D Das Leben des Propheten

14. Zwischen Badr und Uhud - Weg zum Islam

14. Zwischen Badr und Uhud

 


  1. Auswirkungen Badrs in Medina (Januar 624 n. Chr.)
  2. Die Juden verschwören sich
  3. Die Muslime töten Abu Afk und Asma
  4. Die Ermordung von Kab Ibn Al Aschraf
  5. Die Furcht und das feindselige Vorgehen der Juden
  6. Belagerung der Banu Kainuka
  7. Die Bitte von Abdullah Ibn Ubaij
  8. Der Auszug der Banu Kainuka aus Medina
  9. Die politische Einheit in Medina
  10. Der Weizenbrei - Feldzug
  11. Bedrohung der Küstenstraße nach Asch Scham
  12. Die Angst der Araber vor den Muslimen
  13. Die Angst der Juden
  14. Die Kuraisch nehmen den Weg über den Irak nach Asch Scham
  15. Die Muslime überfallen die Handelskarawane
  16. Die Heirat des Propheten mit Hafsa Bint Umar

 

Auswirkungen Badrs in Medina (Januar 624 n. Chr.)

Wie wir sahen, hinterließ Badr in Mekka tiefe Spuren, nämlich das Verlangen, bei nächster Gelegenheit Rache an Muhammad (s.a.s.) und den Muslimen zu nehmen.
Die Auswirkung Badrs in Medina war jedoch spürbarer und beeinflusste das Leben Muhammads (s.a.s.) und der Muslime mit ihm stärker. Denn die Juden, die Polytheisten und die Heuchler hatten nach Badr die zunehmende Stärke der Muslime erkannt. Sie sahen, wie dieser Fremde, der vor weniger als zwei Jahren als fliehender Auswanderer von Mekka zu ihnen gekommen war, an Macht und Stärke gewann und zum Herrscher nicht nur seiner Gefährten, sondern nahezu aller Einwohner Medinas geworden war.

Wie bereits dargelegt begannen das Murren und die Feindseligkeiten der Juden gegen die Muslime bereits vor Badr. Es schien, als habe nur der Freundschaftsvertrag zwischen den beiden Parteien eine Entladung der Spannungen in den meisten Fällen verhindert.

 

Die Juden verschwören sich

Kaum waren die Muslime stolz über den Sieg von Badr zurückgekehrt, begannen schon die anderen Gruppierungen Medinas, sich insgeheim abzusprechen und zu verschwören sowie gegen sie aufzuhetzen und Gedichte zur Aufwiegelung gegen sie zu verbreiten. Dadurch verlagerte sich der Schauplatz der Revolution von Mekka nach Medina und von der Religion zur Politik. Nicht nur Muhammads (s.a.s.) Aufruf zu Allah (t.) wurde bekämpft; auch seine Macht und sein unbeschränkter Einfluss riefen Furcht und Schrecken hervor und waren deshalb Grund zur Verschwörung gegen ihn und zu Überlegungen, ihn zu ermorden.

All das blieb Muhammad (s.a.s.) nicht im geringsten verborgen. Er erhielt von all dem Kunde und wusste über alles, was gegen ihn angezettelt wurde, Bescheid. Auf Seiten der Muslime wie der Juden begannen sich die Seelen nach und nach mit immer mehr Groll und Hass anzufüllen, und jede Partei begann darauf zu lauem, dass die andere ins Unglück geriet.

 

Die Muslime töten Abu Afk und Asma

Bis Allah (t.) ihnen den Sieg bei Badr gab, fürchteten sich die Muslime vor ihren Mitbürgern in Medina. Sie brachten noch nicht den Mut auf, gegen diejenigen vorzugehen, die einen Muslim von ihnen angriffen.
Als sie dann aber siegreich zurückkehrten, nahm es Salim Ibn Umair auf sich, Abu Afk (einen der Banu Amr Ibn Auf) zu töten. Letzterer hatte nämlich Gedichte verbreitet, mit denen er Muhammad (s.a.s.) und die Muslime verunglimpfte und sein Volk anstachelte, sie anzugreifen. Auch nach Badr blieb er dabei, die Leute gegen die Muslime aufzuhetzen. Da ging Salim in einer Sommernacht zu Abu Afk, während dieser im Hof seines Hauses schlief und durchstach sein Herz mit dem Schwert, bis es ins Bett eindrang.

Asma Bint Marwan (von den Banu Umaija Ibn Zaid) pflegte den Islam schlecht zu machen, dem Propheten Schaden zuzufügen und gegen ihn aufzuhetzen. Auch nach Badr blieb sie dabei. Da kam Umair Ibn Auf eines Tages mitten in der Nacht zu ihr und betrat ihr Haus, während eine Gruppe ihrer Kinder um sie herum schlief und eines von ihr gestillt wurde. Umair sah schlecht; deshalb tastete er mit der Hand nach ihr und fand das Kind, das sie stillte. Er nahm es von ihr weg und stach ihr dann mit seinem Schwert in die Brust, bis es aus ihrem Rücken hervortrat. Als Umair vom Propheten, nachdem er ihn von der Angelegenheit unterrichtet hatte, zurückkehrte, stieß er auf ihre Söhne in einer Gruppe, die sie beerdigt hatte. Sie näherten sich ihm und fragten: "0 Umair, hast du sie getötet?" Er sagte: "Ja! So sinnt alle auf mein Verderben und schont mich nicht! Aber bei DEM, in DESSEN Hand meine Seele ist, würdet ihr alle das sagen, was sie sagte, würde ich euch mit meinem Schwert schlagen, bis ich sterbe oder euch töte."



Diese Kühnheit von Umair trug dazu bei, dass der Islam bei den Banu Chatma die Oberhand gewann - Asma war die Gattin eines Mannes von ihnen gewesen. Jene von ihnen, die ihren übertritt zum Islam verborgen hatten, bekannten sich nun zu ihm und schlössen sich den Reihen der Muslime an.

 

Die Ermordung von Kab Ibn Al Aschraf

Es genügt, dass wir diesen beiden Beispielen noch den Tod von Kab Ibn AI Aschraf hinzufügen. Er war es, der sagte, als er von der Tötung der Herren Mekkas erfuhr: "Sie waren die Edelleute der Araber und die Könige der Menschen. Bei Allah , wenn Muhammad (s.a.s.) diese Leute getötet hat, so ist das Innere der Erde besser als ihre Oberfläche." Als er Gewissheit über die Nachricht hatte, war er es auch, der nach Mekka ging, um gegen Muhammad (s.a.s.) aufzuwiegeln, Gedichte vorzutragen und die Toten zu beweinen. Und er war es, der danach nach Medina zurückkehrte und begann, die Frauen der Muslime anzupöbeln.

Wir kennen die Gemütsart der Araber und ihren Charakter und wissen, welche Wertschätzung die Ehre bei ihnen genießt und wie sehr sie sich ihretwillen erregen. Die Verärgerung der Muslime erreichte ein Ausmaß, dass sie sich darüber verständigten, Kab zu töten. Eine Anzahl von ihnen schloss sich deshalb zusammen, und einer ging zu ihm, um sich durch Schmähung Muhammads (s.a.s.) bei ihm einzuschmeicheln, indem er zu ihm sagte: "Die Ankunft dieses Mannes bei uns war ein Unglück; die Araber verfeindeten sich und kämpften mit uns, und die Wege sind uns abgeschnitten, so dass die Familien zugrunde gehen und die Menschen erschöpft werden."

Als sie miteinander vertraut geworden waren, bat er ihn für sich und einige seiner Gefährten um Geld, wofür sie ihm ihre Rüstungen als Pfand geben würden. Kab war einverstanden, dass sie später zu ihm kommen würden. Er befand sich in seinem Haus fernab der Stadt, als ihn Ibn Abu Naila (einer der Verschwörer gegen ihn) bei Einbruch der Nacht rief. Er ging zu ihm hinaus, obwohl seine Gattin ihn davor warnte, um diese nächtliche Stunde das Haus zu verlassen. Die beiden Männer zogen los, bis sie auf die Gefährten von Abu Naila trafen. Kab fühlte sich sicher und hatte keine Angst vor ihnen. Die Leute zogen weiter, bis sie eine Stunde gelaufen waren, während der sie sich vom Hause Kabs entfernten. Sie unterhielten sich miteinander und beklagten ihren Zustand und welchen Härten sie ausgesetzt seien, was Kabs Vertrauen mehrte. Während sie dahingingen, legte Abu Naila seine Hand auf Kabs Kopf, roch daran und sagte: "Ich habe noch nie ein besseres Parfüm gerochen denn heute Abend." Als Kab nicht mehr den geringsten Argwohn gegen sie hegte, legte Abu Naila seine Hand erneut auf Kabs Haar, ergriff ihn beim Haar an den Schläfen und sagte: "Schlagt den Feind Allahs !" Da hieben sie mit ihren Schwertern auf ihn ein, bis er starb.

Die Furcht und das feindselige Vorgehen der Juden

Durch dieses Ereignis wuchs die Furcht der Juden, und es gab keinen von ihnen mehr, der nicht um sein Leben bangte. Dennoch ließen sie weder Muhammad (s.a.s.) noch die Muslime in Ruhe, bis diese aufs Blut gereizt waren.
Eine Araberin kam zum Markt der Juden von den Banu Kainuka und hatte Schmuck bei sich, mit dem sie sich zu einem ihrer Goldschmiede setzte. Da verlangten sie von ihr, ihr Gesicht zu entschleiern, doch sie weigerte sich. Da kam ein Jude heimlich von hinten und befestigte einen Zipfel ihres Gewandes mit einem Dom an der Wand hinter ihrem Rücken. Als sie sich erhob, wurde ihre Scham entblößt. Alle lachten über sie, während sie schrie. Da stürzte sich ein Mann von den Muslimen auf den jüdischen Goldschmied und tötete ihn. Hierauf drangen ihrerseits die Juden auf den Muslim ein und töteten ihn. Dessen Angehörige riefen jetzt die Muslime gegen die Juden zur Hilfe, und das Übelwollen zwischen ihnen und den Banu Kainuka trat offen zutage.

Muhammad (s.a.s.) forderte die Juden auf, mit ihren Angriffen auf die Muslime aufzuhören und das Freundschaftsabkommen einzuhalten, oder es werde ihnen widerfahren, was den Kuraisch widerfahren sei. Doch sie achteten seine Warnung gering und antworteten ihm: "Du solltest dich nicht der Illusion hingeben, o Muhammad, dass du auf ein Volk gestoßen bist, das nichts vom Krieg versteht, so dass du bei ihnen eine Chance hast. Bei Allah , wenn wir dich bekämpfen, dann wirst du wissen, was für Leute wir sind."
Danach blieb nur noch der Kampf mit ihnen als Ausweg, andernfalls wären die Muslime und ihre Macht in Medina dem Untergang geweiht gewesen. Sie wären dann zum Spott der Kuraisch geworden, während sie gestern erst die Kuraisch zum Spott der Araber gemacht hatten.

 

Belagerung der Banu Kainuka

Die Muslime zogen aus und belagerten die Banu Kainuka fünfzehn aufeinanderfolgende Tage in ihren Häusern und ließen niemanden heraus und niemanden mit Nahrung zu ihnen hinein. So mussten sie sich schließlich Muhammads (s.a.s.) Urteil fügen und sich seiner Entscheidung unterwerfen. Sie ergaben sich, und Muhammad (s.a.s.) bestimmte nach Beratung mit den Führern der Muslime ihrer aller Hinrichtung.

 

Die Bitte von Abdullah Ibn Ubaij

Da ging Abdullah Ibn Ubaij Ibn Salul, der sowohl mit den Muslimen als auch mit den Juden verbündet war, zu ihm und sagte: "0 Muhammad, sei gut zu meinen Verbündeten." Der Prophet zeigte sich ihm gegenüber zurückhaltend, deshalb wiederholte jener die Bitte. Da wandte sich Muhammad (s.a.s.) von ihm ab. Ubaij steckte seine Hand in die Tasche von Muhammads (s.a.s.) Rüstung woraufhin Muhammad (s.a.s.) sein Verhalten änderte und sagte: "Lass mich los!" Er war so aufgebracht, dass man sein Gesicht überschattet sehen konnte. Dann wiederholte er, wobei sich die Verärgerung auf den Klang seiner Stimme auswirkte: "Lass mich los, wehe dir!" Ibn Ubaij sagte: "Willst du alle von ihnen an einem einzigen Morgen töten! Ich bin bei Allah ein Mann, der ein Unglück fürchtet."

Abdullah besaß immer noch Einfluss unter den Polytheisten der Al Aus und Al Chazradsch, wenn diese Macht auch durch die Stärke der Muslime geschwächt worden war. Deshalb ließ sein Drängen den Propheten seine Gelassenheit wiederfinden, insbesondere, als auch Ubada Ibn As Samit kam und ihm Ibn Ubaijs Rede nochmals vortrug. Er entschied sich deshalb, Abdullah und den Polytheisten, die allesamt Freunde der Juden waren, diese Gefälligkeit zu erweisen, um sie sich wegen seiner Güte und Barmherzigkeit zu verpflichten. Doch wies er die Banu Kainuka als Vergeltung für ihr Tun aus Medina aus.

 

Der Auszug der Banu Kainuka aus Medina

Ibn Ubaij versuchte noch ein weiteres Mal, mit Muhammad (s.a.s.) über ihr Bleiben und Verweilen zu reden. Einer der Muslime jedoch hinderte ihn daran, Muhammad (s.a.s.) zu treffen und stritt sich mit ihm, bis Abdullah am Kopf verletzt wurde. Da sagten die Banu Kainuka: "Bei Allah , wir bleiben nicht in einem Land, in dem Ibn Ubaij verletzt wird, ohne dass wir ihn verteidigen können."
Dem gemäß führte sie Ubada nach ihrer Ergebung und Unterwerfung beim Verlassen Medinas an. Sie ließen die Waffen und Werkzeuge für das Gold, das sie bearbeitet hatten, hinter sich zurück und zogen bis zum Wadi Al Kura. Dort blieben sie eine Zeitlang, nahmen ihre Habe und zogen in Richtung Norden bis nach Adhriat an der Grenze von Asch Scham, wo sie sich niederließen. Vielleicht zog sie das Gelobte Land, dem die Herzen der Juden immer noch zugeneigt waren, nach Norden.

 

Die politische Einheit in Medina

Die Stärke der Juden in Medina nahm nach der Vertreibung der Banu Kainuka ab. Die meisten der mit Medina in Verbindung stehenden Juden lebten weit entfernt in Chaibar und Umm Al Kura. Dies hatte Muhammad (s.a.s.) mit ihrer Vertreibung erreichen wollen. Dieses politische Verhalten weist auf Weisheit und Weitsicht hin. Es war der unausweichliche Vorbote von politischen Folgen, die sich später aus Muhammads (s.a.s.) Strategie ergaben.
Nichts ist schädlicher für die Einheit einer Stadt als der Streit der Parteien in ihr. Wenn sich eine Auseinandersetzung zwischen diesen Gruppierungen nicht vermeiden lässt, dann ist es ebenso unvermeidbar, dass eine Partei die übrigen auf irgendeine Weise besiegt, die zu ihrer Vormachtstellung über sie führt.

Einige Historiker kritisieren das Verhalten der Muslime gegenüber den Juden und behaupten, die Geschichte der muslimischen Frau, die zum Goldschmied ging, wäre leicht beizulegen gewesen, nachdem von den Muslimen und den Juden bereits je ein Mann getötet worden war. Wir können diese Äußerung allein schon dadurch zurückweisen, dass die Tötung des Juden und des Muslims die Beleidigung, die die Juden den Muslimen in Person der Frau zufügten, nicht aufhebt. Außerdem war eine ähnliche Angelegenheit den Arabern mehr als anderen Völkern Anlass genug, dass sich deshalb die Gemüter erhitzten und ihretwegen der Kampf zwischen zwei Stämmen oder Gruppen mehrere aufeinanderfolgende Jahre hindurch entbrannte. In der Geschichte der Araber gibt es dafür Beispiele, die die mit diesen historischen Dingen Vertrauten kennen.

Es gibt darüber hinaus aber noch eine wichtigere Erwägung. Der Vorfall mit der Frau verhält sich zur Belagerung der Banu Kainuka und ihrer Vertreibung aus Medina wie die Ermordung des österreichischen Thronfolgers in Sarajewo im Jahre 1914 zum Ersten Weltkrieg, an dem ganz Europa beteiligt war: Es war der Funke, der die Seelen der Muslime und Juden insgesamt mit einer Flamme auflodern ließ, die zu ihrer Explosion mit all ihren Folgen führte. Die Präsenz der Juden, Polytheisten und Heuchler neben den Muslimen in einer Stadt und die dadurch entstandenen verschiedenen Gruppierungen machten Medina aus politischer Sicht tatsächlich zu einem Vulkan, vor dessen Ausbruch es kein Entkommen gab. Die Belagerung der Banu Kainuka und ihre Vertreibung aus Medina waren hierfür das erste Anzeichen.

 

Der Weizenbrei - Feldzug

Es war natürlich, dass die Nichtmuslime unter den Einwohnern Medinas sich nach der Ausweisung der Banu Kainuka zurückzogen und die Stadt nach außen hin die Ruhe und Friedlichkeit zeigte, die jedem Sturm und jedem Wirbelwind folgt. Bei dieser Ruhe blieb es für die Einwohner Medinas einen ganzen Monat. Und es wären noch weitere Monate gefolgt; doch Abu Sufjan ertrug es nicht, in Mekka zu bleiben und die Schande der Niederlage von Badr auf sich sitzen zu lassen. Er musste den Arabern der Halbinsel wieder den Eindruck vermitteln, dass die Kuraisch immer noch ihre Macht, ihr Stammesbewusstsein und ihre Fähigkeit zum Krieg und zum Kampf besaßen.

Deshalb sammelte er zweihundert - es heißt auch vierzig - von den Männern Mekkas und zog insgeheim mit ihnen aus. In der Nähe Medinas brachen sie dann vor Tagesanbruch auf und gelangten zu einem Gebiet namens Al Uraid. Dort fanden sie einen Mann der Ansar und einen Bundesgenossen von ihm auf ihrem Acker. Sie töteten sie und steckten zwei Häuser sowie Dattelpalmen in Al Uraid in Brand. Darauf meinte Abu Sufjan, sein Schwur, gegen Muhammad (s.a.s.) zu Felde zu ziehen, sei erfüllt, und wandte sich zur Flucht; denn er fürchtete, der Prophet und seine Gefährten würden ihn verfolgen.

Muhammad (s.a.s.) rief seine Gefährten, und sie folgten mit ihm an der Spitze Abu Sufjans Spur bis nach Karkarat Al Kudr. Abu Sufjan und seine Begleiter forcierten die Flucht. Ihre Furcht nahm zu und sie warfen vom mitgeführten Reiseproviant Weizenbrei weg, den die Muslime, als sie daran vorbeikamen, an sich nahmen. Als Muhammad (s.a.s.) erkannte, dass die Leute entkommen würden, kehrten er und seine Gefährten nach Medina zurück. Abu Sufjans Flucht wirkte sich negativ gegen ihn aus, nachdem er damit gerechnet hatte, der Feldzug werde den Kopf der Kuraisch nach dem Unglück von Badr wieder hochtragen lassen. Wegen des Weizenbreis, den die Kuraisch abgeworfen hatten, wurde dieser Feldzug Muhammads (s.a.s.) der "Weizenbrei-Feldzug" genannt.

Diese Nachricht über Muhammad (s.a.s.) verbreitete sich unter allen Arabern. Die von ihm entfernt gelegenen Stämme blieben in ihrer Sicherheit unberührt und kümmerten sich nur wenig um die Sache dieser Muslime, die bis zum Tag von Badr - also bis vor wenigen Monaten - demütig in Medina Schutz gesucht hatten und heute den Kuraisch entgegentraten, die Banu Kainuka vertrieben, dem Herzen Abdullah Ibn Ubaijs Angst einjagten, Abu Sufjan verfolgten und eine Haltung an den Tag legten, die zuvor nicht üblich war. Was jedoch die Stämme nahe Medinas betraf, so begannen sie zu erkennen, wie ihr Los von Muhammad (s.a.s.) und seinen Gefährten und vom Verhältnis dieser Macht zur Macht der Kuraisch in Mekka bedroht wurde, und dessen Folgen zu fürchten.

 

Bedrohung der Küstenstraße nach Asch Scham

Die Küstenstraße nach Asch Scham war nämlich ein gut ausgebauter und der allgemein bekannte Weg. Wenn die Handelskarawanen Mekkas dort vorbeikamen, brachten sie diesen Stämmen bemerkenswerten wirtschaftlichen Nutzen. Muhammad (s.a.s.) hatte bereits mit vielen Stämmen, die an der Küste wohnten, ein Abkommen geschlossen. Dieser Weg war also bedroht und die Sommer-Handelskarawane einer Gefahr ausgesetzt, durch die die Kuraisch vielleicht gezwungen wären, sich vom Küstenstreifen fernzuhalten.

Was würde diese Stämme treffen, sollte der Handel der Kuraisch abbrechen? Wie sollten sie die Härten des Lebens in diesem äußerst rauen Landstrich ertragen? Es war also für sie angebracht, über ihr Schicksal nachzudenken und über das, was aufgrund dieser neuen Lage auf sie zukommen würde. Einer Lage, die sie vor der Auswanderung Muhammads (s.a.s.) und seiner Gefährten nach Jathrib nicht gekannt hatten und die vor Badr und dem dortigen Sieg der Muslime noch nicht zu einer solchen Existenzbedrohung dieser Stämme geführt hatte.

 

Die Angst der Araber vor den Muslimen

Badr jagte den Herzen dieser Stämme jedoch Angst ein. Würden sie sich gegen Medina stellen und die Muslime bekämpfen? Oder wie würden sie sich verhalten?
Muhammad (s.a.s.) erfuhr, dass eine Truppe der Ghatafan und Sulaim sich entschlossen hatte, die Muslime anzugreifen, und er zog deshalb nach Karkarat Al Kudr, um ihnen den Weg zu versperren. Als er an jenem Ort ankam, sah er Spuren von Weidetier, fand jedoch niemanden. Er sandte einige seiner Gefährten zur Anhöhe des Tals, während er im Talinnern wartete. Dort traf er einen Jungen namens Jasar. Auf Befragen erfuhr er von ihm, dass die Truppe sich zum Wasser weiter oben begeben habe. Da sammelten die Muslime ein, was sie an Weidetier fanden, und verteilten es, nachdem Muhammad (s.a.s.) gemäß der Bestimmung des Qur´aan ein Fünftel genommen hatte. Es heißt, sie hätten fünfhundert Kamele erbeutet, wovon Muhammad (s.a.s.) ein Fünftel abzog und den Rest verteilte, so dass jedem Mann zwei Kamele zufielen.

Muhammad (s.a.s.) erfuhr ferner, dass eine Truppe der Banu Thalaba und der Muharib sich in Dhu Amarra in der Absicht versammelt hätte, seiner Seite Verluste zuzufügen. Da zog er (s.a.s.) mit vierhundertundfünfzig Muslimen aus und traf einen Mann von den Thalaba, den er über die Leute befragte. Der Mann zeigte ihm, wo sie waren und sagte zu ihm: "Wenn sie, o Muhammad , von deinem Auszug hören, flüchten sie auf die Bergeshöhen. Ich werde mit dir ziehen und dir ihren schwachen Punkt zeigen." Sobald die Aufständischen vom Herannahen Muhammads (s.a.s.) hörten, flohen sie auf die Berge.

Er erfuhr außerdem, dass eine große Truppe der Banu Sulaim sich in Bahran vorbereitete, ihn zu bekämpfen. So zog er in Eilmärschen mit dreihundert Mann aus, bis sie eine Nacht Weges von Bahran entfernt waren, wo sie einen Mann von den Sulaim trafen. Muhammad (s.a.s.) befragte ihn über sie, und er unterrichtete sie, dass sie sich zerstreut hätten und umgekehrt seien.
So fürchteten diese Araber Muhammad (s.a.s.). Sie waren um ihre Existenz dermaßen besorgt, dass sie, wenn sie nur daran dachten, gegen Muhammad (s.a.s.) vorzugehen und zu seiner Bekämpfung auszuziehen, schon erschraken, sobald sie davon hörten, dass er ausgezogen war, um auf sie zu treffen.

 

Die Angst der Juden

In diese Zeit fiel die Ermordung von Kab Ibn Aschraf - über die wir schon berichteten -, weshalb die Juden gleichermaßen Angst befiel. Das veranlasste sie, in ihren Häusern zu bleiben, aus Furcht vor dem, was Kab zugestoßen war.
Es mehrte ihre Angst noch, dass Muhammad (s.a.s.) nach der Angelegenheit der Banu Kainuka, die zu ihrer Belagerung geführt hatte, ihren Schutzanspruch für ungültig erklärte. Sie gingen zu Muhammad (s.a.s.), um sich bei ihm über ihre Lage zu beschweren und ihm gegenüber den Meuchelmord an Kab, der ohne ein ihnen bekanntes Vergehen oder einen ihnen bekannten Vorfall geschehen sei, vorzubringen. Seine Antwort lautete: "Er fügte uns Schaden zu und verspottete uns durch Gedichte; wäre er ruhig geblieben wie andere, die gleicher Meinung sind wie er, wäre ihm nichts Böses zugestoßen."

Nach einem langen Gespräch mit ihnen rief er sie auf, mit ihm ein Schriftstück abzufassen, dass sie achten würden. Aus Angst fügten sich die Juden, doch in ihrem Innern blieb etwas gegen Muhammad (s.a.s.), was später seine Auswirkung zeigen sollte.


Die Kuraisch nehmen den Weg über den Irak nach Asch Scham

Was sollten die Kuraisch mit ihrem Handel nach Asch Scham tun, nachdem ihm Muhammad (s.a.s.) bereits den Weg versperrt hatte? Denn Mekka lebte vom Handel, und wenn es keine Möglichkeit dazu fände, wäre es wie jede vergleichbare Stadt einer schlechten Lage ausgesetzt. Muhammad (s.a.s.) wollte seine Belagerung und die Zunichtemachung seiner Stellung bei den Arabern.

Eines Tages erhob sich Safwan Ibn Umaija bei den Kuraisch und sagte zu ihnen: "Muhammad und seine Gefährten haben uns unsere Handelsgeschäfte verdorben. Was also sollen wir mit seinen Gefährten tun, wenn sie die Küste nicht verlassen? Sie haben mit den Küstenbewohnern Freundschaft geschlossen, und die meisten von ihnen haben sich ihm angeschlossen. Wo also sollen wir leben? Sollten wir uns in diesem unserem Land aufhalten, würden wir die Masse unseres Vermögens verzehren, so dass nichts davon übrigbliebe. Denn unser Leben in Mekka hängt vom Handel im Sommer nach Asch Scham und im Winter nach Abessinien ab." Al Aswad Ibn Abdul Muttalib sagte zu ihm: ""Meide den Weg entlang der Küste und nimm den Weg über den Irak." Und er führte ihn zu Furat Ibn Haijan von den Banu Bakr Ibn Wail, der ihnen den Weg zeigen sollte. Furat sagte zu ihnen: "Den Weg über den Irak wird niemand von den Gefährten Muhammads (s.a.s.) betreten, denn dort gibt es nur Hochland und Wüste." Safwan fürchtete die Wüste nicht, denn es war glücklicherweise gerade Winter und der Wasserbedarf relativ gering. Safwan stellte deshalb Silber und Handelswaren im Werte von einhunderttausend Dirham bereit.

In Mekka war jedoch zur Zeit, da die Kuraisch den Auszug ihrer Handelskarawane planten, ein Mann aus Jathrib (Nuaim Ibn Masud Al Aschdschai), der nach Medina zurückkehrte. Von ihm erfuhr einer der Muslime, was die Kuraisch sprachen und taten. Er beeilte sich, Muhammad (s.a.s.) die Nachricht zu überbringen.

 

Die Muslime überfallen die Handelskarawane

Sofort sandte der Prophet Zaid Ibn Haritha mit einhundert Reitern aus, um der Handelskarawane bei Al Karda (einem der Brunnen des Nedschd) den Weg zu versperren. Die Mekkaner flohen, und den Muslimen fiel die Karawane in die Hände. Es war dies die erste Beute von Wert, die die Muslime machten. Zaid und seine Reiter kehrten zurück, und Muhammad (s.a.s.) nahm ein Fünftel davon und verteilte den Rest an die Männer. Furat Ibn Haijan wurde ihm gebracht, und er bot ihm an, Muslim zu werden, um sich zu retten. Daraufhin nahm er den Islam an und brachte sich dadurch in Sicherheit.

Fühlte sich Muhammad (s.a.s.) nach all dem sicher, dass seine Position sich gefestigt hatte? Täuschte er sich heute über das Morgen? Bildete er sich aufgrund der Angst der Stämme vor ihm und aufgrund dessen, was er von den Kuraisch erbeutet hatte, ein, dass das Wort Allahs (t.) und das Wort SEINES Gesandten bereits gesichert waren und es keinen Anlass mehr gab, darum zu fürchten? Veranlasste ihn sein Glaube an Allahs (t.) Hilfe, die Zügel schießen zu lassen, wissend, dass die Sache völlig von Allah (t.) abhing? Keineswegs! Gewiss hing die Sache völlig von Allah (t.) ab; doch die Gesetzmäßigkeiten Allahs (t.) kennen keine Abänderung. Allah (t.) hat den Menschen Veranlagungen mitgegeben, die sich nicht leugnen lassen.

Die Kuraisch hatten z.B. die Herrschaft über die Araber inne und vermochten nicht, auf ihre Rache zu verzichten. Was der Karawane von Safwan Ibn Umaija zugestoßen war, ließ ihr Verlangen nach Rache nur steigen und ihre Vorbereitung dafür nur verstärken. Nichts davon blieb Muhammad (s.a.s.), seiner Weitsicht und seiner sicheren Politik verborgen. Deswegen war es für ihn keine Frage, dass die Muslime an Verbundenheit und Zusammengehörigkeit mit ihm zunehmen mussten. Wie sehr der Islam auch ihre Entschlossenheit gestärkt und sie wie zu einem festgefügten Gebäude gemacht hatte, darin einer den anderen bestärke, es würde ihre Entschlossenheit doch noch mehr stärken und ihre Solidarität noch mehr festigen, wenn sie gut auf der Hut waren. Zu dieser ihrer Vorsicht gehörte auch, dass Muhammad (s.a.s.) seine Verbindung mit ihnen intensivierte.

 

Die Heirat des Propheten mit Hafsa Bint Umar

Deshalb heiratete der Prophet Hafsa, die Tochter von Umar Ibn Al Chattab, so wie er früher Aischa, die Tochter Abu Bakrs, geheiratet hatte Hafsa war zuvor die Frau von Chunais, einem der frühen Muslime gewesen. der sieben Monate vor ihrer Heirat mit Muhammad (s.a.s.) verstorben war. So wie er Hafsa heiratete und damit seine Beziehung zu Umar Ibn Al Chattab verstärkte, so verheiratete er seine Tochter Fatima mit seinem Vetter Ali, der von allen Menschen seit seiner Kindheit eine sehr tiefe Zuneigung und Aufrichtigkeit gegenüber dem Propheten empfand. Und nachdem Allah (t.) Rukaija, seine Tochter, zu SICH genommen hatte, heiratete Uthman Ibn Affan Muhammads (s.a.s.) Tochter Umm Kulthum.

So sammelte er durch Verwandtschaftsbande Abu Bakr, Umar, Uthman und Ali um sich und vereinte so vier der stärksten Muslime, die mit ihm waren, ja, wenn man so will, die Stärksten von ihnen überhaupt. Dadurch garantierte er den Muslimen eine Zunahme der Macht, wie er durch das, was sie in ihren Feldzügen erbeuteten, auch ihren Eifer für den Krieg gewährleistete, indem ein jeder den Kampf für die Sache Allahs (t.) mit der Beute von den Polytheisten verbinden konnte.
Er verfolgte während dieser Zeit mit äußerster Sorgfalt Neuigkeiten über die Kuraisch und über alles, was sie planten. Denn die Kuraisch bereiteten sich darauf vor, sich zu rächen und den Handelsweg nach Asch Scham für sich zurückzugewinnen, auf dass sowohl die kommerzielle als auch die religiöse Position Mekkas nicht so weit abfalle, dass sie sich danach nicht mehr heben ließe.

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