D Das Leben des Propheten

Muhammad12

30. Krankheit und Tod des Propheten (s.a.s.)

 


Die Auswirkung der Abschiedswallfahrt

Die Abschiedswallfahrt war vollbracht, und es war Zeit für die Zehntausende, die den Propheten dabei begleitet hatten, in ihre Heimat zurückzukehren. Also zogen die Einwohner des Nedschd in den Nedschd, die Einwohner von Tihama nach Tihama, die Einwohner des Jemen und von Hadramaut und der angrenzenden Gebiete gen Süden und der Prophet und seine Gefährten nach Medina, wo sie danach in Sicherheit vor der gesamten Halbinsel lebten und wo Muhammad (s.a.s.) über die Lage der den Römern und den Persern unterworfenen Länder in Asch Scham, Ägypten und Al Irak nachdachte.


Er war bereits auf der ganzen arabischen Halbinsel sicher, nachdem die Leute der Religion Allahs (t.) scharenweise beigetreten waren und die Delegationen begonnen hatten, eine nach der anderen nach Jathrib zu kommen, den Gehorsam zu erklären und unter dem Banner des Islam Schutz zu suchen, und nachdem sich ihm alle Araber bei der Abschiedswallfahrt angeschlossen hatten. Weshalb sollten die Könige der Araber in ihrem Bündnis mit dem Propheten und seiner Religion nicht aufrichtig sein, zumal niemand ihnen soviel Macht und eigene Unabhängigkeit zugestand wie der ungelehrte Prophet. Beließ er nicht Badhan, den Gouverneur der Perser über den Jemen, in seiner Herrschaftsstellung, als dieser seine Annahme des Islam erklärte und die Einheit der Araber erstrebte und das Joch der Anhänger des Mazdaglaubens abschüttelte?! Das, was einige von ihnen an verschiedenen Stellen der Halbinsel an aufruhrartigen Bewegungen unternahmen, war es nicht wert, dass der Prophet Gedanken darauf verwandte oder sich in ihm Furcht regte. Nachdem doch jetzt die Herrschaft der neuen Religion sich überall ausbreitete und sich die Gesichter dem Lebendigen und Beständigen zuwandten und die Herzen an Allah (t.), den Einzigen und Allmächtigen glaubten


Das Anmaßen der Prophetenschaft von Tulaiha, Al Aswad und Musailima


Deswegen erregte das Auftreten derer, die damals behaupteten, Propheten zu sein, nicht Muhammads (s.a.s.) Sorge oder Aufmerksamkeit. Es stimmt zwar, dass einige fern von Mekka gelegene Stämme sich nach dem, was sie von Muhammad (s.a.s.) und dem Erfolg seines Aufrufs gehört hatten, beeilten, auf die zu hören, die bei ihrem Stamm die Prophetenschaft in Anspruch nahmen. Sie wünschten, denselben Erfolg wie die Kuraisch zu haben, und dass diese Stämme wegen ihrer Entfernung vom Sitz der neuen Religion diese nicht vollständig kannten. Aber der wahre Aufruf zu Allah (t.) hatte in Arabien bereits Fuß gefasst, und so war der Widerstand dagegen keine leichte Sache. Die Kunde dessen, was Muhammad (s.a.s.) auf dem Wege dieses Aufrufens erlitten hatte, hatte sich bereits in alle Richtungen verbreitet, und niemandem außer dem Sohn Abdullahs wäre dies zu ertragen möglich gewesen. Bei jeder Behauptung, die auf Lüge gründet, wird eben diese Lüge unausweichlich schnell entdeckt. Keinem Anmaßen der Prophetenschaft kann es also bestimmt sein, irgendeinen bedeutenden Erfolg zu haben.


Tulaiha, der Führer der Banu Asad und einer der Kriegshelden der Araber und der Machthaber im Nedschd behauptete, er sei ein Prophet und Gesandter. Er bekräftigte seine Behauptung durch die Prophezeiung einer Wasserstelle an einem Tag, an dem seine Leute unterwegs waren und der Durst sie beinahe umbrachte. Aber solange Muhammad (s.a.s.) lebte, hatte er Angst, gegen ihn zu rebellieren, und so revoltierte er erst offen, nachdem Allah (t.) SEINEN Gesandten zu SICH genommen hatte. Ibn Al Walid besiegte Tulaiha in dieser seiner Revolte, und er schloss sich aufs neue den Reihen der Muslime an und führte ein vom Islam geprägtes Leben.


Auch Musailima und Al Aswad Al Ansij ging es zu Lebzeiten des Propheten nicht besser als Tulaiha. Musailima schickte zum Propheten (s.a.s.) eine Botschaft, in der er sagte, er sei ein Prophet seinesgleichen, "und uns gehört eine Hälfte der Erde und den Kuraisch die andere Hälfte der Erde; aber die Kuraisch sind ungerechte Leute." Als der Brief vorgelesen wurde, blickte der Prophet die beiden Gesandten Musailimas an und äußerte ihnen gegenüber, er würde ihre Hinrichtung befehlen, wenn nicht für Emissäre freies Geleit gelte. Er antwortete Musailima, er habe seine Botschaft angehört und was sie an Lüge enthalte. Und die Erde gehöre Allah (t.); ER überlasse sie, wem auch immer von SEINEN rechtschaffenen Dienern ER wolle. Und Friede sei über den, der der Rechtleitung folge.


Was Al Aswad Al Ansij anbelangt, den Herrscher über den Jemen nach dem Tode von Badhan, so behauptete er, die Magie zu beherrschen. Er rief die Leute heimlich dazu auf, bis er, als er an Einfluss gewann, aus Richtung Süden loszog und den Gouverneur Muhammads (s.a.s.) über den Jemen verdrängte, nach Nadschran ging und dort den Sohn von Badhan und Erben seines Thrones tötete. Er heiratete dessen Frau und weitete in dieser Gegend seine Herrschaft aus. Die Bedeutung seiner Sache erregte keineswegs Muhammads (s.a.s.) besonderes Interesse und veranlasste ihn lediglich, zu seinen Statthaltern im Jemen zu schicken, sie sollten Al Aswad gefangen nehmen oder töten. Den Muslimen gelang es, den Jemen erneut gegen Al Aswad zu vereinen, und seine Frau tötete ihn aus Rache für die Ermordung ihres ersten Mannes Ibn Badhan.


Gedanken über den Kriegszug der Römer


Die Gedanken und das Interesse Muhammads (s.a.s.) richteten sich folglich nach seiner Rückkehr von der Abschiedswallfahrt auf den Norden, da er ja vom Süden her sicher war und sich beruhigt fühlte. Seit dem Kriegszug von Muta und seitdem die Muslime zufrieden mit dem Rückzug als "Beute" zurückgekehrt waren und sich mit dem begnügt hatten, was Chalid Ibn Al Walid bei seinem Rückzug an Geschick gezeigt hatte, machte sich Muhammad (s.a.s.) hinsichtlich der Römer tatsächlich Sorgen und sah die Notwendigkeit der Festigung der Macht der Muslime an der Grenze zu Asch Scham. Auf dass diejenigen, die von der Halbinsel nach Palästina ausgewandert waren, nicht zurückkehrten, um die Bewohner der Halbinsel zu bekämpfen. Deshalb hatte er eine große Armee ausgerüstet, als er von der Überlegung der Römer erfahren hatte, die Grenzen der Halbinsel zu überschreiten. Und er hatte sie bis nach Tabuk geführt, wo er gewahr wurde, dass die Römer sich bereits aus Furcht vor ihm ins Hinterland ihrer Länder und Festungen zurückgezogen hatten.


Dennoch hielt Muhammad (s.a.s.) es für möglich, dass sich im Norden die Erinnerung an die Beschützer des Christentums und die Sieger jener Zeit von den Einwohnern des Römischen Imperiums regen könnte, und diese denen, die das Christentum aus Nadschran und anderen Gegenden Arabiens zurückgedrängt hatten, den Krieg erklären würden. Deshalb blieben die Muslime nach ihrer Rückkehr von der Abschiedswallfahrt nicht lange in Medina, da der Prophet bald ein großes Heer gegen Asch Scham rüstete, in das er die ersten Auswanderer, darunter auch Abu Bakr und Umar einreihte. Er gab Usama Ibn Zaid Ibn Haritha den Befehl über das Heer.


Usama Ibn Zaid war damals kaum zwanzig Jahre alt, und es hätte Erstaunen bei den Leuten erregt, dass ihm der Befehl über die frühesten Muhadschirun und Bedeutendsten der Gefährten gegeben wurde, wäre da nicht ihr aufrichtiger Glaube an den Gesandten Allahs gewesen. Der Prophet wollte Usama Ibn Zaid durch seine Einsetzung an die Stelle seines Vaters stellen, der in der Schlacht von Muta als Märtyrer gefallen war, und ihm an Siegesruhm zukommen lassen, was dieses Martyrium belohnt. Auch sollte dies bei der Jugend Eifer und Begeisterung hervorrufen und sie daran gewöhnen, die Last der schwierigsten Pflichten auf sich zu nehmen.



 

Die Anweisung des Propheten an Usama

Muhammad (s.a.s.) wies Usama an, die Reiter in die zu Palästina gehörenden, an Muta angrenzenden Gebiete von Al Baka und Ad Darum ziehen zu lassen, wo sein Vater getötet worden war, und in der Morgendämmerung seine und Allahs (t.) Feinde anzugreifen, sie unermüdlich zu bekämpfen und sie im Feuer verbrennen zu lassen und darin nicht nachzulassen, auf dass sogar keinerlei Kunde über ihn zu seinen Feinden gelange. Und wenn Allah (t.) für ihn den Sieg vollendete, solle er nicht lange bei ihnen bleiben, sondern mit Beute und Sieg zurückkehren.

 

Eine Krankheit des Gesandten verhindert den Auszug des Heeres

Usama und das Heer zogen nach Al Dschurf (in der Nähe von Medina), um sich für den Zug nach Palästina vorzubereiten. Sie waren bei ihrer Vorbereitung, als eine Krankheit des Gesandten Allahs und dann die Verschlimmerung seiner Krankheit ihren Auszug verhinderten. Man mag sich fragen, wie die Krankheit des Gesandten Allahs den Auszug eines Heeres verhindern könne, dem er doch befohlen hatte, sich vorzubereiten und abzumarschieren. Aber der tagelange Zug eines Heers durch die Wüste nach Asch Scham ist keine leichte Sache. Es fiel den Muslimen, die den Propheten mehr liebten als sich selbst, nicht leicht, Medina zu verlassen, während er an Krankheit litt und sie nicht wussten, was auf diese Krankheit folgen würde. Zudem hatten sie niemals zuvor erlebt, dass er an einer nennenswerten Krankheit litt.


Es hatte den Propheten an Krankheiten nicht mehr als eine Appetitlosigkeit im sechsten Jahr der Hidschra getroffen - als unzutreffend behauptet wurde, die Juden hätten ihn verzaubert - sowie ein Schmerz, dessentwegen er zur Ader gelassen wurde, als er im siebenten Jahr der Hidschra von einem vergifteten Schaf aß. Hinzu kam, dass seine Lebensweise und seine Lehren ihn und diejenigen, die sie befolgten, vor Krankheit bewahrten: Maßvolles Essen, die Schlichtheit in Kleidung und im Leben und die vollkommene Sauberkeit - wie sie etwa die Gebetswaschung erforderte, die Muhammad (s.a.s.) so sehr liebte und erstrebte, dass er sogar sagte, hätte er nicht befürchtet, seine Leute zu überfordern, hätte er ihnen den Siwak* fünfmal täglich zur Pflicht gemacht -, der stete Eifer bei den religiösen Pflichten einerseits und bei sportlichen Übungen andererseits, die Mäßigung in allen Dingen und vor allem in den Vergnügungen, die Erhabenheit über das Spiel der Leidenschaften, die seelische Erhabenheit, der keine andere Erhabenheit gleichkommt, das unentwegte Verbundensein mit dem Leben und dem Kosmos in der besten Lebensweise und den tiefsten Geheimnissen des Kosmos - das alles bewahrt den, dem das eigen ist, vor Krankheit, und macht die Gesundheit zu einem Teil seines Geschicks. Wenn jemand so gesund und kräftig ist wie Muhammad (s.a.s.), verschonen ihn Krankheiten und finden keinen Zugang zu ihm.


,,Als er nun also doch krank wurde, war es natürlich, dass seine Freunde unruhig wurden, zumal sie gesehen hatten, welche Schwierigkeiten des Lebens er zwanzig aufeinanderfolgende Jahre ertragen hatte. Seit er mit seiner Prophetentätigkeit öffentlich in Mekka begonnen hatte und die Leute aufrief, Allah , DER keinen Teilhaber hat, allein anzubeten und von den Götzen abzulassen, die ihre Väter angebetet hatten, hatte er unter Schwierigkeiten zu kämpfen gehabt, die andere Menschen nicht hätten ertragen können. Als Folge waren seine Gefährten, die er angewiesen hatte, nach Abessinien auszuwandern, von ihm weg verstreut und er gezwungen worden, in der Bergschlucht Zuflucht zu suchen, als die Kuraisch den Boykott gegen ihn verkündet hatten. Als er nach dem Abkommen von Al Akaba von Mekka nach Medina ausgewandert war, hatte er dies unter schwierigsten und gefährlichsten Bedingungen getan, ohne zu wissen, was ihn in Medina erwarten würde. In der ersten Zeit seines Aufenthaltes dort war er Gegenstand von Intrigen und Spott seitens der Juden. Als Allah (t.) ihm den Sieg verliehen und es zugelassen hatte, dass die Menschen aus allen Gegenden der Halbinsel der Religion Allahs (t.) scharenweise beitraten, nahm seine Arbeit zu und verdoppelten sich seine Bemühungen. All diese Verpflichtungen verlangten von ihm das Aufbringen von Anstrengungen, unter deren Last der stärkste Mann hätte zusammenbrechen können.


Muhammad (s.a.s.) befand sich in manchen Feldzügen in Lagen, deren Entsetzen sogar das Haar von Kindern hätte ergrauen lassen. Welche Lage war mehr von Entsetzen geprägt als seine Lage am Tage von Uhud, als die Muslime davonrannten und er den Berg erklomm und die Männer der Kuraisch sich bemühten, ihn zu verfolgen und ihn beschossen, bis sein Zahn brach! Und welche Lage war mehr von Entsetzen geprägt als seine Lage am Tag von Hunain, als die Muslime sich in der Morgendämmerung zur Flucht wandten, so dass Abu Sufjan sagte: "Nur das Meer allein kann sie aufhalten"; doch Muhammad (s.a.s.) blieb standhaft und wich nicht zurück und rief den Muslimen "Wohin? Zu mir! Zu mir!" ... bis sie zurückkehrten und siegten!! Dann die Prophetenschaft! Und die Offenbarung! Und diese mühsame geistige Anstrengung in seiner Verbundenheit mit dem Geheimnis des Kosmos und der himmlischen Engelschar, diese Anstrengung, hinsichtlich derer über den Propheten berichtet wurde, dass er sagte: "Hud und ihre Schwester haben mich grauhaarig gemacht!"


Die Gefährten Muhammads (s.a.s.) sahen all das und sahen, wie er unbeugsam und stark die Mühen ertrug, ohne dass eine Krankheit Zugang zu ihm fand. Als er nun nach all dem krank wurde, waren seine Gefährten wohl berechtigt. Angst zu haben und ihren Aufbruch von ihrem Heerlager bei Al Dschurf nach Asch Scham hinauszuzögern, bis sie über den Befehl Allahs (t.) in bezug auf SEINEN Propheten und Gesandten sicher sein könnten.
* Siwak ist ein Hölzchen vom Zweig eines Baumes zum Reinigen der Zähne

 

Des Propheten Grabrede zu den Toten

Ein Ereignis rief äußerste Besorgnis bei ihnen hervor. Anfangs litt Muhammad (s.a.s.) des Nachts an langandauender Schlaflosigkeit, und es verlangte ihn während dieser leicht windigen Sommertage eines Nachts, sich in die nahe Umgebung Medinas zu begeben. Er ging hinaus und nahm als Begleitung nur seinen Diener Abu Muwaihiba mit sich. Wohin würde er gehen? Er ging nach Baki Al Gharkad in der Nähe Medinas, wo sich die Gräber der Muslime befanden.


Als er zwischen den Gräbern stand, richtete er an die Toten folgende Worte: "Friede sei mit euch, o Bewohner der Gräber. Eure Lage ist besser als die der Lebenden. Es nähern sich wie ein Stück dunkle Nacht Intrigen, und eine folgt der anderen, und die letzte ist schlimmer als die erste." Abu Muwaihiba berichtete, als sie Baki Al Gharkad gerade erreicht hatten, habe der Prophet zu ihm gesagt: "Es wurde mir befohlen, für die Bewohner dieses Ortes um Vergebung zu bitten, so komm mit mir." Als er dann für sie um Vergebung gebeten hatte und es Zeit für ihn war zurückzukehren, wandte er sich an Abu Muwaihiba und sagte zu ihm: "0 Abu Muwaihiba, mir wurden die Schlüssel zur Schatzkammer dieser Welt und die Ewigkeit in ihr und danach das Paradies gegeben, und ich habe die Wahl zwischen diesem und der Begegnung mit meinem Herrn und dem Paradies." Abu Muwaihiba entgegnete: "Du bist mir wie Vater und Mutter! Nimm die Schlüssel zur Schatzkammer dieser Welt und die Ewigkeit in ihr und danach das Paradies." Muhammad (s.a.s.) sagte: "Nein, bei Allah , o Abu Muwaihiba! Ich habe bereits die Begegnung mit meinem Herrn und das Paradies gewählt."

Abu Muwaihiba berichtete, was er gesehen und gehört hatte, denn der Prophet begann am Morgen nach dieser Nacht, in der er Al Baki besucht hatte, unter seiner Krankheit zu leiden. Die Angst der Menschen nahm zu, und das Heer Usamas brach nicht auf. Es stimmt, dass einige Historiker an diesem Hadith Zweifel äußern, der von Abu Muwaihiba überliefert wird, und erwähnen, dass es nicht nur Muhammads (s.a.s.) Krankheit war, die das Heer davon abhielt, nach Palästina aufzubrechen, und dass das Murren vieler, die Bestimmung eines Neulings wie Usama zum Heerführer laufe den frühen Muhadschirun und Ansar den Rang ab, größeren Einfluss als die Krankheit Muhammads (s.a.s.) darauf hatte, dass das Heer sich nicht in Bewegung setzte. Diese Historiker berufen sich bei dieser ihrer Ansicht auf Ereignisse, die der Leser in diesem Kapitel findet. Wenngleich wir mit den Vertretern dieser Auffassung nicht über ihre Anschauung und die Einzelheiten dessen, was Abu Muwaihiba überlieferte, diskutieren wollen, so sehen wir doch keinen Grund, das Ereignis als solches zu leugnen und zu bestreiten, dass der Prophet nach Baki Al Gharkad gegangen war und für die dort Begrabenen um Vergebung gebeten und erkannt hatte, dass seine Stunde nahe war, die Stunde der Begegnung mit Allah (t.).


Die heutige Wissenschaft bestreitet nicht, dass der Spiritismus zu den psychischen Phänomenen gehört. Die Fähigkeit des Begreifens, dass die Todesstunde nahe ist, ist vielen gegeben, so dass jeder Mensch von dem, was er an derartigen Ereignissen kennt, viel erzählen kann. Darüber hinaus werden gewisse Verbindungen zwischen Lebenden und Toten sowie zwischen Vergangenheit und Zukunft, die weder Zeit noch Raum begrenzen, heute bereits als Tatsache anerkannt, wenn wir aufgrund unserer Wesensart auch wenig über ihre genaue Form wissen. Wenn dies nun aber etwas ist, was wir heute wahrnehmen und die Wissenschaft bestätigt, dann wäre es fehl am Platze, dieses Ereignis, das Abu Muwaihiba überliefert hat, als solches zu bestreiten. Es ist dies unzulässig nach dem, was an Muhammads (s.a.s.) seelischem und geistigem Verbundensein mit dem Kosmos festgestellt wurde, einem Verbundensein, das ihn davon mehr begreifen ließ als andere, die auf diesem Gebiet bewandert sind.

 

Trotz seiner Krankheit scherzt Muhammad (s.a.s.) mit Aischa

Am folgenden Morgen ging Muhammad (s.a.s.) zu Aischa und fand, dass sie über Kopfweh klagte und sagte: "0 mein Kopf!" Er fing bereits an, den Schmerz der Krankheit zu spüren, und entgegnete ihr: "Und ich erst, bei Allah , o Aischa, und mein Kopf!" Doch war sein Leiden noch nicht so stark, dass er des Bettes bedurft oder es ihn an der gewohnten Freundlichkeit oder an Scherzworten gegenüber seiner Familie und seinen Frauen gehindert hätte. Aischa wiederholte ihre Klage über ihr eigenes Kopfweh, als sie ihn klagen hörte. Da meinte er zu ihr: "Was würde es dir schaden, wenn du vor mir stürbest und ich dich überlebte, dich ins Totenkleid hüllte, für dich betete und dich beerdigte!" Dieser Scherz rief die weibliche Eifersucht in der jungen Aischa hervor sowie die Liebe zum Leben und das Streben danach, und sie antwortete: "Dieses Glück soll jemand anders als ich haben. Bei Allah , ich traue dir zu, dass du, wenn du das getan hättest, in mein Haus zurückkehrtest und mit einer deiner Frauen Hochzeit hieltest."


Der Prophet lächelte; doch hinderte ihn der Schmerz, dass Scherzen fortzusetzen. Als sein Schmerz etwas nachließ, erhob er sich, um seine Frauen zu besuchen, wie er es immer mit ihnen gehalten hatte. Doch der Schmerz kehrte zurück und nahm so sehr an Heftigkeit zu, dass er ihm, als er im Haus von Maimuna war, unerträglich wurde und er erkannte, dass er der Pflege bedurfte. Da rief er seine Frauen ins Haus von Maimuna zu sich und bat sie, nachdem sie seinen Zustand gesehen hatten, um Erlaubnis, sich im Haus von Aischa pflegen zu lassen. Seine Frauen gestatteten ihm den Wohnungswechsel. Er verließ das Haus mit verbundenem Kopf und stützte sich unterwegs auf Ali Ibn Abu Talib und seinen Onkel Al Abbas. Seine Füße konnten ihn kaum tragen, bis er schließlich das Haus Aischas betrat.

 

Zunahme des Fiebers

In den ersten Tagen seiner Krankheit nahm das Fieber so sehr zu, dass er es wie eine Flamme in sich spürte. Doch hinderte ihn dies nicht, wenn immer sein Fieber nachließ, zur Moschee zu gehen und für die Leute das Gebet zu leiten. So blieb es eine Anzahl von Tagen, während derer er nur die Gebete verrichtete und nicht einmal die Kraft hatte, sich mit seinen Gefährten zu unterhalten oder ihnen eine Ansprache zu halten.


Es blieb jedoch nicht aus, dass er von dem Geflüster der Leute erfuhr, dass er zum Kriegszug gegen Asch Scham einen so jungen Mann über die bedeutsamen Muhadschirun und Ansar als Anführer bestimmt hatte. Und obwohl seine Schmerzen täglich heftiger wurden, wurde er sich aufgrund dieses Geflüsters der Notwendigkeit bewusst, zu den Leuten zu sprechen, um sie zu ermahnen, und so sagte er zu seinen Frauen und Angehörigen: "Gießt sieben Schläuche mit Wasser aus verschiedenen Brunnen über mich, damit ich zu den Leuten hinausgehen und sie ermahnen kann." Das Wasser wurde von verschiedenen Brunnen gebracht, und seine Frauen setzten ihn in einen Hafsa gehörenden Zuber und gossen das Wasser der sieben Schläuche über ihn, bis er plötzlich sagte: "Lasst es genug sein, lasst es genug sein."

 

Muhammad (s.a.s.) geht zur Moschee hinaus

Er zog sein Gewand an, verband sich den Kopf, ging zur Moschee hinaus und setzte sich auf das Rednerpodest. Er pries Allah (t.) und betete lange für die Märtyrer von Uhud und bat für sie um Vergebung, dann sagte er: "0 Leute, führt den Marschbefehl unter der Führung von Usama aus. Bei meinem Leben, so wie ihr über seine Heerführerschaft sprecht, so habt ihr zuvor über die Heerführerschaft seines Vaters gesprochen. Und er ist für die Heerführerschaft geeignet, so wie sein Vater für sie geeignet war."


Muhammad (s.a.s.) schwieg eine Weile, während der sich Stille über die Leute breitete. Dann fuhr er fort und sagte: "Allah gab einem SEINER Diener die Wahl zwischen dem Diesseits und dem Jenseits und dem, was bei IHM ist, und er wählte, was bei Allah ist." Muhammad (s.a.s.) schwieg erneut, und sie verharrten regungslos. Aber Abu Bakr begriff, dass der Prophet mit dieser letzten Äußerung sich selbst gemeint hatte, und wegen seiner Feinfühligkeit und tiefen Freundschaft zum Propheten konnte er die Tränen nicht zurückhalten, begann zu weinen und sagte: "Aber wir und unsere Kinder opfern uns für dich auf!" Muhammad (s.a.s.) fürchtete, dass die Erregung Abu Bakrs auf die Leute übergreifen würde, und sagte beschwichtigend zu ihm: "Gemach, o Abu Bakr." Dann ordnete er an, alle zur Moschee führenden Türen zu schließen, außer der Tür Abu Bakrs.* Als sie geschlossen worden waren, sagte er: "Ich kenne niemanden, der mir ein besserer Gefährte wäre als Abu Bakr. Und nähme ich unter Allahs Dienern einen vertrauten Freund, dann ihn. Aber wir sind Gefährten und Glaubensbrüder, bis uns Allah bei SICH zusammenbringt."
*Die Türen der um die Moschee herum errichteten Wohnhäuser führten direkt in die Moschee.

 

Muhammads (s.a.s.) Anweisung an die Muhadschirun über die Ansar

Muhammad (s.a.s.) stieg vom Rednerpodest herab und wollte danach zum Haus Aischas zurückkehren, doch kurz darauf wandte er sich den Leuten zu und sagte: "0 ihr Muhadschirun, behandelt die Ansar gut. Es wird zwar immer mehr Menschen geben, doch die Anzahl der Ansar wird die gleiche bleiben. Sie waren meine Vertrauten, bei denen ich Zuflucht fand. Seid also gut zu den Rechtschaffenen unter ihnen und nachsichtig mit den Sündigen unter ihnen."


Muhammad (s.a.s.) betrat das Haus Aischas. Aber die Anstrengung, der er sich an diesem Tag trotz seiner Krankheit unterzogen hatte, verstärkte die Heftigkeit der Krankheit. Welche Anstrengung bedeutet es für einen Kranken, den das Fieber befallen hat und der das Haus verlässt, nachdem sieben Schläuche Wasser über ihn gegossen worden waren, wenn er so große Sorgen hat: das Heer Usamas, das Schicksal der Ansar nach ihm und das Schicksal dieser arabischen Nation, die die neue Religion aufs stärkste und festeste verband. Deswegen versuchte er, am nächsten Morgen aufzustehen und wie gewöhnlich das Gemeinschaftsgebet zu leiten; er war dazu jedoch nicht in der Lage. Da sagte er: "Weist Abu Bakr an, das Gebet der Leute zu leiten." Aischa drängte darauf, dass der Prophet das Gebet leite, da er dadurch seinen guten Gesundheitszustand zeigen könne, und sagte: "Abu Bakr ist ein feinfühliger Mann mit schwacher Stimme, der viel weint, wenn er den Qur´aan liest." Muhammad (s.a.s.) sagte: "Weist ihn an, das Gebet der Leute zu leiten", woraufhin Aischa ihre Rede wiederholt.. Da fuhr Muhammad (s.a.s.) sie an, während die Krankheit ihn schüttelte: "Ihr Frauen seid wie die Gefährtinnen Josephs! Weist Abu Bakr an, das Gebet der Leute zu leiten."

Da leitete Abu Bakr das Gebet der Leute gemäß der Anordnung des Propheten. Eines Tages war er abwesend, als Bilal zum Gebet rief, und dieser rief Umar, den Leuten anstelle von Abu Bakr vorzubeten. Umar hatte eine kräftige Stimme. Als er in der Moschee "Allahu akbar" sagte, hörte ihn Muhammad (s.a.s.) vom Haus Aischas, und er sagte: "Wo ist denn Abu Bakr? Allah und die Muslime lehnen das ab." Aufgrund dieses Vorfalls glauben einige, dass der Prophet Abu Bakr zu seinem Nachfolger bestimmt habe, da das Leiten des Gemeinschaftsgebetes ein sehr wichtiges Zeichen dafür sei, an der Stelle des Gesandten Allahs zu stehen.

 

Muhammads (s.a.s.) Gespräch mit seiner Tochter Fatima

Die Heftigkeit seiner Krankheit bereitete ihm immer mehr Schmerzen. Denn sein Fieber nahm so sehr zu, dass seine Frauen und Besucher, wenn sie ihre Hände auf den Samtstoff legten, mit dem er bedeckt war, die Hitze dieses zehrenden Fiebers spürten. Seine Tochter Fatima besuchte ihn täglich, und er liebte sie, wie ein Mann seine von allen seinen Nachkommen verbliebene einzige Tochter liebt. Deshalb ging er stets, wenn sie zu ihm hereinkam, auf sie zu und ließ sie auf seinem Platz sitzen. Als die Krankheit bei ihm das geschilderte Ausmaß erreicht hatte, ging sie zu ihm herein und küsste ihn. Da sagte er: "Willkommen, o meine Tochter" und ließ sie neben sich sitzen und flüsterte ihr heimlich etwas zu, worauf sie weinte. Dann flüsterte er ihr heimlich etwas anderes zu, und sie lachte. Aischa befragte sie darüber, doch sie sagte: "Ich pflege das Geheimnis des Gesandten Allahs (s.a.s.) nicht zu lüften." Als er dann gestorben war, erzählte sie, dass er ihr zugeflüstert habe, dass er an dieser seiner Krankheit sterben werde, worauf sie geweint habe. Dann habe er ihr zugeflüstert, dass sie die erste von seinen Angehörigen sein werde, die mit ihm zusammentreffen werde, worauf sie gelacht habe.


Wegen der Heftigkeit seines Fiebers stellte man ein Gefäß mit kaltem Wasser neben ihn, und er tauchte unablässig seine Hand hinein und strich damit über sein Gesicht. Das Fieber erreichte ein solches Ausmaß, dass er zuweilen bewusstlos wurde. Wenn er dann zu sich kam, verursachte es ihm heftigste Schmerzen. Fatima sagte eines Tages, da ihr aufgrund der Heftigkeit des Leidens ihres Vaters der Kummer in die Seele schnitt: "Welch ein Schmerz für meinen Vater!" Da sagte er: "Nach diesem Tag wird dein Vater keine Schmerzen mehr haben." Damit meinte er, dass er von dieser Welt der Trauer und des Schmerzes hinweggenommen würde.

 

Des Propheten Wunsch ihnen ein Schreiben zu fertigen und ihre Uneinigkeit

Eines Tages versuchten seine Gefährten, ihm seinen Schmerz zu erleichtern, und brachten ihm seinen eigenen Rat in Erinnerung, dass ein Kranker sich nicht beklagen solle. Da antwortete er ihnen, was auf ihm laste, sei mehr als in einem solchen Fall auf zwei Mann von ihnen laste.


Als er sich in diesem schlechten Zustand befand und einige Männer im Haus waren, sagte er: "Bringt mir Tinte und Papier, ich will euch ein Schreiben fertigen lassen, wonach ihr niemals irregehen werdet." Einige der Anwesenden sagten: "Der Schmerz hat den Gesandten Allahs (s.a.s.) bereits übermannt; ihr habt ja den Qur´aan, und das Buch Allahs genügt uns." Es heißt, Umar sei es gewesen, der dies gesagt habe. Die Anwesenden waren sich uneinig. Manche von ihnen sagten: "Bringt es, damit er euch ein Schreiben fertigen lässt, wonach ihr nicht irregeht", und manche von ihnen lehnten dies ab, da sie sich mit dem Buch Allahs begnügten. Als Muhammad (s.a.s.) ihre Streiterei sah, sagte er: "Erhebt euch! Es darf vor dem Propheten keine Uneinigkeit geben."


Ibn Abbas war danach für immer der Meinung, dass sie sich viel verloren gehen hatten lassen, als sie sich nicht mit dem Aufschreiben dessen beeilt hatten, was der Prophet diktieren wollte. Umar hingegen blieb bei seiner Ansicht, da Allah (t.) in SEINEM edlen Buch geoffenbart hatte:
"WIR haben in der Schrift nichts ausgelassen. " (6, V. 38)
Die Leute berichteten sich gegenseitig über das Ausmaß der Krankheit des Propheten, bis schließlich Usama und die Leute mit ihm von Al Dschurf nach Medina kamen. Usama besuchte den Propheten im Hause Aischas, doch war dieser nicht in der Lage zu reden. Als er Usama sah, hob er seine Hand gen Himmel und legte sie dann zum Zeichen des Gebets für ihn auf Usama.

 

Muhammads (s.a.s.) Ärger über das Verhalten seiner Familie

Seine Angehörigen waren bei diesem seinem Zustand dafür, ihm mit einem Heilmittel zu helfen, und so bereitete Asma, eine Verwandte Maimunas, ein Getränk, dessen Zubereitung sie während ihres Aufenthalts in Abessinien kennen gelernt hatte. Sie ergriffen die Gelegenheit einer fieberbedingten Bewusstlosigkeit und flößten ihm das Getränk ein. Als er zu sich kam, fragte er:
"Wer hat das getan? Und warum habt ihr es getan?!" Sein Onkel Al Abbas sagte: "Wir fürchteten, o Gesandter Allahs , du hättest eine Rippenfellentzündung." Er entgegnete: "Das ist eine Krankheit, die Allah , der Gewaltigste und Herrlichste, für mich nicht vorsehen würde!" Dann befahl er denen, die im Hause waren - ausgenommen sein Onkel Al Abbas -, diese Medizin einzunehmen; auch Maimuna wurde trotz ihres Fastens nicht davon verschont.

Muhammad (s.a.s.) besaß, als seine Krankheit schlimm zu werden begann, sieben Dinar und fürchtete, dass Allah (t.) ihn zu SICH nehmen werde und das Geld immer noch in seinem Besitz wäre. Deshalb wies er seine Angehörigen an, die sieben Dinar zu spenden. Doch ihre Beschäftigung damit, ihn zu pflegen und ihm zu Diensten zu stehen, und die zunehmende Verschlimmerung der Krankheit ließen sie die Ausführung seiner Anweisung vergessen. Als er am Sonntag vor seinem Tod aus seiner Bewusstlosigkeit erwachte, fragte er sie, was sie mit dem Geld gemacht hätten. Da antwortete Aischa, es sei immer noch bei ihr. Er bat sie, es zu bringen. Dann legte er es in seine Hand und sagte: "Wie steht Muhammad vor seinem Herrn, wenn er Allah begegnet, während dies bei ihm ist!" Dann ließ er die sieben Dinar den Armen unter den Muslimen als Spende geben.


Muhammad (s.a.s.) verbrachte eine ruhige Nacht, während der sein Fieber nachließ, so als habe die Medizin, die ihm seine Angehörigen zu trinken gegeben haben, bereits ihre Wirkung getan und seiner Krankheit ein Ende gesetzt. Zur Zeit des Morgengebets konnte er sogar mit verbundenem Kopf und auf Ali Ibn Abu Talib und Al Fadi Ibn Al Abbas gestützt in die Moschee gehen. Abu Bakr leitete zu dieser Stunde das Gebet. Als die Muslime während ihres Gebetes sahen, dass der Prophet zu ihnen hinauskam, wären sie vor Freude darüber beinahe der Versuchung ausgesetzt gewesen, die Gebetsreihen für ihn zu öffnen, doch gab er ihnen Zeichen, bei ihrem Gebet zu bleiben. Muhammad (s.a.s.) empfand große Freude über das, was er sah.


Abu Bakr bemerkte das Verhalten der Menschen und war sicher, dass sie das nur des Gesandten Allahs (t.) wegen taten. Er verließ seinen Gebetsplatz und wollte Muhammad (s.a.s.) an seine Stelle lassen. Doch Muhammad (s.a.s.) schob ihn zurück und sagte: "Leite das Gebet!" Er setzte sich neben Abu Bakr und betete im Sitzen rechts neben ihm. Als er sein Gebet beendet hatte, wandte er sich den
Leuten mit lauter Stimme zu, so dass ihn sogar diejenigen hörten, die außerhalb der Moschee waren, und sagte: "0 Leute, das Feuer ist angefacht, und die Versuchungen nähern sich wie ein Stück dunkler Nacht. Bei Allah , ihr könnt mir nichts anlasten. Bei Allah , ich habe nur gestattet, was der Qur´aan gestattet, und nur verboten, was der Qur´aan verbietet. Und Allah verflucht Leute, die ihre Gräber als Moscheen nehmen."

 

Die Freude der Muslime über des Propheten offenbare Genesung

Die Freude der Muslime über das, was sie an offenbarem Fortschritt der Genesung des Propheten sahen, war gewaltig. Sogar Usama Ibn Zaid kam zu ihm und bat ihn um Erlaubnis, mit dem Heer nach Asch Scham ziehen zu dürfen. Auch Abu Bakr trat vor ihn und sagte: "0 Prophet Allahs , ich sehe, dass du durch die Gnade und das Wohlwollen Allahs bereits einen für dich angenehmen Zustand erreicht hast, und heute ist der Tag von Bint Charidscha; darf ich denn zu ihr gehen?" Da erlaubte der Prophet es ihm, und Abu Bakr ging nach As Sunh in den Außenbezirken Medinas, wo seine Frau lebte. Auch Umar und Ali gingen ihren Angelegenheiten nach. Die Muslime zerstreuten sich, alle freudig und frohlockend, nachdem sie bis gestern besorgt waren über das, was sie vom Propheten, seiner Krankheit, der Heftigkeit seines Fiebers und seinen Ohnmachtsanfällen erfahren hatten.


Er kehrte zum Haus Aischas zurück, und die Freude über den Anblick dieser Muslime, mit denen die Moschee gefüllt war, erfüllte sein Herz. Wenngleich er spürte, dass sein Körper äußerst schwach war. Aischa blickte diesen Mann an, dessen prächtige Erhabenheit ihr Herz mit Verehrung erfüllte. Sie empfand Mitleid für ihn wegen seiner Schwäche und Krankheit, und sie wünschte, sie könnte ihr eigenes Leben für ihn opfern, um ihm Kraft und Leben zurückzugeben.

 

Die dem Tod vorangehende Wachheit des Geistes

Des Propheten Aufsuchen der Moschee war jedoch nur eine dem Tod vorangehende Wachheit des Geistes. Nachdem er wieder das Haus betreten hatte, wurde er von Minute zu Minute schwächer. Er sah den Tod nahen, und es verblieb ihm kein Zweifel, dass er nur noch wenige Stunden zu leben hätte. Was mag er in diesen Stunden, die ihm verblieben, bis das Leben schwand, erlebt haben? Erinnerte er sich an sein Leben von dem Zeitpunkt, an dem Allah (t.) ihn als Führer zur Rechtleitung und Propheten entsandt hatte, und an das, was ihm in ihm begegnet war, und das, was Allah (t.) von SEINEM Wohlwollen über ihn gebracht und womit er ihm die Brust geöffnet hatte, indem er die Herzen der Araber für die Religion der Wahrheit gewonnen hatte? Oder verbrachte er sie, indem er seinen Herrn um Vergebung bat und sich IHM mit all seiner Seele zuwandte, wie er es sein ganzes Leben hindurch zu tun gepflegt hatte? Oder litt er in diesen letzten Stunden unter solchen Schmerzen wegen des Todeskampfes, dass ihm keine Kraft zum Nachdenken mehr verblieb?


Die Überlieferungen gehen darüber sehr auseinander. Die meisten von ihnen berichten, dass er an jenem 8. Juli 632, an einem heißen Tag auf der Halbinsel, nach einem Gefäß mit kaltem Wasser verlangte, in das er seine Hand eintauchte, und dass er mit dem darin enthaltenen Wasser sein Gesicht benetzte. Dass ferner ein Mann von der Familie Abu Bakrs bei Aischa eintrat und einen Siwak in der Hand hatte und Muhammad (s.a.s.) einen Blick darauf warf, der anzeigte, dass er ihn haben wolle. Daraufhin nahm Aischa ihn von ihrem Verwandten, kaute ihn für Muhammad (s.a.s.), bis er weich war, und gab ihn ihm, und er putzte sich damit die Zähne. Als der Todeskampf heftiger wurde, wandte er sich Allah (t.) zu und rief IHN an: "0 Allah , hilf mir gegen die Pein des Todes."

 

Vielmehr der erhabenste Freund im Paradies

Der Kopf des Propheten ruhte während dieser Stunde in Aischas Schoß. Sie berichtete: "Ich fand, dass der Gesandte Allahs (s.a.s.) in meinem Schoß schwer wurde, und ich blickte ihm ins Gesicht, und da war sein Blick bereits starr geworden, und er sagte: "Vielmehr der erhabenste Freund im Paradies." Ich erwiderte: "Du hast gewählt, und du hast gut gewählt, bei DEM, DER dich mit der Wahrheit entsandte." Der Gesandte Allahs starb zwischen meiner Lunge und meinem Hals und meinem Bauch, ich betrüge darin niemanden. Es ist meiner Torheit und meiner Jugend zuzuschreiben, dass er (s.a.s.) in meinem Schoß starb. Ich legte seinen Kopf auf ein Kissen und erhob mich, um mit den Frauen meine Brust und mein Gesicht zu schlagen."


Starb Muhammad (s.a.s.) wirklich? Darüber waren sich die Araber damals so uneinig, dass sich unter ihnen beinahe ein Aufruhr und darauffolgender Bürgerkrieg entwickelt hätte, hätte Allah (t.) nicht mit ihnen und SEINER wahren Religion Gutes gewollt.

Auch interessant


 

Suche