D Das Leben des Propheten

15. Der Feldzug von Uhud - Weg zum Islam

15. Der Feldzug von Uhud

 


  1. Vorbereitung der Kuraisch zur Rache für Badr
  2. Die Kuraisch rüsten zum Kampf
  3. Marsch der Kuraisch nach Medina
  4. Al Abbas" Gesandter an den Propheten
  5. Beratung des Propheten mit den Einwohnern Medinas
  6. Die Fürsprecher der Verschanzung in Medina
  7. Die Befürworter des Auszugs gegen den Feind
  8. Das Reden von Tapferkeit und Märtyrertod
  9. Sieg der Befürworter des Auszugs
  10. Disziplin und Beratung
  11. Der Auszug der Muslime
  12. Rückkehr der Juden und Ibn Ubaijs nach Medina
  13. Anordnung der Schlachtreihen durch den Propheten
  14. Die Kuraisch und ihre Frauen
  15. Abu Dudschana und die Todesbinde
  16. Hamza, Abu Dudschana und Ali und ihr mutiger Einsatz
  17. Der Tod Hamzas, des Königs der Märtyrer
  18. Triumph der Muslime am Morgen von Uhud
  19. Die Kraft des Überzeugtseins und des Glaubens
  20. Die Beschäftigung der Muslime mit der Beute
  21. Das Blatt wendet sich gegen die Muslime
  22. Was dem Gesandten Allahs zustieß
  23. Todesmut der Muslime bei der Verteidigung des Gesandten
  24. Die Kuraisch halten den Propheten für tot
  25. Die Rettung des Gesandten und seiner Mitstreiter
  26. Verstümmelung der muslimischen Gefallenen
  27. Muhammads Trauer um Hamza
  28. Beerdigung der Gefallenen und Rückkehr nach Medina
  29. Das Ansehen der Muslime muss zurückgewonnen werden
  30. Der Auszug gegen den Feind am nächsten Morgen

 

Vorbereitung der Kuraisch zur Rache für Badr

Die Kuraisch fanden nach Badr keine Ruhe. Der "Weizenbrei-Feldzug" hatte nichts eingebracht, und der Expeditionstrupp von Zaid Ibn Haritha, dessen Handelswaren auf dem Weg über den Irak nach Asch Scham erbeutet worden waren, ließ sie verstärkt nach Rache verlangen und der Gefallenen von Badr gedenken. Wie hätten die Kuraisch sie auch vergessen sollen, die Edelleute Mekkas, seine Herren und die Ehrenhaften und Geehrten unter ihren Führern! Wie hätten sie sie auch vergessen sollen, da doch jede Frau Mekkas unter den Gefallenen eines Sohnes, Bruders, Vaters, Gatten oder sonstigen Nahestehenden von ihr gedachte, um den sie trauerte und um dessentwillen sie weinte und wehklagte!

Seit Abu Sufjan Ibn Harb von Asch Scham mit der Karawane - um derentwillen in Badr alles geschah - und jene, die an der Schlacht von Badr teilgenommen hatten und dem Tod in ihr entkommen waren, zurückgekehrt waren, hatten die Kuraisch diese Karawane im Gemeinschaftshaus untergebracht. Ihre Führer Dschubair Ibn Mutim, Safwan Ibn Umaija, Akrima Ibn Abu Dschahl, Al Harith Ibn Hischam, Huwaitib Ibn Abd Al Uzza und andere waren übereingekommen, die Karawane zu verkaufen und auf ihren Ertrag zu verzichten. Von diesem Geld sollten ein Heer zur Bekämpfung Muhammads (s.a.s.) vorbereitet - gewaltig in seiner Zahl und Ausrüstung - und die Stämme mobilisiert werden, damit sie gemeinsam mit den Kuraisch an den Muslimen Rache nähmen. Mit ihnen hatten sie bereits den Dichter Abu Azza, den der Prophet unter den Gefangenen Badrs begnadigt hatte, sowie auch ihre abessinischen Gefolgsleute zum Kampf aufgerufen.

Die Frauen der Kuraisch bestanden darauf, den Kriegszug zu begleiten. Da berieten sich die Leute, und einer der Befürworter ihrer Begleitung sagte: "Es ist am geeignetesten, euch in Zorn zu versetzen und an die Gefallenen von Badr zu erinnern; wir sind Leute, die ihr Leben aufs Spiel setzen. Wir wollen nicht nach Hause zurückkehren, bevor wir unsere Rache genommen haben, oder lieber stattdessen sterben." Ein anderer sagte: "0 ihr Kuraisch! Ich bin der Ansicht, ihr solltet eure Frauen eurem Feind nicht aussetzen, zumal ihr nicht sicher seid, ob ihr eine Niederlage erleidet und dann vor euren Frauen bloßgestellt werdet."
Während sie sich beratschlagten, schrie Hind Bint Utba, die Frau von Abu Sufjan, den, der gegen den Auszug der Frauen war, an: "Bei Allah , du bist am Tag von Badr entkommen und zu deinen Frauen zurückgekehrt. Jawohl! Wir werden ausziehen und beim Kampf dabei sein, und niemand wird uns zurückhalten wie die Frauen bei ihrer Männer Aufbruch nach Badr zurückgehalten wurden, als sie Al Dschuhfa erreichten. An jenem Tag wurden die Lieben getötet, da niemand bei ihnen war, der sie anfeuerte."

 

Die Kuraisch rüsten zum Kampf

Die Kuraisch zogen aus, und ihre Frauen waren bei ihnen, an ihrer Spitze Hind, die am heftigsten von ihnen nach Rache verlangte, denn ihr Vater und ihr Bruder, die ihr die liebsten Menschen gewesen waren, wurden bei der Schlacht von Badr getötet.

Die Kuraisch zogen mit drei Abteilungen, die im Gemeinschaftshaus zusammengestellt worden waren, in Richtung Medina. An der Spitze der größten Abteilung stand Talha Ibn Abu Talha. Sie umfasste dreitausend Mann, unter denen nur hundert von den Thakif waren, während der Rest von den Herren Mekkas, ihren Bundesgenossen und ihren abessinischen Gefolgsleuten gebildet wurde. Sie führten eine Menge Ausrüstung und Waffen und zweihundert Pferde und dreitausend Kamele mit sich, davon siebenhundert Gepanzerte.

Nachdem sie sich dazu entschlossen hatten, bereiteten die Leute den Auszug vor. Al Abbas Ibn Abdul Muttalib, der Onkel des Propheten, war unter ihnen und mit ihrer Sache vertraut und über jede wichtige Einzelheit ihres Vorhabens unterrichtet. Obwohl er auf die Religion seiner Väter und seines Volkes bedacht war, empfand Al Abbas für Muhammad (s.a.s.) ein Gefühl der Zugehörigkeit und Bewunderung und gedachte dessen guten Behandlung ihm gegenüber am Tag von Badr. Vielleicht waren es dieses Zugehörigkeitsgefühl und diese Bewunderung, die ihn mit Muhammad (s.a.s.) am großen Abkommen von Akaba teilnehmen ließen und ihn veranlassten, zu Al Aus und Al Chazradsch zu sprechen. Dass sie ihn nämlich, sollten sie seinen Neffen nicht beschützen wie sie ihre Frauen und Kinder beschützten, seinen Angehörigen anvertrauen sollten, die ihn schon zuvor unter ihren Schutz genommen hatten.

Als die Kuraisch sich in dieser großen Zahl zum Auszug sammelten, bewegte ihn dies dazu, einen Brief zu verfassen, in dem er ihr Tun, ihre Stärke, ihre Ausrüstung und ihre Zahl beschrieb. Er übergab ihn einem Mann von Ghifar, damit er mit ihm zum Propheten reise. Er erreichte Medina drei Tage später und händigte den Brief dem Propheten aus.



 

Marsch der Kuraisch nach Medina

Die Kuraisch ihrerseits marschierten, bis sie Al Abwa erreichten und am Grab von Amina Bint Wahb* vorbeikamen. Die Hitzigkeit verleitete einige Leichtsinnige unter ihnen, an dessen Schändung zu denken. Doch hielten sie ihre Führer von dieser Tat zurück, damit es keine Gepflogenheit bei den Arabern werde, und sagten: "Denkt nicht an solche Dinge; denn wenn wir es täten, würden auch die Banu Bakr und die Banu Chuzaa unsere Toten schänden."
Die Kuraisch setzten ihren Marsch fort, bis sie nach Al Akik kamen. Dann stiegen sie am Fuß des Berges Uhud fünf Meilen von Medina entfernt ab.
*Die Mutter des Propheten Muhammad (s.a.s.)


Al Abbas" Gesandter an den Propheten

Der Mann von Ghifar, den Al Abbas Ibn Abdul Muttalib mit seinem Brief entsandt hatte, erreichte Medina und fand, dass Muhammad (s.a.s.) in Kuba war. Er ging zu ihm und traf ihn an der Tür der Moschee, wo er gerade seinen Esel bestieg, und übergab ihm den Brief. Ubaij Ibn Kab las ihn ihm vor, worauf Muhammad (s.a.s.) ihn bat zu verschweigen, was in ihm stand.

Er kehrte nach Medina zurück und begab sich zum Haus von Sad Ibn Ar Rabi. Er erzählte ihm, was Al Abbas ihm mitteilen hatte lassen, und bat ihn ebenfalls, es zu verschweigen. Die Frau von Sad war jedoch im Haus und hatte gehört, was vor sich ging, und so blieb es nicht geheim.

Muhammad (s.a.s.) entsandte Anas und Muunis, die beiden Söhne von Fadala, um Neues über die Kuraisch auszukundschaften. Sie machten ausfindig, dass sie sich Medina genähert hatten und ihre Pferde und Kamele auf den Jathrib umgebenden Feldern weiden ließen. Nach ihnen entsandte Muhammad (s.a.s.) Al Hubab Ibn AI Mundhir Ibn Al Dschamuh. Als dieser ihm über sie berichtete, worüber Al Abbas ihn schon unterrichtet hatte, überkam ihn (s.a.s.) Ratlosigkeit. Auch Salama Ibn Salama zog aus, und da hatte sich die Vorhut der Reiter der Kuraisch Medina bereits genähert und war im Begriff, es zu betreten. Da kehrte Salama zurück und berichtete seinem Volk, was er gesehen hatte.

Da fürchteten die Al Aus und Al Chazradsch und die Einwohner Medinas allesamt den Ausgang dieses Feldzugs, für den die Kuraisch besser denn je in der Geschichte ihrer Kriege ausgerüstet waren. Die Führer der Muslime Medinas brachten sogar, da sie um den Propheten fürchteten, die Nacht mit ihren Waffen in der Moschee zu, und ganz Medina war die Nacht über auf der Hut.

 

Beratung des Propheten mit den Einwohnern Medinas

Am Morgen versammelte der Prophet die Ratgeber der Muslime und derer, die den Islam zur Schau trugen - Heuchler, wie sie damals genannt und im Qur´aan beschrieben wurden. Sie berieten, wie sie ihrem Feind entgegentreten sollten.
Der Prophet (s.a.s.) meinte, sie sollten sich in Medina verschanzen und die Kuraisch heraushalten. Sollten diese versuchen, es zu erstürmen, so seien sie als seine Bewohner eher fähig, sie abzuwehren und zu besiegen.

 

Die Fürsprecher der Verschanzung in Medina

Abdullah Ibn Ubaij Ibn Salul vertrat die Ansicht des Propheten und sagte: "Wir haben, o Gesandter Allahs , bereits in Medina gekämpft und die Frauen und Kinder in den oberen Stockwerken dieser Häuser untergebracht und ihnen Steine mitgegeben und Medina mit Aufbauten befestigt, so dass es von allen Seiten wie eine Festung war. Wenn der Feind kam, bewarfen ihn die Frauen und Kinder mit Steinen, und wir bekämpften sie mit unseren Schwertern auf den Straßen. Unsere Stadt ist, o Gesandter Allahs , wie eine Jungfrau, nie ist jemand in sie gegen uns eingedrungen; kein Feind betrat sie gegen uns, ohne dass wir ihm Verluste zufügten, und niemals zogen wir von ihr zu einem Feind hinaus, ohne dass er uns Verluste zufügte. So lasse sie draußen, o Gesandter Allahs , und folge mir in dieser Angelegenheit; denn ich habe diese Meinung von den Ältesten meines Volkes und den Ratgebern unter ihnen geerbt."

 

Die Befürworter des Auszugs gegen den Feind

Diese Rede Ibn Ubaijs war auch die Ansicht der Altesten der Gefährten des Gesandten, von den Muhadschirun und den Ansar sowie vom Gesandten (s.a.s.) selbst. Die Jünglinge voller Tatendrang jedoch, die bei Badr nicht dabei gewesen waren, und die Männer, die bei Badr mitgekämpft hatten, wollten lieber zum Feind hinausziehen und ihm entgegentreten, wo er lagerte. Allah (t.) hatte sie in Badr den Sieg genießen lassen, und ihre Herzen waren vom Glauben erfüllt, keine Macht vermöge sich mit ihnen zu messen oder sie zu besiegen. Sie fürchteten vielmehr, der Feind könne mutmaßen, sie vermieden den Auszug und verschanzten sich in Medina aus Angst, auf ihn zu treffen. Sodann würden sie direkt neben Medina und in seiner Nähe stärker sein als am Tag von Badr, wo ihre Angehörigen nichts von ihrer Lage wussten.

Ein Redner von ihnen sagte: "Ich möchte nicht, dass die Kuraisch zu ihren Leuten zurückkehren und sagen, wir haben Muhammad in den Festungen und Häusern Jathribs belagert. Dies wäre ein Ansporn für die Kuraisch. Und sie betreten doch bereits unsere Palmgärten. Wenn wir die Kuraisch nicht aus unseren Gärten vertreiben, wird nichts in ihnen angebaut. Und die Kuraisch würden ein Jahr ausharren, Truppen zusammenziehen und die Beduinen-Araber sowie ihre abessinischen Gefolgsleute heranholen; dann kämen sie zu uns auf Pferden und Kamelen, bis sie sich auf unserem Gebiet niederlassen. Sollen sie uns dann in unseren Häusern und Festungen einsperren und danach bereichert und unverwundet zurückkehren! Sollten wir dies tun, werden sie immer dreister werden und Angriffe gegen uns führen. Sie werden unseren Außenbezirken übel mitspielen und Spione vor unserer Stadt aufstellen und uns den Weg absperren."

 

Das Reden von Tapferkeit und Märtyrertod

Die zum Auszug aufriefen, trugen einer nach dem anderen ihre Rede vor. Sie erwähnten allesamt, dass im Falle, dass Allah (t.) ihnen den Sieg über ihren Feind gewähre, es dies sei, was sie wollten und was Allah (t.) in Wahrheit SEINEM Gesandten versprochen habe. Sollten sie besiegt werden und als Märtyrer fallen, so gewönnen sie das Paradies.

Die Rede von Tapferkeit und Märtyrertod bewegte die Herzen, und der Gemeinschaftsgeist rief die Menschen zum Kampf, so dass sie alle in diese Strömung einflossen und in diesem Ton redeten. In der Gegenwart von Muhammad (s.a.s.) blieb in diesem Augenblick der Gemeinschaft, deren Herzen mit dem Glauben an Allah (t.), SEINEN Gesandten, SEIN Buch und SEIN Jüngstes Gericht erfüllt waren, nur das Bild des Sieges über diesen angreifenden Feind, den ihre Schwerter und ihre Stärke in alle Winde zerstreuen würden und dessen Beute und Frauen ihnen zufallen würden; und es blieb das Bild des Paradieses, das denen, die um Allahs (t.) willen getötet würden, versprochen wurde. Und dieses Paradies war es, das die Seelen begehrten und an dem sich die Augen ergötzten, in dem sie mit ihren Lieben zusammentreffen würden, die an der Schlacht von Badr teilgenommen hatten und in ihr als Märtyrer gestorben waren.

"Sie hören in ihm weder törichtes Geschwätz noch sündige Rede, nur das Wort: Frieden, Frieden."? (56, V.25-26)
Abu Sad Ibn Chaithama sagte: "Vielleicht lässt Allah uns über sie siegen, andernfalls ist es der Märtyrertod. Die Schlacht von Badr habe ich verpasst, wenngleich mir danach verlangt hatte. Und mein Verlangen danach war derart, dass ich mit meinem Sohn um die Teilnahme am Auszug loste; er gewann, und Allah ließ ihm den Märtyrertod zuteil werden. Gestern sah ich meinen Sohn im Traum, und er sagte: Schließe dich uns an und leiste uns Gesellschaft im Paradies, ich habe das, was mein Herr mir versprochen hatte, als wahr gefunden. Bei Allah , o Gesandter Allahs , ich bin von Sehnsucht erfüllt, ihm im Paradies Gesellschaft zu leisten, und ich bin alt, und meine Knochen sind schwach geworden. Ich möchte nun meinem Herrn begegnen."

 

Sieg der Befürworter des Auszugs

Als es offensichtlich wurde, dass die Mehrheit auf der Seite derer war, die sich für den Auszug gegen den Feind und ein Aufeinandertreffen mit ihm aussprachen, sagte Muhammad (s.a.s.) zu ihnen: "Ich befürchte eine Niederlage für euch." Sie bestanden jedoch auf den Auszug. Da blieb ihm nichts anderes übrig, als sich ihrer Ansicht anzuschließen. Die Beratung war die Grundlage seiner Ordnung dieses Lebens, und so wich er davon nur in dem ab, was ihm von Allah (t.) geoffenbart wurde.

Es war Freitag, und der Prophet leitete das Gebet der Leute und teilte ihnen mit, dass der Sieg ihnen gehöre, falls sie Geduld übten. Er wies sie an, sich auf ihren Feind vorzubereiten. Nach dem Nachmittagsgebet betrat Muhammad (s.a.s.) mit Abu Bakr und Umar sein Haus. Sie setzten ihm seinen Turban auf und zogen ihm seinen Panzer an, und er gürtete sich sein Schwert um.

Die Leute waren während dieser seiner Abwesenheit in eine Diskussion verwickelt. Usaid Ibn Hudair und Sad Ibn Muadh, die dazu geraten hatten, sich in Medina zu verschanzen, sagten zu denen, die sich für den Auszug ausgesprochen hatten: "Ihr habt gesehen, dass der Gesandte Allahs dafür war, sich in Medina zu verschanzen. Doch durch das, was ihr sagtet, zwangt ihr ihn zum Auszug, obwohl er ihm ablehnend gegenüberstand. So lasst ihn erneut entscheiden; und was er befiehlt, das tut; und worin ihr eine Neigung oder Ansicht seinerseits seht, gehorcht ihm."

 

Disziplin und Beratung

Die zum Auszug aufgerufen hatten, gaben dem Gehörten nach und wähnten, sie seien vom Gesandten in etwas abgewichen, darin es eine Offenbarung Allahs (t.) gäbe. Als der Prophet mit der Rüstung bekleidet und dem Schwert umgürtet zu ihnen hinauskam, näherten sich ihm jene, die sich für den Auszug ausgesprochen hatten, und sagten: "Es stand uns nicht zu, o Gesandter Allahs , mit dir uneins zu sein, so tu, was du für richtig hältst. Und es stand uns nicht zu, dich zu nötigen, denn die Entscheidung steht Allah zu und sodann dir."

Muhammad (s.a.s.) erwiderte: "Ich rief euch bereits zu jenem Gespräch, aber ihr verhieltet euch ablehnend. Es steht keinem Propheten zu, wenn er seinen Panzer angelegt hat, diesen abzulegen, bevor Allah nicht zwischen ihm und seinen Feinden entschieden hätte. Beachtet, was ich euch befehle, und befolgt es, und der Sieg gehört euch, sofern ihr Geduld übt."

So stellte Muhammad (s.a.s.) dem Prinzip der Beratung den Grundsatz der Disziplin zur Seite. Wenn sich also nach Erörterung eine Mehrheit für eine Meinung gefunden hat, so darf sie nicht einer Neigung oder Absicht wegen für nichtig erklärt werden; der Beschluss muss vielmehr durchgeführt werden. Vorausgesetzt, dass derjenige, der die Durchführung übernimmt, sein Bestes tut und sich des Erfolges sicher ist.

 

Der Auszug der Muslime

Muhammad (s.a.s.) führte die Muslime in Richtung Uhud an, bis sie bei Asch Schaichan lagerten. Dort sah er eine Reiterabteilung mit Leuten, die er nicht kannte. Er erkundigte sich über sie, und man sagte: "Dies sind die Verbündeten Ibn Ubaijs von den Juden." Er (s.a.s.) sagte: "Die Polytheisten werden nicht um Unterstützung gegen Polytheisten gebeten, solange sie nicht Muslime geworden sind."

 

Rückkehr der Juden und Ibn Ubaijs nach Medina

Die Juden wandten sich um und kehrten nach Medina zurück. Da begannen die Verbündeten Ibn Ubaijs zu ihm zu sagen: "Du hast ihm einen Rat gegeben, der mit dem Rat deiner verstorbenen Väter übereinstimmte, doch er lehnte es ab, ihn anzunehmen und folgte den Jünglingen, die mit ihm sind." Ihr Gerede deckte sich mit den innersten Gefühlen Ibn Ubaijs, und am nächsten Morgen zog er mit der Reiterabteilung seiner Gefährten davon.
Der Prophet und die wahren Gläubigen mit ihm blieben. Sie waren siebenhundert an der Zahl, um dreitausend Kuraisch aus Mekka zu bekämpfen, die alle auf Rache für Badr begierig waren.

 

Anordnung der Schlachtreihen durch den Propheten

Die Muslime zogen am Morgen los, bis sie Uhud erreichten. Sie überschritten die Bergpässe und ließen sie hinter sich. Muhammad (s.a.s.) ordnete die Reihen seiner Gefährten. Er stellte fünfzig Schützen von ihnen in einer Bergschlucht auf und sagte zu ihnen: "Deckt unseren Rücken, denn wir befürchten, dass sie von hinten kommen. Und bleibt an eurem Platz und verlasst ihn nicht. Selbst wenn ihr seht, dass wir ihnen eine Niederlage zufügen, so dass wir in ihr Lager eindringen, so trennt euch nicht von eurem Platz. Und wenn ihr seht, dass wir getötet werden, so helft uns nicht und verteidigt uns nicht. Euch obliegt es, ihre Pferde mit Pfeilen zu beschießen, denn die Pferde wagen sich an Pfeile nicht heran." Sodann untersagte er denen, die keine Schützen waren, zu kämpfen, bevor er den Kampf befohlen habe.

 

Die Kuraisch und ihre Frauen

Die Kuraisch ihrerseits ordneten ihre Reihen, stellten auf der Rechten Chalid Ibn Al Walid und auf der Linken Ikrima Ibn Abu Dschahl auf und übergaben das Banner Abdul Uzza Talha Ibn Talha. Die Frauen der Kuraisch begannen, zwischen ihren Reihen hin und her zu laufen und Tamburine und Trommeln zu schlagen. Sie waren bald vor und bald hinter den Reihen mit Abu Sufjans Frau Hind Bint Utba an der Spitze und riefen: "0 Banu Abdud Dar. Ihr, die ihr unseren Rücken schützt. Schlagt mit jedem scharfen Schwert." Und ferner riefen sie: "Wenn ihr vorrückt, umarmen wir euch und breiten die Polster für euch aus. Wenn ihr euch abwendet, verlassen wir euch ohne Zärtlichkeit."

 

Abu Dudschana und die Todesbinde

Die beiden Seiten machten sich zum Kampf bereit, und jede spornte ihre Männer an. Die Kuraisch gedachten Badrs und ihrer Gefallenen. Die Muslime gedachten Allahs (t.) und SEINER Hilfe. Muhammad (s.a.s.) hielt eine Ansprache, trieb zum Kampf an und versprach seinen Männern den Sieg, sofern sie ausharrten.
Er streckte seine Hand mit einem Schwert aus und fragte: "Wer nimmt dieses Schwert in seine Pflicht?" Mehrere Männer kamen zu ihm, doch er wies sie ab, bis sich Abu Dudschana Simak Ibn Charascha, ein Bruder der Banu Saida, erhob und fragte: "Welche Pflicht ist damit verbunden, o Gesandter Allahs ?" Da sagte er: "Dass du damit den Feind schlägst, bis es sich biegt."

Abu Dudschana war ein tapferer Mann mit einem roten Stirnband; wenn er es um seinen Kopf band, wussten die Leute, dass er kämpfen werde und die Todesbinde hervorgeholt hatte. Er nahm das Schwert, holte sein Stirnband hervor, band es um seinen Kopf und begann, vor Freude tänzelnd zwischen den Schlachtreihen einher zu stolzieren, wie es seine Gepflogenheit war, wenn er in den Krieg zog. Als Muhammad (s.a.s.) ihn so einherstolzieren sah, sagte er: "Das ist eine Art, über die Allah erzürnt ist, es sei denn bei einer Gelegenheit wie dieser."

Der erste, der sich in Kriegshandlungen zwischen den beiden Parteien einließ, war Abu Amir Abd Amr Ibn Saifi von All Aus, der von Medina nach Mekka gereist war, um die Kuraisch zum Kampf gegen Muhammad (s.a.s.) aufzuhetzen. Er war in Badr nicht dabei gewesen und zog nun mit fünfzehn Männern von Al Aus und mit Sklaven von den Einwohnern Mekkas nach Uhud. Er behauptete, wenn er seine muslimischen Angehörigen von Al Aus, die in den Reihen Muhammads (s.a.s.) kämpften, riefe, würden sie ihm antworten und sich mit ihm vereinigen und den Kuraisch helfen. Folglich zog er hinaus und riet "0 ihr Al Aus, ich bin Abu Amir." Da antworteten ihm die Muslime von Al Aus: "Möge Allah kein Auge durch dich erfreuen, o Frevler!"

Sodann setzte der Kampf zwischen ihnen ein. Die Sklaven der Kuraisch und Ikrima Ibn Abu Dschahl, die auf der Linken waren, versuchten, die Muslime auf ihrer Seite zu fassen, doch die Muslime bewarfen sie mit Steinen, bis Abu Amir und seine Kameraden sich zur Flucht wandten.

 

Hamza, Abu Dudschana und Ali und ihr mutiger Einsatz

Da rief Hamza Ibn Abdul Muttalib den Schlachtruf des Tages von Uhud: "Töte, töte", und stürzte sich mitten ins Heer der Kuraisch. Talha Ibn Abu Talha, der Bannerträger der Mekkaner, rief: "Wer misst sich im Duell!" Da nahm Ali Ibn Abu Talib seine Herausforderung zum Zweikampf an, und sie trafen zwischen den beiden Heeren aufeinander. Ali fügte ihm sofort einen Schlag zu, der sein Haupt spaltete. Der Prophet war erleichtert, und die Muslime priesen Allah (t.) und stürmten los.

Abu Dudschana, in seiner Hand das Schwert des Propheten und um seinen Kopf die Todesbinde, stürzte vor und tötete jeden, auf den er traf, bis er die Reihen der Polytheisten durchbrach und eine Person sah, die den Leuten das Gesicht aufs heftigste zerkratzte. Er erhob das Schwert gegen sie, woraufhin diese ein Klagegeheul anhob. Es war Hind Bint Utba, und er ließ von ihr ab - das Schwert des Gesandten war zu edel, als dass er damit eine Frau schlüge.

Die Kuraisch stürmten mit erhitzten Gemütern voran, um Rache für ihre Gefallenen von Badr zu fordern. Damit standen sich zwei in Zahl und Ausrüstung ungleiche Kräfte gegenüber. Das größere Heer wurde von Rachegelüsten getrieben, die sich seit Badr nicht gelegt hatten. Die kleinere Schar hingegen motivierte zweierlei: die Verteidigung der Überzeugung, des Glaubens und der Religion Allahs und die Verteidigung der Heimat und dessen, was diese Heimat an Interessen barg.

Was die Rachesuchenden betraf, so waren sie eine stärkere Gruppe und zählten mehr Soldaten, und die Frauen hinter ihnen spornten sie an. Mehr als eine von ihnen versprach dem, der sein Versprechen hielt und den rächte, der jeweils von ihren Vätern, Brüdern, Ehegatten oder sonstigen Nahestehenden in Badr gefallen war, reichlich Gutes. Hamza Ibn Abdul Muttalib war einer der tapfersten Helden der Araber. Er hatte am Tag von Badr Utba, den Vater von Hind sowie ihren Bruder getötet und viele ihrer ihr Nahestehenden verwundet. Am Tag von Uhud war er wie am Tag von Badr der Löwe Allahs (t.) und SEIN scharfes Schwert. Er tötete Arta Ibn Abd Schurahbil und Siba Ibn Abd Al Uzza Al Ghubschani und verletzte jeden, den sein Schwert traf, so schwer, dass er seinen Körper entseelte. Hind Bint Utba hatte dem Abessinier Wahschi, dem Diener von Dschubair, einen hohen Lohn versprochen, sollte er Hamza töten. Auch sein Herr, Dschubair Ibn Mutam, dessen Onkel bei Badr gefallen war, sagte zu ihm: "Solltest du Hamza, den Onkel Muhammads töten, so bist du frei."

 

Der Tod Hamzas, des Königs der Märtyrer

Wahschi berichtete: "Ich zog mit den Leuten hinaus und war ein Abessinier, der den Speer nach der Art der Abessinier warf, und damit selten sein Ziel verfehlte. Als die Leute aufeinander trafen, versuchte ich, Hamza zu finden, bis ich ihn erblickte, wie er mitten unter den Leuten gleich einem gescheckten Kamel war und sein Schwert vernichtend unter ihnen wütete. Da schwang ich meinen Speer, bis ich mit seiner Lage zufrieden war und ihn gegen ihn schleuderte. Er traf ihn so in den Unterleib, dass er zwischen seinen Füßen herauskam, und ich ließ ihn und den Speer, bis er starb. Dann ging ich zu ihm und nahm meinen Speer und kehrte zum Lager zurück, wo ich mich niedersetzte; außer an ihm hatte ich an niemandem Interesse. Ich hatte ihn getötet, um die Freiheit zu erlangen; und als ich nach Mekka kam, wurde ich freigelassen."

Ein Beispiel für jene, die lediglich die Heimat verteidigten, war Kuzman, einer der Heuchler, die den Islam zur Schau trugen. Am Tag, da die Muslime nach Uhud zogen, blieb er hinter ihnen zurück. Am nächsten Morgen machten ihm die Frauen der Banu Zafar Vorwürfe und sagten: "0 Kuzman, schämst du dich nicht ob deines Tuns? Du bist ja nur ein Weib! Deine Leute zogen aus, und du bliebst zu Haus." Da betrat Kuzman ärgerlich und wütend sein Haus und holte sein Pferd, seinen Köcher und sein Schwert. Er war als tapferer Mann bekannt. Er zog eilends aus und erreichte das Heer, als der Prophet gerade die Reihen der Muslime aufstellte. Er schritt an ihnen vorbei, bis er in der ersten Reihe war, und war von den Muslimen der erste, der sich in die Schlacht warf und begann, Pfeile zu schießen, als seien sie Speere. Am Ende des Tages zog er den Tod der Flucht vor und nahm sich das Leben, nachdem er innerhalb einer Stunde sieben Mann der Kuraisch getötet hatte, abgesehen von denen, die er zu Beginn der Schlacht erschossen hatte.

Abu Al Ghaidak kam an ihm vorbei, als dieser im Sterben lag, und sagte zu ihm: "Ich gratuliere dir zum Märtyrertod, o Kuzman!" Kuzman erwiderte: "Bei Allah , o Abu Amr, ich habe nicht der Religion wegen gekämpft. Ich kämpfte nur, um zu verhindern, dass die Kuraisch zu uns kommen und in unser Territorium eindringen und unsere Palmgärten niedertreten. Bei Allah . ich kämpfte nur für meine Leute, sonst wäre ich nicht in den Krieg gezogen."
Die Zahl der wahren Muslime betrug nicht mehr als siebenhundert, und sie kämpften gegen dreitausend Feinde. Wir können uns, nachdem wir das Vorgehen Hamzas und Abu Dudschanas gesehen haben, ein Bild von ihrer seelischen Kraft machen. Einer Kraft, vor der die Reihen der Kuraisch sich wie Bambusrohr neigten, und vor der die Helden der Kuraisch, die unter den Arabern als Beispiel der Tapferkeit und des Mutes galten, zurückwichen. Deren Banner fiel nicht aus der Hand seines Trägers, bevor es nicht sein Nachfolger genommen hätte.

Uthman Ibn Abu Talha trug das Banner, nachdem Ali den Talha Ibn Abu Talha getötet hatte, bis er von Hamza getötet wurde. Abu Sad Ibn Abu Talha trug dann das Banner und rief: "Behauptet ihr, dass eure Gefallenen im Paradies sind und unsere Gefallenen im Höllenfeuer! Bei Allah , ihr lügt! Solltet ihr wirklich glauben, was ihr sagt, so soll einer von euch herauskommen, der mit mir kämpft." Ali oder Sad Ibn Abu Wakkas versetzte ihm mit dem Schwert einen Schlag, der sein Haupt spaltete.

Den Bannerträgern der Banu Abd Ad Dar folgte einer auf den anderen, bis von ihnen neun getötet waren. Der letzte von ihnen war Suab, ein abessinischer Diener der Banu Abd Ad Dar. Kuzman hatte ihm mit dem Schwert die rechte Hand abgeschlagen, woraufhin er das Banner in die Linke nahm und Kuzman ihm auch diese abschlug. Da drückte Suab das Banner mit seinen beiden Armen an seine Brust; dann beugte er seinen Rücken darüber und sagte: "0 Banu Abd Ad Dar, bin ich entschuldigt?" Da tötete ihn entweder unterschiedlichen Berichten zufolge Kuzman oder Sad Ibn Abu Wakkas.

Als die Bannerträger getötet waren, ergriffen die Polytheisten besiegt die Flucht und kümmerten sich um nichts mehr, nicht einmal darum, dass ihre Frauen umzingelt waren und das Götzenbild, das sie mit sich gebracht und in dem sie ein gutes Omen gesehen hatten, vom Kamel aus der Sänfte, die es enthielt, gefallen war.

 

Triumph der Muslime am Morgen von Uhud

Der Triumph der Muslime am Morgen von Uhud war in der Tat ein Kriegswunder, das einige mit Muhammads (s.a.s.) gekonntem Aufstellen der Bogenschützen in der Bergschlucht erklären mögen. Denn sie waren es, die die Reiter mit Pfeilschüssen zurückhielten, so dass sie nicht näherkommen und den Muslimen nicht in den Rücken fallen konnten. Das ist auch sicher richtig.

Es ist aber sicher ebenso richtig, dass sechshundert Muslime, die sich auf eine fünfmal so große Zahl mit entsprechender Ausrüstung stürzen, etwas Gewaltigeres zu den Wundem der von ihnen gezeigten Tapferkeit bewegen musste, als nur geschickte Führung: und das war der Glaube, der aufrichtige Glaube, dass sie der Wahrheit folgten. Wer an die Wahrheit glaubt, den stört keine noch so gewaltige materielle Kraft und dessen Entschluss schwächen alle Mächte der Falschheit nicht, selbst wenn sie sich vereinen.

 

Die Kraft des Überzeugtseins und des Glaubens

Hätte etwa die geschickte Führung allein genügt, während die Bogenschützen, die der Prophet in der Schlucht aufgestellt hatte, doch nur fünfzig Mann waren? Hätten sich zwei- oder dreihundert Mann den Tod suchend auf sie gestürzt, hätten sie vor ihnen nicht standgehalten und ausgeharrt. Die größte Kraft jedoch, die Kraft des Nachdenkens, die Kraft des Überzeugtseins, die Kraft des aufrichtigen Glaubens an die erhabene höchste Wahrheit - diese Kraft ist unbesiegbar, solange ihr Träger die Wahrheit allein anstrebt.

Deshalb wurden die Kuraisch mit ihren dreitausend Reitern beim Angriff von sechshundert Muslimen zersprengt und ihre Frauen fast demütigend gefangengenommen. Die Muslime verfolgten ihren Feind und erhoben ihre Waffen gegen ihn, wo immer sie wollten bis weit über sein Heerlager hinaus. Dann begannen die Muslime die Beute zu ergreifen. Und wie groß war sie! Das Streben nach dem Vergänglichen der diesseitigen Welt hielt sie von der weiteren Verfolgung ihres Feindes ab.

 

Die Beschäftigung der Muslime mit der Beute

Die Bogenschützen, denen der Gesandte befohlen hatte, die Schlucht nicht zu verlassen, selbst wenn sie sähen, dass er und seine Gefährten getötet würden, sahen sie und sagten zueinander, nachdem der Anblick der Beute ihnen den Mund wässrig gemacht hatte: "Warum bleibt ihr hier unnützerweise, wo Allah eurem Feind bereits eine Niederlage beigebracht hat, und diese eure Brüder sein Heerlager in Beschlag nehmen. So kommt hinzu und macht Beute mit denen, die schon Beute machen."
Einer von ihnen wandte ein: "Hat der Gesandte Allahs euch nicht gesagt,. verlasst euren Platz nicht, selbst wenn ihr seht, dass wir getötet werden, und helft uns nicht?!" Die ersteren erwiderten: "Der Gesandte Allahs wollte nicht, dass wir bleiben, nachdem Allah die Polytheisten erniedrigte."

Das Abweichen der Bogenschützen vom Befehl des Propheten und die Einnahme ihrer Stellung durch Chalid Ibn Al Walid
Sie stritten sich. Da sprach ihr Befehlshaber Abdullah Ibn Dschubair zu ihnen, sie sollten nicht vom Befehl des Gesandten abweichen. Doch die meisten von ihnen verweigerten ihm den Gehorsam und gingen, und nur eine Gruppe von weniger als zehn blieb bei ihm. Diejenigen, die weggegangen waren, beteiligten sich an der Plünderung und beschäftigten sich damit zusammen mit den anderen Muslimen.

Da nahm Chalid Ibn Al Walid, der an der Spitze der Reiter Mekkas stand, die Gelegenheit wahr, stürmte mit seinen Männern auf die Stellung der Bogenschützen los und vertrieb sie. Die Muslime bemerkten sein Vorgehen nicht, da sie das Beschäftigen mit der Beute von allem anderen ablenkte: Es gab keinen unter ihnen, der nicht an sich nahm, was ihm in die Hände fiel. Ebenso verhielt es sich, als Ibn Al Walid einen Schrei ausstieß, durch den die Kuraisch begriffen, dass er sich mit seinen Mannen hinter dem Heer der Muslime befand. Da kehrten alle Flüchtenden von ihnen um und begannen, die Muslime zu bekämpfen und zu töten.

 

Das Blatt wendet sich gegen die Muslime

Da wandte sich das Blatt. Ein jeder Muslim ließ fallen, was er von der Beute in der Hand hatte, und kehrte zu seinem Schwert zurück, um es zum Kampf zu zücken. Die Schlachtreihen hatten sich jedoch bereits aufgelöst, und die Einheit war zerbrochen. Das unendlich tiefe Meer von Männern der Kuraisch verschlang diese Auslese von Muslimen, die bis vor kurzem auf Befehl ihres Herrn für die Verteidigung ihres Glaubens gekämpft hatten und in diesem Augenblick kämpften, um den Klauen des Todes und den Krallen der Demütigung zu entkommen.

Sie hatten fest aneinandergereiht und im Einverständnis miteinander gekämpft und kämpften nun verstreut und in Unkenntnis voneinander. Sie hatten unter einer starken, entschlossenen und weisen Führung gekämpft und kämpften nun ohne Führung. So war es nicht verwunderlich, dass man einen Muslim mit seinem Schwert einen anderen Muslim schlagen sah und er ihn kaum erkannte. Jemand unter den Leuten rief: "Muhammad wurde getötet", und das Durcheinander nahm zu, und das Unglück wurde immer schlimmer.

Die Muslime zerstritten sich und begannen sich einander zu bekämpfen und zu erschlagen und merkten es aufgrund der Eile und Bestürzung, in der sie sich befanden, nicht einmal. Die Muslime töteten ihren Mitmuslim Husail Ibn Dschabir Abu Hudhaifa und erkannten ihn nicht. Die größte Sorge eines jeden Muslims war, sich selbst zu retten, mit Ausnahme jener, die Allah (t.) beschützte, wie Ali Ibn Abu Talib.

 

Was dem Gesandten Allahs zustieß

Kaum hatten die Kuraisch vom Tode Muhammads (s.a.s.) gehört, stürmten sie in die Richtung vorwärts, in der er sich befand, denn ein jeder wollte an seiner Tötung oder Verstümmelung einen Anteil haben, auf den die Stämme stolz wären. Da umringten ihn die Muslime, die in der Nähe waren, und verteidigten und schützten ihn, und der Glaube kehrte zurück und erfüllte ihre Seelen und beherrschte ihre Herzen. Es ließ sie den Tod lieb gewinnen und das diesseitige Leben gering schätzen. Es verstärkte ihren Glauben und Todesmut zu sehen, dass ein Stein, den die Kuraisch geworfen hatten, den Propheten getroffen hatte. Er fiel auf die Seite, ein Zahn wurde verletzt, sein Gesicht verwundet, seine Lippe zerschnitten, und zwei Glieder des Helms, mit dem er sein Gesicht schützte, drangen in seine Wange ein.

Den Stein, der ihn traf, hatte Utba Ibn Abu Wakkas geworfen. Der Gesandte fing sich und setzte sich in Bewegung, und mit ihm seine Gefährten um ihn, doch stürzte er in eine Grube, die Abu Amir ausgehoben hatte, damit die Muslime hineinfielen. Ali Ibn Abu Talib eilte zu ihm und ergriff ihn bei seiner Hand, und Talha Ibn UbaidAllah hob ihn hoch, bis er aufrecht stand. Er und seine Gefährten brachen auf und erklommen den Berg Uhud, um sich vor dem Feind und dessen Verfolgung in Sicherheit zu bringen.

 

Todesmut der Muslime bei der Verteidigung des Gesandten

In dem Augenblick, da sie aufbrachen, hatten sich bereits die Muslime um sie geschart und zeigten in der Verteidigung des Gesandten einen unbezwingbaren Todesmut. Umm Amara, eine Frau von den Ansar, war zu Beginn des Tages mit einem Schlauch Wasser ausgezogen, womit sie bei den kämpfenden Muslimen umherging, um jedem Durstigen unter ihnen zu trinken zu geben. Als nun die Muslime einer Niederlage entgegensahen, ließ sie ihren Wasserschlauch fallen, zog ein Schwert und begann, inmitten des Kampfgetümmels Muhammad (s.a.s.) mit dem Schwert zu verteidigen und mit dem Bogen zu schießen, bis sie verwundet wurde. Abu Dudschana machte sich selbst zum Schild vor dem Gesandten und hielt seinen Rücken vor ihn, so dass die Pfeile in ihm stecken blieben. Sad Ibn Abu Wakkas hielt an der Seite Muhammads (s.a.s.) stand und schoss Pfeile ab, und Muhammad (s.a.s.) reichte ihm die Pfeile und sagte zu ihm: "Schieß, mein Vater und meine Mutter würden sich für dich opfern." Muhammad (s.a.s.) hatte zuvor selbst mit seinem Bogen geschossen, bis dieser zerbrochen war.

Jene aber, die wähnten, Muhammad (s.a.s.) sei tot - darunter Abu Bakr und Umar -, wandten sich in Richtung zum Berg und gaben auf. Da sah sie Anas Ibn An Nadr und fragte: "Was setzt ihr euch?" Sie antworteten: "Der Gesandte Allahs wurde getötet." Er erwiderte: "Was wollt ihr denn nach ihm mit dem Leben anfangen! Erhebt euch und sterbt wie er!" Sodann wandte er sich wieder den Leuten zu und kämpfte leidenschaftlich und erwies sich als äußerst tapfer, so dass er nicht eher starb, als bis er siebzigmal geschlagen worden war und niemand ihn mehr erkannte außer seiner Schwester, die ihn nur noch anhand seiner Fingerspitzen identifizieren konnte.

 

Die Kuraisch halten den Propheten für tot

Die Kuraisch freuten sich, denn sie glaubten fest an den Tod Muhammads (s.a.s.), und Abu Sufjan schickte sich an, unter den Gefallenen nach ihm zu suchen. Keiner derer, die ihn (s.a.s.) verteidigten, leugnete - seinem Befehl gehorchend - die Nachricht von seinem Tod, auf dass die Kuraisch sich nicht gegen sie zusammenrotteten und sie überwältigten. Kab Ibn Malik näherte sich jedoch Abu Dudschana und denen, die mit ihm waren, und erkannte Muhammad (s.a.s.), dessen Augen unter dem Helm hervorleuchteten. Da rief er mit lauter Stimme: "0 ihr Muslime, freut euch! Dies ist der Gesandte Allahs !"

 

Die Rettung des Gesandten und seiner Mitstreiter

Da gab ihm der Prophet einen Wink zu schweigen. Als die Muslime es jedoch erfuhren, drängten sie mit dem Propheten und er mit ihnen zur Bergschlucht. Um ihn herum waren Abu Bakr, Umar, Ali Ibn Abu Talib, Az Zubair Ibn Al Auwam und eine Gruppe anderer. Der Schrei von Kab hinterließ bei den Kuraisch ebenfalls seine Wirkung. Es ist sicher richtig, dass die meisten von ihnen ihm nicht glaubten und es für einen Ruf hielten, mit dem er die Entschlusskraft der Muslime stärken wollte. Dennoch eilten einige von ihnen hinter Muhammad (s.a.s.) und denen, die mit ihm zogen, her. Ubaij Ibn Chalaf holte sie ein und fragte: "Wo ist Muhammad? Ich will nicht entkommen, wenn er entkommt!" Da versetzte ihm der Gesandte mit dem Speer von Al Harith Ibn As Simma einen Stich, durch den er, sich auf seinem Pferd windend, zur Umkehr gezwungen wurde und unterwegs starb.

Als die Muslime schließlich zum Eingang der Schlucht gelangten, ging Ali, um seinen Schild mit Wasser zu füllen, und Muhammad (s.a.s.) wusch mit einem Teil das Blut aus seinem Gesicht und goss den Rest über seinen Kopf. Abu Ubaida Ibn Al Dscharrah entfernte die beiden Glieder des Helms aus dem Gesicht des Gesandten, woraufhin seine beiden Schneidezähne ausfielen. Als sie damit beschäftigt waren, erklomm Chalid Ibn Al Walid an der Spitze von weiteren Reitern den Berg. Umar Ibn AI Chattab und eine Gruppe der Gefährten des Gesandten bekämpften sie und trieben sie zurück. Die Muslime stiegen den Berg höher hinauf, und die Anstrengung hatte sie so erschöpft und die Anspannung so geschwächt, dass der Prophet wegen der ihm zugefügten Wunden das Mittagsgebet sitzend verrichtete und die Muslime hinter ihm ebenfalls sitzend beteten.

 

Verstümmelung der muslimischen Gefallenen

Die Kuraisch waren vor Freude über ihren Sieg außer sich und gingen davon aus, für Badr voll und ganz Rache genommen zu haben, so dass Abu Sufjan rief: "Ein Tag für den Tag von Badr und im kommenden Jahr die Wiederkehr!" Hind Bint Utba, seiner Frau, genügten der Sieg und die Tötung von Hamza Ibn Abdul Muttalib jedoch nicht. Sie ging mit den Frauen, die bei ihr waren, die Gefallenen der Muslime zu verstümmeln und deren Ohren und Nasen abzuschneiden. Hind machte sich daraus Halsbänder und Ohrgehänge, dann schnitt sie Hamzas Bauch auf, zerrte mit ihren Händen seine Leber heraus und begann sie mit ihren Zähnen zu zerkauen, vermochte sie jedoch nicht hinunterzuschlucken.

Die Abscheulichkeit dessen, was sie und die Frauen, die mit ihr waren, taten, sowie das, was auch die Männer an Widerwärtigkeiten verübten, ging soweit, dass Abu Sufjan sich von der Verantwortung dafür lossprach. Er verkündete, er habe es nicht befohlen, auch wenn er sich daran beteiligt habe, ja er sagte gegenüber einem der Muslime: "Eure Gefallenen wurden verstümmelt. Bei Allah , es gefiel mir nicht, es erzürnte mich aber auch nicht; und ich verbot es nicht, ich gebot es aber auch nicht."

 

Muhammads Trauer um Hamza

Die Kuraisch zogen ab, nachdem sie ihre Gefallenen begraben hatten, und die Muslime kehrten zum Schlachtfeld zurück, um ihre Gefallenen zu begraben. Muhammad (s.a.s.) machte sich auf, seinen Onkel Hamza zu suchen. Als er ihn mit geöffnetem Bauch und verstümmelt sah, war er darob äußerst traurig und sagte: "Nichts Vergleichbares wird mich je wieder treffen. Nie war ich in einer Situation, die mich mehr erzürnte als diese." Sodann sagte er: "Bei Allah , sollte uns Allah eines Tages den Sieg über sie schenken, werde ich sie verstümmeln, wie das noch niemand von den Arabern getan hat." Bei dieser Gelegenheit wurde die Rede des Erhabenen geoffenbart:

"Wenn ihr bestraft, so bestraft in gleichem Maße, mit dem ihr bestraft wurdet; und wenn ihr Geduld zeigt, so ist dies besser für die Geduldigen. Und gedulde dich, und deine Geduld ist nur durch Allah ; und betrübe dich nicht über sie und sei nicht bedrückt ob dessen, was sie aushecken." (16, V. 126-127)

Da übte der Gesandte Allahs Nachsicht, geduldete sich und verbot die Verstümmelung. Er bedeckte Hamza mit seinem Obergewand und betete für ihn. Seine Schwester Safijja Bint Abdul Muttalib kam, erblickte ihn, betete für ihn und bat für ihn um Vergebung.

 

Beerdigung der Gefallenen und Rückkehr nach Medina

Hamza wurde begraben, und der Prophet ordnete an, die Gefallenen do zu begraben, wo sie ihren Tod gefunden hatten. Die Muslime wandten sie dann mit Muhammad (s.a.s.) an ihrer Spitze nach Medina, siebzig Gefallene hinter sich zurücklassend. In ihre Seelen schnitt der Schmerz der Niederlage, die sie nach dem Sieg getroffen hatte. Sie fühlten Erniedrigung und Schande nach einem unvergleichlichen Sieg, und dies alles, weil die Bogenschützen dem Befehl des Propheten nicht Folge geleistet hatten und die Muslime vom Feind durch dessen Beute abgelenkt wurden.

 

Das Ansehen der Muslime muss zurückgewonnen werden

Der Prophet betrat sein Haus und begann nachzudenken. Die Einwohner Jathribs von den Juden und den Heuchlern und den Polytheisten zeigten überschwängliche Freude über seine und seiner Gefährten Niederlage. Die Macht der Muslime in Medina hatte gerade Fuß gefasst, und es war keinem mehr möglich gewesen, sie streitig zu machen. Nunmehr fehlte wenig daran, dass sie ins Wanken geriet und erschüttert wurde. Dieser Abdullah Ibn Ubaij Ibn Salul war an der Spitze einer Truppe ausgezogen und von Uhud zurückgekehrt, ohne sich am Kampf beteiligt zu haben, unter dem Vorwand, Muhammad (s.a.s.) habe nicht auf seinen Rat gehört oder Muhammad (s.a.s.) habe seinen Freunden von den Juden gezürnt.

Sollte die Niederlage von Uhud das letzte Wort zwischen den Muslimen und den Kuraisch bleiben, würde die Sache Muhammads (s.a.s.) und seiner Gefährten für die Araber verächtlich gemacht. Ihre Macht in Jathrib würde schwächer werden, und sie würden zum Gegenstand der Verachtung durch die Kuraisch, die Spott-Propaganda gegen sie aussenden und sich über die ganze Halbinsel hinweg über sie lustig machen würden. Sollte dies geschehen, würden sich die Polytheisten und Götzendiener als Folge gegen die Religion Allahs (t.) erdreisten, und es gäbe ein gewaltiges Unglück.

Es führte also kein Weg an einem kühnen Gegenschlag vorbei, der die Auswirkung der Niederlage von Uhud abmilderte und den Muslimen ihre seelische Kraft zurückgab, den Juden und den Heuchlern Angst einjagte und Muhammad (s.a.s.) und seinen Gefährten ihre Macht in Jathrib so stark wie zuvor zurückbrachte.

 

Der Auszug gegen den Feind am nächsten Morgen

Am Morgen nach dem Tag von Uhud, am Sonntag den sechzehnten Schauwal, rief der Gebetsrufer des Propheten die Muslime zur Verfolgung und Vertreibung des Feindes auf, wenngleich nur ausziehen sollte, wer am Kriegszug teilgenommen hatte. Die Muslime zogen aus, und Abu Sufjan glaubte, seine Feinde kämen aus Medina mit neuer Verstärkung, und fürchtete das Aufeinandertreffen mit ihnen. Muhammad (s.a.s.) erreichte Hamra Al Asad, während Abu Sufjan und seine Gefährten bei Ar Rauha waren.

Da kam Mabad Al Chuzai, der zuvor an Muhammad (s.a.s.) und dessen Gefährten vorbeigekommen war, und er befragte ihn über sie. Mabad, der noch dem Polytheismus angehörte, antwortete ihm: "Muhammad zog mit seinen Gefährten aus, euch zu verfolgen, mit einem Heer, desgleichen ich zuvor noch nie gesehen habe, und jene, die hinter ihm zurückgeblieben waren, haben sich mit ihm vereint. Sie alle sind äußerst wütend auf euch und rachgierig." Abu Sufjan überlegte jedoch, welche Auswirkung es haben würde, wenn er vor Muhammad (s.a.s.) floh und sich ihm nicht stellte, nachdem er ihn bei Uhud besiegt hatte. Würden die Araber nicht von den Kuraisch sagen, was er wollte, dass sie von Muhammad (s.a.s.) und seinen Gefährten sagten?! Sollte er jedoch zu Muhammad (s.a.s.) zurückkehren, und die Muslime würden ihn besiegen, so wäre das das letzte Urteil über die Kuraisch, ein Urteil, nach dem sie nie mehr Widerstand würden leisten können. Da nahm er Zuflucht zu einer List und beauftragte einige Leute aus der Karawane von Abd Al Kais, die sich nach Medina begab, sie sollten Muhammad (s.a.s.) mitteilen, er habe sich entschlossen, gegen Muhammad (s.a.s.) und seine Gefährten zu ziehen, um den Rest von ihnen auszurotten.

Als die Karawane Muhammad (s.a.s.) bei Hamra Al Asad die Botschaft überbrachte, wurden sein Entschluss nicht erschüttert und sein Mut nicht gebrochen. Er blieb vielmehr drei aufeinanderfolgende Tage lang an seinem Platz, die Nacht durch Feuer erhellend, um den Kuraisch zu zeigen, dass er zu seinem Entschluss stehe und auf ihre Rückkehr warte.

Schließlich geriet die Entschlossenheit Abu Sufjans und der Kuraisch ins Wanken, und sie zogen es vor, bei ihrem Sieg bei Uhud zu bleiben, und wandten sich um gen Mekka. Muhammad (s.a.s.) kehrte nach Medina zurück. Er hatte einen Großteil seiner Stellung, die wegen Uhud erschüttert worden war, wiedergewonnen. Wenn die Heuchler jetzt auch begannen, den Kopf zu heben und die Muslime zu verhöhnen, indem sie sie fragten: "Wenn Badr ein Zeichen Allahs für Muhammads (s.a.s.) Sendung war, was mag dann das Zeichen von Uhud sein und worauf weist es hin?!"

 

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