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Was ist die Sunna - Teil 2

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Der Unterschied zwischen der Sunnah und dem Qur´an

Der Qur´an ist die Grundlage des islamischen Rechts. Es ist die wunderbare Rede Gottes, die dem Gesandten, Gottes Segen und Frieden seien auf ihm, durch den Engel Gabriel offenbart worden ist. Er wurde uns durch so viele zuverlässige Quellen übermittelt, dass seine historische Glaubwürdigkeit absolut unfragwürdig ist. Er wurde als eigenes Buch aufgeschrieben und seine Rezitation ist eine Form des Gottesdienstes.



Was die Sunnah angeht, so ist das alles andere, das vom Gesandten Gottes stammt, außer dem Qur´an. Sie erklärt und liefert Einzelheiten für die Gesetze, die im Qur´an stehen. Sie liefert ebenfalls Beispiele für die praktische Anwendbarkeit dieser Gesetze. Es handelt sich bei ihr also entweder um direkte Offenbarung von Gott oder um Entscheidungen des Gesandten, die dann durch Offenbarung bestätigt wurden. Daher ist die Quelle aller Sunnahs die Offenbarung.

Der Qur´an ist die Offenbarung, der formell als ein Akt des Gottesdienstes rezitierte wird, und die Sunnah ist Offenbarung, die nicht rezitiert wird. Die Sunnah ist also genau wie der Qur´an eine Offenbarung, der Folge geleistet und beibehalten werden muss.

Dem Qur´an muss auf zwei Arten der Vorrang gegeben werden. Einerseits besteht der Qur´an auf wunderbare Art bis zum letzten Vers aus den exakten Worten Gottes. Die Sunnah allerdings muss nicht unbedingt aus dem exakten Worten Gottes bestehen, sondern in der Bedeutung, die uns durch den Propheten erklärt wurde.

Die Stellung der Sunnah im islamischen Recht

Während der Lebenszeit des Gesandten waren der Qur´an und die Sunnah die einzigen Quellen der islamischen Gesetzgebung.

Der Qur´an liefert die allgemeinen Anordnungen, die die Grundlage des Rechts bilden, ohne auf alle Einzelheiten und die sekundäre Gesetzgebung einzugehen, mit Ausnahme weniger Anordnungen, die mit den allgemeinen Prinzipien einhergehen. Diese Anordnungen sind nicht Subjekt der Veränderung im Lauf der Zeit oder der wechselnden Umstände der Menschen. Der Qur´an kommt mit der Glaubenslehre, legt die gottesdienstlichen Handlungen fest, erwähnt die Geschichten der Früheren und liefert sittliche Richtlinien.

Die Sunnah steht in Übereinstimmung mit dem Qur´an. Sie erläutert die Bedeutungen dessen, was im Text unklar ist, liefert Details für das, was allgemein beschrieben ist, spezifiziert, was allgemein gehalten ist und erklärt Anordnungen und Ziele. Die Sunnah kommt ebenfalls mit Anordnungen, die der Qur´an nicht liefert, die aber immer mit seinen Prinzipien harmonieren, und sie fördern immer die Ziele, die im Qur´an hervorgehoben werden.

Die Sunnah ist ein praktischer Ausdruck dessen, was im Qur´an steht. Dieser Ausdruck kann verschiedene Formen haben. Manchmal ist es etwas, das der Gesandte Gottes getan hat. Ein anderes Mal ist es eine Aussage, die er als Antwort auf eine Frage gegeben hat. Manchmal ist es eine Aussage oder Handlung eines seiner Gefährten, die er weder unterbunden noch abgelehnt hat. Im Gegenteil blieb er still oder drückte seine Zustimmung darüber aus.

Die Sunnah erklärt und verdeutlicht den Qur´an auf vielerlei Art. Sie erklärt, wie die gottesdienstlichen Handlungen durchzuführen und die Gesetze anzuwenden sind. Gott befiehlt den Gläubigen das Gebet, ohne die Zeiten, zu denen die Gebete verrichtet werden sollen oder die Art und Weise wie gebetet werden soll, zu erwähnen. Der Gesandte verdeutlichte dies mit seinen igenen Gebeten und indem er die Muslime lehrte, wie sie beten sollen. Er sagte: "Betet, wie ihr mich beten gesehen habt."

Gott machte Hağğ, die Pilgerreise, zur Pflicht, ohne ihre Riten zu erklären. Der Gesandte Gottes erklärte dies, indem er sagte:



“Übernehmt die Riten der Hağğ von mir."

Gott machte die Zakat –Steuer zur Pflicht, ohne zu erwähnen, welche Arten von Vermögen und Produkten besteuert werden. Gott erwähnt auch nicht die Mindestmenge an Vermögen, die zur Steuer verpflichtet. Die Sunnah aber verdeutlicht all dies.

Die Sunnah spezifiziert allgemeine Aussagen aus dem Qur´an. Gott sagt:

“Gott schreibt euch hinsichtlich eurer Kinder vor: auf eines männlichen Geschlechts kommt (bei der Erbteilung) gleichviel wie auf zwei weiblichen Geschlechts... ” (Quran 4:11)

Der Wortlaut ist allgemein auf jede Familie anwendbar und macht jedes Kind zum Erben seiner oder ihrer Eltern. Die Sunnah spezifiziert diese Regel weiter, indem die Kinder der Propheten ausgeschlossen werden. Der Gesandte Gottes sagte:

“Wir Propheten hinterlassen keine Erbschaft. Was auch immer wir hinterlassen ist Almosen.”

Die Sunnah beschreibt ungenaue Aussagen des Qur´an genauer. Gott sagt:

“…und wenn ihr kein Wasser findet, so sucht reinen Sand und reibt euch damit Gesicht und Hände ab… (Quran 5:6)

Der Vers erwähnt nicht das Ausmaß der Hand, lässt die Frage offen, ob man die Hände bis zum Handgelenk oder über den Unterarm reiben soll. Die Sunnah verdeutlicht es und zeigt, dass es bis zum Handgelenk ist, denn der Gesandte Gotts tat es so, wenn er Tayammum machte.

Die Sunnah betont auch, was im Qur´an steht oder liefert sekundäre Gesetzgebungen für ein Gesetz, das darin erwähnt wird. Dies enthält alle Hadith die darauf hinweisen, dass Gebet, Zakahsteuer, Fasten und Hağğ verpflichtend sind.

Ein Beispiel dafür, wie die Sunnah untergeordnete Regelungen für eine Anordnung, die man im Qur´an findet, liefert, ist die Regel, dass es verboten ist, Früchte zu verkaufen, bevor sie beginnen, zu reifen. Die Grundlage für dieses Gesetz bildet die Aussage des Qur´an:

“Bringt euch nicht untereinander in betrügerischer Weise um euer Vermögen! Anders ist es, wenn es sich um ein Geschäft handelt, das ihr in gegenseitigem Übereinkommen abschließt.” (Quran 4:29)

Die Sunnah enthält Regelungen, die nicht im Qur´an erwähnt werden und die nicht verdeutlichen, was im Qur´an erwähnt wird. Ein Beispiel hierfür ist das Verbot, Eselfleisch zu essen und das Fleisch von Raubtieren. Ein weiteres Beispiel ist das Verbot, eine Frau und ihre Tante zur gleichen Zeit zu heiraten. An diese und andere Regelungen, die die Sunnah liefert, muss man festhalten.

Die Verpflichtung, an der Sunnah festzuhalten

Ein Erfordernis des Glaubens an das Prophetentum ist, alles was der Gesandte Gottes gesagt hat, als wahr zu akzeptieren. Gott wählt Seine Gesandten unter Seinen Dienern aus, um Sein Gesetz der Menschheit zu überbringen. Gott sagt:

“…Gott weiß am besten, wem Er Seine Botschaft anvertraut…” (Quran 6:124)

Gott sagt auch:

“…sind die Gesandten für irgend etwas außer für die deutliche Verkündigung verantwortlich?” (Quran 16:35)

Der Gesandte war vor Irrtümern in allen seinen Handlungen beschützt. Gott hat seine Zunge davor bewahrt, irgend etwas anderes als die Wahrheit zu sagen. Gott hat seine Glieder davor geschützt, etwas zu tun, das nicht richtig ist.

Gott hat ihn behütet, irgend etwas das dem islamischen Gesetz widerspricht, zu billigen. Er ist das vollständigste Geschöpf Gottes. Dies geht klar daraus hervor, wie Gott ihn im Qur´an beschreibt:

“Beim Stern, wenn er heruntersaust! Euer Gefährte ist weder verwirrt, noch befindet er sich im Unrecht, noch spricht er aus Begierde. Vielmehr ist es eine Offenbarung, die (ihm) eingegeben wird.” (Quran 53:1-4)

Wir sehen an den Hadithen, dass keine Umstände, egal welcher Art, den Propheten davon abhalten konnten, die Wahrheit zu sagen. Auch wenn er wütend war, beeinträchtigte das seine Sprache nicht. Er sagte nie etwas Falsches, auch wenn er scherzte nicht. Seine eigenen Interessen ließen ihn nie schwanken. Das einzige Ziel, das er verfolgte, war das Wohlgefallen Gottes.

Abdullah b. Amr b. al-Aas berichtete, dass er alles niederschrieb, was der Gesandte Gottes zu sagen pflegte. Dann verbot der Stamm der Quraisch ihm, dies zu tun, als sie sagten: "Schreibst du alles auf, was der Gesandte Gottes sagt, und er ist nur ein Mann, der mit Zufriedenheit und mit Ärger spricht?"

Abdullah b. Amr hörte auf zu schreiben und erzählte dies dem Gesandten Gottes, der ihm sagte:

“Schreib´, denn bei Dem in Dessen Hand meine Seele ist, nur Wahrheit kommt hier heraus.” …und er zeigte auf seinen Mund.

Der Qur´an, die Sunnah und der Konsens der rechtsgelehrten betonen alle die Tatsache, dass es Pflicht ist, dem Gesandten Gottes zu gehorchen. Gott sagt im Qur´an:

“O ihr, die ihr glaubt, gehorcht Gott und gehorcht dem Gesandten und denen, die unter euch Befehlsgewalt besitzen. Und wenn ihr über etwas streitet, so bringt es vor Gott und den Gesandten, wenn ihr an Gott glaubt und an den Jüngsten Tag...” (Quran 4:59)

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