D Das Leben des Propheten

Mekka3

3- Mekka, Kaba und Kuraisch - geographische Lage

  


Auf halbem Wege der Karawanenstraße, die entlang des Roten Meeres zwischen dem Jemen und Palästina verläuft, erhebt sich etwa 80 Kilometer von der Wüste entfernt eine Anzahl von Bergketten. Sie umschließen ein enges Tal mit nur drei Ausgängen, Dies sind die Verbindungen zur Straße nach dem Jemen, zu der nahe am Roten Meer gelegenen Straße beim Hafen von Dschidda und zur Straße nach Palästina. In diesem von Bergen umschlossenen Tal liegt Mekka. Es ist schwierig, Einblick in die Geschichte seiner Entstehung zu bekommen.

Allem Anschein nach sind seitdem Tausende von Jahren verstrichen. Fest steht jedoch, dass in seinem Tal schon zuvor eine Raststätte für die Karawanenreisenden errichtet worden war, da es dort einige Quellen gab. Auf dem Weg vom Jemen nach Palästina machten diese Reisenden jenen Platz zu ihrem Lagen Es ist höchstwahrscheinlich, dass Ismael, der Sohn Abrahams, der erste war, der es zum ständigen Aufenthaltsort nahm, nachdem es für die Karawanen lediglich ein Lagerplatz und ein Markt für den Tauschhandel zwischen denen, die aus dem Süden der Halbinsel kamen, und denen, die es von ihrem Norden aus erreichten, gewesen war.

Abraham (a.s.)

Wenn Ismael auch der erste war, der Mekka zum ständigen Wohnort nahm, so bleibt dennoch Mekkas frühe Geschichte völlig im Dunkeln. Vielleicht lässt sich sagen, dass es bereits zum Ort der Anbetung gewählt worden war, bevor Ismael dorthin kam und sich niederließ. Um über Ismaels Ankunft berichten zu können, müssen wir die Geschichte seines Vaters Abraham (a.s.) zusammenfassend darstellen. Abraham wurde im Irak als Sohn eines Tischlers, der vom Volk angebetete Götzenbilder herstellte und verkaufte, geboren.

Als Abraham heranwuchs und die vom Vater angefertigten Götzenbilder sah und bemerkte, wie sie sein Volk anbetete und diesem Stück Holz, das durch seine und seines Vaters Hände ging, Heiligkeit zusprachen, kamen ihm Zweifel. Er fragte seinen Vater, wie er sie anbeten könne, wo sie doch das Werk seiner Hände seien. Abraham sprach darüber auch mit denLeuten, so dass sein Vater anfing, sich um ihn zu sorgen und zu befürchten, er werde den Ruin seines Handels herbeiführen. Abraham jedoch verließ sich auf seinen Verstand und wollte die Menschen durch Argumente veranlassen, von seiner Ansicht überzeugt zu sein. So nutzte er einst die Unachtsamkeit der Leute aus, ging zu ihren Götzen und schlug sie, mit Ausnahme des Obersten, in Stücke. Nachdem die Leute dies bemerkt hatten, und er vor sie gebracht worden war, fragten sie ihn: "Bist du es, der dies unseren Göttern angetan hat, o Abraham?" Er entgegnete: "Mitnichten; dies hat der Oberste von ihnen getan.

Fragt sie nur, wenn sie reden können." *Abraham handelte so, nachdem er über die Irrlehre der Götzenanbetung und darüber, wem die Anbetung gebührt, nachgedacht hatte. "Als aber die Nacht über ihn hereinbrach, sah er einen Stern. Er sprach: "Das ist mein Herr". Als er aber unterging, sprach er: "Ich liebe nicht, was untergeht." Und als er den Mond aufgehen sah, sprach er: "Das ist mein Herr." Und als er unterging, sprach er: "Wahrlich, hätte mein Herr mich nicht rechtgeleitet, wäre ich gewiss einer der Irrenden" Und als er die Sonne aufgehen sah, sprach er: "Das ist mein Herr; dasist das Größte" Als sie jedoch unterging, sprach er: "O, mein Volk, ich bin fürwahr frei von dem, was ihr an Götzen beigesellt. Ich wende gewiss mein Gesicht als Rechtgläubiger zu DEM, DER die Himmel und die Erde erschuf; und ich gehöre nicht zu den Polytheisten" ***Qur´aan, Sura 2l, Ayat 62-63.**Qur´aan, Sura 6, Ayat 76-79.

Abraham und Sara in Ägypten

Abraham hatte mit der Rechtleitung seines Volkes keinen Erfolg; im Gegenteil, sie straften ihn, indem sie ihn ins Feuer warfen. Allah (t.) rettete ihn jedoch daraus. Daraufhin zog Abraham in Begleitung seiner Frau Sara nach Palästina. Von dort reiste er nach Ägypten, wo damals die Könige der Amalekiter (Hyksos) herrschten. Sara war eine hübsche Frau; und da die Hyksos-Könige schöne, verheiratete Frauen zu ergreifen pflegten, gab Abraham aus Angst, der König würde sie nehmen und ihn töten lassen, vor, Sara sei seine Schwester. 

Der König wollte Sara dennoch zur Frau nehmen, sah jedoch im Traum, dass sie verheiratet war. Nachdem er Abraham getadelt hatte, gab er sie an Abraham zurück und machte ihm Geschenke, darunter eine Sklavin namens Hadschar * . Als Sara nach langer Ehe mit Abraham noch kein Kind geboren hatte, drängte sie ihn, Hadschar beizuwohnen. Dies tat er, und es dauerte nicht lange, bis sie ihm Ismael gebar. Als Ismael zum Jüngling herangewachsen war, wurde Sara schwanger und gebar Isaak.* Haikal berichtet hier über einen typischen Fall des Judentums in der muslimischen Überlieferung. Mit geringfügigen Änderungen ist diese Geschichte aus der Genesis durchJuden, die zum Islam konvertiert waren, in muslimische Texte eingegangen. ( vgl. 1. Mose,Kapitel 20).



Wer war der zu Opfernde?

Hinsichtlich der Opferung und der Auslösung Ismaels gehen die Meinungen der Überlieferer auseinander. War es vor der Geburt Isaaks oder danach? Geschah es in Palästina oder im Hedschas? Die Geschichtsschreiber der Juden behaupten, der zu Opfernde sei Isaak gewesen, nicht Ismael. Es ist hier nicht der Platz, diese Meinungsverschiedenheiten zu untersuchen. Der Lehrmeister Scheich Abdul Wahhab An Naddschar meint in seinem Buch"Prophetengeschichten", der zu Opfernde sei Ismael gewesen. Er entnimmt dies der Thora *,in der der zu Opfernde als Abrahams einziger Sohn beschrieben wird. Und bis zur Geburt Isaaks war Ismael der einzige Sohn. Die Billigung dieser Darstellung setzt voraus, dass sich die Opfergeschichte in Palästina ereignete. Ebenso verhält es sich, wenn der zu Opfernde Isaak gewesen wäre, denn dieser blieb mit seiner Mutter Sara in Palästina und zog nicht in den Hedschas.

Die Überlieferung, das Opfer und die Auslösung hätten auf dem Berg Minna ** stattgefunden, lässt jedoch Ismael als den zu Opfernden erscheinen. Im Qur´aan wird der Name des zu Opfernden nicht erwähnt ***, weshalb die muslimischen Geschichtsschreiber hierüber uneinig sind. * Die fünf Bücher Mose. Siehe 1. Buch Mose, Kapitel 22, Aya 2; hier wird Isaak "einziger Sohn" genannt.** Im Hedschas (Innerarabien) bei Mekka.*** Im Qur´aan, Sura 37, Aya 112, wird Abraham die Geburt Isaaks jedoch erst nach demOpfer seines ersten Sohnes Ismael verkündet

Die Geschichte der Auslösung im Qur´aan

Die Geschichte des Opfers und der Auslösung lautet, dass Abraham im Traum sah, wie Allah (t.) ihm befahl, er solle IHM seinen Sohn als Opfer darbringen. So zogen er und sein Sohn am Morgen aus. "Als er das Alter erreicht hatte, mit ihm zu gehen, sprach er: "O mein kleiner Sohn, ich habe im Traum gesehen, dass ich dich opfern soll, so sag mir, was du meinst." Er sprach: "O mein Vater, tu, was dir befohlen ward, du wirst mich, so Allah es will, standhaft finden." Als sie sich beide also gefügt hatten und er ihn auf die Stirn legte, riefen WIR ihm zu: "O Abraham, du hast den Traum bereits erfüllt; wahrlich; so lohnen WIR denen, die Gutes tun." Wahrlich, dies war eine deutliche Prüfung. Und WIR lösten ihn durch ein gewaltiges Opfer aus." * *Qur´aan. Sura 37, Aya 102-107.

Die Erzählung in der Geschichtsschreibung

Einige Überlieferungen stellen diese Geschichte in dichterisch ausgeschmückter Form dar. Ihr kunstvoller Stil veranlasst uns, sie hier wiederzugeben, auch wenn der Bericht über Mekka ihre Erzählung nicht erfordert. So wird erzählt, dass Abraham, nachdem er im Traum gesehen hatte, dass er seinen Sohn opfern solle, und sich überzeugt hatte, dass dies der Befehl seines Herrn war, zu seinem Sohn gesagt habe:

"O mein kleiner Sohn, nimm ein Seil und ein Messer und gehe mit mir zu diesem Hügel, damit wir für unsere Familie Brennholz sammeln." Der Junge folgte seinem Vater und tat dies. Da nahm der Satan die Gestalt eines Mannes an, kam zur Mutter des Jungen und sagte: "Weißt du, wohin Abraham mit deinem Sohn geht?"Sie antwortete: "Er ging mit ihm, um für uns Brennholz zu sammeln." Der Satan sprach: "Bei Allah , er ging mit ihm nur, um ihn zu opfern." Die Mutter erwiderte: "Aber nein! Er ist äußerst besorgt um ihn und voll heftiger Liebe zu ihm!" Der Satan sagte: "Wahrlich, er ist in dem Glauben, Allah habe ihm dies befohlen."

Da entgegnete die Mutter: "Wenn Allah es ihm befohlen hat, so soll er dem Befehl seines Herrn gehorchen." So wurde der Satan abgewiesen, und er entfernte sich. Dann begab er sich zum Sohn, der seinem Vater folgte. Und Iblis * trug ihm vor, was er zuvor dessen Mutter erzählt hatte; und der Sohn gab ihm das gleiche zur Antwort. Da wandte sich der Satan Abraham zu und teilte ihm mit, der Traum, den er gesehen habe, sei eine Täuschung des Satans, auf dass er seinen Sohn opfere und dies dann bis an sein Lebensende zutiefst bereue. Abraham jagte ihn fort und verfluchte ihn.Iblis drehte sich auf den Fersen um, betrübt und verärgert, dass er weder von Abraham noch von seiner Frau oder seinem Sohn das erhalten hatte, was er wollte.

Als hierauf Abraham seinem Sohn den Traum mitteilte und ihn nach seiner Meinung fragte, sagte dieser: "O Vater, tu, was dir befohlen ward." In einer noch phantastischeren Version heißt es: "O Vater! Wenn du mich opfern willst, so fessele mich, auf dass du keinen Spritzer von meinem Blut abbekommst und so mein Lohn geschmälert würde. Wahrlich, der Tod ist schwer, und ich bin nicht sicher, dass ich ruhig bleibe, wenn ich seine Berührung spüre. So schärfe deine Klinge, damit du mir den Gnadenstoß geben kannst. Und wenn du mich hinlegst, so lege mich auf das Gesicht und nicht auf die Seite, denn ich fürchte, wenn du mein Gesicht siehst, lässt dich die Sanftmut innehalten und den Vollzug des Befehls deines Herrn an mir verhindern.

Und wenn du mein Hemd meiner Mutter zurückzugeben gedenkst, auf dass es ihr vielleicht ein Trost über mich sei, so tu es." Abraham antwortete ihm: "Welch eine vorzügliche Hilfe bist du, o mein Sohn, in der Ausführung von Allahs Befehl!" Als er dann mit der Durchführung begann und die Hände des Jungen band und ihn auf die Stirn warf, um ihn zu löten, wurde ihm zugerufen: "O Abraham, du hast den Traum bereits erfüllt." Und der Junge wurde durch einen prächtigen Widder ausgelöst, den Abraham in der Nähe fand, opferte und verbrannte.Dies ist die Geschichte des Opfers und der Auslösung. Es ist die Geschichte der Unterwerfung unter den Befehl Allahs (t.) bis zum äußersten und der vollständigen Fügung in SEINE Anordnung. *Eigenname des Satans; aus diesem Namen werden das griechisch / lateinische diabolus und daraus das englische devil und das deutsche Teufel abgeleitet.

Die Reise in das Tal von Mekka

Isaak wuchs an der Seite Ismaels heran, und des Vaters Zuneigung war für beide gleich stark. Diese Gleichheit zwischen ihrem Sohn und dem Sohn Hadschars, die ihre Sklavin und nicht ihre Vertraute war, verärgerte Sara. Als sie sah, dass Ismael seinen Bruder schlug, schwor sie, nicht mehr mit Hadschar und deren Sohn zusammenleben zu wollen. Abraham merkte, dass das Leben nicht angenehm sein konnte, solange beide Frauen an einem Ort waren. Deshalb zog er mit Hadschar und Ismael gen Süden, bis sie das Tal erreichten, in dem heute Mekka liegt. Wie wir schon erwähnten, war dieses Tal zu den Zeiten, da die Karawanen zwischen dem Jemen und Asch Scham Rast machten, ein Lagerplatz, in der übrigen Zeit des Jahres war es ganz oder nahezu verlassen. Abraham ließ Ismael und dessen Mutter dort zurück und mit ihnen etwas, womit sie ihr Leben fristen könnten. Hadschar baute eine Hütte aus Zweigen, in der sie mit ihrem Sohn wohnte, und Abraham kehrte dorthin zurück, von wo er gekommen war.

Zamzam

Als Wasser und Proviant zu Ende gegangen waren, unternahm Hadschar einen Erkundungszug in ihrer Umgebung, bei dem sie aber nichts fand. Sie rannte bis ansEnde des Tals auf der Suche nach Wasser, und sie hielt nach der Überlieferung in ihrem Lauf zwischen As Safa und Al Marwa nicht inne, bis sie nach siebenmaligem Hin- und Herlaufen zu ihrem Kinde zurückkehrte. Verzweiflung war sie bereits überkommen, und sie versuchte, sich damit abzufinden. Da scharrte Ismael mit seinem Fuß den Boden auf, und Wasser sprudelte daraus hervor *.

Sie löschten ihren Durst, und Hadschar fasste die Quelle ein, so dass sie sich nicht im Sand verlieren konnte. Beide blieben dort, und die Araber kamen auf ihren Reisen zu ihnen und gaben ihnen Güter, die ihnen zum Leben reichten, bis die nächste Karawane ankam.Das hervorströmende Wasser Zamzams veranlasste einige Stämme, sich in seiner Nähe niederzulassen. Dschurhum war der erste Stamm, der dort sesshaft wurde, und in einigen Berichten wird behauptet, er sei dort schon vor der Ankunft Hadschars und Ismaels gewesen. Nach anderen Überlieferungen ließ er sich jedoch erst nieder, als Zamzam entsprang und das Leben in diesem öden Tal ermöglichte. Ismael wuchs heran und heiratete ein Mädchen von Dschurhum. Er lebte mit ihr und dem Stamm der Dschurhum an diesem Ort, an dem das Baitul Haram ** errichtet wurde, um das herum später Mekka entstand.*

Der siebenmalige Lauf zwischen diesen beiden Hügeln As Safa und Al Marwa ist zur Erinnerung an den Lauf Hadschars und an die Gnade und unerwartete Wasserversorgungdurch Allah (t.) ein Bestandteil des Rituals der islamischen Pilgerfahrt. Von dieser Quelle, dieZamzam genannt wird, schöpfen die Mekkapilger auch heute noch.** die Kaba.

Ismaels Heirat

Es heißt, Abraham habe Sara eines Tages um Erlaubnis für einen Besuch Ismaels und dessen Mutter gebeten; sie gab ihre Zustimmung, und er trat die Reise an, Abraham fand auf Fragen das Haus seines Sohnes und fragte dessen Frau: "Wo ist dein Ehemann?" Sie sagte: "Er ging auf die Jagd, von der wir leben." Da fragte er sie, ob sie Speise und Trank für ihn habe, und sie verneinte. Bevor er die Rückreise antrat, sagte er zu ihr: "Wenn dein Gatte kommt, so übermittle ihm meine Grüße und meine Nachricht für ihn: "ändere die Schwelle deines Hauses" Als sie Ismael die Botschaft seines Vaters ausgerichtet hatte, sprach er ihr die Scheidung aus und heiratete ein anderes Mädchen vom Stamm der Dschurhum, nämlich Bint Mudas Ibn Amr. Als Abraham einige Zeit später erneut zu einem Besuch seines Sohnes kam, behandelte ihn diese zweite Frau gastfreundlich und erwies ihm Ehre. Als er ging,bat er sie, ihren Gatten von ihm zu grüßen und ihm zu sagen: "Die Schwelle deines Hauses ist nun gerade."

Ismael wurden aus dieser Ehe zwölf Söhne geboren, die die Väter der späteren Araber sind; jener Araber, die über die Onkel mütterlicherseits von Dschurhum, mitden arabisierten Arabern, den Söhnen von Jarub Ibn Kahtan, verwandt sind. Ihr Vater Ismael, der Sohn des Abraham, stand mütterlicherseits mit Ägypten in enger Verwandtschaftsbeziehung und väterlicherseits mit dem Irak und Palästina und den Ländern, zu denen Abraham auch immer gelangte.

Erörterung der Geschichte

Von den vielen überlieferten Geschichten ist man sich über diese Geschichte der Wanderung Abrahams und Ismaels nach Mekka im ganzen einig, wenn es auch Meinungsverschiedenheiten bei Einzelheiten gibt. Jene, die Einzelheiten der Ereignisse in dieser Überlieferung kritisieren, berichten die Geschichte wie folgt: Hadschar zog mit Ismael in das Tal, in dem heute Mekka liegt. Dort habe es bereits Quellen gegeben, an denen die Dschurhum sich niedergelassen hatten. Als Abraham mit Hadschar und ihrem Sohn kam, sei sie von ihnen willkommen geheißen worden.

Als Ismael zum Jüngling herangewachsen war, habe er ein Mädchen von Dschurhum geheiratet, und sie habe ihm Söhne geboren. Diese Verbindung zwischen Ismael, dem ägyptischen Hebräer, und jenen Arabern verlieh seinenNachkommen die Entschlossenheit, den stark ausgeprägten Mut und alle Tugenden der Araber, Hebräer und Ägypter. Alles, was über Hadschars Ratlosigkeit berichtet wird, als ihr das Wasser ausgegangen war, und über ihren siebenmaligen Lauf zwischen As Safa und Al Marwa sowie über Zamzam und wie das Wasser daraus entsprang, stößt bei jenen Kritikern auf Skepsis.Sir William Muir zieht die Wanderung Abrahams und Ismaels in den Hedschas in Zweifel und verwirft die Geschichte von Grund auf.

Er vertritt die Meinung, sie sei eine der Israelismen, die die Juden lange vor dem Islam erfunden hätten, um sich auf diese Weise mit den Arabern durch die ihnen allen gemeinsame Vaterschaft Abrahams zu vereinigen. Isaak war ja der Vater der Juden; wenn also dessen Bruder Ismael der Vater der Araber war, dann waren sie Vettern, und somit oblag den Arabern eine gute Behandlung der jüdischen Siedler unter ihnen, was wiederum den Handel der Juden auf der Halbinsel erleichterte. Der englische Historiker stützt diese seine Ansicht darauf, dass die Anbetungsgebräuche in Arabien keine Beziehung zur Religion Abrahams aufwiesen, da sie ganz und gar heidnisch wären, während Abraham ein rechtgläubiger Muslim war.Wir halten eine solche Erklärung nicht für ausreichend, um einen historischen Tatbestand zu leugnen. Das Heidentum der Araber viele Jahrhunderte nach dem Tod Abrahams und Ismaels beweist nicht, dass sie auch Heiden waren, als Abraham in den Hedschas kam und er und Ismael gemeinsam die Kaba erbauten.

Und selbst wenn es damals das Heidentum gab, wie diese Ansicht von Sir William Muir bekräftigt, so betete bereits das Volk Abrahams Götzen an, weshalb er sie zu ihrer Rechtleitung führen wollte, ohne dabei jedoch Erfolg zu haben. Wenn er die Araber zu dem aufgerufen hätte, zu dem er auch sein Volk aufgerufen hatte, und er hätte keinen Erfolg gehabt, und die Araber wären Götzenanbeter geblieben, hätten sie das Kommen Abrahams und Ismaels nach Mekka nicht hingenommen.Die Logik jedoch stützt den Geschichtsbericht. Abraham, der aus dem Irak ausgewandert war, um vor seinem Volk nach Palästina und Ägypten zu fliehen, war ein Mann, der das Reisen und Wüstendurchquerungen gewohnt war. Der Weg zwischen Palästina und Mekka wurde seit Urzeiten von den Karawanen oft benutzt.

Es gibt deshalb keinen Grund, an einem geschichtlichen Ereignis, über das im großen und ganzen Einvernehmen besteht, zu zweifeln.Sir William Muir und jene, die in dieser Frage seine Ansicht teilen, sprechen von der Möglichkeit, dass sich später einige der Söhne Abrahams und Ismaels von Palästina nach Arabien begaben und sich mit den Arabern durch Verwandtschaftsbeziehungen verbunden hätten. Was sollen wir davon halten: Wenn diese Möglichkeit für die Söhne Abrahams und Ismaels bestand, warum sollte sie für die beiden Männer selbst nicht bestanden haben! Und wie sollte sie nicht mit Bestimmtheit erwiesen sein, obwohl sie der Geschichtsbericht doch ausdrücklich bestätigt! Wie kann an etwas Zweifel aufkommen, das auch der Qur´aan erwähnt und andere heilige Schriften berichten!

Die Errichtung der Kaba durch Abraham und Ismael

Abraham und Ismael legten die Fundamente des Baitul Haram. "Wahrlich, das erste für die Menschen errichtete Haus ist das bei Bakka * , gesegnet und eine Rechtleitung für alle Welt. In ihm sind klare Zeichen, die Stätte Abrahams, und wer es betritt, ist sicher." ** Und Allah (t.), der Erhabene, spricht ferner: "Und als WIR das Haus zu einem Versammlungsort für die Menschen und zu einem Schutz machten:"Und nehmt Abrahams Stätte als Gebetsplatz und WIR Abraham und Ismael verpflichten: "Reinigt MEIN Haus für die, die es umwandeln und darin verweilen, und sich beugen und niederwerfen!" Und als Abraham sprach: "Mein Herr, mache dies zu einer sicheren Stadt und versorge mein Volk mit Früchten, wer davon ihnen an Allah und an den Jüngsten Tag glaubt", sprach ER: "Und wer nicht glaubt, dem will ICH wenig geben; als dann will ICH ihn stoßen in die Feuerspein; und schlimm ist die Bestimmung. "Und als Abraham und Ismael die Fundamente des Hauses legten :"O unser Herr, nimm es von uns an; DU bist fürwahr der Allhörende, der Allwissende." ***

Wie kam es, dass Abraham das Haus als Treffpunkt und Ort der Sicherheit für die Menschen errichtete, damit sich die Menschen darin Allah (t.) zuwandten und an IHN allein glaubten, und es danach zu einem Hort der Götzen und ihrer Verehrung wurde? Wie sah das Anbetungsritual aus, das darin nach Abraham und Ismael vollzogen wurde, und in welcher Form geschah dies? Wann änderten sich diese Gebräuche und gingen im Heidentum auf? Darüber berichtet uns die bekannte Geschichte nichts. Alles, was wir darüber finden, sind lediglich Annahmen, die ihre Urheber für eine Darstellung von Fakten halten.Die Sabäer, die die Sterne anbeteten, hatten großen Einfluss in Arabien. Wie es heißt, hatten sie zunächst nicht die Sterne selbst angebetet, sondern allein Allah (t.), und die Sterne als äußeres Zeichen SEINER Schöpfung und SEINER Macht verehrt. Da die Mehrheit der Menschen nicht über den nötigen Intellekt verfügte, um die übersinnliche Natur der Gottheit zu erfassen, nahmen sie sich die Sterne zu Göttern.

Einigen vulkanischen Steinen schrieben die Menschen zu, vom Himmel gefallen bzw. von Sternen heruntergekommen zu sein. Sie wurden für äußere Erscheinungsbilder jener Götter in der Höhe gehalten und als solche geheiligt. Später geschah dies ihrer selbst wegen, und auf diese Weise wurden schließlich Steine angebetet. Sie erlangten eine derart hohe Bedeutung, dass es dem Araber nicht genügte, den schwarzen Stein der Kaba zu ehren, sondern dass er irgendeinen Stein der Kaba mit sich auf seine Reisen nahm, zu dem er dann betete und den er um Erlaubnis fürAufenthalt oder Reise bat. Ihm wurden nun alle Anbetungshandlungen zuteil, die einst den Sternen und ihrem Schöpfer entgegengebracht worden waren.

Aufgrund dieses Werdegangs etablierte sich das Heidentum, und so wurden die Statuen geheiligt und ihnen Opfer dargebracht.Dies ist das Bild, das einige Historiker der religiösen Entwicklung in Arabien geben, nachdem Abraham die Kaba zur Anbetung Allahs (t.) erbaut hatte. Heredot, der Vater der Geschichtsschreibung, erwähnt bereits die Anbetung von Al Lat in Arabien; und der Sizilianer Diodor erwähnt das Haus zu Mekka, das die Araber verehrten. All das weist auf die lange Vergangenheit des Heidentums auf der Halbinsel hin und darauf, dass die Religion Abrahams nicht lange beachtet wurde. * Bakka ist ein anderer Name für Mekka.**Qur´aan, Sura 3, Ayat 96-97.***Qur´aan, Sura 2, Ayat 125-127.

Die arabischen Propheten

Während dieser Jahrhunderte erschienen bereits Propheten, die ihre Stämme in Arabien zur alleinigen Anbetung Allahs (t.) aufriefen. Die Araber wiesen sie jedoch ab und beharrten auf ihrem Heidentum. So erschien z.B. Hud und rief den Stamm Ad, der im Norden von Hadramaut lebte, zur Rechtleitung auf, aber nur wenige glaubten ihm. Die meisten aus seinem Volk waren überheblich und sagten zu ihm: "O Hud, du hast uns keinen klaren Beweis gebracht, und wir lassen unsere Götter nicht deiner Rede wegen, und wir glauben dirnicht." * Hud lud sie noch viele Jahre lang ein, aber ihr Hochmut und Stolz nahmen nur noch mehr zu.Salih erschien, um den Stamm Thamud zum Glauben aufzurufen, der in Al Hidschr zwischen dem Hedschas und Asch Scham zum Tal von Al Kura hin im Südosten der Gegend von Madjan in der Nähe des Golfs von Akaba wohnte.

Der Ruf Salihs an Thamud trug aber nicht mehr Früchte als der Ruf Huds. Das Volk von Madjan, das im Hedschas lebte, rief Schuaib zu Allah (t.) auf. Aber sie hörten nicht auf ihn und gingen wie vorher Ad und Thamud zugrunde.Der Qur´aan berichtet über weitere Propheten und deren Geschichten und Aufrufe an ihre Völker zur alleinigen Anbetung Allahs (t.) sowie über den Stolz ihrer Völker und ihrem Verharren im Götzentum und der Zuwendung ihrer Herzen zu den Statuen der Kaba, zu denen sie jedes Jahr aus allen Teilen Arabiens pilgerten. Darüber offenbarte Allah (t.), der Erhabene, SEIN Wort: "Und WIR pflegten nicht eher zu strafen, bis WIR einen Gesandten geschickt hatten." ***Qur´aan. Sura 11, Aya 53**Qur´aan, Sura 17, Aya 15

Die zur Kaba gehörenden Ämter

Gehörten nun zur Kaba seit ihrer Errichtung Ämter wie jene, die Kusaij Ibn Kilab in der Mitte des fünften nachchristlichen Jahrhunderts innehatte, als er die Herrschaft über Mekka ausübte? Kusaij vereinigte auf sich die Hidschaba - das Wächteramt, das heißt die Verwaltung der Schlüssel, die Sikaja - die Tränkung der Pilger mit frischem Wasser, das in Mekka knapp war, und mit Dattelwein, die Rifada – die Versorgung aller Pilger mit Nahrung, die Nadwa - der Vorsitz bei Versammlungen zu jeder Zeit des Jahres, den Liwa - die Flagge, die sie auf einen Speer steckten und als Heereszeichen hissten, wenn sie dem Feind gegenüberstanden - und die Kijada - der Befehl über die Armee, wenn sie zum Krieg auszog.

All diese Ämter wurden in Mekka als zur Kaba gehörig betrachtet, der Blickrichtung aller Araber in ihrer Anbetung. Ich nehme an, dass sie nicht alle auf einmal bei Errichtung der Kaba, sondern eins nach dem anderen eingeführt wurden; ein Teil unabhängig von derreligiösen Bedeutung der Kaba, ein Teil von Natur aus mit ihr verbunden.Mekka ging bis zur Errichtung der Kaba, soweit wir es uns vorstellen können, nicht über die Stämme von Al Amalik und Dschurhum hinaus. Nachdem Ismael sich dort niedergelassen und mit seinem Vater Abraham das Fundament des Hauses errichtet hatte, verging in der Entwicklung Mekkas eine lange Zeit, bis es eine Stadt oder eine Art Stadt bildete. Wir können von Mekka nicht als Stadt sprechen, solange im Wesen seiner Bewohner verschiedene Überreste des frühen Beduinendenkens verblieben. Einige Historiker scheuen sich nicht zu erwähnen, dass es sein Nomadendasein fristete, bis im fünften Jahrhundert n. Chr. die Herrschaft über Mekka Kusaij zufiel. Es ist schwer vorstellbar, dass Mekka nomadisch blieb, während sein altes Haus im gesamten umliegenden Land verehrt wurde.

Es gilt als historisch sicher, dass die Verwaltung des Hauses nach Ismael lange Zeit in den Händen von Dschurhum, seinen Schwägern, lag - einem Volk, das dort ununterbrochen lebte, und Mekka mit den Karawanenstraßen nach dem Jemen, Al Hira, Asch Scham und dem Nedschdsowie durch das nahe Rote Meer mit dem Welthandel in Verbindung stand. Es ist ferner schwer vorstellbar, dass Mekka, dem diese Bedeutung zukam und das mit der Welt in Kontakt war, dadurch nicht den Rang einer Stadt hätte bekommen sollen. Es ist sicherlich berechtigt anzunehmen, dass Mekka, das von Abraham Stadt genannt wurde und für das er Allah (t.) anrief, dass es ein Ort der Sicherheit werde, das sesshafte Leben bereits viele Generationen vor Kusaij kannte.

Der Aufstieg der Kuraisch

Die Herrschaft über Mekka blieb bis zur Übernahme durch Mudad Ibn Al Harith bei Dschurhum, die zuvor die Amaliker besiegt hatten. Während dieser Generationen erfuhr der Handel Mekkas einen so gewaltigen Aufschwung, dass er Wohlstand und Komfort herbeiführte und sie darüber vergessen ließ, dass sie sich in einem unfruchtbaren Tal befanden und sie deshalb fortwährenden Eifers und ständiger Wachsamkeit bedurften. Ihre Nachlässigkeit führte schließlich dazu, dass das Wasser Zamzams versiegte und die Araber vom Stamm der Chuzaa daran dachten, die Herrschaft über die Heilige Stadt an sich zu reißen.

Mudads Warnung an sein Volk vor den Folgen des Überflusses, in dem sie versanken, war vergebens. Da er jetzt davon überzeugt war, dass sie die Herrschaft verlieren würden, ging er zur Zamzam-Quelle und grub ein tiefes Loch, worin er zwei goldene Gazellen und den Reichtum des heiligen Hauses in der Hoffnung versteckte, die Herrschaft und der Reichtum würden eines Tages an ihn zurückfallen. Er verließ Mekka mit den Nachkommen Ismaels, und der Stamm der Chuzza übernahm dort die Macht. Sie vererbten sie weiter, bis sie auf Kusaij Ibn Kilab überging, den Großvater des Propheten Muhammad (s.a.s.) in fünfter Generation.

Kusaij Ibn Kilab (400 n. Chr.)

Die Mutter von Kusaij, Fatima Bint Sad Ibn Sail, hatte Kilab geheiratet und ihm Zuhra und Kusaij geboren. Kilab starb, als Kusaij noch ein Säugling in der Wiege war. Darauf heiratete Rabia Ibn Haram Fatima und reiste mit ihr nach Asch Scham, wo sie ihm Darradsch gebar. Kusaij wuchs heran und kannte nur Rabia als seinen Vater. Später kam zwischen ihm und der Familie Rabias Streit auf, und sie beschimpften ihn, weil er ein Fremdling sei und keiner von ihnen. Kusaij klagte seiner Mutter, was sie ihm vorwarfen, worauf sie sagte: "O mein Sohn, du bist bei Allah von edlerer Abstammung als sie. Du bist der Sohn von Kilab Ibn Murra, und dein Volk wohnt in Mekka beim Baitul Haram."Kusaij zog darauf nach Mekka und ließ sich dort nieder. Er war bei den Mekkanern für Ernsthaftigkeit und als ein Mann von Einsicht und Urteil bekannt, was ihm Respekt bei ihnen und seinen Angehörigen einbrachte. Die Bewachung des heiligen Hauses oblag unter den Chuzaa dem Hulail Ibn Hubschija, einem Mann von Scharfblick und hoher Urteilskraft.

Als Kusaij bei ihm um die Hand seiner Tochter Hubba anhielt, hieß er ihn sogleich willkommen und gab sie ihm zur Krau. Kusaij blieb unermüdlich in der Arbeit und im Handel. Sein Vermögen und die Zahl seiner Kinder nahmen zu, und sein Ansehen unter seinem Volk wuchs gewaltig. Hulail starb, nachdem er den Schlüssel des Baitul Haram der Gattin Kusaijs, Hubba, anvertraut hatte. Hubba wollte damit jedoch nichts zu tun haben und gab den Schlüssel an Abu Ghibschan Al Chuzai. Abu Ghibschan war allerdings ein Trinker, und als es ihm einmal an einem Getränk fehlte, verkaufte er den Schlüssel der Kaba für einen Schlauch Wein an Kusaij. Die Chuzaa ahnten, was ihrer Stellung in Mekka widerfahren würde, wenn die Aufsicht über die Kaba bei Kusaij bliebe, zumal dessen Reichtum angewachsen war und der Stamm der Kuraisch begonnen hatte, sich um ihn zu sammeln. Sie bestritten, dass jemandem außer ihnen eines der Ämter des Baitul Haram gehören dürfe. Kusaij rief die Kuraisch zum Kampf auf und wurde von einigen Stämmen als der weiseste und urteilskräftigste Bewohner Mekkas anerkannt.Sie schlössen sich ihm an und vertrieben Chuzaa aus Mekka. Kusaij vereinigte alle Ämter des heiligen Hauses auf sich, und das Volk erklärte sich mit seiner Herrschaft über sie einverstanden.

Errichtung von Wohnungen in Mekka

Wie wir schon erwähnten, behaupten einige, es habe in Mekka so lange keine festen Gebäude außer der Kaba gegeben, bis Kusaij die Herrschaft übernommen habe. Sie begründen dies damit, dass Chuzaa und Dschurhum vorher nicht wollten, dass sichin der Nachbarschaft des Hauses Allahs (t.) andere Gebäude befanden. Zudem verbrachten sie die Nacht nicht im heiligen Bezirk selbst, sondern nur außerhalb von ihm. Ergänzend sagen sie, Kusaij habe, als er die Herrschaft in Mekka übernahm, die Kuraisch versammelt und ihnen befohlen, dort zu bauen, und er selbst habe damit begonnen und ein Rathaus errichtet.

Darin versammelten sich die Ältesten der Mekkaner unter seinem Vorsitz, um über die Angelegenheiten ihrer Stadt zu beraten. Denn es gehörte zu ihren Bräuchen, dass nichts ohne einmütigen Beschluss vollzogen wurde. Keine Frauen oder Männer wurden vermählt, es sei denn in diesem Haus. Die Kuraisch bauten auf Anordnung Kusaijs hin ihre Häuser um die Kaba und ließen ausreichend Platz für die Umschreitung des Hauses. Jeweils zwischen zweiHäusern blieb ein Weg, über den man zum Platz der Umschreitung gelangte.

Mekka1

Die Söhne von Kusaij

Von Kusaijs Söhnen war Abdud Dar zwar der Älteste, sein Bruder Abdu Manaf aber war geachteter und geehrter bei den Leuten. Als Kusaij alt wurde und schwach, fühlte er sich nicht mehr in der Lage, die Angelegenheiten Mekkas zu verwalten. Er übergab die Hidschaba (das Wächteramt) an Abdud Dar, und händigte ihm den Schlüssel des Hauses aus. Ferner übertrug er ihm die Sikaja (die Tränkung der Pilger), den Liwa (die Flagge des Heeres) und die Rifada (die Versorgung der Pilger mit Nahrung). Die Rifada war ein Betrag, den die Kuraisch jedes Jahr von ihrem Vermögen an Kusaij ablieferten.

Zur Zeit der Wallfahrt ließ er von diesem Geld Nahrung bereiten, die diejenigen erhielten, die weniger bemittelt waren. Kusaij war der erste, der den Kuraisch die Rifada zur Pflicht machte, nachdem er sie um sichgesammelt und die Chuzaa mit ihrer Hilfe aus Mekka vertrieben hatte. Er sagte zu ihnen: "O ihr Kuraisch! Ihr seid die Nachbarn Allahs , und die Bewohner SEINES Heiligtums. Der Pilger ist der Gast Allahs und Besucher SEINES Hauses, und er hat das größte Anrecht auf Gastfreundschaft. Deshalb versorgt sie an den Tagen der Wallfahrt mit Speise und Trank, bis sie von euch gehen."

Die Nachkommen von Abdu Manaf

Abdud Dar verwaltete die Ämter der Kaba, wie sein Vater es befohlen hatte, und seine Söhne übernahmen sie nach ihm. Die Söhne Abdu Manafs waren jedoch bei den Leuten angesehener und beliebter als sie es waren. Haschim, Abdu Schams, Al Muttalib und Naufal, die Söhne Abdu Manafs, kamen deshalb zusammen, um sich zu nehmen, was in den Händen ihrer Vettern war. So spalteten sich die Kuraisch in zwei Lager, von denen jedes eine Partei unterstützte.

Die Nachkommen Abdu Manafs schlössen den "Bund der Parfümierten"; denn sie tauchten ihre Hände in Parfüm, kamen damit zur Kaba und schworen, ihr Bündnis nicht zu brechen. Die Nachkommen von Abdud Dar schlössen den "Bund der Verbündeten". Beide Seiten waren nahe daran zu kämpfen, was zur Selbstvernichtung der Kuraisch hätte führenkönnen. Sie fanden aber folgende Lösung: Den Banu Abdu Manaf wurden die Sikaja und die Rifada zugesprochen, und den Banu Abdud Dar verblieben die Hidschaba, der Liwa und die Nadwa. Beide Parteien waren damit zufrieden, und es blieb dabei, bis der Islam kam.

Haschim (464 n. Chr)

Haschim war das Oberhaupt seines Volkes und ein sehr wohlhabender Mann. Er übte die Ämter der Sikaja und der Rifada aus. Wie schon sein Großvater Kusaij rief auch er die Menschen dazu auf, zur Wallfahrt mit einem Teil ihres Vermögens zur Verpflegung der Pilger beizutragen: Besucher und Pilger zum Hause Allahs (t.) seien Allahs (t.) Gäste, und der Gast, der das größte Anrecht auf Gastfreundschaft habe, sei der Gast Allahs (t.) . So wurden die Pilger gespeist, bis sie Mekka verließen.

Das Aufblühen des Lebens in Mekka

Dabei ließ es Haschim aber nicht bewenden: Seine Güte und Freigebigkeit erstreckten sich auch auf die Bewohner Mekkas. Als sie in einem Jahr von einer Dürre heimgesucht wurden, brachte er ihnen Speise und bereitete ihnen Tarid *, so dass sie das Leben wieder mit lächelndem Gesicht betrachten konnten. Ebenso war es Haschim, der die Winterkarawane nach dem Jemen und die Sommerkarawane nach Asch Scham einführte.

Durch all diese Regelungen blühte Mekka auf und erreichte eine hervorragende Stellung auf der ganzen Halbinsel, bis es gar als anerkannte Hauptstadt galt.In diesem blühenden Zustand Mekkas schlössen die Söhne Abdu Manafs mit ihren Nachbarn Sicherheits- und Friedensverträge. Haschim selbst schloss mit dem Römischen Reich und mit dem Fürsten von Ghassan ein Abkommen auf gute Nachbarschaft und Freundschaft. Er erlangte vom Römischen Reich die Erlaubnis für die Kuraisch, Asch Scham in Sicherheit und Frieden durchqueren zu dürfen. Abdu Schams traf eine Handelsvereinbarung mit dem Negus von Abessinien, Naufal und Al Muttalib schlössen ein Bündnis mit Persien und einen Handelsvertrag mit den Himjari im Jemen. Der Ruhm Mekkas nahm mit wachsendem Wohlstand zu, und die Mekkaner erreichten im Handel eine so ausgeprägte Fertigkeit, dass keiner ihrer Zeitgenossen mit ihnen darin konkurrieren konnte.

Die Karawanen kamen aus allen Richtungen nach Mekka und verließen es zu den Winter- und Sommerreisen. ZurAbwicklung des Handels wurden um Mekka Marktplätze errichtet. Somit sammelten die Mekkaner Erfahrungen im Kredit- und Zinswesen und in allem, was im allgemeinen mit dem Handel zusammenhängt. Selbst als Haschim älter wurde, blieb er unangefochten das Oberhaupt Mekkas, bis sein Neffe Umaija Ibn Abdu Schams sich einbildete, er habe bereits eine Position erreicht, die ihm eine gewisse Rivalität gestatte. Er war jedoch unfähig und unterlag mit seinem Ansinnen - die Herrschaft blieb bei Haschim. Umaija zog daraufhin für zehn volle Jahre nach Asch Scham.Auf einer seiner Reisen nach Asch Scham sah Haschim bei einer Rast in Jathrib eine Frau von edler Abkunft, wie sie zu den Leuten ging, die für sie Handel trieben.

Es handelte sich um Salma Bint Amr vom Stamm der Chazradsch. Sie gefiel Haschim und er fragte sie, ob sie mit jemandem verheiratet sei. Er erfuhr, dass sie geschieden war und dass sie keinen Gatten akzeptiere, es sei denn, sie bliebe unabhängig. Er stellte ihr direkt einen Heiratsantrag, und sie war einverstanden, da sie seine Stellung bei seinem Volk kannte. Eine Zeit lang blieb sie mit ihm in Mekka; dann kehrte sie nach Medina zurück und gebar ihm einen Sohn namens Schaiba, der bei ihr in Jathrib blieb.*Tarid ist ein Gericht aus eingeweichtem Brot, Fleisch und Brühe

Al Muttalib

Einige Jahre später starb Haschim auf einer seiner Sommerreisen in Ghazza, und sein Bruder Al Muttalib wurde in seinen Ämtern sein Nachfolger. Al Muttalib war zwar jünger als sein Bruder Abdu Schams, stand aber bei seinem Volk in hohem Ansehen und hoher Wertschätzung. Die Kuraisch nannten ihn wegen seines Großmutes und seiner Güte den "überaus Freigebigen". Aufgrund dieses seines Prestiges war es nur natürlich, dass sich auch weiterhin alles ruhig und gedeihlich entwickelte. Eines Tages dachte Al Muttalib an den Sohn seines Bruders Haschim.

Er reiste nach Jathrib und bat Salma, sie möge ihm den inzwischen erwachsen gewordenen Jungen überleben. Al Muttalib setzte den Jungen hinter sich auf sein Kamel und kam so mit ihm in Mekka an. Die Kuraisch hielten ihn für einen seiner Diener und nannten ihn Abdul Muttalib *. Al Muttalib sagte: "Wehe euch! Es ist der Sohn meines BrudersHaschim, mit dem ich von Jathrib gekommen bin!" Aber der Spitzname für den Jungen setzte sich durch, und der Name Schaiba, mit dem er seit seiner Geburt gerufen worden war, geriet in Vergessenheit.* Das arabische Wort "Abd" bedeutet "Diener, Sklave".

Abdul Muttalib (495 n. Chr.)

Al Muttalib wollte seinem Neffen Haschims Vermögen zurückgeben, aber Naufal weigerte sich und nahm es für sich selbst in Beschlag. Als Abdul Muttalib stark geworden war, bat er seine Onkel in Jathrib um Beistand gegen seinen Onkel in Mekka, ihm sein Recht zu verschaffen. Achtzig Reiter von den Chazradsch kamen ihm aus Jathrib zu Hilfe und zwangen Naufal, ihm sein Vermögen zurückzugeben.Nach dem Tode seines Onkels Al Muttalib übernahm Abdul Muttalib Haschims Ämter, nämlich die Sikaja und die Rifada. Bei der Ausübung dieser Ämter, insbesondere bei der Sikaja, traf er auf nicht geringe Schwierigkeilen, da er außer Al Harith keine weiteren Söhne hatte.

Seitdem Zamzam versiegt war, wurde das Wasser für die Tränkung der Pilger verschiedenen, verstreut um Mekka gelegenen Brunnen entnommen und in Wasserbecken nahe der Kaba gefüllt. Eine Vielzahl von Kindern war sicher eine Hilfe für die Erleichterung und Überwachung dieser Arbeit. Da nun Abdul Muttalib aber nur einen Sohn hatte, bereitete ihm diese Angelegenheit Sorgen und ließ ihn intensiv darüber nachdenken.

Die Ausgrabung Zamzams

Die Araber dachten unaufhörlich an die Zamzam-Quelle, die Mudad Ibn Amr Al Dschurhumi Generationen zuvor zugeschüttet hatte, und wünschten, sie könnte wieder zum Fließen gebracht werden. Mehr noch als alle anderen grübelte aufgrund seiner Stellung Abdul Muttalib und hoffte, dass sie wieder fließen möge.

Zamzam-Quelle

 

Dieser Wunsch quälte ihn so sehr, bis ihm im Schlaf jemand zurief und ihn drängte, er solle nach der Quelle graben, die unter den Füßen seines Ahnen Ismael entsprungen war.Die Hartnäckigkeit des Rufenden ließ ihn vermuten, dass sie noch vorhanden war. Er bestand nun seinerseits darauf, Zamzam zu suchen, bis er es schließlich zwischen den beiden Götzen Isaf und Naila fand. Unterstützt von seinem Sohn Al Harith fing er an zu graben, bis das Wasser hervorsprudelte und die beiden Gazellen aus Gold und die Schwerter Mudads von den Dschurhum zum Vorschein kamen. Die Kuraisch wollten einen Anteil am Brunnen und an dem, was er darin gefunden hatte. Da sagte er zu ihnen: "Nein! Lasst uns vielmehr zu einer gerechten Lösung zwischen mir und euch kommen. Wir wollen Lospfeile ziehen und der Kaba zwei, mir zwei und euch zwei geben. Und wessen Los auf etwas fällt, der soll es erhalten, undwessen Los leer ausgeht, der bekommt nichts." Sie waren mit seinem Vorschlag einverstanden.

Die Lose wurden beim Götzen Hubal im Innern der Kaba gezogen. Die der Kuraisch gingen leer aus, die Schwerter fielen an Abdul Muttalib und die Gazellen an die Kaba. Abdul Muttalib verwendete die Schwerter zum Schmieden einer Tür für die Kaba und brachte an der Tür die beiden Gazellen als Dekoration für das Baitul Haram an. Das Amt der Sikaja konnte er nun durch Zamzam mit Leichtigkeit bewältigen.

Das Gelöbnis und seine Erfüllung

Abdul Muttalib spürte, dass aufgrund seiner begrenzten Kinderzahl seine Macht beim Volk eingeschränkt war. Er gelobte für den Fall, dass ihm zehn Söhne geboren und diese dann bei ihm aufwachsen würden, so dass sie ihm bei Dingen wie bei der Ausgrabung von Zamzam helfen könnten, dass er einen von ihnen Allah (t.) bei der Kaba zum Opfer bringen würde.Es geschah tatsächlich, dass ihm zehn Söhne zu jungen Männern heranwuchsen, in denen die Kraft steckte, ihm zu helfen; so rief er sie zur Einlösung seines Gelöbnisses, und sie akzeptierten es. Im Rahmen dieser Erfüllung schrieb jeder der Söhne seinen Namen auf einen Lospfeil, und Abdul Muttalib ging damit zum Ausloser bei Hubal im Innern der Kaba.

Die Araber pflegten jedes Mal, wenn sie in einer Sache keinen Rat mehr wussten, diese dem Ausloser vorzulegen, damit er den größten Götzen mittels Los befrage.Abdullah Ibn Abdul Muttalib war der jüngste von Abdul Muttalibs Söhnen und diesem deswegen der liebste. Als der Ausloser die Pfeile mit den Namen der Söhne zog, damit Hubal wählen möge, wen der Vater zu opfern hätte, da fiel das Los auf Abdullah. Abdul Muttalib nahm den Jungen bei der Hand und ging mit ihm zum Platz bei Zamzam zwischen Isaf und Naila, an dem die Araber zu opfern pflegten, um dort nun seinen Sohn zu opfern. Da erhoben sich alle Kuraisch, die sich versammelt hatten, und bedrängten ihn, es nicht zu tun. Er solle vielmehr Hubal dafür, dass er das Opfer nicht brachte, um Entschuldigung bitten. Abdul Muttalib wurde aufgrund ihres Drängens schwankend und fragte sie, was er denn tun könne, um die Götter zufrieden zu stellen.

Al Mughira Ibn Abdullah Al Machzumi sagte: "Wenn seineAuslösung mit unserem Geld möglich ist, werden wir ihn auslösen." Er beriet sich mit den Leuten und entschloss sich auf deren Rat, zu einer Wahrsagerin in Jathrib zu gehen, die in solchen Fällen weiterwisse.Sie kamen zur Wahrsagerin, die um Aufschub bis zum nächsten Tag bat; dann fragte sie: "Wie hoch ist bei euch das Blutgeld?" Sie antworteten: "Zehn Kamele." Sie erwiderte: "So kehrt in euer Land zurück. Geht dann zu eurem Götzen und bringt zehn Kamele vor ihn, dann zieht für den Jungen und für die Kamele das Los: Wenn es auf euren Gefährten fällt, vermehrt die Zahl der Kamele so oft, bis euer Gott zufrieden ist" Sie taten, wie ihnen geheißen, und das Los fiel auf Abdullah; so vermehrten sie die Zahl der Kamele, bis sie hundert erreichte. Dann fiel das Los auf die Kamele.

Da sagten die Kuraisch zu Abdul Muttalib, der während all diesem Tun im Gebet stand: "Dein Herr ist nun zufrieden, o Abdul Muttalib." Er aber erwiderte: "Nein, bei Allah , noch nicht, erst wenn das Los dreimal auf die Kamele gefallen ist!" Das Los fiel dreimal auf die Kamele, und er war sich nun sicher, dasssein Herr zufrieden sei. Er opferte die Kamele, dann wurden sie liegen lassen und weder Mensch noch Tier von ihnen abgehalten.So geben es die biographischen Bücher wieder und beschreiben auf diese Weise einige Gebräuche der Araber, ihre Glaubenssätze und Formen dieser Glaubensvorstellungen. Sie zeigen gleichzeitig, welch ehrenvollen Platz Mekka in Arabien durch sein Baitul Haram einnahm. At Tabari, der von der Geschichte dieser Auslösung wusste, berichtet, eine Frau unter den Muslimen habe gelobt, bei einem bestimmten Ereignis ihren Sohn zu opfern.

Als dieses Ereignis eintraf, ging sie zu Abdullah Ibn Umar, der ihr aber kein Rechtsgutachten erstellen konnte. Sie ging deshalb zu Abdullah Ibn Al Abbas, und er fällte über sie den Spruch, sie solle 100 Kamele opfern, wie es bei der Auslöse von Abdullah Ibn Abdul Muttalib geschehen war. Als Marwan, der Gouverneur von Medina, davon erfuhr, hob er das Urteil aufund sagte: "Es gibt kein Gelöbnis, das eine Sünde beinhaltet!"Die Stellung Mekkas mit seinem Baitul Haram verleitete einige entfernte Länder zur Errichtung von Gebetshäusern, auf dass die Menschen von Mekka und seinem Haus abgebracht würden.

Die Ghasasina errichteten ein Haus in Al Hira, und Abraha Al Aschram ein anderes im Jemen. Dies ließ die Araber jedoch kein Ersatz für das Haus in Mekka sein und nicht von der heiligen Stadt abhalten. Abraha hatte auf das Haus im Jemen besondere Sorgfalt verwandt und es mit einer prächtigen Ausstattung versehen. Er glaubte, damit nicht nur die Araber, sondern auch die Mekkaner dorthin ziehen zu können. Als er aber erkennen musste, dass die Araber auf sein Haus verzichteten und nur ihre Wallfahrten nach Mekka als gültig betrachteten, sah der Statthalter des Negus die rettende Lösung nur in der Zerstörung des Hauses von Abraham und Ismael und der Vorbereitung zum Krieg.Auf einem großen Elefanten reitend führte er ein gewaltiges Heer aus Abessinien an.

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