D Das Leben des Propheten

31. Die Bestattung des Gesandten (s.a.s.) - Weg zum Islam

31. Die Bestattung des Gesandten (s.a.s.)

 


Bestürzung der Muslime über die Nachricht des Todes

Der Prophet (s.a.s.) schied im Hause Aischas zum höchsten Gefährten, während sein Kopf in ihrem Schoß ruhte. Sie legte seinen Kopf auf ein Kissen und erhob sich, ihre Brust und ihr Gesicht mit den Frauen zu schlagen, die zu ihr eilten, als sie die Nachricht erfuhren. Die Muslime in der Moschee wurden durch diesen Lärm überrascht, da sie den Propheten am Morgen gesehen hatten, an dem doch alles daraufhingedeutet hatte, dass seine Genesung Fortschritte machte, was ja Abu Bakr veranlasst hatte, zu seiner Frau Bint Charidscha nach As Sunh zu gehen.

 

Umar stellt den Tod in Abrede

Deswegen ging Umar eilig dorthin, wo der Körper des Propheten lag, ohne daran zu glauben, dass er gestorben war. Als er angekommen war, deckte er sein Gesicht auf. Er fand den Propheten regungslos und dachte, er befinde sich in einer Bewusstlosigkeit, ans der er wieder erwachen müsse. Al Mughira versuchte vergeblich, ihn von der schmerzhaften Tatsache zu überzeugen. Er glaubte vielmehr weiter, dass Muhammad (s.a.s.) nicht gestorben sei. Als Al Mughira darauf beharrte, sagte Umar zu ihm: "Du lügst." Und er ging mit ihm zur Moschee hinaus und rief: "Einige Heuchler behaupten, der Gesandte Allahs (s.a.s.) sei gestorben, doch bei Allah , er starb nicht, sondern ging zu seinem Herrn, so wie Moses Ibn Imran gegangen war: jener war bereits vierzig Tage von seinen Leuten weg und kehrte dann zu ihnen zurück, nachdem behauptet worden war, er sei bereits gestorben. Bei Allah , der Gesandte Allahs wird zurückkehren, so wie Moses zurückkehrte, und er wird die Hände und Füße der Männer abschlagen, die behaupten, er sei gestorben."


Die Muslime in der Moschee hörten diese Schreie Umars, die er einen nach dem anderen ausstieß, und sie waren ziemlich bestürzt. Wenn Muhammad (s.a.s.) wirklich gestorben war, wie traurig war dann das Herz! Und was für ein Schmerz für jene, die ihn gesehen und gehört hatten und an Allah (t.) glaubten, DER Muhammad (s.a.s.) mit der Rechtleitung und wahren Religion entsandt hatte. Ein Schmerz, der das Herz bestürzt sein lässt und den Verstand raubt. Und wenn Muhammad (s.a.s.) zu seinem Herrn gegangen war, wie Umar sagte, so rief dies noch mehr Bestürzung hervor.

Denn darauf zu warten, dass er zurückkehre wie Moses zurückgekehrt war, war etwas noch Befremdlicheres. Deshalb umgaben viele Muslime Umar, die eher ihm recht gaben und glaubten, dass der Gesandte Allahs nicht gestorben sei. Wie sollte er auch gestorben sein, da er doch vor wenigen Stunden noch bei ihnen gewesen war und sie ihn gesehen und seine laute Stimme gehört hatten sowie seine Anrufung Allahs (t.) und seine Bitte um Vergebung! Wie sollte er gestorben sein, da er doch der enge Freund Allahs (t.) war, DER ihn auserwählt hatte, um SEINE Botschaft zu übermitteln, und da sich ihm alle Araber unterworfen hatten und nur noch Chosroes und Heraklius den Islam zu bekennen übrig geblieben waren! Wie sollte er gestorben sein, da er doch diese Kraft war, die die Welt zwanzig aufeinanderfolgende Jahre lang erzittern und in ihr die stärkste geistige Revolution geschehen ließ, die die Geschichte kannte!


Aber da schlugen sich die Frauen immer noch Brust und Gesicht zum Zeichen, dass er gestorben war. Und Umar hier in der Moschee hört nicht auf zu rufen, dass Muhammad (s.a.s.) nicht gestorben sei und dass er wie Moses Ibn Imran zu seinem Herrn gegangen sei, und dass jene, die seinen Tod behaupteten, die Heuchler seien, jene Heuchler, deren Hände und Köpfe Muhammad (s.a.s.) nach seiner Rückkehr abschlagen werde. Wem von beiden sollten die Muslime glauben? Erst hatte sie Schrecken ergriffen, dann hatte Umars Rede nicht aufgehört, die in ihnen Hoffnung erweckte, dass der Prophet zurückkehren werde, so dass sie fast ihren Wünschen Glauben schenkten und sie als Wahrheit ansahen, auf die sie beinahe vertrauten.

 

Die Rückkehr Abu Bakrs von As Sunh

Als sie sich in dieser Situation befanden, kam Abu Bakr von As Sunh, nachdem ihn die bedrückende Nachricht erreicht hatte. Er blickte die Muslime an und wie Umar zu ihnen sprach, doch er hielt sich nicht lange auf und kümmerte sich um nichts, sondern ging geradewegs zum Haus Aischas und bat um Einlass, woraufhin zu ihm gesagt wurde: "Heute braucht keiner eine Erlaubnis." Da trat er ein und fand den Propheten zugedeckt in einer Ecke des Hauses, und ein Tuch aus Baumwollgewebe lag auf ihm. Er näherte sich und deckte sein Gesicht auf, dann beugte er sich zu ihm hinab, um ihn zu küssen, und sagte: "Wie gut warst du im Leben, und wie gut bist du sogar im Tod!" Dann nahm er den Kopf des Propheten in seine Hände und betrachtete seine Gesichtszüge, die geblieben waren, ohne dass sich der Angriff des Todes auf ihnen abzeichnete, und sagte: "Du bist mir wie Vater und Mutter!


Den Tod, den Allah für dich vorgesehen hat, hast du bereits gekostet, danach wird dich kein Tod mehr treffen!" Dann legte er den Kopf auf das Kissen zurück und zog das Baumwolltuch wieder über sein Gesicht. Dann ging er hinaus, während Umar noch immer zu den Leuten sprach und sie zu überzeugen versuchte, dass Muhammad (s.a.s.) nicht gestorben sei.




Die Leute machten den Weg für Abu Bakr frei, und als er in die Nähe von Umar kam, rief er ihm zu: "Gemach, o Umar! Hör zu!" Doch Umar weigerte sich, zu schweigen oder zuzuhören, und fuhr fort zu reden. Da wandte sich Abu Bakr den Leuten zu und gab ihnen ein Zeichen, dass er zu ihnen sprechen wolle. Und wer war in solch einer Lage wie Abu Bakr? War er nicht der Wahrheitsliebende und der beste Freund des Propheten, den der Prophet zum Vertrauten genommen hätte, hätte er sich jemanden zum Vertrauten genommen?! Deshalb beeilten sich die Leute, seinem Ruf zu folgen, und gingen von Umar weg zu ihm.
"Wer auch immer Muhammad ergeben war: Muhammad ist wirklich gestorben"


Da lobte und pries er Allah (t.) und sagte: "0 Leute, wer auch immer Muhammad ergeben war: Muhammad ist wirklich gestorben. Und wer auch immer Allah ergeben ist: Allah ist lebendig und stirbt nicht." Dann rezitierte er die Worte des Erhabenen:


"Und Muhammad ist nur ein Gesandter. Ihm sind bereits Gesandte vorausgegangen. Wenn er also stirbt oder getötet wird, wendet ihr euch dann auf euren Fersen um? Und wer sich auf seinen Fersen umwendet, der wird Allah kein bisschen schaden; und Allah wird die Dankbaren belohnen."(Sura 3, Aya 144)


Umar hatte zugehört, als er sah, wie die Leute zu Abu Bakr weggingen. Als er Abu Bakr diese Aya rezitieren hörte, fiel er zu Boden. Seine Füße trugen ihn nicht mehr, da er nun sicher war, dass der Gesandte Allahs (t.) wirklich gestorben war. Die Leute waren zuvor Umars Rede gefolgt, so dass es ihnen nun, da sie diese von Abu Bakr rezitierten Aya hörten, so vorkam, als hätten sie noch gar nicht gewusst, dass diese Aya geoffenbart worden war. So wich aber jeder Zweifel von den Herzen, dass Muhammad (s.a.s.) die Nähe des höchsten Gefährten erwählt und Allah (t.) ihn wirklich zu SICH genommen hatte.

 

Starb Muhammad (s.a.s.) wirklich?

Übertrieb Umar, als er überzeugt war, dass Muhammad (s.a.s.) nicht gestorben sei, und er die Leute zu derselben Überzeugung aufrief? Keineswegs! Die Wissenschaftler berichten uns heute, dass die Sonne sich im Laufe der Zeit stets weiter zerstreuen wird, bis sie eines Tages ganz erlöschen wird. Glaubt denn jemand diese Aussage, ohne dass ihn Zweifel an ihrer Möglichkeit befallen?


Diese Sonne, die ihr Licht und ihre Hitze ausstrahlt, wodurch die Welt lebt - wie kann sie vergehen oder erlöschen? Und wie kann die Welt danach auch nur einen Tag lang bestehen?


Muhammad (s.a.s.) war weder an Licht noch Wärme oder Kraft geringer als die Sonne. So wie die Sonne wohltätig ist, so war Muhammad (s.a.s.) wohltätig. Und so wie die Sonne mit allen Lebewesen verbunden ist, so war Muhammads (s.a.s.) Geist mit allen Lebewesen verbunden. Und das Gedenken an ihn (s.a.s.) besteht immer noch. Kein Wunder, dass Umar überzeugt war, dass Muhammad (s.a.s.) nicht sterben konnte. In der Tat starb er nicht und wird niemals sterben.

 

Rückkehr des Heers nach Medina

Usama Ibn Zaid hatte den Propheten an jenem Tag gesehen, an dem er zur Moschee gekommen war. Er dachte wie alle anderen Muslime, dass er genesen würde. Da schlössen sich diejenigen, die von dem nach Asch Scham ziehenden Heer nach Medina zurückgekehrt waren, dem Heerlager in Al Dschurf wieder an. Usama befahl dem Heer, sich auf den Abmarsch vorzubereiten. Dann erreichte ihn der Bote, der ihm den Tod des Propheten verkündete. Daraufhin befahl er dem ganzen Heer, nach Medina zurückzukehren. Er befestigte sein Banner an der Tür Aischas und wartete ab, was danach das Geschick der Muslime sein werde.

 

Unter dem Schirmdach* der Banu Saida

In der Tat waren die Muslime ratlos. Kaum hatten sie Abu Bakr zugehört und waren sicher, dass Muhammad (s.a.s.) gestorben war, da spalteten sie sich. Eine Gruppe der Ansar schloss sich unter dem Schirmdach der Banu Saida dem Sad Ibn Ubada an. Ali Ibn Abu Talib, Az Zubair Ibn Al Auwam und Talha Ibn Ubaidullah zogen sich ins Haus Fatimas zurück. Die Muhadschirun und mit ihnen Usaid Ibn Hudair mit den Banu Abdul Aschhal ergriffen für Abu Bakr Partei. In diesem Moment brachte jemand Abu Bakr und Umar die Kunde von den Ansar, die sich auf die Seite Sad Ibn Ubadas gestellt hatten. Dann fügte er dieser Nachricht hinzu: "Wenn euch die Angelegenheit der Leute wichtig ist, dann kümmert euch um sie, bevor sich ihre Situation zuspitzt, während der Gesandte Allahs (s.a.s.) noch in seinem Haus liegt und man mit ihm noch nicht fertig ist und seine Angehörigen die Tür zu ihm abgeschlossen haben."


Umar sagte zu Abu Bakr gewandt: "Lass uns zu unseren Brüdern von den Ansar gehen und sehen, was mit ihnen los ist." Als sie auf dem Weg waren, trafen sie zwei fromme Männer von den Ansar. Diese erzählten den Muhadschirun, worüber die Leute sprachen, und fragten, wohin sie wollten. Als sie erfuhren, dass sie zu den Ansar wollten, sagten sie: "Nichts spricht gegen euch, wenn ihr nicht zu ihnen geht. 0 ihr Muhadschirun, sorgt euch um eure eigenen Angelegenheiten." Umar erwiderte: "Bei Allah , wir werden zu ihnen gehen."


Sie setzten ihren Weg fort, bis sie die Ansar unter dem Schirmdach der Banu Saida antrafen. Da befand sich unter ihnen ein eingehüllter Mann. Umar Ibn Al Chattab fragte, wer er sei. Sie sagten: "Sad Ibn Ubada, er hat Schmerzen." Als die Muhadschirun sich gesetzt hatten, erhob sich der Redner der Ansar, lobte und pries Allah (t.) und sagte: "Nun denn, wir sind die Helfer Allahs und eine Heeresabteilung des Islam. Und ihr, o ihr Muhadschirun, seid ein Trupp von uns. Doch es kam eine Gruppe von euren Leuten, die uns unsere Führerstellung streitig machen und uns die Sache aus der Hand nehmen wollten."


*Ein überschatteter Versammlungsort.

 

Abu Bakrs Rede zu den Ansar

Dies war die Gesinnung der Ansar schon zu Lebzeiten des Propheten gewesen. Deswegen wollte Umar, kaum dass er diese Rede gehört hatte, sie widerlegen. Doch hielt ihn Abu Bakr zurück, weil er dessen Strenge fürchtete. Er sagte: "Gemach, o Umar!" Dann sagte er sich an die Ansar wendend: "0 Leute! Wir sind die Muhadschirun, die als erste dem Islam beitraten. Denen die edelste Abstammung, die maßvollsten Wohnstätten, die trefflichsten Persönlichkeiten, die zahlreichsten Nachkommen unter den Arabern und die engste Verwandtschaft mit dem Gesandten Allahs eigen sind. Wir sind vor euch Muslime geworden und wurden euch im Qur´aan vorangestellt. Denn der Gesegnete und Erhabene sagt:


"Und die Vorangehenden, die ersten von den Muhadschirun und den Ansar und jene, die ihnen mit Gutem folgen..."(Qur´aan, Sura 9, Aya 100)


Wir sind also die Muhadschirun und ihr die Ansar, unsere Religionsbrüder und die mit uns an der Beute Beteiligten und unsere Helfer gegen den Feind. Was ihr über euch Gutes erwähnt, so ist es euch eigen. Ihr seid die lobenswertesten unter allen Bewohnern der Erde. Doch werden die Araber diese Angelegenheit nur dieser Gruppe der Kuraisch zugestehen. Die Führer sollen folglich von uns sein und die Minister von euch." Da entbrannte einer der Ansar vor Wut, erhob sich und sagte: "Ich weiß Abhilfe. Von uns und von euch soll es einen Führer geben, o ihr Kuraisch." Abu Bakr entgegnete: "Nein, die Führer sollen von uns sein und die Minister von euch. Ich bin mit einem dieser beiden Männer für euch zufrieden. So gebt euer Treuegelübde dem, wen von den beiden ihr wollt." Er ergriff die Hände von Umar Ibn Al Chattab und von Abu Ubaida Ibn Al Dscharrah, während er zwischen den beiden saß. Da nahm das Geschrei zu, wurden die Stimmen laut und Uneinigkeit musste befürchtet werden.

 

Treuegelöbnis gegenüber Abu Bakr unter dem Schirmdach

Da rief Umar mit seiner lauten Stimme: "Strecke deine Hand aus, o Abu Bakr", woraufhin Abu Bakr seine Hand ausstreckte und Umar ihm sein Treuegelöbnis abgab und sagte: "Hat der Prophet dir nicht befohlen, dass du, o Abu Bakr, das Gebet der Muslime leiten sollst! Also bist du sein Nachfolger, und wir geben dir das Treuegelöbnis als dem besten, den der Gesandte Allahs mehr liebte als alle von uns."


Diese Worte berührten die Herzen der anwesenden Muslime, denn sie waren in der Tat ein Ausdruck dessen, was vom Willen des Propheten bis zu diesem letzten Tag, an dem die Leute ihn gesehen hatten, zu erkennen war. Auf diese Weise wurde ihre Uneinigkeit beendet, und sie willigten ein. Sowohl die Muhadschirun als auch die Ansar legten ihr Treuegelöbnis ab.

 

Das öffentliche Treuegelöbnis

Am nächsten Tag saß Abu Bakr auf dem Rednerpodest, doch sprach zuerst Ibn Al Chattab vor Abu Bakr, lobte und pries Allah (t.) und sagte dann: "Ich habe euch gestern etwas gesagt, was ich weder in der Schrift Allahs fand noch der Gesandte Allahs mir auftrug, doch war ich der Ansicht, der Gesandte Allahs werde unsere Angelegenheiten regeln und länger leben als wir alle. Doch Allah ließ unter euch SEINE Schrift, durch die ER SEINEN Gesandten rechtleitete. Wenn ihr daran festhaltet, wird Allah euch zu dem leiten, wozu ER ihn leitete.


Allah hat eure Angelegenheiten bereits dem besten Gefährten des Gesandten Allahs (s.a.s.) anvertraut, dem zweiten von beiden, die sich damals in der Höhle befanden. So erhebt euch und gebt ihm euer Treuegelöbnis." Da leisteten die Leute nach der Abgabe des Treuegelöbnisses unter dem Schirmdach nun öffentlich das Treuegelöbnis gegenüber Abu Bakr.

 

Die Rede des ersten rechtgeleiteten Kalifen*

Abu Bakr erhob sich nach Beendigung des Treuegelöbnisses und hielt den Leuten folgende Rede, die als ein Meisterwerk an Weisheit und klarer Urteilskraft gilt. Er (a.s.) sagte, nachdem er Allah (t.) gelobt und gepriesen hatte:


"Nun denn, o Leute. Ich wurde zu eurem Führer gewählt, wenn ich auch nicht der beste von euch bin. Wenn ich also gut handle, so helft mir; und wenn ich schlecht handle, so korrigiert mich. Aufrichtigkeit ist Treue, und Lüge ist Verrat. Der Schwache von euch ist stark bei mir, bis ich ihm sein Recht verschaffe, so Allah will. Und der Starke unter euch ist schwach bei mir, bis ich sein angemaßtes Recht von ihm nehme, so Allah will. Kein Volk vernachlässigt das Kämpfen auf dem Wege Allahs , ohne dass Allah es mit Erniedrigung heimsucht, und in keinem Volk verbreitet sich Unzucht, ohne dass Allah es dem Unglück aussetzt. Gehorcht mir, solange ich Allah und SEINEM Gesandten gehorche. Wenn ich aber Allah und SEINEM Gesandten ungehorsam bin, so obliegt euch kein Gehorsam gegenüber mir. Erhebt euch zu eurem Gebet, auf dass Allah SICH eurer erbarme."


*
Als rechtgeleitete Kalifen gelten die ersten vier Kalifen Abu Bakr, Umar, Uthman und Ali (r.a.).

 

Wo soll der Körper des Gesandten bestattet werden?

Während die Muslime sich uneinig waren und sich dann durch das Treuegelöbnis unter dem Schirmdach und danach durch das öffentliche Treuegelöbnis auf Abu Bakr einigten, lag der Körper des Propheten auf seinem Sterbebett, von seinen nahen Verwandten umgeben. Als das Treuegelöbnis gegenüber Abu Bakr abgelegt worden war, wandten sich die Leute der Vorbereitung des Gesandten Allahs auf seine Bestattung zu. Sie waren sich uneinig, wo er bestattet werden sollte. Eine Gruppe der Muhadschirun sagte: "Er soll in Mekka, seinem Geburtsort, zwischen seinen Angehörigen bestattet werden." Andere sagten: "Nein, er soll in Jerusalem bestattet werden, wo die Propheten vor ihm bestattet wurden." Ich weiß nicht, wie die Vertreter dieser Ansicht das sagen konnten, zumal Jerusalem immer noch in römischer Hand war und zwischen den Muslimen und den Römern seit Muta und Tabuk Feindschaft herrschte, was ja den Gesandten Allahs das Heer von Usama hatte ausrüsten lassen, um für damals Vergeltung zu üben.


Die Muslime waren weder mit dieser Meinung noch damit, dass der Prophet in Mekka bestattet werden sollte, zufrieden. Sie waren der Ansicht, er solle in Medina bestattet werden, das ihn aufgenommen und ihm geholfen und sich vor allen anderen unter die Flagge des Islam gestellt hatte. Als über einen Platz diskutiert wurde, sagten einige von ihnen: "Er soll in der Moschee bestattet werden, wo er zu den Leuten sprach und sie ermahnte und die Gebete leitete." Sie schlugen vor, er solle an der Stelle des Rednerpodestes oder daneben bestattet werden. Diese Meinung wurde jedoch sogleich abgelehnt, denn Aischa hatte berichtet, dass auf dem Propheten ein schwarzes Gewand lag, als seine Schmerzen stärker wurden, und dass er es mal auf sein Gesicht legte und es mal wieder wegnahm und sagte: "Möge Allah Leute verfluchen, die die Gräber ihrer Propheten zu Gebetsstätten nehmen!" Schließlich betätigte sich Abu Bakr als Richter zwischen den Leuten und sagte: "Ich hörte den Gesandten Allahs (s.a.s.) sagen: "Kein Prophet stirbt, ohne dass er bestattet wird, wo er starb!" " Daraufhin wurde entschieden, dass für ihn am Ort der Lagerstatt, auf der er starb, ein Grab ausgehoben werde.

 

Die Waschung des Propheten

Die engsten Verwandten des Propheten übernahmen seine Waschung, darunter an erster Stelle Ali Ibn Abu Talib, Al Abbas Ibn Abdul Muttalib, dessen beide Söhne Al Fadi und Kutham sowie Usama Ibn Zaid. Usama Ibn Zaid und Schukran, die beiden Schutzbefohlenen des Propheten, gossen das Wasser über ihn, und Ali wusch ihn, wobei ihm sein knielanges Hemd angelassen wurde, denn sie lehnten es ab, ihm das Hemd auszuziehen. Währenddessen nahmen sie an ihm einen Duft wahr, so dass Ali sagte: "Du bist mir wie Vater und Mutter! Wie wohlriechend bist du sowohl lebendig als auch tot!" Einige Orientalisten erklären dies damit, dass der Wohlgeruch auf die Gewohnheit des Propheten zurückzuführen ist, sein Leben hindurch Parfüm zu benutzen, so dass er im Parfüm etwas von dem sah, was ihm im diesseitigen Leben liebenswert war. Als sie mit seiner Waschung fertig waren, hüllten sie ihn in drei Leichentücher: zwei aus Suhar und eins aus Hibara im Jemen

 

Die Abschiednahme

Als die Vorbereitung auf diese Weise vollendet war, wurde der Körper belassen, wo er war, und den Muslimen die Tür geöffnet, um von der Moschee her einzutreten und um ihren Propheten herumzugehen und einen letzten Blick auf ihn zu werfen sowie für ihn um Segen zu bitten. Dann gingen sie hinaus, und tiefste Trauer ergriff sie.
Das Zimmer war voll, als Abu Bakr und Umar eintraten und mit den Muslimen beteten, wobei ihnen in diesem ihrem Gebet keiner vorbetete. Als die Leute an diesem Ort zur Ruhe gekommen waren und sich Stille über sie breitete, sagte Abu Bakr: "Friede sei mit dir, o Gesandter Allahs , und die Barmherzigkeit Allahs und SEIN Segen. Wir bezeugen, dass der Prophet Allahs und SEIN Gesandter die Botschaft SEINES Herrn überbracht und auf SEINEM Wege gekämpft hat, bis Allah den Sieg für SEINE Religion vollendete. Dass ER SEIN Versprechen erfüllte und befahl, dass wir niemanden anbeten außer Allah allein, DER keinen Teilhaber hat." Die Muslime antworteten nach jedem Satz der Rede Abu Bakrs in Ehrfurcht und Demut: "Amiin, amiin."


Als die Männer mit ihrem Gebet fertig waren und hinausgingen, wurden die Frauen eingelassen und nach ihnen die Kinder. Ihrer aller Herz zitterte und war traurig, und die Trauer zerriss ihnen das Herz wegen des Hinscheidens des Gesandten Allahs , des Siegels der Propheten, und äußerste Furcht um die Religion Allahs (t.) nach ihm ergriff von ihnen Besitz.

 

Schreckliche Stunden der Geschichte

Ich rufe zu dieser Stunde nach mehr als dreizehnhundert Jahren seit jenem Tag das Bild dieser schrecklichen und ehrfurchtgebietenden Szene zurück, und meine Seele wird von Respekt, Demut und Furcht erfüllt. Dieser bedeckte Körper in einer Ecke des Zimmers, das morgen sein Grab sein sollte und bis gestern durch seinen Bewohner Leben, Barmherzigkeit und Licht darstellte. Dieser reine Körper jenes Mannes, der die Menschen zur Rechtleitung und Wahrheit rief und für sie das stärkste Vorbild an Güte, Barmherzigkeit, Tapferkeit, Würde, Gerechtigkeit gegenüber dem Unterdrückten und Bestrafung jedes ungerecht Handelnden verkörperte. Und diese Mengen ziehen an ihm vorbei, niedergeschlagen und gesenkten Blickes, und ob Mann, Frau oder Kind - jeder gedachte in diesem Mann, der die Nähe seines Herrn gewählt hatte, seines Vaters, seines Bruders, seines Gefährten, seines Freundes und des Propheten Allahs und SEINES Gesandten! Welch ein Gefühl erfüllte diese Herzen, in denen der Glaube wohnte und die die Angst vor dem erfüllte, was der Morgen nach dem Tod des Gesandten bringen würde.


Ich rufe zu dieser Stunde das Bild dieser ehrfurchtgebietenden Szene zurück und merke, wie ich davor erstarre und davon ergriffen werde, das Herz von der Pracht des Respekts erfüllt, und ich kann mich kaum davon lösen.

 

Glaubenszweifel der Kleingläubigen

Die Muslime hatten guten Grund, von Angst ergriffen zu werden. Denn seitdem die Nachricht vom Tod des Propheten sich in Medina verbreitet hatte und zu den umgebenden Stämmen der Araber gelangt war, wurden die Juden und Christen hellhörig, zeigte sich die Heuchelei und wurde der Glaube der Kleingläubigen unter den Arabern erschüttert. Die Einwohner Mekkas beabsichtigten, vom Islam abzufallen, und wollten dies auch tatsächlich tun, so dass Attab Ibn Usaid, der Gouverneur über die Mutter der Städte, sie fürchtete und sich vor ihnen versteckte. Sie wären von ihrer Abtrünnigkeit nicht abgekommen, hätte sich nicht Suhail Ibn Amr unter ihnen erhoben, den Tod des Propheten erwähnt und dann gesagt, dies habe den Islam nur an Stärke zunehmen lassen, und "wir werden jeden köpfen, über den wir Zweifel haben." Weiter sagte er: "0 Mekkaner, ihr wart die letzten, die dem Islam beitraten, so seid nicht die ersten, die abtrünnig werden. Bei Allah , Allah wird für euch diese Sache vervollkommnen, wie der Gesandte Allahs (s.a.s.) es sagte."

 

Die Bestattung des Propheten

Die Araber kannten zwei Vorgehensweisen beim Ausheben ihrer Gräber: die eine davon kam von den Einwohnern Mekkas, die das Grab mit ebenem Boden aushoben, und die andere kam von den Einwohnern Medinas, die es gewölbt aushoben. Abu Ubaida Ibn Al Dscharrah hob die Gräber nach der Art der Mekkaner aus, und Abu Talha Zaid Ibn Sahl hob für die Medinenser aus. Die Angehörigen des Propheten waren unschlüssig, welcher der beiden Arten sie beim Ausheben seines Grabes folgen sollten. Daraufhin schickte sein Onkel Al Abbas zwei Männer aus, einen davon, um Abu Ubaida, und den anderen, um Abu Talha zu rufen. Der zu Abu Ubaida geschickt war, kam allein zurück, aber der, der zu Abu Talha geschickt worden war, kam mit diesem. So hob Abu Talha für den Gesandten Allahs ein Grab nach der Art der Medinenser aus.


Am Abend, nachdem die Muslime an dem reinen Körper vorbeigegangen und den letzten Abschied von ihm genommen hatten, beabsichtigten die Angehörigen des Propheten seine Bestattung. Doch warteten sie, bis ein Teil der Nacht verstrichen war, und legten das Grab mit einem roten Gewand, das der Prophet getragen hatte, aus. Dann ließen ihn diejenigen, die seine Waschung vorgenommen hatten, zur letzten Ruhestatt seines Körpers herab und überbauten das Grab mit Lehm und streuten Erde darüber. Aischa sagte: "Wir wussten von der Bestattung des Gesandten Allahs (s.a.s.) nichts, bis wir inmitten der Nacht das Geräusch von Spaten hörten", und Fatima berichtete desgleichen. Seine Bestattung fand in der Nacht zum Mittwoch, dem 4. Rabi Al Auwal statt, zwei Tage, nachdem er den höchsten Gefährten erwählt hatte.

 

Aischa und der Grabesraum

Aischa lebte danach weiter in ihrer Wohnung im Nachbarzimmer zum Grabesraum, glücklich über diese bedeutende Nachbarschaft. Als Abu Bakr starb, wurde er neben dem Propheten bestattet, wie Umar später neben ihm bestattet wurde. Es wird überliefert, dass Aischa den Grabesraum unverschleiert zu besuchen pflegte, bis Umar darin bestattet wurde, denn bis dahin waren nur ihr Vater und ihr Gatte darin. Als Umar beerdigt worden war, ging sie nur verschleiert und vollständig bekleidet hinein

 

Die Entsendung des Heeres von Usama

Kaum waren die Muslime mit den Vorbereitungen des Gesandten Allahs und seiner Bestattung fertig, da befahl Abu Bakr, das Heer Usamas zum Kriegszug gegen Asch Scham zu schicken, so wie es bereits der Gesandte Allahs befohlen hatte. Einige Muslime äußerten dagegen Widerstand in der Art, wie sie ihn während der Tage der Krankheit des Propheten gezeigt hatten. Umar schloss sich den Oppositionellen an und war der Meinung, die Muslime dürften nicht zerstreut werden und müssten in Medina behalten werden, aus Angst, es geschähe etwas, wofür sie benötigt würden. Aber Abu Bakr zögerte keinen Augenblick, den Befehl des Gesandten auszuführen, und lehnte es ab, auf die Rede derjenigen zu hören, die geraten hatten, einen älteren und kriegserfahreneren als Usama zum Führer zu ernennen.


Das Heer bereitete sich mit Usama an seiner Spitze bei Al Dschurf vor, und Abu Bakr zog aus, um es zu verabschieden. Bei dieser Gelegenheit bat er Usama, es Ihn Al Chattab zu erlassen, mit ihm zu ziehen, damit er in Medina bleibe, um Abu Bakr zu beraten. Nur zwanzig Tage nach dem Auszug des Heers griffen die Muslime Al Baka an. Usama rächte sich aufs heftigste für die Muslime und seinen Vater, der in Muta getötet worden war. Der Kriegsruf während dieser siegreichen Tage hieß: "0 Siegreicher, töte!"


So führten Abu Bakr und Usama den Befehl des Propheten aus. Usama kehrte mit dem Heer nach Medina auf dem Pferd reitend zurück, auf dem sein Vater bei Muta getötet worden war, und die Standarte, die ihm der Gesandte Allahs mit eigener Hand anvertraut hatte, trug er voran.

 

Propheten werden nicht beerbt

Als der Prophet gestorben war, bat seine Tochter Fatima den Abu Bakr, ihr zurückzugeben, was er an Ländereien von Fadak und Chaibar hinterlassen hatte. Doch Abu Bakr antwortete ihr mit den Worten ihres Vaters: "Wir Propheten werden nicht beerbt; was wir hinterlassen, ist eine Spende." Dann sagte er: "Wenn dir aber dein Vater dieses Vermögen geschenkt hat, dann nehme ich dein Wort hierzu an und führe aus, was er befohlen hat." Fatima antwortete, dass ihr Vater ihr nichts dergleichen anvertraut habe. Vielmehr habe Umm Aiman ihr mitgeteilt, dass solches die Absicht des Propheten gewesen sei. Da beharrte Abu Bakr darauf, Fadak und Chaibar zu behalten und gab sie an den Fiskus der Muslime zurück.

 

Das gewaltige geistige Erbe

So verließ Muhammad (s.a.s.) das diesseitige Leben, ohne irgendjemandem nach ihm etwas von seinen vergänglichen Gütern zu hinterlassen. Er verließ es, wie er in es eingetreten war. Er hinterließ in ihm den Leuten diese bleibende Religion und begründete diese große islamische Zivilisation, in deren Schatten die Welt stand und stehen wird. Er befestigte den Monotheismus, machte das Wort Allahs (t.) zum überlegenen und das Wort der Ungläubigen zum unterlegenen und beendete das Götzentum in all seinen Formen und Erscheinungen völlig. Er rief die Leute auf, einander in bezug auf Güte und Gottesfurcht und nicht in bezug auf Sünde und Feindseligkeit zu helfen, und er hinterließ die Schrift Allahs (t.) als Rechtleitung und Barmherzigkeit für die Menschen. Und er gab das schönste Beispiel und war das beste Vorbild.


Das letzte Gleichnis, das er den Menschen gab, war, dass er zu den Leuten bei der Rede während seiner Krankheit sagte: "0 Leute, wenn ich jemandem den Rücken schlug, hier ist mein Rücken, auf dass er an mir Vergeltung übe. Und wenn ich jemandes Ehre verletzte, hier ist meine Ehre, auf dass er an mir Vergeltung übe. Und wenn ich von jemandem Vermögen genommen habe, hier ist mein Vermögen, auf dass er davon nehme. Und er braucht keinen Groll zu fürchten, denn der gehört nicht zu meiner Art." Ein Mann behauptete, er schulde ihm drei Dirham, und er gab sie ihm. Danach verließ er die Welt und hinterließ dieses gewaltige geistige Erbe, das sich immer weiter in der Welt verbreitet, bis Allah (t.) SEIN Versprechen erfüllt und SEINE Religion über alle Religionen siegreich gemacht hat, selbst wenn die Ungläubigen dies ungern sehen.
Allah (t.) segne Muhammad und schenke ihm Frieden!

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