D Das Leben des Propheten

Vo Islam

1- Arabien vor Islam

  1. Muhammad (s.a.s.) und die Entstehung des Islam
  2. Die Wiege der menschlichen Kultur
  3. Die Becken des Mittelmeeres und des Roten Meeres
  4. Christentum und Mazdaglaube
  5. Byzanz, der Erbe Roms
  6. Die christlichen Sekten
  7. Der Niedergang des Mazdaglaubens
  8. Arabien zwischen den beiden Kräften
  9. Die geographische Lage der Halbinsel
  10. Mit Ausnahme des Jemen ist die arabische Halbinsel unerforscht
  11. Die beiden Karawanenstraßen
  12. Die Kultur des Jemen
  13. Judentum und Christentum im Jemen
  14. Die Herrschaft Persiens über den Jemen
  15. Cyrus" Herrschaft über Persien
  16. Bruch des Dammes von Marib
  17. Die gesellschaftliche Ordnung der Halbinsel
  18. Die Charaktereigenschaften der Wüstenbewohner
  19. Arabisches Heidentum und seine Gründe
  20. Christentum und Judentum
  21. Die Selbstzerfleischung der christlichen Sekten
  22. Die Ausbreitung des Götzentums
  23. Anbetung der Götzen
  24. Die Stellung Mekkas

 


Muhammad (s.a.s.) und die Entstehung des Islam

Die wahre Größe des Propheten ist in der westlichen Welt so gut wie unbekannt. Ursache hierfür sind nicht nur alte Vorurteile, sondern auch die Tatsache, dass es für einen Nicht-Muslim schwer ist, die Rolle eines geistig-religiösen Archetyps zu verstehen, der sich auch auf sozialem, politischem und wirtschaftlichem Gebiet betätigte. Muhammad (s.a.s.) beschränkte sich nicht nur darauf, unter großen Schwierigkeiten mit seinem Leben Zeugnis abzulegen für die Wahrhaftigkeit der von Allah (t.) empfangenen Offenbarung, den Qur´aan. Er selbst wurde sein getreuer Botschafter, übte aber gleichzeitig auch das Amt des Gesetzgebers und Führers der muslimischen Gemeinschaft, der Umma, aus.

Über ihn wurde folgendes geschrieben: "Nie übernahm ein Mensch je freiwillig oder unfreiwillig eine erhabenere Aufgabe, eine Aufgabe, die übermenschlich war: den Aberglauben auszuschalten, der sich zwischen die Schöpfung und den Schöpfer gestellt hat, Gott den Menschen und die Menschen Gott zurückzugeben, den nationalen und heiligen Gedanken der Gottheit im Chaos der materialisierten und entstellten Götter der Idolatrie wiederherzustellen.

Wohl nie unternahm ein Mensch mit so geringen Mitteln ein derart die menschlichen Kräfte übersteigendes Werk, wobei zu bedenken ist, dass ihm bei der Konzeption und Ausführung eines so großen Planes keine anderen Werkzeuge zur Verfügung standen als er selbst und eine Handvoll Barbaren in einem verlassenen Fleck der Wüste.

Ebenso gelang es keinem Menschen je, eine so große und dauerhafte Revolution in der Welt zu verwirklichen; bereits weniger als zwei Jahrhunderte, nachdem er gepredigt hatte, regierte der Islam teils durch Bekehrung, teils durch Waffengewalt nicht nur die drei Teile Arabiens, sondern hatte auch Persien, Khorassan, Transoxanien, Spanien und einen Teil Galliens, sowie den Kaukasus, das westliche Indien ... erobert.

Nimmt man den Umfang des Planes, die Geringfügigkeit der Mittel und das ungeheure Ausmaß des Erfolges als Maßstab für das Genie eines Menschen, wer wagt es dann, auf menschlicher Ebene eine bedeutende Persönlichkeit der Geschichte mit Muhammad (s.a.s.) zu vergleichen? Die berühmtesten Männer haben sich darauf beschränkt, Heere, Gesetze, Kaiserreiche zu erschüttern, oder (wenn sie als Gründer auftraten) nur materielle Machtbereiche zu schaffen, die oft noch vor ihnen zusammenbrachen. Muhammad (s.a.s.) hingegen erschütterte Heere, Gesetzgebungen, Kaiserreiche, Völker, Dynastien, Millionen von Menschen auf einem Drittel der bewohnten Welt; hinzu kommt, dass er Altäre, Götter, Religionen, Ideen, Überzeugungen, Seelen ins Wanken brachte. Er hat auf einem Buch, von dem jeder Buchstabe Gesetz geworden ist, eine geistige Nation gegründet, die Völker aller Sprachen und Rassen umfasst; er hat als unauslöschliche Eigenschaft dieser muslimischen Nation den Hass gegen die falschen Götter sowie die Leidenschaft für den Einen Allah (t.) erweckt. Ein solcher Patriotismus und der Wille, die Entweihung des Himmels zu rächen, waren Tugenden der Erben Muhammads (s.a.s.): die Eroberung eines Drittels der Erde war ein Wunder, aber wahrscheinlich nicht so sehr ein durch einen Menschen, sondern mehr durch eine Idee bewirktes Wunder. Einmal ausgesprochen, wirkte die Idee von dem Einen Gott wie eine Explosion, die die Tempel der Idole in Brand setzte und ein Drittel der Welt mit ihrem Schein erfüllte.

Sein Leben, seine innere Sammlung, seine heroischen Verdammungen gegen den Aberglauben in seinem Land, der beim Angriff der Götzendiener bewiesene Mut, die Ausdauer, sie fünfzehn Jahre in Mekka zu dulden, das Akzeptieren der Rolle des öffentlichen Ärgernisses und praktisch des Opfers unter seinen Landsleuten, schließlich die Flucht, das unaufhörliche Predigen, der ungleiche Krieg, der Glaube an den Erfolg, der ganz auf eine Idee und sicher nicht auf Macht gerichtete Ehrgeiz, das Gebet ohne Ende, das mystische Gespräch mit Gott, der Tod und der Sieg über das Grab hinaus...

Philosoph, Redner, Apostel, Gesetzgeber, Eroberer von Ideen, Wiederhersteller von Dogmen, Gründer zwanzig irdischer Imperien und eines geistigen Reiches, das ist Muhammad (s.a.s.). Welcher Mensch ist ... erhabener als er?"

Diese leidenschaftliche Huldigung stammt nicht von einem Muslim, sondern von Alphonse de Lamartine (1790-1869), niedergeschrieben in seiner "Histoire de la Turquie". Diese Huldigung macht gleichzeitig deutlich, warum nach über dreizehn Jahrhunderten alle Muslime mit Dankbarkeit in ihren Gebeten den Abgesandten Allahs ins Gedächtnis rufen. Sie rufen ihn ins Gedächtnis, sie rufen ihn nicht an, denn das Gebet ist nur für Gott bestimmt.

Die Wiege der menschlichen Kultur

Die Erforschung von Ursprung und Geschichte der Menschheit ist bis heute noch nicht abgeschlossen. Lange nahm man an, dass Ägypten vor mehr als sechstausend Jahren die Wiege der menschlichen Kultur gewesen sei. Alles Davorliegende weise auf ein vorgeschichtliches Zeitalter hin, dessen genaue wissenschaftliche Erforschung nicht möglich sei. Derzeit haben Archäologen im Irak und in Syrien jedoch erneut mit Ausgrabungen begonnen, um den Ursprung der mesopotamischen und phönizischen Kultur zu entdecken. Aber auch, um das Alter beider Kulturen vergleichen zu können und, insbesondere, um festzustellen, ob sie länger als die pharaonische ägyptische Kultur existierten und auf sie einwirkten oder umgekehrt. Wie auch immer die Resultate der archäologischen Forschungen über diese geschichtliche Epoche ansehen mögen, ein Faktum, das nie durch eine Forschung in China oder im Fernen Osten bezweifelt wurde, bleibt bestehen: die Wiege der ersten menschlichen Kultur, ob nun in Ägypten, Phönizien oder Mesopotamien, stand in Verbindung mit dem Mittelmeer. Und Ägypten als mächtigstes Zentrum gab diese Kultur an die Griechen und Römer weiter.
Selbst die heutigen Kulturen der Welt sind noch immer eng mit jener ersten verknüpft. Die Forschung im Fernen Osten über die Kulturgeschichte jener Region kann bislang keinen bestimmten Einfluss auf die Kulturen Ägyptens, Griechenlands und Mesopotamiens nachweisen.



Es ist gar keine Frage, dass diese Kulturen und ihre Entfaltung von der Kultur des Islam beeinflusst wurden. Sie wirkten aufeinander ein und formten sich gegenseitig. Und die Kultur der Welt, die die Menschheit gegenwärtig beherrscht, ist das Erbe jener wechselseitigen Einflussnahme.

 

Die Becken des Mittelmeeres und des Roten Meeres

Jene Kulturen, die sich vor einigen Jahrtausenden über die Mittelmeerküste bzw. über das anliegende Ägypten, Mesopotamien und Griechenland erstreckten, standen in einer Blüte, die selbst heute noch die Verwunderung und das Erstaunen der Welt hervorruft; sei es auf dem Gebiet der Wissenschaft, des Handwerks, der Landwirtschaft, des Handels, der Kriegsführung oder irgendeines sonstigen Zweiges menschlicher Aktivitäten.


Immer war die Religion der Boden, aus dem die Kulturen entstanden und ihre Stärke bezogen. Gewiss wandelte sich diese Grundlage von der Dreieinigkeitslehre des alten Ägypten, wie sie in den Mythen von Osiris, Isis und Horus des Weiterbestehens des Lebens im Tod und Wiederauferstehens und der ewigen Fortdauer durch die Generationen hindurch geprägt war, bis zum griechischen Heidentum, das in der empfindsamen Darstellung von Wahrheit, Güte und Schönheit, die der Beobachtung der Schönheit im Dasein entsprang, zum Ausdruck kam; die sich danach aber derart veränderte, dass sie in den Zeiten des Zerfalls ins Weltliche absank. Trotz allem blieb die Religion stets Grundlage dieser Kulturen, die das Schicksal der Welt bestimmten; und sie wirkt auch auf unsere Zeit deutlich ein. Unsere Zivilisation versucht zwar, sich zuweilen von der Religion loszusagen und ihr mit Nachdruck entgegenzutreten; dennoch wendet sie sich ihr von Zeit zu Zeit wieder zu. Und wer weiß! Vielleicht wird sie früher oder später einmal erneut in ihr aufgehen. In diesem Lebensraum, den die Menschen seit Tausenden von Jahren mit der Religion als Grundlage bewohnten, traten die Verkünder der Botschaft mit den bis heute wohlbekannten Religionen auf.


In Ägypten erschien Moses; er wurde im Haus des Pharao aufgezogen und unterrichtet. Unter der Obhut seiner Priester und der Religionsgelehrten Ägyptens lernte er die göttliche Einheit und die Geheimnisse des Seins kennen. Als Allah (t.)* ihn zur Rechtleitung seines Volkes im Land, in dem er lebte, aufrief, erklärte Pharao seinen Untertanen: "Ich bin euer höchster Herr."** Moses stritt unaufhörlich mit Pharao und seinen Zauberern, bis er dann schließlich gezwungen war, mit den Kindern Israels nach Palästina auszuziehen. Dort erschien Jesus, der Geist Allahs (t.) und SEIN Wort, das ER der Maria gegeben hatte. Als Allah (t.) Jesus, den Sohn der Maria, zu sich erhoben hatte*** , riefen seine Jünger weiter zum Christentum, das er verkündet hatte, auf. Die Jünger und ihre Anhänger gerieten jedoch in schwerste Bedrängnis. Als Allah (t.) das Christentum sich schließlich verbreiten ließ, nahm sich der Kaiser von Rom**** , damaliger Weltherrscher, seiner an. Das Römische Reich bekannte sich zur Religion Jesu, und das Christentum breitete sich nach Ägypten, Syrien und Griechenland aus. Von Ägypten kam es nach Abessinien und nahm durch Jahrhunderte ständig an Einfluss zu. Wer auch immer den Schutz Roms suchte und nach seinem Zeitstil sowie nach guten Beziehungen mit ihm trachtete, stellte sich in den Schutz des Christentums.


*"Allah" als der Name des Einen Gottes wird in der Übersetzung beibehalten, da er im Gegensatz zu dem Begriff "Gott" auf kein anderes Wesen als diesen Einen Gott anwendbar ist.


**Qur´aan, Sura 79, Aya 24.
***Im Qur´aan heißt es: "Und ihre Rede: "Wir haben den Messias Jesus, den Sohn der Maria, den Gesandten Allahs , gewiss getötet; sie haben ihn aber nicht getötet, und sie haben ihn nicht gekreuzigt, vielmehr ist es ihnen nur so erschienen. Fürwahr, jene, die darum uneins sind, sind gewiss darüber im Zweifel. Sie besitzen darüber kein Wissen, sondern folgen bloß einer Vermutung; sie haben ihn mit absoluter Sicherheit nicht getötet. Allah hat ihn vielmehr zu SICH erhoben; und Allah ist allmächtig und allweise. " (Qur´aan, Sura 4, Ayat 156-157).
****Der Ausdruck "Ar Rum", der in der vorislamischen Zeit als auch später verwendet wurde (Qur´aan, Sura 30, Aya 2), bezieht sich auf Rom, dem römischen Imperium und dem oströmischen Reich bzw. auf Byzanz. Arabische Historiker sagen "Rom", wenn sie "Byzanz meinen.

 

Christentum und Mazdaglaube *

Dieser christlichen Religion, die sich im Schutz und Einflussbereich Roms ausbreitete, stand der Mazdaglaube Persiens gegenüber, gestärkt durch die moralische Kraft des Fernen Ostens und Indiens. Assyrien und die Kultur Ägyptens, die sich bis Phönizien ausdehnte, hatten viele Menschenalter hindurch verhindert, dass die Glaubensvorstellungen und Kulturen des Westens und Ostens aufeinander trafen. Die Annahme des Christentums durch Ägypten und Phönizien ließ dieses Hindernis jedoch verschwinden; und das Christentum des Westens und den Mazdaglaube des Ostens unmittelbar aufeinandertreffen.


Jahrhundertelang standen Ost und West miteinander in Verbindung, ohne dabei die eigene Religion mit der der anderen Seite zu vermischen. Jeder empfand vor der Religion des anderen eine solche Furcht, dass eine moralische Schranke die alte, die von den Kulturen der alten Mittelmeerländer errichtet worden war, ersetzte. Deshalb wurde jede Seite gezwungen, sich in Ihren geistigen Anstrengungen auf sich selbst zu beschränken. In keinster Weise trat einer dem Aufruf des anderen zu seinem Glauben und seiner Kultur entgegen, wenn auch zwischen ihnen im Lauf der Jahrhunderte zahlreiche Kriege stattfanden. Obwohl Persien über Rom den Sieg davontrug sowie Syrien und Ägypten beherrschte und vor den Toren Byzanz" stand, dachten seine Könige niemals an die Ausbreitung des Mazdaglaubens oder daran, das Christentum zu übernehmen. Vielmehr respektierten sie die Religionen der Beherrschten und halfen ihnen, ihre Gotteshäuser, die der Krieg zerstört hatte, wiederaufzubauen. Ferner ließen sie ihnen die Freiheit, ihre religiösen Bräuche zu verrichten. Alles, was Persien unternahm, war lediglich, das "Heilige Kreuz" zu beschlagnahmen und bei sich aufzubewahren, bis sich der Krieg gegen sie wandte und die Römer es von ihnen zurückgewannen. So blieben die geistigen Errungenschaften des Westens auf den Westen beschränkt und die des Ostens auf den Osten. Die moralische Schranke war somit gleichermaßen wirksam wie die geographische und sicherte die Gleichartigkeit der beiden Kräfte in geistiger Hinsicht und verhinderte ihr Zusammenprallen.


* Beim Mazdaglauben handelt es sich um die altpersische Religion, die vom Zarathustra gegründet worden war

 

Byzanz, der Erbe Roms

Diese Situation blieb bis zum sechsten nachchristlichen Jahrhundert unverändert. In der Zwischenzeit verstärkte sich die Rivalität zwischen Rom und Byzanz. Rom, dessen Herrschaft sich viele Generationen lang über die Gebiete Europas bis nach Gallien und England erstreckte und das vor der Welt unkblässlich mit dem Zeitalter Julius Caesars prahlte, begann nach und nach seinen Ruhm einzubüßen. Byzanz übernahm schließlich allein die Herrschaft und wurde somit zum Erben des in seiner Ausdehnung gewaltigen römischen Imperiums. Durch den Angriff der barbarischen Vandalen und die Übernahme der Macht verschlechterte sich die Lage Roms, was sich natürlich auf das Christentum, das sich im Schöße Roms entwickelt hatte, auswirkte. Unter jener Herrschaft mussten die, die an Jesus glaubten, unter größten Opfern Tyrannei ertragen.

 

Die christlichen Sekten

Die Glaubensrichtungen dieses Christentums begannen immer zahlreicher zu werden, und jede dieser Glaubensschulen spaltete sich im Laufe der Zeit in Sekten und Parteien, wovon jede andere Vorstellungen über die Prinzipien der Religion und ihre Grundlagen hatte. Diese Gruppierungen stritten sich heftig aufgrund ihrer unterschiedlichen Ansichten, was sich zu persönlicher Feindschaft auswuchs, wo auch immer Charakterschwäche und Mangel an Ayatand sich in ihre Seelen einschlichen. Und schnell wurden daraus Einschüchterung, blinder Fanatismus und mörderische Verhärtung. Unter den christlichen Gruppierungen gab es zu jener Zeit einige, die bestritten, dass Jesus einen Körper besessen habe, der mehr war als ein Scheinbild, durch das er sich den Menschen zeigte. Andere stellten zwischen seiner Person und seiner Seele eine geistige Verbindung her, die zu begreifen es einer gewaltigen Anstrengung der Vorstellungskraft und des Geistes bedarf. Wieder andere beteten Maria an, während einige leugneten, dass sie nach der Geburt Christi noch Jungfrau geblieben war. So spiegelte die Auseinandersetzung unter den Anhängern Jesu das Stadium der Auflösung wieder, wie sie in jeder Nation und jedem Zeitalter auftritt: sie gründete sich auf Aussprüche und Aufzählungen, denen Bedeutungen und Geheimnisvolles zugeschrieben und die mit Vorstellungen angereichert wurden, denen es an Logik mangelte und die nur endlose sophistische Diskussionen erlaubten.


Einer der Mönche der Kirche berichtete: "Sämtliche Außenbezirke der Such waren voll von Auseinandersetzungen; man konnte dies auf den Märkten beobachten, bei den Verkäufern von Bekleidung, den Geldwechslern und den Lebensmittelhändlern. Man möchte ein Stück Gold eintauschen und findet sich bei einer Auseinandersetzung darüber wieder, was erschaffen wurde und was nicht. Man erkundigt sich nach dem Brotpreis, und der Gefragte gibtAntwort: "Der Vater ist dem Sohn unterlegen, und der Sohn ist ihm untergeordnet. Man fragt nach seinem Bad und ob das Wasser warm ist, und der Diener gibt zur Antwort: "Der Sohn wurde aus dem Nichts erschaffen""


Diese Auflösung, die dem Christentum plötzlich widerfuhr und bewirkte, dass es in Gruppen und Sekten zersplitterte, blieb jedoch ohne merkliche Auswirkung auf den politischen Bestand des Römischen Reiches. Es blieb mächtig und gefestigt, während die Sekten unter seinem Schutz weiter in einer Art Wettstreit lebten, mit Wortstreitereien und unergiebigen Konferenzen, die zur Entscheidung der einzelnen Streitpunkte einberufen wurden. Keine dieser Gruppen verfügte über das nötige Durchsetzungsvermögen, um ihre Entscheidung den anderen aufzwingen zu können. Das Imperium schützte sie ausnahmslos und gewährte ihnen die Freiheit zur Auseinandersetzung, wodurch die Macht des Kaisers zunahm, ohne dass sein religiöses Ansehen geschmälert wurde. Jede Sekte stützte sich auf sein Wohlwollen und war davon überzeugt, dass er ihr Schirmherr sei. Diese Festigkeit im Bestand des Reiches war es, die es dem Christentum gestattete, sich bis in die entferntesten Winkel auszubreiten. Vom römischen Ägypten gelangte es nach Abessinien, dem unabhängigen Verbündeten Roms, und gab dem Becken des Roten Meeres die gleiche Wichtigkeit wie dem des Mittelmeeres. Von Syrien und Palästina verbreitete es sich, nachdem es ihre Einwohner sowie die Araber von Ghassan, die dorthin ausgewandert waren, angenommen hatten, bis hin zu den Ufern des Euphrat. Dort bekehrte es die Einwohner von Hira und die Banu Lachm und Banu Mundhir. Letztere waren aus der unfruchtbaren Wüste dorthin eingewandert und hatten sich in den fruchtbaren und gedeihenden Städten niedergelassen. Nachdem sie zunächst unabhängig gewesen waren, wurden sie später von Persien und seinem Mazdaglauben beherrscht.

 

Der Niedergang des Mazdaglaubens

In Persien traf den Mazdaglauben inzwischen das gleiche Schicksal des Niedergangs wie das des Christentums im Römischen Reich. Wenngleich die Feueranbetung den Schein der Religion wahrte, so teilten sich seine Anhänger hinsichtlich der Götter des Guten und Bösen und ihrer Ehrerbietung doch in unzählige Sekten und Parteien. Die politische Stellung Persiens blieb trotz allem stark; die religiöse Auseinandersetzung über die Art und Weise sowie die allgemeinen Ansichten, die sich darum bewegten, hatten hierauf keinen Einfluss. Der persische Herrscher nahm die verschiedenen religiösen Gruppierungen alle unter seinen Schutz und gewann durch ihre Zerstrittenheit immer mehr an Macht; denn jetzt besaß er die Möglichkeit, sie gegeneinander auszuspielen, wenn er befürchten musste, dass eine von ihnen dem Königreich oder gegenüber einer anderen zu mächtig würde.

 

Arabien zwischen den beiden Kräften

Diese beiden aufeinandertreffenden Kräfte, das Christentum und der Mazdaglauben bzw. der Osten und der Westen, und die mit ihnen verbundenen sowie ihren Einflüssen unterliegenden Staaten, umschlossen zu Beginn des sechsten nachchristlichen Jahrhunderts die arabische Halbinsel. Jede der beiden Parteien hatte ehrgeizige Bestrebungen nach Kolonialisierung und Expansion, und natürlich unternahmen die Vertreter beider Religionen intensive Anstrengungen, ihren Glauben zu verbreiten. Die Halbinsel war jedoch mit Ausnahme einiger ihrer Randbezirke und weniger Stämme wie eine unzugängliche und kriegsgeschützte Oase, sicher vor der Verbreitung der religiösen Aufrufe des Christentums oder Mazdaglaubens. Diese Erscheinung wäre in der Geschichte ein offenbares Wunder, würde sie nicht erklärt durch die Lage und Natur Arabiens und den Einfluss, den diese auf das Leben seiner Bewohner und auf ihren Charakter, ihre Neigungen und ihre Einstellungen hatten.

 

Die geographische Lage der Halbinsel

Die arabische Halbinsel hat die Form eines unregelmäßigen Rechteckes. Nördlich von ihr liegen Palästina und die Wüste Syriens, östlich von ihr Al Hira, der Tigris, der Euphrat und der Persische Golf, südlich von ihr der Indische Ozean und der Golf von Aden und westlich von ihr das Rote Meer. Somit ist sie im Westen und Süden durch das Meer und im Norden und Osten durch die Wüste bzw. den Persischen Golf geschützt. Diese Unzugänglichkeit war nicht das Einzige, was sie vor kolonialistischem oder religiösem Eindringen bewahrte, vielmehr schützte sie gleichermaßen ihre unermessliche Weite: Die Länge der Halbinsel beträgt mehr als tausend Kilometer, und auch ihre Breite reicht an nahezu tausend Kilometer.


Darüber hinaus schützte sie ihre Unfruchtbarkeit, eine Dürre, die jeden Eroberer seinen Blick abwenden ließ. Es gibt in diesem ausgedehnten Gebiet nicht einen einzigen Fluss und keine bekannten Regenzeiten, auf die Verlass wäre und auf die die Landwirtschaft ausgerichtet werden könnte. Mit Ausnahme des im Süden gelegenen Jemen, der sich durch die Fruchtbarkeit seines Bodens und die hohen Niederschlagsmengen auszeichnet, besteht Arabien aus Bergen, Hochlandebenen und Tälern ohne Bewuchs mit einem so harten Klima, das Sesshaftigkeit nicht leicht macht und zu keiner anderen Lebensweise ermutigt als der der Beduinen: mit dem Kamel als Wüstenschiff ständig auf Wanderschaft zu sein, stets von neuem auf der Suche nach Weiden für die Kamele, sich auf ihnen niederzulassen, bis die Kamele sie abgegrast haben, um dann wieder zu wandern und nach frischen Weiden zu suchen. Diese Weiden gedeihen im Umkreis von Quellen, die sich aus dem Regenwasser bilden, das in den steinigen Boden einsickert, und hier und da vereinzelt Vegetation aufkeimen lassen.

 

Mit Ausnahme des Jemen ist die arabische Halbinsel unerforscht

Für ein Land, das so beschaffen ist wie die große afrikanische Wüste, ist es natürlich, dass sich niemand auf Dauer dort niederlässt und dass menschliches Leben dorthin kaum vordringt. Und es ist auch natürlich, dass es demjenigen, der sich in dieser Wüste niederlässt, nicht um mehr geht, als um ihre Erforschung und seinen Schutz vor ihr. Davon ausgenommen sind die Bewohner jener wenigen Oasen, die Gras und Weideland hervorbringen. In der Regel blieben diese Oasen den Leuten unbekannt, von einer Minderheit abgesehen, die ihr Leben wagten, um sie zu erforschen. Mit Ausnahme des Jemen war Arabien jener Alten Welt praktisch unbekannt.


Seine Lage schützte Arabien vor Verarmung und Entvölkerung. In jenen alten Zeiten waren die Menschen auf dem Meer noch nicht sicher genug, um n ihren Handel und ihre Reisen zu befahren. Dies geht aus uns überlieferten arabischen Redewendungen hervor, die uns mitteilen, dass die Furcht der Menschen vor dem Meer ihrer Furcht vor dem Tode gleichkam. Somit musste für den Handel ein anderer Weg als der des Meeres, der gefährlich war und gefürchtet wurde, gefunden werden. Der bedeutendste Handelsweg lag damals zwischen Rom im Westen und Indien im Osten und ihrem jeweiligen Hinterland. Von Ägypten bzw. (nach Überquerung der am Eingang des Persischen Golfs gelegenen Meerenge) vom Persischen Golf aus führte diese Handelsstraße durch Arabien. So wurden die Beduinen der arabischen Halbinsel natürlich die Herren der Wüste, so wie die Seeleute zu Herren der Meere wurden, als die Seewege an die Stelle der Landrouten traten. Und ebenso selbstverständlich legten die Herren der Wüste die Karawanenstraßen so fest, dass auf ihnen keine Gefahr zu befürchten war, so wie die Herren der Meere die Schiffsrouten so festlegten, dass sie weit entfernt von Meeresriffen und anderen Gefahrenquellen lagen.


"Der Weg der Karawanen", sagt Heeren, "war keine Sache freier Wahl, sondern durch Gewohnheiten bestimmt. In der weiten Steppe der Sandwüste, die die Karawanen zu durchqueren hatten, hatte die Natur dem Reisenden spärlich einige wenige, verstreute Ruhestätten zugeteilt, an denen der Händler und sein Lasttier sich unter dem Schatten von Palmbäumen und neben kühlen Brunnen erfrischen konnten. Solche Raststätten wurden zu Umschlagplätzen des Handels und nicht selten zu Stätten von Tempeln und Heiligtümern, unter deren Schutz der Händler seinen Handel durchführte und zu denen die Pilger strömten.

 

Die beiden Karawanenstraßen

Die arabische Halbinsel war kreuz und quer von Karawanenstraßen durchzogen, worunter sich zwei Hauptrouten befanden. Die erste verlief entlang des Persischen Golfs, dann entlang des Tigris* und durchquerte dann die Syrische Wüste bis nach Palästina. Wegen ihrer Nähe zu den Ländern des Ostens wurde sie die "östliche Straße" genannt. Die zweite grenzte ans Rote Meer und wurde deshalb die "westliche Straße" genannt. Über diese beiden Hauptstraßen wurden die Erzeugnisse des Westens mit den Erträgen des Ostens miteinander ausgetauscht. Sie belebten die Wüste und begründeten Wohlstand und sorgenfreies Leben. Dies vermehrte die Kenntnis der Bewohner des Westens über die Länder, durch die ihr Handel führte, jedoch keineswegs. Nur wenige von den Menschen des Ostens und des Westens hatten sie durchquert; denn ihre Durchquerung bedeutete eine Beschwerlichkeit, die nur jene ertrugen, die derartiges von frühester Jugend an gewohnt waren, oder Abenteuerlustige, die ihr Leben geringschätzten.


Und viele von ihnen gingen sogar bei solch einer Mission in dieser Wüstenei zugrunde. Jemand, der den Komfort zivilisierter Städte und Dörfer gewohnt ist, kann die Mühsal dieser kargen Gebirgszüge, die vom Roten Meer nur durch den engen Korridor von Tihama** getrennt werden, nicht auf sich nehmen. Wenn der Reisende sie in jenen Tagen, in denen als Fortbewegungsmittel nur das Kamel bekannt war, erreichte, dann musste er einen Gipfel nach dem anderen erklimmen, bis er zu den Anhöhen des Nedschd-Hochlandes herabkam. Und von jemandem, der ein politisches Ordnungssystem gewohnt ist, das allen Bürgern Sicherheit garantiert, kann kaum erwartet werden, den Fluch dieser Wüste zu ertragen, deren Bewohner keinerlei politisches Ordnungssystem kannten, sondern jeweils in Stämmen, Familien oder gar als Einzelpersonen lebten.


Ihre Beziehungen zu anderen wurden durch nichts geregelt als die Bande der Familien oder Stammeszugehörigkeit, die Kraft eines Bündnisses oder den Schul/ der Nachbarschaft, von derber Schwache die Hilfe des Starken erhoffte. Das Wüstenleben war zu allen Zeiten ein Leben bar jeder Ordnung, wie sie die Zivilisation kennt. Es war ein Leben, das sich auf das Vergeltungsrecht stützte, die Beantwortung von Feindseligkeit mit Feindseligkeit und die Ermordung des Schwachen, der niemanden fand, der ihn unter seinen Schutz stellte. Nach solch einem Leben zu streben oder es im Detail kennenzulernen, ermutigt niemanden. Deshalb blieb die arabische Halbinsel der damaligen Welt unbekannt, bis die göttliche Vorherbestimmung nach dem Erscheinen Muhammads (s.a.s) gebot, durch auswandernde Bewohner die Informationen über sie den anderen Völkern zukommen zu lassen.


*Möglicherweise meinte der Verfasser den Euphrat, denn es ist schwer zu verstehen, weshalb eine westorientierte Karawane am Tigris entlang ziehen sollte.
**Es handelt sich um den engen Landschaftsstreifen entlang der Ostküste des Roten Meeres, der dieses von der Gebirgskette des Hedschas und der dahinterliegenden Wüste trennt.

 

Die Kultur des Jemen

Nur der Jemen und die an den Persischen Golf angrenzenden Länder entzogen sich der Unkenntnis der Welt. Dies lag aber nicht daran, dass sie nahe am Persischen Golf bzw. Indischen Ozean oder Roten Meer lagen, sondern vielmehr daran, dass sie nicht wie der Rest der Halbinsel aus öden Wüsteneien bestanden und der Welt nicht schadeten; sie waren nicht wie der Rest der Halbinsel, die bei keinem Staat freundschaftliche Beziehungen hervorrief und die bei keinem Kolonialisten Begierden weckten. Im Gegenteil, sie waren Gegenden mit fruchtbarem Boden und regelmäßigen Niederschlägen und von daher Gebiete mit festgegründeter Kultur, dichtbesiedelten Städten und lange standhaltenden Tempeln. Ihre Bewohner, die Banu Himjar, waren intelligent und verstanden es, den Regen zu ihrem besten Nutzen so zu sammeln, dass er nicht über die abfallende Erde ins Meer fließen konnte. Sie errichteten den Damm von Marib, wodurch sie den natürlichen Lauf des Wassers auf eine Weise abänderten, wie es das kulturelle und sesshafte Leben erforderte. Vor der Errichtung dieses Dammes fiel der Regen auf die hohen Berge des Jemen und floss dann in die im Osten der Stadt Marib gelegenen Täler. Er kam zwischen zwei Bergen zu beiden Seiten des Tals herab, die etwa 400 Meter auseinander lagen. Wenn er dann Marib erreichte, verzweigte sich der Strom, so dass das Wasser sich darin verlor, wie es sich im Staubereich des Oberlaufes des Nil verliert. Als dann die Bewohner des Jemen durch Erkenntnisse und Verstandesschärfe zum Bauen des Damms von Marib geführt wurden, errichteten sie an der engsten Stelle des Tals eine Steinmauer mit Öffnungen, durch die die Ableitung des Wassers und seine Verteilung dahin möglich wurden, wohin es die Menschen wollten, um die Erde zu bewässern und ihre Fruchtbarkeit und ihren Ertrag sicherzustellen.


Was bisher an Überresten dieser Himjari-Kultur im Jemen zutage gefördert wurde - und noch heute zutage gefördert wird -, ist Beweis dafür, dass sie zeitweise auf einer achtbaren Höhe stand und den Härten der Zeit in einem für den Jemen schwierigen Zeitalter trotzte.

 

Judentum und Christentum im Jemen

Diese Kultur, die gegründet war auf Fruchtbarkeit und Sesshaftigkeit, gereichte dem Jemen dennoch zu Schaden, vor dem der mittlere Teil der Halbinsel aufgrund der Dürre bewahrt wurde. Die Königsherrschaft im Jemen blieb bei den Banu Himjar; mal wurde sie vererbt, mal riss sie ein Himjari aus dem Volk an sich, bis Dhu Nuwas König wurde. Dieser neigte der Religion Mose zu und verabscheute das Heidentum, in das sich sein Volk verstrickt hatte. Er hatte diese Religion bereits von den Juden angenommen, die in den Jemen eingewandert und dort sesshaft geworden waren. Von diesem Dhu Nuwas Al Himjari behaupten die Historiker, dass er es sei, den die Geschichte von den Gefährten des Grabens meine, über die die folgenden Qur´aanverse geoffenbart wurden:


"Die Gefährten des Grabens, des Feuers voll von Brennstoff, wurden getötet, als sie davor saßen und dessen, was sie den Gläubigen antaten, Zeugen waren. Und sie hegten ihnen gegenüber nur deshalb rachsüchtige Gefühle, weil sie an Allah , den Allmächtigen, den Rühmenswerten, glaubten."*


Es ist dies in Kurzfassung die Geschichte von einem rechtschaffenden Mann unter den Anhängern Jesu namens Kaimijun, der aus dem Imperium Roms ausgewandert war und sich in Nedschran niedergelassen hatte; dessen Einwohner folgten ihm, als sie seine Rechtschaffenheit sahen. Sie nahmen an Zahl ständig zu und erlangten ernstzunehmende Bedeutung. Als Dhu Nuwas über sie Kunde erhielt, begab er sich nach Nedschran und rief dessen Bevölkerung auf, zum Judentum überzutreten, andernfalls würden sie getötet. Als sie sich weigerten, ließ er für sie einen Graben ausheben, setzte ihn in Flammen und warf sie hinein. Wer im Feuer nicht umkam, wurde mit dem Schwert getötet und mit ihm verstümmelt. Den Berichten der Biographien zufolge wurden 20.000 von ihnen umgebracht. Einer dieser Christen, der der Hinrichtung und Dhu Nuwas entkommen war, reiste zum römischen Kaiser Justinian und bat um Hilfe gegen Dhu Nuwas. Da Rom aber vom Jemen zu weit entfernt war, schrieb der Kaiser an den Negus von Abessinien, er solle Rache am König des Jemen nehmen. Zu jener Zeit - im sechsten Jahrhundert n. Chr. - waren Abessinien und der Negus auf der Höhe ihrer Macht. Unter ihrem Befehl stand eine umfangreiche Handelsflotte, die die Meere befuhr und ihren Einfluss auf die angrenzenden Länder ausdehnte. Abessinien war der Verbündete des Byzantinischen Reichs und der Fahnenträger des Christentums am Roten Meer, so wie es Byzanz am Mittelmeer war.


Als der Negus des Kaisers Brief erhalten hatte, entsandte er mit dem Jemeniten, der ihm den Brief überbracht hatte, ein Heer unter dem Oberbefehl von Arjat. Unter den Soldaten war auch Abraha Al Aschram** . Arjat eroberte den Jemen und herrschte in ihm im Namen des Herrschers von Abessinien, bis Abraha ihn ermordete und an seine Stelle trat. Abraha war der "Herr des Elefanten", der einen Kriegszug gegen Mekka unternahm, um die Kaba zu zerstören; sein Vorhaben scheiterte jedoch, wie wir in einem späteren Kapitel sehen werden.


Nach Abraha regierten dessen Söhne im Jemen und verbreiteten dort ihre Willkürherrschaft. Als dieser Zustand nicht mehr zu ertragen war, zog Saif Ibn Dhu Jazan Al Himjari zum Kaiser Roms, klagte ihm ihr Los und bat ihn, jemanden aus Rom zu senden, der die Herrschaft im Jemen führen solle. Wegen des Bündnisses zwischen ihm und dem Negus wehrte der Kaiser ab, ohne die Klage Dhu Jazans anzuhören. So zog Dhu Jazan zu Numan Ibn Al Mundhir, dem Statthalter Chosroes" in Al Hira und den umliegenden Ländern des Irak.


*Qur´aan, Sura 85, Ayat 4-8.
**Wörtlich übersetzt: "Der Mann mit der Hasenscharte".

 

Die Herrschaft Persiens über den Jemen

Als Al Numan vor Chosroes Parwez trat, wurde er von Saif Ibn Dhu Jazan begleitet. Chosroes saß in der Halle seines Palastes, in dem der Thron des Darius aufgebaut war; dieser war verziert mit den Sternbildern der Milchstraße. Um ihn herum hingen Vorhänge aus Pelz, die umgeben waren von Kronleuchtern aus Silber und anderen aus Gold, die mit warmem Wasser angefüllt waren. Darüber befand sich eine gewaltige Krone, in der Saphire, Chrysolithen und Perlen in Gold und Silber eingelassen waren; sie waren mit einer Kette aus Gold an der Decke befestigt. Er war in Goldgewebe gekleidet und trug goldenen Schmuck. Sobald jemand seinen Sitzungssaal betrat, überwältigte ihn sein ehrfurchtgebietendes Äußeres schon beim ersten Anblick. Dies geschah auch mit Saif Ibn Dhu Jazan. Als er sich wieder gefasst hatte und Chosroes ihn über sein Anliegen befragte, erzählte er ihm von Abessinien und der Unterdrückung des Jemen. Chosroes zögerte zunächst mit seiner Entscheidung, sandte aber dann doch ein Heer unter dem Oberbefehl von Wahriz, der aus einer der besten Familien Persiens stammte und einer der Ritterlichsten und Tapfersten war. Die Perser vertrieben die Abessinier aus dem Jemen, nachdem sie dort zweiundsiebzig Jahre geherrscht hatten. Der Jemen blieb unter persischer Herrschaft, bis der Islam kam und alle Länder Arabiens der Religion Allahs (t.) und dem Islamischen Reich beitraten.

 

Cyrus" Herrschaft über Persien

Dennoch unterstanden die Perser, die über den Jemen herrschten, nicht unmittelbar der Macht des persischen Königs. Dies galt in besonderem Maße, nachdem Cyrus seinen Vater Chosroes Parwez getötet und dessen Thronfolge angetreten hatte. In seiner Unbedachtheit bildete er sich ein, alle Welt richte sich nach seinen Wünschen und die Königreiche der Welt seien tätig, um seine Schatzkammern zu füllen und die Annehmlichkeiten, denen er sich maßlos hingab, zu mehren. Sodann gab dieser jugendliche König viele Reichsangelegenheiten zu Gunsten genüsslichen Zeitvertreibs und seines Vergnügens auf. Er zog in einem Prunk auf die Jagd, desgleichen ein Auge noch nie gesehen hatte: Er pflegte in Begleitung junger Prinzen in roten, gelben und violetten Kleidern loszuziehen. Um ihn herum waren Falkenträger und Diener, die zahme Geparden mit Maulkörben führten, parfümtragende Sklaven, Kammerjäger und Musikanten. Um sich in der Kälte des Winters das Gefühl der Frühlingspracht geben zu können, saßen er und sein Gefolge gewöhnlich auf einem großen Teppich, auf dem die Wege des Königreichs und seine Gärten mit Blumen verschiedener Arten und Farben aufgezeichnet waren - mit Wäldern und grünen Niederungen und silberfarbenen Flüssen im Hintergrund. Trotz Cyrus" Vergnügungssucht bewahrte Persien seinen Ruhm und seine Rolle als Machtrivale gegenüber der Macht Byzanz und der Verbreitung des Christentums. Das Verblassen dieses Ruhmes ließ die Thronbesteigung Cyrus" jedoch bereits voraussehen; sie bereitete später den Muslimen den Weg für die Eroberung Persiens und die dortige Verbreitung des Islam.

 

Bruch des Dammes von Marib

Diese Auseinandersetzung, deren Schauplatz der Jemen seit dem vierten Jahrhundert n. Chr. war, hatte schwerwiegende Auswirkungen auf die geschichtliche Entwicklung der arabischen Halbinsel hinsichtlich der Bevölkerungsverteilung: Es wird berichtet, dass der Damm von Marib, durch den die Himjari den natürlichen Verlauf zum Vorteil ihres Landes geändert hatten, aufgrund einer gewaltigen Flut brach. Der ständige Unfriede zwischen den Menschen und das ständige Aufeinanderfolgen der Regierungen, hielten von der Instandhaltung des Dammes ab, so dass er so brüchig wurde, dass er jene Wassermengen nicht mehr halten konnte. Ferner wird überliefert, der römische Kaiser habe eine Flotte zusammenstellen lassen, als er erkannt hatte, dass der Jemen Schauplatz der Auseinandersetzungen zwischen ihm und Persien war und sein Handel dadurch bedroht wurde. Diese Flotte sollte das Rote Meer zwischen Ägypten und dem Fernen Osten durchqueren, um die Handelsgeschäfte Byzanz" zu tätigen und um dadurch von den Karawanenstraßen unabhängig zu sein. Die Historiker erwähnen ein Ereignis, das sie einmütig als historisch anerkennen, über dessen Ursache sie aber unterschiedlicher Meinung sind. Es geht hierbei um die Auswanderung des Stammes Azd aus dem Jemen nach Norden. Alle von ihnen erwähnen diese Auswanderung; einige schreiben sie jedoch der Verarmung vieler Städte des Jemen aufgrund des Zurückgehens des durch ihn führenden Handels zu, während andere sie auf den Zusammenbruch des Damms von Marib und die dadurch erzwungene Auswanderung vieler Stämme aus Furcht vor dem Untergang zurückführen. Wie auch immer der wahre Sachverhalt sein mag, in dieser Auswanderung liegt der Grund für die Verbindung des Jemen mit den anderen Ländern Arabiens, eine Verwandtschaftsbeziehung und Zusammensetzung, die die Forscher bis heute noch näher zu bestimmen versuchen.

 

Die gesellschaftliche Ordnung der Halbinsel

Wie wir gesehen haben, war die politische Ordnung im Jemen aufgrund der Umstände, in denen sich das Land der Himjari befand, und aufgrund der kriegerischen Auseinandersetzungen schon gestört; in den restlichen Ländern der Halbinsel war ein politisches System erst gar nicht bekannt. Jedes System, das eine politische Ordnung darstellte, so wie wir sie heute oder die kultivierten Nationen in jenen Tagen in ihrer Bedeutung verstehen bzw. verstanden, war in den Gegenden von Tihama, Hedschas, Nedschd und jenen weitreichenden Gebieten, aus denen sich Arabien zusammensetzte, unbekannt. Ihre Bewohner waren - wie die meisten von ihnen auch heute noch -Nomaden, die die Sesshaftigkeit nicht gewohnt waren und denen ein Aufenthalt an irgendeinem Ort nicht zusagte. Sie kannten nichts außer ständiges Wandern auf der Suche nach Weideflächen und Befriedigung ihrer Leidenschaft, wie es dem Nomadenleben eigen ist und zu keinem anderen Leben passt.


Das Nomadenleben gründet sich auf den Stamm, in welchen Ländern der Erde auch immer es angetroffen wird. Und die immerfort umherziehenden Stämme kennen kein Gesetz, wie wir es kennen, unterwerfen sich keiner Ordnung gleich der, der wir uns unterwerfen, und dulden nichts neben der völligen Unabhängigkeit des einzelnen, der Sippe und des Stammes. Die sesshaften Leute sind im Namen der Ordnung mit der Abtretung eines Teils ihrer Freiheit an die Gemeinschaft oder einen absoluten Herrscher im Austausch für das, was sie dadurch an Sorglosigkeit und Wohlstand genießen, einverstanden. Den Wüstenmenschen aber tröstet dies kein bisschen über die Aufgabe auch nur eines Teils seiner vollständigen Freiheit hinweg. Er entsagt dem Wohlstand, ist der Ruhe der Sesshaftigkeit überdrüssig und akzeptiert nur die völlige Gleichheit zwischen ihm und allen anderen Angehörigen seines Stammes sowie zwischen seinem Stamm und anderen Stämmen. \Vie alle anderen Menschen regelt er sein Leben mit dem Willen zum Überleben und zur Selbstverteidigung; nur tut er dies unter der Voraussetzung, dass es mit den Grundsätzen des Edelmuts übereinstimmt, die das freie Wüstenleben bestimmen. Deswegen haben die Bewohner der Wüste niemals ein ihnen zugefügtes Unrecht ertragen, sondern sich mit aller Kraft dagegen verteidigt. Und falls sie dies nicht konnten, verließen sie ihre Heimat und zogen, wenn diese Wanderung unausweichlich war, auf der gesamten Halbinsel umher. Deshalb fiel diesen Stämmen auch nichts leichter als der Kampf, wenn Auseinandersetzungen aufkamen, die nicht nach den Grundsätzen der Ehre, der Mannhaftigkeit und des Edelmuts beigelegt werden konnten.

 

Die Charaktereigenschaften der Wüstenbewohner

Aus genannten Gründen entwickelten sich bei vielen dieser Stämme Charaktereigenschaften wie Edelmut, Tapferkeit, Unerschrockenheit, Nachbarschaftshilfe und Nachsicht der Mächtigen. Diese Eigenschaften sind gefestigt im Menschen, wenn er dem Wüstenleben verbunden ist, jedoch schwach und spärlich, wenn er in der Zivilisation verwurzelt ist. Deswegen und aufgrund der bereits erwähnten wirtschaftlichen Gründe verlangten weder Byzanz noch Persien danach, außer dem Jemen eines der Länder der Halbinsel zu unterwerfen; denn diese zogen das Verlassen der Heimat der Unterdrückung vor, und ihre Menschen und Stämme fügten sich keiner Unterwerfung unter eine beständige Ordnung oder irgendeiner über sie gesetzten Herrschaft.


Diese Eigenarten der Wüstenbewohner beeinflussten im hohen Maße die wenigen kleinen Städte, die auf der ganzen Halbinsel durch den Handel der Karawanen, wie wir ihn bereits beschrieben haben, entstanden waren. Die Händler suchten sie auf und ruhten sich von den Mühen ihrer erschöpfenden Reisen aus; sie fanden in ihnen Tempel, in denen sie den Göttern dankten, dass sie ihnen ein Entkommen aus den Gefahren der Wüste gewährt und ihre Handelsgüter wohlbehalten hergebracht hatten. Solche Städte waren Mekka, At Taif, Jathrib und ähnliche zwischen den Bergen und Sandflächen der Wüste verstreute Oasen. Was die Ordnung der Stämme und Sippen und ihre Charaktereigenschaften sowie ihre Abneigung gegen jede Begrenzung ihrer Freiheit betrifft, so richteten sich diese Städte mehr nach der Wüste als nach der Zivilisation aus. Trotzdem zwang sie die Sesshaftigkeit zu einer Form des Lebens, die sich von der, die die Wüstenbewohner gewohnt sind, unterscheidet. Dies wird in späteren Kapiteln über Mekka und Jathrib im einzelnen dargelegt.

 

Arabisches Heidentum und seine Gründe

Diese natürliche Lage und die sich daraus ergebenden ethischen, politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse hatten auch auf die Religion Auswirkungen. Wurde also der Jemen durch die Berührung mit dem Christentum Roms und der Religion Zarathustras in Persien von diesen beiden Religionen beeinflusst, und beeinflusste er damit die übrigen Länder der Halbinsel? Dies scheint zunächst so, insbesondere was das Christentum angeht.


Den Missionaren der Religion Jesu war zu jener Zeit dieselbe Aktivität im Aufruf zu ihrer Religion und deren Verkündung eigen wie heute. In der Natur des Wüstenbewohners findet sich eine gewisse Wachheit religiöser Vorstellungen, die die Natur des Menschen in der Zivilisation nicht kennt. Im Leben der Wüste steht der Mensch mit dem Sein in Verbindung, nimmt die Unendlichkeit des Universums in seinen verschiedenen Formen wahr und verspürt das Bedürfnis nach einer Ordnung dessen, was zwischen ihm und dem Sein in seiner Unendlichkeit ist. Dagegen lässt den durch die Zivilisation geprägten Menschen seine ständige Geschäftigkeit diese Unendlichkeit nicht wahrnehmen. Denn im Austausch gegen eine teilweise Abtretung seiner Freiheit an die Gemeinschaft nimmt er ihren Schutz in Anspruch. Indem er sich nun aber der Macht und dem Schutz des Herrschers unterstellt, wird er unfähig zur Verbindung mit dem, was außer eben diesem Herrscher an wirksamen Naturkräften das Leben bestimmt. Und deshalb verkümmert bei ihm der Sinn für die Beziehung zu den Elementen der ihn umgebenden Natur. Dagegen bleibt beim durch die Wüste geprägten Menschen die religiöse Vorstellung, die das Wüstenleben in seiner Seele weckt, erhalten.
Hier mag man fragen, ob das Christentum - mit seinen vielfältigen Aktivitäten seit seinen Anfangszeiten - aus all diesen Gegebenheiten für seine Ausbreitung Nutzen zog. Es wäre vielleicht so gewesen, wenn nicht andere Umstände hinzugekommen wären und ganz Arabien sowie den Jemen im Heidentum, der Religion ihrer Väter und Urväter, belassen hätten. So folgten aber nur wenige Stämme dem Ruf des Christentums.

 

Christentum und Judentum

Wie wir sahen, befand sich die bedeutendste Kultur der Welt zu jener Zeit im Umkreis des Mittelmeeres und des Roten Meeres. Das Christentum und das Judentum waren in diesem Gebiet unmittelbare Nachbarn, und wenn es auch keine offene Feindschaft gegeneinander gab, so bestand doch keine offenherzige Zuneigung zueinander. Damals wie heute erinnerten sich die Juden des Aufstands Jesu gegen sie und seines Angriffs auf ihre Religion. So taten sie insgeheim alles, was sie konnten, um die weitere Verbreitung des Christentums, das sie aus dem Gelobten Land vertrieben hatte, zu verhindern. In den arabischen Ländern gab es viele jüdische Ansiedlungen, die meisten von ihnen im Jemen und in Jathrib. Auf der anderen Seite stand der Mazdaglaube in Persien dem Christentum gegenüber und verhinderte, dass es den Euphrat nach Persien überquerte, und unterstützte durch seine geistige Kraft überall die Stellung des Heidentums.

 

Die Selbstzerfleischung der christlichen Sekten

Durch den Fall Roms, das Schwinden seiner Macht und den Wechsel der Metropole der Weltkultur nach Byzanz wurden die christlichen Sekten immer zahlreicher. Wie wir schon erwähnten, zerstritten sie sich untereinander und bekämpften sich. Vom hohen Niveau des Glaubens fielen sie ab in Diskussionen, die nur noch Formen und Formulierungen zum Inhalt hatten, sowie das Ausmaß der Heiligkeit Marias und ihres Vorranges vor ihrem Sohn, dem Messias, bzw. dessen Vorrangs vor ihr. Diese Auseinandersetzungen - wo immer sie auch auftraten - zeigen den Grad der Erniedrigung und des Verfalls christlichen Gedankenguts und christlicher Praxis. Äußerlichkeiten wurde soviel Aufmerksamkeit geschenkt, dass das Wesentliche unter ihrer undurchschaubaren Fülle verschwand und die Menschen das Christentum nicht mehr verstehen konnten.


Die Auseinandersetzungen der Christen von Asch Scham* waren von anderer Art als etwa die der Einwohner von Hira oder Abessinien. Die Juden, die mit den Christen natürlich Kontakt hatten, unternahmen nichts, um diesen Streit beizulegen oder die Gemüter zu beruhigen. Die Araber wiederum kamen bei den Sommer- und Winterkarawanen sowohl mit den Christen aus Asch Scham als auch mit denen aus dem Jemen und aus Abessinien zusammen. Deshalb wollten sie natürlich weder für die eine noch für die andere Sekte Partei ergreifen und blieben ihrem Heidentum, in das sie hineingeboren waren und in dem sie ihren Vorfahren folgten, treu. Das Götzentum stand nicht nur bei ihnen selbst in Blüte, sondern wirkte sich sogar auf ihre Nachbarn, die Christen in Nedschran und die Juden in Jathrib, aus. Diese tolerierten ihre Götzenanbetung und freundeten sich schließlich sogar mit ihr an. Dies geschah der guten Handelsbeziehungen wegen, die zwischen ihnen und jenen Arabern bestand, und um sie durch Einschmeicheln Allah (t.) näher zu bringen.


*Unter Asch Scham ist das Gebiet zu verstehen, das jetzt als Syrien, Libanon, Palästina und Jordanien bekannt ist.

 

Die Ausbreitung des Götzentums

Vielleicht war die Zerstrittenheit der christlichen Sekten nicht der einzige Grund für das Beharren der Araber auf ihrem Heidentum. Verschiedene Formen des Götzentums blieben auch bei jenen Völkern erhalten, bei denen sich das Christentum verbreitet hatte. Das ägyptische und das griechische Heidentum traten bei den verschiedensten, ja selbst bei christlichen Glaubensrichtungen zutage. Die Schule von Alexandrien und ihre Philosophien hatten weiterhin einen gewissen Einfluss, wenngleich weitaus geringer als zur Zeit der Ptolomäer und zu Beginn der christlichen Ära. Diese Lehren hatten jedenfalls nie aufgehört, tief ins Bewusstsein der Menschen einzudringen. Ihre scheinbar glänzende Sprachgewandtheit, wenn auch hauptsächlich sophistisch, blieb verlockend für dieses Heidentum der Vielgötterei, dessen Götter der Macht des Menschen so nahe standen und ihm deshalb so lieb waren. Ich vermute sehr stark, dass es dieser Polytheismus ist, der schwache Menschen zu jeder Zeit - auch in unserer heutigen - heftig nach dem Heidentum verlangen lässt. Denn ein willensschwacher Mensch ist am wenigsten fähig, sich hoch genug zu erheben, um mit dem umfassenden Sein in Berührung zu kommen, auf dass er die Einheit des totalen Seins erfasse, die Einheit, die repräsentiert wird durch das, was größer ist als alles Existierende, nämlich durch Allah (t.), den Erhabenen. Und dieser schwache Mensch bleibt stehen vor einer äußeren Erscheinungsform dieses Seins, wie z.B. der Sonne, dem Mond oder dem Feuer; seine Vorstellungskraft reicht nicht aus, diese Erscheinungsform als Teil des Ganzen zu betrachten.


Diese schwachen Menschen begnügen sich mit einem Götzenbild, in dem sich für sie eine unklare Bedeutung manifestiert und das Sein und die Einheit verloren gehen lässt; sie treten mit ihm in eine Beziehung und verleihen ihm den Anschein von Heiligkeit. Das ist in allen Ländern der Welt immer wieder anzutreffen, obwohl diese Welt wissenschaftlichen Fortschritt und ein hohes kulturelles Niveau für sich in Anspruch nimmt. Ein Beispiel sehen diejenigen, die die St.-Peter-Kathedrale in Rom besuchen: sie sehen ein Standbild eines Heiligen, dessen Fuß von den Gläubigen in Verehrung geküsst und dadurch so abgenutzt wird, dass er von der Kirche von Zeit zu Zeit ausgewechselt werden muss. Im Bewusstsein dessen müssen wir jenen Menschen, die Allah (t.) noch nicht zum wahren Glauben geführt hat und die die Zerstrittenheit ihrer christlichen Nachbarn und die Überbleibsel des Heidentums unter ihnen sahen und an der Anbetung von Götzen festhielten, die bereits ihre Väter angebetet hatten, mit Nachsicht begegnen und dürfen sie nicht verurteilen. Wie sollten wir es ihnen auch nicht nachsehen, da doch dieser Zustand in der Welt ein bis heute tief verwurzeltes Relikt geblieben ist, das jedes Heidentum erklärt und selbst heutige Muslime in ihrer Religion billigen, obwohl es doch gerade der Islam ist, der jeder Götzenanbetung den Krieg ansagte und jeder Anbetung neben der Anbetung Allahs (t.) , des Erhabenen, ein Ende bereitete!

 

Anbetung der Götzen

Die heute schwer nachzuvollziehen sind. Der Prophet zerschlug die Götzen und befahl seinen Gefährten, sie zu zerschlagen, wo immer sie sie auch fänden. Die Muslime nahmen davon Abstand, über Götzen zu sprechen, nachdem sie ihre Spuren beseitigt und in der Historie und in der Literatur alles, was mit ihnen in Verbindung stand, entfernt hatten. Was vom Götzen turn im Qur´aan erwähnt wird und was die Geschichtsschreiber im zweiten Jahrhundert nach der Hidschra * darüber berichteten, zeugte vom hohen Stellenwert, den es vor dem Islam hatte, und von seinen verschiedenen Formen und weist darauf hin, dass die Götzen sich im Grad der Heiligkeit voneinander unterschieden. Jeder Stamm hatte seinen eigenen Götzen, den er anbetete. Die altheidnischen Abgötter unterteilten sich in Götzenbilder aus Metall oder Holz, die menschliche Gestalt hatten, in solche, die ihre Gestalt in Stein zeigten und in Steingötzen, die Felsbrocken ohne bestimmte Gestalt waren. Einige Stämme gaben ihnen einen anbetungswürdigen Rang, da sie ihnen himmlischen Ursprung zuschrieben; denn es handelte sich um vulkanisches Gestein oder desgleichen. Die am feinsten gearbeiteten Statuen besaßen die Bewohner des Jemen, was nicht verwundert, denn deren kultureller Fortschritt war weder den Bewohnern des Hedschas noch denen von Nedschd und Kinda bekannt. Dennoch teilen die Werke über Götzen nichts Genaues über die Gestalt jener Abgötter mit. Nur über Hubal wird berichtet, dass er in Menschengestalt und aus Karneol gearbeitet war und dass sein Arm einst zerbrach und die Kuraisch ihn gegen einen aus Gold auswechselten. Hubal war der Oberste von den Göttern der Araber und hatte seinen Standort in der Kaba zu Mekka; die Menschen pilgerten zu ihm aus allen Richtungen.


Die Araber begnügten sich mit diesen großen Götzen, denen sie ihre Gebete und Opfer darbrachten, keineswegs; vielmehr nahmen die meisten von ihnen ein Götzenbild oder einen Steingötzen in ihre Häuser, den sie umschritten, wenn sie zu einer Reise aufbrachen und von ihr zurückkehrten. Und sie führten ihn bei ihren Reisen mit sich, wenn er ihnen diese erlaubt hatte. All diese Götzen, ob sie sich in der Kaba oder um sie herum oder an verschiedenen Orten Arabiens bzw. bei verschiedenen Stämmen befanden, wurden als Mittler zwischen ihren Verehrern und dem obersten Gott betrachtet. Deshalb sahen die Araber die Götzenverehrung als Einschmeichelei bei Allah (t.) an, wenn sie auch über die Verehrung jener Abgötter die Anbetung Allahs (t.) vergessen hatten.


*Die Auswanderung des Propheten Muhammad (s.a.s.) von Mekka nach Medina, die den Beginn der islamischen Zeitrechnung bildet.

 

Die Stellung Mekkas

Obwohl der Jemen hinsichtlich der Kultur wegen seiner Fruchtbarkeit und der guten Verteilung der Wasserressourcen das fortgeschrittenste Land der gesamten Halbinsel war, sahen die Bewohner der unermesslich weiten Wüstengebiete in ihm kein erstrebenswertes Ziel. Auch fanden keine Pilgerfahrten zu den Anbetungsstätten des Jemen statt. Ziel der Wallfahrt waren Mekka und seine Kaba, das Haus Ismaels. Dorthin zog es die Männer, und dorthin richtete sich ihr Blick. Das Einhalten der heiligen Monate* wurde dort starker als sonst irgendwo beachtet. Aus diesem Grund und darüber hinaus wegen seiner ausgezeichneten Lage für den Handel Arabiens insgesamt wurde Mekka als Hauptstadt der Halbinsel betrachtet. Ferner sollte es nach Allahs (t.) Willen später der Geburtsort Muhammads (s.a.s.), des arabischen Propheten, werden und Jahrhunderte hindurch die Blicke der Welt auf sich ziehen. Sein altes Haus behielt seine Heiligkeit, und den Kuraisch blieb darin eine erhabene Stellung. Dennoch standen sie den Härten des Wüstenlebens, dem sie seit Jahrtausenden ausgesetzt waren, auch weiterhin sehr nahe.
*Vier Monate des Mondjahres waren besonders heilig; in ihnen waren jede kriegerische Handlung und sonstige Ausschreitungen verboten.

 

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