D Das Leben des Propheten

27. Tabuk und der Tod Ibrahims - Weg zum Islam

27. Tabuk und der Tod Ibrahims

 


Dieser häusliche Konflikt, dieses Aufbegehren und diese Unruhe zwischen dem Propheten und seinen Frauen änderten am Verlauf der öffentlichen Angelegenheiten nichts. Die Bedeutung der öffentlichen Angelegenheiten begann nach der Einnahme Mekkas und der Annahme des Islam durch seine Einwohner um ein Vielfaches zuzunehmen. Die Araber erkannten alle allmählich den Umfang dieser Bedeutung. Die heilige Moschee war das heilige Haus der Araber, zu dem sie seit vielen Generationen pilgerten. Diese heilige Moschee und die zu ihr gehörende Sidana (Wächteramt der Kaba), Rifada (Versorgung der Pilger mit Nahrung) und Sikana (Versorgung der Pilger mit Wasser) und die verschiedenen zur Pilgerfahrt gehörenden Zeremonien unterstanden nun Muhammad (s.a.s.) und der neuen Religion. Die öffentlichen Aufgaben der Muslime mussten also notwendigerweise nach der Einnahme Mekkas zunehmen. Und die Muslime mussten umso mehr auf ihre Herrschaft in jedem Winkel der Halbinsel achten.

 

Entrichtung der Sozialabgabe und der Grundsteuer

Die Zunahme der öffentlichen Aufgaben erforderte naturgemäß auch eine Zunahme der öffentlichen Ausgaben. Es führte deshalb kein Weg daran vorbei, dass die Muslime den Zehnten als Sozialabgabe entrichteten und die Araber, die auf ihrem vorislamischen Glauben beharrten, die ihnen auferlegte Grundsteuer. Vielleicht fiel ihnen dies schwer, und vielleicht murrten sie unzufrieden darüber. Aber die mit der neuen Religion verbundene neue Ordnung auf der Halbinsel konnte auf die Steuereintreibung nicht verzichten. Zu diesem Zweck entsandte Muhammad (s.a.s.) kurz nach seiner Rückkehr von Mekka seine Steuereinnehmer. Sie sollten die Steuer von den Stämmen eintreiben, die den Islam angenommen hatten, ohne ihr Grundvermögen anzutasten. Jeder von ihnen zog in seine Richtung.


Die Stämme hießen sie willkommen und entrichteten ihnen den Zehnten gern, wovon nur ein Zweig der Banu Tamim und die Banu Al Mustalik eine Ausnahme machten. Als der Steuereinnehmer von den die Banu Tamim umgebenden Stämmen den Zehnten verlangte, den sie von ihren Kamelen und ihrem Vermögen entrichten sollten, eilten ihm die Banu Al Anbar (ein Zweig der Banu Tamim) entgegen, bevor er den Zehnten von ihnen fordern konnte. Mit ihren Pfeilen und Schwertern vertrieben sie ihn von ihrem Territorium. Als Muhammad (s.a.s.) davon erfuhr, schickte er Ujaina Ibn Hisn an der Spitze von 50 Reitern in einem Überraschungsangriff zu ihnen. Sie flohen, und die Muslime ergriffen an Gefangenen mehr als 50 Männer, Frauen und Kinder und kehrten mit Vermögen nach Medina zurück. Der Prophet nahm diese Gefangenen in Gewahrsam.


Eine Gruppe der Banu Tamim war dem Islam beigetreten und hatte bei der Einnahme Mekkas und bei Hunain an der Seite des Propheten gekämpft, während andere von ihnen noch ihrem vorislamischen Glauben angehörten. Als sie erfuhren, was ihren Gefährten von den Banu Al Anbar zugestoßen war, sandten sie eine Delegation ihrer Edelleute zum Propheten. Diese zogen nach Medina, betraten die Moschee und riefen den Propheten aus seinen Privaträumen: "Komm raus zu uns, o Muhammad!" Ihr Geschrei empfand der Prophet als entwürdigend. Er wäre nicht zu ihnen hinausgegangen, wäre nicht zum Mittagsgebet gerufen worden. Als sie ihn sahen, erzählten sie ihm, was Ujaina mit ihren Angehörigen gemacht hatte. Ferner erwähnten sie den Kampf derer, die von ihnen Muslime geworden waren, an seiner Seite und die Stellung ihrer Leute unter den Arabern. Dann sagten sie zu ihm: "Wir sind zu dir gekommen, um mit dir in einen Dichter-Wettstreit zu treten. So gebe unseren Dichtern und Rednern Erlaubnis." Da erhob sich ihr Redner Utarid Ibn Hadschib. Als er fertig war, rief der Gesandte Allahs Thabit Ibn Kais zu seiner Erwiderung. Dann erhob sich ihr Dichter Az Zibrikan Ibn Badr und dichtete, und Hasan Ibn Thabit antwortete ihm. Als der Wettstreit beendet war, sagte Al Akra Ibn Habis: "Bei meinem Vater, dieser Mann bekommt Unterstützung; seine Redner sind besser als unsere, und seine Dichter sind besser als unsere, und ihre Stimmen sind den unseren überlegen." Die Leute traten dem Islam bei, worauf der Prophet die Gefangenen freiließ und ihren Leuten zurückgab.


Als die Banu Al Mustalik sahen, dass der Steuereinnehmer floh, fürchteten sie um ihre Zukunft und sandten jemanden zum Propheten. Er teilte ihnen mit, dass unbegründete Furcht zu dem Missverständnis, das sich ereignet hatte, geführt habe.
Kein Ort der Halbinsel blieb, der nicht begann, Muhammads (s.a.s.) Macht zu spüren. Keine Gruppe und kein Stamm versuchten, sich gegen diese Macht zu erheben, ohne dass der Prophet eine Streitmacht zu ihnen sandte. Diese machte es ihnen zur Auflage, sich entweder der Entrichtung der Grundsteuer zu fügen und bei ihrer Religion zu verbleiben oder dem Islam beizutreten und den Zehnten zu entrichten

 

Vorbereitung der Römer auf einen Kriegszug

Während Muhammad (s.a.s.) ganz Arabien kontrollierte, damit dort niemand rebelliere und die Sicherheit in seinen Bezirken stabilisiert würde, erfuhr er, dass die Römer zu einem Kriegszug Heere zur Überschreitung der Nordgrenze Arabiens vorbereiteten. Sie wollten die Leute den geschickten Rückzug der Araber von Muta vergessen lassen sowie die Erwähnung der Araber und der Macht der Muslime, die sich in alle Richtungen ausbreitete, um die Macht der Römer in Asch Scham und die Macht der Perser in Al Hira zu begrenzen.
Als ihn diese bedeutsame Nachricht erreichte, zögerte er keinen Augenblick mit der Entscheidung, dieser Macht entgegenzutreten und sie derart zu vernichten, dass ihre Führer nicht mehr daran denken würden, die Araber anzugreifen oder ihnen Widerstand zu leisten

 



Muhammads (s.a.s.) Aufruf zum Kriegszug gegen die Römer

Der Sommer war gerade zu Ende, und die Hitze erreichte in den ersten Herbsttagen ein Ausmaß, das sie in dieser Wüste brennender und tödlicher als die Hitze des Sommers sein ließ. Sodann erforderte die Mühsal des langen Weges von Medina nach Asch Scham Ausdauer, Vorrat und Wasser.
Es war also unumgänglich, dass Muhammad (s.a.s.) den Leuten seinen Entschluss, gegen die Römer zu ziehen und sie zu bekämpfen, offen legte, so dass sie sich darauf vorbereiten konnten. Und es führte kein Weg daran vorbei, dass Muhammad (s.a.s.) dabei von seinen Gewohnheiten bei vorausgegangenen Kriegszügen abwich. Bei denen hatte er sich oftmals mit seinem Heer in eine andere Richtung gewandt, als in die, die er beabsichtigte. Er wollte den Feind irreführen, so dass die Nachricht von seinem Auszug sich nicht verbreiten würde.


Muhammad (s.a.s.) sandte Boten zu allen Stämmen und ließ sie dazu aufrufen sich vorzubereiten, so dass sie ein größtmögliches Heer aufstellen konnten. Er sandte zu den reichen Muslimen, auf dass sie sich mit dem, was ihnen Allah (t.) durch SEINE Gnade gegeben hatte, an der Aufstellung dieses Heeres beteiligten und die Leute anspornten, sich ihm anzuschließen. Das Heer sollte beachtlich genug sein, den Römern Angst einzujagen, deren reiche Ausstattung und große Zahl bekannt waren.

 

Die Reaktion der Muslime auf den Ruf des Gesandten

Wie werden die Muslime diesen Ruf aufgenommen haben, ihre Kinder, Frauen und ihr Vermögen in der größten Hitze zu verlassen, um unfruchtbare, wasserlose Wüsten zu durchqueren? Und um dann auf einen Feind zu treffen, der die Perser besiegt hatte und den die Muslime nicht bezwungen hatten? Würden sie ihr Glaube, ihre Liebe für den Gesandten und ihre starke Verbundenheit mit der Religion Allahs (t.) veranlassen, sich zu beeilen, seinem Ruf zu folgen? So dass die Weite der Wüste nicht mehr so weit wäre für sie. Und dass sie bewaffnet ihr Vermögen und ihre Kamele vor sich hertreiben und vor sich einen solchen Staub aufwirbeln würden, dass der Feind, kaum dass er davon hörte, achtlos weglaufen würde? Oder würden die Mühen des Weges, die heftige Hitze und die Furcht vor Hunger und Durst sie zurückhalten, so dass sie zögern und zurückbleiben würden?


Es gab damals zwei Arten von Muslimen: Es gab unter ihnen welche, die die Religion mit von Rechtleitung und Erleuchtung erfüllten Herzen annahmen und deren Seelen das Licht des Glaubens durchdrang und die nichts anderes kannten. Und es gab unter ihnen welche, die der Religion aus Hoffnung oder Furcht beitraten: Aus Hoffnung auf Kriegsbeute, nachdem ja keiner der arabischen Stämme den Kriegszügen der Muslime standhalten hatte können und sie ihnen unterworfen worden waren und ihnen demütig die Schutzsteuer zahlten. Aus Furcht vor dieser Streitmacht, die jedes ihr begegnende Heer schlug, und deren Stärke jeder König fürchtete. Die ersteren nahmen den Ruf des Gesandten Allahs bereitwillig und ohne zu zögern auf. Unter ihnen war der Arme, der noch nicht einmal ein Reittier fand, das ihn tragen könnte. Und unter ihnen war der Reiche, der sein Geld auf dem Wege Allahs (t.) hergab, zufrieden und auf den Märtyrertod hoffend und dass er in Allahs (t.) Nähe gelangen würde. Letztere jedoch waren unwillig, suchten nach Entschuldigungen und flüsterten untereinander. Sie spotteten darüber, dass Muhammad (s.a.s.) sie zu diesem strapaziösen Kriegszug bei diesem heißen Wetter rief. Dies waren die Heuchler, über die die Sura "At Tauba" geoffenbart wurde. Sie enthält einen eindringlichen Aufruf zur Anstrengung und eine äußerst scharfe Androhung der Strafe Allahs (t.) , die jene trifft, die SEINEM Gesandten nicht Folge leisten.

 

Die Heuchler

Einige von den Heuchlern sagten zueinander: "Zieht nicht in der Hitze aus." Da wurden die Worte des Erhabenen geoffenbart:
"Und sie sagten: "Zieht nicht in der Hitze aus." Sprich: "Das Feuer der Hölle ist heißer." Wenn sie doch begriffen! So sollen sie wenig lachen und viel weinen als Vergeltung für das, was sie taten, " (9, Ayat 81-82)
Muhammad (s.a.s.) fragte Al Dschadd Ibn Kais, einen der Banu Salama: "0 Dschadd, wirst du in diesem Jahr bei der Bekämpfung der Banu Al Asfar dabei sein?" Er erwiderte: "0 Gesandter Allahs , lass mich und versuche mich nicht. Denn bei Allah , meine Leute wissen, dass keinem Mann die Frauen mehr gefallen als mir. Ich fürchte, würde ich die Frauen der Banu Asfar sehen, würde ich es nicht aushalten." (Die Banu Asfar sind die Römer.) Da ließ der Gesandte Allahs von ihm ab. Hierüber wurde die folgende Aya geoffenbart:
"Und unter ihnen ist der, der sagt: "Lass mich und versuche mich nicht." Sind sie nicht schon in Versuchung gefallen? Und die Hölle umfasst fürwahr die Ungläubigen." (9, Aya 49)


Jene, die Muhammad (s.a.s.) insgeheim grollten, ergriffen diese Gelegenheit, um die Heuchler in ihrer Heuchelei zu bestärken und die Menschen gegen die Teilnahme am Kampf aufzuwiegeln. Muhammad (s.a.s.) nahm es mit diesen nicht leicht, aus Sorge, ihre Sache könne schwierig werden. Er war der Ansicht, sie überaus deutlich strafen zu müssen. Er erfuhr, dass Leute von ihnen sich im Haus des Juden Suwailim versammelten und andere zurückhielten und ihnen einredeten, zu desertieren und vom Kampf abzustehen. Da sandte er Talha Ibn Ubaidullah mit einer Gruppe seiner Gefährten zu ihnen. Er steckte das Haus Suwailims in Brand, als die Heuchler in ihm waren. Einer von ihnen floh vom Dach des Hauses und brach sich das Bein. Die übrigen stürmten durch das Feuer und entkamen. Sie wiederholten desgleichen aber nie wieder und waren zudem ein Beispiel für andere. Niemand wagte nach ihnen etwas wie das, was diese getan hatten.

 

Vorbereitung; des "Heeres der Mühsal"

Diese strenge Bestrafung der Heuchler und derer, die mit ihnen waren, zeigte Auswirkungen: Die Reichen und die Wohlhabenden gaben großzügige Spenden für die Ausrüstung des Heeres. Allein Uthman Ibn Affan spendete eintausend Dinar, und viele außer ihm spendeten - jeder nach seinen Möglichkeiten. Jeder, der in der Lage war, für sich selbst etwas auszugeben, kam mit seiner Ausrüstung und seiner Spende. Viele der Armen kamen und wollten, dass der Prophet sie damit ausrüste. Er rüstete aus, wen er konnte, und entschuldigte sich bei den übrigen und sagte: "Ich finde nichts mehr, womit ich euch ausrüsten könnte." Da gingen sie fort und weinten - traurig, weil sie nichts fanden, um es zu spenden. Wegen ihres Weinens wurde ihnen der Name "die Weinenden" gegeben. Muhammad (s.a.s.) sammelte in diesem Heer, das wegen der Schwierigkeiten, denen es seit dem Tag seiner Mobilisierung ausgesetzt war. "Heer der Mühsal" genannt wurde, 30.000 Muslime.


Das Heer sammelte sich, und Abu Bakr leitete für seine Soldaten das Gebet. Sie warteten auf die Rückkehr Muhammads (s.a.s.), der unterdessen die Angelegenheiten Medinas regelte. Muhammad (s.a.s.) hatte Muhammad (s.a.s.) Ibn Maslama zu seinem Stellvertreter über die Stadt bestimmt und Ali Ibn Abu Talib bei seiner Familie als Beschützer zurückgelassen und ihm aufgetragen, bei ihr zu bleiben. Er gab Anweisung in bezug auf einige Dinge, deren Regelung er für erforderlich hielt. Dann kehrte er zum Heer zurück und übernahm seine Führung. Abdullah Ibn Ubaij war mit einem Heer seiner Leute ausgezogen und marschierte mit ihnen an der Seite des Heeres Muhammads (s.a.s.). Doch Muhammad (s.a.s.) war dafür, dass Abdullah und sein Heer in Medina bleiben sollten, weil er ihm und der Aufrichtigkeit seines Glaubens wenig Vertrauen schenkte.

 

Auszug des "Heeres der Mühsal"

Auf Muhammads (s.a.s.) Befehl hin setzte sich das Heer in Bewegung. Es wirbelte Staub auf, und die Pferde wieherten. Die Frauen Medinas kletterten auf die Dächer ihrer Häuser, um diese gewaltige Armee, die die Wüste in Richtung Asch Scham durchquerte, sehen zu können. Eine Armee, die um Allahs (t.) willen die Hitze, den Durst und den Hunger verachtete und hinter sich die Drückeberger und jene zurückließ, die den Schatten, den Wohlstand und das Vergnügen ihrem Glauben und der Zufriedenheit Allahs (t.) mit ihnen vorzogen.


Der Anblick des Heeres, das von zehntausend Reitern angeführt wurde, und der Anblick der Frauen, die von seiner Pracht und Stärke ergriffen waren, brachten einige Leute in Bewegung. Der Ruf des Gesandten hatte sie nicht reagieren lassen. Sie waren uninteressiert geblieben und ihm nicht gefolgt. Abu Chaithama z.B. kehrte zurück, nachdem er dies gesehen hatte. Er gewahrte, dass jede seiner beiden Frauen ihre Hütte mit Wasser besprengt und ihm in ihr Wasser gekühlt und Speise bereitet hatte. Als der Mann nun sah, was sie getan hatten, sagte er: "Der Gesandte Allahs ist Sonne, Wind und Hitze ausgesetzt. Und Abu Chaithama ist zu Hause und hat kühlen Schatten, wohlschmeckende Speise und schöne Frauen. Bereitet mir Proviant, so dass ich mich ihm anschließe." Da machten sie ihm seinen Proviant fertig, und er schloss sich dem Heer an. Vielleicht handelte ein Teil der Zurückgebliebenen wie Abu Chaithama gehandelt hatte, insbesondere als sie sahen, welche Schmach und Verachtung Zurückbleiben und Ängstlichkeit beinhalten.

 

Das Lager bei Al Hidschr

Das Heer zog dahin, bis es Al Hidschr erreichte, wo sich Ruinen der in Felsen geschlagenen Wohnungen von den Thamud befanden. An jener Stelle befahl der Gesandte Allahs , das Lager aufzuschlagen. Die Leute schöpften Wasser aus dem dortigen Brunnen. Doch als sie damit begannen, sagte er zu ihnen: "Trinkt nichts von seinem Wasser und wascht euch damit nicht fürs Gebet. Und wenn ihr mit ihm Teig geknetet habt, füttert damit die Kamele, und esst nichts davon. Und niemand von euch soll nachts ohne einen Gefährten fortgehen." Dies sagte er, weil an dem Ort noch niemand vorbeigekommen war, ohne dass dort zeitweise Sandstürme tobten, die Menschen und Kamele verschütteten. Dennoch zogen zwei Männer entgegen dem Befehl des Gesandten aus. Den einen von ihnen trug der Wind fort, den anderen begrub der Sand.


Am Morgen entdeckten die Leute, dass der Sand den Brunnen verschüttet hatte und kein Wasser mehr in ihm war. Sie erschraken und bekamen Angst vor dem Durst und dachten an den Schrecken des verbleibenden langen Weges. In dieser ihrer Situation zog eine Wolke an ihnen vorbei und goss Regen über sie. Sie sammelten soviel Wasser wie sie wollten. Ihre Furcht schwand, und die meisten von ihnen waren vor Freude außer sich. Einige von ihnen sagten zueinander, es handle sich um ein Wunder. Andere dagegen meinten, es wäre nur eine vorbeiziehende Wolke gewesen

 

Der Rückzug der Römer

Das Heer zog danach in Richtung Tabuk weiter. Die Römer hatten von diesem Heer und seiner Stärke bereits gehört. Sie zogen den Rückzug des Heeres vor, das sie an ihre Grenzen geschickt hatten, um im Hinterland von Asch Scham in ihren Festungen Schutz zu suchen. Als die Muslime Tabuk erreichten und Muhammad (s.a.s.) vom Rückzug der Römer erfuhr und ihm von ihrer Furcht berichtet worden war, sah er keinen Anlass, sie ins Innere ihres Landes zu verfolgen. Er blieb an der Grenze, um zu bekämpfen, wer mit ihm den Kampf aufnehmen oder sich gegen ihn erheben wollte. Er machte diese Grenze sicher, auf dass sie danach niemand mehr überschreiten würde.


Juhanna Ibn Ruba war der Gouverneur von Aila, einem der an der Grenze liegenden Fürstentümer. Der Prophet richtete an ihn einen Brief, sich zu ergeben, da er anderenfalls gegen ihn zu Felde ziehen werde. Juhanna kam mit einem goldenen Kreuz auf seiner Brust, bot Geschenke und Ergebung an, schloss Frieden mit Muhammad (s.a.s.) und zahlte ihm die Schutzsteuer. Auch die Einwohner von Al Dscharba und Adhrun* schlossen mit ihm Frieden und zahlten ihm die Schutzsteuer.
*An der Grenze von Asch Scham gelegene Orte.

 

Die Friedensverträge mit den Grenzbewohnern

Der Gesandte Allahs fertigte ihnen Sicherheitsverträge. Der folgende Text ist der Wortlaut dessen, den er für Juhanna schrieb:
"Im Namen Allahs , des Allerbarmers, des Barmherzigen. Dies ist eine Sicherheitsgarantie von Allah und Muhammad, dem Propheten, dem Gesandten Allahs , für Juhanna Ibn Ruba und die Bewohner von Aila. Ihre Schiffe und Karawanen zu Lande und zu Wasser unterstehen dem Schutz Allahs und Muhammads, des Propheten. Dies gilt auch für die Bewohner Asch Schams, des Jemen und die Küstenbewohner, die sich ihnen anschließen. Wenn sich aber jemand von ihnen etwas zuschulden kommen lässt, so kann er sich nicht auf sein Vermögen berufen, und es steht Muhammad frei, jenes Vermögen von den Leuten einzuziehen. Und es ist nicht gestattet, sie von einem Brunnen oder einem Weg zu Lande oder zu Wasser abzuhalten."


Zum Zeichen der Einhaltung dieses Abkommens schenkte Muhammad (s.a.s.) Juhanna einen Überwurf aus Gewebe vom Jemen. Er ließ ihm jede nur erdenkliche Aufmerksamkeit zukommen, nachdem er zugestimmt hatte, dass Aila die von ihm auf 300 Dinar jährlich festgesetzte Schutzsteuer entrichten würde.

 

Ibn Al Walids Attacke gegen Duma

Es bestand für Muhammad (s.a.s.) nach dem Rückzug der Römer, nach den Friedensverträgen der an der Grenze gelegenen Provinzen mit ihm und nachdem er vor einer Rückkehr des byzantinischen Heeres von dieser Seite her sicher war, keine Notwendigkeit mehr zum Kampf. Hätte er nicht die Rache des Christen Ukaidir Ibn Abdul Malik Al Kindi, des Fürsten von Duma, gefürchtet, dass dieser nämlich den Heeren der Römer helfen könnte, wenn sie von seiner Seite her kämen. Deshalb schickte der Prophet Chalid Ibn Al Walid mit 500 Reitern zu ihm und wandte sich selbst mit dem Heer zur Rückkehr nach Medina.


Chalid beeilte sich mit dem Sturm auf Duma. Denn dessen König war sorglos in einer Vollmondnacht mit seinem Bruder Hassan zur Büffeljagd ausgezogen. Chalid traf auf keinen nennenswerten Widerstand. Er tötete Hassan, nahm Ukaidir gefangen und drohte ihm mit der Hinrichtung, sollte Duma nicht seine Tore öffnen. Da öffnete die Stadt ihre Tore als Auslösung für ihren Fürsten. Chalid nahm daraus zweitausend Kamele, 800 Schafe, 400 Ladungen Weizen und 400 Rüstungen in Beschlag und zog damit und mit Ukaidir zum Propheten in seiner Hauptstadt. Muhammad (s.a.s.) trug Ukaidir den Islam an. Daraufhin wurde er Muslim und ein Verbündeter des Propheten.

 

Rückkehr der Muslime nach Medina

Die Rückkehr Muhammads (s.a.s.) an der Spitze dieser Tausende des "Heeres der Mühsal" von den Grenzen Asch Schams nach Medina war keine leichte Angelegenheit. Viele dieser Krieger verstanden die Übereinkunft nicht, die er mit dem Fürsten von Aila und den benachbarten Provinzen getroffen hatte. Sie legten keinen großen Wert auf das, was Muhammad (s.a.s.) durch diese Vereinbarungen verwirklicht hatte, dass nämlich die Grenzen der Halbinsel sicher waren und diese Provinzen Puffer zwischen ihr und den Römern bildeten. Alles, was sie sahen, war, dass sie diese lange Mühsal hinter sich gebracht und dabei einiges an Beschwerden ertragen hatten. Und dann zurückkehrten, ohne Beute und Gefangene gemacht zu haben. Ja sogar, ohne gekämpft zu haben! Alles, was sie getan hatten, war, sich etwa 20 Tage bei Tabuk aufzuhalten. Hatten sie deswegen die Wüste in der größten Hitze zu einer Zeit durchquert, in der die Früchte Medinas bereits reif waren und es Zeit war, dass die Menschen sie ernteten?


Eine Gruppe von ihnen begann über das, was Muhammad (s.a.s.) getan hatte, zu spotten. Jene, deren Herzen vom Glauben erfüllt waren, überbrachten ihm die Kunde von ihnen. Er behandelte die Spötter teils mit Strenge, teils mit Milde. Auf diese Weise kehrte das Heer nach Medina zurück, während Muhammad (s.a.s.) die Disziplin in seinen Reihen bewahrte. Kaum dass sie dort angekommen waren, stieß Ibn Al Walid zu ihnen. Er hatte Ukaidir bei sich und das, was er von Duma an Kamelen, Schafen, Weizen und Rüstungen mitgebracht hatte. Ukaidir trug ein Kleid aus Goldbrokat, das die Aufmerksamkeit der Bewohner Medinas auf sich zog.

 

Die Zurückgebliebenen

Da wurden diejenigen, die Muhammad (s.a.s.) nicht gefolgt waren, in Verwirrung gebracht, und die Spötter wurden wieder vernünftig. Die Zurückgebliebenen kamen, sich zu entschuldigen. Die meisten von ihnen entschuldigten sich durch eine Lüge. Muhammad (s.a.s.) wandte sich von ihrem Tun ab und überließ sie der Vergeltung Allahs (t.) . Drei waren jedoch aufrichtig gegenüber Allah (t.) und SEINEM Gesandten und gestanden ihr Zurückbleiben und ihre Sünde. Diese drei waren Kab Ibn Malik, Murara Ibn Ar Rabi und Hilal Ibn Umaija. Muhammad (s.a.s.) befahl, dass die Muslime sich von diesen drei fünfzig Tage lang abwenden sollten. Keiner sprach mit ihnen, und zwischen ihnen und den anderen Muslimen fand kein Handel statt. Dann wandte SICH Allah (t.) diesen drei wieder zu und vergab ihnen, über sie wurden die Worte des Erhabenen geoffenbart:


"Allah wandte SICH dem Propheten und den Muhadschirun und den Ansar und denen, die ihm in der Stunde der Mühsal folgten, wieder zu, nachdem die Herzen einer Gruppe sich von ihnen beinahe abgekehrt hatten. Alsdann wandte ER SICH ihnen wieder zu, denn ER ist gütig zu ihnen und barmherzig. Auch den dreien, die zurückgeblieben waren, bis die Erde ihnen eng wurde, obwohl sie weit ist; und ihre Seelen wurden eng und sie sahen ein, dass es keine Zuflucht vor Allah gibt außer bei IHM. Alsdann wandte ER SICH ihnen wieder zu, auf dass sie bereuten, denn Allah ist fürwahr der Vergebende, der Barmherzige." (9, Ayat 117-118)

 

Die Strenge gegenüber den Heuchlern

Von diesem Tag an behandelte Muhammad (s.a.s.) die Heuchler mit einer Strenge, die sie zuvor nicht gewohnt waren. Denn die Zahl der Muslime nahm so sehr zu, dass der Spott der Heuchler unter ihnen zu einer Gefahr wurde, die gefürchtet wurde und die es zu beseitigen galt. Nachdem sein Herr ihm versprochen hatte, SEINER Religion den Sieg zu verleihen und SEIN Wort zu erhöhen, hatte Muhammad (s.a.s.) keinen Zweifel, dass die Zahl danach täglich um ein Vielfaches zunehmen würde. Dann würden die Heuchler zu einer beträchtlichen Gefahr.


Als früher der Islam auf Medina und seine Umgebung beschränkt war, konnte Muhammad (s.a.s.) übersehen, was unter den Muslimen stattfand. Aber nachdem die Religion sich in alle Richtungen Arabiens verbreitet hatte und sie im Begriff war, darüber hinaus zu gehen, war jedes Geringschätzen der Heuchler ein Übel, dessen Folgen er fürchtete. Es bedeutete eine Gefahr, die sich aufs schnellste vergrößerte, wenn ihre Wurzeln nicht abgeschnitten würden.

 

Das Verbrennen der schädlichen Moschee

Eine Gruppe erbaute eine Moschee bei Dhu Awan, ungefähr eine Stunde von Medina entfernt. Diese Moschee suchte eine Gruppe von Heuchlern auf. Sie verdrehten das Wort Allahs (t.) und wollten dadurch die Muslime spalten - was ihren Schaden und Unglauben bewies. Diese Gruppe bat den Propheten vor Tabuk, die Moschee durch das Gebet darin zu eröffnen. Er bat sie, bis zu seiner Rückkehr zu warten. Als er dann zurückkehrte und erfuhr, was es mit der Moschee auf sich hatte und was mit ihrer Errichtung bezweckt wurde, befahl er, sie zu verbrennen. Er gab dadurch ein Beispiel, das die Heuchler erzittern ließ. Sie bekamen Angst und zogen sich zurück. Niemand nahm sie mehr unter seinen Schutz außer Abdullah Ibn Ubaij, ihrem Ältesten und Führer.


Abdullah lebte jedoch nach Tabuk nur noch zwei Monate. Er erkrankte und starb. Obwohl der Hass gegen die Muslime ihm das Herz zerfressen hatte, zog der Prophet es vor, dass die Muslime Ibn Ubaij kein Übel antäten. Als er gebeten wurde, das Totengebet für ihn zu sprechen, als er gestorben war, zögerte der Prophet nicht, dieses Gebet zu sprechen und bei seinem Grab zu stehen, bis er beerdigt worden war. Mit seinem Tod verloren die Heuchler eine Stütze. Die von ihnen übrig waren, zogen es vor, aufrichtig gegenüber Allah (t.) zu bereuen.

 

Tabuk - der Abschluss der Kriegsziige

Mit dem Kriegszug von Tabuk wurde das Wort des Herrn auf der ganzen Halbinsel eine Tatsache, und Muhammad (s.a.s.) war auf ihr vor jedem Angriff sicher. Ihre übrigen Einwohner schickten Delegationen zu ihm, die Gehorsam antrugen und den Islam gegenüber Allah (t.) erklärten. Dieser Kriegszug war der letzte Kriegszug des Propheten (s.a.s.). Danach blieb Muhammad (s.a.s.), zufrieden mit dem, was Allah (t.) ihm gegeben hatte, in Medina

 

Die Freude des Propheten über Ibrahim

Sein Sohn Ibrahim, sein Augentrost, war sechzehn oder achtzehn Monate alt. Wenn immer er mit dem Empfang der Delegationen oder der Regelung der Angelegenheiten der Muslime fertig war und seine Pflichten gegenüber Allah (t.) und SEINER Botschaft sowie all seinen Familienangehörigen erfüllt hatte, fand er Ruhe im Anschauen dieses Kindes, das sich weiterentwickelte und wuchs und dessen Ähnlichkeit mit Muhammad (s.a.s.) deutlicher wurde. Dies vermehrte die Liebe und Verbundenheit seines Vaters für ihn. Während all dieser Monate war Umm Saif seine Amme, die ihn säugte und ihm Milch von den Ziegen zu trinken gab, die der Prophet ihr geschenkt hatte.


Die Verbundenheit Muhammads (s.a.s.) mit Ibrahim war nicht von einer Absicht getragen, die mit seiner Gesandtschaft oder mit seiner Nachfolge zusammenhing. Denn er (s.a.s.) dachte in seinem Glauben an Allah (t.) und an SEINE Botschaft nicht an seine Nachkommen oder Erben, sondern pflegte zu sagen:
"Wir Propheten werden nicht beerbt; was wir hinterlassen, ist eine Spende."


Es war vielmehr die menschliche Zuneigung in ihrer höchsten Ausdrucksform, die bei Muhammad (s.a.s.) eine Stärke erreichte wie bei niemandem sonst. Die menschliche Zuneigung, die den Araber in seinem männlichen Nachkommen eine Form der Ewigkeit sehen lässt, die Muhammad (s.a.s.) all diese Liebe an Ibrahim geben und einzig ihn betrachten ließ. Diese Zuneigung nahm bei ihm dadurch an Zartgefühl und Stärke zu, dass er seine beiden Söhne Al Kasim und At Tahir verloren hatte, als sie noch Kinder im Schoß ihrer Mutter Chadidscha waren. Und dass er nach Chadidscha eine seiner Töchter nach der anderen verlor, nachdem sie bereits erwachsen und Ehefrauen und Mütter geworden waren. Von ihnen war ihm nur Fatima geblieben. Diese Söhne und Töchter, die gestorben waren und die er mit eigener Hand begraben hatte, ließen bei ihm eine schmerzliche Wunde zurück. Sie heilte durch die Geburt Ibrahims und brachte an ihrer Stelle Hoffnung hervor. Es stand ihm zu, freudig von dieser Hoffnung erfüllt zu sein.

 

Ibrahims Krankheit

Diese Hoffnung sollte jedoch nicht länger als die von uns erwähnten Monate anhalten. Denn danach erkrankte Ibrahim lebensbedrohlich und wurde zu einer Palme in der Nähe des "Brunnens der Mutter Ibrahims" gebracht, wo Maria und ihre Schwester Sirin ihn pflegten. Die Krankheit des Kindes dauerte nicht lange, da war sein Tod abzusehen.


Als dem Propheten die Kunde davon überbracht wurde, nahm er die Hand von Abdur Rahman Ibn Auf und stützte sich wegen der Heftigkeit seines Schmerzes auf ihn, bis sie zu der Palme in der Umgebung der Anhöhe kamen, wo sich heute der Brunnen befindet. Dort fand er Ibrahim sterbend im Schoß seiner Mutter. Da nahm er ihn und legte ihn bewegten Herzens und mit zitternder Hand in seinen Schoß. Trauer ergriff sein Herz, und der Schmerz zeigte sich in seinen Gesichtszügen. Er sagte:"0 Ibrahim, wir vermögen nichts für dich gegen den Willen Allahs (t.) zu tun." Dann schwieg er und weinte. Der Junge lag im Sterben. Seine Mutter und deren Schwester schreien, ohne dass der Gesandte sie daran hinderte. Als Ibrahim ein regungs- und lebloser Körper war und durch seinen Tod die Hoffnung erlosch, die eine Zeitlang die Seele des Propheten erobert hatte, weinte Muhammad (s.a.s.) noch mehr. Er sagte: "0 Ibrahim, wäre es nicht eine wahre Sache und ein aufrichtiges Versprechen, dass die letzten von uns sich den ersten von uns anschließen, würden wir noch mehr um dich trauern." Nachdem er eine Weile geschwiegen hatte, sagte er: "Das Auge weint, und das Herz ist traurig. Doch sagen wir nur, was unserem Herrn gefällt; o Ibrahim, wir trauern um dich."


Die Muslime sahen Muhammads (s.a.s.) Trauer. Die Weisen von ihnen versuchten, ihn davon abzubringen und erinnerten ihn, dass er sie verboten habe. Da entgegnete er: "Nicht die Trauer habe ich verboten, sondern das Erheben der Stimme beim Weinen. Was ihr in mir seht, ist Ausdruck der Liebe und des Mitleids in meinem Herzen. Und wer kein Mitleid zeigt, dem wird keiner Mitleid entgegenbringen." So oder ähnlich sagte er. Dann versuchte er, seine Trauer zu unterdrücken und seinen Schmerz zu dämpfen. Er blickte Maria und Sirin mitleidsvoll an und bat sie, sich zu trösten, indem er sagte: "Er hat eine Milchamme im Paradies." Dann wusch ihn Umm Buradda oder, nach einer anderen Überlieferung, Al Fadi Ibn Abbas. Er wurde von ihrem Haus auf einem kleinen Bett getragen. Der Prophet und sein Onkel Al Abbas und eine Gruppe Muslime gaben ihm das Geleit zu dem Ort, wo er begraben wurde, nachdem der Prophet für ihn das Totengebet gesprochen hatte. Als seine Beerdigung beendet war, befahl Muhammad (s.a.s.), das Grab aufzufüllen. Er ebnete es mit eigener Hand, besprühte es mit Wasser, markierte es mit einem Zeichen und sagte: "Es schadet weder noch nützt es, aber es ist ein Augentrost für die Lebenden. Auch Allah liebt es, dass der Diener sein Werk vervollständigt."


Der Tod Ibrahims traf mit einer Sonnenfinsternis zusammen. Die Muslime sahen darin ein Wunder und sagten, die Sonne habe sich wegen Ibrahims Tod verfinstert. Der Prophet hörte sie. Würden der Überschwang seiner Liebe für Ibrahim und seine große Betroffenheit über seinen Tod ihn veranlassen, das, was er an derartigen Aussagen hörte, zu bestärken? Oder wenigstens darüber zu schweigen oder gegenüber den Leuten Nachsicht zu üben, wenn er sie von dem ergriffen sah, was sie für ein Wunder hielten? Nein! Desgleichen passt zu denen, die aus der Unwissenheit der Leute Kapital schlagen wollen. Und zu denen, denen die Trauer den Verstand raubt. Aber es passt nicht zum Redlichen und Weisen, geschweige denn zum erhabenen Gesandten! Deshalb schaute Muhammad (s.a.s.) jene an, die behaupteten, die Sonne habe sich wegen Ibrahims Tod verfinstert. Er hielt ihnen eine Ansprache und sagte: "Die Sonne und der Mond sind zwei von Allahs Zeichen. Sie verfinstern sich weder wegen des Todes noch wegen des Lebens von irgendjemandem. Wenn ihr also desgleichen seht, so nehmt durch das Gebet Zuflucht im Gedenken Allahs ."


Welche Erhabenheit ist größer als die, dass der Gesandte seine Botschaft in dieser sehr schmerzlichen Situation nicht vergisst, die seine Seele mit Kummer und Entsetzen erfüllt! Die Orientalisten, die dieses Ereignis im Leben Muhammads (s.a.s.) anführen, halten ehrfürchtig und bewundernd inne. Sie können ihr Erstaunen und ihre Verherrlichung und Anerkennung der Aufrichtigkeit eines Mannes nicht verschweigen, der selbst inmitten einer sehr kritischen Lage nur mit Ehrlichkeit und Wahrheit zufrieden ist.


Was mögen die Frauen des Propheten bei seinem Schmerz wegen Ibrahim und seiner heftigen Trauer um ihn gefühlt haben? Was ihn betraf, so fand er Trost in der Gnade Allahs (t.) , in der Fortsetzung seines Prophetenamtes und in der zunehmenden Verbreitung des Islam bei jenen Delegationen, die unablässig aus allen Richtungen zu ihm kamen. Dieses zehnte Jahr der Hidschra wurde sogar das "Jahr der Delegationen" genannt. Es war dasselbe Jahr, in dem Abu Bakr die Leute auf der Pilgerreise anführte.

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