Der Islam und Rückständigkeit

Der Islam und Rückständigkeit

 


Wollt ihr von uns, dass wir unsere Gedanken und Gefühle versteinern und uns mit Dingen aufhalten, die heute nicht mehr akzeptabel sind, keine gedankliche Untermauerung mehr in diesem Leben besitzen? Traditionen, die von anderen Generationen als den heutigen aufgestellt wurden, die heute bereits längst überholt und altmodisch geworden sind, behindern unseren Fortschritt und Aufstieg!

Glaubt ihr denn immer noch, dass ihr Zinsen verbieten könnt, wo das heute bereits eine Notwendigkeit der Wirtschaft geworden ist, auf die man in der modernen Welt nicht mehr verzichten kann?

Glaubt ihr denn immer noch daran, dass die Zakat eingesammelt und an Ort und Stelle an die Bedürftigen verteilt werden kann, wo dies doch ein Prinzip ist, das nicht mehr mit einer modernen Staatsführung in Übereinkunft zu bringen ist, abgesehen davon, dass dann die Armen einer Stadt oder eines Dorfes ständig zu spüren bekommen, dass ein reicher Herr ihnen Almosen gibt, so dass sie in ewiger Erniedrigung vor ihm stehen, seiner Macht und Güte ausgeliefert?

Glaubt ihr denn noch immer, dass Alkohol und Glücksspiele, die Vermengung der beiden Geschlechter und die Beziehung zu einer oder einem Geliebten verboten sind, wo dies im modernen Zeitalter doch alles gesellschaftliche Notwendigkeiten geworden sind, auf die man weder verzichten noch sie aufhalten kann, da dies eine Entwicklung darstellt, die so oder so ihren Weg nehmen muss?

Zu welcher Rückständigkeit wollt ihr uns bringen, ihr Muslime?

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Diese Aussagen sind vielleicht teilweise richtig, in der Hauptsache jedoch stellen sie eine Unverschämtheit dar.

Ja, es ist richtig, dass der Islam Zinsen verbietet. Aber es ist nicht richtig, dass Zinsen eine wirtschaftliche Notwendigkeit darstellen. In der heutigen Welt existieren zwei Wirtschaftstheorien, die sich beide nicht auf dem Zinssystem errichten: Dies ist zum einen die islamische, zum anderen die kommunistische Theorie, die sich jedoch in Herkunft und Zielsetzung unterscheiden. Dies liegt daran, dass der Kommunismus eine Kraft gefunden hat, mit der er sein System und seine Ökonomie regelt, während der Islam seine Kraft bisher noch nicht gesammelt hat, jedoch hoffentlich auf dem Weg dorthin ist. Das geschieht durch den natürlichen Lauf der Dinge, bedingt durch all die problematischen Entwicklungen in mehreren Ländern, die alle auf eine islamische Renaissance hinweisen.

Sollte der Islam als System wieder neu erstehen, so wird seine Wirtschaft ohne Zinsen arbeiten, und es wird keine "Notwendigkeit" geben, die ihn dazu zwingen wird. Ebenso konnte auch das kommunistische Wirtschaftssystem aufgebaut werden, ohne dass diese eingebildeten Zwänge eine Rolle gespielt hätten.



Zinsen sind ja in Wahrheit nur notwendiges Grundprinzip des Kapitalismus Dennoch gibt es auch da namhafte Wirtschaftsexperten, einer davon ist Dr. Schacht, die am Zinssystem offene Kritik üben, da es dazu führt, den Reichtum in der Hand einiger weniger zu konzentrieren, und somit die Volksmehrheit nach und nach in Abhängigkeit von diesen wenigen Auserwählten gestürzt wird. Man muss nicht näher in das Wirtschaftstudium eindringen, um den Beweis dieser Theorien heute in der Realität erkennen zu können. Wichtig ist für uns dabei, dass der Islam sowohl die Zins Wirtschaft als auch die Verachtung und Demütigung von Mitmenschen als verboten erklärt hat, und dies geschah fast 1000 Jahre vor dem Auftauchen des Kapitalismus. Denn derjenige, der dieses System für die Menschen bestimmte, ist über Zeit und Generationen erhaben. Es ist der Allmächtige, der Allwissende über alle Geschehnisse des Universums und Er weiß daher auch über die negativen Auswirkungen, ja Katastrophen, die eine solche Wirtschaftsform verursacht, Bescheid.

Die verwunderlichsten Aussagen aber kann man von sogenannten erfolgreichen "Denkern" lesen, wie z.B. in einer wöchentlich erscheinenden Zeitung, in der Kritik am Islam geübt wird, da er gegen das Zinssystem auftritt, während zur selben Zeit sich der Schreiber den sozialistischen Grundprinzipien zubekennt, die ja eigentlich ganz und gar nicht auf dem Zinssystem aufbauen. Dies, wo noch dazu in dieser Zeit selbst der Kapitalismus sich langsam aus den Fängen dieses Systems befreit und immer mehr zum Sozialismus hinneigt Daran ist zu erkennen, dass es dem Verfasser nicht um Prinzipien oder um das Glaubensverständnis geht, sondern dass es ihm in Wahrheit nur darum geht, den Islam anzugreifen!

Ebenso verwunderlich ist es, wie ein "muslimischer" Minister versucht, auf religiöse Institutionen einzuwirken, um ausländische Kapitalisten zufrieden zu stellen, und zu erreichen, dass von den religiösen Gelehrten endlich eine Änderung der Scharf a vorgenommen wird, damit die "Versteinerung" des Islam in eine "Entwicklung" in Richtung der heute üblichen Umstände hin verwandelt würde. So erkaufte er sich die Gunst einiger reicher Geldgeber mit der Missgunst seines Schöpfers, und er spricht von ökonomischem Fortschritt und zeigt dabei selbst seine Laienhaftigkeit auf diesem Gebiet.

Ähnlich verhält es sich mit dem Scheich der Al-Azhar-Universität, der seine Meinung nun geändert hat, obwohl er vor seiner Amtsernennung entschieden gegen die Zinswirtschaft aufgetreten war.

Diese Wirtschaftsform ist für uns heute in Wahrheit ein Zwang zur Demütigung und Unterdrückung, da unsere Wirtschaft ja noch völlig von ausländischer Hilfe abhängig ist. Aber es ist eine Sache, das Unvermeidliche akzeptieren zu müssen bis zu dem Augenblick, in dem man es ändern kann, und es ist eine andere Sache, dies zur Voraussetzung für den Fortschritt machen zu wollen. Zu jenem Zeitpunkt, an dem die Wirtschaft in der islamischen Welt einmal auf eigenen Beinen steht, und ihre Beziehungen zum Rest der Welt auf gegenseitigem Austausch besteht, anstatt die Form der Abhängigkeit einzunehmen, - zu jener Zeit können wir unsere islamische Wirtschaft auf unseren eigenen Prinzipien erbauen, und die Zinsen verbieten Dann können wir dem Rest der Welt den Fortschritt zeigen!  

Was die Zakat anbelangt, so haben wir bereits in einem vorhergehenden Kapitel ausreichend darüber berichtet, so dass kein Zweifel mehr über ihre Eigenschaften bestehen dürfte. Sie ist also kein Almosen, das den Armen gewährt wird, sondern ein rechtmäßiger Anspruch der Armen, wobei die Aufgaben, die damit zusammenhängen, vom Staat übernommen werden durch das von Gott erlassene Gesetz.

Die ausgesprochenen Bedenken gegen die Zakat richten sich aber gegen die gemeinsame Örtlichkeit der Verteilung und der Erhebung. Es ist wirklich lächerlich, mit welch grenzenloser Bewunderung unsere "Gebildeten" alles, was aus dem "fortschrittlichen" Westen als "neueste Errungenschaften des Fortschritts" kommt, betrachten, während die Einrichtungen des Islam, die jenen "Neuerungen" zugrundeliegen, als rückständig und versteinert bezeichnet werden.

Die letzte Entwicklung des amerikanischen Ordnungssystems ist die dezentralisierte Bezirksverwaltung. Die Stadt selbst bildet eine wirtschaftlich, politisch und sozial unabhängige Einheit innerhalb ihrer Einbindung in den Verwaltungsbezirk der Hauptstadt und des Bundesstaates, dann erst ist die zentrale Regierungsstelle der Vereinigten Staaten zuständig.

In dieser Kleinsteinheit also werden Steuern vom Stadtrat beschlossen und schließlich die Einnahmen innerhalb der Stadt selbst angelegt. Dies gilt für die Bildungsstätten, medizinische Versorgungsstätten, öffentliche Verkehrsmittel, soziale Dienste und anderes. Sollten dabei Beträge übrigbleiben, so werden sie an die nächst höherer Instanz in der Hauptstadt oder der Bundesstaatsverwaltung weitergegeben. Dies ist ein gutes System, das die Aufgaben verteilt und auf diese Weise den zentralen Verwaltungsapparat erleichtert Diese Selbstverwaltung der kleinen Einheiten ist auch deshalb erfolgreicher, weil die örtliche Bevölkerung über ihre Bedürfnisse natürlicherweise besser Bescheid weiß, als der ferne gewaltige Hauptverwaltungsapparat.

Unsere Intellektuellen hier loben dieses System.... und der verknöcherte Islam führte genau das gleiche bereits vor 1300 Jahren ein! Er ließ die Steuern am Ort eintreiben und auch wieder ausgeben, wenn etwas davon übrig blieb, so wurde dies in die zentrale Verwaltung geschickt, dem allgemeinen Baytu-l-Mal (Staatskasse), und wenn zuwenig eingenommen wurde, so wurden Mittel aus dem Staatsfiskus beigesteuert. Das ist das grundlegende Prinzip, nach dem der Islam eine Verteilung der Aufgaben und eine Dezentralisierung erstellte, die heute als Rückständigkeit kritisiert wird.

Über die Verteilung der Zakat haben wir bereits ausführlich gesprochen und festgestellt, dass im Islam diese Auszahlung nicht nur in Bargeld erfolgen kann, sondern auch in der Schaffung von Schulen, Krankenhäusern und sozialen Dienststellen Form annehmen kann. Hinzu kommt noch die direkte Unterstützung der Arbeitsunfähigen.

Wenn wir also vom Errichten eines islamischen Systems sprechen, so bedeutet das in dieser Hinsicht nichts anderes, als die Errichtung solch kleiner selbständiger Verwaltungseinheiten, die in Verbindung mit der jeweiligen Zentralregierungsstelle stehen, sodann verbunden sind mit der islamischen Welt in ihrer gesamten Ausbreitung.

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Ja, der Alkohol, das Glücksspiel und die Vermengung der Geschlechter sind In Islam verboten, und er besteht auf diesem Verbot, was immer auch andere daran auszusetzen haben!

Die Diskussion um diese Angelegenheiten ist sicherlich eine längere. Aber wir versuchen, den kürzesten Weg zu nehmen und beginnen damit, dass in Frankreich eine weibliche Abgeordnete des Parlaments das Alkoholverbot forderte!

Ich nehme dieses Thema sehr ernst, denn ich sehe in diesem Problem die Widerspiegelung einer kranken Gesellschaft in der ebenso kranken Seele des Individuums. Es ist eine Gesellschaft, in der die Unterschiede zwischen den Klassen zunehmen, so dass wir auf der einen Seite die Vertreter der reichen Schicht sehen, deren Sinne bereits derart abgestumpft sind, dass sie künstlicher Mittel bedürfen, um sich damit aufzuputschen. Auf der anderen Seite steht die arme Masse des Volkes, die dieser Mittel bedürfen, um aus ihrem tristen Alltag zu flüchten Unsere Gesellschaft wird von Terror und von der Unmündigkeit der Gedanken und Meinungen regiert. Eine Gesellschaft, deren Gefühle darauf reduziert werden, sich das tägliche Brot zu verdienen, und die von der Hoffnungslosigkeit gelähmt wird, die der lästige, unvermeidliche Lärm der Maschinen über sie bringt, oder das langweilige, sinnlose Herumsitzen hinter dem Schreibtisch innerhalb der vier Bürowände, - diese Gesellschaft sucht Zuflucht im Alkohol und anderen Rauschmitteln, um sich selbst eine Traumwelt zu schaffen, die frei von Mühen ist.

Dennoch ist dies alles noch keine Rechtfertigung, sondern nur der Beweis für das Vorhandensein einer Krankheit, die danach ruft, geheilt zu werden.

Als der Islam den Alkohol verbot, geschah dies, nachdem die Gründe für den Alkoholkonsum aus der Welt geschafft worden waren. So sollte die moderne Zivilisation erst lernen, wie man psychischen Erkrankungen begegnet, indem man die Wirtschaft, die Sozialpolitik, die Politik im Allgemeinen, die gedankliche, seelische und körperliche Welt in Ordnung bringt.

Über das Glücksspiel brauche ich keine lange Abhandlung zu führen, da ich der Meinung bin, dass sich nur oberflächliche Menschen, die ein unausgefülltes Leben führen, dieser Beschäftigung widmen.

Das Thema der freien Vermengung der Geschlechter jedoch verlangt nach einer ausführlicheren Untersuchung. Auf die Frage, wie lange wir noch in unserer Rückständigkeit stecken bleiben wollen, kann ich nur antworten: Wie einmalig ist doch die französische Zivilisation! Dort ist es möglich, dass zwei Verliebte mitten auf der Straße eng umschlungen in einem innigen Kuss vertieft stehenbleiben, und dass sogar der Polizist den gesamten Verkehr aufhält, bis die beiden aus dieser Verschlingung erwachen. Und wehe dem, der es wagt, mit strafendem Blick die beiden zu tadeln, auf dass er selbst dem Gespött und der Verachtung der anderen ausgeliefert sei!

Wie einmalig ist doch die amerikanische Lebensart! Dort ist das Volk ehrlich mit sich selbst, sie kennen keine Umwege und keine Heuchelei. Sie erkannten, dass die Sexualität eine natürliche, biologische Notwendigkeit des Menschen ist und bekannten sich offen dazu. Aus diesem Grund erleichtern sie auch das Erlangen dieser biologischen Unerlässlichkeit und geben ihre gesellschaftliche Fürsorge und Interesse. So hat jeder Jüngling seine Freundin, und jedes Mädchen seinen Boyfriend, sie gehen offen im Haus miteinander ein und aus, und sie unternehmen miteinander Ausflüge, bei denen sie die Gelegenheit wahrnehmen, der biologischen Notwendigkeit ihr Recht zu geben und sich von dieser Last für Körper, Seele, und Nerven zu befreien. So ziehen sie danach aufs Neue los, frisch und frei, voller Energie, um ihre Aufgabe in der Gesellschaft mit Elan zu erfüllen, und sie produzieren und produzieren, auf dass die Gesamtheit nach vorne strebe, jawohl!

Frankreich war es, das sich sofort nach dem ersten Angriff Hitlers angstvoll vor den Deutschen niederwarf. Nicht weil es an militärischer Ausrüstung mangelte, sondern weil es ein Land ohne Ehre ist. das hauptsächlich den sinnlichen Genüssen verfallen ist. und um die stolzen Pariser Bauten und um seine berühmten Etablissements fürchtete. Ist es also das. wozu uns die „Kultivierten“  unseres Landes einladen wollen, oder sind auch sie nur ein armes irregeführtes Volk, das nicht weiß, was es sagt?

Und wie steht es um das fortschrittliche Amerika?

Es wurden Untersuchungen angestellt, die ergaben, dass 38% der Mädchen der Oberstufe schwanger sind! Der Anteil an schwangeren Universitätsstudentinnen ist geringer, da sie bereits über mehr Erfahrung verfügen und auch mit Verhütungsmittel besser umzugehen wissen!

Ist es das, wonach es die Weltverbesserer gelüstet? Oder verstehen sie tatsächlich nicht, was sie von sich geben?

Das Fertigwerden mit der Sexualität ist tatsächlich ein ernsthaftes Anliegen, und der Islam lässt dieser Problematik größte Vorsorge zuteilwerden. Er entdeckte nämlich bereits lange vor Amerika, dass Personen, die keine Möglichkeit haben, mit ihrer Sexualität fertigzuwerden, dadurch in ihrer Produktivität eingeschränkt sind. Sie sind Gefangene ihrer Triebe und unfähig, sich zu höheren menschlichen Ebenen emporzuschwingen. Jedoch muss dieser Erscheinung mit anderen Mitteln begegnet werden. Der richtige Weg besteht sicherlich nicht darin, junge Menschen wie die Tiere aufeinander losstürzen zu lassen. Ein rechtes Ziel kann immer nur über die rechtmäßigen Wege erreicht werden. Wenn einige Kurzsichtige der Meinung sind, dass diese immense Produktionsrate Amerikas durch dieses sexuelle Chaos begünstigt wird, so sei ihnen vor Augen gehalten, dass es sich dabei um eine rein materielle Produktion handelt, die sehr bald schon von Computern übernommen werden kann. Was die geistige und charakterliche Entwicklung dieses Volkes jedoch anbelangt, so sei an die abscheuliche und grausame Art der Behandlung gegenüber der schwarzen Bevölkerung Amerikas erinnert, die bis in die neueste Geschichte hinein praktiziert wird Amerika ist es auch, die hinter jeder imperialistischen Politik steht, und es lassen sich direkte Verbindungslinien zwischen dem charakterlichen Verfall dieses Volkes auf sexueller Ebene und dem Zug hin zum Großmachtstreben und zur Versklavung anderer Menschen und Völker ziehen. Das sind aber niedere menschliche Eigenschaften, die einem wahrhaft kultivierten Volk nicht zueigen sein sollten.

Die Freude, die die Allgemeinheit erfüllt, wenn ihre Frauen hübsch gekleidet und leichten Fußes ihre Häuser verlassen, rundherum die Herzen höher schlagen lassen und die Blicke auf sich ziehen, so handelt es sich hier zweifellos um ein wirkliches Vergnügen, denn schließlich ist der Anblick der verschiedensten einladend angerichteten Speisen auch wesentlich appetitlicher als immer nur das gleiche Essen Tag für Tag vor sich zu haben.

Jedoch müssen wir uns erst über unsere Ziele im Klaren sein. Ist es unsere Aufgabe im Leben, den größtmöglichen Anteil an Vergnügen und Freude zu erlangen, und dabei den Blick auf den Rest der Zielsetzungen zu verlieren?

Hat denn irgendjemand geleugnet, dass die Lusterfüllung eine dem Menschen liebenswerte Angelegenheit sei? Oder warum nennt man es dann "den Genuss des Lebens"? Diese Lebensfreuden sind keine neuen Erfindungen der Moderne, sie waren vielmehr bereits den alten Griechen, den Persern und den Römern bekannt, die alle im Genuss der Sinnesfreuden untergegangen sind. Sie alle sind schließlich so weit gegangen, sich von diesem Genuss so einnehmen und beherrschen zu lassen, dass sie aufhörten, an ihrem Fortschritt zu arbeiten. So geschah es auch mit Frankreich, und mit verschiedenen anderen Ländern und Völkern im Laufe der Geschichte, dies ist das göttliche Gesetz auf Erden:" Derart ist Allahs Vorgehen, wie es zuvor gewesen ist; und nie wirst du in Allahs Vorgehen einen Wandel finden." (48:23)

 

Der Westen war in der letzten Zeit im Besitz der materiellen Kraft, er war im Besitz des Wissens, rang verbissen im Kampf mit der Arbeit und war ernsthaft an Produktion interessiert. Dann fingen langsam jene charakterlichen Entwicklungen an, von denen wir gesprochen haben, und der Rest der Geschichte ist wahrscheinlich nicht mehr weit entfernt.

Wir hingegen besitzen keine Macht, da die gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse in den letzten beiden Jahrhunderten nicht zu unseren Gunsten standen. Was also sollten wir davon profitieren, wenn wir uns nun auch noch im Namen des Fortschritts und der Zivilisation oder aus Flucht vor der Anschuldigung, rückständig und verknöchert zu sein, unseren Begierden ergeben? Wir werden gar nichts davon haben, außer dass uns der Rausch und das Verderben ergreift, so dass wir jedes Mal, wenn wir nahe daran wären, uns endlich wieder zu erheben, abermals in den Abgrund gestürzt werden. Jeder sogenannte freie Denker oder Literat, der zur Loslösung von den religiösen Traditionen aufruft, unter welch schöner Titulierung auch immer, ist ein Gesandter jener Imperialisten, ob gewollt oder nicht. Die Anstifter wissen sehr genau Bescheid über die Dienste, die diese Schreiber und "Denker" ihnen bei der Auflösung unserer Gemeinschaft erfüllen, und sie wissen genau, welche Wirkung die Suche nach dem "Vergnügen" und der "Freude" bei der Jugend auslöst, und aus diesem Grund verhelfen sie ihnen in den Medien und in den Regierungsstellen zu Ansehen und Erfolg.

So wird gesagt: "Seht doch die Frau dort! Sie wurde vom Weib zur Frau! Sie wurde zu einem menschlichen Wesen erhoben, das seine Aufgabe in der Gesellschaft erfüllt!"

Wir haben über diese "Erhebung" bereits ausführlich im Kapitel "Der Islam und die Frau" gesprochen. Hier fugen wir nur noch hinzu, dass das Ausgehen der Frau und ihre Beteiligung im Berufsleben eine Seite der Gesellschaft schwer getroffen und vernachlässigt hat, nämlich die menschliche Nachkommenschaft und die Fürsorge für sie. Wir wollen folgende Frage stellen: Wurde hier tatsächlich der Persönlichkeit der Frau etwas Zusätzliches geschenkt, oder wurde nicht vielmehr auf der einen Seite etwas weggenommen, um etwas anderes auf einer anderen Seite wieder hinzuzufügen? Und zweitens: Wurde dadurch der Menschheit insgesamt etwas Gewinnbringendes hinzugegeben, oder wurde auch hier auf der einen Seite etwas gegeben, um es auf der anderen Seite wegzunehmen?

Die Frau ist im Westen zur "guten Freundin" geworden, die den Anzüglichkeiten der Männer ausgeliefert ist und der Erledigung seiner körperlichen Dringlichkeiten nachkommt, und sie teilt mit ihm einige seiner Probleme, aber sie wird nicht mehr als "gute Ehefrau" oder "gute Mutter" gesehen. Diese Tatsache können auch die Verfechter der westlichen Ideen bei uns nicht ableugnen, denn die Scheidungszahlen sprechen dafür: In Amerika stieg die Rate auf 40%, und dies ist eine erschreckende Zahl und ein gefährliches Zeichen. In Europa mag diese Rate noch um einiges geringer sein, aber es ist dort ein offenes Geheimnis, dass sich eine Vielzahl von verheirateten Personen mit "Verhältnissen" weiterhelfen. Wäre die Frau dort noch als Ehefrau anerkannt, in dem Verständnis, dass sie fähig ist, innerhalb ihrer Familie zu bleiben und ihr Fürsorge zukommen zu lassen, wäre es wohl kaum zu so hohen Scheidungsraten in Amerika gekommen, oder zu dem, was wie eine Flucht vor der häuslichen Atmosphäre in Europa aussieht.

Über die Mutterschaft sprachen wir bereits, und wir stellten fest, dass die Beschäftigung der Frau ihr nicht genügend seelische und zeitliche Möglichkeit bietet, diesen Verpflichtungen nachzugehen. Die Frau, die ausgelaugt und müde von der Arbeit nach Hause kommt, hat meistens nicht mehr genügend nervlich-seelischen Spielraum, um noch mehr Anforderungen völlig gewachsen zu sein.

Worin liegt aber nun der Vorteil für die gesamte Menschheit, abgesehen vom hübschen Zeitvertreib und vom Lebensgenuss? Wurden durch die Anwesenheit einiger Frauen im Parlament und in den Ministerien, oder durch Tausende und Millionen von Frauen in Fabriken und Büros die Probleme der Menschheit geklärt? Erfüllt sie denn nur dann ihre Rolle in der Gesellschaft, wenn sie im Parlament eine Ansprache hält, oder wenn sie eine Erklärung der Beamtenschaft unterzeichnet? Und wenn sie Söhne und Töchter unter einer bestimmten Zielsetzung bewusst zu Erwachsenen und aufrechten Staatsbürgern erzieht, die mit beiden Beinen im Leben stehen und nicht so ohne weiteres durch Schicksalsschläge oder Prüfungen aus der Bahn zu werfen sind, dann erfüllt sie keine Aufgabe in der Gesellschaft? Sie mag von Begeisterung erfüllt werden, wenn ihr im Parlament applaudiert wird, oder wenn sie im Salon oder auf der Straße Bewunderung spürt, doch diese Begeisterung ist nur von oberflächlichem und zeitlich sehr begrenztem Wert in diesem menschlichen Leben, wenn es der Anlass dafür ist, Generationen  von Menschen ohne Mütter aufwachsen zu lassen, denen die Liebe abhandengekommen ist, die das rechte Gegengewicht zur Aggression im Menschen darstellt. Diese Liebe jedoch kann nur durch eine Mutter, die ihre Persönlichkeit und Einzigartigkeit in die Entstehung des menschlichen Nachwuchses legt, begründet werden.

Unsere Absicht ist es keineswegs, der Frau die Freude am Leben zu verbieten, oder ihr die Entwicklung einer eigenen Persönlichkeit zu untersagen. Doch wann ließ das Leben uns denn, egal ob Mann oder Frau, genießen, wie es uns beliebt, oder unsere individuelle Persönlichkeit entwickeln, wann und wie wir es wollten? Wenn uns der Egoismus vereinnahmt und wir uns darauf verlegen, unser Leben grenzenlos nur noch so zu genießen, wie es uns gefällt, wie wird dann die Zukunft aussehen? Es werden neue Generationen entstehen, die die Bürde und Qual als Ergebnis unserer Eigenliebe ertragen werden müssen, und dies wird sowohl Frauen als auch Männer betreffen. Nützt es also dem Anliegen der Frau, dass einige von ihnen für einige Zeit ihr Leben genießen, während nachfolgende Generationen später die Last tragen müssen?

Ist es denn wirklich ein Fehler, dass der Islam die Menschheit als eine Kette betrachtet, und die Verbindung der einzelnen Glieder nicht bei einer bestimmten Generation endet, sondern dass sie alle zum Wohle aller Generationen zu wirken haben?

Man könnte es dem Islam verübeln, wenn er dem Menschen die Freude und das Vergnügen am Leben gänzlich verboten hätte, oder den Weg zur Befriedigung der natürlichen Triebe im Menschen versperrt hätte. Verhält es sich aber tatsächlich so?

Das zu beantworten ist Aufgabe des folgenden Kapitels: "Die Religion und der Selbstzwang".


Von: Muhammad Qutb

Quelle: Einwände gegen den Islam; SKD Bavaria Verlag, München

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