T Toleranz des Islams

Toleranz1

Die Toleranz des Islams bei der Abwendung der festgesetzten Strafen

Einige islamfeindliche Institutionen und Individuen behaupten mit lauten Stimmen, dass der Islam eine Religion des Schwertes sei und die festgesetzten Strafen im Islam (Hudud) unmenschlich seien, blutvergießend und zur Rückständigkeit der menschlichen Entwicklung führen würden.


Dies sind gefährliche Scheinargumente, welche die Toleranz des Islams verleumden. Ohne Zweifel ist, dass der Gerüchtekrieg gegen den Islam seit der berühmten Lügengeschichte bis zu unserem heutigen Tag existiert. Diese Gerüchte sind lediglich Arten des Psychoterrors.

In diesem Rahmen ist die Aussage des deutschen Orientalisten Dr. G. Kampffmeyer - Chefredakteur des Magazins „Die Welt des Islams“ erwähnenswert: „Der Angriff gegen den Islam ist nutzlos. Weder führt er die Muslime dazu, von ihrem Glauben abzufallen, noch verhindert er die islamische Entwicklung. Im Gegenteil verstärkt ein solcher Angriff den islamischen Fortschritt.“ [1]

Solche Menschen sollen wissen, dass der Islam das Schwert lediglich gegen jene Kämpfer einsetzte, die als eine Gefahr für die islamische Welt betrachtet wurden. Nie wurde das Schwert gegen die friedlichen Menschen eingesetzt. Auch bei der Verbreitung des Islams in den neuen Ländern hatten die Andersgläubigen die Wahl, zum Islam zu konvertieren oder nicht; und mit den Muslimen zusammenzuleben und die Bezahlung der „Dschiziya“-Steuer zu akzeptieren, die nichts anderes als eine dementsprechende Zakat ist, die die Muslime bezahlen mussten. Das Schwert wurde also lediglich zur Verteidigung der Muslime angewandt. Kinder und Frauen blieben von dem Schwert verschont.

Das Vollziehen der festgesetzten Strafen geschieht darüber hinaus in sehr geringen Fällen. Einige Menschen denken, dass die Durchführung der festgesetzten Strafen im Islam so häufig wie die Verrichtung des Gebets stattfindet. Tatsächlich gibt es hunderte Gesetze in der islamischen Scharia. Was die festgesetzten Strafen betrifft, so handelt es sich nur um sieben, die durchgeführt werden: Al-Hiraba (die Strafe gegen gewaltsamen Straßenraub), die Apostasie, die Ungerechtigkeit, die Unzucht, die Verleumdung wegen der Unzucht, der Diebstahl und das Trinken alkoholischer Getränke.

Sie können unter bestimmten Voraussetzungen durchgeführt werden, wie z.B. das Vergewissern, dass das Verbrechen verübt wurde und dass man den Beweis für die Schuld des Angeklagten führt, wie zum Beispiel durch das Geständnis des Angeklagten oder durch ein Zeugnis gegen ihn.

Die Anzahl der Zeugen könnte bei einigen Verbrechen vier erreichen, wie zum Beispiel bei der Unzucht. Bei den Zeugen wird vorausgesetzt, dass sie gerecht sind und ein einwandfreies Benehmen haben, was die Nachforschung, das sorgfältige Vorgehen und die Vorsicht bestätigt, zumal die Unzucht die einzige Tat ist, die diese Anzahl von Zeugen voraussetzt. Die Weisheit, die dahinter steckt ist, dass Allah - der Erhabene - mit Nachsicht handelt. Darüber hinaus wird die Unzucht von zwei Menschen begangen, was bedeutet, dass für jeden Beschuldigten zwei Zeugen vorhanden sein müssen.[2]

Ibn Al-Qayyim -Allah möge sich seiner erbarmen- drückt es im Folgenden so aus: „Als eine vollständige Weisheit und Barmherzigkeit Allahs gilt, dass die Beschuldigten im Diesseits ohne Beweise nicht bestraft werden sollen. Und auch im Jenseits werden sie erst bestraft, wenn sie die Beweise für ihre Schuld kannten. Die Beweise im Diesseits stammen entweder von den Tätern selbst, durch Geständnis und Anerkennung der Schuld oder von anderen Menschen durch die Beweise oder Zeugnisse, die lediglich von gerechten und einwandfreien Zeugen abgelegt werden können.“[3]

Das Strafrecht für die Unzucht wird deshalb selten angewendet. Betrachtet man die islamische Geschichte, kann man feststellen, dass die Strafe für Unzucht niemals durch die Verfügung von vier Zeugen vollzogen wurde. Darüber hinaus wurde keine Frau bestraft, auch wenn eine Zeugenaussage gegen sie abgegeben wurde, solange sie ihre Schuld nicht anerkannte.

Es wurde authentisch überliefert, dass der Prophet Muhammad (Allahs Segen und Friede auf ihm) die Strafe gegen die Frau, die Unzucht begangen hatte, nicht vollzog, und zwar in der Geschichte von dem „Verfluchungsschwur“.[4] Diese handelt davon, dass Hilal Ibn Umayya seine Frau vor dem Propheten (Allahs Segen und Friede auf ihm) der Unzucht mit Schureik Ibn Samha'a bezichtigte. Der Prophet (Allahs Segen und Friede auf ihm) sagte zu Hilal: „Bringe Beweise (durch vier Zeugen) oder du bekommst die festgesetzte Strafe dafür (Peitschenhiebe für Verleumdung).“ Hilal sagte: „O Gesandter Allahs! Wird einer von uns, der einen Mann auf der eigenen Ehefrau sieht nach Beweisen durch Zeugen suchen?“ Der Prophet (Allahs Segen und Friede auf ihm) sagte erneut: „Bringe Beweise oder du bekommst die festgesetzte Strafe dafür.“ Dann sagte Hilal: „Bei Allah, der dich mit der Wahrheit gesendet hat, ich erzähle nur die Wahrheit. Möge Allah Verse offenbaren, die meinen Rücken von der Strafe verschonen.“ Nach einer Weile stieg Gabriel herab und offenbarte dem Propheten: „Für diejenigen, die ihren Gattinnen (Untreue) vorwerfen [...]“[5] Der Prophet las ihn bis er Folgendes erreichte: „[...] wenn er zu-denjenigen gehören sollte, die die Wahrheit sagen.“[6] Dann ging der Prophet (Allahs Segen und Friede auf ihm) fort und schickte jemanden für die Frau. Als Hilal ebenfalls kam, legte er seinen Schwur ab während der Prophet (Allahs Segen und Friede auf ihm) sagte: „Allah weiß, dass einer von euch lügt. Möchte jemand von euch die eigene Schuld bereuen?“ Dann kam die Frau und legte ihren Schwur ab. Als sie bei dem fünften Schwur war, stoppten sie die Menschen und sagten ihr: „Der fünfte Schwur ruft sicher die Verfluchung Allahs herbei, wenn man schuldig ist.“ Ibn Abbas erzählte, dass sie zögerte und sich so abwendete, dass wir dachten, sie will ihre Verneinung widerrufen. Sie sagte aber: „Ich werde meine Familie an keinem Tag entehren“ und legte den fünften Schwur ab. Da sagte der Prophet (Allahs Segen und Friede auf ihm) „Betrachtet sie! Wenn sie ein Kind zur Welt bringt, dessen Augen Schwarz gefärbt sind, dessen Hüfte reichlich und dessen Schienbeine dick sind, dann ist es der Sohn von Schureik Ibn Samha'a“. Einige Zeit später brachte die Frau ein Kind zur Welt, dessen Beschreibung zu der des Propheten passte. Da sagte der Prophet (Allahs Segen und Friede auf ihm) „Wäre die Sache durch die Gesetze Allahs nicht entschieden, hätte ich sie unnachsichtig bestraft.“[7] Das ist die Toleranz des Islams und des Propheten des Islams.



Auch wenn die Unzucht durch ein Geständnis bewiesen wird und die Steinigungsstrafe vollzogen wird, kann der Unzuchttreibende darum bitten, mit der Steinigung aufzuhören, wenn er etwas zu sagen hat, was die Strafe abwehrt. Die Steinigung sollte dann gestoppt werden, damit die Aussage des Unzuchttreibenden gehört und beurteilt wird.

Es wurde authentisch überliefert, dass Ma’iz Ibn Malik entfloh, als er durch die Steine verletzt wurde und den Tod spürte. Da sagte der Prophet (Allahs Segen und Friede auf ihm): „Hättet ihr ihn nur lassen!“[8]

In der Überlieferung von Ibn Ishak lautet es in einem authentischen Hadith: „[...] er wurde durch die Steine verletzt und schrie uns an: ,O Leute! Bringt mich zum Propheten (Allahs Segen und Friede auf ihm) zurück! Meine Stammesleute haben mich betrogen und mir mitgeteilt, dass der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede auf ihm) mich nicht umbringt'. Wir verließen ihn nicht bis er den Tod fand. Als wir zum Propheten (Allahs Segen und Friede auf ihm) zurückkehrten und ihm dies mitteilten, sagte er: ‚Hättet ihr ihn nur gelassen und ihn zu mir gebracht!’ [9] Dies damit sich der Prophet seiner Sache vergewissern kann.“[10]

Was die Frau, die Unzucht während der Schwangerschaft treibt, betrifft, so muss dies festgestellt und dem Sultan (Regierenden) mitgeteilt werden. Der Sultan darf die festgesetzte Strafe nicht veranlassen, bis die Unzuchttreibende ihr Kind zur Welt bringt, es abstillt oder das Kind jemandem gibt, der für seine Säuglingnahrung verantwortlich sein wird. Die Strafe könnte dann vollzogen werden und die sie gilt dann als Reue und Reinigung für sie. Dies wurde in der Sunna authentisch überliefert.[11]

Betrachten wir dieses Strafrecht genauer, entdecken wir, dass diese Strafe - die von dem Regierenden vollzogen wird - als Recht der Frau gilt, damit ihre Reue und ihre Reinigung vervollständigt werden. Es ist ebenfalls das Recht der Umma (der Menschen), dass der Imam bzw. der Regierende die Strafe vollzieht. Es handelt sich also hier in erster Linie um Rechte und nicht um Strafen, die geschützt werden sollen.

Wenn jemand den Wunsch oder das Vorhaben hat, dieses Verbrechen zu begehen, so sollte man ihn davon abraten, wenn es möglich ist. Das selbst Vorhaben wird nicht bestraft werden. Dies wird durch das folgende Beispiel erläutert, das zeigt, wie der Prophet (Allahs Segen und Friede auf ihm) einem jungen Mann, der Unzucht treiben wollte, auf eine außergewöhnliche Weise davon abriet. Der junge Mann ging zum Propheten und wollte seine Genehmigung haben.

Da sagte ihm der Prophet: „Möchtest du, das deine Mutter Unzucht treibt?“ Der Junge antwortete: „Bei Allah, nein. Möge Allah mich stärken, mich für Dich aufzuopfern!“ Der Prophet erwiderte: „Genauso mögen die anderen Menschen das auch nicht für ihre Mütter.“ Er fragte weiter: „Möchtest du das für deine Tochter?“ Der Mann antwortete wieder: „Bei Allah, nein, Gesandter Allahs! Möge Allah mich stärken, mich für Dich aufzuopfern !“ Der Prophet sagte erneut: „Genauso mögen die anderen Menschen das auch nicht für ihre Töchter.“ Der Prophet fragte noch einmal: „Möchtest du das für deine Schwester?“ Der Mann antwortete: „Bei Allah, nein. Möge Allah mich stärken, mich für Dich aufzuopfern!“ Der Prophet sagte: „Genauso mögen die anderen Menschen das auch nicht für ihre Schwestern.“ Er fragte weiter: „Möchtest du das für deine Tante (väterlicherseits)?“ Der Mann antwortete: „Bei Allah, nein. Möge Allah mich stärken, mich für Dich aufzuopfern!“ Da sagte der Prophet: „Genauso mögen die anderen Menschen das auch nicht für ihre Tanten (väterlicherseits).“ Schließlich fragte der Prophet: „Möchtest du das für deine Tante (mütterlicherseits)?“ Und der junge Mann antwortete: „Bei Allah, nein. Möge Allah mich stärken, mich für Dich aufzuopfern!“ Der Prophet erwiderte: „Genauso mögen die anderen Menschen das auch nicht für ihre Tanten (mütterlicherseits).“ Dann legte der Prophet seine Hand auf ihn und sagte: „O Allah! Vergib ihm seine Schuld, reinige sein Herz und schütze ihn vor Unzucht!“ Es wurde später berichtet, dass dieser junge Mann danach die Augen immer niederschlug.[12] [13]

Dieser tolerante Prophet hat den jungen Mann weder bestraft noch getadelt, obwohl die Prophetengenossen den jungen Mann schelten und in seine Grenzen zurückweisen wollten. Die Fragen, die der Prophet (Allahs Segen und Friede auf ihm) diesem jungen Mann gestellt hatte, bildeten allerdings eine hervorragende Lektion für ihn und für diejenigen, die diese Fragen gehört hatten, weil sie daran erinnerten, dass die Frauen, mit denen die Männer Unzucht treiben möchten, die Mütter, die Schwestern oder die Tanten von anderen Männern sein könnten. Er korrigierte darüberhinaus seine Emotionen und regte sein Ehrgefühl an. So lautet die Regel, wenn man einige Delikte begeht: Nachsicht kommt vor der Bestrafung. Dies gilt vor allem, wenn man einen Muslim sieht, der Alkohol trinkt oder Unzucht treibt.

Diese Regel basiert auf dem Hadith des Propheten (Allahs Segen und Friede auf ihm), der lautet: „Wer einem Muslim eine Fehlerhaftigkeit im Diesseits nachsieht, der wird von Allah sowohl im Diesseits als auch im Jenseits mit Nachsicht behandelt.“ [14] [15]

Diese Regel repräsentiert so den Gipfel der Toleranz.

Die Durchführung der Sanktionen für die im Koran erwähnten Delikte (Hudud) sind von den Gerichtsurteilen, sowie von den Urteilen des Sultans (des Regierenden) abhängig. Die Rechtsgelehrten sind sich darüber einig, dass die Sanktionen für die im Koran erwähnten Delikte ohne Urteilsspruch des Richters nicht durchgeführt werden dürfen, weil sie schwerwiegende Tatbestände sind. Deswegen soll man Vorsicht walten lassen, sowohl bei der Beweisführung dieser Tatbestände als auch bei der Durchführung der Sanktionen. Letztendlich sind das Dinge, für die der Regierende zuständig ist.[16] Gelangt der Tatbestand zum Sultan (Regierenden), so muss er einen Beweis für das Delikt liefern, denn „[...] durch den Tatnachweis wird das Blut geschont, die Ehre bewahrt, die Rechte kehren zu den Rechtsinhabern zurück, Stabilität und Sicherheit herrschen in der Gesellschaft sowie Ordnung und Zufriedenheit kehren ein. Die Regelung der Beweisführung ist somit ein Zeichen für die Regelung des menschlichen Lebens.“ [17]

Hat der Regierende aber keinen Tatnachweis, so führt er keine Sanktionen für die koranischen Delikte (Hudud) durch, sondern er weist die festgesetzte Strafe durch Zweifel ab, wie es bei der schon erwähnten „Verfluchungsgeschichte“ sowie bei der Geschichte des ermordeten Muslims bei den Juden von Khaybar der Fall war, als der Prophet den Verwandten des Ermordeten 100 Kamele als Entschädigung gab.[18]

Die Aussetzung der festgesetzten Strafe durch Zweifel ist eine bekannte rechtliche Regel, die sich auf die authentisch überlieferte Aussage von Ibn Mas'ud stützt: „Wendet das Peitschen und die Tötung vom Muslim ab so sehr es euch möglich ist!“ [19]

In dem authentischen Hadith von Abu Huraira (Allahs Wohlgefallen auf ihm) steht, dass „ein Mann zum Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede auf ihm) kam, während er sich in der Moschee aufhielt, und rief ihm zu: »O Gesandter Allahs! Ich beging Unzucht« Da wandte sich der Prophet von ihm ab, aber der Mann legte sein Geständnis viermal ab. Als der Mann viermal die Zeugenaussage gegen sich selbst geleistet hatte, ließ ihn der Prophet (Allahs Segen und Friede auf ihm) zu sich näher kommen und fragte ihn: »Bist du geisteskrank?« Der Mann sagte: »Nein!« Der Prophet fragte ihn weiter: »Bist du verheiratet?« und der Mann antwortete: »Ja!« Darauf sagte der Prophet (Allahs Segen und Friede auf ihm): »Nehmt ihn dann und steinigt ihn!« [20] [21]

In einer anderen authentischen Version steht, dass der Prophet (Allahs Segen und Friede auf ihm) das folgende sagte, als Ma’iz Ibn Malik zu ihm kam: »Vielleicht hast du lediglich geküsst, gezwinkert oder angeschaut?!« Der Mann sagte: »Nein!« Dann sagte der Prophet (Allahs Segen und Friede auf ihm) -ohne Anspielung: »Hast du einen vollständig vollgezogenen Geschlechtsverkehr ausgeübt?« Der Mann sagte: »Ja!« Darauf veranlasste der Prophet seine Steinigung.[22] [23]

In der Version von Muslim steht, dass Ma’iz Ibn Malik zum Propheten (Allahs Segen und Friede auf ihm) kam und ihm sagte: »O Gesandter Allahs! Reinige mich!« Der Prophet sagte: »Wehe dir! Kehre zu Allah zurück, bitte ihn um Verzeihung und bereue deine Tat!« Der Mann ging einige Schritte, kehrte zurück und sagte: »O Gesandter Allahs! Reinige; mich!« Der Prophet (Allahs Segen und Friede auf ihm) sagte: »Wehe dir! Kehre zu Allah zurück, bitte ihn um Verzeihung und bereue deine Tat!« Der Mann ging einige Schritte, kehrte zurück und sagte: »O Gesandter Allahs! Reinige mich!« Der Prophet (Allahs Segen und Friede auf ihm) wiederholte, was er vorher gesagt hatte; und als der Mann dasselbe beim vierten Mal sagte, erwiderte der Prophet (Allahs Segen und Friede auf ihm): »Wovon soll ich dich reinigen?« Der Mann antwortete: »Von dem Delikt der Unzucht.« [24][...] [25]

Diesem Hadith ist zu entnehmen, dass die Durchführung der festgesetzten Strafe nur nach einem viermaligen Geständnis möglich ist, das im gleichen Rang mit den Aussagen von vier Augenzeugen steht. Ferner soll der Imam sich vergewissern, dass der Bekenner nicht geisteskrank ist. Darüber hinaus hebt der Hadith die Toleranz hervor, und zwar durch den Satz: „Kehre zu Allah zurück, bitte ihn um Verzeihung und bereue deine Tat!“

Was die Zeugenaussagen anbetrifft, so muss die Anzahl der Augenzeugen vier sein. Eine unzureichende Zahl von Zeugenaussagen -führt zur Strafbarkeit der Betroffenen wegen Verleumdung, wie es zur Zeit des zweiten Khalifen 'Umar Ibn Al-Khattab (Allahs Wohlgefallen auf ihm) geschehen war, als Abu Bakra, Nafi’ und Shibl Ibn Ma’bad gegen Al- Mughira Ibn Sch'uba ihre Zeugenaussagen aufgrund von Unzucht ablegten, wobei sich der vierte Zeuge Ziyad zurückhielt.[26]

Es wurde authentisch berichtet, dass 'Umar sagte: „Es ist mir lieber die Hadd-Strafe aufgrund von Zweifel abzuwenden als sie aufgrund von Zweifel durchzuführen.“[27] Das ist die Toleranz des zweiten rechtgeleiteten Khalifen, der in der besten Schule für Toleranz erzogen wurde.

Die kleinen Sünden, die den im Koran erwähnten Delikten minderwertig sind, könnten vergeben werden, insbesondere wenn der Täter durch Frömmigkeit bekannt ist. Es wurde überliefert, dass der Prophet (Allahs Segen und Friede auf ihm) in einem Hadith sagte: „Betrachtet die Verfehlungen der Frommen als ungeschehen, ausgenommen der im Koran erwähnten Delikte.“[28] Dies bedeutet: Vergebt den Menschen mit guten Eigenschaften ihre Verfehlungen, solange diese Verfehlungen keine koranischen Tatbestände sind.[29]

Fromme Menschen können durch die Erfüllung der religiösen Pflichten erkannt werden; wie zum Beispiel der Beteiligung am Gemeinschaftsgebet. Dies wird durch einen Hadith bewiesen, der von Abu Umama (Allahs Wohlgefallen auf ihm) berichtet wurde, in dem es heißt: „Ein Mann kam zum Propheten (Allahs Segen und Friede auf ihm) und sagte: »O Gesandter Allahs! Ich habe eine Straftat begangen, so vollziehe die Strafe für meine Tat.« Der Prophet fragte: »Hast du die Gebetswaschung gemacht, bevor du kamst?« Der Mann sagte: »Ja!« Der Prophet sagte: »Hast du mit uns gebetet?« Der Mann sagte: »Ja!« Dann sagte der Prophet: »Gehe! Allah hat dir doch deine Sünde vergeben.«...“[30]

Dieser Hadith hebt somit die Bedeutung des vorigen Hadiths hervor. In der Erklärung zu diesem Hadith sagen Al-Nawawi und andere: „..Die Sünde, die er beging, zählte zu den kleinen Sünden.“[31]

So schreibt der Orientalist Louis Jung in Bezug auf Toleranz, Vergebung und Nachsichtigkeit im Islam: „Es gibt noch viele Sachen, die der Westen von der islamischen Kultur lernen kann, wie zum Beispiel die arabische Toleranz.“[32]

Was die Durchführung der festgesetzten Strafen anbetrifft, so ist festzustellen, dass es eine Debatte im Rahmen der Menschenrechte über Strafen wie die Todesstrafe, die Steinigung und die Handabschneidung gibt. Werfen wir aber einen Blick auf die Strafrechte vor der Aussendung des Propheten Muhammad, entdecken wir, dass viele rechtliche Urteile mit denen des islamischen Rechts übereinstimmen, wie zum Beispiel in der Thora, der Bibel, in dem Recht von Noah und in den Schriften von Ibrahim und Moses.

Diese Ähnlichkeiten zwischen dem islamischen Recht und dem Recht der Leuten der Schrift (Christen und Juden) das nicht verfälscht wurde - beweisen vor allem, dass die offenbarten Gesetzte Gemeinsamkeiten in vielen Urteilen haben und dass sie einer einzigen Quelle entstammen und zwar, Allah, erhaben sei Er. Die Veränderung, die bei den Leuten der Schrift geschah, führte zur Neubestimmung einiger rechtlicher Urteile.

Ein Beweis dafür ist die Steinigungsstrafe des Unzuchttreibenden. In der Thora wurde diese Strafe deutlich festgelegt, wie Abdullah Ibn Salam (Allahs Wohlgefallen auf ihm) bestätigte. Dies bedeutet allerdings nicht, dass der Islam von den Römern oder von den Leuten der Schrift beeinflusst wurde. Der heilige Koran wurde auf den letzten Propheten herabgesandt, damit er über die anderen Bücher wache und damit er an jedem Ort und zu jeder Zeit gültig sei. So sagt Allah, der Erhabene: „Und Wir haben zu dir das Buch mit der Wahrheit hinabgesandt, das zu bestätigen, was von dem Buch vor ihm (offenbart) war, und als Wächter darüber.“[33]

In seiner Erklärung sagt Imam Al-Tabari: „Er (der Allmächtige) sagt: ‚Wir haben ihn (den Koran) hinabgesandt, damit er die vor ihm zu den anderen Propheten offenbarten Bücher bestätigt und „sie bewahrt.’“[34] Das heißt: Wir haben dir (Muhammad) dieses Buch offenbart, damit es die vor ihm offenbarten Schriften bestätigt und als Wächter und Zeuge darüber, dass sie von Allah herabgesandt worden sind.“[35]

Ibn Abbas: (Allahs Wohlgefallen auf beiden) erklärt den Ausdruck „als Wächter darüber“[36] und sagt: „[...] der Wächter ist der Beschützer, d.h. der Koran ist der Beschützer von all den vor ihm offenbarten Büchern.“[37] Ar-Tabari überlieferte mit einer authentische Überlieferungskette folgende Aussage von Al-Hasan Al-Basari:„[...] diese Schriften bestätigend und sie beschützend.“[38]

So stimmen viele Gesetze und Regelungen der Griechen und Römer, die ursprünglich von den offenbarten Büchern vor dem Islam - vor ihrer Verfälschung - hergeleitet wurden, sowie die der Propheten und Gesandten wie in den Schriften von Ibrahim und Moses, die im Koran und in der Sunna erwähnt wurden, mit dem islamischen Recht (Scharia) überein.

Allah, der Erhabene sagt: „Er hat euch von der Religion festgelegt, was Er Noah anbefahl und was Wir dir (als Offenbarung) eingegeben haben und was Wir Abraham, Moses und Jesus anbefahlen: Haltet die (Vorschriften der) Religion ein und spaltet euch nicht darin (in Gruppen). Den Götzendienern setzt das schwer zu, wozu du sie aufrufst. Allah erwählt dazu, wen Er will, und leitet dazu, wer sich (Ihm) reuig zuwendet. Und sie spalteten sich erst, nachdem das Wissen zu ihnen gekommen war - aus Missgunst untereinander. Und wenn es nicht ein früher ergangenes Wort von deinem Herm auf eine festgesetzte Frist gäbe, so wäre wahrlich zwischen ihnen entschieden worden. Gewiss, diejenigen, denen die Schrift nach ihnen zum Erbe gegeben wurde, sind darüber in starkem Zweifel. Darum rufe du auf und verhalte dich recht, wie dir befohlen wurde. Und folgt nicht ihren Neigungen und sag: Ich glaube an das, was Allah an Büchern herabgesandt hat, und mir ist befohlen worden, unter euch gerecht zu handeln. Allah ist unser Herr und euer Herr. Uns unsere Werke und euch eure Werke. Es gibt keine (gemeinsame) Beweisgrundlage zwischen uns und euch. Allah wird uns zusammenbringen. Und zu ihm ist der Ausgang.“[39]

Dies bedeutet, dass Allah, der Erhabene uns als Religion verordnete, was Er den früheren Völkern zu Zeiten Noahs, Abrahams, Jesus und Moses (Allahs Segen und Frieden auf ihnen) verordnet hatte, wie es in den obengenannten Versen erwähnt wurde.

Al-Ghazali meinte, dass sich die verschiedenen Religionen über das Verbot von Mord, Gotteslästerung, Unzucht, Diebstahl und rauschendem Trunk einig waren.[40] Diese Aussage wurde von Mohammad Abu Zahra berichtet, der in seinem Kommentar dazu erläuterte, dass die fünf Hauptinteressen der Menschheit unumstritten sind und, dass ihre Bewahrung durch das Erlassen von Strafgesetzen gegen Delikte, die diese Interessen bedrohen, in den unterschiedlichen Religionen selbstverständlich ist.[41]

Außerdem erkennen wir die Toleranz des Islams im Recht der Selbstverteidigung und im Recht des Angeklagten sich zu verteidigen. Der Angeklagte kann sich verteidigen indem er die Beweisführung der Anklage widerlegt und die ihm zur Last gelegten Vorwürfe des Klägers abweist. In diesem Sinne haben einige Rechtsgelehrten das ,,Zurückweisungsrecht“ wie folgt definiert: „Es ist eine Klage des Angeklagten oder seines Vertreters mit der Absicht, die Tat zu leugnen oder den juristischen Anspruch des Klägers ungültig zu machen."[42]

 


[1] Das Ansehen des Islams . S. 35. In: „Sie sagten über den Islam“, S.468.

 

[2] Vgl. Methoden der Beweisführung in der islamischen Sharia (Wasael Al-Ithbat). S.160.

[3] 'Alam Al-Muaqieen 2/119.

[4] Eidliches Behauptung der Unzucht eines Ehegatten oder einer Ehegattin.

[5] Sura 24 Das Licht „an-Nur", Vers 6.

[6] Sura 24 Das Licht „an-Nur", Vers 9.

[7] Sahih Al-Bukhari (8/303-304, H.Nr.4747): Die Erläuterung des Korans, Sura „an-Nur“, Vers 9.

[8] Al-Tirmidhi: Al-Hudud (1428), Ibn Maja: Al-Hudud (2554), Ahmad (2/453). Al-Albani bestätigte die Richtigkeit des Hadiths. Vgl. Irwaa Al-Ghalil 8/28. H. Nr. 2360.

[9] Al- Tirmidhi: Al-Hudud (1428). Ibn Maja: Al-Hudud (2554)

[10] Al-Albani bestätigte, dass die Überlieferungskette gut ist. (Irwaa Al-Ghalil 7/354).

[11] vgl. Sahih Muslim, 3/1303.

[12] Ahmad (5/257).

[13] Überliefert von Imam Ahmad in seinem „Musnad“ (5/256, 257). Al-Iraqi meinte dazu: „Dieser Hadith wurde von Ahmad mit einer authentischen Überlieferungskette berichtet.“ Al-Albani befand den Hadith in Al-Silsila Al-Sahiha H.Nr. 370 für authentisch).

[14] Sahih Muslim: Beten, Du'a und Reue (2699), Al- Tirmidhi: das Gute und die menschliche Beziehung (1930). Abu Dawud: Al-Adab (4946), Ibn Maja: Die Einleitung (225), Ahmad (2/500).

[15] Von Al-Albani als authentisch eingestuft (Sahih Sunan Al-Tirmidhi 1574).

[16] Vgl.Tahdib Al-Furuq von Al-Qarafi 4/123-124 und Mughni Al-Muhtaj 4/461. Edition Aleppo 1377 n. Hidschra.

[17] Methoden der Beweisführung in der islamischen Sharia, S. 35.

[18] Vgl. Sahih Al-Bukhari. Al-Diyyer. dt: Blutschuld (Al-Qasama), H.Nr.6898.

[19] Diesel Hadith wurde von Ibn Abi Shaiba und Al-Baihaqi berichtet. Vgl, Irwaa Al-Ghalil (8/26)

[20] Al-Bukhari: Al-Hudud (6430), Muslim: Al-Hudud (1691), Al-Tirmidhi: Al-Hudud (1429), Al-Nasai: Die Begrabungen (l956). Abu Dawud: Al-Hudud (4430), Ahmad (2/453)

[21] Sahih Al-Bukhari: Al-Hudud: Geisteskranke werden nicht gesteinigt. H. Nr. (6815).

[22] Al-Bukhari: Al-Hudud (6438), Muslim: Al-Hudud (l693), Al-Tirmidhi: Al-Hudud (1427). Abu Dawud: Al-Hudud .(4421). Ahmad (1/270)

[23] Berichtet von Ahmad in seinem Musnad 1/338, Abu Dawud in Al-Sunan H. Nr. 4427, von Al-Albani in Irwaa Al-Ghalil 7/355 als authentisch eingestuft.

[24] Muslim; Al-Hudud (1695), Abu Dawud; Al-Hudud (4442), Ahmad (5/348), Ad-Darimi: Al-Hudud (2324).

[25] Sahih Muslim: Al-Hudud: Von demjenigen, der ein Geständnis wegen der Unzucht ablegt 5/l 19.

[26] Überliefert von Al-Baihaqi in Al-Sunan Ar-Kubra 8/334-335. Von Al-Albani in Irwaa Al-Ghalil 8/29 für Sahih befunden).

[27] Al-Sakhawi zufolge wurde dieser von Ibn Hazm mit einer authetischen Überlieferungskette überliefert. (Al-Makased Al-Hasana S.30).

[28] Überliefert von Abu Dawud: Al-Hudud (4375), Ahmad (6/181) ebenfalls von Al- Bukhari (465), Ibn Hiban (Al-Ihsan 1520), bekräftigt von Ibn Hagar und von Salah El-Din Al-Alai für „hasan“ befunden (Siehe. Badhl Al-Majhud 17/316) und Al-Albani (Al-Silsila Al-Sahiha 638).

[29] Vgl. Badhl Al-Majhud 17/315-316.

[30] Muslim: Die Reue (2765), Abu Dawud: Al-Hudud (4381), Ahmad (5/265). Herausgegeben von Abu Dawud: Al-Hudud, Kapitel (Derjenige, der seine Tat zugibt, aber nicht benennt 4381), Badhl al-Majhud (17/325), von Al-Albani in Sahih Sunan Abi Dawud für authentisch befunden (3682).

[31] Vgl. Badhl Al-Majhud 17/326.

[32] Vgl. Araber und Europa S.10. In: Sie sagten über den lslam S. 327.

[33] Sura 5 Der Tisch (al-Ma'ida), Vers 48. (Gemäß der Übersetzung von Scheich Abdullah as-Samit, Frank Bubenheim und Dr. Nadeem Elyas).

[34] Sura 5 Der Tisch (al-Ma'ida). Vers 48. (Gemäß der Übersetzung von Moustafa Maher).

[35] Jami’ al-Bayan 8/486.

[36] Sura 5 Der Tisch (al-Ma’ida), Vers 48.

[37] Überliefert von Al-Tabari 8/488, Ibn Abi Hatem 4/1150, Al-Baihaqi, S. 109 mit der Überlieferungskette von 'Ali lbn Abi Talha und lbn Abbas.

[38] Al-Tafsier 8/489.

[39] Sura 42 Die Beratung (Asch-Schura), Verse 13-15.

[40] Vgl. al-Mustasfa min ilm al-Usul, 1/288.

[41] Vgl Al-Jarima wa Al-Iqab fi Al-Fiqh Al-Islami (Das Verbrechen und die Strafe im islamischen Recht 2/41. Dar Al-Fikr Al-Arabi Verlag.

[42] Vgl. Al-Usul Al-Qadaiya (Die rechtlichen Ursprünge), S. 54 und Al-Murafakat Al-Shariya, S. 48. In: Yassin, Muhammad Na'eem; Nadhariyat Al-Da’wa bayna Al-Shariya Al-Islamiya wa Kanon Al-Murafakat Al-Madaniya wa Al-Tijariya (Die Theorie der Anklage zwischen der islamischen Shariya und dem Zivil- und Handelsrecht). Dar 'Alam Al-Kutub. Al-Riyadh, S.586.

Auch interessant

Spende für Weg zum Islam
Pixel
Live Konvertierung zum Islam

Newsletter

Abonnieren Sie unseren Newsletter und erfahren Sie die neusten Beiträge immer als erstes!.

Unsere Facebook Seite

Meistgelesene Artikel


 

Suche