D Das Leben des Propheten

5- Von der Heirat bis zur Prophetenberufung - Weg zum Islam

5- Von der Heirat bis zur Prophetenberufung

 Der Hirte


Die Beschäftigung Muhammads (s.a.s.) mit dem Hüten der Schafe in jenen Jahren seiner Kindheit ließ seine Hinwendung zum Nachdenken und Betrachten stärker werden. Er hütete die Schafe seiner Verwandtschaft und die der Mekkaner. Seiner Hirtenzeit gedachte er stets voller Freude. Er pflegte zu sagen: "Allah hat keinen Propheten gesandt, der nicht ein Schafhirt gewesen wäre" Und ferner sagte er: "Moses ward entsandt, und er hütete Schafe; und David ward entsandt, und er hütete Schafe; und ich ward entsandt , und ich hütete die Schafe meiner Verwandtschaft bei Adschjad."

Der intelligente Schafhirt findet in der Weite des offenen Himmels während des Tages und im Funkeln der Sterne während der Nacht Gelegenheit zum Nachdenken und Betrachten. Er ergründet das Weltall, indem er danach trachtet, das Dahinterliegende zu erkennen, und in den verschiedenartigen Erscheinungen der Natur eine Erklärung für dieses Sein und seine Erschaffung sucht. Solange er tiefsinnig genug ist, sieht er sich selbst als einen Teil dieses Kosmos und keineswegs von ihm losgelöst. Atmet er nicht seine Luft und hört auf zu leben, wenn er sie nicht atmet! Beleben ihn nicht die Strahlen der Sonne und bettet ihn nicht das Licht des Mondes ein! Ist nicht seine Existenz mit den Gestirnen und dem Universum, das er in der Weite des Kosmos vor sich sieht, eins mit dem anderen in vollendeter Ordnung verbunden? "

Der Sonne steht es nicht an, den Mond einzuholen, und der Nacht nicht, dem Tag voranzueilen!" *Wenn die Ordnung dieser Schafherde von Muhammad (s.a.s.) seine ganze Wachsamkeit erforderte, damit der Wolf nicht ein Schaf überfalle oder nicht eines von ihnen sich in der Wüste umherirrend verlaufe, welche Aufmerksamkeit und welche Gewalt wacht dann über die Ordnung der Welt mit höchster Perfektion! Solches Nachdenken und Betrachten bringt den Menschen von Gedanken an die weltlichen Leidenschaften und davon ab, ihnen Vorrang zu geben; denn die Vergänglichkeit ihrer Zier wird ihm dadurch vor Augen geführt.

5- Von der Heirat bis zur Prophetenberufung - Weg zum Islam

Deshalb unterließ Muhammad (s.a.s.) in seinem Tun und Verhalten alles, was den Namen beeinträchtigt hätte, der ihm in Mekka gegeben wurde und den er behielt: "Der Glaubwürdige". Alles, was er von sich berichtet, belegt dies. Es heißt z.B., dass er die Schafe mit einem Gefährten weidete und er sich eines Tages vornahm, sich wie die anderen Jugendlichen zu vergnügen. So teilte er diesem seinem Gefährten am Abend mit, er wolle nach Mekka hinuntergehen und sich dort den Vergnügungen der Jugendlichen in der Dunkelheit der Nacht anschließen und bat ihn deshalb, für ihn seine Schafe zu hüten. Er hatte jedoch das obere Mekka noch nicht erreicht, als seine Aufmerksamkeit auf eine Hochzeitsfeier fiel; so hielt er dort inne. Es dauerte nicht lange, und er schlief ein.

Er kam aus demselben Grund in einer anderen Nacht erneut nach Mekka herab, und seine Ohren füllten sich mit ausgezeichneten musikalischen Klängen, als sei es die Musik des Himmels. Er setzte sich, um zu lauschen, und schlief dann bis zum Morgen.Wie sollte es auch möglich sein, dass die Verlockungen Mekkas auf ein reines Herz und eine ganz dem Nachdenken und Betrachten ergebene Seele wirkten! Wie hätten es diese Verlockungen auch vermocht, da sie doch selbst andere als Muhammad (s.a.s.), denen er um ein Vielfaches im voraus war, nicht zufrieden stellten! Deswegen blieb er unmoralischen, minderwertigen Dingen fern und fand für sich keine schönere Freude als das Nachdenken und Betrachten.

* Koran, Sure 36, Vers 40.

Das Leben des Nachdenkens und Betrachtens

Das Leben des Nachsinnens und Meditierens sowie eine zufriedenstellende einfache Tätigkeit wie Schafe hüten ist kein Leben, das eine gesicherte Versorgung bietet oder die Tore des Wohlstands öffnet. Muhammad (s.a.s.) sorgte sich nicht darum. Sein Leben lang blieb er der enthaltsamste Mensch hinsichtlich materieller Dinge und des Strebens danach. Er fand dafür kein Interesse; die Enthaltsamkeit war Teil seiner Natur. Er brauchte nicht mehr zum Leben, als ihn unbedingt am Leben erhielt! Sagte er nicht: "Wir sind Leute, die erst essen, wenn sie hungrig sind, und wenn wir essen, sättigen wir uns nicht!" War er nicht sein Leben lang dafür bekannt, dass er auf eine harte Lebensführung bedacht war und die Menschen dazu aufrief? Diejenigen, die nach Reichtum streben und sich um dessen Erlangen willen abmühen, erstreben es zur Befriedigung von ausschweifenden Begierden, die Muhammad (s.a.s.) sein Leben lang nicht kannte.

Das größte seelische Vergnügen, das des Genießens der Schönheit im Dasein und der darin enthaltenen Aufforderung zum Betrachten; dieses gewaltige Vergnügen, das nur die wenigsten kennen, aber Muhammads (s.a.s.) Nahrung seit seiner Jugend war und seit das Leben für ihn von frühester Kindheit an Erinnerungen schuf, die in seiner nach Entsagung des Lebens verlangenden Seele eingeprägt blieben - zuerst den Tod seines Vaters vor seiner Geburt, dann den Tod seiner Mutter und den seines Großvaters -; dieses Vergnügen verlangt nicht nach materiellem, sondern nach großem seelischen Reichtum, durch den der Mensch erfährt, wie er sich auf sich selbst besinnt und mit sich und seinem Inneren lebt. Wäre Muhammad (s.a.s.) am Tag, als sein Innerstes mit ihm um Materielles stritt, allein gelassen worden, wäre er dennoch mit seiner Lage zufrieden gewesen, als ein nachdenkender Hirte, der das Sein in sich schließt.



Khadiga (Allahs Wohlgefallen auf ihr)

Wie wir schon erwähnten, war Muhammads Onkel Abu Talib jedoch einer von den Ärmeren und hatte viele Familienmitglieder zu ernähren. Deshalb glaubte er für seinen Neffen eine ergiebigere Lebensgrundlage finden zu müssen als das, was er von den Eigentümern der von ihm zu hütenden Schafe bekam. Eines Tages erfuhr er, dass Khadiga Bint Khuwailed Männer der Kuraisch für ihren Handel dingen wollte.

Khadiga war eine Handelsfrau von Ansehen und Vermögen. Sie verpflichtete die Männer gegen Entlohnung, für sie mit ihrem Geld Handel zu treiben. Es hatte ihren Reichtum vermehrt, dass sie - sie war vom Stamm der Banu Asad - bereits zweimal innerhalb der Banu Machzum geheiratet hatte; sie war dadurch zu einer der reichsten Frauen unter den Mekkanern geworden. Sie lebte von ihrem Geld unter helfender Anleitung ihres Vaters Khuwailed und einiger ihrer Vertrauten. Sie hatte den Heiratsantrag einiger von den Oberen der Kuraisch zurückgewiesen, weil sie davon überzeugt war, dass sie nach ihrem Reichtum trachteten, und sich entschlossen, ihre Anstrengungen auf die Mehrung ihres Reichtums zu richten.

Als Abu Talib erfuhr, dass sie die Entsendung einer Handelskarawane nach Asch Scham vorbereitete, rief er seinen Neffen, der damals 25 Jahre alt war, und sagte zu ihm: "Mein Neffe, ich bin ein Mann ohne Geld, und die Zeiten sind für uns härter geworden. Ich habe erfahren, dass Khadiga jemanden für zwei junge Kamele angedungen hat; aber wir werden für dich nicht damit zufrieden sein, was sie ihm gab. Möchtest du, dass ich mit ihr rede?" Muhammad (s.a.s.) erwiderte: "Wie du wünschst!" So machte sich Abu Talib auf den Weg zu ihr und fragte sie: "Hast du Interesse daran, o Khadiga, Muhammad (s.a.s.) in deinen Dienst zu nehmen? Wir haben erfahren, dass du jemanden für zwei Kamele angedungen hast; wir sind für Muhammad (s.a.s.) jedoch nicht unter vier jungen Kamelen zufrieden" Khadigas Antwort lautete: "Selbst wenn du dies für einen verhassten Fremden gefragt hättest, hätten wir es getan, wie also, wo du es für einen geliebten Verwandten gefragt hast!" Der Onkel kehrte darauf zu seinem Neffen zurück, um ihm alles zu erzählen, und sagte: "Das ist ein Geschenk, das dir Allah zukommen lässt." 

Muhammad (s.a.s.) im Dienste von Khadigas Handel

Muhammad (s.a.s.) zog mit Maisara, einem ihm von seinen Onkeln empfohlenen Diener Khadigas, aus. Die Karawane bewegte sich auf der Wüstenstraße nach Asch Scham, wobei sie am Tal von Kura, an Madjan, den Stätten von Thamud und jenen Orten vorbeikam, an denen Muhammad (s.a.s.) als zwölfjähriger mit seinem Onkel Abu Talib vorbeigekommen war. Diese Reise rief seine Erinnerungen an seine erste Reise wach.

Es ließ ihn Betrachtungen anstellen und nachdenken über alles, was er zuvor an religiösen Handlungen und Bekenntnissen in Asch Scham oder auf den Märkten, die Mekka umgaben, gesehen und gehört hatte. Als er Busra erreichte, traf er mit Christen von Asch Scham zusammen und unterhielt sich mit ihren Mönchen und Bischöfen. Es sprach ihn auch ein Nestorianer an, und er hörte ihm zu; und vielleicht führte dieser oder ein anderer Mönch mit Muhammad (s.a.s.) über die Religion Jesu ein Streitgespräch, diese Religion, die sich damals bereits in Sekten und Parteien aufgesplittert hatte, wie wir schon darlegten.Muhammad (s.a.s.) gelang es aufgrund seiner Zuverlässigkeit und Leistungsfähigkeit, mit dem Geld Khadigas einen einträglicheren Handel abzuschließen als irgendeiner vor ihm.

Mit seiner angenehmen Wesensart und ausgeprägten Güte konnte er die Liebe und Achtung Maisaras gewinnen. Als für sie die Zeit zur Rückkehr gekommen war, hatte er für Khadiga aus den Handelsgeschäften in Asch Scham alles gekauft, worum sie ihn gebeten hatte.Als die Karawane auf ihrem Rückweg den Engpass von Az Zahran erreicht hatte, sagte Maisara: "Muhammad, eile zu Khadiga und teile ihr mit, was Allah durch dich für sie getan hat; sie wird dir dafür gewiss ihre Anerkennung aussprechen!" Muhammad (s.a.s.) machte sich eilends auf den Weg, bis er Mekka um die Mittagszeit erreichte.

Khadiga war in ihrem oberen Zimmer und sah ihn auf seinem Kamel. Sie kam herab, als er ihr Haus betrat, empfing ihn und hörte zu, wie er in seinen beredten, bezaubernden Worten über die Neuigkeiten seiner Reise, den Ertrag seines Handels und das, was er von den Erzeugnissen Asch Schams mitgebracht hatte, erzählte. Sie lauschte freudig und ergriffen. Maisara kam bald danach und berichtete ihr über Muhammad (s.a.s.) und seinen liebenswürdigen Charakter und sein anmutiges Wesen, was ihren Wissensstand um seine Überlegenheit gegenüber den anderen Jugendlichen Mekkas erhöhte.Es dauerte nicht lange, bis sich ihre freudige Zufriedenheit in Liebe wandelte. Sie, die vierzig Jahre alt war und zuvor von den Kuraisch die höchsten an Adel und Abstammung zurückgewiesen hatte, wollte diesen jungen Mann, dessen Blicke und Worte tief in ihr Herz gedrungen waren, heiraten. Einer Version zufolge sprach sie darüber mit ihrer Schwester, einer anderen zufolge mit ihrer Freundin Nufaisa Bint Munja.

Nufaisa ging heimlich zu Muhammad (s.a.s.) und fragte ihn: "Was hindert dich daran zu heiraten?" Er erwiderte: "Ich besitze nichts, um heiraten zu können." Sie sagte: "Und wenn dir dies erlassen würde und du zu Schönheit, Geld, Ansehen und Angemessenem eingeladen würdest, würdest du nicht darauf reagieren?" Er fragte: "Und wer ist sie?" Nufaisa antwortete mit einem einzigen Wort: "Khadiga."  Muhammad (s.a.s.) sagte: "Wie kann ich zu solcher Ehre kommen?" Auch er mochte Khadiga, und wenn ihm seine Seele nicht den Gedanken eingegeben hatte, sie zu heiraten, so weil er um ihre Abweisung der Edlen und Reichen der Kuraisch wusste. Als Nufaisa ihm als Antwort auf seine Frage sagte: "Lass mich nur machen", zögerte er nicht, seine Zustimmung zu erklären.

Khadiga teilte sofort die Stunde mit, zu der er mit seinen Onkeln bei ihr erscheinen solle, um ihre Angehörigen bei ihr anzutreffen und die Heirat zu vollziehen. Ihr Onkel Umar Ibn Asad vermählte sie, da ihr Vater Khuwailed bereits vor dem Fidschar-Krieg gestorben war. Die Berichte, er sei anwesend und mit der Heirat nicht einverstanden gewesen und Khadiga habe ihm Wein zu trinken gegeben, bis sie ihn überredete und er sie mit Muhammad (s.a.s.) vermählte, sind Lügen. Hier beginnt ein neuer Abschnitt im Leben Muhammads (s.a.s.), das Leben der Ehe und Vaterschaft; der seinerseits und seitens Khadigas allseits harmonischen und glücklichen Ehe; und der Vaterschaft mit den Schmerzen des Verlustes der Söhne, die Muhammad (s.a.s.) durch den Verlust seiner Eltern schon in seiner Kindheit kennen gelernt hatte.

Muhammads Heirat mit Khadiga

Ibn Ishaq berichtet:Im Alter von fünfundzwanzig Jahren heiratete Muhammad Khadiga, die Tochter des Khuwailed Ibn Asad Ibn 'Abdul'uzza. Sie war eine Geschäftsfrau von Adel und Reichtum. Khadiga war eine entschlossene, edle und kluge Frau mit allen Eigenschaften, mit denen Allah sie hatte auszeichnen wollen. Auf Maisaras Worte hin -nach seiner Rückkehr von der Geschäftsreise mit Muhammad -schickte sie nach Muhammad und soll dann zu ihm gesagt haben: »O Sohn meines Oheims, ich liebe dich aufgrund unserer gegenseitigen Verwandtschaft, deines hohen Ansehens in deiner Familie, deiner Redlichkeit, deines guten Charakters und deiner Ehrlichkeit.« Dann bot sie ihm selbst die Ehe an. Sie war damals unter den quraisitischen Frauen die edelste an Abstammung, die vornehmste und reichste. Muhammad berichtete seinen Onkeln von Khadigas Vorschlag, worauf sich sein Oheim Hamza Ibn 'Abdulmuttalib zu Khadigas Vater, Khuwailed Ibn Asad, begab und bei ihm für Muhammad um die Hand Khadigas anhielt.

Sie heirateten, und Muhammad gab ihr als Brautgabe zwanzig junge Kamele. Sie war seine erste Frau, und solange sie lebte, heiratete er keine andere. Sie gebar ihm alle seine Kinder (mit Ausnahme Ibrahims), nämlich Al-Qasim (nach dem man den Propheten [a.s.s.] Abu-l-Qasim nannte), At-Tähir, At-Taiyib, Zainab, Ruqayya, Umm Kultum und Fatima. Seine Söhne Al-Qasim, At-Tähir und At-Taiyib starben vor Allahs Botschaft an ihren Vater, während seine Töchter den Islam erlebten, sich zum Glauben bekannten und - wie ihr Vater - die Higra nach Yatrib mitmachten.

Khadiga hatte ihrem Vetter Waraqa Ibn Naufal, einem Christen und gelehrten Mann, der die Schriften gelesen hatte, von den Worten des Mönchs erzählt, wie Maisara es ihr berichtet hatte, und auch von den beiden Engeln, die dieser gesehen hatte, wie sie Muhammad Schatten spendeten. Waraqa Ibn Naufal hatte ihr daraufhin geantwortet: »Wenn dies wahr ist, Khadiga, dann ist Muhammad wahrlich der Prophet dieses Volkes. Ich weiß, daß für dieses Volk ein Prophet zu erwarten ist. Seine Zeit ist nun gekommen.« Als die Offenbarung kam, glaubte Khadiga an ihn und an die Offenbarung, die er von Allah brachte, und stand ihm in seinem Bemühen zur Seite. Sie war überhaupt die erste, die sich zu Allah und Seinem Propheten bekannte. Dadurch erleichterte Allah ihm seine Last; denn immer wieder, wenn der Prophet, Allahs Segen und Friede auf ihm, auf üble Ablehnung und Verleumdung stieß und darüber traurig war, ließ Allah es ihn bei ihr vergessen, sobald er zu ihr nach Hause kam, da sie ihn bekräftigte und stärkte, an ihn glaubte und ihn über das Verhalten der Leute beruhigte. Dann trat für eine gewisse Zeit eine Unterbrechung in den Offenbarungen ein, bis der Prophet, Allahs Segen und Friede auf ihm, darüber bekümmert und traurig wurde.

Schließlich aber brachte ihm Gibril die Sure "Ad-Duha Nr 93": "Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen! Beim Vormittag und bei der Nacht, wenn alles still ist! Dein Herr hat dich weder verlassen, noch verabscheut. Wahrlich, das Jenseits ist besser für dich als das Diesseits. Und wahrlich, dein Herr wird dir geben und du wirst wohlzufrieden sein. Hat Er dich nicht als Waise gefunden und aufgenommen, und dich auf dem Irrweg gefunden und richtig geführt, und dich dürftig gefunden und reich gemacht? Was die Waise angehgt, so unterdrücke sie nicht. Und was den Bittenden angeht, so fahre ihn nicht an, und sprich überall von der Gnade deines Herrn."

Deshalb begann nun der Prophet, Allahs Segen und Friede auf ihm, denjenigen in seiner Sippe, zu denen er Vertrauen hatte, im geheimen von seiner Entsendung zu erzählen, mit der Allah ihn und durch ihn die Menschen begnadet hatte.  Khadiga Bint Khuwailed war die erste Frau des Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm. Zum Zeitpunkt ihrer Heirat 595 war sie 40 Jahre alt, und Muhammad - vor seiner Entsendung Für sie war es die zweite Ehe nach dem Tod ihres ersten Mannes, und für Muhammad war es die erste.619 im Alter von 65 starb Khadiga im 10. Jahr seiner Botschaft. Er liebte sie sehr und heiratete zu ihren Lebzeiten keine andere Frau. Sie war bekannt als "At-Tahira" (die Reine), sogar schon vor dem Islam. Deshalb wurden ihre Kinder "Banu-t-Tahira" (Kinder der Reinen) genannt. Ihre Tugenden und Vorzüge wurden in den Haditen erwähnt. 'Ä'isa (r) berichtete:

"Niemals war ich auf eine der Frauen des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede auf ihm, so eifersüchtig, wie ich auf Khadiga (nach ihrem Tod) eifersüchtig war. Dies war deswegen, weil der Gesandte Allahs sie oft erwähnte und lobte; ferner, weil Allah dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede auf ihm, eingab, daß er ihr die frohe Botschaft von einer Wohnung im Paradies aus Brokat beibringen solle, welche ihr gehöre."

Als Muhammad die Botschaft zum ersten Mal erhielt, trat er bei Khadiga ein und sagte:"Hüllt mich ein! Hüllt mich ein!" Sie hüllten ihn ein, bis die Furcht von ihm abließ. Hier dann erzählteer Khadiga und berichtete ihr von dem Ereignis:

"Ich bangte um mein Leben." Darauf sagte Khadiga:

"Niemals wirst du bei Allah eine Schande erleben; denn du bist wahrlich derjenige, der die Verwandtschaftsbande pflegt, dem Schwachen hilft, dem Mittellosen gibt, den Gast freundlich aufnimmt und dem Notleidenden unter die Arme greift."

Da zeigte Khadiga ihre Wertschätzung für die Person ihres geliebten Mannes und leistete ihm Beistand, bis sie starb, bedeutete diese einen großen Verlust für Muhammad (a.s.s.), da er bei ihr nicht nur einen materiellen Rückhalt gefunden hatte, sondern auch stets von ihr mit aufrichtigem Zuspruch bedacht worden war. Sie war die erste Frau, die den Islam annahm.

Die Lebensführung Muhammads

Nachdem Muhammad von Allah durch die Heirat mit Khadiga zur erhabenen Abstammung auch noch ein umfangreiches Vermögen bekommen hatte, lebte Muhammad von allen Bewohnern Makkas geliebt und geachtet. Er war mit dem, was Allah ihm aus Seiner Gnade heraus geschenkt hatte und was ihm Khadigas Fruchtbarkeit an rechtschaffenen Nachkommen versprach, zu sehr in Anspruch genommen, um sich mit ihnen zu beschäftigen.

Dies hielt ihn jedoch nicht davon ab, sich unter sie zu mischen und am öffentlichen Leben teilzunehmen, soweit er dies zuvor schon getan hatte. Sein Rang und seine Stellung unter ihnen wurden höher und seine schon ausgeprägte Bescheidenheit wurde noch gefestigt. Trotz seiner hohen Intelligenz und deutlichen Überlegenheit folgte er ihren Unterhaltungen aufmerksam und wandte nie sein Gesicht von jemandem ab.Er begnügte sich nicht damit, jemandem, der mit ihm sprach, zuzuhören, sondern wandte sich ihm in seiner ganzen Person zu.

Er sprach wenig, hörte viel zu und neigte zu ernsthafter Rede, wenngleich er sich nicht weigerte, an einem Spaß teilzunehmen oder selbst zu scherzen. Dabei sprach er jedoch immer die Wahrheit. Manchmal lachte er, bis seine Backenzähne sichtbar wurden. Wenn er sich ärgerte, sah man davon keine Spur außer dem Hervortreten einer Ader zwischen seinen Augenbrauen; denn er unterdrückte seinen Ärger und wollte nicht, daß sein Zorn sichtbar wurde.

Er neigte zu Geduld, aufrichtiger Anteilnahme und Gewissenhaftigkeit gegenüber den Menschen sowie zu Güte, Freigebigkeit und Gemeinschaftssinn und zu der ihm eigenen festen Entschlossenheit, Willensstärke, Tapferkeit und Durchsetzungskraft, die keine Unschlüssigkeit kannten.Diese in ihm vereinten Eigenschaften hinterließen einen tiefen Eindruck bei allen, die mit ihm zusammentrafen; und wer ihn sah, empfand sofort Ehrfurcht, und wer mit ihm zu tun hatte, liebte ihn. Diese Eigenschaften wirkten jedoch am stärksten in der vollkommenen Treue, Wahrhaftigkeit und der Liebe zwischen ihm und seiner Gattin Khadiga.

Abriss und Wiederaufbau der Ka'ba

Als Muhammad fünfunddreißig Jahre alt war, entschlossen sich die Qurais, die Al-Ka'ba neu zu errichten. Sie planten, sie mit einem Dach zu versehen, fürchteten sich aber davor, sie zu zerstören. Sie war ein ohne Mörtel errichteter Steinbau und etwas mehr als mannshoch. Man wollte sie nun höher bauen und ein Dach darüberbreiten. Aus der Al-Ka'ba war nämlich ein Schatz gestohlen worden, der sich in ihrer Mitte in einem Brunnen befand.

5- Von der Heirat bis zur Prophetenberufung - Weg zum Islam
Die Flut, die die Ka'abe getroffen hat

 

Der Schatz wurde später bei einem Freigelassenen aus dem Stamm Banu Huzä'a gefunden, und die Qurais schlugen ihm dafür die Hand ab. Nun war bei Gidda das Schiff eines byzantinischen Kaufmannes gestrandet und zerschellt. Sie nahmen das Holz und richteten es zum Decken der Al-Ka'ba her. In Makka gab es auch einen koptischen Zimmermann, und so war schon einiges, was sie zur Restaurierung brauchten, bereit. Indes da war noch die Schlange, die aus dem Brunnen der Al-Ka'ba, in den man täglich die Opfergaben warf, herauszukriechen pflegte, um sich auf der Mauer des Gebäudes zu sonnen. Sie war eines der Dinge, wovor sie Angst hatten; denn keiner konnte sich ihr nähern, ohne daß sie ihren Kopf hob, zischte und ihr Maul aufsperrte.

Als sie sich nun eines Tages auf der Mauer der Al-Ka'ba wie gewöhnlich sonnte, schickte Allah einen Vogel, der sie packte und mit ihr davonflog. Da sprachen die Qurais: »Laßt uns hoffen, daß Allah unser Vorhaben billigt! Wir haben einen befreundeten Handwerker, haben Holz, und Allah hat uns von der Schlange befreit.«Nachdem man sich nun dazu entschlossen hatte, die Al-Ka'ba abzureißen und neu aufzubauen, erhob sich Abu Wahb von der Sippe Banu Mahzum und entfernte den ersten Stein, doch entfiel dieser seiner Hand und kehrte an seinen Platz zurück. Da sprach er: »Männer der Qurais, bringt in dieses Gebäude nicht unrecht erworbenes Gut, nicht den Lohn der Hure, nicht das Geld des Wucherers und nichts, was ihr erzwungen habt!« Sodann teilte man die Arbeit an der Al-Ka'ba unter die großen Stämme der Qurais auf.

Die Seite des Tores erhielten die 'Abd-Manaf und Zuhra, die Seite zwischen der Ecke des schwarzen Steines und der Südecke die Banu Mahzum und die ihnen angeschlossenen quraisitischen Stämme, die Rückseite die Stämme Banu Gumah und Banu Sahm und die Seite des Hatim die Banu 'Abduddar, Asad und 'Adyy. Doch dann bekamen sie wieder Angst davor, die Al-Ka'ba zuzerstören. Da sprach Al-Walid Ibn Al-Mughira:»Ich will als erster mit der Zerstörung beginnen«, und er ergriff seine Spitzhacke, wandte sich der Al-Ka'ba zu und rief: »Bei Allah, erschrecke nicht! Bei Allah, wir wollen nur das Beste!«Dann zerstörte er einen Teil an der Seite der beiden Ecken. In der Nacht wartete man ängstlich und sprach: »Wir wollen sehen! Wenn Al-Walid etwas zustößt, reißen wir die Al-Ka'ba nicht weiter ein, sondern legen alles wieder so zurück, wie es war. Geschieht ihm nichts, so billigt Allah unser Tun.« Am nächsten Morgen machte sich Al-Walid wieder an die Arbeit und mit ihm die anderen, bis sie die Grundmauer des Propheten Ibrahim erreichten und auf eng aneinanderliegende grüne Steine stießen, Kamelhöckern gleich.

Dann trugen die quraisitischen Stämme Steine herbei, um die Al-Ka'ba neu zu errichten, jeder Stamm für sich. Sie begannen zu bauen, bis sie auf die Höhe des Schwarzen Steines kamen und in Streit gerieten. Jeder Stamm wollte nämlich, daß nur er den Stein an seinen Platz lege. Schließlich bildeten sie Parteien, schlössen Bündnisse und rüsteten zum Kampf. Die 'Abduddar brachten eine Schale mit Blut, verbündeten sich auf den Tod mit den ' Adyy und tauchten darauf ihre Hände in das Blut, weshalb man sie fortan die Blutlecker nannte. So blieb es vier oder fünf Tage. Dann versammelten sich die Qurais an der Al-Ka'ba und berieten miteinander, blieben aber in zwei Lager gespalten. Schließlich hat Abu Umayya Ibn Al-Mughira, damals der älteste unter den Qurais, das Wort ergriffen:»Männer von Qurais! Laßt den ersten, der durch das Tor zu uns hereintritt, in euerem Streit entscheiden.« Sie waren damit einverstanden.

Der erste, der hereinkam, war Muhammad. Als sie ihn sahen, riefen sie: »Al-Amin (der Treue)! Mit ihm sind wir einverstanden! Dies istMuhammad!«Nachdem sie ihm alles erklärt hatten, bat er sie, ihm ein Tuch zu bringen. Mit eigener Hand legte er den Schwarzen Stein in dieses hinein und forderte einen jeden Stamm auf, jeweils an einem Zipfel des Tuches anzufassen und den Stein gemeinsam hochzuheben. So geschah es, und als sie ihn auf die richtige Höhe gehoben hatten, legte Muhammad selbst den Schwarzen Stein an seinen Platz. Dann bauten sie zufrieden darüber weiter.

Muhammads (s.a.s.) Urteilsspruch im Streit um den schwarzen Stein

Als Abu Umayya Ibn Al Mughira Al Machzumi, der Älteste seines Volkes, erkannte, worauf die Leute zusteuerten, sagte er, der er Ansehen und Einfluss unter ihnen genoss, zu ihnen: "Macht den ersten, der durch das Tor von As Safa hereinkommt, zum Schiedsrichter über das, worüber ihr uneinig seid." Als sie sahen, dass Muhammad (s.a.s.) der erste war, der hereinkam, sagten sie: "Das ist Al Amin, wir sind mit seinem Urteilsspruch einverstanden." Sie erzählten ihm ihre Geschichte, und er hörte ihnen zu und sah die Feindschaft, die in ihren Augen stand. Er dachte ein wenig nach und sagte dann: "Bringt mir ein Gewand." Er nahm es und breitete es aus.

 5- Von der Heirat bis zur Prophetenberufung - Weg zum Islam
Der schwarze Stein 

 

Dann nahm er den Stein, legte ihn darauf und sagte: "Der Älteste eines jeden Stammes soll jeweils eines der Enden dieses Gewandes nehmen." So brachten sie den Stein gemeinsam an die Stelle des Gebäudes, an die er gehörte. Muhammad (s.a.s.) nahm ihn darauf vom Gewand herunter und legte ihn an seinen Platz. Dadurch wurden der Streit beigelegt und Unheil vermieden. Die Kuraisch vollendeten den Bau der Kaba, bis sie achtzehn Ellen hoch war. Sie brachten ihre Türe erhöht über den Boden an, damit es von ihrem Willen abhinge, wer eintrete und wer nicht. Im Inneren der Kaba errichteten sie sechs Pfeiler in zwei Reihen zur Stabilisierung der Decke und bauten an der Nordseite eine Treppe, die zum Dach führte. Im Inneren der Kaba wurden Hubal aufgestellt und die Kostbarkeiten aufbewahrt, die vor der Erbauung der Kaba und ihrer Überdachung der Gier der Diebe ausgeliefert waren.

Es besteht Uneinigkeit über das Alter Muhammads (s.a.s.) zur Zeit der Errichtung der Kaba und seines Urteilsspruchs im Streit zwischen den Kuraisch über den Stein. Es heißt, er war fünfundzwanzig. Ibn Ishaq sagt: Er war fünfunddreißig. Gleich, ob der erste oder letztere von diesen beiden Berichten zutrifft, das sofortige Einverständnis der Kuraisch mit seinem Urteilsspruch, als er als erster durch das Tor hereinkam, und sein Vorgehen, dass er den Stein nahm und auf das Gewand legte, um ihn an seinen Platz in der Wand der Kaba zu legen, zeigt, dass er eine hohe Stellung im Ansehen der Bewohner Mekkas hatte und große Wertschätzung genoss. Sie kannten die Erhabenheit seiner Seele und die Lauterkeit seiner Absicht.

Zerfall der Macht in Mekka und die Folgen

Dieser Streit zwischen den Stämmen, dieses Bündnis zwischen den "Blutleckern" und diese Wahl dessen zum Richter, der als erster das Tor von As Safa durchschreitet, das alles weist auf einen Zerfall der Macht in Mekka hin. Niemandem von ihnen war geblieben, was Kusaij oder Al Haschim oder Abdul Muttalib an Macht besessen hatten. Der Machtkampf zwischen den Bann Haschim und den Banu Umayya nach dem Tod Abdul Muttalibs hatte darauf ohne Zweifel seine Auswirkung. Der Zerfall der Macht hätte Mekka sicher geschadet, wäre da nicht die Heiligkeit des alten Hauses in den Herzen aller Araber verwurzelt gewesen.

Eine natürliche Folge war die Zunahme an Freiheit der Menschen, nachzudenken und ihre Ansicht zu äußern. Auch wuchs der Mut der Juden und Christen, die bisher den jeweiligen Machthaber gefürchtet hatten, den Arabern die Götzenanbetung vorzuwerfen. Dies führte bei vielen der Bewohner Mekkas und selbst bei den Kuraisch dazu, dass die Verehrung der Götzen schwand, wenngleich die Adligen und Angesehenen Mekkas vorgaben, sie weiter heilig zu halten und anzubeten. Sie fanden ihre Rechtfertigung bei denen, für die die bestehende Religion ein Mittel zur Aufrechterhaltung der Ordnung und zur Vermeidung eines Gedankenwirrwarrs war. In der Götzenanbetung bei der Kaba sahen sie etwas, das Mekka seine religiöse und im Handel begründete Stellung erhalten würde. Mekka erfreute sich durch diese Position weiterhin des Wohlstands und guter Handelsbeziehungen; dies änderte jedoch nichts am allmählichen Schwinden der Götzenanbetung bei den Mekkanern.

Beginn des Zerfalls der Götzenanbetung

Es wird berichtet, die Kuraisch hätten sich eines Tages in Nachla versammelt, um die Anbetung der Göttin Al Uzza zu feiern. Vier von ihnen blieben insgeheim fort: Zaid Ibn Amr, Uthman Ibn Al Huwairith, Abdullah Ibn Dschahsch und Waraka Ibn Naufal. Sie sprachen zueinander: "Bei Allah , wisset: das Volk versteht nichts; sie sind vielmehr gewiss vom rechten Weg abgewichen. Wir aber werden keinen Stein umkreisen, der weder hört noch sieht, weder schadet noch nützt, und von dem das  Blut der Opfer herabfließt! O Leute, sucht euch eine andere Religion als die, der ihr jetzt angehört!" Waraqa trat dem Christentum bei, und es wird gesagt, er habe einen Teil des Evangeliums ins Arabische übertragen.

5- Von der Heirat bis zur Prophetenberufung - Weg zum Islam

Ubaidullah Ibn Dschahsch verharrte in seinen Zweifeln, bis er den Islam annahm und mit den Muslimen nach Abessinien auswanderte. Dort trat er zum Christentum über und starb als Christ. Seine Frau Umm Habiba Bint Abu Sufjan blieb beim Islam und wurde später eine der Frauen des Propheten und Mütter der Gläubigen. *Zaid Ibn Amr floh vor seiner Frau und seinem Onkel Al Chattab und zog in Asch Scham und im Irak umher. Er kehrte dann zurück, trat aber weder dem Judentum noch dem Christentum bei; er trennte sich jedoch von der Religion seines Volkes und hielt sich von den Götzen fern.

Er pflegte, an die Kaba gelehnt, zu sagen: "O Allah , wenn ich wüsste, wie DU am liebsten verehrt werden willst, würde ich DICH auf diese Weise verehren, aber ich weiß es nicht."Uthman Ibn Al Huwairith, der ein naher Verwandter von Khadiga war, ging nach Byzanz, wurde Christ und bekleidete eine hohe Stellung beim römischen Kaiser. Es heißt, er wollte Mekka der Oberherrschaft Roms unterwerfen und dort Statthalter des Kaisers sein. Die Mekkaner verjagten ihn. Daraufhin suchte er Zuflucht bei den Ghasasina in Asch Scham und wollte von dort dem Handel Mekkas den Weg abschneiden. Doch die Ghasasina erhielten Geschenke von den Mekkanern, und Ibn Al Huwairith starb bei ihnen durch Vergiftung.

*Titel, der jeder Frau des Propheten gegeben wurde.

Muhammads (s.a.s.) Söhne

Die Jahre verstrichen; Muhammad (s.a.s.) nahm mit den Bewohnern Mekkas am öffentlichen Leben teil und fand in Khadiga tatsächlich die beste aller Frauen, die ihn liebte und ihm Kinder schenkte. Sie gab sich ihm hin und gebar ihm die Söhne Al Kasim und Abdullah - der die Beinamen At Tahir und At Taijib trug - und die Töchter Zainab, Rukaija, Umm Kulthum und Fatima. Von Al Kasim und Abdullah ist nur bekannt, dass sie als Kinder zur Zeit des vorislamischen Heidentums starben und keine bleibende bzw. erwähnenswerte Spur im Leben hinterließen.

Dagegen hinterließ ihr Tod in den Seelen ihrer Eltern zweifellos eine tiefe Wirkung und in der Seele Khadigas bleibende Wunden, da ihr Mutterherz betroffen war. Und zweifelsohne wandte sie sich beim Tod eines jeden von ihnen zur Zeit des vorislamischen Heidentums an ihre Götzen und fragte sie, was mit ihr sei, dass sie sie nicht mit ihrer Barmherzigkeit und Güte umfassten. Und was mit ihr sei, dass sie sich nicht ihres Herzens erbarmten, so dass ihr wieder und wieder ein Kind geraubt wurde und Trauer ihr Herz zerbrach. Und es besteht ferner gar kein Zweifel, dass ihr Gatte mit ihr den Schmerz über den Tod seiner beiden Söhne empfand, so wie in sein Herz der nicht ruhende Schmerz schnitt, der sich in seiner Frau widerspiegelte und den er jedes Mal sah, wenn er nach Hause zurückkehrte und bei ihr saß.

Es ist nicht schwierig für uns, uns die Tiefe dieser schweren Trauer vorzustellen, in einer Zeit, in der die Töchter lebendig begraben wurden und das Streben nach männlichen Nachkommen dem Streben nach dem Leben gleichkam - oder es sogar überwog. Um diesen Schmerz zum Ausdruck zu bringen, genügt es, dass Muhammad (s.a.s.) den Verlust nicht lange ertragen konnte. Als Zaid Ibn Haritha zum Verkauf angeboten wurde, bat er deshalb Khadiga, ihn zu kaufen, was sie auch tat. Sodann ließ er ihn frei und adoptierte ihn. Er wurde Zaid Ibn Muhammad (s.a.s.) genannt, lebte unter dem Schutz Muhammads (s.a.s.) und gehörte später zu seinen treuesten Anhängern und Gefährten.Muhammad (s.a.s.) trug noch heftigere Trauer, als sein Sohn Ibrahim starb, nachdem der Islam das Lebendigbegraben der Töchter verboten und das Paradies als unter den Füßen der Mutter liegend erklärt hatte. Ohne Zweifel hinterließen diese Heimsuchungen in Muhammads (s.a.s.) weiterem Leben und in seinem Denken Spuren.

Und ohne Zweifel wurden Muhammads (s.a.s.) Denken und seine Aufmerksamkeit bei jedem dieser Unglücksfälle davon in Anspruch genommen, dass Khadiga sich an die Götzen der Kaba wandte und Hubal, Al Lat, Al Uzza und Manat - der dritten, anderen Göttin - opferte. Sie wollte dadurch den Schmerz des Kindestodes loswerden; aber die Opfer brachten nichts ein.

Muhammads (s.a.s.) Töchter

Was seine Töchter betraf, so lag es Muhammad (s.a.s.) am Herzen, für sie geeignete Ehemänner zu finden: Er verheiratete Zainab, die älteste von ihnen, mit Abu Al A's Ibn Ar Rabi Abd Schams, dessen Mutter eine Schwester von Khadiga war. Er war ein junger Mann, der von seinem Volk wegen seiner Aufrichtigkeit und seinem erfolgreichen Handel geschätzt wurde. Diese Heirat war glücklich, trotz der Trennung nach dem Islam, als Zainab von Mekka nach Medina auswandern wollte, wie wir später im einzelnen sehen werden.Rukaija und Umm Kulthum verheiratete er mit Utba und Utaiba, den Söhnen seines Onkels Abu Lahab.

Diese beiden Frauen blieben nach dem Islam nicht bei ihren Ehegatten, denn Abu Lahab befahl seinen Söhnen, sich von ihnen zu scheiden. Uthman heiratete danach beide, eine nach der anderen. Fatima war noch ein Kind und heiratete Ali erst nach dem Islam. Muhammad (s.a.s.) führte in diesen Jahren ein zufriedenes und friedliches Leben.Wären nicht seine Söhne gestorben, wäre es ein mit der Liebe und Treue Khadigas und ein mit glücklicher Vaterschaft gesegnetes Leben gewesen.

Es war für Muhammad (s.a.s.) deshalb nur natürlich, seiner Naturveranlagung des Nachdenkens und Betrachtens freien Lauf zu lassen und bei seinem Volk anzuhören, worauf er in ihren Gesprächen über ihre Götzen aufmerksam gemacht wurde und was die Christen und Juden ihnen darauf erwiderten. Von seinem ganzen Volk war er derjenige, der am meisten nachsann und nachdachte. Dieser starke, ihm eingegebene Geist, durch den die göttliche Vorsehung ihn vorbereitet hatte, den Menschen später die Botschaft seines Herrn zu übermitteln und das geistige Loben der Welt auf die Wahrheit auszurichten, konnte sich nicht mit dem Irrtum zufrieden geben, in dem die Menschen völlig versanken.

Er musste unbedingt im Kosmos nach Rechtleitung suchen, auf dass Allah (t.) ihn auf diese Weise darauf vorbereite, ihm SEINE im Verborgenen vorbestimmte Botschaft anzuvertrauen. Trotz seiner gewaltigen Veranlagung für diesen geistigen Bereich und seiner festen Beziehung zu ihm wollte er weder zu den Priestern gehören noch zu einem Weisen werden, wie Waraka Ibn Naufal und seinesgleichen es waren. Er strebte vielmehr für sich nach der Wahrheit und dachte deswegen viel nach, stellte lange Betrachtungen an und teilte anderen wenig mit über das, was sich aufgrund dieses Nachdenkens und Betrachtern in seiner Seele regte.

Das Suchen religiöser Läuterung

Es war damals ein Brauch der Araber, dass die Nachdenklichen unter ihnen jedes Jahr eine Zeit der Kontemplation wählten, die sie weitab von den Menschen in der Zurückgezogenheit verbrachten und in der sie sich durch Enthaltsamkeit und Gebet ihren Göttern näherten und sich ihnen mit ihren Herzen zuwandten, um bei ihnen nach dem Guten und der Weisheit zu suchen.

Sie nannten diese Trennung um der Gottesverehrung willen "das Suchen nach der wahren Religion" bzw. "das Suchen religiöser Läuterung". Muhammad (s.a.s.) fand darin die beste Möglichkeit ungestörter Betrachtung und Meditation. Außerdem fand er in der Zurückgezogenheit Seelenruhe und die Befriedigung seiner Leidenschaft, indem er den Zugang zu dem suchte, wonach seine Sehnsucht ständig verlangte: die Erforschung des Bestehenden und Ergründung des Seins.

In der Höhle Hira

Auf dem Gipfel des Berges Hira, zwei Meilen nördlich von Mekka, befand sich eine Höhle, die für die Zeit der Trennung und Läuterung am besten geeignet war. Dorthin ging er jedes Jahr den ganzen Monat Ramadan lang und begnügte sich dort mit der kargen Verpflegung, die ihm gebracht wurde. Er gab sich der Betrachtung und Meditation hin, weitab vom lärmenden Treiben der Menschen und vom lautstarken Leben, auf der Suche nach der Wahrheit, der Wahrheit allein.

 

 5- Von der Heirat bis zur Prophetenberufung - Weg zum Islam
Ein modernes Foto für die Hölle Hira' 

 

 

Er vertiefte sich bei dieser Suche so sehr in die Betrachtung, dass er sich selbst, sein Essen und sogar die ganze Welt vergaß; denn das, was er im Leben der Menschen um ihn herum sah, war nicht wahr. Dort überdachte er alles, was er in seinem Gedächtnis bewahrt hatte, und die sonderbaren und falschen Vorstellungen der Menschen vermehrten in ihm das Verlangen, die Wahrheit zu erfahren.

Suche nach der Wahrheit

Er hoffte, die Wahrheit, nach der er suchte, nicht in den Geschichten der Erzähler und den Büchern der Mönche zu finden, sondern in diesem Sein, das ihn umgab: im Himmel und in seinen Sternen, seinem Mond und seiner Sonne; in der Wüste während der Stunden ihres sengenden Brandes im Flimmern der blendenden, strahlenden Sonne und während der Stunden ihrer einzigartigen Ungetrübtheit, in denen sie der Mondschein bzw. der Sternenglanz mit ihrem Gewand der taufrischen Kühle überziehen; und schließlich im Meer mit seinen Wogen und in allem, was sich darüber hinaus mit dem Sein verbindet und die Einheit des Seins umfasst.

In diesem Sein suchte er die höchste Wahrheit, und das Streben nach ihr hob seine Seele während der Zeit seiner Zurückgezogenheit empor, auf dass er zu diesem Sein in Beziehung trete und die Schleier seines Geheimnisses lüfte.Er bedurfte keiner langen Betrachtungen, um zu erkennen, dass die Dinge des Lebens, über die sich sein Volk freute, und das, womit sie sich an ihre Götter richteten, nicht die Wahrheit beinhalteten.

Was waren die Götzen, die weder schadeten noch nutzten, weder etwas erschufen noch für jemanden sorgten und von niemandem ein Unheil abwendeten, wenn es ihn traf! Hubal, Al Lat und Al Uzza und all diese Götzen und Standbilder im Inneren der Kaba oder um sie herum hatten noch nie auch nur eine Fliege erschaffen oder Mekka Gutes gebracht! Im Gegenteil ! Wo also ist die Wahrheit zu finden? Wo liegt die Wahrheit in diesem grenzenlosen Universum mit seiner Erde, seinen Himmeln und seinen Sternen? Liegt sie in diesen glänzenden Sternen, die den Menschen Licht und Wärme senden und von denen der Regen herabkommt? Ermöglichen sie den Menschen und allen Geschöpfen auf der Erde durch Wasser, Licht und Wärme das Leben? Nein! Was sind diese Sterne außer Gestirne, der Erde gleich! Liegt die Wahrheit in dem, was hinter diesen Sternen im unbegrenzten, endlosen Universum liegt? Aber was ist das Universum? Und dieses Leben, das wir heute leben und das morgen endet: woher kommt es, was ist sein Ursprung? Ist es bloßer Zufall, dass es die Erde und uns darauf gibt? Aber die Erde und das Leben kennen feste Regeln, für die es keine Veränderungen gibt und deren Grundlagen nicht zufällig sein können. Und was die Menschen an Gutem oder Schlechtem tun, tun sie es aus eigenem Antrieb und freiwillig? Oder ist es ein Teil ihrer Veranlagung, über den sie keine Macht und keine freie Entschlusskraft besitzen?

Über diese seelischen und geistigen Dinge dachte Muhammad (s.a.s.) während seiner Zurückgezogenheit und Anbetung in der Höhle Hira nach; er wollte darin und im Leben insgesamt die Wahrheit erkennen. Sein Nachdenken erfüllte seine Seele, sein Herz, sein Innerstes, kurz sein ganzes Wesen. Es lenkte ihn deshalb von den Problemen des diesseitigen Leben vollständig ab. Wenn der Monat Ramadan zu Ende war, kehrte er, gezeichnet von den Spuren des Nachdenkens, zu Khadiga zurück.

Diese Spuren veranlassten sie, ihn zu ihrer Beruhigung zu fragen, ob er wohlbehalten und gesund sei. Folgte Muhammad (s.a.s.) während dieser seiner Läuterung in der Anbetung einem bestimmten religiösen Gesetz? Darüber sind sich die Islamgelehrten nicht einig. Ibn Kathir überliefert in seiner Geschichtsschreibung einen Teil ihrer Ansichten bezüglich des religiösen Gesetzes, nach dem er betete: Einige sagen, das Gesetz Noahs, andere, das Gesetz Abrahams, Mose bzw. Jesu, und wieder andere, alles, was für ihn als ein Gesetz festgestanden habe, habe er befolgt und ihm entsprechend gehandelt. Vielleicht ist diese letzte Aussage zutreffender als das Vorgenannte, denn sie steht im Einklang mit Muhammads (s.a.s.) Neigung zum Betrachten und Meditieren über die Grundlagen eben dieser Betrachtung.

Die wahre Vision

Immer wenn ein Jahr vergangen war und der Monat Ramadan wieder kam, ging er zur Höhle Hira und widmete sich erneut seinem Meditieren. Es ließ ihn immer mehr reifen und seine Seele erfüllter werden. Nach einigen Jahren ergriff diese höchste Wahrheit von seiner Seele Besitz. Er begann, im Schlaf wahre Visionen zu sehen, in denen vor seinen Augen das Licht der Wahrheit leuchtete, die er gesucht hatte; und er sah zugleich die Torheit des Lebens und die Nichtigkeit seines Schmucks.

Dann war er sicher, dass sein Volk vom Weg der Rechtleitung abgeirrt und dessen geistiges Leben durch die Unterwerfung unter die Wahnvorstellungen von Götzen verdorben und die damit verbundenen Glaubensvorstellungen nichts als ein Irrtum waren. Und dass nichts von dem, was die Juden oder Christen vorbrachten, sein Volk von diesem Irrtum befreien konnte. In dem, was sie sagten, war Wahres enthalten, aber es gab darin ebenso vielfältige Irrungen und Formen des Heidentums, die nicht mit der reinen, schlichten Wahrheit übereinstimmen konnten.

Der Wahrheit, die all diese fruchtlosen, einander widersprechenden Vorstellungen nicht kannte, denen sich die Schriftbesitzer hingaben. Diese Wahrheit ist Allah (t.), der Schöpfer des Seins, außer DEM es keinen Gott gibt. Diese Wahrheit ist, dass Allah (t.) der Herr der gesamten Welt ist, ER ist der Allerbarmer, der Barmherzige. Diese Wahrheit ist, dass den Menschen gemäß ihren Werken vergolten wird: "Wer also eines Stäubchens Gewicht an Gutem tut, wird es sehen, und wer eines Stäubchens Gewicht an Schlechtem tut, wird es sehen." *

Und das Paradies ist wahr, und für jene, die neben Allah einem anderen Gott dienen, ist die Hölle: welch üble Bleibe und welch übler Aufenthalt!Als Muhammad (s.a.s.) die Vierzig erreicht hatte und zur Höhle Hira ging, um sich zu läutern, war er bereits vom Glauben an das erfüllt, was er in seinen wahren Visionen gesehen hatte. Er hatte sich bereits völlig aller Falschheit entledigt. Sein Herr hatte ihn mit dem vorzüglichsten Charakter ausgestattet, und er hatte sich in seinem Herzen bereits dem geraden Weg und der ewigen Wahrheit zugewandt; sich in seinem ganzen Wesen auf Allah (t.) ausgerichtet, auf dass er sein Volk rechtleiten möge, nachdem es den Weg des Irrtums eingeschlagen hatte.

Er durchwachte die Nacht, schärfte seinen Verstand und sein Herz und brachte lange Zeit mit Fasten zu, wodurch seine Betrachtungen angeregt wurden. Dann stieg er von der Höhle hinab zu den Wüstenstrassen und kehrte anschließend wieder in seine Zurückgezogenheit zurück, um von neuem zu prüfen, was ihm durch den Kopf ging und was ihm in seinen Visionen klar geworden war.In diesem Zustand befand er sich sechs Monate, bis er sich zu fürchten begann. Da vertraute er Khadiga seine Angst an und teilte ihr mit, was er sah und dass er fürchte, die Dschinn trieben ihr Spiel mit ihm. Die aufrichtige, treue Gattin beruhigte ihn und redete auf ihn ein, dass er AL Amin sei und dass die Dschinn ihm nicht nahe kommen könnten. Doch es kam weder ihr noch ihm in den Sinn, dass Allah (t.) SEINEN Ausgewählten durch diese geistigen Übungen auf den bedeutsamen Tag und die bedeutsame Kunde vorbereitete: den Tag der ersten Offenbarung; und dass ER ihn damit auf seine Entsendung und seine Prophetenschaft vorbereitete.

*Koran, Sure 99, Verse 7-8.

Der Beginn der Offenbarung (610 n. Chr.)

(Beginn des Prophetentums)

Auf dem Gipfel des Berges Hira', zwei Meilen nördlich von Makka, befand sich eine Höhle, die für die Zeit der Trennung und Läuterung am besten geeignet war. Dorthin ging Muhammad und begnügte sich dort mit der kargen Verpflegung, die er mitgenommen hatte. Er gab sich der Betrachtung hin, weitab vom lärmenden Treiben der Menschen und vom lautstarken Leben, auf der Suche nach der Wahrheit. 'Ä'isa, Mutter der Gläubigen, berichtete:"Das erste, mit dem der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede auf ihm, die Offenbarung begann, war das wahrhaftige Traumgesicht während des Schlafs; er hatte keinen Traum gesehen, der sich nicht wie das Morgenlicht bewahrheitet hat. Danach wurde ihm (von Allah) die Einsamkeit lieb gemacht.

Dazu wählte er die Berghöhle von Hira', in die er sich gewöhnlich für mehrere Nächte zurückzog und Allahs Nähe suchte - eine Art Gottesverehrung. Anschließend begab er sich zu seiner Familie und kümmerte sich um die Versorgung der nächsten Runde; er kehrte dann abermals zu Khadiga zurück, um sich für ähnliche Versorgung vorzubereiten. (Und dies geschah so weiter,) bis die Wahrheit zu ihm kam, während er sich in der Berghöhle von Hira' aufhielt:

Dort kam der Engel zu ihm und sagte: »Lies«. Darauf sagte er: »Ich kann nicht lesen«. (Der Prophet berichtete davon, indem) er sagte: »Da ergriff er mich und drückte mich bis zu meiner Erschöpfung, ließ mich dann los und sagte erneut: »Lies«. Ich sagte (wieder): »Ich kann nicht lesen«. Da ergriff er mich und drückte mich zum zweiten Male bis zu meiner Erschöpfung, ließ mich dann los und sagte: »Lies«. Ich sagte: »Ich kann nicht lesen«; dann ergriff er mich und drückte mich zum dritten Mal, alsdann ließ er mich los und sagte: >Lies im Namen deines Herrn, Der erschuf; Er erschuf den Menschen aus einem Blutklumpen. Lies; denn dein Herr ist Allgütig.<« 

 Kadigas Unterstützung: 

Mit diesem (Vers) kehrte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede auf ihm, mit einem bebenden Herzen zurück. Dann trat er bei seiner Frau Khadiga Bint Khuwailed, Allahs Wohlgefallen auf ihr, ein und sagte:

 »Hüllt mich ein! Hüllt mich ein!«

Sie hüllten ihn ein, bis die Furcht von ihm abließ. Hier dann erzählte er Khadiga und berichtete ihr von dem Ereignis:

»Ich bangte um mein Leben

Darauf sagte Khadiga: » Niemals wirst du bei Allah eine Schande erleben; denn du bist wahrlich derjenige, der die Verwandtschaftsbande pflegt, dem Schwachen hilft, dem Mittellosen etwas gibt, den Gast freundlich aufnimmt und dem Notleidenden unter die Arme greift

Khadiga verließ dann mit ihm das Haus und ging zu dem Sohn ihres Onkels, Waraqa Ibn Naufal Ibn Asad Ibn 'Abdu-l-'Uzza, der in der Gahiliyya zum Christentum übergetreten war; er beherrschte die hebräische Sprache und pflegte - solange es Allah wollte, aus dem Evangelium in hebräischer Sprache abzuschreiben; er war ein Greis, der später erblindet ist.

Khadiga sagte zu ihm:

»O Sohn meines Onkels, höre von dem Sohn deines Bruders, was er sagt

Waraqa sagte dann zu ihm:

»O Sohn meines Bruders, was bringst du mit?« Hier berichtete ihm der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede auf ihm, was er gesehen hatte.

Da sagte Waraqa zu ihm:

»Das ist die Botschaft, wie sie Allah auch Moses offenbarte. Ich wünsche mir, ich wäre jung genug, um solange am Leben zu bleiben, um es zu erleben, wenn dich deine Leute vertreiben!«

Darauf sagte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede auf ihm:

»Werden sie mich wirklich vertreiben?«

Waraqa erwiderte: »Ja! Kein Mensch war mit Ähnlichem gekommen, wie du es gebracht hast, ohne daß er angefeindet wurde. Wenn ich an diesem deinem Tag noch am Leben bin, werde ich dich mit aller Kraft unterstützen.«

Es dauerte aber nicht mehr lange, da starb Waraqa, und der Empfang von weiteren Offenbarungen erlebte für eine Weile einen Stillstand."

 

Auch interessant