D Die faszinierende Lebensgeschichte des letzten Propheten

10- Anfeindungen

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Den reichen Herrschern von Mekka war die soziale Gleichheit, die Muhammad predigte, ein Dorn im Auge. Deshalb wollten sie unbedingt verhindern, dass er Anhänger um sich sammelte. Es hätte auch ihre Geschäfte ruiniert – denn einen einzigen, anbetungswürdigen Gott als unsichtbaren Schöpfer anzuerkennen und Ihm allein zu dienen, bedeutete so viel wie allen Götzen abzuschwören. Viele Menschen hatten Steine als Götzen um die Kaaba herum aufgestellt und beteten diese als Götter an, wobei sie glaubten, dass sie für Glück, Reichtum und Ehre sorgten.

In Mekka herrschte damals das Recht des Stärkeren: Wer reich und stark war, konnte sich alles erlauben. Frauen und Sklaven wurden ausgebeutet.

Drei Jahre war die Botschaft vom Propheten im Verborgenen verbreitet worden, doch nun wurde ihm von Allah der Befehl erteilt, sie öffentlich zu verkünden.

Zuerst sprach der Prophet mit seinem Clan, den Bani Haschim. Es bekannten sich zwar nur wenige von ihnen zum Islam, aber Abu Talib sicherte ihm den Schutz der Bani Haschim zu und sagte ihm, dass er mit der Verkündung seiner Botschaft fortfahren könne. Nur einer der Bani Haschim stellte sich gegen ihn: Muhammads eigener Onkel Abu Lahab.

Am folgenden Tag stieg der Prophet auf den Hügel Safa in der Nähe der Kaaba und rief: „O Bani Machzum, o Bani Zuhra, o Bani …“ So rief er alle Stämme der Quraisch.

Als sie hörten, dass es Muhammad war, der rief, eilten sie zum Hügel Safa. Nachdem die Stämme der Quraisch sich nun alle versammelt hatten, fragte der Prophet: „Wenn ich euch berichten würde, dass sich hinter diesem Berg Reiter befinden, die euch angreifen wollen, würdet ihr mir glauben?“ Sie antworteten: „Ja sicher, wir haben von Dir noch nie eine Lüge gehört und kennen dich als jemanden, der immer die Wahrheit spricht.“ Da sagte der Prophet: „Ich bin für euch ein Warner vor einer schlimmen Strafe. Ich bin wie jemand, der einen Feind erspäht hat und nun seine Stammesangehörigen warnt.“ Er erzählte ihnen von seiner Botschaft und dem Auftrag, den Allah ihm gegeben hatte. Er schloss mit den Worten: „O Quraisch, glaubt an Allah, rettet euch vor dem Feuer der Hölle, denn ich kann euch nach dem Tode weder nützen noch schaden!“84 Damit wollte er ihnen erklären, dass vor Allah jeder Mensch für sich selbst verantwortlich ist. Vor Allah gibt es keinen Schutz durch Stämme oder durch Reichtum. Alle Menschen sind gleich.

Die Leute der Quraisch hatten zugehört, äußerten sich aber nicht dazu. Sie waren gerade dabei zu gehen, als Abu Lahab rief: „Wehe dir, hast du uns dafür versammelt?“ [85]
Dies sollte der Beginn einer tiefen Feindschaft Abu Lahabs gegenüber seinem Neffen und den Muslimen sein.

Auch bei vielen der Anführer der Quraisch wuchs eine Gegnerschaft zum Islam. Sie versuchten einerseits, den Islam und den Propheten zu verleumden und andererseits, die Vorteile des alten Glaubens hervorzuheben, was ihnen jedoch beides misslang. Nachdem es den Quraisch mit Argumenten und Worten nicht gelungen war, dem Islam etwas entgegenzusetzen, wandten sie Gewalt an. Ihre Aggressionen trafen als Erstes die Schwachen und Schutzlosen. So begannen die Mächtigen der Quraisch, jene ihrer Sklaven und Diener zu foltern, welche den Islam angenommen hatten, um sie dazu zu zwingen, zum Götzendienst zurückzukehren.

Der Gesandte Allahs prangerte die Misshandlung und Ausbeutung der Schwachen und Schutzlosen mit scharfen Worten an. Er verlangte ein Ende der betrügerischen Verträge und des Zinswuchers, der die Armen zu Sklaven machte. Er sprach eindringlich von den Rechten der Unterdrückten und Schwachen.
Er warnte jeden, der gegen andere Gewalt anwandte, und sagte, dass jeder dereinst für seine Taten von Allah zur Rechenschaft gezogen werden würde. Er erklärte aber auch, dass er persönlich weder für seinen Onkel Hamza, noch für seine Tante Safiya oder für seine Tochter Fatima – sein eigen Fleisch und Blut – etwas tun könne, sollten sich diese etwas zuschulden kommen lassen.86 Jeder sei also für sich selbst verantwortlich. Er sprach von den Wundern der Natur, die von der Einheit und Allmacht ihres Schöpfers zeugen. Er berichtete auch von der Gnade, Güte und Weisheit Allahs. Er rezitierte die bewegenden Verse des Korans, die seine Anhänger schnell aufnahmen und eilends weitergaben.



Die Freundlichkeit der Muslime war bald in aller Munde: Ob arm oder reich, Diener oder Herr, sie alle begrüßten sich mit dem Friedensgruß „As-Salamu alaikum – Friede sei mit euch“. Es waren die Worte, die Gabden Propheten gelehrt hatte. Je mehr Offenbarungen gesandt wurden, umso klarer wurde den Menschen, was für ein ungerechtes und würdeloses Leben sie bislang geführt hatten. Wer ernsthaft nachdachte, begriff, dass die Worte und Werte des Korans nicht von Muhammad stammen konnten, sondern aus einer den Menschen überlegenen Quelle.

Das einzige Argument der Götzendiener war, dass auch ihre Väter schon so gelebt hatten, wie sie es jetzt taten. Ganz gleich, was der Islam den Menschen brachte und wie ehrlich der Prophet Muhammad war – sie wollten ihre Lebensweise nicht ändern! Sein Onkel Abu Lahab erklärte ihn für verrückt. Andere nannten ihn einen Dichter, der die Herzen der Menschen nach der ersten Begegnung änderte – obwohl er vor der Sendung gar kein Talent zur Dichtkunst gezeigt hatte und des Lesens und Schreibens unkundig war. Die Quraisch fragten sich, wer ihm von heute auf morgen Poesie und Weisheit beigebracht haben könnte.

Schließlich gingen sie zu Abu Talib, der selbst kein Muslim geworden war. Aufgebracht forderten sie von ihm, dass der Prophet aufhören solle, die Religion ihrer Väter des Irrtums zu bezichtigen, was ja auch ihn selbst, Abu Talib, betreffe. Sie boten sogar an, Muhammad zu ihrem König zu machen, ihm so viele Frauen zu geben, wie er nur wollte, oder so viel Geld, dass er der Reichste unter ihnen würde. Er solle nur endlich mit der Verkündung der Offenbarungen und dem Fordern von Rechten für die Frauen, die Kinder, die Armen und die Schwachen aufhören! Das würde ihre Geschäfte ruinieren.

Abu Talib ließ den Propheten zu sich rufen. Er berichtete ihm, was die Vertreter des Stammes ihm angeboten hatten. Dann bat er seinen Neffen: „Belaste mich nicht mit etwas, was ich nicht verkraften kann!“

Da fürchtete der Prophet, die Unterstützung seines Onkels zu verlieren.
Doch sein Volk tat ihm leid und er wünschte sehr, dass es sich vom Licht des Islam rechtleiten ließe.
So machte er deutlich, dass er nie aufhören würde, Allahs Botschaft zu verkünden, selbst wenn er dafür sterben müsse. Dann stand er auf. Als er gehen wollte, rief Abu Talib ihn zurück und versprach: „Verbreite, was du möchtest, bei Allah, für nichts werde ich dich preisgeben!“ [87]

Nach den ersten acht Muslimen erreichte die Zahl der Frauen und Männer, die den Islam annahmen, schnell einhundertdreißig. Unter ihnen waren einige Verwandte des Propheten, seine beiden Cousins Dschaafar und Zubair, sowie dessen Mutter Safiya. Umm Al Fadl, die Frau des noch unsicheren Abbas, brachte ihre Schwestern Salma, Asma’ und Maymuna zum Propheten. Dschaafar heiratete Asma’, während Hamza ihre Schwester Salma heiratete.88 Sie alle waren Quraischiten.

Chadidscha war weiterhin eine große Stütze für den Propheten. Er liebte sie sehr und heiratete zu ihren Lebzeiten keine weitere Frau. Sie war bekannt als „AtTahira“, die Reine – sogar schon vor dem Islam. Deshalb wurden ihre Töchter „Banatut-Tahira“, die Töchter der Reinen, genannt. Ihre Tugenden und Vorzüge waren in ganz Mekka bekannt.

Um sich vor ihren Stämmen zu verstecken, gingen die Gefährten des Propheten zum Verrichten der Gebete in die Schluchten außerhalb Mekkas.

Als Saad Bin Abi Waqqas einmal mit einigen Gefährten dort beim Gebet war, kam eine Gruppe Mekkaner bei ihnen vorbei. Sie störten ihr Gebet, beschimpften sie und wurden gewalttätig. Als sie sich nicht mehr anders zu helfen wussten, schlug Saad einen der Angreifer mit dem Kieferknochen eines Kamels und verletzte ihn am Kopf. Dies war das erste Mal, dass zur Verteidigung der Muslime Blut vergossen wurde.
Auch Abu Talib sah seinen Sohn Ali mit dem Propheten beten und fragte sie, was sie da täten. Die beiden erklärten ihm den Sinn und die Wichtigkeit des Gebetes. Er hörte es sich an und ermutigte sie, weiterzumachen. [89]

Die Quraisch merkten, dass Abu Talib Muhammad seine Unterstützung nicht entziehen würde. Deshalb dachten sie sich etwas Neues aus: Sie gingen mit Umara, dem Sohn des Al-Walid, zu ihm.
„Abu Talib! Das ist Umara. Er ist der stärkste Junge unter den Quraisch und der schönste! Nimm ihn! Sein Verstand und seine Kraft gehören dir. Als deinen Sohn sollst du ihn haben, wenn du uns dafür deinen Neffen Muhammad übergibst, der sich von unserer und deiner Religion abgewendet hat, der die Gemeinschaft deines Volkes spaltet und behauptet, wir hätten keinen Verstand.90 (...) damit wir ihn töten. Dann steht es Mann für Mann!“

„Bei Allah, was für einen unfairen Handel schlagt ihr mir da vor! Ihr wollt mir euren Sohn geben, damit ich ihn versorge, und ich soll euch meinen Sohn geben, damit ihr ihn tötet? Bei Allah, das wird niemals geschehen!“

Mut‘im Bin Uday sagte: „Bei Allah, Abu Talib, was sie dir vorschlagen, ist fair. Sie bemühen sich nur, dich von dem zu befreien, was du ja selbst nicht magst. Aber du willst nichts von ihnen annehmen!“
„Bei Allah, es ist nicht fair. Vielmehr habt ihr euch gegen mich verbündet und wollt mein Volk gegen mich aufhetzen. So macht doch, was ihr wollt!“ [91]

Die Lage wurde immer schlimmer. Die einzelnen Sippen hetzten nun gegen die Gefährten des Propheten, die sich zum Islam bekannten. Jede Sippe peinigte die Muslime, die unter ihnen lebten und versuchte, sie mit Gewalt wieder von ihrem Glauben abzubringen.

Als Abu Talib sah, was die Quraisch taten, rief er seine beiden Sippen, die Haschim und die Abdul-Muttalib, auf, ihm dabei zu helfen, den Propheten zu schützen. Denn als Oberhaupt des Stammes besaß er das Recht, dem Propheten Schutz zu gewähren, was er als Ehre empfand. Alle, mit Ausnahme Abu Lahabs, kamen seinem Wunsch nach und stellten sich auf seine Seite.

Obwohl die Repressalien der Quraisch immer mehr zunahmen, begann der Islam nun, sich in Mekka auch unter den Männern und Frauen der quraischitischen Stämme auszubreiten.

So kam es wieder zu einem Treffen der Quraisch mit dem Propheten. Sie sagten: „Muhammad, wenn du Besitz brauchst, geben wir dir von unserem Geld so viel, bis du der Reichste von uns bist! Wenn du möchtest, ernennen wir dich zu unserem König. Solltest du aber von einem Geist besessen sein, werden wir unser ganzes Geld für dich ausgeben, um dir ein Heilmittel zu besorgen.“

Der Prophet antwortete freundlich: „Es fehlt mir nichts von dem, wovon ihr sprecht! Ich brauche weder euren Besitz noch die Ehre und auch kein Königreich. Allah beauftragte mich als Propheten und hat mir ein Buch offenbart, und ich habe den Befehl, euch Freudenbote und Warner zu sein. Ich bringe euch die Botschaften meines Herrn und gebe euch guten Rat. Nehmt ihr es von mir an, wird das euer Vorteil im Diesseits und im Jenseits sein. Weist ihr mich jedoch zurück, so werde ich Allahs Urteil abwarten, bis Er zwischen mir und euch entscheidet.“

Sie verspotteten ihn und verlangten von ihm, er solle ihnen die Berge versetzen, Flüsse wie im Irak und in Syrien fließen lassen und ihre verstorbenen Vorfahren wie Qusai Bin Kilab lebendig machen, damit sie diesen fragen könnten, ob es stimme, was er sage.

Muhammad sagte ihnen nichts von sich aus, sondern war bemüht, ihnen klar zu machen, dass er einen bestimmten Auftrag habe, den er getreu weitergeben wolle.

Als er erkannte, dass die Quraisch nur auf Streit aus waren, stand er auf, um zu gehen.
Sein Cousin Abdullah Bin Abi Umayya stand auch auf und rief: „Ich werde nicht an dich glauben, bevor ich gesehen habe, wie du auf einer Leiter zum Himmel steigst und mit vier Engeln zu uns kommst, die deine Worte bestätigen! Bei Allah, und selbst wenn das geschieht, werde ich nicht an dich glauben!“ [92]

Da ging Muhammad zu seiner Familie zurück – traurig und enttäuscht.

Als der Prophet sie verlassen hatte, fragte Abu Dschahl die Anwesenden: „Männer der Quraisch, ist es wahr, dass Muhammad sein Gesicht mit Staub bedeckt93, während er sich unter euch allen befindet?“ Die Leute bejahten. Da schwor Abu Dschahl: „Bei Al-Lat und Al-Uzza, wenn ich sehe, dass er das tut, werde ich ihm mit meinem Fuß auf den Nacken stampfen und sein Gesicht in den Staub drücken.“

Am nächsten Morgen wartete er auf Muhammad in der Nähe der Kaaba, wo die Quraisch schon zusammensaßen, gespannt was nun geschehen würde. Der Prophet kam und begann wie gewöhnlich zu beten. Als er sich niederwarf, sah Abu Dschahl seine Chance gekommen und ging auf ihn zu. Doch kaum war er losgegangen, als er erschreckt zurückwich, wobei er mit beiden Händen etwas abzuwehren schien.

„Was ist mit dir, Abul Hakam?“, riefen die Quraisch ihm verwundert zu.
„Zwischen mir und ihm ist ein Feuergraben“, war seine entsetzte Antwort, „gewaltig, furchtbar … und riesige Flügel!“
Der Prophet erklärte später: „Wäre er noch einen Schritt näher gekommen, hätten ihn die Engel gepackt und in Stücke gerissen.“ [94]

Nadr Bin Al-Harith95 sprach: „Ihr Männer der Quraisch! Bei Allah, ihr habt keine Lösung für euer Problem! Muhammad lebte unter euch als ein junger Mann, mit dem ihr vollkommen zufrieden wart, er war der Ehrlichste und Zuverlässigste unter euch. Erst nachdem er langsam älter wurde und mit seiner Botschaft kam, habt ihr ihn einen Zauberer genannt; ein Zauberer aber kann er nicht sein, denn wir haben die Zauberer gesehen und wie sie auf ihre Knoten spucken. Dann nanntet ihr ihn einen Hellseher, was er auch nicht sein kann, und dann einen Dichter. Doch auch das ist er nicht, denn wir kennen alle Dichtkünste. Schließlich habt ihr ihn als verrückt bezeichnet, was ebensowenig stimmen kann, denn man sieht an ihm keinerlei Zeichen für Verrücktheit und keine geistige Verwirrung. Männer der Quraisch, nehmt diese Sache ernst! Bei Allah, es ist eine große Sache!“

Nadr war einer von den Quraisch, die den Propheten immer wieder kränkten, verspotteten und anfeindeten. Ihn beauftragten die Quraisch nun, in Begleitung eines weiteren Mannes zu den jüdischen Rabbis nach Medina zu gehen, um ihnen den Propheten zu beschreiben. Sie sprachen zu ihnen: „Ihr seid die Leute der Thora, und wir brauchen euren Rat, was wir mit Muhammad tun sollen!“

Die Rabbis antworteten: „Fragt ihn nach drei Sachen! Wenn er darüber berichten kann, dann ist er ein Gesandter, ein Prophet Allahs. Stellt die erste Frage über die jungen Männer, die in alter Zeit fortgingen; fragt nach einem Wunder, das mit ihnen passierte. Dann fragt ihn nach einem Reisenden, der das Ende der Welt, den Osten und den Westen, erreichte. Und schließlich fragt ihn nach der Seele. Wenn er euch eine Antwort geben kann, so ist er wirklich ein Prophet Allahs. Dann gehorcht ihm!“
Die Männer beeilten sich nach Mekka zurückzukehren und berichteten den Quraisch, dass sie mit einer wichtigen Sache gekommen seien, die zwischen ihnen und Muhammad entscheiden würde. Dann gingen sie zu ihm und stellten ihm die drei Fragen.

Der Prophet sagte ihnen: „Morgen werde ich sie euch beantworten“, vergaß jedoch, „in scha’Allah – so Allah will“, hinzuzufügen.

Fünfzehn Nächte vergingen, doch Allah offenbarte ihm keine Antwort, und Gabriel kam auch nicht. Die Mekkaner stellten fest: „Muhammad versprach uns, am nächsten Tag zu antworten, und inzwischen sind fünfzehn Nächte vergangen. Nicht einmal eine einzige Frage kann er beantworten!“
Das Ausbleiben der Offenbarungen und das Gerede der Mekkaner machten Muhammad sehr traurig.

Als er schon fast keine Hoffnung mehr hatte, brachte Gabriel die Antwort – die berühmte Sure Die Höhle96, in der Allah den Propheten wegen seiner Vergesslichkeit tadelt: „Und sprich nie von einer Sache: ‚Ich werde dies morgen tun‘, es sei denn (du fügst hinzu): ‚So Allah will.‘“ [97]

Erleichtert ging der Prophet zu den Mekkanern und berichtete ihnen, was Allah ihm durch Gabriel offenbart hatte. Als er den Männern ihre Fragen beantwortete, begriffen sie, dass diese kraftvollen Worte richtig waren und er wirklich ein Prophet Allahs sein musste. Die neue Offenbarung stärkte Muhammad und die Gläubigen, und für manchen unsicheren Mekkaner bedeutete sie eine eindrucksvolle Bestätigung, dass die Offenbarungen vom Himmel kamen und nicht von Muhammad. Er, der nicht lesen und schreiben konnte, war ja nicht in der Lage, sich selbst ein derartig schönes, aber auch verborgenes Wissen anzueignen – ganz gleich, wie lange er es versucht hätte.

Die erste Frage betraf die Geschichte von den jungen Schläfern von Ephesus, die dem reinen Glauben an Allah treu blieben und dafür von ihrem Volk, das Götzen verehrte, verfolgt wurden. Die jungen Gläubigen flüchteten in eine Höhle, in der Allah sie in einen tiefen Schlaf versetzte. Erst dreihundertneun Jahre später erweckte Er sie wieder. Die Genauigkeit und dazu noch die Schönheit, mit der der Koran diese Geschichte wiedergibt, verwunderte die Juden. [98]

Die zweite Frage betraf einen großen Reisenden, nämlich Dhul-Qarnain.99 Auch hier fiel die Antwort des Korans durchaus klar und ausführlich aus. [100]

Über die dritte Frage – nach dem Wesen der menschlichen Seele – wurde offenbart, dass die Seele den menschlichen Verstand überfordere. [101]

Nach der Beantwortung der drei Fragen wurden weitere Offenbarungen über die Worte Allahs herabgesandt.102 Diese waren Anlass für viele noch unsichere Mekkaner und auch für einige Juden, zum Islam zu konvertieren. Je größer die Zahl der Muslime wurde, desto größer wurden auch der Neid und die Verfolgung, die ihnen entgegenschlugen.103

Auch in Medina gab es immer wieder Streit zwischen den Juden und den Götzendienern, die nicht an die Einzigartigkeit des Einen Gottes und die Auferstehung der Toten glauben wollten. Die Rabbis erwähnten oft, dass in Mekka bald ein Prophet erscheinen würde. Manchmal drohten sie auch, wenn dieser Prophet käme, würden sie, die Juden, die Götzendiener ausrotten. Dazu kam noch das Bekenntnis eines jüdischen Gelehrten namens Ibn Alhayaban, der einst zu den jüdischen Stämmen gesagt hatte: „Was wohl könnte der Grund dafür sein, dass jemand das Land von Wein und Brot verlässt und in das Land der Anstrengung und des Hungers zieht? Ich bin in dieses Land gekommen, weil ich auf einen Propheten warte, der bald erscheinen und in diese Stadt auswandern wird. Ich hatte die Hoffnung, ihn zu erleben und ihm zu folgen. Doch ihr werdet ihn erleben, also folgt ihm!“ [104]
Es gab genügend Menschen, die all dies hörten.

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[84] Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 84.
[85] Wegen dieses Verhaltens von Abu Lahab wurde die Koran-Sure 111 herabgesandt, in der er getadelt wird.
[86] Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 85.
[87] Ibn Hischam, S. 122.
[88] Ibn Hischam S. 117–120; Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 81.
[89] Ibn Hischam, S. 116; Sunan Abi Dawud, S. 26; Tabari II/S. 313 und Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 81.
[90] Vgl. dazu den Tafsir von „Saffaha Ahlamahum“
[91] Ibn Hischam, S. 122–123.
[92] Ibn Hischam, S. 135–136.
[93] D. h. sich niederwirft.
[94] Vgl. dazu Tafsir Surat al Alaq, Koran, 96: (6) 9-19; Muslim 2797, 7243; Sifat al-Munafiqin.
[95] Nadr war einer der schlimmsten Feinde des Propheten. Er kannte die Geschichten der persischen Könige und Fürsten. Um die Menschen abzulenken, begann er jedes Mal Geschichten zu erzählen, wenn der Prophet versuchte vom Islam zu sprechen. (Ibn Hischam, S. 137).
[96] Ibn Hischam, S. 138. „Die Leute der Höhle“ – unter dieser Bezeichnung werden im Koran jene Jünglinge aufgeführt, welche im Okzident gewöhnlich „die Siebenschläfer von Ephesus“ genannt werden. (Koran 18: 9–11).
[97] Koran 18: 23–24.
[98] Koran 18: 9–22.
[99] Hier handelt es sich um einen König, der bis an alle Grenzen der ihm bekannten Welt gereist war; er war von Allah mit großer Macht ausgestattet worden, die er zum Wohle der Menschheit nutzte.
[100] Koran 18: 83–98.
[101] Koran 17: 85.
[102] Koran 18: 109.
[103] Ibn Hischam, S. 172.
[104] Ibn Hischam S. 99–100; Ibn Ishaq sagte: Dies haben wir von den Rabbinern erfahren; Sahihus-Sira An-Nabawiya Ibn Kathir/Albani.

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