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Islam in Deutschland – früher und heute

Die "Moschee" von Potsdam wurde 1841 errichtet



Leider ist die vermeintliche Moschee auf dem Foto nur das Pumpwerk für die Fontaine im Park von Sanssouci.

Friedrich Wilhelm IV. gab 1841das islamisch anmutende Bauwerk in Auftrag.
Doch weit davor, nämlich im Jahr 1732 ließ der preußische König Friedrich Wilhelm der I. in Potsdam am Langen Stall einen Gebetssaal für zwanzig seiner türkischen Gardesoldaten und damit die erste Moschee auf deutschem Boden errichten.

Diese Geste des Respekts geht auf gute diplomatische Beziehungen zur Türkei zurück. Bereits 1701 ließ Sultan Mustafa II. zur Krönung Friedrichs I. zum König in Preußen, seine Glückwünsche überbringen.

In Brandenburg galt damals die Freiheit des Glaubensbekenntnisses, und wurde im Toleranzedikt von 1662 niedergelegt.

Diese Herangehensweise Friedrich Wilhelms fand ihre Entsprechung in der Politik seiner Nachfolger, allen voran der preußische König Friedrich II. der Große (im Volksmund "der alte Fritz"), der 1740 erklärte:

Die 1841 errichtete Moschee von Potsdam ist das Wasserpumpwerk der Fontänen von Sanssouci."Alle Religionen sind gleich und gut, wenn nur die Leute, die sie bekennen, ehrliche Leute sind, und wenn Türken und Heiden kämen und wollten das Land bevölkern, so wollen wir ihnen Moscheen und Kirchen bauen."

Im Original: „Alle Religionen seindt gleich und guht, wan nuhr die Leute, so sie profesieren [öffentlich bekennen], erliche Leute seindt, und wen Türken und Heiden kähmen und wolten das Land pöbplieren [bevölkern], so wollen wier sie Mosqueen und Kirchen bauen.“
Diese Denkweise scheint so manchem "modernen" Politiker heute abhanden gekommen zu sein.

Auch das Zitat: „Jeder soll nach seiner Fasson selig werden“ geht auf den preußischen König Friedrich II zurück.
Zu einer Anfrage, ob die römisch-katholischen Schulen wegen ihrer Unzuträglichkeit wieder abgeschafft werden sollten, schrieb er die Bemerkung:

"Die Religionen Müsen alle Tolleriret werden und Mus der Fiscal nuhr das Auge darauf haben, das keine der andern abrug Tuhe, den hier mus ein jeder nach seiner Fasson Selich werden."

Was er wohl zum Beschneidungsverbot gesagt hätte? oder zum Kopftuchverbot? oder gar zu Innenminister Schünemanns "Radikalisierungsbroschüre"?
Wahrscheinlich wäre ihm diese Diskriminierung nie in den Sinn gekommen.  Friedrich II. hatte (im Gegensatz zu den derzeitigen selbsternannten "Islamexperten und "Integrationsbeauftragten" ) nicht nur Sinn für Toleranz, sondern es bestand eine wechselseitige Loyalität zum Osmanischen Reich.



Am 9. November 1763 zog der erste türkische Gesandte, Ahmed Resmi Efendi, mitsamt seinem 73-köpfigen traditionell gekleideten Gefolge in Berlin ein, und wurde von der deutschen Bevölkerung begeistert umjubelt.

Tief beeindruckt schilderte ein Diplomat seinem Sultan Mustafa III. diesen Empfang: "Die Bevölkerung Berlins erkennt den Propheten Mohammed an und scheut sich nicht zu bekennen, dass sie bereit wäre, den Islam anzunehmen."

Auch Friedrich Wilhelm III fuhr in der islamfreundlichen Tradition fort.
Als 1798 ein Nachfolger von Ahmed Remi Efendi starb, ordnete Friedrich Wilhelm III. nicht nur eine islamische Beerdigung an, sondern vermachte zur Beisetzung ein Stück Land als königlichen Schenkung.

So entstand der islamische Friedhof in Berlin. Grabsteine aus den Jahren 1689 in Brake und 1691 in Hannover belegen, daß schon lange davor Muslime in Deutschland beerdigt wurden.
Aber nicht nur die genannten deutschen Könige schätzten den Islam, sondern auch Deutschlands "Dichter und Denker" waren toleranter als so manch ein Bestsellerautor unserer Tage.
Gotthold Ephraim Lessing (1729 bis 1781), ein bedeutender Dichter jener Epoche setzte sich für Gedankenfreiheit, auch in Glaubensfragen, ein und räumte dem Judentum, dem Christentum, und dem Islam den selben Stellenwert ein.

Fasziniert vom Islam war auch der Philosoph Georg Wilhelm Friedrich Hegel, der bedeutendste Vertreter des deutschen Idealismus.
Er charakterisierte den Islam als die "Religion der Erhabenheit".

Johann Wolfgang von Goethe kannte nicht nur die orientalische Literatur, sondern er besaß auch hervorragende Kenntnis vom Islam.
In seinem Werk vom "Westöstlichen Divan" (1819) floss viel seiner Wertschätzung gegenüber dem Islam ein.

Deutsche Maler wie Gustav Bauernfeind, Georg Macco, Leopold Carl Müller, und Johann Victor Krämer wurden durch orientalisches Leben ispiriert, und der berühmte Künstler Adolf Seel malte naturgetreu und würdevoll islamische Architektur.

Adolf Seel Innenhof Der Alhambra

 

1876 wurde ihm dafür die Große Goldene Medaille der Stadt Wien, und 1878 die Goldene Medaille in Berlin verliehen.
Der philosophische Einfluss des Islam war groß, und auch die Schönheit orientalischer Architektur wurde bewundert und entwickelte sich zu einer Modeströmung.

Sogar deutsche Nutzbauten wurden damals im Moschee-Stil errichtet.
Dazu gehört die "Rote Moschee" inmitten des Schwetzinger "Türkischen Gartens" (1780 bis 1785) oder die Anfang des 20. Jahrhunderts errichtete Tabakfabrik Yenidze in Dresden.

Heute hingegen wird Muslimen oft genug sogar die Baugenehmigung für ein Vereinshaus untersagt. Notgedrungen begnügen sie sich mit abgelegenen Altbauten, die dann von den Medien obendrein verächtlich als "Hinterhofmoscheen" verspottet werden.
Reisen in den Orient machen deutsche Politiker höchstens um den Kriegsschauplatz Afghanistan aus nächster Nähe zu sehen, oder um sich Erdöl für deutsche Heizungen zu sichern.

Kaiser Wilhelm II. hingegen bewies Wertschätzung für Muslime. Schon ein Jahr nach seiner Thronbesteigung 1889 reiste er (natürlich ohne den Komfort eines Bundeswehrjets) nach Istanbul.

Neun Jahre später bereiste er mit seiner Gattin Jerusalem und Damaskus, die beide zum Osmanischen Reich gehörten. In Damaskus suchte der Kaiser das Grab Saladins auf, der 1187 Jerusalem von den Kreuzrittern zurückerobert hatte.

Am 6. November 1898 erklärte er dort in einer Rede: "Mögen seine Majestät der Sultan und die 300 Millionen Mohammedaner, welche auf der Erde verstreut leben und in ihm ihren Kalifen verehren, dessen versichert sein, dass zu allen Zeiten der Deutsche Kaiser ihr Freund sein wird."
Auf etwas Ähnliches seitens der Bundeskanzlerin werden wir wohl noch lange warten müssen.

Der Sultan erbat darauf  "namens der Welt des Islam den Segen Allahs auf den Kaiser, das Deutsche Reich und alle Deutschen".
Das Verhältnis war respektvoll und freundschaftlich.

Nach dem ersten Weltkrieg entstanden Moscheevereine wie wir sie heute kennen.
Muslime aller Schichten, Diplomaten, ehemalige Kriegsgefangene aus Wünsdorf-Zossen, Akademiker und Konvertiten schlossen sich zusammen und bildeten 1922 die multi-ethnische „Islamische Gemeinde zu Berlin e.V.“

Das war vor 90 Jahren, und es ist ein Zeichen mutwilliger Ausgrenzung wenn 2012 jemand sagt: "Der Islam gehört nicht zu Deutschland."
Hier das Beschneidungsverbot, da das Kopftuchverbot für Frauen im öffentlichen Dienst… Wozu?

Selbst der Kalif Harun al-Raschid und Karl der Große sicherten sich 797 gegenseitig mehr Religionsfreiheit zu.
Gerade Politiker die westliche Werte so hoch halten, sollten aus "ihrer" Geschichte lernen, statt medienheischend Muslime zu verunglimpfen und den Rechtsradikalen in die Hände zu spielen.

Es wäre sinnvoll, die sogenannten Integrationsbemühungen an den Bedürfnissen und Interessen der Muslime zu messen, ihnen den Rücken zu stärken und mit ihrer Hilfe die gemeinsame Zukunft aufzubauen.

 

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