Er findet im Ramadān keine Zeit zum Lesen des Qur’āns

 

Frage :

Zu Beginn des Ramadān habe ich mir vorgenommen, den Qur’ān vollständig durchzulesen, doch ich muss um 6 Uhr morgens aufstehen und komme erst um 17:30 Uhr nach Hause zurück. Nach dem Fastenbrechen bin ich erschöpft, schlafe bis 22 Uhr und stehe im Halbschlaf bis zum Sahūr auf. Danach schlafe ich bis 12 Uhr, damit ich am nächsten Morgen wieder aufstehen kann. Was soll ich tun?


 

Antwort:

Alles Lob gebührt Allāh.

Wir gratulieren dir zu diesem gesegneten Monat und wir bitten Allāh darum, uns zu helfen, Seiner zu gedenken und Ihm zu danken und Ihm angemessen zu dienen.


Der Muslim muss seine Interessen dieser Welt und die des Jenseits` miteinander kombinieren. Er gehört nicht zu denjenigen, die diese Welt ignorieren und ihre weltlichen Angelegenheiten vernachlässigen, um sich nur auf das Jenseits zu konzentrieren, und er gehört nicht zu denjenigen, die auf diese Welt fixiert sind und sich vom Jenseits abwenden.

Vielmehr ist es sein Ziel in dieser Welt, etwas für das Jenseits vorauszuschicken, denn diese Welt ist nicht der Ort des ewigen Aufenthalts, sondern sie ist ein Ort, den der Mensch durchläuft und von dem er unweigerlich in das Jenseits aufbrechen wird.

Der intelligente Gläubige ist der, der sich auf diesen Umzug vorbereitet. Daher, als der Prophet (Allāhs Frieden und Segen seien auf ihm) gefragt wurde: „Wer ist der Intelligenteste der Leute und wer ist derjenige, der am meisten entschlossen ist?“, antwortete er: „Derjenige, der des Todes am meisten gedenkt, und derjenige, der sich am besten darauf vorbereitet.“ (al-Tabarāni; von al-Mundhiri in al-Targhīb wa-l-Tarhīb, 4/197, als hasan eingestuft; auch von al-Haythami in Majma` al-Zawā’id, 10/312, berichtet. Al-`Irāqi sagte in Takhrīj Ahādīth al-Ihya’, 5/194: „Sein Isnād ist jayyid“; außerdem von al-Albāni in Da`īf al-Targhīb, 1964, erwähnt).

Daher ist es notwendig, sich auf den Tag der Abreise zum Ort des ewigen Aufenthalts vorzubereiten. Wir bitten Allāh darum, uns unter Seiner Barmherzigkeit zu versammeln.

Der Muslim muss also seine Anstrengungen für diese Welt mit den Bemühungen für das Jenseits verbinden. Der Mensch braucht eine Unterkunft, Geld, Kleidung, Essen und Trinken, um seinen Körper am Leben zu erhalten, doch er braucht ebenso einen gesunden Glauben, das Gebet, Fasten, Gedenken an Allāh (Dhikr), Lesen des Qur’āns, die freundliche Behandlung der Menschen usw., um sein Herz und seine Seele am Leben zu erhalten.

Allāh sagt (ungefähre Bedeutung): „O die ihr glaubt, leistet Allāh und dem Gesandten Folge, wenn er euch zu dem aufruft, was euch Leben gibt. … “ (8:24).

Daher muss der Muslim den Qur’ān im Ramadān und zu anderen Zeiten lesen.

Er sollte einen täglichen Anteil am heiligen Qur’ān haben, sodass er ihn zumindest einmal alle 40 Tage vollständig liest.

Doch im Ramadān muss er mehr als das tun, denn das ist die beste Zeit für gottesdienstliche Handlungen allgemein und für das Lesen des Qur’āns.

„Der Monat Ramadan (ist es), in dem der Qur’an als Rechtleitung für die Menschen herabgesandt worden ist …“ (2:185)

Man kann sich täglich eine Stunde freihalten, um mehr als zwei Juz des heiligen Qur’āns zu lesen, sodass man ihn im Monat zwei oder drei Mal vollständig liest. Du selber kannst die Zeit nutzen, in der du pendelst, und du solltest den Mushaf zu einem Gefährten machen, der dich niemals allein lässt. Du wirst sehen, dass du den Qur’ān mehrmals innerhalb kurzer Zeit durchlesen kannst, wenn du beharrlich bist. Du kannst außerdem versuchen, dich mit deinem Vorgesetzten darauf zu einigen, deine Arbeitszeiten zu verkürzen, selbst wenn dadurch auch dein Gehalt gekürzt wird, und Allāh wird dich mit etwas Besserem entschädigen. Oder du kannst dir während der letzten 10 Tage ganz oder teilweise freinehmen. Was zählt, ist dein Bemühen, im Rahmen deiner Möglichkeiten das Beste aus diesem gesegneten Monat zu machen. Die Gelegenheit ist immer noch vorhanden und es sind einige Tage übrig. Wir bitten Allāh um Unterstützung, um Ihm gehorsam sein zu können.

Kannst du deine Arbeitszeiten nicht reduzieren und dir auch nicht für einige Tage freinehmen, dann musst du deine Zeit so gut wie möglich nutzen. Allāh weiß, dass du den Qur’ān eifrig lesen würdest, wenn du nicht arbeiten müsstest, und so wirst du gemäß deiner Absicht belohnt werden.

Möge Allāh dir helfen, dass zu tun, was Er liebt und was Ihm gefällt.

Und Allāh weiß es am besten.

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