Der Islam und die Zivilisation

Der Islam und die Zivilisation

 


"Wollt ihr uns denn 1000 Jahre zurückschicken in das Zeitalter der Zelte und Beduinen? Dieser Islam war gültig für jene barfüßigen, groben Gestalten der damaligen Wüstenaraber. Seine Naivität und seine Prinzipien reichten gerade noch für die Beduinengesellschaft, in der er erschienen war. Aber was kann er heute in der Zeit der Zivilisation und des maschinellen Fortschritts, des Zeitalters der Raketen, der Wasserstoffbomben, der Wolkenkratzer und des Kinos noch bieten?

Der Islam ist eine verknöcherte, starre Religion, die sich nicht mit den Gegebenheiten der modernen Zivilisation anfreunden kann, und es ist kein Verlust, wenn wir auf ihn verzichten, um uns wie der Rest der Welt dem Fortschritt zuzuwenden!"

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Dies ist eine von Unwissenheit und Unklugheit gezeichnete Aussage, die niemand, der die islamische Geschichte kennt, aussprechen würde. Denn wann und wo stellte sich der Islam jemals in den Weg des Fortschritts?

Der Islam erschien tatsächlich bei einem Volk, das zur Hälfte aus Wüstenarabern bestand, die er von ihrer Grobheit und Hartherzigkeit heilte und über die der Koran sagt: "Die Wüstenaraber sind am härtesten in Unglauben und Heuchelei und sind eher dazu geneigt, die Schranken nicht anzuerkennen, die Allah Seinem Gesandten offenbart hat." (9:97)

Es war eines der Wunder des Islam, dass er aus diesen ungebildeten, barfüßigen Grobianen eine Gemeinschaft von Menschen machte, denen es nicht genügte, aus ihrem unwürdigen Dasein durch die Führung Gottes zu den weitesten Horizonten der Menschheit emporzusteigen, sondern die selbst zu Wegbereitern für andere wurden und sie zu Gottes Rechtleitung einluden. Dies allein ist schon Beweis genug für die wunderbare Befähigung dieser Religion, die Menschen zu Fortschritt und Bildung anzuspornen.

Aber der Islam begnügte sich nicht nur mit dieser großartigen Aufbauarbeit im Inneren der menschlichen Seele, obwohl dies die wirkliche, eigentliche, mühevolle Arbeit war. die Anerkennung verdiente, da sie gleichzeitig zivilisierend und kultivierend war. Der Islam fugte außerdem noch sämtliche Kennzeichen der Zivilisation hinzu, die heute den Menschen so wichtig sind, und die sie als die Quintessenz des Lebens betrachten, denn er übernahm alle Formen der Zivilisation der verschiedenen eroberten Länder, wie Ägypten, Persien, oder das römische Reich, solange sie nicht gegen die islamischen Prinzipien verstießen oder die Menschen vom Guten abbrachten. Er assimilierte die gesamte wissenschaftliche Bewegung, wie z.B. das Wissen der Griechen um die Medizin, die Astronomie, die Mathematik, die Biologie, die Chemie oder die Philosophie. Sodann ging er daran, diesem übernommenen Wissensgut neue Seiten hinzuzufügen, die durch gründliche muslimische Forschung erarbeitet wurden. Das reichte bis zur Geschichte Andalusiens, auf dessen Wissen sich das Erwachen Europas und sein Aufstieg in Wissenschaft und Erfindungen begründete.

Wann also, wiederhole ich die Frage, versperrte der Islam jemals den Weg zum Fortschritt der Menschheit?

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Was den Standpunkt des Islam zur heutigen westlichen Zivilisation anbelangt, so unterscheidet er sich nicht von dem früheren. Alles was dem Guten dienlich ist. wird angenommen, und alles was dem Schlechten dient, wird abgelehnt. Niemals aber ruft der Islam zur Enthaltsamkeit von Wissenschaft und Gewinn, noch steht er anderen Zivilisationen feindselig oder gar rassistisch gegenüber, da er an die Einheit der Menschheit glaubt und an die Bande, die alle Rassen und Völker miteinander verbinden. Daher ist auch kein Anlass zur Furcht davor gegeben, dass sich der Islam darstellen wurde, ohne von den Früchten des Fortschritts Gebrauch zu machen. Noch verlangen die Muslime, dass auf den Maschinen, die sie im Heim, in der Fabrik, oder sonstwo verwenden "Bismi-llali-r-rarimani-r-rahim" stehen muss.

Es genügt völlig, wenn sie sie im Namen Gottes und auf Seinem Weg verwenden. Die Maschine selbst kann doch unmöglich einer Religion, einer Rasse oder einem bestimmten Land angehören, sondern ihr Ziel ist vielmehr die Wirkung auf die Menschheit und die Produktion. Doch wenn man sie als Muslim verwendet, so darf es nicht zum Übel anderer geschehen. Die Bedingung des Islam lautet, dass die Verwendung eines Werkzeuges oder einer Maschine zur Verwirklichung des Wortes Gottes auf Erden dienen muss. Auch das Kino ist eine Produktion des Menschen. So kann man als Muslim diese Einrichtung zur Darstellung reiner, menschlicher und edler Gefühle benutzen, oder zur Veranschaulichung des Kampfes um das Gute, jedoch kann es nicht angehen, den Film zur Darstellung nackter Körper und schamloser Darstellungen zu verwenden. Der Fehler heutiger niveauloser Filmproduktionen ist nicht, dass sie einfach nur die Leidenschaften des Diesseits darstellen, sondern der Fehler liegt darin, dass sie das Leben und seinen Sinn auf dieses billige, niedrige Niveau bringen, das unmöglich geistige Nahrung der Menschheit sein kann.

Der Islam wendet sich auch nicht gegen wissenschaftliche Versuche, die dem Fortschritt der Menschheit zum Guten dienen. Wenn diese Zivilisation jedoch nur im Alkohol, im Glücksspiel und im charakterlichen Niedergang besteht, im imperialistischen Denken und in der Versklavung der Menschheit unter den verschiedensten Titeln und Vorwänden, dann allerdings wendet sich der Islam tatsächlich gegen diese Art der Zivilisation, dann baut er sich tatsächlich als Barriere auf, die zwischen den Menschen und dem Verderben steht.

Von: Muhammad Qutb

Quelle: Einwände gegen den Islam; SKD Bavaria Verlag, München

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