D Das Leben des Propheten

10- Die zwei Abkommen von al-Akaba

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Die Schwächung der Muslime nach al-Isra



Die Quraisch und viele derer, die Muslime geworden waren, verstanden die von uns dargelegte Bedeutung von al-Isra nicht. Deswegen wandten sich einige der Anhänger Muhammads von ihm ab, nachdem sie ihm lange Zeit gefolgt waren. Infolgedessen verstärkte sich die schlechte Behandlung Muhammads und der Muslime durch die Quraisch so sehr, dass jene es nicht mehr ertragen konnten. Muhammad blieb keine Hoffnung mehr auf Hilfe von den Stämmen, nachdem Thakif ihn aus Taif mit negativer Antwort abgewiesen und ihn auch die Stämme Kinda, Kalb, Banū Amir und Banū Hanifa zurückgewiesen hatten.

Muhammad spürte danach vollends die Hoffnungslosigkeit, auch nur einen der Quraisch zur Wahrheit zu leiten.

Die Stämme, die in der Nachbarschaft Mekkas lebten und dorthin aus verschiedenen Gegenden Arabiens zur Wallfahrt kamen, sahen, in welche Isolation Muhammad geraten war und mit welcher Feindschaft die Quraisch ihn umgaben, indem sie jeden, der ihm half, zu ihrem Feind erklärten; dies bestärkte sie noch mehr, ihn zu meiden.

Trotz der Stärkung Muhammads durch Hamza und Umar und trotz seiner Gewissheit, dass die Quraisch ihm nicht mehr Schaden zufügen würden als zuvor, da er unter dem Schutz der Banū Hāschim und Banū Abdul Muttalib stand, erkannte er, dass die Botschaft seines Herrn auf den Kreis derer, die ihm bis zu diesem Tag gefolgt waren, begrenzt bleiben würde.

Aufgrund ihrer geringen Zahl und ihrer Schwäche waren sie nahe daran, vernichtet oder von ihrer Religion abgebracht zu werden, sollten zu ihnen nicht Hilfe und Sieg von Allah kommen. Die Tage wurden Muhammad lang, und seine Isolation bei seinem Volk und die Gehässigkeit der Quraisch gegen ihn nahmen zu.

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Muhammads Standhaftigkeit

Schwächte ihn diese Isolation oder ließ sie ihn den Mut verlieren? Keineswegs! Vielmehr stärkte sie seinen Glauben an die Wahrheit, die er von seinem Herrn erhalten hatte. Er stand über solchen Gedanken, die die Kraft gewöhnlicher Menschen beeinträchtigten, aber untadlige Menschen nur an Erhabenheit und Glaube zunehmen lassen. So schwer seine Isolation auch war, Muhammad und seine Gefährten vertrauten weiter auf die Hilfe Allahs für ihn und die Erhöhung SEINER Religion über alle Religionen.

Die Stürme des Hasses ließen ihn nicht wanken. Er verbrachte im Gegenteil ein Jahr in Mekka, ohne sich darüber Sorgen zu machen, dass sein Geld und das Khadidschas schwinden würden. Die Begrenztheit seiner Mittel schwächte ihn nicht. Er richtete seinen Geist ausschließlich auf den Sieg, den Allah ihm schenken würde - daran hatte er keinen Zweifel.



Wenn die Wallfahrtszeit kam, und sich Menschen von der ganzen Halbinsel in Mekka versammelten trat er vor die Stämme und rief sie zu der Wahrheit auf, die er brachte, ohne sich darum zu kümmern, dass diese Stämme Abneigung gegen seinen Aufruf und gegen ihn zeigen bzw. ihn auf unschöne Weise abweisen würden.

Die Unbelehrbaren der Quraisch fingen mit ihm Streit an, als er den Menschen die Botschaft seines Herrn verkündete, und sie beleidigten ihn in bösartiger Weise; doch ihre Schlechtigkeiten änderten an seiner Gelassenheit und Gewissheit im Hinblick auf die Zukunft nichts. Allah, der Herr der Herrlichkeit, hatte ihn mit der Wahrheit entsandt, also würde ER ohne Zweifel dieser Wahrheit zum Sieg verhelfen und ihm beistehen.

ER hatte ihm bereits geoffenbart, er solle mit den Menschen über das diskutieren, was das Beste ist, „und da ist der, zwischen dem und dir Feindschaft war, als sei er ein vertrauter Freund.“ (41:34) Er solle auf freundliche Weise mit ihnen reden, auf dass sie gedenken oder gottesfürchtig würden. So wollte er ihre Angriffe geduldig hinnehmen, denn Allah ist mit den Geduldigen.

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Erste Anzeichen des Erfolgs in Jathrib

Muhammad musste nur einige wenige Jahre warten, bis sich am Horizont die ersten Anzeichen des Erfolgs zeigten, dessen Vorboten von Jathrib her kamen. Muhammads Verbindung zu Jathrib war keine Handels-, sondern eine Verwandtschaftsbeziehung. Außerdem gab es dort ein Grab, das seine Mutter vor ihrem Tod jedes Jahr einmal besucht hatte. Seine Verwandten in Jathrib waren die Banū An Naddschar, Onkel seines Großvaters Abdul Muttalib. Bei dem genannten Grab handelte es sich um das Grab seines Vaters Abdullah Ibn Abdul Muttalib. Zu diesem Grab zog Amina, die treue Gattin, und zog Abdul Muttalib, der Vater, der seinen Sohn in der Blüte seiner Jugend verloren hatte.

Muhammad hatte seine Mutter in seinem sechsten Lebensjahr bereits nach Jathrib begleitet und mit ihr das Grab seines Vaters besucht. Doch Amina erkrankte auf der Rückreise und starb und wurde in al-Abwa auf halbem Weg zwischen Jathrib und Mekka begraben. Es war somit kein Wunder, dass die ersten Anzeichen des Erfolges für Muhammad aus einer Stadt kamen, mit der er diese Verbindung hatte und in deren Richtung er sich zu wenden pflegte, wenn er betete, indem er die al-Aqsa-Moschee in Jerusalem, den Ort seiner Vorgänger Moses und Jesus, zu seiner Gebetsrichtung machte. Und es war kein Wunder, dass die göttliche Vorsehung für Jathrib dieses Geschick vorbereitete, auf dass die Hilfe für Muhammad und der Sieg und die Ausbreitung des Islam dort ihre Vollendung finden sollten.

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Aws, Hazradsch und die Juden

Die göttliche Vorsehung bereitete für Jathrib dieses Geschick, das sie keiner anderen Stadt je bereitete. Die Stämme Aws und Hazradsch - beide Götzenanbeter in Jathrib - lebten dort in der Nachbarschaft von Jathribs Juden, und ihre Nachbarschaft wurde von Hass und Kampf bestimmt: Die Geschichte überliefert, dass die Christen in Asch Scham zum oströmischen Reich gehörten und die Juden wegen deren Überzeugung hassten, sie seien es, die den Messias gekreuzigt und misshandelt hätten. Jene Christen überfielen Jathrib, um die dortigen Juden zu töten. Als sie sie nicht besiegen konnten, baten sie Aws und Hazradsch um Hilfe, um sie ins Verderben zu locken; daraufhin töteten sie eine nicht geringe Zahl von ihnen. Die Juden büßten ihre bisherige Vormachtstellung ein, und die Araber von Aws und Hazradsch gelangten in eine Position, die nicht mehr die der Dienstleistenden war, auf die sie zuvor beschränkt waren.

Die Araber versuchten ein weiteres Mal, die Juden anzugreifen, um in der an Landwirtschaft und Wasser reichen Stadt an Macht zu gewinnen. Mit ihrem Plan hatten sie zum Teil auch Erfolg. Nun begriffen die Juden, dass sie von ihnen hintergangen worden waren. Seitdem herrschten gegenseitig Feindschaft und Hass zwischen den Juden und den Aws und Hazradsch in Jathrib.

Doch wie sollten die Anhänger Mose den Kampf erwidern, wenn Aws und Hazradsch bei ihren arabischen Religionsbrüdern Hilfe gegen das Volk der Schrift fänden, was sie selbst in den Untergang stürzen würde. So verfolgten sie in ihrer Politik einen anderen Kurs als den Sieg auf dem Schlachtfeld: Sie griffen auf die Politik des Hinterhalts und der Spaltung zurück, indem sie sich zwischen Aws und Hazradsch stellten und Feindschaft und Hass zwischen ihnen hervorriefen. Und damit jede Seite in beständige Bereitschaft zum Mord und Kampf versetzten. Auf diese Weise waren die Juden vor ihrer Feindschaft sicher. Ihr Handel und Reichtum nahmen zu, und sie erlangten zurück, was sie an Herrschaft und an Haus- und Grundbesitz verloren hatten.

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Die geistige Auswirkung der Nachbarschaft der Juden

Die Nachbarschaft der Juden zu den Arabern in Jathrib hatte neben diesem Kampf um Herrschaft und Macht eine andere, tiefere Auswirkung auf Aws und Hazradsch als auf die übrigen Bewohner der arabischen Halbinsel. Es war die geistige Auswirkung. Die Juden, ein Schriftvolk und zum monotheistischen Glauben rufend, hatten ihre heidnischen Nachbarn dafür getadelt, dass sie Götzen als Mittler zu Allah nahmen. Sie hatten sie vor der Entsendung eines Propheten gewarnt, der ihnen ein Ende setzen und für die Juden Partei ergreifen würde. Dies führte aber dennoch aus zwei Gründen nicht zur Judaisierung der Araber:

Erstens begehrten die Juden von Jathrib wegen des Krieges zwischen Christentum und Judentum nichts mehr als den Frieden, der ihnen das Wachstum ihres Handels versprach. Und zweitens hielten sich die Juden für das auserwählte Volk Allahs und gestanden diesen Rang keinem anderen Volk zu. Deshalb riefen sie nicht zu ihrer Religion auf und wollten nicht zulassen, dass sie sich über die Kinder Israels hinaus erstreckte.

Trotz dieser beiden Gründe bewirkten die Nachbarschafts- und Handelsbeziehungen zwischen den Juden und den Arabern, dass die Aws und Hazradsch von Jathrib mehr als die anderen Araber den Gesprächen über geistige und übrige Religionsangelegenheiten zuhörten. Dies gibt einen Hinweis darauf, warum die Araber nicht gleichermaßen auf den geistigen Ruf Muhammads antworteten wie die Bewohner Jathribs.

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Suwaid Ibn As Samit

Suwaid Ibn As Samit war einer der Vornehmsten von Jathrib, und sein Volk nannte ihn wegen seiner Ausdauer, Dichtkunst, Würde und Abstammung den „Vollkommenen“. In diesem Zeitraum, über den wir berichten, kam Suwaid als Pilger nach Mekka. Muhammad wandte sich an ihn und lud ihn zu Allah und zum Islam ein. Da sagte Suwaid zu ihm: “Vielleicht ist das, was du hast, gleich dem, was ich habe!“ Muhammad sagte: “Was ist das, was du hast?“ Er antwortete: “Die Weisheit Luqmans.“ Da bat ihn Muhammad, sie ihm zu unterbreiten, was er auch tat. Da sagte Muhammad: “Wahrlich, diese Rede ist gut, aber das, was ich habe, ist besser. Es ist der Qur’ān, den Allah mir als Rechtleitung und Licht geoffenbart hat.“ Und er trug ihm den Qur’ān vor und rief ihn zum Islam auf.

Was er hörte, gefiel Suwaid, und er sagte: “Das ist gut.“ Er ging und dachte darüber nach. Manche sagen, als die Hazradsch ihn töteten, sei er tatsächlich als Muslim gestorben.

Suwaid Ibn As Samit ist nicht das einzige Beispiel, das auf die geistige Auswirkung der Nachbarschaft zwischen den Juden und den Arabern in Jathrib hinweist. Zwischen Aws und Hazradsch herrschte Feindschaft, die, wie wir wissen, die Juden entfacht hatten, und jeder von ihnen suchte Araberstämme als Bündnispartner, um den anderen zu bekämpfen.

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Ijas Ibn Muadh

So geschah es, dass Abu al-Haisar Anas Ibn Rafi auf der Suche nach einem Bündnis mit den Quraisch gegen die Hazradsch mit Jugendlichen der Banū Abd al-Aschal nach Mekka kam, unter ihnen Ijas Ibn Muadh. Muhammad hörte von ihnen, ging und setzte sich zu ihnen, lud sie zum Islam ein und trug ihnen den Qur’ān vor. Ijas Ibn Muadh, der noch ein junger Bursche war, sagte: “O meine Leute! Das ist bei Allah besser als das, weswegen ihr gekommen seid.“

Die Leute kehrten nach Jathrib zurück, ohne dass außer Ijas jemand von ihnen Muslim geworden war. Denn sie waren zu sehr mit der Bündnissuche beschäftigt, um die Schlacht von Buath vorzubereiten, die sowohl Aws als auch Hazradsch unter schweren Beschuss geraten ließ, kurz nachdem Abu al-Haisar und die, die mit ihm waren, aus Mekka zurückgekehrt waren. Die Worte Muhammads hinterließen bei ihnen nach dieser Schlacht jedoch eine Wirkung, die Aws und Hazradsch veranlasste, in Muhammad einen Propheten, Gesandten, Verbündeten und Führer zu sehen.

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Die Schlacht von Buath

Die Schlacht von Buath fand kurz nach der Rückkehr von Abu al-Haisar und denen, die mit ihm waren, nach Jathrib, statt. Aws und Hazradsch stritten darin in einem heftigen Kampf, den tief verwurzelte Feindschaft bestimmte; so dass sich sogar jeder Stamm fragte, ob sie im Falle eines Sieges ihre Gefährten schonen oder ausrotten sollten. Abu Usaid Hudair war der Anführer der Reiterabteilungen von Aws, und er war mit äußerst heftigem Hass gegen Hazradsch erfüllt. Als der Kampf begann, wandte sich das Geschick gegen Aws, und sie wandten sich fluchtartig nach Nadschd, woraufhin Hazradsch sie als Feiglinge hinstellten. Als Hudair ihre Äußerungen hörte, stach er mit der Spitze seines Speeres in seinen Oberschenkel, fiel vom Reittier und schrie: “Wehe mir! Bei Allah, ich rühre mich nicht von dieser Stelle, bis ich getötet werde! Wenn ihr mich im Stich lassen wollt, o ihr von Aws, dann tut es!“

Da nahmen die Aws den Kampf wieder auf, und der Schmerz über das, was sie getroffen hatte, ließ sie furchtlos der Todesgefahr trotzen und Hazradsch eine üble Niederlage zufügen. Aws verwüsteten die Häuser und Palmenplantagen der Hazradsch, bis Sad Ibn Muadh al-Aschhali ihnen beistand. Hudair wollte bei den Hazradsch Palast um Palast sowie Haus um Haus zerstören und sie töten und vernichten, bis nichts mehr von ihnen übrig bliebe. Wenn ihn nicht Abu Kais Ibn al-Asiat im Dienste der Aufrechterhaltung ihrer Religion gehindert hätte: “Ihre Nachbarschaft ist besser als die der Füchse.“

Die Juden erlangten nach diesem Tag ihre Stellung in Jathrib wieder. Die Sieger von Aws wie die Besiegten Hazradsch sahen, was sie Schlechtes angerichtet hatten. Sie dachten über die Folgen dieser ihrer Lage nach und strebten nach der Ernennung eines Königs über sie. Aufgrund seiner Stellung und seiner vorzüglichen Ansichten wählten sie deshalb Abdullah Ibn Muhammad von den besiegten Hazradsch. Jedoch entwickelte sich die Lage schnell anders, als sie wollten, da eine Gruppe der Hazradsch zur Wallfahrtszeit nach Mekka zog und Muhammad diese traf und sie über ihre Angelegenheiten befragte, wohl wissend, dass sie mit den Juden in Verbindung standen.

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Beginn des Islam in Jathrib

Die Juden in Jathrib pflegten ihnen, wenn sie sich mit ihnen zerstritten, zu sagen: “Ein Prophet wird entsandt werden, und seine Zeit ist bereits gekommen. Wir werden ihm folgen, und zusammen mit ihm werden wir euch töten wie früher die Stämme Ad und Iram.“

Als also der Prophet zu dieser Gruppe sprach und sie zu Allah einlud, schauten sie einander an und sagten: “Bei Allah, er ist der Prophet, mit dem euch die Juden gedroht haben, lasst sie euch also nicht bei ihm zuvorkommen...“ Sie nahmen Muhammads Einladung an, wurden Muslime und sagten zu ihm: “Wir haben eben erst unser Volk - nämlich Aws und Hazradsch - verlassen, und es gibt kein Volk, unter dem mehr Feindschaft und Schlechtigkeit herrscht als unter ihnen. Vielleicht bringt sie Allah durch dich zusammen. Wenn ER sie unter deiner Führung vereint, dann gibt es keinen mächtigeren Mann als dich.“

Diese Gruppe kehrte dann nach Medina zurück. Unter ihnen waren zwei von den Banū An Naddschar, den Onkeln Abdul Muttalibs, des Großvaters von Muhammad, der ihn seit seiner Geburt in seine Obhut genommen hatte. Sie erzählten ihren Leuten, dass sie Muslime geworden waren, und da fanden sie erfreute Herzen und Seelen, die sich nach einer Religion sehnten, die sie wie die Juden zu Monotheisten machte, ja besser noch als diese. Es gab kein Haus bei den Aws und Hazradsch, in dem nicht der Name Muhammad genannt wurde.

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Das erste Abkommen von Akaba

Als ein Jahr verstrichen war und die heiligen Monate und die Zeit der Wallfahrt wiederkehrten, kamen zur Pilgerzeit zwölf Männer von den Bewohnern Jathribs und trafen sich mit dem Propheten bei Akaba. Sie schlossen “das erste Abkommen von Akaba“: Sie gelobten ihm, dass keiner von ihnen Allah etwas beigesellen, nicht stehlen und nicht Ehebruch begehen, seine Kinder nicht töten und nicht mit einer von ihm willentlich ersonnenen Verleumdung daherkommen sowie in dem, was von Allah als Recht festgesetzt worden ist, nicht ungehorsam sein werde.

Sollte er dies einhalten, so gehörte ihm das Paradies; sollte er davon etwas missachten, so oblag sein Fall Allah - wenn ER wollte, würde ER ihn bestrafen, und wenn ER wollte, würde ER vergeben.

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Mus’ab Ibn Umair

Muhammad schickte Mus’ab Ibn Umair mit ihnen, damit er ihnen den Qur’ān verlese, den Islam lehre und sie im Glauben unterweise. Nach diesem Abkommen verbreitete sich der Islam in Jathrib immer mehr. Mus’ab lebte unter den Muslimen von Aws und Hazradsch, lehrte sie ihre Religion und sah erfreut das Anwachsen der Helfer für die Sache Allahs und das Wort der Wahrheit. Als die Wiederkehr der heiligen Monate erneut bevorstand, begab er sich nach Mekka und erzählte Muhammad von den Muslimen in Medina und ihrem Einfluss und ihrer Stärke, und dass sie zur Wallfahrtszeit in diesem neuen Jahr in größerer Zahl und festerem Glauben an Allah nach Mekka kommen würden.

Die Nachrichten Mus’abs ließen Muhammad lange über die Sache nachdenken. Diese seine Anhänger in Jathrib wurden tagtäglich zahlreicher und mächtiger, ohne seitens der Juden und der Polytheisten Nachstellungen ausgesetzt zu sein wie es ihre Glaubensbrüder in Mekka seitens der Quraisch waren. Dort in Jathrib gab es zudem mehr Wohlstand als in Mekka sowie Kornfelder und Palm- und Weingärten. Wäre es nicht besser, wenn die mekkanischen Muslime zu ihren dortigen Brüdern auswanderten, um bei ihnen Schutz zu finden und vor der Anfechtung ihrer Religion durch die Quraisch sicher zu sein!

Muhammad gedachte jener Gruppe aus Jathrib, die als erste den Islam angenommen und ihm erzählt hatte, welche Feindschaft zwischen Aws und Hazradsch bestand und dass es keinen mächtigeren Mann gäbe als ihn, wenn Allah sie durch ihn zusammenbrächte. Wäre es nicht besser, nachdem Allah sie bereits durch ihn vereint hatte, dass auch er auswanderte! Er liebte es nicht, die Schlechtigkeiten der Quraisch zu erwidern; und er wusste, dass er schwächer war als sie.

Und dass die Banū Hāschim und die Banū al-Muttalib, die ihn zwar vor den Demütigungen gegen ihn schützten, ihm bei einem Angriff nicht helfen noch seine Anhänger vor dem feindseligen Vorgehen der Quraisch bewahren würden.

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Muhammads Gedanke an Auswanderung

Wenn auch der Glaube der stärkste Rückhalt ist, der uns alles andere vergessen und seinetwegen gerne Geld, Bequemlichkeit, Freiheit und Leben opfern lässt, und wenn auch Peinigungen es mit sich bringen, dass sie den Glauben geradezu stärken, so halten andauernde Nachstellungen und ständige Opfer den Gläubigen doch von genauen Betrachtungen ab. Betrachtungen, die seinen Horizont erweitern und sein Verständnis für die Wahrheit stärken und vertiefen.

Muhammad hatte diejenigen, die ihm folgten, bereits zuvor angewiesen, ins christliche Abessinien auszuwandern, da es ein Land der Aufrichtigkeit sei und in ihm ein König herrsche, der niemanden ungerecht behandele. Umso naheliegender war es für die Muslime, nach Jathrib auszuwandern, um durch ihre dort lebenden muslimischen Gefährten an Stärke zu gewinnen und sich so gemeinsam gegen sie möglicherweise treffendes Übel zu verteidigen. Um so die Freiheit zur Besinnung auf ihre Religion zu erlangen und diese offen kundzutun, was ihr Ansehen heben und den Erfolg ihres Aufrufs zum Islam gewährleisten würde. Eines Aufrufs, der keinen Zwang kennt; dessen Grundlagen vielmehr Zuvorkommenheit, Überzeugung und Diskussionen mit besseren Argumenten sind.

Die Pilger aus Jathrib waren in diesem Jahr - 622 n. Chr. - in der Tat zahlreich. Unter ihnen befanden sich 75 Muslime, 73 Männer und zwei Frauen. Als Muhammad von ihrer Ankunft erfuhr, dachte er an ein zweites Abkommen. Das sollte aber nicht bei der Einladung zum Islam in der Art und Weise verbleiben, wie er dreizehn aufeinanderfolgende Jahre stets mit Freundlichkeit und Sanftmut zusammen mit dem Ertragen der verschiedensten Opfer und Schmerzen dazu eingeladen hatte. Es sollte darüber hinausgehen und ein Bündnis sein, durch das diese Muslime Schaden mit Schaden und die Feindschaft mit Feindschaft erwidern könnten.

Muhammad nahm heimlich mit ihren Anführern Verbindung auf und erfuhr von ihren guten Vorbereitungen. Da verabredete er mit ihnen, sich mit ihm bei Akaba mitten in der Nacht des zweiten Opfertages zu treffen. Die Muslime aus Jathrib hielten ihre Abmachung vor den Polytheisten, die mit ihnen waren, geheim. Sie warteten, bis ein Drittel von der Nacht ihres Treffens mit dem Propheten vergangen war und verließen ihr Lager, sich heimlich wie Flughühner davonstehlend und sich aus Angst, ihr Geheimnis werde entdeckt, verbergend. Bei Akaba erklommen sie - und die beiden Frauen mit ihnen - den Bergpass, wo sie auf die Ankunft des Übermittlers der Offenbarung warteten.

 

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Das zweite Abkommen von Akaba

Muhammad traf ein und mit ihm sein Onkel Abbas Ibn Abdul Muttalib, der sich noch zur Religion seines Volkes bekannte. Er wusste aber schon vorher von seinem Neffen, dass die Angelegenheit ein Bündnis beinhalte und dass sie eventuell zum Krieg führen würde. Er dachte daran, dass er bereits einen Bund mit denen von den Banū al-Muttalib und den Banū Hāschim, die darin übereingekommen waren, geschlossen hatte, Muhammad zu schützen. So wollte er sich für seinen Neffen und seine Leute vergewissern, dass es keine Katastrophe geben werde, die die Banū Hāschim und Banū al-Muttalib in die Flammen eines Kriegsfeuers stürzen würde. Und sie dann seitens dieser Leute aus Jathrib keine Hilfe finden würden. Deshalb war es Abbas, der als erster sprach: “O ihr Hazradsch! Muhammads Stellung unter uns ist euch bekannt, und wir haben ihn sogar vor unserem eigenen Volk, das die gleiche Meinung über ihn hat wie wir, geschützt. Er genießt Ansehen unter seinen Leuten und Schutz in seiner Stadt.

Doch er wollte unbedingt zu euch gehören. Wenn ihr denkt, dass ihr ihm gegenüber einhalten könnt, was ihr ihm versprochen habt, und ihn vor seinen Widersachern schützen könnt, so ist es an euch, was ihr davon auf euch nehmt. Wenn ihr ihn aber nach seinem Aufbruch zu euch verratet und ihn im Stich lassen wollt, so verlasst ihn gleich.“

Die Leute von Jathrib erwiderten auf die Rede von Abbas: “Wir haben gehört, was du sagtest. Sprich also, o Gesandter Allahs, und nimm für dich und deinen Herrn, was du willst.“

Da antwortete Muhammad, nachdem er vom Qur’ān rezitiert und Interesse für den Islam geweckt hatte: “Ich schließe mit euch ein Abkommen, dass ihr mich vor dem schützt, wovor ihr auch eure Frauen und Kinder schützt.“

Al Bara Ibn Marur war der Oberste und Älteste von Akaba und bereits nach dem ersten Abkommen von Akaba Muslim geworden und befolgte alle Pflichten des Islam, außer dass er die Kaaba zur Gebetsrichtung nahm - während Muhammad und all die Muslime damals noch die al-Aqsa-Moschee in Jerusalem als Gebetsrichtung hatten. Als er und sein Volk sich stritten und die Sache dem Propheten bei ihrem ersten Eintreffen in Mekka zur Entscheidung vorlegten, brachte Muhammad al-Bara davon ab, die Kaaba zur Gebetsrichtung zu nehmen. Als Muhammad nun die Muslime aus Jathrib bat, ihn vor dem zu schützen, wovor sie auch ihre Frauen und Kinder schützten, streckte al-Bara seine Hand aus, um ihm die Treue zu geloben, und sagte: “Wir geloben dir Treue, o Gesandter Allahs! Wir sind bei Allah kriegserfahren und Leute des Schwertes, welches wir von unseren Ahnen erbten.“

 

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Wortwechsel vor dem Treuegelöbnis

Abu al-Haitam At Taijihan hatte Einwände erhoben, bevor al-Bara seine Rede vollendet hatte, indem er sagte: “O Gesandter Allahs, zwischen uns und den Männern - d.h. den Juden - gibt es Verträge. Wir werden sie nun brechen. Könnte es möglich sein, dass du, wenn wir das getan haben und Allah dir den Sieg verliehen hat, zu deinem Volk zurückkehrst und uns im Stich lässt?!“ Da lächelte er und sagte: “Keineswegs! Blut ist Blut und Blutvergießen ist Blutvergießen“[1] Ihr gehört zu mir, und ich gehöre zu euch. Ich bekämpfe, wen ihr bekämpft, und schließe Frieden, mit wem ihr Frieden schließt.“

Die Leute wollten gerade die Treue geloben, da hielt sie Abbas Ibn Ubada zurück, indem er sagte: “O ihr Hazradsch! Wisst ihr genau, worüber ihr mit diesem Mann ein Abkommen schließt? Ihr schließt mit ihm ein Abkommen über den Krieg mit den verschiedensten Menschen. Wenn ihr denkt, dass ihr, falls eure Reichtümer durch ein Unglück und eure Edlen im Kampf dahingerafft werden, ihn ausliefern würdet, dann verlasst ihn jetzt. Bei Allah, wenn ihr das tut, ist es eine Schmach im Diesseits und im Jenseits. Und wenn ihr denkt, dass ihr ihm gegenüber halten könnt, was ihr ihm versprecht, trotz Verlust der Reichtümer und Tötung der Edelleute, dann nehmt ihn auf. Und das ist bei Allah das Beste im Diesseits und im Jenseits.“

Seine Leute antworteten ihm: “Wir nehmen ihn trotz finanziellen Unglücks und Tötung der Edlen auf. Was wird uns dann zuteil, o Gesandter Allahs, wenn wir das einhalten?“ Muhammad antwortete ihnen ruhig: “Das Paradies.“ Sie streckten ihm ihre Hände entgegen, er streckte seine Hand aus, und sie gaben ihm das Versprechen.

Als sie das Abkommen abgeschlossen hatten, sagte der Prophet zu ihnen: “Sucht mir unter euch zwölf führende Personen aus, die Bürgen für ihre Leute sind.“ Da wählten die Leute neun von Hazradsch und drei von Aws. Der Prophet sagte zu diesen Führern: “Ihr seid die Bürgen für eure Leute entsprechend der Bürgschaft der Jünger gegenüber Jesus, dem Sohn der Maria, und ich bin Bürge für meine Leute.“ Dieses ihr zweites Abkommen bestand darin, dass sie sagten: “Wir versprechen, im Schweren und im Leichten sowie im Angenehmen und Unangenehmen zu hören und zu gehorchen und die Wahrheit zu sagen, wo immer wir sind, ohne um Allahs willen den Vorwurf eines Anklägers zu fürchten.“

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Das Abkommen

All das wurde mitten in der Nacht auf dem Hügel von Akaba in Abgeschiedenheit von den Menschen und dem Volk im Vertrauen darauf, dass niemand außer Allah sie beobachtete, vollzogen. Sie hatten es jedoch kaum vollendet, als sie eine Stimme hörten, die den Quraisch zurief: “Muhammad und die Abtrünnigen haben sich zum Krieg gegen euch versammelt.“ Es handelte sich um einen Mann, der für eine Besorgung ausgezogen war, und dem von dem Abkommen der Leute ein wenig zu Ohren gekommen war.

Er wollte ihre Planung zunichte machen und bei ihnen Angst wecken, dass ihr Geheimnis bekannt geworden sei. Hazradsch und Aws standen jedoch zu ihrem Abkommen, so dass Abbas Ibn Ubada sogar zu Muhammad sagte, als er diesen Spion hörte: “Bei Allah, DER dich mit der Wahrheit sandte, wenn du willst, ziehen wir morgen unsere Schwerter gegen die Bewohner von Mina!“ Muhammads Antwort war: “Das ist uns nicht befohlen worden, kehrt stattdessen in euer Lager zurück.“ Da kehrten sie zu ihren Schlafstätten zurück und schliefen, bis der Morgen sie weckte.

 

 

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Die Quraisch und das Abkommen von Akaba

Der Morgen war jedoch kaum angebrochen, als den Quraisch die Kunde von diesem Abkommen zugetragen wurde. Sie wurden beunruhigt, und ihre Oberen suchten Hazradsch frühmorgens in ihrem Lager auf und sagten zu ihnen, dass sie keinen Krieg mit ihnen wollten; was ihnen also einfiele, sich mit Muhammad zum Kampf gegen sie zu verbünden! Die Polytheisten von Hazradsch begannen bei Allah zu schwören, dass nie derartiges geschehen sei. Die Muslime ihrerseits bewahrten Stillschweigen, als sie sahen, dass die Quraisch geneigt waren, ihren Religionsbrüdern zu glauben. Die Quraisch kehrten zurück, ohne dass die Nachricht bestätigt oder dementiert worden wäre, und ließen ihre Überprüfung auf sich beruhen in der Hoffnung, der wahre Sachverhalt würde sich zeigen.

Die Leute aus Jathrib brachen ihr Lager ab und kehrten geradewegs in ihre Stadt zurück, bevor die Quraisch über das Geschehene Gewissheit hatten. Als diese erfuhren, dass die Nachricht stimmte, und auszogen, die Leute von Jathrib zu verfolgen, trafen sie bis auf Sad Ibn Ubada niemanden von ihnen an. Sie brachten ihn nach Mekka zurück und misshandelten ihn, bis Dschubair Ibn Mutim Ibn Adi und al-Harit Ibn Umayya ihn in Schutz nahmen. Denn er war ihr Bediensteter, wenn sie durch Jathrib kamen, um Handel in Asch Scham zu treiben.

Die Quraisch übertrieben kein bisschen mit ihrer Angst und Verfolgung derjenigen, die mit Muhammad ein Abkommen zu ihrer Bekämpfung geschlossen hatten. Sie kannten ihn nun schon ununterbrochen dreizehn Jahre lang seit dem Beginn seiner Prophetenschaft, und sie hatten viele Anstrengungen zu einem kalten Krieg unternommen und erkannten die gegenseitigen Bemühungen und den für beide Seiten resultierenden Schaden. Sie kannten diesen durch Allah gestärkten Mann, der an der Botschaft der Wahrheit festhielt. Der weder nachgibt noch sich verstellt und dabei weder Schaden noch Schlechtigkeit noch Tod fürchtet.

Die Quraisch glaubten, dass sie - nachdem sie über ihn und seine Anhänger verschiedenartigsten Schaden gebracht und ihn dann in der Schlucht belagert und den Mekkanern insgesamt Schrecken eingejagt hatten, was sie davon abhielt, ihm zu folgen - nahe daran waren, ihn zu überwältigen sowie sein Wirken auf den engen Kreis der Anhänger zu beschränken, die an seiner Religion festhielten, und dass er und seine Anhänger bald erschöpft sein und gehorsam unter ihre Herrschaft zurückkehren würden.

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Die für beide Seiten gespannte Lage

In Anbetracht des neuen Bündnisses hatte sich nun vor Muhammad und seinen Anhängern eine Tür der Hoffnung auf den Sieg aufgetan. Oder wenigstens eine Tür der Hoffnung auf die Freiheit des Aufrufs zu ihrem Glauben und der Schmähung der Götzen und ihrer Verehrer. Wer konnte schon die Lage des Volkes später auf der gesamten arabischen Halbinsel voraussehen! Jathrib stand ihnen durch seine Stämme Aus und Hazradsch bei, gab ihnen Sicherheit vor Feindschaft und gewährte ihnen Freiheit, die Pflichten ihrer Religion aufrechtzuerhalten und andere einzuladen, sich ihnen anzuschließen! Sollten die Quraisch dieser Bewegung nicht von Anfang an Einhalt gebieten können, so würde die Angst vor der Zukunft nicht aufhören, sie zu verfolgen.

Muhammads Erfolg gegen sie würde fortwährend ihre Ruhe stören. Deshalb richteten sich die Gedanken darauf, wie sie Muhammads Vorhaben vereiteln und diese neue Bewegung vernichten konnten. Er seinerseits dachte nicht weniger nach als die Quraisch. Diese Türe, die Allah vor ihm aufgetan hatte, war schließlich die Türe der Macht für Allahs Religion und der Erhöhung für das Wort der Wahrheit. Die nun zwischen ihm und den Quraisch entbrannte Schlacht war heftiger als alles, was sich seit seiner Entsendung ereignet hatte. Es war für ihn wie für sie eine Schlacht auf Leben und Tod, und der Sieg gehörte ohne Zweifel den Wahrhaftigen.

Also musste er sich sammeln und Allah um Hilfe bitten, sollte der Plan der Quraisch auch niederträchtiger sein als alles, was vorausgegangen war. Er musste es wagen, aber mit Weisheit, Bedacht und Feingefühl! Die Lage erforderte die Klugheit eines Politikers und des sich auf Überlistung verstehenden Führers.

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Die Auswanderung der Muslime nach Jathrib

 Er wies seine Gefährten an, sich den Helfern in Jathrib anzuschließen. Sie sollten Mekka einzeln verlassen, damit sie nicht die Wut der Quraisch auf sich zögen. Die Muslime begannen, einzeln oder in kleinen Gruppen auszuwandern. Die Quraisch bemerkten dies jedoch und versuchten, nach Mekka zurückzubringen, wen sie zu fassen bekamen, und ihn dann von seiner Religion abzubringen oder zu peinigen und zu misshandeln. Sie gingen dabei so weit, dass sie Zwietracht zwischen Ehegatten säten, wenn die Frau von den Quraisch war, und sie nicht mit ihrem Mann weggehen ließen. Auch nahmen sie von denen, die ihnen nicht gehorchten, gefangen, wen sie konnten. Es waren ihnen jedoch dadurch Grenzen gesetzt, dass ein Bürgerkrieg zwischen den verschiedenen Stämmen aufkäme, sobald sie einen der Angehörigen dieser Stämme zu töten beabsichtigten.

Die Auswanderung der Muslime nach Jathrib setzte sich fort, doch Muhammad blieb, wo er war, und niemand wusste, ob er sich zum Bleiben oder Auswandern entschlossen hatte. Sie konnten das auch nicht wissen, da er seine Gefährten zuvor bereits zur Auswanderung nach Abessinien aufgerufen hatte und selbst in Mekka geblieben war und die übrige Bevölkerung zum Islam aufgerufen hatte. Endlich bat Abu Bakr ihn, nach Jathrib auswandern zu dürfen. Da sagte er zu ihm: “Tu es nicht, vielleicht gibt Allah dir einen Gefährten.“ Mehr fügte er nicht hinzu.

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Die Quraisch und die Auswanderung des Propheten

Die Quraisch rechneten jedoch überaus stark mit der Auswanderung des Propheten. Die Muslime waren in Jathrib bereits so zahlreich, dass sie beinahe die Mehrheit besaßen, und die Auswanderer aus Mekka schlössen sich ihnen an und stärkten sie: Sollte Muhammad, dessen Festigkeit, vortreffliche Einstellung und Weitsicht sie kannten, sich ihnen anschließen, fürchteten sie für sich selbst, dass die Bewohner Jathribs Mekka überfallen oder den Handelsweg nach Asch Scham abschneiden und sie aushungern würden. Genauso wie sie das Schriftstück über ihren Boykott niederlegten und sie zwangen, dreißig Monate in der Schlucht auszuharren.

Sollte Muhammad aber in Mekka bleiben, und sollten sie seine Auswanderung verhindern, so hatten sie mit ähnlichen Nachstellungen seitens der Bewohner Jathribs zu rechnen, die ihren Propheten und Allahs Gesandten verteidigen würden. Es blieb ihnen also nichts übrig, als ihn zu töten, um gänzlich vor dieser beständigen Sorge Ruhe zu haben. Wenn sie ihn jedoch töteten, würden die Banū Hāschim und Banū al-Muttalib Rache für sein Blut fordern, und ein Bürgerkrieg würde sich in Mekka ausbreiten, der verheerender für sie wäre als die Bedrohung aus Jathrib. Die Leute versammelten sich im Rathaus, um über all das und die Möglichkeit, es zu vermeiden, nachzudenken.

Ein Sprecher unter ihnen sagte: “Legt ihn in Ketten und sperrt ihn ein, dann wartet auf das, was Dichter seinesgleichen vor ihm heimsuchte, wie Zuhair, An Nabigha und wer sonst noch von ihnen dahinging, auf dass ihn treffe, was sie traf.“ Diese Ansicht fand jedoch kein Gehör.

Ein anderer Sprecher sagte: “Wir vertreiben ihn aus unserer Mitte und weisen ihn aus unserem Land und kümmern uns danach nicht mehr um ihn.“ Sie hatten jedoch Angst, dass er sich nach Medina begeben und ihnen das zuteil lassen würde, wovor sie sich fürchteten.

Sie gelangten schließlich dazu, aus jedem Stamm einen kräftigen Jüngling zu wählen und jedem von ihnen ein schneidend scharfes Schwert zu geben, um ihn mit einem einzigen Schlag zu töten, damit sein Blut sich auf die Stämme verteilen würde. Dann könnten die Banū Abd Manaf sie nicht allesamt bekämpfen und wären mit dem Blutgeld für ihn zufrieden. Danach hätten die Quraisch Ruhe vor dem, was ihre Einheit zerbrach und ihre Stämme in Parteien spaltete.

Diese Ansicht gefiel ihnen, und sie fühlten sich sicher. Sie wählten ihre Jünglinge aus und brachten die Nacht in der Annahme zu, dass Muhammads Fall bereits erledigt sei und er und sein Ruf nach wenigen Tagen begraben sein würden. Dann würden jene, die nach Jathrib ausgewandert waren, zu ihrem Volk, ihrer Religion und ihren Göttern zurückkehren, womit für die Quraisch und Arabien auch die Einheit, die auseinandergebrochen war, wiederhergestellt und ihre beinahe verlorengegangene Stellung zurückgewonnen wäre.

 

 


[1]  Der Autor des arabischen Textes erläutert in einer Fußnote, dass dieser Satz im arabischen Sprachgebrauch wie folgt zu verstehen ist: “Euer Blut ist mein Blut, und wer eures vergießt, vergießt das meine.“

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