glaubens gegenüber Allâh, die Ihm nichts beigesellen! Und wenn einer Allâh beigesellt, so ist es, als ob er vom Himmel herunterfiele und er dann von den Vögeln fortgerissen oder vom Wind an einen fernen Ort hinabgeweht würde.“ (Sûra 22:30-31)

Indem wir den Haddsch verrichten, ehren wir Allâh und bestätigen unseren Glauben an den Leitgedanken des Tauhîds oder an das Eins-Sein Allâhs. Es ist kein Zufall, dass man, wenn man sich in den Ihrâm begibt, das Folgende rezitiert: „Labbaîka Allâhumma labbaîk, labbaîka lâ scharîka laka labbaîk. Inna-l-hamda wa-n-ni’mata laka wa-l-mulk, lâ scharîka lak!“ (Hier bin ich, o Allâh, zu Deinen Diensten, hier bin ich zu Deinen Diensten! Hier bin ich zu Deinen Diensten! Du hast keinen Teilhaber. Hier bin ich zu Deinen Diensten! Wahrhaftig, aller Lobpreis und Segen gebührt Dir und alle Hoheitsgewalt. Du hast keine Teilhaber!)

An vielen Stellen im Qurân bezeichnet Allâh die Ka’ba als „Sein Haus“. Wir besuchen dieses Haus tatsächlich in Erwiderung auf Seine Einladung. Abû Huraira möge Allah mit ihm zufrieden sein berichtete, dass der Prophet möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken sagte: „Die Pilger und jene, die Umra verrichten, sind Allâhs Gäste. Ihre Gebete werden erhört und ihre Bitte um Vergebung wird ihnen gewährt.“ (An-Nasâ‘i und Ibn Mâdschah)

Beim Besuch dieses besonderen Hauses, das wir Ka’ba nennen, gehen wir genau zu dem Ort zurück, an dem Ibrâhîm - Frieden sei auf ihm - stand und uns zum ersten Mal zum Haddsch aufrief. Bei der Verrichtung der Riten wiederholen wir die wichtigen Aspekte der Anstrengung, die Ibrâhîm unternahm, um die Ka’ba zu errichten und an die Opfer, die Ibrâhîm und seine Familie sowie jene Generationen von Gläubigen, die nach ihnen kamen, bringen mussten. Auf diese Weise ist der Haddsch ebenso sehr eine Reise zur Seele des Islâm sowie zum Hause Allâhs.

Die Frühgeschichte der Ka’ba

Im Laufe der Jahrhunderte nach der Errichtung der Ka’ba durch Ibrâhîm - Frieden sei auf ihm - übernahmen verschiedene Stämme die Verantwortung für deren Pflege. Der erste dieser Stämme war der Stamm von Dschurhum, derselbe Stamm, in den Ismâ'îl - Frieden sei auf ihm - einheiratete als, dessen Mitglieder sich im Tal niederließen, in dem er - Frieden sei auf ihm - sich mit seiner Mutter aufgehalten hatte. Danach wechselte die Macht in Kürze zum Stamm der `Amâligha und dann wieder zurück zum Stamm Dschurhum. Eine andere Gruppe, der Stamm von Chuzâ’a wurde stark und brachte es zustande den Stamm von Dschurhum aus Makka zu vertreiben und die Kontrolle über die Ka’ba zu übernehmen.

Der Stamm der Dschurhum hatte das Gebiet zuvor mindestens tausend Jahre lang beherrscht und seine Pflichten gegenüber Allâh nicht immer erfüllt, um die Sicherheit der besuchenden Pilger und die Unantastbarkeit der Ka’ba selbst zu wahren. Häufige Kriege nebst Überfällen auf die Pilger, um ihnen ihre Kostbarkeiten zu rauben, hatten zu einer gefährlichen und verdorbenen Atmosphäre geführt.

In derselben Zeit, als all dies geschah, wurden in vielen angrenzenden Gebieten Praktiken wie Wahrsagerei und Götzenanbetung alltäglich und die Leute waren allgemein im Aberglauben versunken. `Amr Ibn Luhayy, der Führer der Chuzâ’a, stellte Götzen in die Ka’ba und rief die Menschen auf sie anzubeten und behauptete, dass diese Götzen einen Allâh näher bringen können. Mit diesem Schritt erlangte die Ka’ba eine Aufgabe, die genau entgegengesetzt zum ursprünglichen Zwecks als Gebetsstätte für Allâh allein ohne Partner steht.

Deutlich gespalten

So erstaunlich es auch scheinen mag, gingen Pilger, die die Ka’ba besuchten, nun aus dem ausdrücklichen Zweck hin um Götzen zu verehren! Dieser Brauch gewann großflächig an Zustimmung und jeder Stamm schaffte sich seinen eigenen besonderen Götzen an um diesen in die Ka’ba zu stellen.

Die Chuzâ’a behielten einige hundert Jahre die Kontrolle über Makka, bis die Tochter eines ihrer Führer Qusayy ibn Kilâb heiratete, den fünften Vorfahren des Propheten Muhammad möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken und einen Angehörigen des Stammes der Quraîsch. Die Umstände führten dazu, dass Qusayy die Herrschaft über Makka übernahm und die Quraîsch über etliche Generationen die Tradition der Götzenanbetung beibehielten, bis der Prophet möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken Makka im Jahr 630 n. Chr. zurückgewann.

Während der Haddsch, so wie wir ihn heute kennen und ausüben, eine bedeutsame einheitliche Ausübung ist, waren die Pilgerreisen die von den Götzenanbetern im vor-islâmischen Arabien ausgeführt wurden, genau das Gegenteil. Mit jedem Stamm, der seinen eigenen Götzen und seine einzigartige Anbetungsweise hatte, gab es genauso viele Arten, die Pilgerfahrt zu verrichten. Einige verrichteten die Riten leise, während Andere laut herumschrien. Den Götzen wurden verschiedene Opfer dargebracht und die Wände der Ka’ba wurden regelmäßig mit Blut beschmiert. Einige Stämme verrichteten die Pilgerfahrt sogar unbekleidet. Alkohol, Poesie und unzüchtiges Benehmen waren wichtige Bestandteile dieser jährlichen Treffen. Der große jährliche Zustrom an Pilgern, verbunden mit deren Teilnahme an anderen Veranstaltungen, wie beispielsweise Messen, bedeutete eine stetige Einkommensquelle für die Herrscher Makkas.

Das Jahr des Elefanten

Im selben Jahr, in dem der Prophet möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken geboren wurde (etwa 570 n. Chr.), wollte der abessinische König Abraha Al-Aschram die Araber dazu bringen die Pilgerfahrt zu einer Kirche einzuführen, die er im Jemen gebaut hatte und er versuchte die Ka’ba anzugreifen. In seinem Streben nach Macht und Ruhm sandte Abraha eine riesengroße Armee von Männern und Elefanten um seinen Auftrag durchzuführen. Als sie jedoch Makka erreichten, sandte Allâh Vogelschwärme um sie zurückzutreiben, indem sie von oben Steine auf die Soldaten herabfallen ließen. Jeder, der von einem Stein getroffen wurde, starb und die Armee wurde vernichtet. Dieser Vorfall wird im Qurân, in der Sûra Al-Fîl (Der Elefant), beschrieben. Allâh sagt: „Siehst du nicht, wie dein Herr mit den Leuten des Elefanten verfuhr?Ließ Er nicht ihre List fehlgehenund sandte gegen sie Vögel in aufeinanderfolgenden Schwärmen,die Steine aus gebranntem Lehm auf sie herunterfallen ließenund sie so wie abgefressene Halme machte?“ (Sûra 105:1-5)

Obwohl die Leute der Quraîsch Allâhs Haus als Ehrentempel für Götzen missbraucht hatten, erkannten sie dennoch die Existenz Allâhs an und begriffen, dass Abrahas Armee nur durch den göttlichen Schutz Allâhs geschlagen worden war. Allâh rief sie dazu auf, diese Wahrheit durch Entfernen ihrer Götzen und der Rückkehr zum anbetenden Dienen allein Ihm gegenüber, anzuerkennen. Allâh sagt: „So sollen sie dem Herrn dieses Hauses anbetend dienen,Der ihnen Speise nach ihrem Hunger gegeben und ihnen Sicherheit nach ihrer Furcht gewährt hat.“ (Sûra 106:3-4)

Durch die Geburt des Propheten möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken wurde die Botschaft des Monotheismus als Reaktion auf das Bittgebet Ibrâhîms - Frieden sei auf ihm - Jahrhunderte zuvor, bald wiederbelebt: „Unser Herr, schicke zu ihnen einen Gesandten von ihnen, der ihnen Deine Verse verliest und sie das Buch und die Weisheit lehrt und sie läutert! Du bist ja der Allmächtige, der Allweise.“

In nur wenigen Jahren war der Gesandte Allâhs möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken siegreich in Makka und zerschmetterte die Götzen, die sich in der Ka’ba befanden, um somit der Ka´ba ursprünglichen Zweck als Gebetsstätte für Allâh ohne Partner wieder herzustellen. Die ursprünglichen Riten des Haddsch, zu denen Ibrâhîm - Frieden sei auf ihm - aufgerufen hatte, wurden wieder eingeführt. Und was am allerwichtigsten ist: Es änderten sich die Herzen der Menschen für immer.


 

Das Haus allein für Allâh: Inzwischen sollte es absolut deutlich geworden sein, dass die Ka’ba ein gegenständliches Symbol des islâmischen Monotheismus ist und dass unsere Beziehung als Muslime zu ihr praxisbezogen, gefühlsbetont und spirituell ist. Obwohl wir die Ka’ba als „Das Haus Allâhs” bezeichnen, glauben wir in Wirklichkeit weder, dass Allâh sich in der Ka’ba befindet, noch dass die Ka’ba an sich ein Anbetungsobjekt ist. Allâh sagt uns im Qurân: „Allâhs ist der Osten und der Westen; wohin ihr euch auch immer wenden möget, dort ist das Antlitz Allâhs. Allâh ist allumfassend, Allwissend.” (Sûra 2:115)

Auf Grund purer Unwissenheit oder Böswilligkeit legen manche Leute die Bedeutung der Ka’ba sowie die Art und Weise unseres rituellen Gebets und des Haddsch als Überbleibsel heidnischer Riten, die die Araber in der Zeit vor dem Islâm praktizierten, falsch aus. Insbesondere weisen sie auf das Küssen des schwarzen Steins beim Haddsch hin und werfen die Frage auf, ob dies nicht eine Art Götzenanbetung ist.

Ein grundsätzlicher Teil unseres islâmischen Glaubens besteht darin, dass wir Allâh dem Allmächtigen keine Partner beigesellen. Deswegen ist es für den glaubenden Muslim undenkbar, dass man während des Gebets oder irgendeiner anderen Anbetungshandlung etwas Anderes außer Allâh anbetet. Aschraf Alî Thânawî Allah erbarme sich seiner sagt in seinem Werk „Aschraf Al-Dschawâb“: „[…] Kein Verehrer einer "Gottheit" (in gesunder geistiger Verfassung) kann den Gegenstand seiner Anbetung verleugnen […] Muslime lehnen es ab die Ka’ba anzubeten, und sie ist kein Sinnbild der Anbetung. Die Ka’ba dient lediglich als Gebetsrichtung.“

Nach weiteren Untersuchungen dieses Themas sagte Schaich A. Muhammad Salîm in einer Ansprache über das Thema Tawâf: „Wenn die Ka’ba vollständig zerstört wäre, würden wir uns nach wie vor derselben Qibla (Gebetsrichtung) zuwenden. Das Sakrosankte liegt in der Symbolik der Ereignisse, die dort stattfanden. Das Sakrosankte liegt in den Lehren, die wir aus diesen Ereignissen ziehen, um sie uns zu verinnerlichen und dadurch unser Selbst zu schützen, und sie in Form von Taten offenzulegen, um unsere Mitmenschen zu schützen. Das Sakrosankte liegt auf dem Weg der Rechtleitung, die diese Stätten symbolisieren: Den Weg, der den Menschen ermöglicht, eine Wesensart zu entwickeln, die uns Allâh näher bringt.“

Mit anderen Worten ist es nicht der materielle Baukörper der Ka’ba, den die Muslime als wichtig empfinden, sondern das, was er darstellt. Ähnlich ist es mit der emotionalen und spirituellen Verbundenheit, die wir zur Al-Aqsâ Moschee in Jerusalem und zur Stadt Jerusalem an sich haben.

Es gab sogar Zeiten in der Geschichte der Ka’ba, in denen sie sich in einem düsteren Zustand des Verfalls befand oder zerstört war. Und es gab sogar einen Zeitpunkt, in dem die Karmaten (eine abweichende Sekte) im zehnten Jahrhundert n. Chr. den Schwarzen Stein stahlen und ihn zwanzig Jahre lang behielten. Nichts davon hatte einen Einfluss auf die Funktion der Ka’ba im Islâm oder auf die Art und Weise, wie Muslime den Haddsch verrichteten. Zunächst einmal ist es überhaupt nicht notwendig den Schwarzen Stein zu küssen, um seinen Haddsch gültig zu machen. Man braucht ihn vielmehr zu Beginn eines jeden Umschreitens beim Tawâf einfach nur mit seiner rechten Hand zu berühren oder auf ihn zu zeigen.


Wenn man allerdings mit seinem Tawâf beginnt, wird diese Handlung im Namen Allâhs ausgeführt, indem man sagt: „Bismillâhi wa Allâhu Akbar. Allâhumma îmânan bika wa tasdîqan bi-kitâbika wa wafâ'an bi-`ahdika wa ittibâ'an li-sunnati nabbiyyika (salla Allâhu alaîhi wa sallam).“ (Im Namen Allâhs. Allâh ist der Größte. O Allâh [Ich beginne diesen Tawâf], an Dich glaubend, die Wahrheit Deines Buches bestätigend, mein Abkommen mit Dir erfüllend und dem Beispiel des Propheten möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken folgend.)


’Umar Ibn Al-Chattâb möge Allah mit ihm zufrieden sein näherte sich dem Schwarzen Stein und küsste ihn. Dann sagte er möge Allah mit ihm zufrieden sein: „Ich weiß, dass du nur ein einfacher Stein bist, der weder schaden noch nützen kann. Wenn ich nicht den Propheten möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken dich küssen gesehen hätte, hätte ich dich niemals geküsst.“ (Al-Buchârî und Muslim)


Die Art des Haddsch wird nur von Menschen in Zweifel gezogen, die den Ursprung der Ka’ba oder die gesamte Botschaft des Islâm nicht kennen, die klar und deutlich den Glauben an nur Eine Gottheit betont. Die Pilgerfahrt zu Allâhs Haus war eingeführt worden, lange bevor dort von ’Amr ibn Luhayy Götzen aufgestellt wurden. Wenn wir begreifen, was Ibrâhîm - Frieden sei auf ihm -repräsentierte und was er - Frieden sei auf ihm - zu erreichen versuchte, dann gibt es keinen Spielraum dafür, den Haddsch als einen heidnischen Brauch zu beschreiben.


Allâh der Allmächtige sagt: „Sprich: Gewiss, mich hat mein Herr zu einem geraden Weg geleitet, einer rechten Religion, dem Glaubensbekenntnis Abrahams, als Anhänger des rechten Glaubens, und er war keiner der Götzendiener.“ (Sûra 6:161)


Das Herz des Islâm

Makka liegt im Herzen des Islâm und bildet den spirituellen Mittelpunkt der muslimischen Welt. Im Zentrum all dessen befindet sich die Ka’ba, ähnlich wie der Zellkern einer Zelle, der die Urzelle des Lebens ist. Materiell betrachtet kann der ganze Islâm mit diesem Verständnis formuliert werden. Wir wenden uns nicht nur im rituellen Gebet der Ka’ba zu und vollziehen als Ausdruck des anbetenden Dienens und der Einheit beim Haddsch den Tawâf um sie herum, sondern wir bestatten auch unsere Verstorbenen in eben derselben Richtung, wodurch wir die Ka’ba zum einzigen materiellen Objekt machen, mit dem wir uns sogar nach dem Tod fortwährend identifizieren.


Indem wir in immerwährender Verbindung mit der Ka’ba stehen, bleiben wir auch mit dem Kern unseres Erbes und der Botschaft des Islâm verbunden, die beide den Inhalt unseres Glaubens ausmachen. Indem wir den Haddsch als Reaktion auf die Einladung unseres Herrn und Schöpfers verrichten, erhalten wir die Möglichkeit, selbst herauszufinden, worum es sich handelt.

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