T Toleranz des Islams

Die Toleranz des Islams im Umgang mit Andersgläubigen - Weg zum Islam

Die Toleranz des Islams im Umgang mit Andersgläubigen

Die Toleranz des Propheten (Allahs Segen und Friede auf ihm) beschränkte sich nicht auf die Muslime; sie umfasste ebenfalls die Leute der Schrift [1] und die Polytheisten während des Krieges. Er bestand darauf, die Kopten [2] gut zu behandeln. Es wurde authentisch überliefert, dass er sagte: „Wenn ihr Ägypten erobert, behandelt die Kopten gut, weil sie unter dem Schutzvertrag stehen und mit euch verwandt sind.“ [3] [4] In der Version von Sahih Muslim lautet der Hadith: „Ihr werdet ein Land erobern, in dem Al-Qirat erwähnt wird. Ihr sollt seine Bewohner gut behandeln, weil sie unter dem Schutzvertrag stehen und mit euch verwandt sind.“ [5] [6] Al-Nawawi sagte: In einer anderen Version lautet es: „Ihr werdet Ägypten erobern. Ein Land, in dem Al-Qirat erwähnt wird und in dem die Leute Schutzvertrag und Verwandtschaft haben.“ [7] In der Erklärung dieses Hadith meinten die Gelehrten, dass „Al-Qirat“ ein Teil von Al-Dinar und Al-Dirham [8] sei und dass die Leute von Ägypten es damals häufig benutzten. „Al-Dhimma“ [9] ist der Schutzvertrag, d.h. Sicherheit von Leib und Leben. Was die Verwandtschaft betrifft, so ist bekannt, dass Hagar - die Mutter von Ismail eine Ägypterin war. Die Verwandtschaft durch Heirat ist dadurch zu erklären, dass die Koptin Mariya - die Mutter Ibrahims, Sohn des Propheten Muhammad, auch eine Ägypterin war. [10]


Die Toleranz des Propheten Juden gegenüber lässt sich durch folgende Geschichte veranschaulichen. Als einer der Gefährten des Propheten Muhammed in einem jüdischen Viertel bei Khaybar ermordet wurde, nahm der Prophet (Allahs Segen und Friede auf ihm) den Juden den Eid ab, dass sie den Ermordeten weder getötet noch den Mörder gekannt hatten. In seinem Buch brachte Al-Bukhari den folgenden Hadith mit dem „Isnad“[11] nach Busheyr ibn Yasar heraus. Er sagte: „Es wurde behauptet, dass einer von Al-Ansar mit dem Namen Sahl ibn Abi Hathema mitteilte, dass einige Leute von seinem Stamm nach Khaybar losgingen und sich dort aufhielten. Da fanden sie einen Ermordeten und warfen denjenigen vor, bei denen er gefunden wurde, dass sie ihn ermordet hatten. Da erwiderten diese Menschen: ,Wir haben ihn weder getötet noch seinen Mörder gekannt.' Die Gefährten des Propheten Muhammad gingen danach zu ihm und sagten: ,O Gesandter Allahs! Wir sind nach Khaybar gegangen und haben einen von uns dort ermordet gefunden'. Der Prophet sagte: ,Welch großes Verbrechen, welch großes Verbrechen. Habt ihr Beweise gegen seinen Mörder?, Sie antworteten: ,Wir haben keine Beweise'. Der Prophet sagte: ,Die Juden sollen einen Eid ablegen, dass sie ihn weder getötet noch den Mörder gekannt hatten. Die Gefährten erwiderten: ,Wir nehmen aber die Eide der Juden nicht an.’ Da der Prophet das Blut des Ermordeten nicht sinnlos vergossen sehen wollte, gab er als Entschädigung[12] 100 Kamele von den Kamelen der Almosen.“[13]

 

In seiner Erklärung zu diesem Hadith sagt Ibn Hadschar: „Das Wort ;Al- Qasama’ (dt. Schwur) stammt von dem Verb ;aq sa ma’ (dt. Schwören oder einen Eid ablegen) und bedeutet, dass Zeugnisse vor den Angehörigen des Ermordeten abgelegt werden. Solche Zeugnisse sollen die Tat leugnen. Andere Zeugnisse sind solche, die von den Angehörigen des Ermordeten gegen die Beschuldigten abgelegt werden. Der Eid auf Blutvergießen wird lediglich mit dem Wort ‚Al-Qasama’ verbunden“.

Imam Al-Haramein sagt dazu: „Al-Qasama bei den Linguisten ist eine Bezeichnung für die Leute, die den Eid ablegen. Bei den Rechtsgelehrten ist es eine Bezeichnung für den Eid.“ In seinem Buch „Al-Muhkam“ lautet es: „Al-Qasama ist die Gruppe, die einen Eid auf etwas ablegt oder etwas bezeugt. Der Eid bezieht sich deshalb auf sie. Später wurde die Bedeutung des Wortes auf den Eid selbst übertragen.“

 

Al-Qurtubi sagt in seinem Buch „Al-Mufhim“ zu diesem Hadith: „Der Prophet (Allahs Segen und Friede auf ihm) hat sich auf diese Weise zugunsten des Gemeinwohls verhalten, um die Ursache der Verderbtheit abzuweisen und eine gegenseitige Vertrautheit zu bilden. Dies beweist vor allem seine Großzügigkeit und seine geschickte Politik, besonders wenn es unmöglich ist, zur Wahrheit zu gelangen.“

 

Al-Kadi Iyad äußerte Folgendes darüber: „Dieser Hadith ist eine Quelle der islamischen Rechtswissenschaft, eine Grundlage für Urteilssprüche und ein wesentliches Element des öffentlichen Interesses. Alle Imame, die Salaf: die Prophetengefährten und die Nachfolgegeneration der Prophetengefährten, sowie die Gelehrten der Umma und die Rechtsgelehrten aus Hijaz, Damaskus und Kufa haben sich daran gehalten, auch wenn sie den Hadith unterschiedlich befolgten.“[14]

 



In seiner Erklärung zu diesem Hadith sagte Al-Nawawi: „Der Hadith gilt deshalb als ein Beweis für die Richtigkeit des Eides der Ungläubigen, der lasterhaften Sünder und der Juden.“[15]

 

Wenn wir die Verträge anschauen, die der Prophet abgeschlossen hat, finden wir Beispiele der Toleranz, der Friedlichkeit und der Gerechtigkeit. Zu diesen Verträgen gehört der Vertrag von Medina, der 47 Absätze umfasst, darunter solche, die sich auf die Juden dort beziehen:

 

24: Die Juden tragen ihre eigenen Unkosten, solange sie zusammen mit den Muslimen kämpfen.

 

31: Für die Juden im Stamme Tha’laba gilt das gleiche wie für die Juden im Stamme 'Auf, es sei denn, einer hat unrecht oder sündhaft gehandelt; dann bringt er nur Unheil über sich selbst und seine Familie.

 

37: Die Juden tragen ihre Unkosten und ebenso die Muslime die ihre. Sie helfen einander gegen jeden, der gegen die Leute dieser Urkunde kämpft. Zwischen ihnen herrschen Ratschlag und Treue ohne Verrat.

 

45: Wenn die Juden zu einem Friedensschluss aufgerufen werden, so tun sie es und halten ihn ein. Und wenn sie die gleiche Forderung an die Gläubigen stellen, so tun sie dies ebenso, es sei denn, sie kämpfen für den Glauben.

 

46: Die Juden vom Stamme Aus, ihre Schutzbefohlenen wie sie selbst, haben die gleichen Rechte und Pflichten wie die Leute dieser Urkunde, solange sie sich diesen gegenüber aufrichtig verhalten. Treue geht vor Verrat. Jeder, der etwas erwirbt, erwirbt es für sich selbst. Allah billigt diese Urkunde.

 

47: Diese Urkunde schützt nicht den Übeltäter und den Sünder. Derjenige, der auszieht zum Kampf, ist in Medina sicher wie derjenige, der nichts unternimmt, solange er nicht Unrecht oder Verrat begeht. Allah schützt jeden, der aufrichtig ist und ihn fürchtet. Und Muhammad ist der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede auf ihm). [16]

 

In diesem Zusammenhang meint Ibn Zengaweyh: „Der Absatz ,Die Juden tragen ihre eigenen Unkosten, solange sie zusammen mit den Muslimen kämpfen, bedeutet Geld ausgeben im Kriegszustand. Der Prophet hat also vorausgesetzt, dass sie ihm gegen seine Feinde beistehen, damit sie das Recht haben, einen Teil von der Kriegsbeute zu erhalten.

 

Wenn der Prophet sagt: ,Die Juden vom Stamme 'Auf bilden eine Gemeinde von den Gläubigen', meint er ihre Unterstützung für die Gläubigen und ihre Hilfe gegen die Feinde der Gläubigen gemäß den vorausgesetzten Unkosten. Was die Religion anbetrifft, so haben die Juden ihre eigene Religion. Der Prophet hat dies erklärt mit dem Satz:

,[. ]Den Juden ihre Religion und den Muslimen die ihre.'“ [17]

 

Der islamische Historiker Prof. Dr. Akram Ibn Dia’ Al-'
Omari hat die oben erwähnte Urkunde analysiert. Im Folgenden zitiere ich, was er bezüglich der Juden geschrieben hat: „Die Absätze 25 bis 35 haben die Bestimmung der Beziehung zu den Juden aus den Stämmen Aus und Khasraj behandelt. Die Urkunde hat die Juden in Beziehung zu ihren arabischen Stämmen gesetzt, ihr Bündnisverhältnis mit den Muslimen bestätigt und die Juden vom Stamme Beni 'Auf als eine Gemeinde mit den Gläubigen bezeichnet. In dem Buch Al-Amwal von Abi 'Ubayd werden die Juden „eine Gemeinde von den Gläubigen“ [18] bezeichnet. Bei Ibn Ishaq steht aber „mit den Gläubigen“, was richtiger erscheint. Sehr wahrscheinlich handelt es sich also um einen Schreibfehler [19] in dem Buch „Al-Amwal“. Der Absatz 25 garantiert den Juden ihre Glaubensfreiheit und bürdet lediglich den Tätern die Verantwortung des Verbrechens auf: „[...]es sei denn, einer hat unrecht oder sündhaft gehandelt; dann bringt er nur Unheil über sich und seine Familie“. Der Täter wird bestraft, auch wenn er einer der Vertragsschließenden ist. „Diese Urkunde schützt keine ungerechte Person und auch keinen Sünder“.

 

Der Vertrag erweitert sich gemäß dem Absatz 45, damit er ebenfalls die Verbündeten sowohl mit den Muslimen als auch mit den Juden umfasst. Denn gemäß diesem Absatz soll jede Partei den Friedensschluss auch mit den Verbündeten der anderen Partei annehmen. Die Muslime haben aber den Stamm Quraisch ausgenommen, da sie im Kriegszustand mit ihm waren.“ [20]

 

Ebenfalls sehen wir die Toleranz des Propheten mit den Leuten der Schrift, insbesondere mit denjenigen, die feindlich gegen ihn auftreten und seiner Rechtsbelehrung widersprechen. In seinem Buch hat Muslim einen Hadith durch eine Überlieferungskette von dem Prophetengefährten Anas (Allahs Wohlgefallen auf ihm) überliefert, in welchem steht, dass „die Juden weder mit ihren Frauen zu Tisch speisen, noch mit ihnen zu Hause leben, wenn die Frauen menstruieren. Die Gefährten des Propheten (Allahs Segen und Friede auf ihm) hatten ihn deswegen danach gefragt und Allah, der Erhabene, offenbarte: „Und sie werden dich über die Menstruation befragen. Sprich: »Sie ist ein Leiden.« Enthaltet euch daher eurer Frauen während der Menstruation [...]“ [21] Der Prophet (Allahs Segen und Friede auf ihm) sagte: „macht alles, enthaltet euch aber des Geschlechtsverkehrs!“ Als die Juden dies hörten, sagten sie: „Dieser Mann möchte nichts lassen, was wir tun, ohne, dass er diesem widerspricht.“

 

Usaid Ibn Hudair und Abbad Ibn Bishr kamen zum Propheten und sagten: „Gesandter Allahs! Die Juden sagen so und so. Sollten wir deshalb keinen Kontakt haben mit unseren Frauen?“ [22] Das Gesicht des Propheten veränderte sich so sehr, dass wir annahmen, er war zornig über sie. Als sie aber gingen, sahen sie, dass jemand dem Propheten Milch als Geschenk gesandt hat. Der Prophet rief die beiden und ließ sie davon trinken. Dadurch wussten wir, dass er ihnen nicht zürnte.“[23]

 

Seine Toleranz sehen wir ebenfalls durch sein Verhalten mit Labid Ibn al-A'sam, der den Propheten (Allahs Segen und Friede auf ihm) zu verhexen versuchte, indem er ihm einen Kamm entwendete, in dem einige Haare waren, und diese Dinge in die Hülle der Blütenscheide einer männlichen Dattelpalme steckte und im Brunnen Rawan versteckte. Als der Prophet seiner Gattin 'Aisa dies mitteilte, sagte sie: „Willst Du sie nicht herausholen?“ Er erwiderte: „Allah hat mich beschützt und ich möchte die Leute nicht gegen diesen Menschen hetzen.“ Er befahl dann den Brunnen zu zuschütten. [24]

 

Auf diese tolerante Weise verhielt sich der Prophet mit einigen Heuchlern wie 'Abdullah Ibn Ubei Ibn Salul, der die Schuld der bekannten Lügengeschichte trug und trotzdem vergab ihm der Prophet [25] (Allahs Segen und Friede auf ihm) und bedeckte ihn bei seinem Tod mit seinem eigenen Gewand und bat um Verzeihung für ihn von Allah bis Allah, der Erhabene offenbarte: „Bitte um Vergebung für sie, oder bitte nicht um Vergebung für sie; wenn du (auch) siebzigmal um Vergebung für sie bittest, so wird Allah ihnen doch nicht vergeben.“ [26]

 

Ebenfalls vergab der Prophet (Allahs Segen und Friede auf ihm) 'Abdullah Ibn Dhil Khuwaisira At-Tamimi, der dem Propheten beim Verteilen der Beute sagte: „Sei gerecht, o Gesandter Allahs!“ Der Prophet erwiderte: „Wehe Dir! Wer ist gerecht, wenn nicht ich gerecht wäre?“ Da sagte Umar Ibn Al-Khattab: „Erlaube mir, seinen Kopf abzuschlagen!“ Der Prophet sagte: „Lass ihn, er hat Gesellen. [27] Wenn einer von euch seine Gebete und sein Fasten mit der ihren vergleicht, dann sieht er auf seine eigenen herab. Sie weichen aber vom Glauben ab wie der Pfeil, der die Beute durchdringt. Man untersucht die Spitze des Pfeils und findet keine Spur darauf. Dann untersucht man den Schaft und findet nichts darauf, die Fiederung und sieht nichts darauf und zuletzt die Nocke und findet ebenfalls nichts darauf. Der Pfeil ist zu schnell gewesen, dass er weder mit Mageninhalt noch mit Blut beschmiert wurde. Das Zeichen, durch das diese Leute erkannt werden, wird ein Mann sein, dessen eine Hand (oder Busen) dem Busen einer Frau (oder wie ein bewegendes Stück Fleisch) ähnlich sein wird. Diese Leute werden erscheinen, wenn es Meinungsverschiedenheiten unter den Leuten (Muslimen) geben wird.“ Abu Sa'id fügte hinzu: „Ich bezeuge, dass ich das vom Propheten (Allahs Segen und Friede auf ihm) hörte und, dass Ali jene Leute tötete während ich bei ihm war. Der Mann, den der Prophet (Allahs Segen und Friede auf ihm) beschrieben hatte, wurde herbeigeholt. Die folgenden Verse wurden im Zusammenhang mit dieser Person (d.h. Abdullah Ibn Dhil-Khuwisira At-Tamimi) offenbart: „Und unter ihnen gibt es manche, die gegen dich wegen der Almosen nörgeln.“ [28] [29]

 

Der Prophet, der sich nicht rächen wollte und diesem Menschen vergab, zeigte dadurch den Gipfel der Toleranz.

 

Andere Situationen gab es zwischen dem Prophet und den Polytheisten, wie es in dem folgenden Hadith deutlich wird, den Al-Nasai mit der Überlieferungskette von Abdullah Ibn Mughafal Al-Muzani überlieferte. Er berichtete: „Wir waren mit dem Propheten (Allahs Segen und Friede auf ihm) in Hudaibiyya und saßen unter dem Baum, den Allah im Koran erwähnte. Ich warf einen Zweig weg, den ich auf dem Rücken des Propheten sah, während Ali Ibn Abi Talib und Suhail Ibn Amr vor ihm saßen. Der Prophet (Allahs Segen und Friede auf ihm) sagte zu Ali: „Schreib: ,Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen’!“ Suhail hielt die Hand von Ali fest und sagte: „Wir kennen den Erbarmer, den Barmherzigen nicht, schreibe in unserer Angelegenheit, was uns bekannt ist!“ Der Prophet sagte: „Schreib: Im Nahmen Allahs, Das Folgende ist vorauf sich Muhammad der Gesandte Allahs mit den Leuten von Mekka geeinigt hat.“ Suhail hielt wieder seine Hand fest und sagte: „Wir wären ungerecht dir gegenüber, wenn du der Prophet wärst. Schreibe (Ali) in unserer Angelegenheit, was uns bekannt ist!“ Der Prophet sagte: „Schreib: Das Folgende ist was Muhammad Ibn 'Abdullah Ibn 'Abdulmuttalib vereinbart hat. Und ich bin der Prophet Allahs!“

Al-Muzani berichtete weiter: Das schrieb er. Währenddessen kamen zu uns dreißig bewaffnete junge Männer und begehrten gegen uns auf. Der Prophet (Allahs Segen und Friede auf ihm) rief Allah gegen sie an und Allah ließ sie erblinden. Da standen wir auf, um sie zu stoppen. Der Prophet (Allahs Segen und Friede auf ihm) fragte sie: „Seid ihr wegen eines Schutzvertrags mit jemandem mit den Waffen gekommen?“ Die Jungen antworteten: „Nein“. Der Prophet ließ sie frei.

 

In diesem Bezug offenbarte Allah, der Erhabene, den folgenden Vers: „Und Er ist es, Der im Talgrund von Mekka[30] ihre Hände von euch und eure Hände von ihnen zurückgehalten hat, nachdem Er euch den Sieg über sie verliehen hatte. Und Allah sieht wohl, was ihr tut.“[31]

 

Der Prophet konnte sie gefangen nehmen oder töten. Seine Toleranz ließ das aber nicht zu. Deshalb sagte er zu solchen Leuten und zu den anderen Bewohnern von Mekka am Tag der Eroberung: „Geht! Ihr seid frei.“

Die Toleranz des Propheten (Allahs Segen und Friede auf ihm) kristallisierte sich im Kriegszustand heraus, als er nach der Eroberung von Mekka zu den Götzendienern sagte: „Sicher ist derjenige, der das Haus von Abu Sufyan betritt und der, der seine Haustür vor sich verriegelt und der, der die Waffen niederlegt.“ [32]

Ein anderer Aspekt seiner Toleranz mit den Polytheisten und Götzendienern zeigte sich dadurch, dass er den Muslimen erlaubte, Kontakt zu ihren ungläubigen Familienmitgliedern aufzunehmen, was in dem folgenden Hadith bei Al-Bukhari von Asmaa Bint Abi Bakr (Allahs Wohlgefallen auf beiden) deutlich wird. Asmaa berichtete: „Meine Mutter kam wohlwollend zu mir[33], und dies geschah zu Lebzeiten des Propheten, (Allahs Segen und Friede auf ihm). Ich fragte den Propheten, (Allahs Segen und Friede auf ihm): »Soll ich die Bindung zu meiner Mutter aufrechterhalten?« Und er sagte: »Ja.«“ [34]

 

Dieser praktische Weg der Toleranz übte einen großen Einfluss, sowohl auf die Gefährten des Propheten (Allahs Segen und Friede auf ihm) als auch auf die Nachfolgegenerationen der Prophetengefährten bis zu unserem heutigen Tag aus. Die islamische Geschichte führt deshalb viele Beispiele des toleranten Verhaltens, darunter das des zweiten rechtgeleiteten Kalifen 'Umar Ibn Al-Khattab auf (Allahs Wohlgefallen auf ihm), der ebenfalls einen anderen Aspekt des toleranten Benehmens mit den Polytheisten veranschaulichte. Al-Bukhari überliefert in seinem Buch einen Hadith mit der Überlieferungskette von 'Abdullah Ibn Dinar, der berichtete, dass Ibn 'Umar (Allahs Wohlgefallen auf beiden) erzählte, dass sein Vater 'Umar Ibn Al-Khattab einmal ein seidenes Gewand zum Verkauf sah. Er sagte: „O Gesandter Allahs! Kaufe dieses und zieh es freitags und wenn Dich Delegationen besuchen an.“ Der Prophet erwiderte: „Solches Gewand wird nur von jemandem getragen, der nicht an das Jenseits denkt.“ Nach einer Weile hat jemand dem Propheten einige solcher Gewänder geschenkt. Der Prophet schickte 'Umar eines davon. Da sagte 'Umar: „Wie kann ich es tragen, nachdem Du das darüber gesagt hast?“ Der Prophet sagte: „Ich habe es dir nicht geschickt, damit du es trägst, sondern, damit du es verkaufst oder es jemandem anderen schenkst, der es trägt.“ 'Umar schickte es deshalb seinem Bruder, der zu den Einwohnern Mekkas zählte und den Islam damals noch nicht angenommen hatte.“ [35]

 

Ein weiteres Beispiel zur Zeit von Mu'awyia (Allahs Wohlgefallen auf ihm) verdeutlicht wie sich die Muslime dagegen weigerten, die Ungläubigen zu bekämpfen, als die Ungläubigen das Friedensabkommen mit den Muslimen brachen. So sagten die Muslime dazu: „Ein Verrat nach einer Treue ist besser als ein Verrat ohne eine vorherige Treue.“ [36]

 

Das ist der Gipfel der Toleranz, die der Prophet beim Umgang mit den anderen Menschen befahl als er sagte: „Bringe demjenigen, der dir etwas anvertraut hat, sein Gut zurück und breche nicht den Vertrag mit demjenigen, der seinen Vertrag mit dir nicht einhält.“ [37]

 

Ein drittes Beispiel zur Zeit der Nachfolgegeneration der Prophetengefährten verdeutlicht die Abwendung der festgesetzten Strafen. Al-Bukhari erwähnt in seinem Buch einen Hadith mit der Überlieferungskette von Abu Qilaba, der berichtete, dass der Kalif Umar Ibn Abdulaziz eines Tages auf seinem Thron im Innenhof seines Hauses saß und den Menschen erlaubte vor ihn zu treten. Als sie eintraten, sagte er zu ihnen: „Was meint ihr über die Al-Qasama?“ Sie erwiderten: „Wir denken, dass es legitim ist, sich darauf bei den gesetzlich vorgeschriebenen Vergeltungsstrafen zu verlassen, zumal die vorherigen Kalifen sie angewandt hatten.“ 'Umar sagte zu mir: „O Abu Qilaba! Was sagst du dazu?“ Und er ließ mich vor den Menschen sprechen. Ich sagte: „O Führer der Gläubigen! Euch gehören die Befehlshaber der Armee und die Adligen der Araber. Nehmt an, dass fünfzig von ihnen behaupten, ein verheirateter Mann habe außerehelichen Geschlechtsverkehr in Damaskus begangen und sie haben ihn nicht dabei gesehen. Würdet Ihr ihn steinigen lassen?“ Er sagte: „Nein.“ Ich fragte weiter: „Nehmt an, dass fünfzig von ihnen bezeugen, ein Mann habe in der Stadt Homs gestohlen. Würdet Ihr seine Hand abhacken, auch wenn diese Menschen ihn nicht dabei gesehen haben?“ Er antwortete: „Nein.“ [38]

 

Es geht hier um eine exakte Methode und ein genaues System zum Nachweis einer Tat und zugleich um die Behutsamkeit im Umgang mit dem Angeklagten, wenn Zweifel bestehen und die Schuld nicht durch das Gesehene bewiesen werden kann, das hier als Basis des Beweises gilt.


[1] Damit sind hier die Juden und die Christen gemeint. (Die Übersetzerin)

[2] Christliche Nachkommen der alten Ägypter. Sie haben eine eigene Kirche; kopt. Kirche genannt. (Die Übersetzerin)

[3] Sahih Muslim, Buch der Vortrefflichkeit der Sahaba. (2543), Ahmad (5/174).

[4] Dieser Hadith wurde von Al-Hakim überliefert und für authentisch befunden. Al-Dahabi stimmte ihm zu (Al-Mustadrak 2./553) und Al-Albani stufte ihn als authentisch ein (1374).

[5] Muslim, Buch der Vortrefflichkeit der Sahaba (2543), Ahmad (5/174).

[6] Vgl. auch Sahih Muslim (4 /1970) Hadith 227.

[7] Muslim, Buch der Vortrefflichkeit der Sahaba (2543), Ahmad (5/174).

[8] Währungen zur Zeit des Propheten und der folgenden Generation. (Die Übersetzerin)

[9] Der Begriff (Ahlu-Dhimma) bedeutet: freie nichtmuslimischen Untertanen, die in muslimischen Staaten gegen Entrichtung der Kopfsteuer Schutz und Sicherheit genießen. (Die Übersetzerin)

[10] Erklärung von Sahih Muslim 16,/97.

[11] "lsnad" bedeutet die Überlieferungskette des Hadiths. (Die Übersetzerin)

[12] An die Familie des Getöteten. (Die Übersetzerin)

[13] Al-Bukhari, Al-Diyyat, dt: Blutschuld (6502), Muslim, Al-Qasama wa Al-Muharibin wa Al-Qisas wa Al-Diyyat. (1669), Al-Tirmidhi, Al-Diyyat (1422), Al-Nasai, Al-Qasama (4715), Abu-Dawud, Al-Diyyat (4523), Ibn Maja, Al-Diyyat (2677). Vgl. Auch Sahih Al-Bukhari, Buch der Al-Diyyat, Al-Qasama, H. 6898.

[14] Fath Al-Baari 12/231-253.

[15] Erklärung von Muslim 11/147.

[16] Dieser Vertrag wird erwähnt in dem Buch von Abi Ubayd „Al-Amwal" S. 292-295, sowie im Buch von Ibn Zengaweyh 2/466-470, in „Sirat Ibn Hisham" 2/92, in „Al-Rawd Al-Anf“ 4/293 und in der Sammlung der politischen Urkunden S. 41-50.

[17] Al-Amwal 2/472.

[18] Al-Amwal S. 296.

[19] Dieser resultiert aus vertauschten Buchstaben. (Die Übersetzerin)

[20] Die Zivilgesellschaft zur Zeit des Propheten. S. 127f.

[21] Sura 2 al-Baqara (Die Kuh), Vers 222.

[22] Wie die Juden (Die Übersetzerin).

[23] Sahih Muslim - Die Menstruation- B. Die Erlaubnis für die Frau, während der Menstruation ihrem Ehemann den Kopf zu waschen, Hadith Nr.302.

[24] Sahih Al-Bukhari: Medizin (5430), Muslim: Frieden (2189), lbn Maja: Medizin (3545), Ahmad (6/57).

[25] Sahih Al-Bukhari Die Erläuterung des Korans, Sura 3 Das Haus Imran (Ali’-Imran) 8/78 H. Nr. 4566.

[26] Sura 9 Die Reue (at-Tauba), Vers 80.

[27] Damit sind hier die späteren Kharijiten oder Khawarij gemeint, die sich nach der Schlacht von Siffin von Ali Ibn Abi Talib trennten und ihn bekämpften. (Die Übersetzerin).

[28] Sura 9 Die Reue (at-Tauba), Vers 58.

[29] Sahih AI Bukhari, Buch der Reue der Abtrünnigen- Kapitel: Wer die Bekämpfung der Khawarij unterlässt. l2/303 H.N. 6933.

[30] D.h. in al-Hudaibiya.

[31] Sura 48 Der Sieg (al-Fath), Vers 24. Vgl. Die Erläuterung des Korans (2/312-314, H.Nr. 531), Ahmad (Al-Musnad 4/ 86-87), Al-Hakim (Al-Mustadrak 2/460-461). Dieser Hadith mit der Überlieferungskette von Al-Hussein Ibn Waqid ist nach Al-Hakim ein authentischer Hadith nach den Bedingungen von Muslim und Al-Bukhari. Al -Dahabi stimmte ihm zu.

[32] Sahih Muslim - Kitab Al-Jihad Die Eroberung Mekkas, H.Nr. 178.

[33] In einer anderen Version heißt es: Meine Mutter, die noch Götzendienerin war, kam zu mir...usw. (Übersetzerin)

[34] Al-Bukhari- Kitab Al-Adab (Gutes Benehmen 5634), Muslim- Al-Zakah (1003), Abu Dawud- Al-Zakah (1668), Ahmad (6/355). Vgl. auch Al-Bukhari- Kitab Al-Adab, Die Beziehung zu dem heidnischen Sohn sowie die Beziehung der Frau zu ihrer Mutter, 10/413. H.Nr. 5978 und 5979.

[35] Sahih Al-Bukhari- Kitab Al-Adab, Die Beziehung zu dem heidnischen Bruder, 10/414. H.Nr. 5981.

[36] Ibn Jama'a, Badr Al-Deen: Tahrir Al-Ahkam, S. 234.

[37] At- Tirmidhi -Handel (1264), Abu Dawud-Handel (3535), Ad-Darimi-Handel (2597).

[38] Al-Sahih-Blutschuld Al-Qasama. H. Nr. 6899.

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