Über den Islam

Der Islam und der Kapitalismus

Der Islam und der Kapitalismus

 


Der Kapitalismus entstand nicht in der islamischen Welt, da er erst nach der Erfindung der Maschinen geboren wurde. Das Zeitalter der Industrialisierung hatte, wie wir alle wissen, seinen Anfang im Westen. Dies hätte jedoch nicht zwingend der Fall sein müssen, wenn die islamische Herrschaft in Andalusien angedauert hätte und nicht durch die Bemühungen der Inquisition ihr Ende genommen hätte. 

Gewiss, die wissenschaftliche Bewegung in Andalusien war auf dem besten Weg zur Erfindung der Maschine, jedoch die politischen Entwicklungen vertrieben die Muslime aus diesem Land, und so verspätete sich der wissenschaftliche Fortschritt um einige Jahrhunderte, bis Europa endlich aus seinem Dornröschenschlaf der Unwissenheit erwachte, und sich die Forschungen und das Wissen der Muslime aneignete, sowie auch das Wissen der Griechen, das ebenfalls in den Bibliotheken der islamischen Welt erhalten geblieben war. Von diesem Moment an stieg die westliche Welt in der Leiter der Wissenschaft und Forschung nach oben und wurde führend auf dem Gebiet der Erfindungen.

Der Kapitalismus wurde vielmehr in die islamische Well verschleppt, als sie in Armut, Unwissenheit. Krankheit und Rückständigkeit ertrinkend, dem Griff Europas ausgeliefert war. Er nahm seinen Weg im Namen des "Fortschritts", und einige glaubten, dass der Islam den Kapitalismus in seinen guten wie in seinen schlechten Eigenschaften akzeptiere, da er auch das Recht auf persönliches Besitztum gutheißt. Man glaubte daran, dass dieses Recht im Laufe der Zeil und des allgemeinen Fortschritts eben zum kapitalistischen Besitzrecht geworden sei, und dass daher vom islamischen Gesetz und System her nichts dagegen einzuwenden sei, denn wenn der Islam den Ursprung befürwortet. Dann kann er auch gegen das Ergebnis nichts vorzubringen haben!

 

Als Antwort auf solche Gedanken würde bereits eine einfache Binsenweisheit genügen, die jeder kennt, der ein bisschen Ahnung von Ökonomie hat, nämlich, dass der Kapitalismus nicht ohne seine Zinsen- und Monopol Wirtschaft entstehen und zu dem Ausmaß, das er heute besitzt, anwachsen konnte. Beides sind Dinge, die der Islam bereits vor mehr als tausend Jahren, und noch lange bevor es den Kapitalismus gegeben hat, eindeutig verboten hat!

Wir wollen uns jedoch nicht so sehr mit unserer Antwort beeilen, sondern einmal von der Annahme ausgehen, die Maschine wäre in der islamischen Welt erfunden worden Wie wäre der Islam diesem enormen ökonomischen Fortschritt, der durch diese Erfindung ins Rollen gebracht worden wäre, gegenübergestanden? Wie hätten die islamische Gesetzgebung und das islamische System die Beziehung von Arbeit und Produktion behandelt?

Die Wirtschaftsexperten, auch jene, die wie Karl Marx dem kapitalistischen System feindlich gegenüberstehen, sind sich darüber einig, dass der Kapitalismus bei seinem Entstehen einen gewaltigen Schritt nach vorne in der Entwicklung der Menschheit tat. und dass er für sie auf den verschiedensten Gebieten große Dienste geleistet hat. So vergrößerte sich die Produktion, es verbesserten sich die Verkehrsmittel, und die natürlichen Ressourcen wurden in noch nie dagewesenem Ausmaß genützt. Die Lebensqualität der Arbeiterklasse wurde im Vergleich zu ihrer früheren Abhängigkeit von der landwirtschaftlichen Produktion verbessert. Diese Sonnenseite war jedoch nicht von allzu langer Dauer, da der Kapitalismus in seiner natürlichen Entwicklung, wie manche sagen, dazu führte, dass sich der Reichtum in den Händen einiger weniger ansammelte, während das Kapital der Arbeiter immer weiter schrumpfte. So beschäftigte der Besitzer des Kapitals den Arbeiter, der nach kommunistischer Meinung der eigentliche Produzent ist. um die größtmögliche Produktionsrate zu erzielen. Er bezahlte dem Arbeiter dafür einen niedrigen Lohn, während er den Wertzuwachs in Form von atemberaubenden Gewinnen einstrich und damit ein Leben in unerhörtem Luxus führte. Dem Arbeiter hingegen war es von seinem kargen Lohn nicht einmal möglich ein menschenwürdiges Dasein zu fristen.

Hier setzt bereits der nächste Schritt an: Der niedrige Lohn des Arbeiters erlaubt ihm nicht, sich der Produktion in ausreichendem Maße zu bedienen. Andererseits kann der Lohn des Arbeiters nicht so weit erhöht werden, dass die Produkte im eigenen Land vollen Absatz finden, denn so würden die Gewinnbeträge in empfindlichem Ausmaß heruntergesetzt werden, was wieder der kapitalistischen Idee zuwider läuft, denn sie produziert ausschließlich zur Erzielung von Gewinn. Und hier genau beginnt der Zuwachs der produzierten Waren, der die kapitalistischen Länder veranlasst, auf der Suche nach neuen Absatzmärkten ihre Hand nach Kolonien auszustrecken, aus denen man gleichzeitig billige Rohstoffe einfuhren konnte. Was dann noch auf den Märkten liegenblieb, verbrauchte sich in fürchterlichen, alles zerstörenden Kriegen...!

Trotzdem ereigneten sich in der Geschichte des Kapitalismus einige Krisen als Folge der ständig kleiner werdenden Reallöhne und der weltweiten Absatzkrisen im Vergleich zur steigenden Produktionsrate.



Es gibt einige, die in ihrer Naivität behaupten, dass diese Missstände von den Besitzern des Großkapitals nicht beabsichtigt waren, und dass sie gar keine Absicht gehabt hätten, andere auszunützen, es handelte sich vielmehr um die Natur des Kapitals, die diese Entwicklungen verursachte! Diese Gedanken beweisen den Charakter von passiven Menschen, die vor der Macht des Kapitals kraft- und hilflos stehen und ihre Persönlichkeit verloren haben. Wir wollen indes zurückkehren zu unserer Frage, was wäre geschehen, wenn der Kapitalismus sich in der islamischen Welt entwickelt hätte?

Der erste Schritt dazu ist die Behauptung der Wirtschaftsexperten, dass der Kapitalismus in seinen Anlangen für die Menschheit viel Gutes gebracht hätte, bzw. dass das Gute in ihm das Überwiegende gewesen wäre, und dass der Islam daher nichts gegen diese Wirtschaftsform einzuwenden gehabt hätte, da es seine Aufgabe sei, das Gute auf der Welt zu unterstützen und zu verbreiten.

Es liegt jedoch nicht in der Natur des Islam, solche Entwicklungen ohne einen gesetzlichen Rahmen zu belassen, der die Ausbeutung, die mit dem Kapitalismus einhergeht, egal ob sie nun vom Besitzer des Grundkapitals veranlasst und beabsichtigt ist oder nicht, verhindert hätte. Die gesetzlichen Bestimmungen, die das islamische Recht vorsieht, definieren den Arbeiter als Teilhaber des Finanziers am Gewinn. Einige Rechtsgelehrte der malikitischen Schule gingen sogar so weit, das Verhältnis der Teilhaberschaft des Arbeiters zu der des Geldgebers mit der Hälfte am gesamten Gewinn festzulegen, da die Anstrengung des Arbeiters mit der des Geldgebers in gleichem Verhältnis zu setzen seien.

Es fällt einem sofort die fast schon befremdend wirkende große Fürsorge auf, mit der der Islam auf die Herstellung, das Wachsen und die Fortdauer der allgemeinen Gerechtigkeit achtet. Und dies nicht aufgrund von wirtschaftlichen Zwängen, die den damaligen Rechtsgelehrten noch gar nicht bekannt waren, und nicht aufgrund der Auseinandersetzungen zwischen den unterschiedlichen Klassen, die gewissen wirtschaftlichen Theorien erst den Anstoß dazu gaben, sich als die wahren treibenden Kräfte zur Entwicklung der ökonomischen Beziehungen zu verstehen. Zu jener Zeit hatte die gewerbliche Produktion einen äußerst einfachen, handwerklichen Charakter, bei der wenige Arbeiter in einem bescheidenen Betrieb arbeiteten. Diese Gesetzgebung, die wir vorhin aufgezeigt haben, war jedoch bereits die Garantie für eine gerechte Beziehung zwischen Geldgebern und Arbeitern. Von solcher Redlichkeit konnte Europa in seiner langen Geschichte nur träumen!

Die islamischen Rechtsgelehrten blieben jedoch an diesem Punkt stehen, da über die islamische Welt inzwischen alle Arten von Katastrophen hereinbrachen, angefangen von den Mongolen bis zum Auftreten ungerechter tyrannischer Herrscher, vom Zusammenbruch Andalusiens bis zur inneren Zersetzung, die den Muslimen alle Kraft für den nötigen Fortschritt raubte, und sie zur Heimat der geistigen, seelischen und gefühlsmäßigen Unterdrückung machte, an der sie bis heute leidet. Während dieser Zeit der Stagnation machte die Welt eine ungeheuer rasche Entwicklung durch, entdeckte immer wieder neue Maschinen und neue Formen der menschlichen Beziehungen, an denen der Islam keinen Anteil hatte und von rechtswissenschaftlicher Seite keinen Beitrag leistete. Aber Fiqh (das islamische Recht) und Schari'a (die offenbarten Rechtsgrundlagen) sind voneinander verschieden, denn in der Schari'a liegen die festgesetzten bleibenden Grundlagen, die die allgemeinen Prinzipien enthalten (und zusätzlich dazu auch manchmal genaue Erklärungen und Details). Fiqh hingegen ist die Anwendung der Grundsätze in ihrer Entwicklung, die aus der Schari'a ableitet, was der jeweiligen Zeit entspricht. Es ist also ein flexibler Charakter, der nicht in einem bestimmten Zeitalter oder bei einer bestimmten Generation Halt macht.

Daher bedarf es für uns keiner großen Anstrengung, für die Entwicklung des Kapitalismus einen rechtlichen Rahmen aus der Schari'a abzuleiten, da sie uns mit klaren Prinzipien ausgestattet hat. die keine Veränderung oder eigenmächtige Interpretation dulden.

Wenn wir wieder auf das Urteil der Wirtschaftsexperten zurückgreifen, die die Wirtschaftsgeschichte beschreiben, so lesen wir, dass sich der Kapitalismus im Laufe seiner Entwicklung mehr und mehr auf die Volksverschuldung stützte, auf der das Finanzierungssystem errichtet wurde, das die gigantischen kapitalistischen Projekte finanzierte. Zu diesem Zweck wurden Banken eingerichtet, die Kredite gaben, die sodann mit Zinsen aus den erfolgten Gewinnen wieder zurückbezahlt werden mussten. Wir brauchen hierzu nicht mehr weiter in schwierige Details der Ökonomie eindringen, und wer dies dennoch wünscht, findet genügend Fachliteratur. Was uns vielmehr interessiert, ist die Tatsache, dass diese Kredite, wie auch andere Transaktionen, die die Banken tätigen, auf dem Nehmen und Geben von Zinsen aufgebaut sind, was vom Islam eindeutig und unwiderruflich verboten wurde.

Fachleute sind außerdem der Meinung, dass der Wettbewerb unter den Firmen letztlich zum Zusammenbrechen der kleineren Firmen führt, bzw. in einer Assimilation der kleinen Firmen durch die großen endet, aus denen riesige Konzerne entstehen, die Monopolstellung besitzen. Dies ist eine Tatsache, die heule überall auf der Welt klar zu erkennen ist. Die Schaffung von Monopolen ist aber ebenfalls eine Angelegenheit, die vom Islam durch eindeutige Aussprüche des Propheten untersagt wurde. (1)

 

Ausgehend von diesen beiden Vorbedingungen wäre es unmöglich zu einem solch schrecklichen Bild von Ausbeutung, Imperialismus und zerstörerischen Kriegen gekommen, wenn er im Schoß des Islam aufgewachsen wäre. Zu welcher Erscheinung wäre es jedoch im Islam gekommen? Wäre er bei der bescheidenen Produktion stehen geblieben, die wir in der islamischen Rechtsauslegung noch vorfinden, oder hätte er einen anderen Weg genommen? Eine regressive Produktionsrate ist sicherlich nicht im Sinne des Islam, da er auf Progression ausgerichtet ist. So ist kein Zweifel daran, dass er seinen Weg zur Massenproduktion genommen hätte.

Was aber die Entwicklung der Produktionsvoraussetzungen und -bedingungen anbelangt, so wäre sehr wahrscheinlich ein anderes Bild vor uns entstanden, wenn es in der Obhut der islamischen Gesetzgebung herangewachsen wäre, so wie es sich aus dem Beispiel der Beteiligung an der Hälfte der Gewinne erahnen lässt.

Der Islam hätte also zuerst zwei Dinge zum Verschwinden gebracht, nämlich Zinsen und die Errichtung von Monopolen, die beide durch seine Scharfe verboten sind. Des weiteren hätte er das abscheuliche Unrecht ausgemerzt, durch das die Arbeiter zur Beute der Unternehmer wurden, die ihre Arbeitskraft schamlos ausnutzten, und sie einem Leben der demütigenden Armut und verachtenden Unterdrückung auslieferten. Dies alles sind Elemente und Zustande, die der Islam nicht zulassen kann. Es soll niemand meinen, dass der Islam zu diesem Ergebnis nicht gekommen wäre, ohne all die bitteren Erfahrungen und schwierigen Phasen des wirtschaftlichen Drucks und des Klassenkampfs durchzustehen, der ihn dazu gezwungen hätte, seine Gesetzgebung zu ändern und anzupassen. Wir haben bereits vorher den Beweis dafür gesehen, dass der Islam imstande war, die Entwicklung der Menschheit zu überholen und in den Schatten zu stellen, wie dies in seiner Gesetzgebung bezüglich der Sklaverei und der Leibeigenschaft, und selbst in der Form eines einfachen Kapitalismus der Fall war. Dies alles geschah, ohne dass Druck von außen auf ihn ausgeübt worden war, aus freiem Begreifen des Rechts und der Gerechtigkeit, beides urewige und unveränderliche Wahrheiten, über die Friedrich Engels und andere seiner Genossen zu spotten wagten. Genauso wie sich erwies, dass Russland selbst sich aus der Phase des Feudalismus zum Kommunismus aufschwang, ohne deshalb die kapitalistische Phase durchlaufen zu müssen. Gerade dieser Staat, der sich auf der Philosophie von Karl Marx begründete, ist der erste Gegenbeweis für dessen Theorie der Entwicklungsphasen der Menschheit, von denen er behauptet, dass sie durchlaufen werden müssen.

 

Der Imperialismus und die Kriege der Ausbeutung, die den Kapitalismus gemeinsam mit anderen bösen Erscheinungen begleiteten, sind von vornherein außerhalb der Kalkulation, da der Islam solche Methoden nicht zu seinen Grundprinzipien zählt. Der einzige Krieg, der akzeptiert wird, ist jener, der zur Abwehr gegen bewaffnete Feinde geführt werden darf, oder wenn der friedlichen Bekanntmachung des Islam ein bewaffneter Aggressor gegenübersteht. Der Islam steht auch außerhalb der kommunistischen Theorie, dass der Imperialismus ebenfalls eine notwendige Phase in der menschlichen Entwicklung gewesen wäre, den keine Ideologie oder Religion hätte aufhalten können, da er durch die Überproduktion verursacht wurde, für dessen Abbau notwendigerweise andere Absatzmärkte gefunden werden mussten. Es gibt gar keinen Grund für all dieses Geschwätz, denn die Kommunisten selbst behaupten, dass sie dieses Problem mit einer anderen Taktik in den Griff bekommen, indem sie den Anteil der Arbeiter an der Produktion erhöhen, oder eine Kürzung der Arbeitszeit einführen, so dass kein Überschuss entsteht. So braucht es auch keinen Kolonialismus, um ihn wieder abzubauen.

Das Argument der Kommunisten steht aber schon alleine deshalb auf schwachen Beinen, da der Imperialismus eine sehr alle Erscheinung in der menschlichen Gesellschaft ist und nicht erst des Kapitalismus zu seiner Entstehung bedurfte. Er legte vielmehr nur an Unmenschlichkeit hinzu, da er über zerstörerische Mittel verfügte, die früher nicht bekannt waren. Was jedoch das Prinzip anbelangt, so unterscheidet sich der Imperialismus des 19. und 20. Jahrhunderts in seiner Abscheulichkeit nicht von dem der alten Römer. Die Geschichte zeugt davon, dass der Islam seine Kriege, mit wenigen Ausnahmen, die man vernachlässigen kann, nicht zur Ausbeutung und Unterjochung anderer Völker missbrauchte. Es wäre auch nicht nötig gewesen, das Problem der Überproduktion als solches zu lösen, da es ja eigentlich nichts anderes als ein Erzeugnis des Kapitalismus ist, das es gar nicht gegeben hätte, wenn die Grundlagen und Methoden andere gewesen wären! (2)

All dies ist erst eine Seite der Medaille. Die andere ist, dass der oberste Vertreter der Muslime nicht untätig dastehen würde, um zuzusehen, wie sich Reichtum in der Hand einiger ansammelt, während die übrige Masse des Volkes in einem Zustand der Armut und Entbehrung versinkt. Dies wäre ein klares Vergehen gegen die eindeutigen Anweisungen für die Verteilung des Vermögens auf die Gemeinschau: "Was Allah Seinem Gesandten gegeben hat, das ist für Allah und für den Gesandten und für die Verwandten und die Waisen und die Armen und den Sohn des Weges, damit es nicht nur bei den Reichen unter euch herumlauft." (59:7).

Es ist die Aufgabe des "ersten Mannes" im muslimischen Staat, die Prinzipien der Scharia zu vertreten und mit allen ihm zur Verfügung stehenden erlaubten Mitteln zu verteidigen. Er besitzt in seiner Hand zur Verwirklichung dieser Prinzipien eine weitausgreifende Macht, deren Grenzen allein der Gehorsam gegenüber Gott festlegt. Allein schon das System der Erbschaft weist auf eine völlig unterschiedliche Vorgangsweise hin, indem der Reichtum eines einzelnen auf eine ganze Generation von Erben aufgeteilt wird. Oder das Prinzip der Zakat, bei der ein Vierzigstel des gesamten Vermögens und der jährlichen Gewinne abgezweigt wird, um an die Armen verteilt zu werden. Oder die gegenseitige Vereinbarung, dass das brachliegende Kapital in schweren Zeiten bei Investitionen des Staates verwendet werden kann, soweit es die Staatskasse benötigt. Außerdem das Verbot des Hortens von Vermögen und das Verbot von Zinsen, die der Hauptgrund für das überdimensionale Anhäufen von Besitz sind. Und zu guter Letzt die Natur der Beziehungen der Mitglieder der Gesellschaft untereinander, die auf gegenseitige Unterstützung aller aufgebaut ist.

 

Betrachten wir des weiteren die Sicherheiten, die der Prophet den Staatsbeamten gewährte, um ihre grundlegenden Bedürfnisse zu erfüllen: "Wer für uns arbeitet und keine Wohnung hat, dem soll eine gegeben werden, wer nicht verheiratet ist, dem soll eine Ehefrau gegeben werden, wer keinen Diener hat, dem soll einer gegeben werden, wer kein Reittier (zu seiner Fortbewegung) hat, dem soll eines gegeben werden." (Überliefert von Ahmad und Abu Dawud). Diese Bestimmungen gellen aber nicht nur für die Beamten, sondern sie sind vielmehr Grundforderungen für jedermann, deren Erfüllung man durch die Arbeit, die direkt für den Staat oder an anderer Stelle für das Wohl der Gemeinschaft getan wird, erlangt. Wenn der Staat seinen Beamten diese Zusicherungen gibt, so hat er auch dafür zu sorgen, dass jedem anderen, der für das Wohl des Staates arbeitet, die gleichen Garantien gegeben werden. Zusätzlich dazu übernimmt der Staatshaushalt die Sorge für jene, die aus bestimmten Gründen nicht zur Arbeit fähig sind, wie z.B. Kranke, alte Leute oder Kinder, und hilft Bedürftigen, denen es nicht möglich ist, den Grundanforderungen des Lebens selbst nachzukommen. Die Art und Weise, in der die Grundbedürfnisse des Arbeitenden erfüllt werden, ist nicht wesentlich und kann je nach Zeil und Möglichkeit variieren. Das Wesentliche ist das Prinzip, das der Verteilung von Gewinn und Verlust auf die verschiedenen Seiten der Gesellschaft zugrundeliegt. Indem der Islam den Arbeitern diese Sicherheiten gibt, schützt er sie vor übler Ausbeutung und garantiert ihnen ein freies und achtbares Leben.

 

Aber der Islam gibt sich nicht nur mit dem Festlegen von Gesetzen für die Wirtschau oder für andere Bereiche des Lebens zufrieden. Er versucht auch die charakterliche und seelische Rechtleitung, die Kommunisten lächerlich finden, da sie ihrer Meinung nach im leeren Raum angesiedelt ist ohne auf einem praktischen Prinzip aufzubauen. Der Islam jedoch geht einen anderen Weg. Er trennt nicht zwischen Gesetzgebung auf der einen Seite und Charakter- und Seelenbetreuung auf der anderen. Er verbindet in seiner einzigartigen Weise die Bildung des Geistes mit der Gesellschaftsordnung und bringt sie in Übereinstimmung miteinander. Er lässt nicht das Individuum verloren und ratlos dastehen vor dem Problem, wie Vorbild und Realität zu vereinbaren wären. Der Islam baut sein Gesetz auf dem Charakterprinzip auf und lässt die Bildung des Charakters im Einklang mit dem Gesetz geschehen, und so treffen sich die beiden Seiten in ein und demselben System, und jede wird das ergänzende und verbindende Glied der anderen.

Der Anspruch des Charakters verbietet das Leben in Luxus und bekämpft es. Oder entsteht denn aus dem Horten von Besitz und Vermögen etwas anderes als der Wunsch nach einem ausschweifenden Leben im Luxus? Der Charakter ist es, der es verbietet, den Arbeiter auszunützen und ihn zu unterdrücken, indem man ihm nicht genügend Lohn bezahlt. Oder woraus erwachsen große Gewinne, wenn nicht aus der Ausbeutung der Arbeiter? Der Charakter ist es auch, der den Menschen dazu veranlasst, selbst sein gesamtes Vermögen in den Dienst Gottes zu stellen. Oder woraus entsteht die Armut der meisten Völker dieser Welt, wenn nicht aus dem Egoismus der Reichen, die ihr Vermögen nur für sich selbst verwenden, anstatt um Gottes Willen das Gute zu tun? (3)

Die Seele ist es. die den Menschen mit Gott verbindet, ihn alle Schätze dieser Welt vergessen oder unwichtig erscheinen lässt, und ihn nur noch danach trachten lässt. Gott zufrieden zu stellen und auf seinen Lohn im Jenseits warten lässt. Oder würde der Mensch noch länger danach trachten, sich Vermögen anzusammeln und dafür andere zu demütigen und auszunutzen,
wenn zwischen ihm und Gott eine Verbindung existierte?

 

So ist es der Charakter und die Seele des Menschen, die den Weg der Gesetzgebung vorbereiten, die dem Kapitalismus entgegensteht, so dass es letztlich nicht die Furcht oder der Gehorsam vor dem Staat ist, der die Gesetze entstehen lässt, sondern sie aus einem inneren Bedürfnis des Gewissens erwachsen.

 

Der Kapitalismus, den wir heute in der islamischen Welt in seiner erschreckendsten Form erleben, hat mit dem Islam nichts gemeinsam, und er ist auch nicht verantwortlich dafür, denn es ist nicht der Islam, der das Leben dieser Menschen bestimmt, weder im Großen noch im Kleinen!

 


Fußnoten:

  1. Es gibt zahlreiche Aussprüche des Propheten, die die Monopolisierung verbieten. Wir wollen den kürzesten und treffendsten wählen: "Wer alles an sich rafft, der ist am Irrweg." (überliefert von Muslim, Abu Dawud und Tirmidhi)
  2. Siehe das Buch „Ar-Riba“ von Prof. Abu-I-A’la Maudoodi
  3. Damit ist nicht gemeint, dass die Besitzer von Firmen und Fabriken Almosen bezahlen sollen, «indem dass sie sich mit etwas weniger Gewinn zufrieden geben und den Rest für wohltätige Zwecke ausgeben, wie z.B. der Errichtung von Schulen und Krankenhäusern. Siehe das Kapitel "Der Islam und Almosen"

 

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