Über den Islam

Zakah

Der Islam und das Recht auf Eigentum

 


Ist der Drang nach persönlichem Besitz eine natürliche Veranlagung des Menschen?

Die Kommunisten bestehen darauf, dass dies nicht der Fall ist. Sie gehen von der Annahme aus, dass die erste Gesellschaft im Urkommunismus lebte, also in einer Gesellschaftsform, in der es nichts gab. was einer bestimmten Person gehörte. Alles war Besitz der gesamten Gemeinschaft, die durch einen Geist der Brüderlichkeit und Zusammenarbeit geführt wurde. Aber dieses engelsgleiche Zusammenleben war leider nicht von langer Dauer. Mit der Entdeckung des Ackerbaus begann der Streit um den Boden, der bebaut werden sollte und um die Produktionsmittel. Und damit begannen auch die ersten Kriege... und so gewann für die Menschheit die Gier nach persönlichem Besitz an Bedeutung, und bis heute noch ist sie damit beschäftigt, sich deswegen gegenseitig aufzureiben. Aus diesem Übel gibt es nur noch einen Ausweg, nämlich wieder zum Urzustand, also dem Kommunismus, zurückzukehren, in dem das Individuum nichts besitzt, sondern nur die Gemeinschaft, und auf diese Weise wieder Eintracht und Frieden unter den Menschen einkehrt!

* * *

Verlassen wir für ein Weilchen die Kommunisten, und wenden wir uns den Psychologen und Soziologen zu, zwischen denen große Meinungsverschiedenheit darüber herrscht, was man als natürliche Veranlagung des Menschen bezeichnen kann, und welche anerworbenen Verhaltensweisen in seinen Gefühlen und seinem Denken bestimmend sind. Natürlich sind sie sich auch nicht darüber einig, ob nun der Drang nach persönlichem Besitz eine angeborene Verhaltensweise oder der Einfluss der Umwelt auf den Menschen ist. Ist der Grund dafür, dass ein Kind sein Spielzeug an sich reißt und festhält darin zu suchen, dass es nicht genug davon hat, oder weil andere versuchen, es ihm wegzunehmen? Denn wenn zehn Kinder um ein Spielzeug geschart sind, dann ist es eine natürliche Reaktion, dass sie darum streiten. Wenn hingegen für zehn Kinder auch zehn Spielsachen zur Verfügung stehen, so gibt sich jedes mit einem Spielzeug zufrieden und es gibt keinen Streit mehr…(?)

Als Antwort auf diese und jene Behauptungen gibt es einiges zu sagen:

1.) Keiner dieser Wissenschaftler konnte bisher beweisen, dass der Drang nach Besitz keine natürliche Veranlagung des Menschen ist. Alles was bisher gesagt wurde, ist, dass es keinen eindeutigen Beweis dafür gibt, dass dem nicht so ist. Der Unterschied zwischen links gerichteten Gelehrten und anderen besteht einzig darin, dass erstere, sollte ein eindeutiger Beweis gegen ihre Theorie gefunden werden, sie ihn trotzdem ablehnen wurden, da dies ein Widerspruch zu ihren Gedanken wäre.

2.) Das angeführte Beispiel von den Kindern und deren Spielsachen ist keine schlüssige Beweisführung. Denn wenn es zehn Kinder und zehn Spielsachen gibt, und die Kinder ohne um das Spielzeug zu zanken sich beschäftigen, so heißt das nur, dass der Wunsch nach Besitz sich im Falle der Gleichberechtigung mit dem Anteil, der ihm wie den anderen zugedacht wird, zufriedengibt. Das macht aber den Drang nach Besitz zu greifen nicht ungeschehen, sondern begrenzt einzig und allein sein Ausmaß. Außerdem wird ein Beobachter bei solchen Situationen bemerken, dass mehrere Kinder versuchen werden, auch das Spielzeug von anderen zu erlangen, und dass es einigen gelingen wird, auf Kosten von anderen sich mit mehr einzudecken, was aber auch noch nicht bedeutet, dass die Verlierer nicht ebenso den Wunsch hätten, mehr zu besitzen!

3.) Der engelsgleiche Zustand, den die Kommunisten annehmen, und für dessen geschichtliche Existenz wir keinerlei Beweise besitzen, fand statt, noch ehe es die Möglichkeit zu Produktion gab. Wie hätte man sich also um etwas streiten können, was noch gar nicht vorhanden war? Sie ernährten sich von den Früchten der Bäume direkt und ohne sich dafür besonders anstrengen zu müssen. Die Jagdmethoden, derer sie sich bedienten, verlangten natürlich nach der Gemeinschaftlichkeit, da die Gefahr, als einzelner Jäger von den Bestien zerrissen zu werden, die Menschen dazu zwang. Das bedeutet jedoch noch lange nicht, dass es nicht doch einzelne Mutige gab, die alleine auf die Jagd gingen, um dadurch ihren Mut und somit ihre Sonderstellung unter den Menschen zu beweisen. Dies ist eine äußerst wichtige Eigenschaft, auf die wir noch zurückkommen werden. Es gab auch keine Möglichkeit das Erjagte für längere Zeit aufzubewahren, da es verdorben wäre. So machte man sich in der Stunde des Bedarfs fertig zur Jagd. So kann das Fehlen einer Auseinandersetzung um Besitz nicht als Beweis dafür dienen, dass es den Drang zu besitzen gar nicht gab, denn es war nichts vorhanden, worum es hätte Streit geben können. Die Tatsache, dass mit der Erfindung des Ackerbaues die Auseinandersetzung um Besitz ihren Anfang nahm, ist der Nachweis dafür, dass der innewohnende Drang freigesetzt wurde, der bis dahin keinen Anlass gehabt hatte, sich zu zeigen.

4.) Niemand bedachte bis zu diesem Augenblick die Stellung des Kampfes der Männer um den "Besitz" der Frauen. Denn wenn auch behauptet wird, es hatte einen sexuellen Kommunismus gegeben, so kann uns doch niemand beweisen, dass dies hundertprozentig richtig ist. Selbst wenn die Frau als Allgemeinbesitz gegolten hätte, so verhindert das noch lange nicht vehemente Auseinandersetzungen um eine in den Augen der männlichen Bevölkerung besonders reizvolle und schöne weibliche Person. Und hier sind wir beim entscheidenden Punkt angelangt, der von besonderer Wichtigkeit bei der Erläuterung dieses Themas ist. Wenn alles und jedes sich ähnelt und gleichwertig ist, so gibt es darum auch keinen Streit. Sobald sich aber die Werte und die Dinge voneinander unterscheiden und in den Augen der Menschen als wertvoll oder unwichtig erscheinen, so kommt es selbst im engelsähnlichen Zustand der urkommunistischen Gesellschaft zum Kampf und zur Auseinandersetzung, auf dem sich schließlich auch die Träume für die ferne Zukunft errichten.



5.) Niemand konnte bis jetzt verneinen, dass es keine Anstrengungen gegeben hätte, sich durch besondere Eigenschaften, wie z.B. Mut, Stärke und Ausdauer von anderen zu unterscheiden. Betrachten wir doch die Naturvölker, die in ihren ursprünglichen Bräuchen leben, und die die Kommunisten gerne als Paradebeispiel ihrer Theorien verwenden. So gibt es unter ihnen solche, die nur dem Mann ihre Tochter zur Frau geben, der hundert Peitschenhiebe aushalten kann, ohne zu jammern oder zu stöhnen. Warum das? Und warum akzeptieren die Jünglinge solche Torturen als Beweis ihrer besonderen Fähigkeiten? Wenn sich alles nach einer völligen Gleichberechtigung ausrichtet, was bringt dann den Einzelnen dazu, von sich zu behaupten: "Ich bin nicht wie alle anderen, sondern besser!"? Dies ist der zweite Punkt, von dem wir glauben, das er von Bedeutung ist. Denn wenn man von der Annahme ausgeht, dass der Drang zum Eigentum keine angeborene Eigenschaft des Menschen ist, so verbindet sich dies mit einem weiteren ursprünglichen Merkmal des Menschen, nämlich dem Drang, sich selbst von anderen zu unterscheiden, beides Eigenschaften, von denen sich der Mensch seit seinen Anfängen bis heute nicht befreien konnte.

* * *

Verlassen wir das Gebiet der möglichen Theorien und Vermutungen und begeben wir uns zur Frage, was der Islam zum persönlichen Eigentum zu sagen hat.

Die Kommunisten gehen davon aus, dass der Drang nach Besitz und Eigentum ständig in Begleitung mit Unterdrückung und Unrecht einhergeht.

und dass es nötig ist, die Menschheit von diesem Drang zu befreien, um ihre Ruhe und Eintracht zu geben. Sie übersehen dabei jedoch die wichtige Tatsache, dass es ohne diese Angewohnheit des Menschen keinen Fortschritt geben kann, so wie dies der Fall war in der Zeit des Urkommunismus. Daher ist dieser Kampf um das Eigentum nicht ausschließlich ein Element des Bösen, sondern seine Existenz ist eine seelische und gesellschaftliche Notwendigkeit, jedoch müssen ihm vernünftige Grenzen gesetzt werden. [1]

Der Islam geht nicht davon aus, dass der Wunsch nach persönlichem Besitz der Anlass für das Unrecht ist, das die Menschheit plagt. Das Unrecht und die Unterdrückung erwachsen vielmehr aus der Schaffung einer besitzenden Klasse in der Gesellschaft, die die Gesetze festlegt und über die Gesellschaft regiert und richtet. Denn selbstverständlich erlässt sie diese Gesetze zu ihrem eigenen Vorteil und richtet nach ihrem Gutdünken. Im Islam existiert jedoch keine bestimmende Kategorie von Menschen, und das Gesetz wird nicht von der vermögenden Gesellschaftsschicht gemacht, sondern es stammt von Gott, dem Schöpfer aller Menschen. Vom Begriff des Islam her sind alle Menschen gleichwertig, und keiner ist einem anderen vorrangig außer in der Gottesfurcht, aber sie sind alle völlig gleich vor dem Gesetz, das für alle gleich angewendet wird. [2]

Das Oberhaupt des islamischen Staates wird durch eine freie Wahl des gesamten muslimischen Volkes gewählt, und er gehört keineswegs einer besonderen Klasse an, um zur Wahl aufgestellt zu werden. Nachdem er sein Amt ergreift, erstreckt sich sein Herrschafts- und Machtbereich nur auf die Scharia, die nicht von ihm, sondern von Allah stammt. So sagte Abu Bakr: "Gehorcht mir, solange ich (in meinem Tun) Allah gehorche, wenn ich mich (aber) Allah widersetze, so gebührt mir kein Gehorsam von eurer Seite mehr." Das Gesetz räumt ihm keinerlei Vorzugsrechte gegenüber den anderen Menschen im muslimischen Staat ein. Daher kann er selbst auch nicht eine Klasse oder Gruppe einer anderen vorziehen, und z.B. der besitzenden Klasse besondere Vorrechte oder Erleichterungen auf Kosten der Armen zugestehen. Wir sprechen hierbei natürlich von der Zeit, in der der Islam in seiner Vollständigkeit und Reinheit angewendet wurde, und lassen jene außer Acht, in der die Regierung zur vererbbaren Monarchie wurde, denn dies ist nicht vom Islam, und er kann auch unmöglich dafür verantwortlich gemacht werden. Die Kürze der Zeit, in der der Islam in seiner beispielhaften Form angewendet wurde, bedeutet nicht, dass er ein nicht realisierbares System ist. Was einmal in der Anwendung funktionierte, das kann auch eine Wiederholung erleben, und immer mehr Menschen sehnen sich nach der Wiederbelebung jener Zeit, die heute vielleicht greifbarer erscheint, als zur Zeit unserer Großväter. [3]

Im Islam gibt es also kein Gesetz, das der Regent Tür sich selbst verändert, sondern er dient wie alle anderen auch, dem Gesetz der Scharia. Falls jedoch Meinungsverschiedenheiten bezüglich eines der Texte auftreten, so wie dies auch mit allen anderen Gesetzestexten der Welt geschehen kann, dann haben die Gelehrten des Fiqh das ausschlaggebende Urteil zu fallen. [4]

Die islamische Geschichte bezeugt, dass die Rechtsgelehrten niemals für die Stärkeren oder Reicheren ihr Urteil gefällt haben, sondern immer den Armen und Unterdrückten näher gestanden haben, um ihnen ihre Forderungen und Rechte zu sichern. Ein Beispiel dafür haben wir bereits im vorhergehenden Kapitel angeführt, in dem wir beschrieben, dass der Arbeiter zur Hälfte der Teilhaber des Arbeitgebers ist.

Der Islam geht nicht davon aus, dass die Natur des Menschen derart verdorben ist. dass Besitz immer gleichbedeutend mit Unterdrückung und Despotismus sein muss. Denn gerade in der Erziehung des menschlichen Charakters setzte der Islam eine scharfe Grenze, der die Menschen dazu bringt, Vermögen zu besitzen, jedoch sie "hegen in sich kein Verlangen nach dem, was ihnen gegeben wurde, sondern sehen (die Flüchtlinge gern) vor ihnen selbst bevorzugt, auch wenn sie in Dürftigkeit leben" (59:9). Sie lassen andere an dem teilhaben, was sie besitzen, ohne dafür Gegenleistung zu verlangen, einzig in der Erwartung der Vergebung Allahs und Seines Lohns.

Tatsächlich gab es bereits in der Geschichte die Erscheinung, dass Besitztum nicht von Unterdrückung begleitet war. Wir nannten bereits zwei Beispiele in den vorhergehenden Kapiteln, nämlich als wir vom Besitz des Ackerlandes sprachen und zeigten, dass dies nicht zur Leibeigenschaft führte, da die wirtschaftliche und soziale Gesetzgebung den Besitzlosen ein achtbares und freies Leben garantierte und sie nicht von der Ausbeutung der Besitzenden abhängig machte.

Das zweite Beispiel handelte vom kapitalistischen Eigentum, bei dem wir erkannten, dass, wenn man von der Annahme ausgeht, dass der Kapitalismus in islamischer Zeit gewachsen wäre, kein Platz für all die bekannten negativen Entwicklungen gewesen wäre, da seine Gesetzgebung dies verhindert hatte, so wie er auch die Anlage der öffentlichen Einnahmen zum Vorteil jedes einzelnen festgelegt hätte.

Ein drittes Beispiel, das wir anfuhren wollen, ist nicht der islamischen Welt entnommen. Ich meine die Völker Skandinaviens, für die selbst England. Frankreich und Amerika (trotz ihrer Arroganz und ihres Egoismus) Zeugnis ablegen, dass sie die höchst entwickelten Länder der Welt sind, in Bezug auf Ausgeglichenheit, Gerechtigkeit und Mitgefühl für andere. Und trotzdem negierten sie bis heute nicht das persönliche Besitztum, sondern alles, was aus der Produktion kommt, wird Gegenstand der gerechten Verteilung des Reichtums, um die Kluft zwischen den einzelnen Volksschichten zu verkleinern und um einen bestmöglichen Ausgleich zwischen Anstrengung und Entlohnung zu erreichen. In diesem Bereich sind dies die Länder, die einer Facette des Islam in ihrer Verwirklichung am nächsten kommen.

Eine Trennung zwischen wirtschaftlichem System. Ideologie und Gesellschaftsphilosophie ist nicht möglich, denn das eine steht hinter dem anderen.

Wenn wir die drei Systeme Kapitalismus, Kommunismus und Islam miteinander vergleichen, so finden wir, dass die Wirtschaftssysteme und ihre Auffassungen von Eigentum in einer festen Verbindung mit der Gesellschaftstheorie stehen. Der Kapitalismus etwa begründet sich auf der Annahme, dass das Individuum der Mittelpunkt ist, dessen Freiheit durch die Gemeinschaft nicht eingeschränkt werden darf. Aus diesem Grund wird das grenzenlose Ansammeln von Eigentum nicht als verwerflich angesehen. Der Kommunismus hingegen begründet sich auf der Gemeinschaft als Grundprinzip. Dem Individuum wird nicht einmal eine eigene Persönlichkeit zugesprochen. So setzt er das Eigentum in die Hände des Staates, der der Vertreter des Volkes ist. und verbietet es dem einzelnen. Der Islam steht in seiner Gedankenwelt wieder anders da und begründet ein unterschiedliches Wirtschaftssystem. Das Individuum wird als selbständiges Wesen gesehen, das zwei wesentliche Eigenschaften in sich vereint: Die Eigenschaft eines unabhängigen Wesens und die eines Mitglieds der Gemeinschaft. Er handelt einmal entsprechend der einen und ein anderes

Mal entsprechend der anderen Persönlichkeit, jedoch am Ende verbindet er die beiden miteinander und wird den beiden gerecht. Die soziale Idee, die sich darauf begründet, geht nicht von der Trennung des Individuums und der Gesellschaft aus, und macht sie nicht zu zwei miteinander im Wettkampf stehenden Kräften, die einander zu zerstören suchen. Die Gesetzgebung hat die Aufgabe, zwischen der Neigung zur Persönlichkeit und der Neigung zur Gemeinschaft auszugleichen, und schafft die Ausgewogenheit zwischen den Interessen des einzelnen und denen der Gesellschaft, ohne dabei eine der beiden zu vernachlässigen. So verbindet der Islam die Positiva der beiden anderen Systeme miteinander, ohne deren Fehler zu begehen. So wird der Drang nach eigenem Besitz als solcher anerkannt und erlaubt, jedoch werden Grenzen gesetzt, die den Schaden an der Gemeinschaft verhindern. Gleichzeitig wird dem Vertreter der Gemeinschaft die Möglichkeit in die Hand gegeben, das Privateigentum zu steuern bzw. zum Wohl der Gemeinschaft darauf zurückzugreifen. Die Anerkennung dieses Dranges des Menschen nach persönlichem Eigentum, gemeinsam mit dem Recht der Gesellschaft, ihn zu leiten und zu regeln, ist auf jeden Fall für die Psyche der Menschheit heilvoller, als die Möglichkeit des Privateigentums von Grund auf zu verwehren. Noch dazu, da die Annahme, von der man dabei ausgeht, nämlich dass es sich dabei gar nicht um eine angeborene Eigenschaft der Menschen handelt, offensichtlich nicht richtig ist. Russland selbst ist der beste Gegenbeweis dafür, da man sich auch dort gezwungen sah, einige Formen des Privateigentums zuzulassen. So empfiehlt es sich wohl eher, die natürlichen Anlagen des Menschen nicht außer Acht zu lassen, sondern dafür zu sorgen, dass sowohl diese als auch die Interessen der Gesellschaft gleichberechtigt gewahrt bleiben.

* * *

Zum letzten Mal wollen wir die Frage danach stellen, warum wir das Privateigentum abschaffen sollten.

Die Kommunisten behaupten, dass dies der einzige Weg dazu sei, Gleichheit zwischen den Menschen zu schaffen. Betrachten wir kurz die Entwicklung in Russland, und sehen wir, ob diese Ziele erreicht wurden. Bereits unter Stalin musste man einsehen, dass man wieder dazu greifen musste, den allgemeinen Arbeitsehrgeiz der Menschen durch Versprechen zusätzlicher Prämien anzuheben. Dadurch wurde der Wettkampf zwischen den einzelnen Arbeitern angestachelt, um die Produktionsrate wieder zu verbessern.

Sodann betrachten wir die Arbeitslöhne der verschiedenen Arbeitsgruppen. Gibt es tatsächlich keinen Unterschied in der Bezahlung eines Arztes und eines Krankenpflegers? Die Vertreter Russlands selbst machen damit Reklame, dass die höchsten Löhne an Ingenieure und Künstler bezahlt werden, und bekennen somit, dass sehr wohl ein Wettkampf bzw. Verhandlungen um unterschiedliche Lohnzahlungen existieren. Und schließlich die Frage, ob es sich tatsächlich so verhält, dass der Wettkampf um Macht und Vorrangstellung vor den anderen zu Ende ist? Wie könnte es dann geschehen, dass in der Sowjetunion Gewerkschaftsvertreter, Fabrikdirektoren, Kommissare und ähnliches ausgewählt werden? Und wie kommt es, dass man zwischen einem aktiven und passiven Parteimitglied unterscheidet?

So ist zuletzt festzustellen, dass die Aufhebung des Privateigentums den gegenseitigen Wettbewerb nicht aufheben konnte. Was sollte uns aber dazu veranlassen, eine natürliche Veranlagung im Menschen zu unterdrücken, wenn sich dadurch nichts verbessern lässt? Oder könnte man sagen, dass das Positive an der russisch-kommunistischen Entwicklung im geringen Unterschied zwischen den verschiedenen Gruppen liegt, so dass es weder einen übermäßigen Luxus noch eine erschreckende Armut gibt? Dies können wir bejahen und hinzufügen, dass der Islam sich ebenso verhält: Bereits 1300 Jahre vor dem Aufkommen des Kommunismus erschuf er die Prinzipien, die die Unterschiede zwischen den Menschen geringer halten sollten, und er verbot das ausschweifende luxuriöse Leben, ebenso wie er mit Armut und Entbehrung aufräumte. Dabei beschränkte er sich jedoch nicht nur auf Gesetze, sondern schenkte den Menschen noch zusätzlich den Glauben an Gott und die Liebe zum Guten.


Fußnoten:

[1] Der Islam sieht im Wettbewerb selbst nichts Böses. Er wird erst dann zum Unrecht, wenn er zum Zweck des Bösen gemacht wird. Wenn es ihn aber zum Zweck des Guten gibt, so sagt der Koran: "...und um dies mögen die Begehrenden wetteifern" (83:26), oder an anderer Stelle: "Und wenn Allah nicht die einen Menschen durch die anderen zurückgehalten hätte, dann wäre die Erde wahrhaftig von Unheil erfüllt." (2:251)

[2] Wenn Allah im Koran sagt: "Und Allah hat einige von euch vor den anderen mit Gaben begünstigt." (16:71), so ist hiermit etwas völlig anderes angesprochen; auf dieses Thema werden wir im nächsten Kapitel zurückkommen. Hier ist die Stellung des Einzelnen vor dem Gesetz gemeint, in der es absolut keinen Unterschied geben darf.

[3] Siehe auch das folgende Kapitel.

[4] Dies gilt nur für den Fall, dass kein eindeutiger Text vorhanden ist

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