D Das Leben des Propheten

Vo Islam

13. Die ersten Expeditionstrupps und Gefechte

 


  1. Die muslimische Politik in Medina
  2. Die beiden ersten Expeditionstrupps
  3. Auszug des Propheten selbst
  4. Meinung der Historiker über die ersten Feldzüge
  5. Unsere Ansicht über den Zweck der Expeditionstrupps
  6. Gefährdung des Handels der Kuraisch
  7. Al Ansar und der Angriffskrieg
  8. Die Natur der Einwohner Medinas
  9. Die Einschüchterung der Juden
  10. Die Intrigen der Juden
  11. Der Islam und das Kämpfen
  12. Der Expeditionstrupp von Abdullah Ibn Dschahsch
  13. Versuchung ist schwerwiegender als Tötung
  14. Der Qur´aan und das Kämpfen
  15. Der Kampf um Allahs (t.) willen
  16. Der Mensch und sein Glaube
  17. Das Christentum und das Kämpfen
  18. Die Heiligen im Islam und im Christentum
  19. Der Islam, die angeborene Religion
  20. Der große Kriegszug von Badr
  21. Abu Sufjans Handel
  22. Der Aufbruch der Muslime nach Badr
  23. Der Gesandte Abu Sufjans zu den Kuraisch
  24. Die Fehde der Kuraisch und Kinana
  25. Auszug des muslimischen Heers
  26. Auszug der Kuraisch aus Mekka
  27. Die Ansar
  28. Überprüfung der Nachrichten
  29. Das Entkommen Abu Sufjans und die Rettung seiner Karawane
  30. Kommt es zum Kampf ?
  31. Das Lager der Muslime bei Badr
  32. Bau einer Laubhütte für den Propheten
  33. Der aufrichtige Glaube der Muslime
  34. Hamza tötet Ibn Abd Al Asad
  35. Das Zusammentreffen der beiden Heere
  36. Muhammads (s.a.s.) Bittgebet und Flehen
  37. Die moralische Kraft
  38. Muhammads (s.a.s.) Ermunterung der Gläubigen
  39. Bilal tötet Umaija Ibn Chalaf
  40. Muhammad (s.a.s.) inmitten des Getümmels
  41. Die Leute des Grabens
  42. Meinungsverschiedenheiten der Muslime über die Beute
  43. Muhammads (s.a.s.) gleichmäßiges Verteilen unter den Muslimen
  44. Tötung zweier Gefangener
  45. Siegesnachricht in Medina
  46. Die Juden und die Polytheisten in Medina
  47. Die Gefangenen von Badr
  48. Abu Bakrs und Umars Meinungen über die Gefangenen
  49. Der Prophet spricht zu den Muslimen über die Gefangenen
  50. Die Diskussionen der Orientalisten
  51. Die Revolution gegen das Götzentum
  52. Das Blutbad von St. Bartholomäus
  53. Der Vorbote nach Mekka
  54. Der Tod Abu Lahabs
  55. Die Auslösung der Gefangenen
  56. Die Auslösung von Abu AI As Ibn Ar Rabi und seine Annahme des Islam
  57. Die Kuraisch betrauern ihre Gefallenen
  58. Hind und Abu Sufjan

 

Die muslimische Politik in Medina

Einige Monate nach der Auswanderung hatten sich die Muslime in Medina fest niedergelassen, als die Sehnsucht der Muhadschirun nach Mekka stärker zu werden begann. Sie fingen an, darüber nachzudenken, wen und was sie zurückgelassen und was die Kuraisch ihnen an Peinigungen zugefügt hatten. Was sollten sie nun tun? Die Mehrheit der Historiker behauptet, dass sie - Muhammad (s.a.s.) ihnen voran - daran dachten, sich an den Kuraisch zu rächen und ihnen Feindschaft und Krieg zu erklären. Einige andere behaupten jedoch, sie hätten seit ihrer Ankunft in Medina an diesen Krieg gedacht, und lediglich das Beschäftigen mit dem Herrichten ihrer Wohnstätten und der Organisation ihres Lebensunterhaltes habe sie davon abgebracht, ihn zu entfachen.


Diese Gruppe von Historikern führt als Beweis an, Muhammad (s.a.s.) habe das große Abkommen von Akaba ja gerade geschlossen, um alle Menschen zu bekämpfen. Es sei natürlich, dass die Kuraisch die ersten waren, auf die er und seine Gefährten sich konzentrieren würden. Denn die Kuraisch waren ja, als sie sich am Morgen von Akaba darüber klar wurden, bestürzt ausgezogen, um Al Aus und Al Chazradsch darüber zu befragen.

 

Die beiden ersten Expeditionstrupps

Die genannten Historiker bekräftigen ihre Aussage mit einem Ereignis acht Monate nach der Niederlassung des Gesandten und der Muhadschirun in Medina. Damals schickte Muhammad (s.a.s.) seinen Onkel Hamza Ibn Abdul Muttalib mit dreißig Reitern von den Muhadschirun ohne die Ansar zur Meeresküste in Richtung Al Is, wo dieser auf Abu Dschahl Ibn Hischam mit dreihundert mekkanischen Reitern traf. Hamza wäre zum Kampf gegen die Kuraisch bereit gewesen, hätte Madschdi Ibn Amr Al Dschuhani, der mit beiden Parteien gleichermaßen befreundet war, sie nicht getrennt.


Muhammad (s.a.s.) entsandte auch Ubaida Ibn Al Harith mit sechzig Reitern von den Muhadschirun ohne die Ansar. Sie zogen zu einem Brunnen im Hedschas im Tal Rabi, wo sie auf eine über zweihundert Mann starke Gruppe der Kuraisch mit Abu Sufjan an der Spitze trafen. Daraufhin zogen sie sich kampflos zurück. Es wird allerdings berichtet, dass Sad Ibn Abu Wakkas damals einen Pfeil abschoss, der dann "der erste im Islam abgeschossene Pfeil" war.
Einem Bericht zufolge entsandte Muhammad (s.a.s.) zudem Sad Ibn Abu Wakkas mit acht von den Muhadschirun; nach einem anderen Bericht waren es zwanzig. Sie zogen in das Gebiet des Hedschas und kehrten sodann zurück, ohne das zu erreichen, um dessentwillen sie ausgesandt worden waren.

 

Auszug des Propheten selbst

Die genannten Historiker erhärten ihren Beweis damit, dass der Prophet zu Beginn des zwölften Monats nach seiner Ankunft in Medina selbst auszog und Sad Ibn Ubada an die Spitze Medinas stellte. Er zog nach Al Abwa, bis er Wadan erreichte. Er war auf die Kuraisch und die Banu Damra aus, trat aber die Kuraisch nicht an, während die Banu Damra sich mit ihm verbündeten.

Einen Monat danach zog er an der Spitze von zweihundert Männern der Muhadschirun und Ansar nach Buwat aus. Er hatte es dabei auf eine von Umaija Ibn Chalaf angeführte Karawane, bestehend aus zweitausendfünfhundert Kamelen, die von einhundert Kriegern beschützt wurde, abgesehen. Er erreichte sie jedoch nicht, denn sie hatte einen anderen als den gewöhnlich benutzten Weg der Karawanen genommen.



Zwei oder drei Monate nach seiner Rückkehr von Buwat aus Richtung Radwa setzte er Abu Salama Ibn Abdul Asad über Medina ein und zog mit mehr als zweihundert Muslimen aus, bis er bei Al Uschaira im Tal von Janbu Halt machte und dort den Monat Dschumadal Ula und einige Tage des Monats Dschumadal Achira des zweiten Jahres nach der Hidschra (Oktober 623 n. Chr.) verbrachte. Er wartete auf das Vorbeikommen einer Karawane der Kuraisch mit Abu Sufjan an der Spitze, doch sie entging ihm. Auf diesem seinem Streifzug gewann er die Freundschaft der Banu Mudladsch und ihrer Verbündeten von den Banu Damra.

Nach seiner Rückkehr nach Medina hatte er dort nur zehn Tage verbracht, als Kurz Ibn Dschabir Al Fihri, der mit Mekka und den Kuraisch in Verbindung stand, einen Raubzug auf die Kamele Medinas unternahm und diese als Beute nahm. Hierauf zog der Prophet zu dessen Ergreifung aus und setzte Zaid Ibn Haritha als seinen Vertreter über Medina ein. Er führte seine Verfolgung fort, bis er ein Tal namens Safawan bei Badr erreichte; doch Kurz entkam ihm, und er holte ihn nicht ein. Dieses Ereignis nennen die Biographen "den ersten Kriegszug von Badr".

 

Meinung der Historiker über die ersten Feldzüge

Ist mit all dem nicht der Beweis dafür erbracht, dass die Muhadschirun - Muhammad (s.a.s.) ihnen voran - daran dachten, sich an den Kuraisch zu rächen und ihnen Feindschaft und Krieg zu erklären? Nach Ansicht jener Historiker zeigt es zumindest, dass sie mit der Entsendung ihrer Expeditionstrupps und diesen ihren Anfangsstreifzügen zwei Ziele verfolgten: Das erste war, die Karawanen der Kuraisch auf ihrer Sommerreise nach oder von Asch Scham anzugreifen und von ihren Handelsreichtümern mitzunehmen, was sie konnten.

Das zweite Ziel war, den Karawanen der Kuraisch auf ihrer Reise nach Asch Scham mittels Freundschafts- und Bündnisverträgen mit den zwischen Medina und dem Roten Meer liegenden Stämmen den Weg zu versperren. Dies würde den Muhadschirun den Überfall auf diese Karawanen erleichtern. Niemand von diesen Stämmen in der unmittelbaren Nachbarschaft würde die Karawanen vor Muhammad (s.a.s.) und seinen Gefährten beschützen und die Muslime hindern, ihre Männer und ihr Vermögen auf gekonnte Art in die Hände zu bekommen.

Die Expeditionstrupps, die der Prophet (s.a.s.) unter der militärischen Führung von Hamza, Ubaida Ibn Al Harith und Sad Ibn Abu Wakkas zusammenstellte, sowie die Bündnisse, die er mit den Banu Damra, den Banu Mudladsch und anderen schloss, bekräftigen die zweite Ansicht. Und sie beweisen, dass die Muslime unter anderem beabsichtigten, den Mekkanern den Weg nach Asch Scham zu versperren.

 

Unsere Ansicht über den Zweck der Expeditionstrupps

Dass sie mit diesen Expeditionstrupps, mit denen sie sechs Monate nach ihrer Niederlassung in Medina begonnen und an denen nur die Muhadschirun teilgenommen hatten, einen Krieg gegen die Kuraisch und den Überfall ihrer Karawanen beabsichtigt hätten, kann ein nachdenkender und überlegender Mensch kaum annehmen. Hamzas Expeditionstrupp umfasste nicht mehr als dreißig Männer von den Muhadschirun, Ubaidas Expeditionstrupp war nicht mehr als sechzig stark und der Trupp Sads überschritt einer Aussage zufolge nicht acht, einer anderen zufolge nicht zwanzig Personen.

Die mit dem Schutz der Karawanen der Kuraisch Beauftragten betrugen gewöhnlich ein Vielfaches dieser Zahlen, und die Kuraisch hatten sie an Zahl und Ausrüstung verstärkt, seit sich Muhammad (s.a.s.) in Medina niedergelassen und begonnen hatte, mit den dortigen Stämmen und denen in seiner Nähe Bündnisse zu schließen. Wie groß auch immer der Mut Hamzas, Ubaidas und Sads unter den Anführern der Expeditionstrupps der Muhadschirun war, die Ausrüstung ihrer Leute konnte diese nicht zum Krieg ermutigen, weshalb sie alle damit zufrieden waren, die Kuraisch einzuschüchtern, ohne sie zu bekämpfen - mit Ausnahme des erwähnten Pfeils, den Sad abgeschossen hatte.

 

Gefährdung des Handels der Kuraisch

Zwischen den Mekkanern, die die Karawanen der Kuraisch beschützten, und vielen der Muhadschirun bestanden zudem Verwandtschafts- und Blutsbande, und es war nicht leicht für sie, einander zu bekämpfen. Sie würden auf beiden Seiten das Verlangen nach Vergeltung hervorrufen und sowohl Mekka als auch Medina einem Bürgerkrieg aussetzen: vor dem sich die Muslime und die Götzendiener in Mekka dreizehn Jahre lang - vom Tag der Entsendung Muhammads (s.a.s.) bis zum Tag seiner Auswanderung - hüten konnten.

Die Muslime wussten, dass das Abkommen von Akaba ein Verteidigungsabkommen war, in dem Al Aus und Al Chazradsch verpflichtet wurden, Muhammad (s.a.s.) zu schützen, und weder sie noch irgendeiner von denen, die mit ihnen waren, waren auf einen Angriff aus. Unter Berücksichtigung all dessen fällt es nicht leicht, diesen Historikern, die die Geschichte des Propheten erst etwa zwei Jahrhunderte nach seinem Tod zu schreiben begannen, zuzustimmen, dass mit diesen ersten Trupps und Streifzügen in der Tat der Kampf beabsichtigt wurde. Es bedarf also einer einsichtigeren Erklärung, die mit der Politik der Muslime in jener ersten Zeitspanne ihrer Niederlassung in Medina eher in Einklang steht. Eine Erklärung, die auch mehr mit der Politik des Gesandten übereinstimmt, die damals auf der Grundlage des gegenseitigen Verständnisses und des Einklangs mit den verschiedenen Stämmen beruhte, um die Freiheit des religiösen Aufrufes auf der einen und die gute gegenseitige Beziehung und Nachbarschaft auf der anderen Seite zu gewährleisten.

Für mich ist es das Wahrscheinlichste, dass mit diesen ersten Expeditionstrupps nur beabsichtigt war, den Kuraisch zu verstehen zu geben, dass die Verständigung mit den Muslimen, die wegen der von ihnen erlittenen Verfolgungen zur Auswanderung aus Mekka genötigt worden waren, in ihrem eigenen Interesse lag. Eine solche Verständigung bewahrte beide Parteien vor dem Unheil der Feindschaft und des Hasses. Sie gewährleistete den Muslimen die Freiheit des Aufrufes zur Religion und den Bewohnern Mekkas die Sicherheit ihres Handels auf ihrem Weg nach Asch Scham.

Jener Handel, den Mekka und At Taif gemeinsam trieben und der aus den Ländern des Südens nach Mekka kam, war sehr umfangreich. Manche Karawanen zogen gar mit zweitausend Kamelen aus, deren Lasten den Wert von fünfzigtausend Dinar überstiegen. Die jährlichen Ausfuhren Mekkas hatten nach Schätzungen des Orientalisten Sprenger einen Gegenwert von zweihundertfünfzigtausend Dinar, was etwa einhundertsechzigtausend Gold-Pfund entspricht. Sollten die Kuraisch nun davon überzeugt sein, dass diesem Handel von ihren nach Medina ausgewanderten Söhnen Gefahr drohte, würde dies sie veranlassen, an Verständigung mit ihnen zu denken. Von dieser Verständigung erhofften die Muslime die Freiheit, zu ihrer Religion aufzurufen, und die Freiheit zum Betreten Mekkas und zur Umschreitung seines altehrwürdigen Hauses.

Eine derartige Verständigung war unmöglich, solange die Kuraisch nicht erkannten, dass die Auswanderer unter ihren Söhnen durchaus in der Lage waren, sie zu überfallen und dem Handel in ihrer Richtung den Weg zu versperren. Das erklärt mir auch die Umkehr Hamzas und der Muhadschirun mit ihm, die Abu Dschahl Ibn Hischam an der Küste der Halbinsel trafen, schon auf den ersten Vermittlungsversuch von Madschdi Ibn Amr Al Dschuhani hin. Es erklärt ebenso, weshalb die Muslime mit ihren Expeditionstrupps so häufig in einer Anzahl in Richtung des Handelsweges Mekkas auszogen, mit der sie kaum vorgehabt haben konnten, in den Krieg zu ziehen. Und schließlich erklärt es auch, warum der Prophet, nachdem sich die Prahlerei der Kuraisch gezeigt und die Streitmacht der Muhadschirun sie nie angegriffen hatte, die Freundschaft der an diesem Handelsweg lebenden Stämme erstrebte und mit ihnen Bündnisse schloss. Wenn die Kuraisch davon erführen, sollten sie zur Einsicht kommen und sich darauf besinnen, an Verständigung und Einigung zu denken.

 

Al Ansar und der Angriffskrieg

Diese Ansicht wird durch die absolut abgesicherte Überlieferung bekräftigt, dass den Propheten (s.a.s.) bei seinem Auszug nach Buwat und Uschaira eine nicht geringe Anzahl von den Ansar der Bevölkerung Medinas begleitete. Die Ansar hatten mit ihm ein Abkommen getroffen, ihn zu beschützen, nicht aber, sich mit ihm an einem Angriff zu beteiligen. Wir werden dies deutlich beim großen Kriegszug von Badr sehen, als Muhammad (s.a.s.) mit dem Kampf zögerte, bis die Einwohner Medinas dem zustimmten.

Wenngleich die Ansar keinen Verstoß gegen ihr Abkommen darin sahen, dass Muhammad (s.a.s.) außer mit ihnen auch mit anderen Menschen Verträge abschloss, so bedeutet dies nicht, dass sie mit ihm auszogen, um die Einwohner Mekkas zu bekriegen, solange es zwischen den beiden Gruppen keinen Grund für einen Krieg gab. Weder die Gewohnheiten der Araber noch die Regeln ihrer gegenseitigen Beziehungen würden einen solchen Krieg gutheißen. Gewiss, die Freundschaftsabkommen, die Muhammad (s.a.s.) abschloss, bewirkten die Stärkung Medinas und die Schwächung des Schutzes für den Handel der Kuraisch. Doch welch ein Unterschied besteht dazwischen und einer Kriegserklärung und -vorbereitung.

Folglich sind die Erklärung, dass Hamza oder Ubaida Ibn Al Harith oder Sad Ibn Abu Wakkas zum Krieg gegen die Kuraisch auszogen, und die Bezeichnung ihrer Expeditionstrupps als Kriegszüge für uns undenkbar. Ebenso stellt die Behauptung, Muhammad (s.a.s.) sei zum Krieg nach Al Abwa, Buwat und Al Uschaira gezogen, eine große Übertreibung dar; die Einwände, die wir vorausgeschickt haben, widerlegen sie. Das Aufgreifen dieser Ansicht durch die Historiker Muhammads (s.a.s.) kann nur dadurch erklärt werden, dass sie Muhammads (s.a.s.) Biographie erst am Ende des zweiten Jahrhunderts nach der Hidschra verfassten und durch die Kriegszüge beeinflusst waren, die sich nach der großen Schlacht von Badr ereignet hatten. Folglich betrachteten sie die ihnen vorangegangenen Geplänkel, mit denen etwas anderes als Krieg beabsichtigt wurde, als Kriegszüge und schreiben sie den Kriegen der Muslime in den Tagen des Propheten zu.
Es ist offensichtlich, dass viele der Orientalisten sich über diese Einwände klar waren, auch wenn sie in ihren Büchern nicht darauf hinweisen. Wir nehmen dies aus folgendem Grund an: Obwohl sie mit den Historikern der Muslime dahingehend übereinstimmen, dass die Muhadschirun - und ihnen voran Muhammad (s.a.s.) - von der ersten Stunde ihres Aufenthalts in Medina einen Krieg mit den Bewohnern Mekkas ins Auge gefasst hatten, weisen sie dennoch daraufhin, dass diese ersten Expeditionstrupps das Erbeuten der Handelsgüter der Karawanen zum Ziel gehabt hätten. Ein solches Erbeuten gehöre ja zur Natur der Wüstenbewohner und Plünderung und Beute hätten die Einwohner Medinas dazu verleitet, Muhammad (s.a.s.) in Verletzung ihres Abkommens von Al Akaba zu folgen.

 

Die Natur der Einwohner Medinas

Diese Argumentation ist zurückzuweisen, denn weder die Einwohner Medinas noch die Einwohner Mekkas waren Wüstenbewohner, die von Plünderung und Beute lebten. Und darüber hinaus lag in ihrer Natur die den von Landwirtschaft lebenden Menschen eigene Liebe zur Sesshaftigkeit, was sie nicht auf Krieg aus sein ließ, solange es keinen triftigen Grund gab. Was die Muhadschirun betraf, so war es dagegen ihr gutes Recht, den Händen der Kuraisch zu entreißen, was diese von ihrem Vermögen an sich genommen hatten; vor der Schlacht von Badr hatten sie damit jedoch keine Eile. Folglich war dies nicht der Anlass der Expeditionstrupps und ersten Überfälle.

Sodann war der Kampf im Islam noch nicht vorgeschrieben worden, und Muhammad (s.a.s.) und seine Gefährten griffen auf ihn nicht aus diesem nomadischen Grund zurück, den die Orientalisten sich einbilden. Er wurde später zum Gesetz erklärt, und Muhammad (s.a.s.) und seine Gefährten benutzten ihn, damit niemand an seiner Religion versucht werde und sie die von ihnen gewollte Verkündungsfreiheit hätten.

Wir werden dies später ausführlicher darlegen und beweisen. Dabei wird uns deutlich klar werden, dass Muhammad (s.a.s.) mit den Verträgen, die er schloss, auf die Stärkung Medinas abzielte, damit die Kuraisch nicht auf die Hoffnung verfielen, sie könnten die Muslime dort in Bedrängnis bringen, wie sie zuvor versucht hatten, ihre Rückkehr aus Abessinien zu erreichen. Zur gleichen Zeit lehnte er es nicht ab, mit den Kuraisch ein Abkommen über die Gewährleistung der Freiheit des Aufrufs zur Religion Allahs (t.) abzuschließen, so dass es keine Anfechtung mehr gäbe und die Religion allein für Allah (t.) wäre.

 

Die Einschüchterung der Juden

Vielleicht verfolgte Muhammad (s.a.s.) mit diesen Expeditionstrupps und bewaffneten Auszügen ein weiteres Ziel. Vielleicht zielte er auf die Einschüchterung der in Medina und seiner Nähe lebenden Juden. Jener Juden, die bei Muhammads (s.a.s.) Ankunft in Medina - wie wir bereits darlegten - darauf hofften, dass er gemeinsame Sache mit ihnen mache, und ihn deshalb freundlich behandelten und mit ihm ein Abkommen über die Freiheit des Aufrufs zur Religion und der Ausübung ihrer Riten und Pflichten durch die Muslime abschlossen.

Diese Juden zögerten nicht, sich dem Propheten feindselig zu zeigen und auf seine Bekämpfung hinzuarbeiten, als sie erkannten, dass Muhammads (s.a.s.) Anliegen Fuß fasste und das Banner des Islam sich erhob. Sie ließen zwar davon ab, ihm offene Feindschaft zu erklären, denn sie fürchteten um ihren Handel, falls unter den Einwohnern Medinas der Bürgerkrieg entbrennen sollte; und sie hielten auch ihr Freundschaftsabkommen ein. Doch ergriffen sie jedes Mittel zur Intrige unter den Muslimen, um zwischen den Muhadschirun und Ansar Hass hervorzurufen und den alten Groll zwischen Al Aus und Al Chazradsch wieder zu wecken, indem sie die Schlacht von Buath erwähnten und die davon handelnde Dichtung vortrugen.

 

Die Intrigen der Juden

Die Muslime bemerkten ihre Intrige, die so übertrieben war, dass sie sie zu den Heuchlern zählten. Ja, sie hielten sie für schlimmer als diese, vertrieben sie erbittert aus der Moschee und verweigerten es ihnen, sich zu ihnen zu setzen oder sich mit ihnen zu unterhalten. Der Prophet (s.a.s.) mied sie schließlich, nachdem er versucht hatte, sie mit Argumenten und Beweisen zu überzeugen.

Sollte diesen Juden Medinas nun aber freie Hand gelassen werden, würde die Sache ernst werden, und sie würden den beabsichtigten Bürgerkrieg hervorrufen. Es genügte hinsichtlich genauer politischer Gepflogenheit nicht, vor ihnen zu warnen und auf ihre Verschwörung aufmerksam zu machen. Es bedurfte vielmehr des Hinweises, dass die Muslime stark genug waren, jeden entstehenden Aufstand niederzuwerfen, seine Ursache auszutilgen und seine Gründe auszurotten. Am besten ließ sich das durch die Entsendung der Expeditionstrupps und durch die Streifzüge in verschiedene Richtungen zeigen, wobei jedoch die Streitkräfte der Muslime keiner Niederlage ausgesetzt werden durften, worauf die Juden gleichermaßen hofften wie die Kuraisch.

Diese List war es, die von Männern wie Hamza angewandt wurde, die schnell in Wut kamen und die die bloße Vermittlung eines Freundes, der zum Frieden ruft, nicht vom Kampf abbringen konnte; eine solche Vermittlung hätte ihn lediglich dazu bewegt, sich nach einer ersten Kampfhandlung in Stärke und Ehre zurückzuhalten. Es handelte sich jedoch um politische Absichten und einen klaren Kurs, wodurch bestimmte Ziele erreicht werden sollten. Nämlich einerseits die erwähnte Einschüchterung der Juden und andererseits dies Bemühen um Übereinkunft mit den Kuraisch, den Aufruf zur Religion und die Durchführung ihrer Riten ungehindert zuzulassen, ohne dass Krieg oder Kampf vonnöten war.


Der Islam und das Kämpfen

Das bedeutet nicht, dass der Islam damals den Kampf zur Selbstverteidigung und zur Verteidigung des Glaubens gegen jene, die den Gläubigen davon abbringen wollten, ablehnte. Keineswegs! Vielmehr machte der Islam diese Verteidigung zur Pflicht. Es bedeutet daher, dass der Islam damals - wie auch heute und zu jeder Zeit - den Angriffskrieg ablehnte:
"Und überschreitet nicht das Maß, wahrlich, Allah liebt die Maßlosen nicht." (2, V. 190)
Wenn es also für die Muhadschirun damals rechtens war zu fordern, was die Kuraisch bei ihrer Auswanderung von ihrem Vermögen an sich genommen hatten, so wog doch die Zurückweisung jeder Anfechtung der Gläubigen in ihrer Religion schwerer im Ermessen Allahs (t.) und SEINES Gesandten und war der wichtigste Grund, um dessentwillen der Kampf von Allah (t.) vorgeschrieben wurde.


Der Expeditionstrupp von Abdullah Ibn Dschahsch

Die über den Expeditionstrupp von Abdullah Ibn Dschahsch AI Asadi geoffenbarten Qur´aan-Ayat liefern dafür den Beweis. Der Gesandte Allahs entsandte ihn und eine Gruppe der Muhadschirun im Monat Radschab jenes Hidschra-Jahres, übergab ihm ein Schriftstück und befahl ihm, es erst nach zweitägiger Reise zu lesen; dann sollte er sich anschicken, das ihm darin Befohlene zu tun, ohne irgendjemanden von seinen Gefährten zu zwingen.
Nach zwei Tagen öffnete Abdullah das Schriftstück, worin stand: "Wenn du dieses mein Schriftstück gelesen hast, mach dich auf nach Nachla (zwischen Mekka und At Taif), beobachte dort die Kuraisch und bringe für uns das Neueste über sie in Erfahrung." Er unterrichtete seine Gefährten von der Sache und dass er niemanden von ihnen zwinge, und sie zogen alle mit. Nur Sad Ibn Abu Wakkas Az Zuhri und Utba Ibn Ghazwan gingen, ihr verlorengegangenes Kamel zu suchen; die Kuraisch nahmen sie gefangen.

Abdullah zog mit seinen Leuten nach Nachla. Dort kam eine Handelskarawane der Kuraisch mit Amr Ibn Al Hadrami an der Spitze an ihnen vorbei. Das war am letzten Tag des Monats Radschab. Abdullah Ibn Dschahsch und die Muhadschirun mit ihm dachten an das, was die Kuraisch ihnen angetan und von ihrem Vermögen an sich genommen hatten, berieten sich und sprachen zueinander: "Bei Allah , wenn ihr die Leute diese Nacht in Ruhe lasst, betreten sie das heilige Gebiet und werden dadurch von euch abgehalten. Wenn ihr sie aber bekämpft, bekämpft ihr sie im heiligen Monat. " Sie zögerten und fürchteten diese Verwegenheit, machten sich dann aber Mut und einigten sich darauf, so viele wie möglich von ihnen zu töten und in Besitz zu nehmen, was sie bei sich hatten. Einer von ihnen schoss einen Pfeil auf Amr Ibn Al Chadrami ab und tötete ihn; die Muslime nahmen zwei Männer der Kuraisch gefangen.

 

Versuchung ist schwerwiegender als Tötung

Nach ihrer Ankunft in Medina ging Abdullah Ibn Dschahsch mit der Karawane und den beiden Gefangenen zum Gesandten. Sie hatten Muhammad (s.a.s.) bereits ein Fünftel der Beute vorbehalten. Doch als er sie sah, sagte er zu ihnen: Ich befahl euch nicht, im heiligen Monat zu kämpfen." Er setzte die Entscheidung über die Karawane und die beiden Gefangenen aus und weigerte sich, etwas davon anzunehmen. Abdullah Ibn Dschahsch und seine Gefährten wurden verlegen, und ihre muslimischen Brüder machten ihnen wegen ihres Tuns heftige Vorwürfe.

Die Kuraisch nutzten die Gelegenheit und begannen zu hetzen, indem sie allerorts verkündeten: "Muhammad (s.a.s.) und seine Gefährten entweihen den heiligen Monat, vergießen in ihm Blut, rauben Geld und nehmen Gefangene." Die Muslime, die sich in Mekka befanden, entgegneten, ihre Glaubensbrüder von den Auswanderern nach Medina hätten das alles im Monat Schaban getan. Die Juden mischten sich in der Absicht ein, das Feuer des Aufruhrs zu schüren. Da wurde die Rede des Erhabenen geoffenbart:

"Sie fragen dich nach dem Kampf im heiligen Monat; sprich: "Kampf in ihm ist schwerwiegend, doch vom Wege Allahs abzubringen und IHN und die heilige Moschee zu leugnen und ihre Menschen daraus zu vertreiben ist schwerwiegender bei Allah , und Verleiten ist schwerwiegender als Töten." Und sie werden nicht eher aufhören, euch zu bekämpfen, bis sie euch von eurer Religion abbringen, so sie es vermögen. " (2, V 217)
Durch die Offenbarung des Qur´aan in dieser Angelegenheit wich die Besorgnis von den Muslimen, und der Prophet übernahm die Karawane und die beiden Gefangenen, woraufhin die Kuraisch sie von ihm auslösen wollten. Da sagte er: "Wir lösen sie euch nicht aus, bis unsere beiden Gefährten" - d.h. Sad Ibn Abu Wakkas und Utba Ibn Ghazwan - "ankommen, denn wir fürchten euretwegen um sie. Solltet ihr sie töten, werden wir eure beiden Gefährten töten."
Sad und Utba kamen an, und der Prophet löste sie gegen die beiden Gefangenen aus. Der eine von ihnen, Al Hakam Ibn Kaisan, wurde Muslim und lebte in Medina. Der andere kehrte jedoch nach Mekka zurück und blieb dort, bis er als Anhänger seiner Religion und der seiner Vorväter starb.

Es erscheint uns angebracht, bei diesem Expeditionstrupp von Abdullah Ibn Dschahsch und der erhabenen Aya, die in diesem Zusammenhang geoffenbart wurde, zu verweilen. Es handelt sich nach unserer Ansicht um einen Wendepunkt in der Politik des Islam, ein in seiner Art neuartiges Ereignis, das auf einen Geist starker Erhabenheit hinweist, der menschlich ist in seiner Stärke und die materiellen, seelischen und geistigen Aspekte des Lebens in größtmöglicher Wirksamkeit und auf höchstmöglicher Ebene ordnet und auf ihre Vollkommenheit hinführt.

Der Qur´aan antwortet den Polytheisten auf ihre Frage, ob der Kampf im heiligen Monat verboten sei bzw. ob er zu den schweren Vergehen gehöre. Er stimmt ihnen zu, dass er so gesehen eine ernste Sache sei, doch gäbe es da etwas Wichtigeres als dieses:

Vom Wege Allahs (t.) abzuhalten und IHN zu leugnen ist schwerwiegender als der Kampf im heiligen Monat, und aus der heiligen Moschee ihre Angehörigen zu vertreiben ist schwerwiegender als der Kampf im heiligen Monat und die Tötung in ihm. Jemanden mittels Versprechung, Drohung, Verlockung und Peinigung an seiner Religion zu versuchen, ist schwerwiegender als der Kampf inner- oder außerhalb des heiligen Monats.

Die Kuraisch und die Polytheisten, die den Muslimen vorwarfen, im heiligen Monat gekämpft zu haben, hatten nicht aufgehört, die Muslime zu bekämpfen, um sie vielleicht von ihrer Religion abbringen zu können. Wenn also die Kuraisch und die Polytheisten all diese schweren Vergehen verübten, vom Wege Allahs (t.) abhielten, IHN leugneten, die Angehörigen der heiligen Moschee aus ihr vertrieben und sie an ihrer Religion versuchten, so war es für den Leidtragenden dieser Vergehen und Verbrechen keine Sünde, sie im heiligen Monat zu bekämpfen. Dagegen ist es eine schwere Sünde, im heiligen Monat jemanden zu bekämpfen, der keines dieser Verbrechen begangen hat.

 

Der Qur´aan und das Kämpfen

Versuchung ist schwerwiegender als Tötung. Und jeder, der sieht, wie ein anderer versucht, seine Religion anzufechten, oder vom Weg Allahs (t.) abhält hat das Recht, ja die Pflicht, auf dem Wege Allahs (t.) zu kämpfen, auf dass er nicht angefochten und der Religion Allahs (t.) zum Sieg verholten werde.

Hier erheben die Orientalisten und die Missionare schreiend ihre Stimmen:
"Seht ihr! Dies ist Muhammad, seine Religion ruft auf zu Krieg und Kampf" auf dem Wege Allahs, das heißt, die Menschen durch das Schwert zu zwingen, den Islam anzunehmen. Ist das nicht der reinste Fanatismus! Das Christentum hingegen lehnt den Kampf ab, verabscheut den Krieg, ruft zur Gottergebenheit, verkündet Duldsamkeit und verbindet die Menschen durch das Band der Brüderlichkeit in Gott und dem Herrn Christus."
Um mich mit ihnen auseinander zu setzen, möchte ich nicht das Wort des Evangeliums in Erinnerung rufen: "Ich bin nicht gekommen, der Erde Friede zu bringen, sondern das Schwert..." noch die darin enthaltenen Bedeutungen; denn die Muslime bekennen sich zur Religion Jesu so, wie sie im Qur´aan geoffenbart wurde. Vielmehr möchte ich - ohne lange nachzudenken - ihre Behauptung zurückweisen, Muhammads (s.a.s.) Religion rufe zum Kampf, um die Menschen durch das Schwert zu zwingen, dem Islam beizutreten. Diese Lüge wird vom Qur´aan in der Rede des Erhabenen widerlegt:

Keinen Zwang gibt es in der Religion; der rechte Weg ist nunmehr vom Irrweg klar unterschieden" (2, V 256)
und in der Rede des Erhabenen:

"Und bekämpft auf dem Wege Allahs , die euch bekämpfen, und überschreitet nicht das Maß, wahrlich, Allah liebt die Maßlosen nicht" (2, V 190)
sowie in zahlreichen anderen als diesen beiden erhabenen Ayat.


Der Kampf um Allahs (t.) willen

Die klare Bedeutung des Kampfes um Allahs (t.) willen ist so, wie sie in den von uns zitierten Qur´aanversen, die anlässlich des Expeditionstrupps von Abdullah Ibn Dschahsch geoffenbart wurden, überliefert ist: die Bekämpfung derer, die den Muslim an seiner Religion versuchen und vom Wege Allahs (t.) abhalten. Es ist dies der Kampf um der Freiheit des Aufrufens zu Allah (t.) und zu SEINER Religion willen oder - in der Sprache unserer Zeit - die Verteidigung der freien Meinungsäußerung durch dieselben Mittel, mit denen die Vertreter einer Meinung bekämpft werden. Wenn jemand einen Mann mittels Propaganda und Logik und ohne Gewalt, Bestechung oder Folter von seiner Ansicht abzubringen versucht, kann man ihn nur durch Widerlegung seiner Argumente und Logik bekämpfen. Versucht er aber mittels Waffengewalt, jemanden von seiner Ansicht abzubringen, ist - soweit möglich - die Erwiderung mit Waffengewalt geboten.

 

Der Mensch und sein Glaube

Die Würde des Menschen lässt sich nämlich in einem einzigen Wort zusammenfassen: sein Glaube. Für jemanden, der die Bedeutung des Menschseins erfasst, ist der Glaube kostbarer als Geld, Rang, Macht und das Leben selbst - dieses materielle Leben, das der Mensch mit den Tieren gemein hat, in dem sie essen und trinken und in dem ihre Körper wachsen und ihre Muskeln stark werden. Der Glaube dagegen stellt in ihm die seelische Verbindung unter den Menschen und die geistige zwischen dem Menschen und seinem Herrn dar. Dieser Glaube ist es, wodurch sich der Mensch von den übrigen Lebewesen unterscheidet; er lässt ihn für seinen Bruder lieben, was er für sich selbst liebt, und lässt ihn den Unglücklichen, den Armen und den Bedürftigen seiner eigenen Familie vorziehen, selbst wenn bei ihr Mangel herrscht. Durch ihn verbindet er sich mit dem gesamten Sein, um unermüdlich darauf hinzuarbeiten, dass es seine von Allah (t.) gewollte Vollkommenheit erreicht.

Hat dieser Glaube von einem Menschen Besitz ergriffen und versucht ein anderer, diesen davon abzubringen, und kann er sich nicht verteidigen, so tut er, was die Muslime vor ihrer Auswanderung nach Medina taten. Er erträgt Nachteile und Peinigungen und erduldet Erniedrigung und Unrecht. Weder Hunger noch Entbehrung irgendeiner Art bringen ihn vom Festhalten an seinem Glauben ab. So verhielten sich die ersten Muslime, und so verhielten sich die ersten Christen.
Diejenigen, die um ihres Glaubens willen leiden, sind jedoch nicht das gemeine Volk schlechthin und auch nicht die große Masse, es sind vielmehr Ausgewählte; es sind jene Erlesenen, denen Allah (t.) die Kraft des Glaubens verliehen hat, durch den jeder Schaden und jedes Unrecht unbedeutend werden, der Berge einebnet und der, um in der Ausdrucksweise des Evangeliums zu sprechen, zum Berg sagen lässt, hebe dich von deinem Platz hinweg, und er hebt sich hinweg.

Kann man jedoch den Versuch der Anfechtung mit gleichen Waffen zurückweisen und dem, der vom Wege Allahs (t.) abhält, mit dessen eigenen Mitteln entgegentreten, so ist man verpflichtet es zu tun. Tut man es nicht, ist man unsicher und schwach im Glauben. Muhammad (s.a.s.) und seine Gefährten taten es, nachdem sich die Lage für sie in Medina gefestigt hatte, und die Christen taten es, nachdem sich die Macht für sie in Rom und Byzanz gefestigt hatte und das Herz mancher Herrscher Roms sich der Religion Christi zuneigte.

 

Das Christentum und das Kämpfen

Die Missionare sagen: "Aber der Geist des Christentums lehnt das Kämpfen strikt ab."
Ich halte mich nicht damit auf, die Richtigkeit dieser Äußerung zu untersuchen, aber die Geschichte sowohl des Christentums als auch des Islam sind gerechte Zeugen vor uns. Vom Anfang des Christentums bis zum heutigen Tag wurden alle Länder der Erde im Namen des Herrn Christus vom Blut gefärbt. Rom tat dies, und sämtliche Nationen Europas taten es.

Das Feuer der Kreuzzüge entfachten die Christen, nicht die Muslime. Hunderte von Jahren hindurch zogen Heere von Europa im Namen des Kreuzes unablässig in die Länder des islamischen Ostens, kämpfend, kriegführend und Blut vergießend. Und jedes Mal segneten die Päpste als Statthalter Christi diese zur Eroberung Jerusalems und der heiligen Stätten des Christentums vorrückenden Heere. Waren jene Päpste allesamt Häretiker, und war ihr Christentum gefälscht? Oder waren sie einfältige Großsprecher, die nicht wussten, dass das Christentum das Kämpfen strikt ablehnt? Oder sagen sie: "Das war das Mittelalter, das Zeitalter der Finsternis, folglich kann es nicht als Argument gegen das Christentum dienen"? Wenn sie das behaupten, so erlebte dieses zwanzigste Jahrhundert, in dem wir leben, und das sie das Zeitalter der höchstentwickelten menschlichen Kultur nennen, dasselbe wie das finstere Mittelalter. Von Lord Allenby, dem Repräsentanten der Alliierten - England, Frankreich, Italien, Rumänien und Amerika -, der im Jahre 1918 gegen Ende des Ersten Weltkrieges Jerusalem in Besitz nahm, stammt der Ausspruch:
"Heute wurden die Kreuzzüge beendet."

 

Die Heiligen im Islam und im Christentum

So wie es unter den Christen zu bestimmten Zeiten Heilige gab, die das Kämpfen ablehnten und die höchste Stufe der menschlichen Brüderlichkeit oder gar ein entsprechendes Verhältnis zu den Elementen des gesamten Seins erreichten, so gab es auch unter den Muslimen Heilige. Heilige, die ebenfalls diese Höhen erreichten und sich mit dem gesamten Sein in Brüderlichkeit, Liebe und Erleuchtung verbanden und von der Einheit des Seins durchdrungen waren. Aber selbst wenn diese Heiligen unter den Christen und den Muslimen das höchste Beispiel bilden, geben sie doch kein Beispiel für das menschliche Leben in seiner beständigen Entwicklung und seinem unermüdlich auf Vollendung ausgerichteten Bemühen; jene Vollendung, die darzustellen ;und zu erfassen unser Verstand und unsere Vorstellungskraft selbst beim ernsthaftesten Versuchen nicht hinreichen.

Eintausenddreihundertundsiebenundfünizig Jahre sind seit der Auswanderung des arabischen Propheten von Mekka nach Jathrib vergangen. Und die Menschen ließen zu allen Zeiten den Kampf an Einfallsreichtum und seine höllischen Zerstörungswerkzeuge an Genauigkeit und Perfektion zunehmen. Die Worte von Kriegsverzicht, Abrüstung und Bestellung von Schiedsrichtern sind bislang nicht mehr als leere Worte, die auf einen Krieg folgen, der die Nationen zermürbt. Oder Propaganda, die von Leuten dargeboten wird, die bis heute nichts davon verwirklichen und keinen echten Frieden herbeiführen konnten - und wer weiß, ob es ihnen je gelingt -; den Frieden der Brüderlichkeit und Gerechtigkeit anstelle des bewaffneten Friedens als Vorläufer des Krieges und Vorbote seines Unheils.

 

Der Islam, die angeborene Religion

Der Islam ist keine Religion der Einbildung und Phantasie noch eine Religion, die dabei stehen bleibt, nur einzelne zur Vollkommenheit aufzurufen. Der Islam ist eine natürliche Religion, die allen Menschen, als Individuen und in der Gemeinschaft, angeboren ist. Er ist die Religion der Wahrheit, der Freiheit und der Ordnung.

Solange der Krieg in der Natur des Menschen liegt, gehören die Berichtigung der Auffassung von ihm und seine Eingrenzung innerhalb strenger menschlicher Grenzen zum einzig Möglichen, um den Fortbestand der Entwicklung der Menschheit in Richtung auf Güte und Vollkommenheit zu sichern. Die Auffassung vom Krieg ist dahingehend zu berichtigen, dass er nur der Selbstverteidigung sowie der Verteidigung des Glaubens und der Meinungs- und Verkündungsfreiheit dient, und dass die menschliche Ehre dabei völlig geschützt werden muss. Dies ist es - wie wir gesehen haben und noch sehen werden -, was der Islam vorschreibt und der Qur´aan an Offenbarung enthält.

 

Der große Kriegszug von Badr

Der Expeditionstrupp von Abdullah Ibn Dschahsch stellte in der Politik Islam einen Wendepunkt dar. Mit dem tödlichen Pfeil, den Wakid Ibn Abdullah At Tamimi auf Amr Ibn AI Hadrami abschoss, wurde das erste Blut durch Muslime vergossen. Im Zusammenhang mit diesem Expeditionstrupp wurden die vorgenannten Ayat geoffenbart und als Folge der Kampf verbindlich gegen jene vorgeschrieben, die die Muslime an ihrer Religion versuchten und sie vom Wege Allahs (t.) abbrachten.

Dieser Expeditionstrupp führte auch zu einer neuen Politik der Muslime gegenüber den Kuraisch; denn beide Parteien wetteiferten nun miteinander an Macht und Stärke. Die Muslime dachten jetzt ernsthaft daran, durch Überfall und Kampf ihr Vermögen von den Kuraisch zurückzuerobern, zumal die Kuraisch versuchten, die gesamte Halbinsel gegen Muhammad (s.a.s.) und seine Gefährten aufzuhetzen, da diese im heiligen Monat gekämpft hatten. Muhammad (s.a.s.) war deshalb sicher, dass es keine Hoffnung mehr auf ihr Entgegenkommen oder eine Übereinkunft mit ihnen gab.

Abu Sufjan zog zum Herbstbeginn des zweiten Hidschra-Jahres mit einer umfangreichen Handelskarawane nach Asch Scham aus. Diese Karawane war es, der die Muslime den Weg versperren wollten, als der Prophet (s.a.s.) nach Al Uschaira zog.

 

Abu Sufjans Handel

Die Karawane Abu Sufjans war jedoch bereits zwei Tage vor ihrer Ankunft dort vorbeigekommen, woraufhin die Muslime sich entschlossen, auf ihre Rückkehr zu warten. Als Muhammad (s.a.s.) die Zeit ihrer Abreise von Asch Scham abgewartet hatte, entsandte er Talha Ibn UbaidAllah und Sad Ibn Zaid als Kundschafter. Sie zogen bis Kaschd Al Dschuhani in Al Haura und versteckten sich dort in einem Zelt. Als die Karawane vorbeikam, eilten sie zu Muhammad (s.a.s.), um ihm darüber Mitteilung zu machen.
Muhammad (s.a.s.) hatte jedoch nicht erst auf seine beiden nach Al Haura Entsandten und auf ihren Bericht über die Karawane gewartet: er hatte bereits erfahren, dass es sich um eine bedeutende Karawane handelte, an der alle Mekkaner beteiligt waren. Jeder Mann und jede Frau von ihnen, die in der Lage waren, sich an ihr zu beteiligen, hatten dies getan, und ihr Wert wurde auf fünfzigtausend Dinar geschätzt.

 

Der Aufbruch der Muslime nach Badr

Muhammad (s.a.s.) befürchtete, dass ihm die Karawane auf ihrer Rückkehr nach Mekka ebenso zuvorkommen würde, wenn er auf sie wartete, so wie sie ihm schon auf ihrem Zug nach Asch Scham entgangen war. Deshalb wandte er sich an die Muslime und sagte zu ihnen: "Zieht aus zu dieser Karawane der Kuraisch, vielleicht gibt Allah sie euch als Beute." Einige beeilten sich, andere zögerten. Eine Gruppe von Nichtmuslimen wollte sich in der Hoffnung auf Beute anschließen, doch Muhammad (s.a.s.) verwehrte es ihnen, da sie nicht an Allah (t.) und SEINEN Gesandten glaubten.

Abu Sufjan seinerseits hatte erfahren, dass Muhammad (s.a.s.) ausgezogen war, um seiner Karawane auf ihrer Reise nach Asch Scham den Weg zu versperren. Er fürchtete also, die Muslime würden sich ihm nun auch bei seiner Rückkehr in den Weg stellen, zumal sein Handel gewinnbringend gewesen war. Er forschte über sie nach und fragte unter anderem auch Al Dschuhani in Al Haura, bei dem sich die Kundschafter Muhammads (s.a.s.) aufhielten, doch sagte ihm dieser nicht die Wahrheit. Er hatte aber bereits vom Vorhaben Muhammads (s.a.s.) und der Muhadschirun und Ansar mit ihm erfahren, so wie Muhammad (s.a.s.) von seinem Vorhaben erfahren hatte. Da von den Kuraisch nur dreißig oder vierzig Mann zum Schutz der Karawane abgestellt worden waren, fürchtete Abu Sufjan den Ausgang dieser seiner Angelegenheit.

 

Der Gesandte Abu Sufjans zu den Kuraisch

Da sandte er Damdam Ibn Amr Al Ghifari eilends nach Mekka, damit die Kuraisch um ihrer Handelsgüter willen zum Kampf aufrufe und sie davon unterrichte, dass ihnen von Muhammad (s.a.s.) und dessen Gefährten Gefahr drohte. Als Damdam das Innere des Tals von Mekka erreichte, schnitt er seinem Kamel beide Ohren ab, verstümmelte seine Nase, verrückte seinen Sattel und ritt stehend, nachdem er sein Hemd vorne und hinten zerrissen hatte; dann schrie er: "0 ihr Kuraisch! Das Geld und der Handel! Euer Vermögen mit Abu Sufjan ist in Gefahr, Muhammad (s.a.s.) und seinen Gefährten in die Hände zu fallen. Ich weiß nicht, ob ihr es noch zu fassen bekommt. Zu Hilfe, zu Hilfe!"
Kaum dass Abu Dschahl ihn hörte, rief er die Leute von der Kaba aus zum Kampf. Abu Dschahl war ein lebhafter Mann mit scharfen Gesichtszügen, scharfer Zunge und scharfem Blick, doch war es nicht nötig, dass er die Kuraisch zum Kampf aufrief. Hatte doch jeder von ihnen einen Anteil an dieser Karawane.

Einige der Mekkaner hatten jedoch erkannt, wie die Kuraisch die Muslime unter ihrer Bevölkerung unterdrückten und sie zur Auswanderung - zunächst nach Abessinien, später nach Medina - genötigt hatten. Deshalb schwankten sie, ob sie zum Krieg zwecks Verteidigung ihres Vermögens aufbrechen oder in der Hoffnung, dass die Karawane kein Unglück treffen werde, darauf verzichten sollten.

 

Die Fehde der Kuraisch und Kinana

Sie erinnerten sich, dass es zwischen den Kuraisch und den Kinana eine Blutfehde wegen gegenseitigen Blutvergießens gab. Wenn sie Muhammad (s.a.s.) entgegentreten würden, um ihre Karawane zu beschützen, würden die Banu Bakr (von Kinana) - so ihre Befürchtungen - sie aus dem Hinterhalt angreifen. Beinahe hätte dieses Argument das größere Gewicht gehabt und die Ansicht derer, die sich für Verzicht aussprachen, bekräftigt. Doch da kam Malik Ibn Dschuschum Al Mudlidschi, der von den Edelleuten der Banu Kinana war, und sagte: "Ich beschütze euch davor, dass die Kinana euch aus dem Hinterhalt mit etwas kommen, das ihr verabscheut."

Da gewannen Abu Dschahl, Amir Ibn Al Hadrami und diejenigen, die zum Auszug und zur Bekämpfung Muhammads (s.a.s.) und seiner Gefährten aufriefen, die Oberhand. Keinem, der kampffähig war, verblieb ein Entschuldigungsgrund, zurückzubleiben oder jemanden an seiner Stelle zu schicken. Von den Edelleuten der Kuraisch blieb nur Abu Lahab zurück, der an seiner Stelle Al As Ibn Hischam Ibn Al Mughira entsandte, der ihm viertausend Dirham schuldete und diese nicht zurückzahlen konnte. Auch Umaija Ibn Chalaf, ein ehrwürdiger, übergewichtiger alter Mann, hatte sich entschlossen, zurückzubleiben, woraufhin Ukba Ibn Abu Muait mit einem Räuchergefäß voll Weihrauch und Abu Dschahl mit einem Behälter mit einem Mittel zum Färben der Augen bzw. Augenlider sowie einem Augenstift zu ihm in die Moschee gingen. Ukba stellte das Räuchergefäß vor ihn und sagte: "0 Abu Ali, hülle dich in Weihrauch, denn du gehörst zu den Frauen", und Abu Dschahl sagte: "Färbe deine Augen, o Abu Ali, denn du bist ein Weib." Da sagte Umaija: "Kauft mir das beste Kamel im Tal" und zog mit ihnen aus; und niemand, der kampffähig war, blieb in Mekka zurück.

 

Auszug des muslimischen Heers

Der Prophet (s.a.s.) zog mit seinen Gefährten am achten Tag des Monats Ramadan im zweiten Jahr nach der Hidschra aus Medina aus. Er bestellte Amr Ibn Umm Maktum zum Vorbeter der Leute und rief Abu Lubaba von Ar Rauha zurück und stellte ihn an die Spitze Medinas.
Den Muslimen wehten bei ihrem Auszug zwei schwarze Flaggen voran. Sie hatten siebzig Kamele, die sie abwechselnd ritten; je zwei, drei oder vier von ihnen teilten sich ein Kamel. Muhammad (s.a.s.) teilte dabei dasselbe Schicksal wie seine übrigen Gefährten: er, Ali Ibn Abu Talib und Marthad Ibn Marthad Al Ghanawi teilten sich ein Kamel. Und auch Abu Bakr, Umar und Abdur Rahman Ibn Auf teilten sich ein Kamel. Die Zahl derer, die mit Muhammad (s.a.s.) zu diesem Kriegszug auszogen, betrug dreihundertundfünf Männer, davon dreiundachtzig von den Muhadschirun, einundsechzig von Al Aus und die übrigen von Al Chazradsch.

Die Leute eilten aus Furcht, dass Abu Sufjan ihnen entkommen könnte. Wo immer sie vorbeikamen, versuchten sie, Kunde von ihm zu erhalten. Als sie bei Irk Az Zubja waren, trafen sie einen Beduinen und fragten ihn über die Leute; sie erfuhren jedoch nichts von ihm. Sie rückten vor bis zu einem Tal namens Dhafiran, wo sie Halt machten. Dort erhielten sie die Nachricht, dass die Kuraisch Mekka bereits verlassen hatten, um ihre Karawane zu verteidigen.

 

Auszug der Kuraisch aus Mekka

Die Situation hatte sich nun geändert: Diese Muslime, Muhadschirun und Ansar, standen nicht mehr nur Abu Sufjan und seiner Karawane mit dreißig oder vierzig Mann gegenüber, die Muhammad (s.a.s.) und seinen Gefährten keinen Widerstand leisten konnten; vielmehr war ganz Mekka mit seinen Edelleuten an der Spitze zur Verteidigung seiner Handelswaren ausgezogen.

Sollten die Muslime sich aufmachen, Abu Sufjan einzuholen, seine Männer zu überwältigen und wen sie konnten gefangen zu nehmen sowie ihre Kamele und alles, was sie trugen, fortzuführen? Dann würden die Kuraisch - darauf aus, ihr Vermögen zu verteidigen, und ermutigt durch ihre umfangreiche Zahl und Ausrüstung - nicht zögern, sie zu verfolgen, über sie herzufallen, die Beute zurückzufordern oder sie sogar zu töten. Sollte Muhammad (s.a.s.) jedoch umkehren, würde dies die Kuraisch und die Juden Medinas bestärken, und er würde in die Zwangslage gebracht, ihnen gefällig zu sein. Seinen Gefährten würden seitens der Juden Medinas ähnliche Nachstellungen drohen wie zuvor in Mekka seitens der Kuraisch. Unter solchen Umständen war es unmöglich, dass das Wort der Wahrheit siegen und Allah (t.) SEINER Religion helfen würde.

Er beriet sich mit den Leuten und unterrichtete sie von den Neuigkeiten über die Kuraisch. Abu Bakr und Umar äußerten ihre Ansicht. Sodann stand Al Mikdad Ibn Amr auf und sagte: "0 Gesandter Allahs , handle gemäß dem, was Allah dir gezeigt hat; wir sind mit dir. Bei Allah , wir sagen nicht zu dir, wie die Banu Israil zu Moses sagten: "Geh du mit deinem Herrn, dann kämpft; wir aber bleiben gewiss hier", sondern "Geh du mit deinem Herrn, dann kämpft; wir aber kämpfen gewiss mit euch!" "

 

Die Ansar

Die Leute schwiegen, und der Gesandte sagte: "Beratet mich, ihr Leute." Mit diesem seinem Wort meinte er die Ansar, die mit ihm am Tag von Akaba das Abkommen geschlossen hatten, ihn so zu beschützen, wie sie ihre Kinder und Frauen beschützten. Sie hatten jedoch kein Abkommen zum Angriff außerhalb Medinas geschlossen. Als die Ansar merkten, dass er sie meinte, wandte sich ihr Bannerträger, Sad Ibn Muadh, an Muhammad (s.a.s.) und fragte: "Meinst du vielleicht uns, o Gesandter Allahs ?" Er bejahte. Sad sagte: "Wir glaubten an dich, erklärten dich für glaubwürdig und bezeugten, dass das, womit du kamst, die Wahrheit ist; und wir gaben dir auf dieser Grundlage unser Versprechen und unser Abkommen, zu hören und zu gehorchen; handle wie du willst; wir sind mit dir. Bei DEM, DER dich sandte, solltest du uns zum Meer führen und dich hineinstürzen, wir würden uns mit dir hineinstürzen, und nicht einer von uns würde zurückbleiben. Es macht uns nichts aus, dass du morgen mit uns auf unseren Feind triffst. Wir sind ausdauernd im Krieg und zuverlässig im Gefecht. Vielleicht zeigt dir Allah von uns etwas, was dein Auge erfreut, so führe uns mit Allahs Segen."

Kaum hatte Sad seine Rede beendet, da leuchtete Muhammads Gesicht vor Freude und voller Lebenskraft, und er sagte: "Zieht los und freut euch, denn Allah hat mir bereits eine der beiden Gruppen versprochen. Bei Allah , es ist, als sähe ich gerade den Untergang der Leute."
Sie zogen allesamt bis in die Nähe von Badr, wo Muhammad sich auf seinem Kamel entfernte, bis er auf einen alten Araber stieß, den er über die Kuraisch sowie über Muhammad und seine Gefährten befragte. Von ihm erfuhr er, dass die Karawane der Kuraisch in seiner Nähe war.

 

Überprüfung der Nachrichten

Da kehrte er zu seinen Leuten zurück und sandte Ali Ibn Abu Talib, Az Zubair Ibn Al Auwam und Sad Ibn Abu Wakkas mit einer Gruppe seiner Gefährten zum Brunnen von Badr, um ihm von dort Neuigkeiten zu bringen.
Dieser Erkundungstrupp kehrte zurück und mit ihm zwei Jungen, von denen Muhammad (s.a.s.) erfuhr, dass die Kuraisch hinter dem Sandhügel auf der anderen Seite waren. Als sie die Frage nach der Zahl der Kuraisch aus Unwissenheit nicht beantworten konnten, fragte sie Muhammad (s.a.s.): "Wie viel Tiere schlachten sie jeden Tag?" Da antworteten sie: "An einem Tag neun, am anderen Tag zehn." Daraus schloss der Prophet, dass sie zwischen neunhundert und tausend sein mussten. Er erfuhr von den beiden Jungen ebenso, dass alle Edelleute der Kuraisch ausgezogen waren, ihm entgegenzutreten. Er sagte zu seinen Leuten: "Da schickt euch Mekka sein eigenes Fleisch und Blut."

Er und sie hatten angesichts von Leuten, die zahlenmäßig dreimal so viele waren wie sie, gar keine andere Wahl, als entschlossen und innerlich vollkommen darauf eingestellt eine erbitterte Schlacht zu erwarten. In der nur der den Sieg erringen konnte, dessen Herz vom Glauben an den Sieg erfüllt war.

Während Ali und seine Begleiter mit den beiden Jungen und den Neuigkeiten über die Kuraisch zurückkehrten, gingen zwei der Muslime nach Badr, wo sie bei einem Hügel nahe des Brunnens verweilten und ein Gefäß nahmen, um aus ihm Wasser zu schöpfen. Sie waren beim Brunnen, als sie hörten, wie ein Mädchen von seiner Gefährtin Schulden einforderte, die sie bei ihm hatte; jene antwortete: "Die Karawane kommt morgen oder übermorgen; ich werde für sie arbeiten und danach bezahlen, was dir zusteht." Die beiden Männer kehrten zurück und unterrichteten Muhammad (s.a.s.) über das, was sie gehört hatten.

Abu Sufjan seinerseits ging der Karawane voraus, um Neuigkeiten auszukundschaften, denn er war auf der Hut, dass Muhammad (s.a.s.) ihm auf dem Weg vorausgegangen sein könnte. Als er beim Brunnen ankam, fand er dort Madschdi Ibn Amr und fragte ihn, ob er jemanden gesehen habe. Madschdi antwortete, er habe nur zwei Reiter gesehen, die bei diesem Hügel verweilten, und zeigte, wo die beiden Männer der Muslime gewesen waren.

 

Das Entkommen Abu Sufjans und die Rettung seiner Karawane

Als Abu Sufjan an die Stelle kam, wo sie verweilt hatten, fand er im Dung ihrer beiden Kamele Dattelkerne, die ihn Futter aus Jathrib erkennen ließen. Er eilte zu seinen Gefährten zurück und änderte mit ihnen seine Route. Sie beeilten sich entlang der Meeresküste, um sich von Muhammad (s.a.s.) zu entfernen, und entkamen.

Als die Muslime morgens darauf warteten, dass die Karawane an ihnen vorbeikomme, erreichte sie die Nachricht, dass sie ihnen entkommen war. Dass sich hingegen das Heer der Kuraisch immer noch in ihrer Nähe befand. Da schwand bei einem Teil von ihnen die Hoffnung auf Beute. Einige von ihnen diskutierten mit dem Propheten, sie sollten nach Medina zurückkehren und nicht mit den Leuten zusammentreffen, die von Mekka gekommen waren, um sie zu bekämpfen. Darüber wurde die Rede des Erhabenen geoffenbart:
"Als Allah euch eine der beiden Gruppen versprach, dass sie euer sei, und ihr wolltet, dass die unbewaffnete euer sei; und Allah wollte die Wahrheit durch SEIN Wort bestätigen und die Wurzel der Ungläubigen abschneiden. " (8, V.7)

 

Kommt es zum Kampf ?

Auch die Kuraisch fragten sich, weshalb sie noch kämpfen sollten, nachdem ihre Handelskarawane sich doch bereits in Sicherheit gebracht hatte. War es nicht besser für sie, nach Hause umzukehren und die Muslime unverrichteterdinge von ihrem Auszug zurückkehren zu lassen? So dachte Abu Sufjan, weshalb er zu den Kuraisch sandte, um ihnen zu sagen: "Ihr seid ausgezogen, um eure Karawane, eure Männer und euer Vermögen zu schützen, doch Allah hat sie bereits gerettet, so kehrt um."

Eine nicht geringe Zahl der Kuraisch teilte seine Meinung. Kaum dass Abu Dschahl diese Rede hörte, schrie er jedoch: "Bei Allah , wir werden nicht umkehren, bevor wir Badr erreicht, dort drei Tage verbracht, Kamele geschlachtet, geschmaust, Wein getrunken, die Sängerinnen für uns musiziert und die Araber von uns, unserem Auszug und unserer Truppe gehört haben, auf dass sie danach nie mehr aufhören, uns zu fürchten."
Badr war nämlich einer der jährlichen Treffpunkte der Araber; wenn also die Kuraisch dort nach dem Entkommen ihrer Handelskarawane von dort abzögen, könnte dies Abu Dschahls Ansicht nach von den Arabern als Furcht vor Muhammad (s.a.s.) und seinen Gefährten ausgelegt werden. Das würde die Macht Muhammads (s.a.s.) und die Verbreitung und Stärke seines Aufrufs mehren, besonders nach dem Expeditionstrupp von Abdullah Ibn Dschahsch, der Tötung von Ibn Al Hadrami und der Ergreifung der beiden Gefangenen und der Inbesitznahme der Beute von den Kuraisch.

Die Leute schwankten, ob sie aus Furcht, sie würden der Feigheit verdächtigt, Abu Dschahl Folge leisten oder zurückkehren sollten, nachdem ihre Karawane in Sicherheit war. Außer den Banu Zuhra, die dem Rat ihres Anführers Al Achnas Ibn Sarik folgten, kehrte jedoch niemand um. Alle anderen der Kuraisch folgten Abu Dschahl, und sie schlugen ihr Lager auf, um sich auf den Krieg vorzubereiten und sich dann zu beratschlagen. Sie lagerten an der Rückseite eines Sandhügels, hinter dem sie sich sammelten.

 

Das Lager der Muslime bei Badr

Den Muslimen aber war ihre Beute entkommen. Sie hatten sich nun entschlossen, dem Feind standzuhalten, falls es zum Krieg käme. Sie eilten deshalb zu den Brunnen von Badr, und ein Regen, den der Himmel herabsandte, leichterte ihnen ihren Weg dorthin. Als sie den ersten Brunnen von Badr erreichten, stieg Muhammad (s.a.s.) dort ab.

Al Hubab Ibn Al Mundhir Ibn Al Dschamuh war ortskundig; als er sah, wo der Prophet abstieg, fragte er: "0 Gesandter Allahs , ist dies ein Ort, an dem Allah dich absteigen lässt, so dass wir davon weder nach vorne noch nach hinten abweichen dürfen, oder ist es nur eine Frage der persönlichen Meinung, des Krieges und der Kriegslist?" Muhammad (s.a.s.) antwortete: "Es ist eine Frage der persönlichen Meinung, des Krieges und der Kriegslist." Da sagte er: "0 Gesandter Allahs , dies ist kein Lagerplatz; geh mit den Leuten weiter, bis du zum den Kuraisch am nächsten gelegenen Brunnen kommst. Dort machen wir Halt, schütten die dahinter liegenden Brunnen zu und bauen dann darum eine Art Becken, das wir mit Wasser füllen. Wenn wir dann die Leute bekämpfen, können wir trinken und sie nicht."

Muhammad (s.a.s.) erkannte, dass Al Hubabs Rat richtig war, erhob sich mit seinen Begleitern und folgte der Ansicht seines Gefährten. Durch dieses sein Verhalten machte er seinen Leuten deutlich, dass er ein ganz gewöhnlicher Mensch wie sie war. Dass sie sich durch Beratung untereinander eine Meinung bilden sollten und er ohne ihre Ansicht keine Entscheidung treffen würde, ja er sogar des guten Rates eines von ihnen bedurfte.

 

Bau einer Laubhütte für den Propheten

Als sie das Wasserbecken fertiggestellt hatten, riet Sad Ibn Muadh: "0 Prophet Allahs , wir bauen dir eine Laubhütte, in der du dich aufhältst und deine Reittiere bereithältst. Dann beginnen wir das Gefecht mit unserem Feind. Wir möchten, dass Allah uns stärkt und uns über unseren Feind siegen lässt. Wenn aber das Gegenteil eintritt, nimmst du deine Reittiere und schließt dich den Hinteren unserer Leute an. Hinter dir sind Leute zurückgeblieben, o Prophet Allahs , die dich nicht weniger lieben als wir. Und hätten sie geahnt, dass du in einen Krieg verwickelt würdest, so wären sie mit dir gezogen. Allah schützt dich durch sie, sie beraten dich und kämpfen mit dir."

Muhammad (s.a.s.) lobte Sad und sprach für ihn ein Bittgebet. Die Laubhütte wurde für den Propheten errichtet, auf dass er - sollten er und seine Gefährten nicht den Sieg erringen - nicht in die Hand seiner Feinde fiele, sondern sich zu seinen Gefährten in Jathrib begeben könnte.

 

Der aufrichtige Glaube der Muslime

An dieser Stelle müssen wir innehalten, um die aufrichtige Loyalität der Muslime sowie ihre grenzenlose Liebe für Muhammad (s.a.s.) und ihren Glauben an seine Botschaft zu bewundern.
Sie waren sich der dreifachen Übermacht der Kuraisch voll bewusst. Dennoch entschlossen sie sich, ihnen entgegenzutreten und mit ihnen zu kämpfen. Sie sahen, wie ihnen ihre Beute entgangen war; es war also nicht der materielle Gewinn, der sie zum Kampf veranlasste. Dennoch standen sie an der Seite des Propheten, um ihn zu unterstützen und zu bestärken. Sie schwankten zwischen der Hoffnung auf den Sieg und der Furcht vor der Niederlage. Dennoch machten sie sich Gedanken darüber, den Propheten davor zu schützen, dass der Feind sich seiner bemächtigte. Sie bahnten ihm den Weg, sich denen, die er in Medina zurückgelassen hatte, anschließen zu können. Welche Haltung ruft mehr Bewunderung hervor als diese, und welcher Glaube gewährleistet den Sieg so wie dieser!

Die Kuraisch schlugen ihr Schlachtlager auf und entsandten dann einige Männer, um für sie Neuigkeiten über die Muslime zu erkunden. Sie erfuhren, dass sie ungefähr dreihundert waren. Sie besaßen weder ein Versteck noch eine Wasserstelle; ihre einzige Stärke und ihr einziger Schutz waren vielmehr nur ihre Schwerter, und keiner von ihnen würde sterben, ohne entsprechend getötet zu haben.
Da mit diesem Heer die führende Schicht der Kuraisch ausgezogen war, fürchteten einige Weise unter ihnen, die Muslime könnten viele von ihnen töten, und Mekka würde sein Ansehen verlieren. Sie fürchteten jedoch Abu Dschahls Zorn und Vorwurf, dass sie feige und kleinherzig seien. Dennoch erhob sich Utba Ibn Rabia und sagte:
"0 ihr Kuraisch, bei Allah , dadurch, dass ihr mit Muhammad und seinen Gefährten zusammenstoßt, erreicht ihr gar nichts. Bei Allah , selbst wenn ihr ihm eine Niederlage beibringt, so wird doch ein jeder einem Mann ins Gesicht sehen, der seinen Neffen oder jemanden aus seiner Verwandtschaft getötet hat. Kehrt also um und lasst Muhammad (s.a.s.) mit den übrigen Arabern allein; wenn sie ihm eine Niederlage zufügen, so ist dies das, was ihr wollt, und wenn nicht, setzen wir uns nicht der Gefahr aus, von ihm geschlagen zu werden."

Als Abu Dschahl von der Rede Utbas erfuhr, entbrannte er vor Zorn; er ließ Amir Ibn Al Hadrami holen und sagte zu ihm: "Dein Verbündeter hier will mit den Leuten zurückkehren, während du deine Rache vor deinen Augen hast. Erhebe dich und beschwöre die Ermordung deines Bruders!"* Da erhob sich Amir und rief: "0 Amr!" Damit war der Krieg unausweichlich.
*Sein Bruder Amr Ibn AI Hadrami war beim Feldzug von Abdullah Ibn Dschahsch während des heiligen Monats getötet worden (s. vorangehendes Kapitel). Nachdem der Schutz der Karawane Abu Sufjans als Motiv für den Auszug der Kuraisch hinfällig geworden war, da sie entkommen war, konnte der Kriegszug dennoch als Vergeltung für einen Ermordeten gerechtfertigt werden.

 

Hamza tötet Ibn Abd Al Asad

Der Kampf wurde rasch herbeigeführt, indem Al Aswad Ibn Abd Al Asad Al Machzumi von den Kuraisch auf die Muslime losstürzte, um das Becken zu zerstören, das sie gebaut hatten. Hamza Ibn Abd Al Muttalib kam ihm mit einem Schwertstreich zuvor, der ihm den Schenkel abschlug, worauf er mit blutüberströmtem Bein auf den Rücken fiel. Mit einem weiteren Hieb tötete ihn Hamza, bevor er das Becken erreichen konnte. Nichts lässt die Schwerter schärfer werden denn der Anblick von Blut. Und nichts erregt die Neigung zu Kampf und Krieg in einem Menschen heftiger als mit seinen Leuten ansehen zu müssen, wie ein Mann durch die Hand des Feindes stirbt.

Kaum war Al Aswad gefallen, zog Utba Ibn Rabia, begleitet von seinem Bruder Schaiba und seinem Sohn Al Walid Ibn Utba, los und rief zum Zweikampf. Daraufhin kamen einige Jugendliche Medinas zu ihm. Als er sie erkannte, sagte er zu ihnen: "Wir bedürfen eurer nicht. Wir wollen Leute aus unserem Volk." Und ihre Rufer riefen: "0 Muhammad, sende Ebenbürtige von unseren Leuten zu uns."
Da kamen Hamza Ibn Abd Al Muttalib, Ali Ibn Abu Talib und Ubaida Ibn Al Harith zu ihnen. Sogleich tötete Hamza Schaiba, und Ali den Al Walid. Dann halfen sie Ubaida, dem Utba standgehalten hatte.

 

Das Zusammentreffen der beiden Heere

Als die Kuraisch das sahen, rückten sie vor, und am Freitagmorgen, dem siebzehnten Ramadan, trafen die beiden Heere aufeinander.
Muhammad (s.a.s.) führte die Muslime an und ordnete ihre Reihen. Als er jedoch die Vielzahl der Kuraisch gegenüber der geringen Zahl seiner Männer sowie die Schwäche ihrer Ausrüstung verglichen mit der Ausrüstung der Polytheisten sah, kehrte er mit Abu Bakr in die Laubhütte zurück. Er war von tiefer Furcht wegen des Ausgangs dieses Tages erfüllt und äußerst besorgt, wie die Sache des Islam enden werde, sollten die Muslime nicht den Sieg erlangen.

 

Muhammads (s.a.s.) Bittgebet und Flehen

Muhammad (s.a.s.) wandte sich in die Gebetsrichtung und richtete seine ganze Seele auf seinen Herrn und begann, IHN eindringlich zu bitten bezüglich des Versprechens, das ER ihm gegeben hatte und das ihm Mut einflößte: dass ER ihm den Sieg geben werde. Bis zum äußersten tat er Buße, rief und flehte er Allah (t.) an und begann zu sagen: "0 Allah , diese Kuraisch sind in ihrem Stolz gekommen, um zu versuchen, DEINEN Gesandten als Lügner hinzustellen. 0 Allah , DEINE Hilfe, die DU mir versprachst! 0 Allah , wenn diese Schar heute vernichtet wird, wirst DU nicht mehr angebetet werden."

Er hörte nicht auf, seinen Herrn, seine Hände ausgebreitet und der Gebetsrichtung zugewandt, anzuflehen, bis sein Obergewand herabfiel. Abu Bakr legte es ihm von hinten wieder auf die Schultern und sagte zu ihm aufmunternd: "0 Prophet Allahs , ein Teil deines Flehens an deinen Herrn ist genug; Allah wird für dich gewiss erfüllen, was ER dir versprach."
Muhammad (s.a.s.) verweilte jedoch ganz Allah (t.) hingegeben in äußerster flehender Demut und voller Furcht. Er bat seinen Herrn um Hilfe in dieser Lage, auf die die Muslime nicht gefasst und für die sie nicht ausgerüstet waren. Schließlich ließ er den Kopf vor Müdigkeit auf die Brust sinken und verfiel in einen Schlummer, während dessen er den Sieg von Allah (t.) sah. Beglückt wachte er auf und ging zu den Leuten hinaus, um sie anzuspornen und ihnen zu sagen:
"Bei DEM, in DESSEN Hand Muhammads (s.a.s.) Seele ist, jeder, der sie heute bekämpft und getötet wird, während er standhaft und in der Hoffnung auf Belohnung vordringt und nicht umkehrt, den lässt Allah ins Paradies ein."

 

Die moralische Kraft

Von Muhammads (s.a.s.) starker Seele, die Allah (t.) jede andere Kraft übertreffen ließ, ging auf jene, die an seine Botschaft glaubten, eine Kraft über, die ihre Entschlossenheit verdoppelte und jeden von ihnen zwei, ja zehn Männern gleichkommen ließ.

Man kann dies leicht nachvollziehen, wenn man bedenkt, welch starken Einfluss die moralische Kraft auf die Menschen ausübt, sobald es ausreichende Gründe für die Zunahme dieser moralischen Kraft in ihnen gibt. Das Motiv der Vaterlandsliebe verstärkt sie noch. Der Soldat, der sich von Mitgefühl und Vaterlandsliebe erfüllt anschickt, seine durch Gefahr bedrohte Heimat zu verteidigen, vervielfacht seine moralische Kraft entsprechend dem Ausmaß seiner Heimatliebe und seines Glaubens an sie sowie entsprechend dem Ausmaß seiner Furcht vor Gefahr, mit der der Feind die Heimat bedroht. Deshalb impfen die Nationen ihren Söhnen von frühester Jugend an die Vaterlandsliebe und die Geringschätzung jeden Opfers um ihretwillen ein.

Der Glaube an Wahrheit, Gerechtigkeit, Freiheit und den erhabenen Wert des Menschseins verstärkt die innere Kraft im Menschen so, dass sie ihrerseits die materielle Kraft darin vervielfacht. Diejenigen, die sich an die intensive Propaganda der Alliierten gegen die Deutschen im Zweiten Weltkrieg erinnern - deren Grundlage war, dass sie die Sache der Freiheit und der Wahrheit verteidigten, das militaristische Deutschland bekämpften und dem Zeitalter des Friedens und Lichtes den Weg bahnten -, begreifen, wie diese Propaganda die Kraft der Soldaten der Alliierten im selben Maße mehrte wie sie bei den meisten Nationen auf Mitgefühl stieß.

Was sind Patriotismus und das Einsetzen für den Frieden aber verglichen mit dem, wozu Muhammad (s.a.s.) aufrief: zur Verbindung des Menschen mit dem gesamten Sein, auf dass er darin aufgehe und mit ihm zu einer Kraft im Kosmos werde, der ihn zum Weg des Guten, der Wahrheit und der Vollkommenheit lenkt. Ja! Was sind Vaterlandsliebe und das Einsetzen für den Frieden verglichen damit, an der Seite Allahs (t.) zu stehen und jene zu bekämpfen, die die Gläubigen von IHM abbringen, von SEINEM Weg fernhalten und den Menschen auf die Stufe des Heidentums und Polytheismus herabsetzen.

Wenn die Liebe zur Heimat die Menschen in dem Maße stärkt, wie die Heimat insgesamt an Kraft beinhaltet, und die Liebe zum Frieden für die Menschheit sie in dem Maße stärkt, wie die Menschheit insgesamt an Kraft beinhaltet, um wie viel mehr stärkt sie dann der Glaube an das gesamte Sein und an den Schöpfer des gesamten Seins! Er befähigt sie, Berge zu versetzen, ja die ganze Welt in Bewegung zu setzen und durch ihre moralische Macht auf jeden Menschen aufzupassen, der schwächer an Glauben ist. Denn moralische Macht mehrt ihre Kraft um ein Vielfaches.

Wenn nun diese moralische Macht wegen der unter den Muslimen vor der Schlacht herrschenden unterschiedlichen Meinungen nicht ihr vollkommenes Ausmaß erreichte, so konnte auch die körperliche Kraft nicht das erstrebte Ausmaß an Vollkommenheit erreichen. Sie wurde jedoch intensiver infolge dieses Glaubens, durch den die Kraft dadurch zunahm, dass Muhammad (s.a.s.) seine Gefährten damit anspornte und ihnen dadurch für ihre zahlen- und ausrüstungsmäßige Schwäche einen Ausgleich schuf.

 

Muhammads (s.a.s.) Ermunterung der Gläubigen

Über diese Lage des Propheten und seiner Gefährten wurden die beiden Ayat geoffenbart:
"0 Prophet, sporne die Gläubigen zum Kampf an; wenn unter euch zwanzig Standhafte sind, überwinden sie zweihundert; und wenn unter euch hundert sind, überwinden sie tausend von den Ungläubigen, da sie Leute sind, die nicht begreifen. Nunmehr hat Allah es euch leicht gemacht, denn ER weiß, dass in euch Schwäche ist. Wenn also unter euch hundert Standhafte sind, überwinden sie zweihundert, und wenn unter euch tausend sind, überwinden sie zweitausend, so Allah will; und Allah ist mit den Standhaften." *(8, V.65-66)

Dadurch, dass Muhammad (s.a.s.) die Muslime anspornte, in ihren Reihen stand und sie zur Bekämpfung des Feindes antrieb, sowie durch die Ankündigung für sie, dass das Paradies dem von ihnen gehöre, der sich am besten bewähre und furchtlos ins gegnerische Heer vordringe, wurden sie mehr und mehr gestärkt. Sie richteten ihr größtes Augenmerk auf die Edelleute der Kuraisch und ihre Anführer, die sie als Vergeltung dafür zu vernichten versuchten, dass sie sie in Mekka gepeinigt und von der Kaba und vom Wege Allahs (t.) abgehalten hatten.
*Qur´aan Sura 8, Aya 65-66)

 

Bilal tötet Umaija Ibn Chalaf

Bilal sah Umaija Ibn Chalaf und dessen Sohn umgeben von einigen Muslimen, die ihn von Mekka kannten. Umaija war es gewesen, der Bilal malträtiert hatte, als er ihn auf den heißen Boden Mekkas zwang, ihn auf den Rücken legte und den gewaltigen Felsblock auf seine Brust legen ließ, um ihn vom Islam abzubringen; doch Bilal hatte beständig wiederholt: einer, einer. Als nun Bilal Umaija sah, rief er ihm zu: "Umaija, der Kopf des Unglaubens! Ich will nicht entkommen, wenn er entkommt!"

Einige Muslime um Umaija versuchten, seine Tötung zu verhindern und ihn gefangen zu nehmen. Da schrie Bilal die Leute mit höchster Stimme an: "0 Helfer Allahs , der Kopf des Unglaubens Umaija Ibn Chalaf! Ich will nicht entkommen, wenn er entkommt." Die Leute versammelten sich, doch Bilal ließ nicht ab, bis er Umaija getötet hatte.

Muadh Ibn Amr Ibn Al Dschamuh tötete Abu Dschahl Ibn Hischam. Hamza, Ali und all die Helden der Muslime stürzten sich ins Schlachtgetümmel, und ein jeder von ihnen vergaß sich selbst und die geringe Zahl seiner Gefährten und die große Zahl seiner Feinde. Der Staub wirbelte auf, so dass die Luft von ihm erfüllt war, und die Köpfe der Kuraisch flogen von ihren Körpern. Die Muslime wurden durch ihren Glauben stärker und riefen, Allah (t.) als alleinigen Gott bekennend: einer, einer. Die Grenzen von Zeit und Raum schwanden vor ihnen, und Allah (t.) half ihnen durch die Engel, die ihnen frohe Botschaften brachten und sie an Festigkeit und Glauben zunehmen ließen. Wann auch immer einer von ihnen sein Schwert hob und damit auf den Nacken seines Gegners einhieb, war es, als bewege die Kraft Allahs (t.) seine Hand.

 

Muhammad (s.a.s.) inmitten des Getümmels

Muhammad (s.a.s.) stand mitten in diesem Feuerofen, in dem der Engel des Todes einherging, dem Unglauben den Hals abzuschneiden. Er nahm eine Handvoll Kies, wandte sich damit den Kuraisch zu und sagte: "Die Gesichter sind entstellt!" Dann bewarf er sie damit und gab seinen Gefährten die Anweisung, loszustürmen. Und die Muslime stürmten los und waren zahlenmäßig immer noch weniger als die Kuraisch. Aber jeder von ihnen war von einem von Allah (t.) kommenden Hauch erfüllt, und niemand von ihnen hätte den Feind getötet oder jemanden gefangen genommen, wäre da nicht dieser Hauch gewesen, der seine Kraft vervielfachte. In diesem Zusammenhang wurden die Worte des Erhabenen geoffenbart:

"Als dein Herr den Engeln offenbarte: ICH bin gewiss mit euch, so festigt denn die Gläubigen. ICH werde in die Herzen der Ungläubigen Schrecken werfen, so schlagt auf die Nacken und schlagt jeden Finger von ihnen ab."
(8, V.12)

Und die Worte des Erhabenen:
"Und nicht ihr tötetet sie, sondern Allah tötete sie; und nicht du warfst, als du warfst, sondern Allah warf." (8, V.17)

Als der Gesandte erkannte, dass Allah (t.) ihm SEIN Versprechen erfüllt und den Muslimen vollkommenen Sieg geschenkt hatte, kehrte er in die Laubhütte zurück. Die Kuraisch flohen, und die Muslime verfolgten sie und nahmen von ihnen gefangen, wer nicht getötet worden war bzw. sich nicht durch die Flucht retten konnte.
Die Muslime töteten niemanden, der ihnen gegenüber Wohlverhalten gezeigt hatte

Dies ist der Kriegszug von Badr, durch den sich die Lage für die Muslime in ganz Arabien festigte. Er stellt den Beginn der Einheit der Halbinsel im Schutz des Islam und den Beginn des sich ausweitenden islamischen Reiches dar. Er begründete in der Welt eine Zivilisation, die einen tiefen Einfluss auf ihre Existenz hatte und immer noch hat.

Es ruft vielleicht Verwunderung hervor zu erfahren, dass Muhammad (s.a.s.), obwohl er seine Gefährten anfeuerte und die Vernichtung von Allahs (t.) und seinen Feinden wünschte, den Muslimen vom ersten Augenblick der Schlacht an nahe legte, die Banu Haschim und einen Teil der Edelleute der Kuraisch nicht zu töten. Auch wenn sie sich am Kampf gegen die Muslime beteiligten und ihrerseits von den Muslimen töten würden, wen sie könnten. Es wäre falsch anzunehmen, er habe damit seine Angehörigen oder einen seiner Verwandten begünstigen wollen, denn Muhammad (s.a.s.) war über solche Erwägungen erhaben. Vielmehr gedachte er bei den Banu Haschim ihres dreizehnjährigen Schutzes für ihn vom Tag der Entsendung bis zum Tag der Auswanderung, ja dass sogar sein Onkel Al Abbas in der Nacht des Abkommens von Akaba mit ihm war. Neben den Banu Haschim gedachte er des Wohlverhaltens anderer Kuraisch: jener, die trotz ihres Beharrens auf dem Unglauben die Vernichtung des Schriftstücks verlangten, mit dem die Kuraisch ihn und seine Gefährten zum Ausharren in der Bergschlucht zwangen, nachdem sie jede Verbindung und Beziehung mit ihnen abgebrochen hatten.

Dieses Wohlverhalten, die die einen und anderen gezeigt hatten, erachtete Muhammad (s.a.s.) bereits als eine gute Tat. Dies sollte ihnen mit gleichem, ja mit zehnmal mehr vergolten werden. Deshalb war er zur Stunde des Kampfes ihr Fürsprecher bei den Muslimen. Dennoch weigerten sich einige dieser Kuraisch, sich unter den Schutz dieser Vergebung zu stellen, wie zum Beispiel Abu Al Bachtari, einer von jenen, die für die Zerstörung des Schriftstücks eingetreten waren - er weigerte sich und wurde getötet.

Die Mekkaner wandten sich niedergeschlagen ob ihres Schicksals und mit vor Schmach gesenktem Blick zur Flucht. Fast jeder von ihnen wich dem Blick seiner Gefährten aus, um sein Gesicht aus Scham vor dem übel, das sie alle getroffen hatte, zu verbergen.
Die Muslime blieben bis zum Ende des Tages in Badr. Dann sammelten sie die Getöteten von den Kuraisch, hoben für sie einen Graben aus und beerdigten sie.

 

Die Leute des Grabens

Muhammad (s.a.s.) und seine Gefährten verbrachten auch jene Nacht auf dem Schlachtfeld. Sie waren damit beschäftigt, die Beute einzusammeln und die Gefangenen zu bewachen. Später in der Nacht begann Muhammad (s.a.s.), sowohl über den Sieg nachzudenken, den Allah (t.) den Muslimen trotz ihrer geringen Zahl gewährt hatte, als auch über die Niederlage, die er den Polytheisten beigebracht hatte, die keine Glaubensstärke besessen hatten, durch die ihre große Zahl hätte bestärkt werden können.

Während er darüber nachzudenken begann, konnten seine Gefährten mitten in der Nacht hören, wie er sagte: "O ihr Leute des Grabens! 0 Utba Ibn Rabia, o Schaiba Ibn Rabia! 0 Umaija Ibn Chalaf! 0 Abu Dschahl Ibn Hischam!" und er brachte die Nacht damit zu, die Begrabenen einen nach dem anderen zu erwähnen - "0 Leute des Grabens, habt ihr als wahr gefunden, was euer Herr euch versprach? Denn ich habe als wahr gefunden, was mir mein Herr versprach."
Die Muslime fragten: "0 Gesandter Allahs , rufst du verwesende Leute?" Er (s.a.s.) entgegnete: "Ihr hört das, was ich sage, nicht besser als sie, nur können sie mir nicht antworten."

Der Gesandte Allahs blickte Abu Hudhaifa Ibn Utba ins Gesicht und fand es niedergeschlagen und von veränderter Farbe. Da fragte er: "0 Abu Hudhaifa, ist dir vielleicht die Sache deines Vaters ein bisschen nahegegangen?" Abu Hudhaifa antwortete: "Nein, bei Allah , o Gesandter Allahs ! Ich bin weder wegen meines Vaters noch wegen seines Todes verunsichert, aber ich kannte die Einsicht und Urteilskraft sowie die Milde und Güte meines Vaters und hoffte, dies würde ihn zum Islam führen. Als ich jedoch nach diesem meinen Hoffen sah, was ihm zustieß, und dabei an seinen Unglauben dachte, machte mich sein Fall traurig." Da redete der Gesandte Allahs im gut zu und betete für ihn.

 

Meinungsverschiedenheiten der Muslime über die Beute

Als der Morgen anbrach und es für die Muslime an der Zeit war, nach Medina zurückzukehren, begannen sie, sich gegenseitig zu fragen, wem die Beute gehöre. Diejenigen, die sie eingesammelt hatten, sagten: "Wir haben sie eingesammelt, und somit gehört sie uns." Diejenigen, die den Feind bis zur Stunde seiner Niederlage verfolgt hatten, sagten: "Bei Allah , wir haben mehr Recht auf sie, denn ohne uns hättet ihr sie nicht erlangt." Diejenigen, die Muhammad (s.a.s.) beschützt hatten aus Furcht, der Feind könne es auf ihn absehen, sagten: "Niemand von euch hat mehr Recht darauf als wir, denn es wäre uns möglich gewesen, den Feind zu töten und Beute zu machen, wenn niemand zurückgeblieben wäre, ihn zu beschützen; aber wir fürchteten für den Gesandten Allahs den Angriff des Feindes und hielten uns deshalb bei ihm auf."

Da befahl Muhammad (s.a.s.) den Leuten, alles, was sie an Beute in ihren Händen hatten, zurückzugeben, und ordnete an, dass sie mitgenommen werde, bis er sich eine Meinung gebildet oder Allah (t.) darüber SEIN Urteil verkündet habe.
Muhammad (s.a.s.) sandte Abdullah Ibn Rawaha und Zaid Ihn Haritha als Vorboten nach Medina, um seiner Bevölkerung mitzuteilen, welchen Sieg Allah (t.) den Muslimen verliehen hatte. Er und seine Gefährten brachen auf, nach Medina zurückzukehren; mit ihm waren die Gefangenen und die von den Polytheisten erlangte Beute, die er Abdullah Ibn Kab anvertraute.

 

Muhammads (s.a.s.) gleichmäßiges Verteilen unter den Muslimen

So zogen die Leute los. Als sie den Engpass von As Safra erreichten, stieg Muhammad (s.a.s.) auf einem Sandhügel ab und verteilte dort die Beute, die Allah (t.) den Muslimen gewährt hatte, zu gleichen Teilen unter ihnen. Einige Historiker meinen, er habe die Beute verteilt, nachdem er ein Fünftel davon genommen habe, den Worten des Erhabenen folgend:

"Und wisset, wenn ihr etwas erbeutet, so gehört ein Fünftel davon Allah und dem Gesandten und den Verwandten und den Waisen und den Armen und dem Sohn des Weges, sofern ihr an Allah glaubt und an das, was WIR UNSEREM Diener offenbarten am Tage der Entscheidung, am Tage, da die beiden Heere aufeinander trafen; und Allah ist aller Dinge mächtig." (8, V. 41)

Die meisten Biographen, insbesondere die früheren unter ihnen, vertreten jedoch die Ansicht, diese Aya sei nach Badr und nach der Verteilung des dabei Erbeuteten geoffenbart worden. Sie gehen davon aus, dass Muhammad (s.a.s.) zu gleichen Teilen unter den Muslimen verteilt und für das Pferd dasselbe wie für den Reiter gegeben und dem Erben den Anteil derer gegeben habe, die bei Badr als Märtyrer gefallen waren. Er habe auch jenen, die in Medina zurückgeblieben und in Badr nicht dabei waren, einen Anteil für das gegeben, was sie für die Muslime an Arbeit geleistet hatten. Sowie jenen, die er beim Auszug nach Badr zu kommen gebeten hatte und die aufgrund einer Entschuldigung zurückgeblieben waren, die der Gesandte gebilligt hatte.

Auf diese Weise verteilte er die Beute gerecht. Denn nicht nur der Kämpfer allein hatte teil an Krieg und Sieg, sondern ein jeder, dessen Wirken einen Teil zum Erfolg beitrug, was auch immer seine Tätigkeit war und gleich, ob er sich auf dem Schlachtfeld oder weitab von ihm befand.

 

Tötung zweier Gefangener

Als die Muslime auf ihrem Weg nach Medina waren, wurden zwei der Gefangenen getötet: An Nadr Ibn AI Harith und Ukba Ibn Abu Muait. Weder Muhammad (s.a.s.) noch seine Gefährten hatten bis dahin eine Regelung für die Gefangenen getroffen, ob diese getötet, ausgelöst oder versklavt werden sollten. An Nadr und Ukba hatten jedoch den Muslimen, als diese noch in Mekka wohnten, außerordentlich übel mitgespielt und nicht aufgehört, ihnen jeden möglichen Schaden zuzufügen.

An Nadr wurde getötet, als die Gefangenen dem Propheten (s.a.s.) nach ihrer Ankunft in Al Uthail vorgeführt wurden. Er sah An Nadr mit einem Blick an, der den Gefangenen erzittern ließ, so dass dieser zu einem Mann neben sich sagte: "Bei Allah , Muhammad wird mich töten! Er sah mich mit Augen an, in denen der Tod stand." Der neben ihm sagte: "Bei Allah , das ist nur deine Angst." An Nadr sagte zu Musab Ibn Umair, der ihm von den Anwesenden verwandtschaftlich am nächsten stand: "Sprich mit deinem Gefährten, er soll mich zu einem seiner Gefährten machen, denn Allah , er wird mich töten, wenn du es nicht tust." Musab jedoch antwortete: "Du hast alles mögliche gegen das Buch Allahs und SEINEN Propheten geredet und hast seine Gefährten gepeinigt." An Nadr erwiderte: "Hätten dich die Kuraisch gefangengenommen, hätten sie dich, solange ich lebe, nicht getötet." Musab sagte: "Bei Allah , ich halte dich nicht für aufrichtig; sodann bin ich nicht einer der Deinen, denn meine Zugehörigkeit zum Islam hat die Verpflichtungen aufgelöst."

An Nadr war der Gefangene von Al Mikdad, der hoffte, dass die Auslöse durch dessen Familie ihm viel Geld einbringen werde. Als er das Gespräch um dessen Tötung mitbekam, rief er: "An Nadr ist mein Gefangener!" Der Prophet (s.a.s.) sagte: "Köpft ihn! 0 Allah , bereichere Al Mikdad aus DEINER Überfülle." Da tötete ihn Ali Ibn Abu Talib durch einen Schlag mit dem Schwert.
Als sie auf ihrem Weg Irk Az Zubja erreichten, ordnete der Prophet die Tötung von Ukba Ibn Abu Muait an. Da schrie Ukba: "Wer ist dann für meine Kinder da, o Muhammad?!" Er sagte: "Das Höllenfeuer." Nach unterschiedlichen Überlieferungen tötete ihn entweder Ali Ibn Abu Talib oder Asim Ibn Thabit.

 

Siegesnachricht in Medina

Einen Tag vor dem Propheten und den Muslimen erreichten seine beiden Gesandten Zaid Ibn Haritha und Abdullah Ibn Rawaha Medina, und ein jeder von ihnen betrat die Stadt aus einer anderen Richtung. Abdullah begann, von seinem Reittier zu rufen, und verkündete den Ansar die Freudenbotschaft vom Sieg des Gesandten Allahs und seiner Gefährten und erwähnte, wer von den Polytheisten getötet worden war. Zaid Ibn Haritha tat es ihm gleich, während er auf Al Kaswa, der Kamelstute des Propheten ritt. Die Muslime versammelten sich eiligst, kamen aus ihren Häusern und bejubelten voller Freude den gewaltigen Sieg.

 

Die Juden und die Polytheisten in Medina

Diejenigen jedoch, die Polytheisten geblieben waren, sowie die Juden wurden von dieser Nachricht bedrückt und versuchten, sowohl sich selbst als auch die in Medina lebenden Muslime von deren Unrichtigkeit zu überzeugen. Sie riefen; "Muhammad wurde getötet, und seine Gefährten wurden in die Flucht geschlagen. Wir kennen alle seine Kamelstute. Hätte er gesiegt, wäre sie bei ihm geblieben. Was Zaid sagt, ist nichts als irres Gerede aus Schreck und Angst."
Die Muslime bestätigten jedoch sogleich die beiden Boten und vertrauten auf die Richtigkeit der Nachricht. Und die Freude unter ihnen hätte noch mehr zugenommen, wenn nicht ein plötzliches Ereignis ihre Freude in Grenzen gehalten hätte.

Dieses Ereignis war der Tod Rukaijas, der Tochter des Propheten, die er bei seinem Auszug nach Badr krank bei ihrem Gatten Uthman Ibn Affan zurückgelassen hatte, damit er sie pflege.
Als die Polytheisten und die Heuchler vom Sieg Muhammads (s.a.s.) überzeugt waren, waren sie bestürzt. Sie sahen, wie ihre Stellung gegenüber den Muslimen zur Bedeutungslosigkeit und Niedrigkeit herabsank, so dass einer der Führer der Juden sagte: "Das Innere der Erde ist heute besser als ihre Oberfläche, nachdem die Edlen der Menschen und ihre Herren und die Könige der Araber und die Wächter des Heiligtums und der Sicherheit getötet wurden."

 

Die Gefangenen von Badr

Die Muslime betraten Medina einen Tag vor den Gefangenen. Als diese dorthin gebracht wurden, sah Sauda Bint Zama, die Gattin des Propheten - die soeben von der Totenklage über die beiden Söhne von Afra zurückgekehrt war - Abu Jazid Suhail Ibn Amr, einen der Gefangenen, die Hände mit einem Strick an sein Genick gebunden. Sie konnte sich nicht beherrschen und sagte zu ihm: "0 Abu Jazid! Habt ihr euch selbst unterworfen und ergeben? Wäret ihr nicht besser ehrenhaft gestorben!" Da rief sie der Prophet aus dem Haus: "0 Sauda! Hetzt du gegen Allah , den Gewaltigen und Erhabenen, und gegen SEINEN Gesandten auf!" Da antwortete sie: "0 Gesandter Allahs ! Bei Allah , DER dich mit der Wahrheit entsandte, als ich Abu Jazid mit den Händen ans Genick gebunden sah, konnte ich mich nicht beherrschen zu sagen, was ich sagte."

Muhammad (s.a.s.) teilte die Gefangenen unter seinen Gefährten auf und sagte zu ihnen: "Behandelt sie gut." Danach begann er zu überlegen, was er mit ihnen tun sollte: Sollte er sie töten oder auslösen? Denn unter ihnen waren Leute die stark im Krieg und kräftig im Kampf waren. Nachdem sie bei Badr in die Flucht geschlagen worden waren und sie die Schmach der Gefangenschaft getroffen hatte, waren sie von Hass und Groll erfüllt. Sollte er die Auslösung annehmen, würden sie vereint Krieg gegen ihn führen. Sollte er sie aber töten, würden ihre Angehörigen von den Kuraisch gereizt reagieren, die möglicherweise still blieben, wenn sie sie auslösten.

 

Abu Bakrs und Umars Meinungen über die Gefangenen

Er legte die Sache den Muslimen vor, um sich mit ihnen zu beraten und ihnen die Wahl zu lassen. Die Muslime fanden bei den Gefangenen Lebenshoffnung und Bereitschaft zu einem gewaltigen Lösegeld. Die Gefangenen sagten: "Wir sollten zu Abu Bakr schicken, denn er ist unter den Kuraisch der, der sich am meisten der Verwandtschaftsbeziehungen unter uns annimmt und der am meisten Erbarmen und Mitleid von ihnen besitzt. Wir kennen niemand Bevorzugteren bei Muhammad (s.a.s.) als ihn." So schickten sie zu Abu Bakr und sagten zu ihm: "0 Abu Bakr, unter uns sind die Väter, Brüder, Onkel und Neffen von euch, und selbst der Entfernteste von uns ist noch ein Verwandter. Sprich mit deinem Gefährten, er soll uns Gnade erweisen oder auslösen." Er versprach ihnen, sein Bestes zu tun.

Sie fürchteten nun aber, Ibn Al Chattab würde ihnen die Sache verderben. Sie schickten deshalb zu ihm, und er kam. Da sagten sie zu ihm dasselbe wie zu Abu Bakr. Er blickte sie jedoch von der Seite an.
Die beiden Wesire Muhammads (s.a.s.) gingen zu ihm, und Abu Bakr begann, ihn zu erweichen und milde zu stimmen und sagte: "0 Gesandter Allahs , du giltst mir als Vater und Mutter! Dies sind deine Leute, unter ihnen Väter, Söhne, Onkel, Neffen und Brüder, und ihr Entferntester ist ein Verwandter von dir. Erweise ihnen Gnade, und möge Allah dir Gnade erweisen; oder löse sie aus, und möge Allah sie durch dich vor dem Höllenfeuer retten; nimm von ihnen das, womit du die Muslime stärken kannst. Vielleicht ändert Allah ihre Herzen." Muhammad (s.a.s.) antwortete ihm nicht, und er erhob sich und zog sich zurück.
Umar kam und setzte sich auf seinen Platz und sagte: "0 Gesandter Allahs , sie sind Allahs Feinde, sie stellten dich als Lügner hin, bekämpften dich ,und vertrieben dich. Köpfe sie! Sie sind die Köpfe des Unglaubens und Anführer der Irreleitung.

Möge Allah durch sie dem Islam den Weg ebnen und ,die Polytheisten durch sie erniedrigen." Muhammad (s.a.s.) antwortete ihm nicht.
Abu Bakr kehrte an seinen ursprünglichen Platz zurück und begann, um Milde und Mitleid zu bitten. Er erinnerte an die Nähe und Verwandtschaft und erhoffte für diese Gefangenen die Rechtleitung, sollten sie am Leben bleiben. Auch Umar kehrte zurück, ein Beispiel an strenger Gerechtigkeit, bei der ihn weder Entgegenkommen noch Barmherzigkeit ergriffen.

 

Der Prophet spricht zu den Muslimen über die Gefangenen

Als Abu Bakr und Umar mit ihren Darlegungen fertig waren, erhob sich Muhammad (s.a.s.), betrat sein Zimmer und verweilte in ihm eine Stunde. Dann kam er heraus, während die Leute die Angelegenheit der Gefangenen behandelten; ein Teil von ihnen stand auf Abu Bakrs, ein anderer auf Umars Seite. Er beriet sich mit ihnen über das, was er tun sollte, und gab ihnen ein Gleichnis zu Abu Bakr und Umar. Was Abu Bakr betreffe, so sei er gleich dem Erzengel Michael, der mit der Zufriedenheit Allahs (t.) und SEINER Vergebung für SEINE Diener herabkomme; und sein Gleichnis unter den Propheten sei das Abrahams, der seinem Volk gegenüber weicher als Honig war. Sein Volk brachte ihn zum Feuer und warf ihn hinein, doch er sagte nicht mehr als:
""Pfui über euch und über das, was ihr anstelle Allahs anbetet! Habt ihr denn keine Einsicht?" (21, V.67)
und

"Aber wer mir folgt, der gehört gewiss zu mir, und wer sich mir widersetzt - so bist DU gewiss vergebend, barmherzig." (14, V. 36)
Sein Gleichnis unter den Propheten sei ferner das Jesu, als er sagte:
"Wenn DU sie bestrafst, so sind sie gewiss DEINE Diener, und wenn DU ihnen vergibst, so bist DU gewiss der Allgewaltige, der Allweise." (5, V. 118)
Das Gleichnis Umars unter den Engeln sei das Gabriels, der mit dem Zorn Allahs (t.) und der Vergeltung auf die Feinde Allahs (t.) herabkomme. Und sein Gleichnis unter den Propheten sei das Noahs, als er sagte:
"Mein Herr, lass auf Erden auch nicht einen einzigen von den Ungläubigen." (71, V.26)
Und das Mose, als er sagte:

"Unser Herr, vernichte ihren Reichtum und verhärte ihre Herzen, auf dass sie nicht glauben, bis sie die schmerzliche Strafe sehen. " (10, V. 68)
Sodann sagte Muhammad (s.a.s.): "Ihr seid fürwahr bedürftig, so lasst von ihnen keinen Mann außer mittels Auslösung entkommen, andernfalls köpft sie."

Die Leute berieten sich untereinander. Unter den Gefangenen war ein Dichter, Abu Izza Amr Ibn Abdullah Ibn Umair Al Dschumahi, der die Meinungsverschiedenheiten unter den Leuten sah und seine Rettung beschleunigen wollte. Er sagte: "Ich habe fünf Töchter, die nichts haben. Mach mich ihnen zum Geschenk, o Muhammad (s.a.s.), und ich komme mit dir überein, dass ich dich niemals bekämpfen noch Gedichte gegen dich schreiben werde." Da gab ihm der Prophet seine Einwilligung und schickte ihn ohne Auslösung fort, und er war der einzige Gefangene, der diese Straffreiheit erhielt. Es dauerte jedoch nicht lange, bis er sein Versprechen brach und sich wieder änderte. Er kämpfte ein Jahr später bei Uhud, wo er gefangengenommen und getötet wurde. ´

Die Muslime verharrten eine Zeitlang in ihrer Beratung, bis sie schließlich ihre Einwilligung zur Auslösung gaben. Aus Anlass dieser Einwilligung wurde die ehrenwerte Aya geoffenbart:
"Es war keinem Propheten beschieden, Gefangene zu haben, ehe er auf der Erde ein Gemetzel angerichtet hatte. Ihr wollt die Güter der diesseitigen Welt, und Allah will das Jenseits, und Allah ist allgewaltig, allweise, "*
* Qur´aan Sura 8, Aya 67. Diese Aya legt dar, dass das Ziel des Kampfes im Islam nicht die Erlangung weltlicher Güter ist und deshalb die Muslime nicht darauf bedacht sein sollen, Gefangene zu machen, sondern ihre Religion zu verteidigen und angreifenden Ungläubigen eine Niederlage beizubringen.

 

Die Diskussionen der Orientalisten

Viele Orientalisten verweilen bei diesen Gefangenen von Badr und der Tötung von An Nadr und Ukba und fragen: Liegt darin nicht ein Beweis für den Blutdurst dieser neuen Religion? Hätte er nicht geherrscht, wären die beiden Männer nicht getötet worden. Es wäre gewiss würdiger für die Muslime gewesen, die Gefangenen nach gewonnener Schlacht zurückzugeben und sich mit dem Lösegeld zufriedenzugeben, das sie erlangten. Mit dieser Frage wollen sie bei den Menschen Mitgefühl, das an jenem Tag fehl am Platz war, hervorrufen, damit es eintausend Jahre nach diesem und den weiteren Kriegszügen ein Mittel zur Herabsetzung der Religion und des Propheten sei.

Diese Frage ist jedoch sogleich zurückzuweisen, wenn wir das Töten von An Nadr und Ukba mit dem vergleichen, was heute geschieht und immer geschehen wird, solange die westliche Kultur unter dem Mantel des Christentums die Welt beherrscht. Lässt sich irgendetwas mit dem vergleichen, was sich in den vom Kolonialismus beherrschten Ländern angeblich zur Niederwerfung von Aufständen gegen den Protest ihrer Bevölkerung ereignet? Lässt sich irgendetwas mit dem Blutbad der Weltkriege vergleichen?! Lässt sich weiterhin etwas mit dem vergleichen, was sich während der Französischen Revolution ereignete und während der mannigfaltigen Aufstände, die in den verschiedenen Nationen Europas stattfanden und stattfinden?!

 

Die Revolution gegen das Götzentum

Es besteht kein Zweifel, dass die Sache zwischen Muhammad (s.a.s.) und seinen Gefährten eine gewaltige Revolution dessen darstellte, den Allah (t.) entsandt hatte, dem Götzentum und seinen polytheistischen Anbetern entgegenzutreten. Eine Revolution, die in Mekka begann, wo Muhammad (s.a.s.) und seine Gefährten ihretwegen dreizehn Jahre lang die unterschiedlichsten Arten von Peinigungen ertrugen. Dann zogen die Muslime nach Medina, wo sie ihre Scharen und Kräfte sammelten. Die Grundsätze der Revolution blieben sowohl bei ihnen als auch bei den Kuraisch nachdrücklich bestehen. Das Überwechseln der Muslime nach Medina, ihre Friedlichkeit gegenüber den Juden, das, was sie vor Badr an Gefechten unternahmen, und dieser Kriegszug von Badr - all das war die Politik der Revolution; es waren nicht ihre Grundsätze. Es war die Politik, die der Führer dieser Revolution zusammen mit seinen Gefährten betrieb, auf dass sie sich an die Anwendung der höchsten Grundsätze, die der Gesandte gebracht hatte, hielten.

Die Politik der Revolution ist eine Sache, und ihre Grundsätze sind eine andere. Der Kurs, der verfolgt wird, ist völlig verschieden vom Ziel, das mit diesem Kurs beabsichtigt wird. Wenn also der Islam die Brüderlichkeit zur Grundlage der islamischen Zivilisation gemacht hatte, so war es geboten, dass er seinen Weg zur Verwirklichung einschlug, auch wenn dies unausweichliche Härte und Heftigkeit erforderte.

 

Das Blutbad von St. Bartholomäus

Die Weise, in der die Muslime mit den Gefangenen von Badr umgingen, ist ein Zeichen der Barmherzigkeit und Güte verglichen mit dem, was sich in den Revolutionen ereignete, deren Ideen von Gerechtigkeit und Barmherzigkeit ihre Befürworter rühmen. Es ist nichts verglichen mit den großen Gemetzeln, die im Namen des Christentums stattfanden.

Wie das Blutbad von St. Bartholomäus, dieses Blutbad, das als eine Schande in der Geschichte des Christentums gilt und in der Geschichte des Islam nicht die geringste Entsprechung hat. Dieses Blutbad, das in einer Nacht in Gang gebracht wurde, als sich die Katholiken erhoben und die Protestanten in Paris und in Frankreich in der niedrigsten Form des Verrats und der abstoßendsten Form des Meuchelmords abschlachteten.
Wenn die Muslime nur zwei der fünfzig Gefangenen von Badr töteten. nachdem diese gegen die Muslime grausam gewesen waren und die Muslime in Mekka dreizehn Jahre lang alle Sorten von Peinigungen erlitten hatten, so lag darin bereits ein Übermaß an Barmherzigkeit und Berücksichtigung des diesseitigen Vorteils, weshalb auch die Aya geoffenbart wurde:
"Es war keinem Propheten beschieden, Gefangene zu haben, ehe er auf der Erde ein Gemetzel angerichtet hatte. Ihr wollt die Güter der diesseitigen Welt, und Allah will das Jenseits, und Allah ist allgewaltig, allweise, " (Qur´aan Sura 8, Aya 67)

 

Der Vorbote nach Mekka

Während die Muslime sich über den Sieg von Allah (t.) und das, was er ihnen an Beute gewährt hatte, freuten, eilte Al Haisuman Ibn Abdullah Al Chuza; nach Mekka. Er war der erste, der es betrat und seine Einwohner von der Niederlage der Kuraisch und der Tötung ihrer Führer, Adligen und Herren unterrichtete. Zuerst waren die Mekkaner überrascht und wollten die Nachricht nicht glauben. Wie sollten sie auch nicht überrascht sein, als sie die Nachricht von ihrer Niederlage und der Tötung ihrer Adligen und Führer hörten! Aber Al Haisuman war durchaus nicht irre und bekräftigte, was er sagte. Von den Kuraisch war er am meisten bekümmert ob dessen, was sie getroffen hatte.

 

Der Tod Abu Lahabs

Als sie sich schließlich seines Berichts vergewissert hatten, fielen sie wie vom Blitz getroffen nieder; Abu Lahab fieberte sogar und starb sieben Tage später.
Die Kuraisch berieten sich, was sie tun sollten, und einigten sich darauf, ihre Toten nicht zu beklagen, aus Furcht, Muhammad (s.a.s.) und seine Gefährten würden es erfahren und sich über ihr Unglück freuen. Auch wollten sie nicht nach ihren Gefangenen senden, damit Muhammad (s.a.s.) und seine Gefährten es ihnen nicht schwerer machten und das Lösegeld nicht in die Höhe trieben. So verging einige Zeit, während der die Kuraisch ihr Unglück geduldig ertrugen, bis sich für sie eine Gelegenheit bot, ihre Gefangenen auszulösen.

 

Die Auslösung der Gefangenen

Es kam nämlich Mikraz Ibn Hafs, um Suhail Ibn Amr auszulösen. Umar Ibn Al Chattab schien es schwer zu fallen, dass Suhail ungeschädigt ausgelöst und gerettet werden sollte. Er sagte deshalb: "0 Gesandter Allahs , lass mich die beiden Schneidezähne von Suhail Ibn Amr ausbrechen, so dass er die Zunge herausstreckt und sich niemals und nirgendwo mehr erhebt, um gegen dich zu reden." Die äußerst eindrucksvolle Antwort des Propheten war jedoch: "Ich werde ihn nicht verstümmeln, weil sonst Allah mich verstümmeln würde, auch wenn ich ein Prophet bin."

 

Die Auslösung von Abu AI As Ibn Ar Rabi und seine Annahme des Islam

Zainab, die Tochter des Propheten, schickte, um ihren Gatten, Abu AI As Ibn Ar Rabi, auszulösen. Unter dem, was sie sandte, befand sich ein Halsband von ihr, das Chadidscha ihr gegeben hatte, als Abu AI As die Ehe mit ihr vollzog. Als der Prophet es sah, empfand er tiefes Mitleid mit ihr und sagte: "Wenn ihr meint, ihr könnt für sie ihren Gefangenen freilassen und ihr ihr Eigentum zurückgeben, so tut es."

Dann kam er mit Abu Al As überein, dass er sich von Zainab scheiden würde, nachdem der Islam bereits zwischen ihm und ihr eine Trennung vollzogen hatte. Muhammad (s.a.s.) sandte Zaid Ibn Haritha und einen Gefährten mit ihm, und sie brachten sie nach Medina. Nicht lange nach der Zeit seiner Gefangenschaft zog Abu Al As jedoch mit Handelsgütern der Kuraisch nach Asch Scham. In der Nähe Medinas stieß er auf einen Expeditionstrupp Muhammads (s.a.s.), und sie nahmen in Beschlag, was er bei sich hatte. Unter dem Schutz der Nacht gelangte er aber zu Zainab und bat sie um Unterstützung, die sie ihm auch gewährte. Die Muslime gaben dem Mann seine Waren wieder, und er gelangte sicher damit nach Mekka.
Als er seinen Gefährten von den Kuraisch alles zurückgegeben hatte, sagte er: "0 ihr Kuraisch! Hat irgendjemand von euch von dem, was er mir gegeben hatte, nicht zurückerhalten?" Sie sagten: "Nein! Allah möge es dir mit Gutem vergelten! Wir haben dich vertrauenswürdig und edel gefunden." Er sagte: "So bezeuge ich, dass es außer Allah keinen Gott gibt und dass Muhammad SEIN Diener und SEIN Gesandter ist. Bei Allah , nichts hinderte mich, als ich bei ihm war, Muslim zu werden, außer der Furcht, ihr könntet sagen, ich hätte euer Geld auffressen wollen; doch da Allah es euch nun zukommen ließ und ich es los bin, werde ich jetzt Muslim."

Er begab sich wieder nach Medina, und der Prophet gab ihm Zainab zurück. Die Kuraisch fuhren fort, ihre Gefangenen auszulösen. Die Auslösebeträge betrugen damals zwischen ein- und viertausend Dirham pro Mann, außer wenn jemand nichts hatte; dann schenkte ihm Muhammad (s.a.s.) seine Freiheit.

 

Die Kuraisch betrauern ihre Gefallenen

Dies ließ die Kuraisch ihr Schicksal nicht leichter ertragen, noch bewegte es sie, Frieden mit Muhammad (s.a.s.) zu schließen oder gar ihre Niederlage zu vergessen. Vielmehr trauerten die Frauen der Kuraisch danach einen ganzen Monat um ihre Gefallenen und scherten ihr Haupthaar. Wann auch immer das Kamel oder Pferd eines Gefallenen gebracht wurde, so jammerten sie darum herum. Nur Hind, die Tochter von Utba und Gattin von Abu Sufjan verhielt sich darin anders.

 

Hind und Abu Sufjan

Eines Tages gingen einige Frauen zu ihr und fragten: "Weinst du nicht um deinen Vater, deinen Bruder, deinen Onkel und die Angehörigen deines Hauses?!" Da entgegnete sie: "Sollte ich um sie weinen, so erführen dies Muhammad und seine Gefährten und freuten sich über unser Unglück, und die Frauen der Chazradsch freuten sich auch über unser Unglück! Bei Allah , erst will ich mich an Muhammad und seinen Gefährten rächen! Öl soll mir verwehrt sein, bis wir einen Kriegszug gegen Muhammad unternehmen! Bei Allah , wüsste ich, dass die Trauer dadurch aus meinem Herzen weicht, würde ich weinen, aber sie weicht erst dann, wenn ich mit meinen eigenen Augen meine Rache an den Mördern der Geliebten sehe."

Sie blieb dabei, weder Öl anzurühren noch sich dem Bett Abu Sufjans zu nähern, und hetzte die Leute auf, bis die Schlacht von Uhud stattfand. Abu Sufjan seinerseits gelobte nach Badr, kein Wasser solle nach Verunreinigung seinen Kopf berühren, bis sie gegen Muhammad (s.a.s.) einen Kriegszug unternommen hätten.

 

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