E Eläuterung zum Koran

Tafsir zur Sure 2 "Die Kuh" ( 1-7 )

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Im Namen Allahs, des sich Erbarmenden, des Barmherzigen. 



1. Alif Laam Miim1

1 Allah ist der Wissende über diese Buchstaben.

 

Die Buchstaben Alif, Lam, Mim الم. finden sich zu Beginn der (insgesamt sechs) Sures 2, 3, 29, 30, 31 und 32. Die Sures 2 und 3 befassen sich mit dem Aufstieg und Niedergang von Völkern, mit ihrer geschichtlichen Vergangenheit und ihrer Zukunft. Sie sind gedacht als Lehre für die neuen Anhänger des Islam in aller Welt. In Sure 29 leitet eine ähnliche Beweisführung in Bezug auf die Völker über zum Mysterium von Leben und Tod Fehlschlag und Triumph, Vergangenem und Künftigem Im Lebensablauf der einzelnen Menschen. Sure 30 besagt, dass Allah der Ursprung von allem ist und dass alles zu Ihm zurückkehrt. Auch die Sures 31 und 32 lehren uns, dass Allah der Schöpfer ist und am Jüngsten Tag der Richter sein wird. All diesen Sures ist also ein Gedankengang gemeinsam, nämlich der des Geheimnisses von Leben und Tod, Anfang und Ende.

 

Viel ist geschrieben worden über die Bedeutung dieser Buchstaben, doch das meiste davon sind reine Mutmaßungen. Einige Kommentatoren geben sich damit zufrieden, sie einfach als mystische Symbole anzuerkennen, deren Erörterung mit den Mitteln verbaler Logik müßig ist. In der Mystik nehmen wir Symbole als solche vorerst hin; ihre esoterische Bedeutung wird uns durch Erleuchtung klar, wenn wir dazu innerlich bereit sind.

 

Unter den Mutmaßungen befinden sich zwei plausible Theorien: Die eine besagt, das jeder Anfangsbuchstabe für eine Eigenschaft Allahs steht. Es ist nicht schwer, unter diesen Eigenschaften drei auszuwählen, die zu diesen Buchstaben passen. Eine andere Theorie, nämlich die von Baidawi bevorzugte ist, das diese Buchstaben die Anfangs-, End- und Mittel- (oder abermals Anfangs-) Buchstaben der drei Namen Allah, Dschibriil und Muhammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, symbolisieren. Das bedeutet Allah ist der Ursprung der Offenbarungen, Dschibriil der himmlische Bote, der sie überbrachte, und Muhammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, ist der irdische Gesandte, durch den sie in menschlicher Sprache verkündet wurden. Dies mag im Hinblick auf die erste Sure zutreffen (denn Al-Baqara ist eigentlich die erste, wenn wir Al-Faatiha als Einführung betrachten). Doch wenn diese Buchstaben auch anderen Sures vorangestellt werden, warum dann nur diesen sechs?

 



Wenn wir das Wesen der Laute, die durch diese Buchstaben wiedergegeben werden, betrachten, dann ist "Alif" ein aus der Kehle kommender Hauchlaut "Lam" ein Zungen-Gaumen-Zahn-Laut, der aus der Mundmitte kommt, und ,Mim ein Labial oder Lippenlaut. Können wir sie deshalb nicht als Symbole für Anfang, Mitte und Ende nehmen? Und wenn wir das tun, passen sie dann nicht gerade zu jenen Sures, die sich ganz besonders mit Leben, Heranreifen und Tod befassen mit dem Anfang und dem Ende? In der griechischen Fassung des Neuen Testaments stehen der erste und. letzte Buchstabe des griechischen Alphabets, Alpha und Omega, als Symbole für Anfang und Ende, geben eine der Bezeichnungen Allahs wieder: "Ich bin das Alpha und das Omega, der Anfang und das Ende, spricht der Herr, Der ist und Der war und Der kommen wird, der Allmächtige." (Geheime Offenbarung des Apostels Johannes 1/8).

 

2. Dies ist das Buch, an dem es keinen Zweifel gibt; (es ist) eine Rechtleitung für die Mutaqin2 (Gottesfürchtigen)

2. Unter Taqwa "Gottesfurcht" ist zu verstehen:

1. Die Gottesfurcht, od. die Furcht vor Allah; die (wie schon in den Sprüchen Suleymaans, Allahs Segen und Frieden auf ihm,   im Alten Testament nachzulesen) der Anfang aller Weisheit ist;

2. das Zurückhalten oder Im- Zaum- Halten der Zunge, der Hand und des Herzens von allem Üblen, demzufolge also Rechtschaffenheit, Frömmigkeit und gutes Benehmen.

All diese Gedanken sind in diesem Wort beinhaltet, in der Übersetzung kann jedoch nur der eine oder andere ausgedrückt werden, so wie es der Zusammenhang erfordert. Siehe auch Sure 47: 17 und Sure 74 :56 sowie Fußnote dazu.

Es gibt in diesem Zusammenhang eine schöne Überlieferung von Ubey ibn Ka'b, einem Gefährten des Propheten, Allahs Segen und Frieden auf ihm, Er ant­wortete auf .die, Frage des Amirul M'uminin ’Umar, was Taqwa, bedeutet ,,O Beherrscher der Mu`mins, wie siehst du dich vor, wenn du einen Pfad entlanggehst, an dem auf beiden Seiten Dornenbüsche stehen?" "Ich raffe mein Gewand zusammen und schreite vorsichtig den Pfad entlang," antwortete 'Umar: "damit nicht ein Teil meines Gewandes in den Dornen hängen bleibt." Darauf sagte Ubey ibn Ka'b: "Das ist genau, was Taqwa bedeutet."

 

3. Die an das Verborgene den Imaan verinnerlicht haben, das Gebet (regelmäßig) verrichten und von dem spenden, was Wir ihnen gegeben haben3;

3. Zeitgemäß kommentiert Qutb "das Verborgene": "Der Imaan (Glaube) an das Verborgene ist eine Schwelle, die nur der Mensch überschreiten kann. Auf seinem Weg von der Entwicklungsstufe des Tieres, das nur das wahrnehmen kann, was ihm seine Sinne vermitteln, bewegt er sich auf die Entwicklungsstufe des Menschen zu, der willens ist zu begreifen, dass das Dasein größer und vollkommener ist als das, was sich mit den Sinnen oder modernen Geräten, die ja nur ein verlängerter Arm der Sinne sind, erfassen lässt. Ein Mensch, der von seinen geistigen Fähigkeiten keinen Gebrauch macht und nur in seiner Sinneswelt lebt, ist natürlich nicht gleich einem Menschen, der sich als Teil der gesamten Schöpfung versteht, die sich ihm durch seine Intuition und sein inneres Wahrnehmungsvermögen erschließt."

 

Alle Gaben kommen von Allah. Es mag sich dabei um materielle Dinge handeln wie Nahrung, Kleidung, Unterkunft, Reichtümer und dergleichen, oder um Dinge, die sich nicht greifen lassen, wie Einfluss, Macht, Gesundheit, Begabungen, Abstammung und die Möglichkeiten, die sich einem dadurch eröffnen, oder um geistige Gaben wie Einsichtigkeit und richtiges Unterscheiden zwischen Gut und Böse, Verständnis für die Mitmenschen, die Fähigkeit zu lieben und dergleichen mehr. Wir sollten von all diesen Gaben in Demut und mit Maß Gebrauch machen. Doch wir sollten auch von jeder einzelnen dieser Gaben etwas hingeben, um damit zum Wohl anderer beizutragen. Wir sollten weder Asketen noch in Luxus schwelgende Genießer sein, weder selbstsüchtige Geizhälse noch gedankenlose Verschwender.

 

4. Und die an das den Imaan verinnerlicht haben, was dir offenbart worden ist, und an das, was vor dir offenbart wurde, und die vom Jenseits überzeugt sind4.

4. Gemeint sind die Mu`mins (die Gläubigen), die an das, was Muhammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, und den vorausgegangenen Propheten, Friede mit ihnen Allen, offenbart wurde, den Imaan verinnerlicht haben, denn wer könnte vom Qur’an "oder der Bibel und der Thora profitieren" wenn er nicht davon überzeugt wäre, dass sie das Wort Allahs sind? Diese Mu`mins sind auch vom Jenseits überzeugt. Aus dieser Überzeugung folgt die Verantwortlichkeit des Menschen für seine Taten und das Bewusstsein, dass diese Welt nicht ewig bestehen bleibt, sowie dass Erfolg oder Misserfolg auf Erden unabhängig von materiellen Werten sind. 

5. Sie sind es, die von ihrem Herrn rechtgeleitet sind und sie sind es, denen es Wohlergehen wird5.

5. Wohlergehen im Jenseits, aber auch auf Erden, weil das Bewusstsein, in Übereinstimmung mit Allahs Geboten zu   leben, Glück und vor allem ein reines Gewissen und damit Zufriedenheit bedeutet.

 

6, Gleich ist es in Bezug auf diejenigen, die ungläubig (Kafir)6 sind, ob du sie warnst oder nicht warnst; sie glauben nicht. 6a.

6. Kufr كَفَر (bedeutet eine vorsätzliche Ablehnung des Imaans im Gegensatz zu einer falschen Vorstellung von Allah die nicht unvereinbar ist mit dem aufrichtigen Wunsch, die Wahrheit zu erkennen. Wo ein solcher Wunsch vorhanden ist, weist die Gnade und Barmherzigkeit Allahs den rechten Weg. Doch diese Rechtleitung kann nicht wirksam werden, wenn sie absichtlich zurückgewiesen wird, was durch den freien menschlichen Willen durchaus möglich ist. Die Folge dieser Zurückweisung ist dann das Absterben der geistigen Fähigkeiten, so dass sie den besseren Einflüssen gegenüber unempfänglich sind. Siehe auch Fußnote zu 2:88.

6a. Dies bedeutet nicht das man die Kaafir nicht warnen sollte

 

8. Allah hat ihre Herzen und ihr Gehör versiegelt7, über ihrem Augenlicht befindet sich eine Hülle7a. Für sie wird es gewaltige Strafe geben8

7. Alle Ereignisse haben ihren Ursprung in Allah. Wenn wir also für unsere vorsätzliche Abkehr die Strafe bekommen, indem unsere Sinne versiegelt, also für das Gute unzugänglich gemacht werden, ist diese Bestrafung auf die Gerechtigkeit Allahs zurückzuführen. Darjabaadi schreibt dazu: "Man beachte, dass das Versiegeln ihrer Herzen die Folge der vorsätzlichen Entscheidung für den Kufr ist, nicht deren Ursache."

7a.Sie hören nur äußerlich der Schleier, der verhindert das sie nicht sehen ist im Kopf und ihr Herz. Dieser verhindert das Denken und das Lieben.

8. Die Strafe steht hier im Gegensatz zum Wohlergehen in Sure 2:5. So wie uns das hingenommene Böse mit ständig wachsender Macht immer tiefer hinabzerrt, beschwingt uns das Gute zu immer höheren Leistungen.

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