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Koptischer Christ offenbar Urheber des Anti-Islam-Films aus den USA

Ein Film zur Propheten-Verunglimpfung hat gewalttätige Proteste in mehreren arabischen Ländern ausgelöst. Der Urheber des Werks steht nun offenbar unter Polizeischutz.



Erste Ausschnitte waren zwar bereits im Juli auf Youtube zu sehen, aber erst eine letzte Woche veröffentlichte, arabisch synchronisierte Version sorgte für wütende Proteste. Im ostlibyschen Benghazi starben dabei vier US-Diplomaten. Der Youtube-Kanal, auf dem drei ausschnitte auftauchten, ist auf den Namen Sam Bacile angemeldet. Jetzt ist bekannt, wer sich hinter diesem Namen verbirgt: Es ist der in Kalifornien lebende koptische Christ Nakoula Basseley Nakoula. Das hat die Polizei nun bestätigt.

Die Ähnlichkeit seines Mittelnamens Basseley mit Bacile hatten die Medien als ersten Anhaltspunkt gesehen. Diesen Mittelnamen habe er denn auch mit dem Finger abgedeckt, als er einem AP-Reporter seinen Führerschein gezeigt habe, um sich auszuweisen.

Unter Polizeischutz

Nakoula steht in den USA ab sofort unter Polizeischutz. «Wir haben eine Bitte erhalten und wir antworten darauf. Wir sind die Garanten der öffentlichen Sicherheit», sagte der Sprecher des Sheriffs von Los Angeles der Nachrichtenagentur AFP. Er machte weder Angaben dazu, wer die Behörden um Hilfe gebeten habe, noch zur genauen Art des Polizeischutzes.

«Es gibt keinen Aufstand, kein Verbrechen», betonte der Sprecher. Der Grund für die Anwesenheit der Polizei sei vielmehr die Presse. Das Haus von Nakoula Basseley Nakoula im Ort Cerritos rund 40 Kilometer südlich von Los Angeles stand unter Bewachung der Polizei, wie ein AFP-Fotograf vor Ort berichtete. Zugleich war das Haus des mutmasslichen Produzenten des umstrittenen Films, der in der arabischen Welt seit Dienstag zu teils schweren Ausschreitungen führte, von Journalisten umringt.

Verurteilter Betrüger

Die Nachrichtenagentur AP traf den Mann, der sich als Chef der Film-Produktionsfirma ausgab, ausserhalb von Los Angeles. Im Gespräch bestritt er, sich als Filmemacher Sam Bacile ausgegeben zu haben, und behauptete stattdessen, diesen zu kennen. Ein Anruf auf die Handynummer, die Sam Bacile zuvor für das Interview mit AP benutzt hatte, führte nun jedoch zu ihm.

Nakoula ist kein unbeschriebenes Blatt: Er war 2010 wegen Finanzdelikten zu 21 Monaten Haft verurteilt worden. Zudem darf er während fünf Jahren das Internet nur mit Erlaubnis seines Bewährungshelfers benutzen.

Kontakt mit radikalem Prediger



Einen weiteren Rückschluss auf die Kreise koptischer Christen liefert gemäss «Spiegel online» der radikale Prediger Terry Jones aus Florida. Er hatte bereits vor zwei Jahren mit einer Koran-Verbrennung provoziert, die zu tödlichen Unruhen in Afghanistan geführt hatten. Jones präsentierte die im Internet kursierenden Filmausschnitte am Dienstag seiner kleinen Gemeinde. Er behauptet, mit dem Urheber des Machwerks in Kontakt gestanden zu haben. Der Mann habe ihn angerufen, um ihn um die Promotion des Films zu bitten. «Ich habe ihn nicht getroffen. Sam Bacile ist auch nicht sein richtiger Name», erklärte Jones.

Der Prediger zeigt sich auf Fotos unter anderem mit Morris Sadek, einem US-ägyptischen Kopten, der in der Vergangenheit als antiislamischer Provokateur aufgefallen war. Sadek ist für die Verbreitung des Films in der arabischen Welt verantwortlich: Letzte Woche verwies er in seinem arabischen Blog, seinem Twitter-Profil und seinem englischen Newsletter darauf sowie auf die Vorstellung der Ausschnitte in Jones' Gemeinde.

Rätsel über Verantwortliche

Die Urheber des Machwerks hatten zunächst Rätsel aufgegeben und zu umfangreichen Medienrecherchen geführt. Unter anderem hatte die US-Nachrichtenagentur AP ein Interview mit einer Person geführt, die sich als Sam Bacile ausgab. Es ist unter anderem in der «Washington Post» erschienen. Der Mann bezeichnete sich dabei als 56-jährigen kalifornischen Immobilienentwickler sowie als israelischen Juden. Er habe das Drehbuch des Films geschrieben sowie Regie geführt. Nun sei er aus Angst vor Übergriffen untergetaucht.

Kein israelischer Staatsbürger

Der falsche Bacile wollte offenbar einen jüdischen Hintergrund des Films suggerieren: So sagte er etwa, der Streifen habe fünf Millionen Dollar gekostet. Das Geld dafür stamme von rund 100 jüdischen Spendern. Angesichts der amateurhaften Produktion scheint jedoch nur schon der Betrag in Millionenhöhe aus der Luft gegriffen.

Diese Identität war jedoch gefälscht: Im kalifornischen Telefonverzeichnis fand AP keinen Sam Bacile. Zudem ist in Israel offenbar niemand auf diesen Namen als Staatsbürger eingetragen. Der israelische TV-Sender «Channel 10» berichtete stattdessen, der Name sei ein Pseudonym für eine Gruppe von Ex-Muslimen, die zum Christentum konvertiert seien.

Dass die dubiosen Urheber des Films einen christlichen Hintergrund haben, bestätigte auch Steve Klein, ein angeblicher Berater des Projekts: Sam Bacile sei lediglich ein Pseudonym; der Mann sei in Wahrheit ein Christ, sagte er bereits gestern gegenüber AP. Auch er kenne jedoch dessen echten Namen nicht, versicherte er. Der angebliche Bacile fürchte sich nun um seine in Ägypten lebende Familie.

Schauspieler distanzieren sich

Bisher hat kaum jemand den angeblich zweistündigen Film tatsächlich gesehen. Er sei nur ein einziges Mal gezeigt worden, sagte Bacile gegenüber AP – vor drei Monaten in einem Kino in Hollywood. Der Film fällt durch eine Nachbearbeitung auf: Einige der extremsten Dialoge stimmen nicht einmal in der englischen Version mit den Mundbewegungen überein – sie wurden offensichtlich im Nachhinein synchronisiert.

Daher haben sich nun auch die beteiligten rund 80 Schauspieler und Crewmitglieder distanziert. Sie seien« extrem bestürzt» und fühlten sich ausgenutzt, schrieben sie in einer Erklärung an CNN: «Wir sind schockiert darüber, wie drastisch die Dialoge umgeschrieben und wie wir alle belogen wurden. Wir sind tief erschüttert über die Tragödien, die sich seit der Veröffentlichung ereignet haben.» Die Schauspielerin Cindy Lee Garcia sagte gegenüber dem Internet-Portal Gawker, sie habe nicht gewusst, dass es sich um antiislamische Propaganda handle. Ihnen sei gesagt worden, im Film werde die Zeit vor 2000 Jahren dargestellt.

Casting für «Desert Warrior»

In der Fachzeitschrift Backstage ist im Juli 2011 ein Casting-Aufruf für den Film erschienen. Er wurde unter dem Titel «Desert Warrior» als historischer Abenteuerfilm in der arabischen Wüste beschrieben. Und wieder taucht dabei ein bestimmter Name auf: Als Produzent fungierte ein Sam Bassiel.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

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