D Das Leben des Propheten

Khandaq

18. Die beiden Kriegszüge von Chandak und Banu Kuraiza

 


Die Natur der Araber und Muhammads (s.a.s.) Vorsicht

Nach der Vertreibung der Banu An Nadir aus Medina, dem zweiten Kriegszug von Badr und den beiden Kriegszügen von Ghatafan und Dumat Al Dschandal war es für die Muslime an der Zeit, dass das Leben in Medina etwas zur Ruhe kam. So trafen sie Vorkehrungen, ihre Lebensweise zu organisieren. Durch das, was sie in diesen Kriegszügen erbeutet hatten, wurde ihnen das harte Leben erleichtert, wenn sie durch sie auch von der Landwirtschaft und dem Handel oft abgehalten wurden.

Trotz seiner Zuversicht war Muhammad (s.a.s.) beständig auf der Hut vor der Hinterhältigkeit des Feindes. Er hatte seine Kundschafter und Späher unablässig über die ganze Halbinsel verstreut. Sie sollten ihn über die Araber unterrichten und über das, was sie planten. Dies gab ihm fortwährend die Möglichkeit zum Bereithalten der Muslime, sich zu verteidigen.

Nach dem, was wir an heimtückischen Überfällen der Kuraisch und anderer Stämme gegen die Muslime gesehen haben, fällt es uns leicht, die Notwendigkeit der Wachsamkeit und Vorsicht zu ermessen. Zudem war ganz Arabien zu dieser Zeit, in der es die größten Ausdehnungen seiner Geschichte besaß, im ehesten mit einer Gruppe von Republiken zu vergleichen: jede Republik von ihnen war von den übrigen unabhängig. Jede von ihnen gab sich eine Ordnung, die der Stammesordnung am nächsten kam. Sie waren deswegen gezwungen, in Gebräuchen und Gepflogenheiten Schutz zu suchen, die unserer Vorstellung als Angehörige organisierter Nationen nicht vertraut sind.

Da Muhammad (s.a.s.) ein Araber war, der ermessen konnte, welches Verlangen nach Rache die arabische Natur enthielt, war er äußerst wachsam. Jeder von den Kuraisch, den Juden der Banu Kainuka, den Juden der Banu An Nadir, den Arabern von Ghatafan und Hudhail und den an Asch Scham angrenzenden Stämmen lauerte darauf, dass Muhammad (s.a.s.) und seine Gefährten ins Unglück stürzten. Jeder von ihnen suchte nach einer Gelegenheit, seine Rache an diesem Mann zu nehmen, der die Araber bezüglich ihrer Religion in verschiedene Parteien gespalten hatte. Er war ohne Macht und Stärke und nur mit dem Glauben, der seine erhabene Seele erfüllte, aus Mekka ausgewandert und hatte dann in fünf Jahren solche Macht und Stärke erlangt, dass ihn die mächtigsten und stärksten Städte und Stämme der Araber fürchteten.

Die Heftigkeit der Feindseligkeit der Juden

Die Juden waren die seine Lehre und den Erfolg seiner Botschaft am besten verstehenden Gegner Muhammads (s.a.s.). Die meisten von ihnen erkannten, was sie durch seinen Sieg treffen würde. Sie hatten in Arabien zum Monotheismus aufgerufen und mit den Christen um die Macht gewetteifert und auf ihre Bekämpfung und Überwältigung gehofft. Vielleicht zu Recht, denn die semitische Seele neigt von ihrer Natur her zum Gedanken des Monotheismus, während die christliche Trinität diesen semitischen Seelen den Zugang zu ihr nicht leicht machte.

Dieser Muhammad (s.a.s.), ein echter Araber und echter Semit, rief nun zum Monotheismus auf. Mit Worten von einer durchdringenden Kraft, die alle Herzen erfasste und in ihr Innerstes drang und den Menschen über sich selbst erhob. War er nicht bereits zu solch einer Macht gelangt, dass er die Banu Kainuka aus Medina gewiesen und die Banu An Nadir aus ihren Häusern vertrieben hatte? Würden sie ihn und seine Angelegenheit also in Ruhe lassen und sich nach Asch Scham und in ihre frühere Heimat Jerusalem im Gelobten Land zurückziehen? Oder würden sie versuchen, die Araber gegen ihn aufzuhetzen, um sich an ihm rächen zu können?

Die Gesandten der Juden zu den Kuraisch

Es war die Idee zum Aufhetzen der Araber, die sich bei den Führern der Banu An Nadir durchsetzte. Um sie zu verwirklichen, zog eine Gruppe von ihnen zu den Kuraisch in Mekka, darunter Hujaij Ibn Ahtab, Sallam Ibn Abu Al Hukaik und Kinana Ibn Al Hukaik. Von den Banu Wail kamen mit ihnen Haudha Ibn Kais und Abu Ammar. Die Kuraisch befragten Hujaij über sein Volk, und er sagte: "Ich ließ sie zwischen Chaibar und Medina zurück, wo sie warten, bis ihr zu ihnen kommt und mit ihnen gegen Muhammad (s.a.s.) und seine Gefährten zieht." Dann befragten sie ihn über die Kuraiza, und er sagte: "Sie halten sich in Medina auf, wo sie sich gegen Muhammad verschwören, auf dass ihr zu ihnen kommt und sie sich auf eure Seite schlagen."

Die Kuraisch zögerten, ob sie vorrücken oder sich zurückhalten sollten. Denn es gab zwischen ihnen und Muhammad (s.a.s.) keine Meinungsverschiedenheiten außer hinsichtlich der Botschaft, mit der er zu Allah (t.) aufrief.

Die Juden ziehen das Götzentum dem Islam vor

War es nicht möglich, dass er recht hatte, zumal seine Botschaft täglich an Größe und Erhabenheit immer mehr zunahm?! Die Kuraisch fragten deshalb die Juden: "0 ihr Juden, ihr seid das Volk der ersten Schrift und verfügt über Wissen über das, worüber wir und Muhammad zu streiten begonnen haben. Ist denn nun unsere Religion besser oder seine Religion?!" Die Juden antworteten: "Eure Religion ist zweifellos besser als seine Religion, und ihr seid der Wahrheit näher als er." Auf dieses Vorkommnis weist der edle Qur´aan mit der Rede des Erhabenen hin:



"Sahst du nicht jene, denen ein Teil der Schrift gegeben wurde? Sie glauben an Götzen und sagen zu den Ungläubigen, dass diese des Weges besser geleitet seien als die Gläubigen. Jene sind es, die Allah verfluchte; und wen Allah verflucht, für den wirst du keinen Helfer finden." (4, V. 51-52)

Ansicht eines Juden hierzu

Über diese Haltung der Juden gegenüber den Kuraisch und ihre Bevorzugung ihres Heidentums gegenüber dem Monotheismus sagt Dr. Israel Wolfenson in seinem Buch "Geschichte der Juden in Arabien":

"Es war die Pflicht dieser Juden, sich nicht in einen solch skandalösen Fehler verwickeln zu lassen. Sie hätten den Führern der Kuraisch niemals erklären dürfen, dass die Anbetung von Götzen besser sei als der islamische Monotheismus, selbst wenn dies die Vereitelung ihres Vorhabens bedeutet hätte. Die Kinder Israels, die jahrhundertelang im Namen der Vorväter die Fahne des Monotheismus unter den heidnischen Nationen der Welt hochhielten und durch die Geschichte hindurch die schlimmsten Schicksalsschläge wie Blutbäder und Verfolgungen wegen ihres Glaubens an den einen Gott erlitten, wären verpflichtet gewesen, ihr Leben und alles, was ihnen lieb und teuer war, zu opfern, um eine Niederlage der Polytheisten herbeizuführen. Darüber hinaus bekämpften sie sich in der Tat selbst, als sie sich mit den Götzenanbetern verbündeten, und setzten sich in Widerspruch zu den Lehren der Tora, die ihnen gebietet, sich von den Götzendienern abzuwenden und ihnen gegenüber eine feindliche Haltung einzunehmen."

Die Juden hetzen die übrigen Araber auf

Es genügte Hujaij Ibn Achtab und den Juden, die mit ihm waren, nicht, was sie zu den Kuraisch über die Vorzüge ihres Heidentums gegenüber dem Monotheismus Muhammads (s.a.s.) gesagt hatten. Sie drängten sie sogar zum Krieg gegen Muhammad (s.a.s.) und verabredeten, dies einige Monate später zu tun. Jene Juden zogen ferner zu den Ghatafan von Kais Ghailan, den Banu Murra, den Banu Fazara, den Aschdscha, den Sulaim, den Banu Sad und den Asad und zu jedem, der an den Muslimen Rache nehmen wollte. Sie ließen nicht ab, sie aufzuhetzen, Rache zu nehmen, und ihnen gegenüber zu erwähnen, dass die Kuraisch ihnen im Krieg gegen Muhammad (s.a.s.) folgen würden. Sie lobten ihr Götzentum und versprachen ihnen den sicheren Sieg.

Die Verbündeten, die die Juden gesammelt hatten, zogen zum Krieg gegen Muhammad (s.a.s.) und seine Gefährten aus: Die Kuraisch marschierten mit Abu Sufjan an der Spitze und viertausend Soldaten, dreihundert Pferden und eintausendfünfhundert Kamelreitern los. Das Banner wurde im Rathaus an Uthman Ibn Talha übergeben, dessen Vater getötet worden war, als er das Banner der Kuraisch bei Uhud getragen hatte. Die Banu Fazara zogen mit Ujaina Ibn Hisn Ibn Hudhaifa als Führer und zahlreichen Männern und tausend Kamelen aus. Die Aschdscha und Murra kamen mit je vierhundert Kriegern, Al Harith Ibn Auf führte die Murra an, und Misar Ibn Ruchaila die Aschdscha. Sulaim, die Bewohner von Bir Mauna, kamen mit siebenhundert Mann. Sie alle versammelten sich. Die Banu Sad und Asad schlössen sich ihnen auch noch an, so dass sie ungefähr zehntausend Mann stark waren. Sie bewegten sich allesamt unter dem Befehl von Abu Sufjan geradewegs auf Medina zu. Als sie Medina erreicht hatten, ließen die Führer dieser Stämme die Führung während des Krieges jeden Tag der Reihe nach abwechseln.

Die Angst der Muslime

Die Nachricht über dieses Vorgehen erreichte Muhammad (s.a.s.) und die Muslime in Medina. Sie fürchteten sich. All diese Araber hatten sich zusammengetan, um sie aufzureiben, sie umzubringen und sie auszurotten. Sie waren mit einer Ausrüstung und einem zahlenmäßigen Aufgebot gekommen, deren gleichen es bei sämtlichen Kriegen der Araber zuvor nicht gegeben hatte.

Wenn die Kuraisch sie mit weit geringerer Anzahl und Ausrüstung als diese Verbündeten bereits bei Uhud besiegt hatten, als sie Medina verlassen hatten was sollten die Muslime dann tun, um mehreren tausend Männern mit Pferden, Kamelen, Waffen und Vorräten zu begegnen? Es gab also keinen anderen Weg als die Verschanzung in der "Jungfrau Medina", wie Abdullah Ibn Ubaij sie genannt hatte. Aber würde diese Verschanzung vor jener überwältigenden Macht ausreichen?!

Das Ausheben des Grabens um Medina

Salman, der Perser, kannte Methoden der Kriegsführung, die in Arabien nicht bekannt waren. Er riet, um Medina einen Graben auszuheben und ihr Inneres zu befestigen. Die Muslime beeilten sich, seinen Rat in die Tat umzusetzen. Es wurde ein Graben ausgehoben, wobei der Prophet (s.a.s.) eigenhändig mitarbeitete. Er war es, der Erde aushob und dadurch die Muslime an deutlichsten ermunterte, und er rief sie zu verdoppelter Anstrengung auf. Die Muslime nahmen die Grab-Werkzeuge, Schaufeln, Hacken und Körbe vom Stamm der Kuraiza der Juden, die ihnen treue Verbündete blieben. Durch diesen Eifer und diese ununterbrochene Anstrengung war das Ausheben des Grabens in sechs Tagen vollendet.

Während dieser Zeit wurden desgleichen die Mauern der Wohnungen befestigt, die in die Richtung zeigten, aus der der Feind anrückte. Zwischen ihnen und dem Graben lagen etwa zwei Meilen. Zugleich wurden die Wohnungen geräumt, die hinter dem Graben lagen. Die Frauen und Kinder wurden in jene Wohnungen gebracht, die befestigt worden waren. Auf der Medina zugewandten Seite des Grabens wurden Steine aufgehäuft, die als Waffe dienen sollten und mit denen man bei Bedarf werfen konnte.
Die Verblüffung der Kuraisch über den Graben und Stellung ihres Heeres davor

Die Kuraisch und ihre Verbündeten näherten sich und hofften, Muhammad (s.a.s.) bei Uhud zu treffen. Doch fanden sie dort niemanden. Sie ließen Uhud hinter sich und wandten sich Medina zu, bis sie der Graben überraschte. Sie wunderten sich, da sie diese ihnen unbekannte Verteidigungsart nicht erwartet hatten. Ihre Wut ging soweit, dass sie behaupteten: dahinter Deckung zu suchen, sei eine Feigheit, die ein Araber nicht kennen würde. Die Kuraisch und ihre Verbündeten lagerten bei der Flussmündung von Ruma, und Ghatafan mit ihren Verbündeten von den Bewohnern des Nedschd bei Dhanab Nakama.

Muhammad (s.a.s.) zog mit dreitausend Muslimen aus und ließ den Berg Sal hinter sich, so dass der Graben zwischen ihm und seinen Feinden verlief. Dort schlug er sein Lager auf, und es wurde für ihn sein rotes Zelt aufgestellt. Die Kuraisch und die Araber, die mit ihnen waren, sahen, dass es keinen Weg gab, den Graben zu überqueren. So begnügten sie sich einige Tage mit dem Austausch von Pfeilschüssen.

Die Araber zögern, während des strengen Winters zu bleiben

Abu Sufjan und die, die mit ihm waren, waren sicher, dass sie lange vor Jathrib und seinem Graben bleiben müssten, ohne es erstürmen zu können. Es war gerade die Zeit des Winters mit grimmiger Kälte und stürmischen Winden, dessen Regen jeden Augenblick befürchtet wurde. Wenn es für die Bewohner von Mekka und Ghatafan leicht war, sich vor all dem in ihren Wohnungen in Mekka und Ghatafan zu schützen, so gaben ihnen die Zelte, die sie vor Jathrib aufgeschlagen hatten, nicht den geringsten Schutz. Sie waren zudem in der Hoffnung auf einen leichten Sieg gekommen, der sie nicht mehr als einen Tag gleich dem Tag von Uhud kosten würde, nach dem sie umkehren, die Hymnen ihres Erfolges singen und die Verteilung der Beute genießen würden.

Was sollte die Ghatafan davon abhalten, umzukehren. Sie beteiligten sich doch nur an diesem Krieg, weil die Juden ihnen nach erreichtem Sieg den Ertrag eines ganzen Jahres aus dem Ertrag der Pflanzungen von Chaibar und seinen Gärten versprochen hatten. Sie sahen nun, dass der Sieg nicht nur schwierig, sondern darüber hinaus auch höchst unsicher war und eine Mühsal in dieser kalten Zeit erforderte, was sie die Ernteerträge und Gärten vergessen ließ! Was die Rache der Kuraisch selbst für Badr und die ihnen danach zugefügten Niederlagen anging, so würde sie aufschiebbar sein, solange dieser Graben verhinderte, Muhammad (s.a.s.) zu fassen, und die Banu Kuraiza die Einwohner Jathribs mit Lebensmitteln versorgten, die die Dauer ihres Widerstandes auf viele Monate verlängern würde. War es da nicht besser für die Verbündeten, umzukehren?!

Aber! Diese Verbündeten ein weiteres Mal zu einem Krieg gegen Muhammad (s.a.s.) zu sammeln, war keine leichte Sache. Die Juden mit Hujaij Ibn Achtab an ihrer Spitze hatten es gerade vermocht, sie zu sammeln, um sich für das, was sie und die Banu Kainuka zuvor getroffen hatte, an Muhammad (s.a.s.) und seinen Gefährten zu rächen. Sollte ihnen diese Gelegenheit entgehen, so wäre an eine neue gar nicht zu denken. Und sollte Muhammad (s.a.s.) durch den Abzug der Verbündeten siegen, dann wehe und nochmals wehe den Juden!

Die Angst Hujaijs vor dem Abzug der Verbündeten

Hujaij Ibn Achtab überdachte all dies. Er fürchtete die Folgen und befand, dass nichts daran vorbeiführte, sein Letztes zu wagen. Da gab er den Verbündeten zu verstehen, er werde die Banu Kuraiza bewegen, ihren Freundschaftsvertrag mit Muhammad (s.a.s.) und den Muslimen zu brechen, indem sie sich ihnen anschlössen. Wenn die Kuraiza dies täten, dann wäre zum einen Muhammad (s.a.s.) von Hilfe und Proviant abgeschnitten. Und zum anderen stünde dann der Weg zum Betreten Jathribs offen.

Die Kuraisch und Ghatafan waren erfreut darüber, als Hujaij dieses darlegte. Er beeilte sich und ging, Kab Ibn Asad, den Führer der Banu Kuraiza, aufzusuchen. Zuerst verschloss Kab das Tor seiner Festung vor ihm, als er vor, seiner Ankunft erfuhr. Er ging zwar davon aus, dass für den Fall, dass die Kuraiza Muhammad (s.a.s.) verraten, den Vertrag mit ihm brechen und sich seinen Feinden anschließen sollten, dies vorteilhaft für sie und die Juden wäre, sofern sich das Blatt dadurch gegen die Muslime wenden würde. Sollten die Verbündeten jedoch besiegt werden und ihre Streitkräfte von Medina abziehen, würde dies dazu führen, dass sie völlig vernichtet würden.

Hujaijs Versuch, die Kuraiza zu gewinnen

Hujaij ließ jedoch nicht ab, bis ihm das Tor der Festung geöffnet wurde. Dann sagte er zu ihm: "Wehe dir, o Kab! Ich bin zu dir mit einer gewaltigen Streitkraft gekommen. Ich bin zu dir mit den Kuraisch und den Ghatafan mit ihren Führern und Edelleuten gekommen. Sie haben mir versprochen und mit mir vereinbart, nicht abzuziehen, bis Muhammad und seine Gefährten ausgerottet sind."

Kab zögerte und gedachte Muhammads (s.a.s.) Treue und Einhaltung seines Abkommens. Er fürchtete die Folgen dessen, wozu Hujaij ihn aufrief. Hujaij erinnerte ihn jedoch unablässig an das, was die Juden seitens Muhammads (s.a.s.) getroffen hatte. Und was sie von ihm zu erwarten hätten, sollten die Verbündeten keinen Erfolg haben, ihm ein Ende zu bereiten. Er schilderte ihm die Stärke der Verbündeten, ihre Ausrüstung und Anzahl. Es hindere sie nur der Graben, allen Muslimen zusammen binnen einer knappen Stunde den Garaus zu machen. Schließlich gab Kab ihm nach und fragte ihn: "Und was ist, wenn die Verbündeten sich zurückziehen?"

Die Kuraiza brechen ihren Vertrag

Da gab ihm Hujaij ein Versprechen. Falls die Kuraisch und Ghatafan zurückkehrten, ohne Muhammad (s.a.s.) getötet zu haben, werde er zu ihm in seine Festung kommen und an seinem Geschick teilhaben. Da rührte sich in Kabs Seele sein Judentum, und er willigte in das ein, was Hujaij forderte: Er brach seinen Vertrag mit Muhammad (s.a.s.) und den Muslimen und beendete seine Neutralität.

Die Gesandten Muhammads (s.a.s.) zu den Kuraiza

Die Nachricht vom Anschluss der Kuraiza an die Verbündeten erreichte Muhammad (s.a.s.) und seine Gefährten. Sie erschütterte sie, und sie fürchteten seine Folgen. Muhammad (s.a.s.) entsandte Sad Ibn Muadh, den Führer der Al Aus, Sad Ibn Ubada, den Führer der Al Chazradsch, und mit ihnen Abdullah Ibn Rawaha und Chauwat Ibn Dschubair, um den wahren Sachverhalt zu ermitteln. Sollte die Nachricht zutreffend sein, sollten sie dies bei ihrer Rückkehr jedoch nicht öffentlich kundtun, um die Stärke der Leute nicht zu schwächen.

Als jene Gesandten ankamen, fanden sie die Kuraiza widerwärtiger als ihnen berichtet worden war. Als sie versuchten, sie zu ihrem Vertrag zurückzubewegen, forderte Kab von ihnen, ihre jüdischen Brüder von den Banu An Nadir in ihre Wohnstätten zurückkehren zu lassen. Sad Ibn Muadh, der ein Verbündeter der Kuraiza war, wollte sie davon überzeugen, dass sie dasselbe oder noch Schlimmeres als bei den Banu An Nadir ereilen würde. Doch die Juden wandten sich ab und verunglimpften Muhammad (s.a.s.) . Kab sagte: "Wer ist der Gesandte Allahs ?! Es gibt keinen Vertrag und keine Vereinbarung zwischen uns und Muhammad." Die beiden Parteien beschimpften sich gegenseitig.

Die Moral der Verbündeten nimmt zu

Muhammads (s.a.s.) Gesandte kehrten mit den Eindrücken, die sie gewonnen hatten, zu ihm zurück. Da wurde das Unglück noch bedrückender und die Angst noch stärker. Die Einwohner Medinas sahen den Weg an den Kuraiza vorbei bereits für die Verbündeten geöffnet und sahen diese gegen sie eindringen und sie ausrotten.

Dies war nicht lauter Einbildung oder Wahn. Sie sahen, wie die Kuraiza von ihnen Hilfe und Proviant abschnitten. Und wie sich, seit Hujaij zurückgekehrt war und ihnen den Anschluss der Kuraiza an sie verkündet hatte, die Moral der Kuraisch und Ghatafan geändert hatte und sie sich auf den Kampf vorbereiteten. Denn die Kuraiza hatten die Verbündeten um eine Frist von zehn Tagen gebeten. Sie wollten sich vorbereiten, und die Verbündeten sollten während dieser zehn Tage die Muslime aufs heftigste bekämpfen. Und so verfuhren sie auch. Sie bildeten drei Bataillone zur Kriegführung gegen den Propheten: das Bataillon von Ibn Al Awar As Sulami kam von der Anhöhe des Tales, das Bataillon von Ujaina Ibn Hisn von der Seite, und Abu Sufjan stellte sich ihm gegenüber vor dem Graben auf.

Die Angst der Einwohner Jathribs

Über diese Lage wurden die folgenden Ayat geoffenbart:
"Und da sie zu euch von oben her und von unten her kamen und als die Blicke sich abwandten und die Herzen die Kehle erreichten und ihr schlechte Gedanken über Allah hegtet, da wurden die Gläubigen geprüft und von mächtigem Zittern ergriffen. Und als die Heuchler und jene, in deren Herzen Krankheit ist, sprachen: "Allah und SEIN Gesandter haben uns nichts als Trug versprochen." Und als eine Gruppe von ihnen sprach: "0 Einwohner Jathribs, es gibt keine Bleibe für euch, so kehrt um." Und eine Gruppe von ihnen bat den Propheten um Erlaubnis, indem sie sprachen: "Unsere Häuser sind entblößt." Doch sie waren nicht entblößt, sondern sie wollten nichts als die Flucht."  (33, V.10-13)

Die Einwohner Jathribs hatten einen ernsthaften Entschuldigungsgrund, wenn sie von Angst gepackt wurden und ihre Herzen erzitterten. Es war zu entschuldigen, wenn jemand von ihnen sagte: "Muhammad hatte uns versprochen, dass wir die Schätze Chosroes und Caesars aufessen würden. Heute ist niemand von uns noch nicht einmal seiner selbst sicher, wenn er seiner Notdurft nachgeht."
Deshalb waren auch diejenigen entschuldigt, die die Blicke abwandten und schimpften. Und diejenigen, deren Herzen die Kehlen erreichten. Sahen sie nicht den Tod kommen, sie mit seinem unheilvollen Blick durchbohrend? Er war abgebildet im Blitzen jener Schwerter, die in den Händen der Kuraisch und Ghatafan aufblinkten. Sie breiteten im Herzen die Angst aus, die von den Wohnstätten der verräterischen und treulosen Banu Kuraiza ausging! Wehe den Juden! Wäre es nicht besser gewesen, Muhammad (s.a.s.) hätte den Banu An Nadir ein Ende gemacht und sie ausgerottet anstatt sie wohlbegütert abreisen und Hujaij und seine Gefährten die Araber gegen die Muslime aufhetzen zu lassen, sie zu vernichten. Groß war das Unglück und größer die Angst. Doch es gibt keine Macht noch Stärke als bei Allah (t.)!

Die den Graben überwanden

Die Moral der Verbündeten stieg, so dass einige Reiter der Kuraisch, darunter Amr Ibn Abd Wudd, Ikrama Ibn Abu Dschahl und Dirar Ibn Al Chattab versuchten, den Graben zu überwinden. Sie begaben sich an eine enge Stelle vom Graben, schlugen ihre Pferde, übersprangen ihn und standen auf dem Platz zwischen dem Graben und Sal. Ali Ibn Abu Talib zog mit einigen Muslimen aus und versperrte ihnen die Bresche, von der aus ihre Pferde losgestürmt waren. Amr Ibn Abd Wudd trat vor und rief: "Wer ist zum Duell bereit?" Als ihn Ibn Abu Talib zum Kampf aufforderte, sagte er prahlerisch: "Warum, o Neffe. Bei Allah , ich liebe es nicht, dich zu töten." Ali sagte: "Aber ich liebe es bei Allah , dich zu töten." Da kämpften sie gegeneinander, und Ali tötete ihn. Die verbündeten Reiter flohen und übersprangen den Graben erneut, ohne sich um irgendetwas zu scheren.

Naufal Ibn Abdullah Ibn Al Mughira näherte sich nach Sonnenuntergang auf seinem Pferd in der Absicht, den Graben zu überwinden. Doch er und das Pferd fielen hinein, stürzten und wurden zerschmettert. Abu Sufjan bot für die Übergabe seiner Leiche hundert Kamele an. Doch der Prophet (s.a.s.) lehnte ab und sagte: "Nehmt ihn, er ist unrein und ebenso der Preis für ihn."

Geringschätzung der Kuraiza für die Muslime

Die Verbündeten verstärkten ihr Geschützfeuer und schüchterten die Muslime immer mehr ein und schwächten ihre Moral. Diejenigen, die sich von den Kuraiza in der Festung verschanzt hatten, begannen, von ihrer Festung und Deckung herabzusteigen. Sie wollten zu den in der Nähe gelegenen Wohnungen Medinas, um deren Bewohnern Furcht einzuflößen.

Safija Bint Abdul Muttalib befand sich im Obergeschoss der Festung von Hasan Ibn Thabit, in dem Hasan mit den Frauen und Kindern war. Es kam ein Jude, der um die Festung herumging. Da sagte Safija zu Hasan: "Wie du siehst, o Hasan, geht dieser Jude um die Festung herum. Ich traue ihm bei Allah zu, dass er unsere schwache Stelle den Juden, die nach ihm kommen, zeigt. Der Gesandte Allahs und seine Gefährten können sich zur Zeit nicht um uns kümmern. So geh hinab zu dem Juden und töte ihn." Hasan sagte: "Möge Allah dir vergeben, o Tochter des Abdul Muttalib! Bei Allah , du weißt, ich bin nicht der Mann dafür." Da nahm Safija eine Stange, stieg von der Festung herab und schlug den Juden damit tot. Als sie zurückkehrte, sagte sie: "0 Hasan, geh hinab zu ihm und plündere ihn. Denn nichts hindert mich, ihn zu plündern, außer, dass er ein Mann ist." Hasan sagte: "0 Tochter des Abdul Muttalib, ich bedarf seiner Plünderung nicht!"

Nuaims Intrige gegen die Verbündeten und Kuraiza

Die Einwohner Medinas verharrten in ihrer Furcht und dem Zittern ihrer Herzen, während Muhammad (s.a.s.) über das Mittel zur Befreiung nachdachte. Da sie dem Feind nicht entgegentreten konnten, sollte es denn eine Eist sein. So sandte er zu den Ghatafan, um ihnen ein Drittel der Erträge Medinas zu versprechen, sollten sie abziehen. Die Ghatafan begannen bereits, ungeduldig zu werden. Sie zeigten Unwillen über die Länge dieser Belagerung und was sie während ihr an Not litten, nur um der Bitte von Hujaij Ibn Achtab und den Juden, die mit ihm waren, nachzukommen.

Also ging Nuaim Ibn Masud im Auftrag des Gesandten zu den Kuraiza, die nicht wussten, dass er Muslim geworden war. Er war zur Zeit des vorislamischen Heidentums ihr Freund gewesen und erinnerte sie an diese Freundschaft und an das gute Verhältnis, das zwischen ihnen bestand. Dann bemerkte er ihnen gegenüber, dass sie den Kuraisch und Ghatafan gegen Muhammad (s.a.s.) geholfen hätten, während die Kuraisch und Ghatafan möglicherweise nicht lange aushalten könnten und abziehen würden. Sie und Muhammad (s.a.s.) wären sich dann selbst überlassen, woraufhin er sie exemplarisch bestrafen würde. Er riet ihnen, nicht mit den Leuten zusammen zu kämpfen, ohne Bürgen von ihnen zu nehmen, die sich bei ihnen befänden, so dass die Kuraisch und Ghatafan sich nicht von ihnen zurückziehen würden. Die Kuraiza waren von dem, was er sagte, überzeugt.
Sodann ging er zu den Kuraisch und teilte ihnen vertraulich mit, dass die Kuraiza ihren Vertragsbruch mit Muhammad (s.a.s.) bereuten und sich bemühten, sich mit ihm zu versöhnen und seine Freundschaft zurückzugewinnen, indem sie ihm einige der Edelleute der Kuraisch übergäben, damit er sie hinrichte. Deshalb riet er ihnen, sollten die Juden zu ihnen schicken, um um Bürgen von ihren Männern nachzusuchen, keinen von ihnen zu entsenden. Mit den Ghatafan verfuhr Nuaim genauso wie mit den Kuraisch und warnte sie vor demselben wie diese.
Aufgrund der Worte Nuaims machte sich Argwohn bei den Kuraisch und den Ghatafan breit, und ihre Führer berieten sich. Abu Sufjan sandte zu Kab, dem Führer der Banu Kuraiza, um ihm sagen zu lassen: "0 Kab, unser Aufenthalt und unsere Belagerung dieses Mannes ziehen sich in die Länge. Seht zu, dass ihr am Morgen gegen ihn losmarschiert. Wir werden hinter euch stehen." Da kehrte der Gesandte Abu Sufjans zu ihm mit der Antwort des Führers der Kuraiza zurück: "Morgen ist Sabbat. Wir vermögen am Sabbat weder zu kämpfen noch zu arbeiten." Da wurde Abu Sufjan wütend und glaubte an die Worte von Nuaim. Er schickte den Gesandten zurück und ließ den Kuraiza sagen: "Haltet einen anderen Sabbat anstelle dieses Sabbats. Muhammad muss auf jeden Fall morgen bekämpft werden. Und wenn wir zu seiner Bekämpfung ausziehen und ihr nicht mit uns kommt, dann sagen wir uns vom Bündnis mit euch los und beginnen mit euch noch vor Muhammad."

Als die Kuraiza Abu Sufjans Rede hörten, wiederholten sie, dass sie den Sabbat nicht übertreten würden. Hatte Allah (t.) doch bereits Leuten von ihnen gezürnt, die ihn übertreten hatten, und sie in Affen und Schweine verwandelt. Dann erhoben sie Anspruch auf Bürgen, damit sie sich ihres Loses sicher wären. Als Abu Sufjan dies hörte, hatte er keinen Zweifel mehr an Nuaims Worten. Er brachte die Nacht damit zu, darüber nachzudenken, was er tun sollte. Er sprach mit den Ghatafan. Da hatten sie Bedenken, damit zu beginnen, Muhammad (s.a.s.) zu bekämpfen. Sie wurden davon beeinflusst, dass er ihnen bereits ein Drittel der Erträge Medinas versprochen hatte. Ein Versprechen, das noch nicht einlösbar war, da Sad Ibn Muadh und die Führer Medinas von Al Aus und Al Chazradsch sowie einige der Gefährten, mit denen der Gesandte Allahs sich beraten hatte, nicht damit einverstanden waren.

Ein Sturm vernichtet die Zelte der Verbündeten

In der Nacht wehte ein heftiger Wind, und der Regen goss in Strömen. Der Donner rollte, und Blitze leuchteten auf. Der Sturm nahm an Stärke zu. Er vernichtete die Zelte der Verbündeten, stürzte ihre Kochkessel um und flößte ihnen Angst ein. Sie dachten, die Muslime würden die Gelegenheit ergreifen, zu ihnen hinüberzukommen und über sie herzufallen. Da erhob sich Tulaiha Ibn Chuwailid und rief: "Muhammad macht mit euch mit Schlimmem den Anfang, so flieht, flieht!"

Abu Sufjan sagte: "0 ihr Kuraisch. Bei Allah , ihr seid nicht mehr an einer Stätte des Bleibens. Die Pferde und die Lastkamele sind umgekommen. Die Banu Kuraiza haben mit uns gebrochen und wir haben von ihnen erfahren, was uns nicht gefällt. Und uns hat dieser heftige Wind heimgesucht, wie ihr seht. So zieht ab, auch ich werde aufbrechen!"

Abzug der Verbündeten

Da rissen die Leute an sich, was sie an Hab und Gut tragen konnten und zogen ab. Der Sturm hörte nicht auf, um sie herum zu toben. Sie flohen, und die Ghatafan und die Verbündeten folgten ihnen. Am Morgen fand Muhammad (s.a.s.) nicht einen von ihnen. Er und die Muslime mit ihm kehrten in die Häuser Medinas zurück, die Handflächen demütig zu Allah (t.) emporhebend und dankend, dass ER den Schaden von ihnen abgewandt und den Gläubigen den Kampf erspart hatte.

Der Kriegszug gegen die Kuraiza

Nach dem Abzug der Verbündeten dachte Muhammad (s.a.s.) erneut über seine Lage nach. Allah (t.) hatte den Feind, der ihn bedrohte, von ihm abziehen lassen. Doch die Juden waren in der Lage, Ähnliches zu wiederholen. Sie könnten eine andere Jahreszeit wählen als den grimmigen Winter, der zu den Soldaten Allahs (t.) zur Bezwingung von Muhammads (s.a.s.) Feinden gehörte. Wenn dann die Verbündeten nicht abzögen und sich in ihren Reihen keine Uneinigkeit und keine Zersplitterung ausbreiteten, würden die Kuraiza sich bereithalten, nach Medina einzumarschieren. Und sie würden helfen, die Muslime zu vernichten und auszurotten.
Man soll der Natter nicht den Schwanz abschlagen und sie dann loslassen. Es führte also kein Weg daran vorbei, den Banu Kuraiza wegen dessen, was sie getan hatten, ein Ende zu bereiten.
Muhammad (s.a.s.) wies deshalb den Gebetsrufer an, unter den Leuten auszurufen: "Wer hört und gehorcht, soll das Nachmittagsgebet nicht verrichten - es sei denn bei den Banu Kuraiza." Er setzte Ali mit seiner Flagge gegen sie als Befehlshaber ein. Trotz der Ermüdung der Muslime nach ihrer langen Belagerung durch die Kuraisch und Ghatafan eilten sie zu dieser Schlacht, die zu gewinnen sie keinen Zweifel hatten. Die Banu Kuraiza hielten sich zwar in geschützten Festungen auf, wie sie die Banu An Nadir hatten. Doch wenn ihnen diese Festungen auch bei der Verteidigung ihrer selbst nützten, so nützten sie ihnen nicht beim Angriff auf die Muslime. Den Einwohnern Medinas stand seit dem Abzug der Verbündeten Proviant zur Verfügung. Deshalb begaben sich die Muslime freudig hinter Ali eilends zu den Banu Kuraiza.

Als sie bei ihnen ankamen, war Hujaij Ibn Achtab An Nadir bei ihnen. Sie schleuderten Muhammad (s.a.s.) hässlichste Schimpfreden entgegen, stellten ihn als Lügner hin, verunglimpften ihn und verleumdeten seine Frauen. Es war, als spürten sie, was ihnen bevorstand, nachdem die Verbündeten Medina verlassen hatten. Als der Gesandte kam, traf Ali auf ihn. Er bat ihn, sich der Festung der Juden nicht zu nähern. Da fragte ihn Muhammad (s.a.s.): "Warum? Du hast wohl von den Kränkungen gegen mich gehört?" Er bejahte. Da sagte der Gesandte Allahs : "Hätten sie mich gesehen, hätten sie nichts dergleichen gesagt." Als er sich ihrer Festung näherte, rief er ihnen zu: "0 ihr Brüder der Affen! Hat Allah euch erniedrigt und SEINE Strafe auf euch herabgesandt!" Sie entgegneten: "0 Abu Al Kasim, du warst nicht töricht." Den Rest des Tages strömten die Muslime in Scharen gegen die Banu Kuraiza, bis sie sich alle bei ihnen eingefunden hatten. Da befahl ihnen Muhammad (s.a.s.), sie zu belagern.

Die Belagerung zieht sich in die Länge

Diese Belagerung dauerte fünfundzwanzig Tage, während derer sich nur ein paar Pfeil- und Steinwürfe zwischen ihnen ereigneten. Die Banu Kuraiza wagten es während der ganzen Zeit der Belagerung nicht ein einziges Mal, aus ihren Festungen herauszukommen. Als sie erschöpft waren und sich davon überzeugt hatten, dass ihnen ihre Festungen nichts gegen den Untergang zu nützen vermochten und sie gewiss in die Hände der Muslime fielen - selbst wenn die Belagerung sich in die Länge zöge - schickten sie zum Gesandten, er möge ihnen Abu Lubaba senden, auf dass sie ihn über ihre Lage um Rat fragen könnten. Denn Abu Lubaba war ihr Verbündeter bei den Al Aus.

Befragung Abu Lubabas um Rat

Als sie ihn sahen, kamen ihm die Männer - dem Weinen nahe -, die Frauen und Kinder entgegen. Er hatte Mitleid mit ihnen. Sie fragten ihn: "0 Abu Lubaba, denkst du, wir sollen uns in Muhammads Urteil ergeben?" Er sagte: "Ja, es wäre Selbstmord, solltet ihr es nicht tun", wobei er mit seiner Hand auf seine Kehle zeigte. Der Geschichtsschreibung zufolge bereute Abu Lubaba später seinen Rat.

Als Abu Lubaba sie verlassen hatte, schlug Kab Ibn Asad vor, sie sollten Muhammad (s.a.s.) in seiner Religion folgen und Muslime werden. So würden sie ihres Lebens sicher sein sowie ihres Vermögens und ihrer Kinder. Doch die Gefährten Kabs lehnten es ab, sich diese Rede von ihm anzuhören und schrieen ihn an: "Wir lassen vom Gesetz der Tora nicht ab und tauschen es gegen kein anderes ein." Da schlug er ihnen vor, ihre Frauen und Kinder zu töten und zu Muhammad (s.a.s.) und seinen Gefährten herauszuziehen - als Männer mit gezogenen Schwertern, die keine Last hinter sich zurückließen, auf dass Allah (t.) zwischen ihnen und Muhammad (s.a.s.) entscheide. Sollten sie vernichtet werden, würden sie keine Nachkommenschaft zurücklassen, um die sie zu fürchten hätten. Sollten sie siegen, würden sie andere Frauen und Kinder ergreifen. Sie lehnten auch diesen Vorschlag ab und sagten: "Wenn wir diese Armen töten, was gibt es danach noch Gutes am Leben!" Kab sagte zu ihnen: "Folglich bleibt uns nichts anderes übrig, als uns dem Urteil Muhammads zu ergeben. Ihr habt bereits gehört, was er für euch vorbereitet hat."

Die Leute berieten sich untereinander. Einer von ihnen sagte, ihr Geschick werde nicht schlechter sein als das der Banu An Nadir. Ihre Freunde von Al Aus würden das Übel von ihnen abwenden. Sollten sie vorschlagen, dass sie nach Adhriat in Asch Scham zögen, würde Muhammad (s.a.s.) nichts dabei finden, ihren Vorschlag anzunehmen.
Die Kuraiza sandten zu Muhammad (s.a.s.), um ihm die Auswanderung nach Adhriat vorzuschlagen, wobei sie zurücklassen würden, was sie besaßen. Doch er verweigerte ihnen dies. Er bestand darauf, dass sie sich in sein Urteil zu ergeben hätten. Da sandten sie zu Al Aus und sagten zu ihnen: "Könnt ihr nicht für eure Brüder tun, was Al Chazradsch für ihre Brüder taten!"

Da gingen einige von den Al Aus zu Muhammad (s.a.s.) und sagten: "0 Prophet Allahs , willst du nicht von unseren Verbündeten annehmen, was du von den Verbündeten der Al Chazradsch angenommen hast?!" Muhammad (s.a.s.) entgegnete: "0 ihr von Al Aus, wäret ihr damit zufrieden, wenn ich einen Mann von euch zwischen mich und eure Verbündeten setzte?!" Sie antworteten: "Ja." Er sagte: "So sagt ihnen, sie sollen auswählen, wen sie wollen."

Der Schiedsspruch von Sad Ibn Muadh

Da wählten die Juden Sad Ibn Muadh. Es war, als hätte die Vorsehung sie blind gemacht für das, was für sie auf der Tafel ihres Schicksals geschrieben stand. Als hätten sie vergessen, dass Sad ganz am Anfang, als sie ihren Vertrag verletzt hatten, zu ihnen gekommen war und sie gewarnt hatte. Dass sie Muhammad (s.a.s.) in seiner Gegenwart beleidigten und die Muslime zu Unrecht beschimpften.

Sad nahm beiden Parteien das Versprechen ab, sich seiner Entscheidung zu fügen und mit ihr einverstanden zu sein. Als ihm das Versprechen gegeben worden war, befahl er den Banu Kuraiza, herabzukommen und ihre Waffen abzulegen. Als sie dies getan hatten, entschied Sad über sie, dass ihre Krieger getötet, ihr Vermögen verteilt und die Kinder und Frauen gefangengenommen werden sollten.

Sads Entscheidung, die Juden zu töten

Als Muhammad (s.a.s.) dieses Urteil hörte, sagte er: "Bei DEM, in DESSEN Hand meine Seele ist, Allah und die Gläubigen sind mit diesem Urteil zufrieden; und ich wurde damit beauftragt." Sodann begab er sich zum Basar von Medina und befahl, dort Gräben auszuheben. Dann wurden die Juden vorgeführt, geköpft und in diesen Gräben beerdigt.
Die Banu Kuraiza hatten dieses Urteil von Sad Ibn Muadh, ihrem Verbündeten, nicht erwartet. Sie hatten vielmehr damit gerechnet, er werde mit ihnen verfahren wie Abdullah Ibn Ubaij mit den Banu Kainuka. Vielleicht dachte Sad, dass - hätten die Verbündeten durch den Verrat der Banu Kuraiza den Sieg errungen - die Muslime nichts anderes erwartet hätte als ausgerottet, getötet und verstümmelt zu werden. Er vergalt ihnen also lediglich mit dem, dem auch die Muslime ausgesetzt gewesen wären.

Standhaftigkeit der Juden gegenüber dem Tod

Die Juden zeigten gegenüber dem Tod eine Standhaftigkeit, wie sie sich z.B. aus der Geschichte von Hujaij Ibn Achtab ersehen lässt, als er zur Hinrichtung geführt wurde. Der Prophet blickte ihn an und sagte: "Hat Allah dich nicht erniedrigt, o Hujaij!" Da antwortete Hujaij: "Jede Seele kostet den Tod. Mir ist eine Frist gesetzt, die ich nicht überschreite, und ich mache mir wegen der Feindschaft zu dir keine Vorwürfe." Dann wandte er sich den Leuten zu und sagte: "0 ihr Leute, es gibt nichts gegen Allahs Anordnung einzuwenden. Es ist ein Buch, eine Bestimmung, ein blutiger Kampf, was Allah über die Kinder Israels als Schicksal verhängt hat."

Da Az Zubair Ibn Bata Al Kuraizi dem Thabit Ibn Kais am Tag von Buath eine Gunst erwiesen hatte, indem er ihn nach dessen Gefangenname freiließ, wollte Thabit es ihm nach dem Urteil von Ibn Muadh über die Juden durch einen Gefallen für ihn vergelten. So erwähnte er gegenüber dem Gesandten Allahs die Wohltat Az Zubairs ihm gegenüber und bat ihn, ihm sein Leben zu schenken. Der Gesandte Allahs stimmte seiner Bitte zu. Als Az Zubair erfuhr, was Thabit getan hatte, sagte er zu ihm: "Was soll ein alter Mann wie ich ohne Angehörige und Kinder mit dem Leben anfangen?!" Da bat Thabit den Gesandten Allahs , auch seiner Frau und seinen Kindern das Leben zu schenken. Er gewährte es ihm. Sodann bat er ihn, ihm auch sein Geld zu belassen und er gewährte es ebenso. Als Az Zubair sich seiner Angehörigen, seiner Kinder und seines Geldes sicher war, fragte er nach Kab Ibn Asad, Hujaij Ibn Achtab, Azzal Ibn Samaual und den Führern der Banu Kuraiza. Als er erfuhr, dass sie getötet worden waren, sagte er: "Ich bitte dich, o Thabit, für den Gefallen, den du mir schuldig bist, mit mir wie mit den Leuten zu verfahren. Denn bei Allah , es gibt nach ihnen nichts Gutes mehr im Leben. Ich werde um Allahs willen nicht soviel Geduld wie das Geflecht eines undichten Eimers aufbringen, bis ich die Lieben treffe." So wurde er seinem Wunsch gemäß geköpft.

Die Muslime töteten bei ihren Kriegszügen niemals Frauen oder Kinder. Aber an diesem Tag töteten sie eine Frau, die einen Mühlstein auf einen Muslim geworfen und ihn getötet hatte. Aischa pflegte zu sagen: "Bei Allah , etwas Seltsames von ihr vergesse ich nicht: ihre Heiterkeit und ihr vieles Lachen, obwohl sie wusste, dass sie getötet würde." An jenem Tag wurden vier Juden Muslime und entgingen somit der Hinrichtung.

 

Das Blut der Banu Kuraiza klebt an Hujaij Ibn Achtab

Unserer Ansicht nach klebt das Blut der Banu Kuraiza an Hujaij Ibn Achtab, auch wenn er mit ihnen getötet wurde. Er war es, der den Vertrag brach, den seine Leute von den Banu An Nadir eingegangen waren, als Muhammad (s.a.s.) sie aus Medina vertrieb, ohne einen einzigen von ihnen zu töten, nachdem sie sich in sein Urteil ergeben hatten. Durch sein Aufhetzen der Kuraisch und Ghatafan und aller Araber zur Bekämpfung Muhammads (s.a.s.) rief er die Feindschaft zwischen Juden und Muslimen hervor. Er ließ letztere glauben, dass die Kinder Israels nur mit der Vernichtung Muhammads (s.a.s.) und seiner Gefährten zufrieden sein würden. Er war es, der die Banu Kuraiza anschließend dazu brachte, ihren Vertrag zu brechen und ihre Neutralität aufzugeben; hätten sie ihn eingehalten, hätte sie nichts Böses getroffen. Er war es, der die Festung der Banu Kuraiza nach dem Abzug der Verbündeten betrat. Er rief sie dazu auf, den Muslimen entgegenzutreten und sich zu verteidigen, indem sie sie bekämpften. Hätten sie sich vom ersten Tag an Muhammads (s.a.s.) Urteil gefügt und ihren Fehler, den Vertrag gebrochen zu haben, eingestanden, wäre ihr Blut nicht vergossen und wären sie nicht geköpft worden.

Die Feindschaft war bei Hujaij tief verwurzelt und übertrug sich von ihm auf die Banu Kuraiza. Selbst ihr Verbündeter Sad Ibn Muadh glaubte, sollten sie am Leben bleiben, würden sie keine Ruhe finden, bis sie die Verbündeten aufs neue aufgehetzt sowie die Araber zur Bekämpfung der Muslime vereint und im Siegesfall den Letzten von ihnen getötet hätten. Das strenge Urteil, das er fällte, fällte er aus dem Beweggrund der Selbstverteidigung. Er betrachtete ihr Verbleiben oder Verschwinden als eine Angelegenheit von Leben und Tod für die Muslime.

Die Verteilung des Vermögens der Banu Kuraiza

Der Prophet verteilte das Vermögen, die Frauen und die Kinder der Banu Kuraiza unter den Muslimen, nachdem er ein Fünftel davon abgezogen hatte. Er verteilte es so, dass einem Reiter zwei Anteile, seinem Pferd ein Anteil und einem Fußsoldaten ein Anteil zukamen. Die Zahl der Pferde belief sich am Tag von Kuraiza auf sechsunddreißig. Sodann entsandte er Sad Ibn Zaid von den Ansar mit einer Gruppe von Gefangenen der Banu Kuraiza in den Nedschd. Er kaufte dafür Pferde und Waffen, die die militärische Stärke der Muslime anwachsen ließen.

Eine der Gefangenen der Banu Kuraiza war Raihana; sie fiel dem Anteil Muhammads (s.a.s.) zu. Er bot ihr den Islam an, doch sie beharrte auf ihrem Judentum. Er bot ihr an, sie zu heiraten, doch sie sagte: "Lass mich deine Gefangene bleiben, denn das ist leichter für mich und für dich." Vielleicht waren ihr Verlangen nach dem Judentum und ihre Ablehnung der Heirat auf ihre Verbundenheit mit ihrem Volk zurückzuführen und auf das, was in ihrer Seele an Abneigung gegen die Muslime und ihren Propheten verblieben war. Niemand sprach von der Schönheit Raihanas wie von der Schönheit der Zainab Bint Dschahsch gesprochen worden war. Wenn auch manche erwähnten, sie sei schön und hübsch gewesen. Die Biographen sind sich nicht darüber einig, ob sie einen Schleier tragen musste wie die Frauen des Propheten. Oder ob sie wie die übrigen Frauen der Araber der damaligen Zeit blieb, denen der Schleier nicht vorgeschrieben worden war. Raihana gehörte zu Muhammad (s.a.s.), bis sie bei ihm starb.

Der Kriegszug gegen die Verbündeten und das Ende der Banu Kuraiza stärkten die Muslime in Medina. Den Heuchlern blieb keine Stimme mehr. Die Araber begannen alle über die Stärke und Macht der Muslime, die Stellung Muhammads (s.a.s.) und seine Stärke und die Furcht vor seiner Macht zu reden. Die Botschaft war jedoch nicht nur für Medina, sondern für die ganze Welt bestimmt. Der Prophet und seine Gefährten hatten deshalb immer noch dem Wort Allahs (t.) den Weg zu ebnen, die Menschen zu SEINER wahren Religion aufzurufen und jedem, der sie angriff, Widerstand zu leisten. Das ist es, was sie auch taten.

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